Mittwoch, 10. Oktober 2012

Linktipp: Ein römisches Kindergrab und mehr...

In Augsburg hat man einen in das 3. Jahrhundert datierten Grabstein entdeckt, den ein Vater für seine beiden Kinder aufstellen ließ. Die Inschrift darauf rührt die Archäologen vor Ort:  "Für die Buritta, die allerliebste Tochter, die acht Jahre, vier Monate und 28 Tage lebte“.
Darunter wurde später noch der Name und die Lebensspanne seines Sohnes Barinianus eingemeißelt; er wurde nur ein Jahr, sechs Monate und 21 Tage alt...    Klick mich

Diese kleinen Details römischer Grabstein-Inschriften sind es, die uns die einfachen Menschen jener Tage sehr nahe bringen können. Zwei weitere Beispiele dafür, möchte ich deshalb hier noch zitieren:

1.)
Hospes, resiste et hoc ad grumum ad laevam aspice, 
ubei continentur ossa hominis boni, misericordis, amatis pauperis.
Rogo te, viator monumento huic nil male feceris. 
Caius Ateilius Serrani libertus Euhodus, margaritarius de sacra  
Via, in hoc monumento conditus est. Viator, vale. 
Ex testamento in hoc monumento neminem inferri neque condi licet, 
nisei eos libertos quibus hoc testamento dedi tribuique.

Fremdling, verweile und blicke auf diesen Erdhügel zur Linken, wo die Gebeine eines guten, barmherzigen, liebevollen und armen Mannes beigesetzt sind. 
Ich bitte dich, Wanderer, diesem Grabmal keinen Schaden zuzufügen.
Caius Atilius Euhodus, Freigelassener des Serranus, Perlenhändler von der "Heiligen Straße", ist in diesem Grabmal bestattet. Wanderer, lebe wohl! 
Aufgrund meines Testaments darf in diesem Grabmal niemand beigesetzt oder bestattet werden außer den Freigelassenen, denen ich dies in meinem Testament gestattet und zuerkannt habe.

2.)
Dis Manibus et quieti aeternae Iuliae Maianae feminae sanctissima, 
manu mariti crudelissimi interfectae, quae ante obiit quam fatum dedit. 
Cum quo vixit annos XXVIII, ex quo liberos procreavit duos: 
puerum annorum XVIIII, puellam annorum XVIII. O fides, o pietas! 
Iulius Maior frater sorori dulcissimae et Ingenuinius Ianuarius filius 
eius faciendum curaverunt et sub ascia dedicaverunt.

Den Totengöttern und der ewigen  Ruhe der Julia Maiana, einer äußerst tugendhaften Frau, 
erschlagen von der Hand des grausamsten Ehemannes; sie starb, bevor es ihr Schicksal (so) bestimmt hat. Mit ihm (dem Gemahl) lebte sie 28 Jahre und brachte ihm zwei Kinder zur Welt: einen Sohn, 19 Jahre alt, und eine Tochter, 18 Jahre alt. O Treue, o Liebe! Iulius Maior, ihr Bruder seiner süßen Schwester, und Ingenuinius Ianuarius, ihr (?) Sohn, haben (den Grabstein) setzen lassen und unter der Ascia geweiht.

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Ein passender Blog-Artikel zu diesem Thema:
http://hiltibold.blogspot.com/2012/07/ein-kurzer-einblick-in-die-epigraphik.html

8 Kommentare

  1. Warum überrascht uns das immer so, dass der historische Mensch genau die selben Gefühle hatte wie wir selbst? Schade doch eigentlich, dass wir ihn so abstrakt wahrnehmen, dass uns solche Grabinschriften als etwas besonderes vorkommen. Übrigens ein schönes Detail oben bei dem Händler, an dem man sieht, dass Herr und Unfreie oft eine sehr enge Beziehung zueinander hatten, trotzdem aber offizielle Bindungen mit Freigelassenen auch zu dieser Zeit undenkbar waren.

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  2. Hübscher Fund. Von solchen Inschriften träumt jeder Archäologe.
    Der Artikel der Augsburger Allgemeinen ist allerdings eher abschreckend, der Autor scheint kaum etwas von dem, was er da schreibt, verstanden zu haben. Im Text ist es mal ein Grabstein, dann wieder sind es zwei. Und ob das Grab nun noch erhalten ist, wenn doch alle Funde nicht mehr am Originalort liegen, scheint ihm auch nicht klar zu sein, noch, was Mauerreste auf einem Gräberfeld verloren haben. Aufgrund des "Trakers" schliesse ich, dass die Artikelgrundlage ein mündliches Interview mit dem Grabungsleiter war. Wenn Nachfragen schon nichts nützt, wären zumindest 10 Minuten Wikipedia hilfreich gewesen ;-)

    LG, Julia

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    1. Der Artikel ist in der Tat ein wenig, hmmmm...., "unvollständig". Habe auch versucht den originalen Wortlaut der Inschrift zu finden, doch bisher leider vergebens...

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  3. und ich bin confused beim nochmal lesen, hatte er jetzt sklaven, die er freigelassen hat als selbst freigelassener oder waren das alles seine freigelassenen freunde?

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    1. Das waren seine eigenen, freigelassenen Sklaven (bei der Bestattung in der Grabkammer des einstigen Herren, handelt es sich um einen nicht gerade selten "Brauch".)

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    2. Finde ich bemerkenswert. Wo heute ein Mensch mit dem Unrechtsverständnis der Aufklärung sagen würde: Ich weiß ja selbst, wie es ist, versklavt zu sein, das könnt ich jetzt als Freigelassener anderen nicht antun, scheint man da in der Antike ein ganz anderes Verständnis der Gesellschaftsordnung zu haben? Ein Freigelassener der sich selbst Sklaven hält?

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    3. Diese Frage habe ich mir allerdings auch schon gestellt.
      Andererseits waren Sklaven in der antiken Wirtschaft ein fixer Bestandteil. Auch ein Freigelassener, der z.B. als Unternehmer Erfolg haben wollte, (in dem Fall als Perlenhändler), konnte deshalb auf eigene Sklaven kaum verzichten, ohne gegenüber der Konkurrenz ins Hintertreffen zu geraten.
      Wenn man außerdem bedenkt, dass bei den Römern sehr viele Sklaven nach einiger Zeit ohnehin freigelassen wurden, dann ist es denkbar, dass das Sklavendasein von vielen als eine bloße Zwischenstufe ihres Lebensweges betrachtet wurde. Sprich, man nahm es deutlich weniger schwer, als wir heute eventuell meinen (Sklaven wurden ja zum Teil sogar bezahlt, da es ihre Motivation steigerte).

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  4. Was ich ja auch gelesen hab, was das Ganze logisch erscheinen lässt, dass manche Menschen sich freiwillig in die Sklaverei begeben haben, weil ihnen dort Unterkunft und Verpflegung sicher waren, während sie in der freien Wirtschaft/Gesellschaft diese Sicherheit nicht gehabt hätten.

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