Dienstag, 2. Oktober 2012

Reliquienbetrug - wer hat's erfunden?

Skull, no Bones :)
Menschlicher Schädel
(Foto: Kuebi / Wikimedia.org)
In welch immensen Ausmaß in der christlichen Welt mit Reliquien, also mit mehr oder weniger echten Überbleibseln von Heiligen, Schindluder getrieben wurde (und wird), ist hinlänglich bekannt. Doch wer hat's erfunden? Jedenfalls kein Christ.
Als Kimon, ein Feldherr und Politiker aus Athen, um 475 v. Chr. die Insel Skyros besetzte und sie von den dort hausenden Piraten säuberte, behauptete er, er habe die Gebeine von Theseus, einem sagenumwobenen Helden, entdeckt. Er ließ die  morschen Knochen ausgraben, nach Athen überführen und dort in einem Tempel bestatten (die Athener glaubten nämlich, Theseus habe ihnen in der berühmten Schlacht bei Marathon beigestanden). Ein gelungener Propagandacoup, der dem ambitionierten Kimon da gelungen war. Die starken Parallelen zum erst viele Jahrhunderte später aufkommenden christlichen Reliquienkult sind glaube ich offensichtlich. Man denke etwa nur an die Heiligen Drei Könige, deren angebliche Knochen Friedrich Barbarossa und Rainald von Dassel von Mailand nach Köln transportierten, um sie dann dort im Dom gewinnbringend "auszustellen".

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Weiterführende Literatur:
  • Rainer Vollkommer | Das antike Griechenland | Theiss | 2007 | Infos bei Amazon

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