Sonntag, 4. November 2012

Das sogenannte Verursacherprinzip

Mit gemischten Gefühlen beobachte ich seit geraumer Zeit jene in NRW vor sich hinbrodelnde Diskussion, bei der es, flapsig formuliert, darum geht, wem man beispielsweise im Falle einer archäologischen Notgrabungen die Kosten aufbrummen kann.
Den nachfolgenden Link verstehe man bitte ja nicht als politisches Statement meinerseits ;) Klick mich

Was in dem Artikel ein wenig missverständlich rüberkommt: Natürlich sind nicht nur Kiesgrubenbesitzer, Großinvestoren und sonstige Geldsäcke von Kostenbeteiligungen betroffen, sondern auch einfache Häuslbauer, die einfach das Pech haben, dass sich unter ihrem Grund und Boden irgendwelche historischen Überbleibsel befinden.
Zusätzliche Kosten und Bauverzögerungen, können hier rasch existenzgefährdend werden.

4 Kommentare

  1. Das Problem ist nur: einfach wegbaggern ist ja wohl auch keine Alternative, bzw. wäre sogar illegal. Und solange die Politik nicht bereit ist, sich die Sicherung archäologischer Fundstellen etwas kosten zu lassen, bleibt die Beteiligung des Bauherrn an den Kosten eine der wenigen Möglichkeiten, überhaupt in nützlicher Frist eine Grabung durchführen zu können. Sonst bleibt bei derart knappem Budget nur eine Warteliste, und das kommt für die Bauherren auch nicht billiger...
    Solange die Länder also lieber marode Banken retten, statt für die Erhaltung ihres Kulturguts zu sorgen, sehe ich keine vernünftige Lösung.

    LG, Julia

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    1. Ich stimme dem grundsätzlich zu.
      Im Zweifelsfall, wenn also der Staat in der Frage knausert, bin ich jedoch dafür, dass die wirtschaftliche Existenz lebender Menschen, vor den Hinterlassenschaft toter Menschen zu gehen hat. Ich komme nicht umhin dies, bei aller Liebe zur Archäologie, hier ganz klar festzustellen. Ich kenne nämlich einen ganz konkreten Fall, bei dem eine fünfköpfige Familie, aufgrund eines vom Denkmalamtes verhängten Baustopps, beinahe in den finanziellen Ruin geschlittert wäre. Mir hat das die Augen geöffnet. Meine Prioritätensetzung ist seitdem eine andere.
      Hinzu kommt: Wenn ein Bauherr im Zuge des Bauvorhabens auf archäologisch eventuell interessante Hinterlassenschaften stößt, aber andererseits genau weiß, wie teuer ihn das im wahrsten Sinne des Wortes kommen kann, dann wird er umso mehr dazu neigen, rasch alles wegzubaggern, bevor es jemandem auffällt. Ruinöse Privatbeteiligungen an den Kosten, sind demnach auch extrem kontraproduktiv.

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    2. Es gibt da eine weitere Möglichkeit, besondern in Gebieten, die bekanntermassen "archäologisch belastet" sind. In Augst und Kaiseraugst betragen die Wartezeiten mehrere Jahre, das weiss jeder, der dort ein Baugesuch stellt. Nun hat man begonnen, die Häuser sozusagen auf Stelzen zu bauen, also ohne Keller, auf ein Fundament aus 12 Pfosten mit je etwa 30 cm Durchmesser, zudem schüttet man einen halben Meter auf (für Garten ect.). Da ist der archäologische Schaden minim, die Baukosten eher geringer als bei einem normalen Fundament, und gebaut werden kann sofort.
      Für die Kostenbeteiligung bin ich dann, wenn der Bauherr vorher darauf aufmerksam gemacht wurde, dass archäologische Grabungen nötig sind und eine Wartezeit zwangsläufig ist. Wer einen Industriekomplex an einem bestimmten Standort bauen will, obwohl die Gemeinde ein Ersatzgrundstück angeboten hat, kann sich ruhig an den Kosten beteiligen. Die Grundbedingung für beides ist aber, dass alle archäologischen Fundstellen kartiert werden und für Bauherren im Voraus einsehbar sind!

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    3. Na ja, wenn man mit einem Haus ohne Keller zufrieden ist - mir persönlich käme das nicht in die Tüte ;)

      Diese als archäologisch "belastet" ausgewiesenen Gebiete, sollen, und das ist auch so ein Problem, immer weiter ausgedehnt werden. Man stelle sich einmal vor, was dies für etliche Besitzer von Bau-Grundstücken bedeutet; nämlich urplötzlich einen teils massiven Wertverlust. Viele haben sich das Geld für den Grundstückkauf und den Hausbau vom Mund abgespart, oder bei Banken nicht unerhebliche Kredite aufgenommen. Zeit ist hier, im wahrsten Sinne des Wortes, Geld.
      Und man ist schneller ein Fall für Peter Zwegat, als einem lieb ist.

      Den Archäologen in NRW muss man eventuell auch unterstellen, dass einige von Ihnen in erster Linie rein peukuniäre Interessen verfolgt. Man bangt nämlich um Arbeitsplätze, sollte die Anzahl der Grabungen aus finanziellen Gründen zurückgefahren werden. Diese Sorge ist zwar legitim, aber man sollte sie deutlicher artikulieren, anstatt vordergründig nur mit der angeblichen Sorge um das kulturelle Erbe, in der Öffentlichkeit hausieren zu gehen.

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