Donnerstag, 8. November 2012

Die Kaufkraft des Geldes zur Zeit Karls des Großen

Münze Karl der Große
Karolingischer Denar
(Foto: Wikimedia.org / PHGCOM)
Es ist leider so, dass wenn in Geschichtsbüchern irgendwelche Geldbeträge genannt werden, der Leser oft nicht einordnen kann, welchen Wert die genannten Summen nun wirklich darstellten. Anhaltspunkte, die etwas über die Kaufkraft aussagen, fehlen schlicht und ergreifend in den meisten Fällen.
Zumindest für die Zeit Karls des Großen, möchte ich hier allerdings ein wenig Abhilfe schaffen. In Pierre Richés Buch Die Welt der Karolinger (Reclam), findet sich nämlich eine interessante Auflistung von Preisen, die uns aus jenen Tagen überliefert wurden. Da der aus Silber bestehende Denar (die deutsche Bezeichnung dafür war Pfennig), damals die mit Abstand gebräuchlichste Münze im Fränkischen Reich war, wurden er natürlich auch für die in der nachfolgenden Liste genannten Preise verwendet.

Karl der Große führte eine Münzreform durch, deren Ergebnis letztendlich so aussah: Das Pfund Silber (ca 406 Gramm) wurde in 20 Schillinge unterteilt (Schillinge waren eine rein fiktive Recheneinheit), und jeder Schilling in 12 Denare. Das bedeutete, ein Pfund Silber ergab 240 Denare.
Goldmünzen existierten natürlich auch, sie waren jedoch vergleichsweise selten in Gebrauch; beispielsweise im Fernhandel, oder bei Geldgeschäften unter den fränkischen Großen. Diese Münzen stammten beispielsweise aus dem Oströmischen Reich, in Form des Solidus, oder aus dem Langobardischen Reich, in Form des Tremissis. Obwohl die Karolinger selbst höchstwahrscheinlich keine Goldmünzen prägten (von wenigen Sonderprägungen abgesehen), so wurde Gold doch auf dem freien Markt gehandelt; Beispielsweise verfügte Karl der Kahle 864, dass ein Pfund Gold nicht mehr als 12 Pfund Silber kosten dürfe. Das Verhältnis von Gold zu Silber war also ca 1:12.

Es folgt eine Auflistung von schriftlich überlieferten Warenpreisen aus karolingischer Zeit aus:

Die vom König aufgrund einer Hungersnot festgeschriebenen Richtpreise für Getreide (man wollte so Wucher unterbinden) lauteten im Jahr 794; pro Scheffel (modius):
Hafer: 1 Denar
Gerste: 2 Denar
Roggen: 3 Denar
Weizen: 4 Denare

Die für das Jahr 806 neuerlich festgelegten Preise für Getreide, lassen eine deutliche Preissteigerung erkennen; pro Scheffel (modius):
Hafer: 2 Denar
Gerste: 3 Denar
Roggen: 4 Denar
Weizen: 6 Denare

Festgelegter Brotpreis 794; Mit einem Denar, konnte man folgende Anzahl an zweipfündigen Brotleiben kaufen:
25 Haferbrote
 oder
20 Gerstenbrote
 oder
15 Roggenbrote
 oder
12 Weißbrote

Viehpreise:
1 Widder: 4-12 Denare
1 Schwein: 12-15 Denare
1 Kuh: 14 Denare
1 Ochse: 24-108 Denare (Anm.: Bei dieser enormen Preisspanne, müssen die Unterschiede zwischen
   den einzelnen Ochsen mitunter enorm gewesen sein.)
1 Stier: 72 Denare
1 Pferd: 240-360 Denare

Kleiderpreise:
1 Stück Leinen: 4 Denare (Anm.: Was auch immer man unter einem "Stück" exakt versteht...)
1 Stück Serge: 12 Denare
1 Überrock aus Schaffell: 12 Denare
1 Pelzmantel aus Zobel: 120 Denare
1 kurzer Mantel: 120 Denare (Fixpreis von 808) (Anm.: Unter kurz dürfte man verstanden haben,
   dass er nicht lang genug war, um sich damit von den Füßen bis zum Kopf zudecken zu können.
1 gefütterter Mantel: 140 Denare
1 Pelzmantel aus Marder oder Otter: 360 Denare
1 Mönchskutte: 60 Denare

Waffenpreise: 
1 Schwert: 60 Denare; mit Scheide: 84 Denare
1 Helm: 72 Denare
1 Brustpanzer: 144 Denare
1 Lanze und 1 Schild: 14 Denare

Sklavenpreise:
im Jahr 725: 144 Denare
im Jahr 807: 170 Denare
(Bischof Agobard von Lyon spricht allerdings in einem Beschwerdeschreiben auch von Sklaven-Preisen zwischen 240 und 360 Denaren)
---


Quelle / weiterführende Literatur:

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3 Kommentare

  1. Kennen Sie auch das Buch "Stadt und Handel im Mittelalter" von Henri Pirenne? Da steht auch sehr viel Interessantes zum Thema Preise drin - habe es jedenfalls gerne gelesen.

    Ansonsten danke für einen weiteren faszinierenden Blogeintrag!

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  2. Nein, das Buch kannte ich noch nicht. Der Autor ist mir allerdings wohlbekannt, vor allem wegen seiner bekannten These http://de.wikipedia.org/wiki/Pirenne-These (Der Artikel dazu ist allerdings eher schwach.)

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  3. Die These kenne ich - sie kommt auch in dem Buch vor, das ich gelesen habe.

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