Mittwoch, 19. Dezember 2012

Drahtherstellung in der Antike und im Mittelalter

Draht ist heute eine billige, maschinell hergestellte Massenware. Vor der Industriellen Revolution war dies naturgemäß anders. Für die Herstellung gab es seit der Antike zwei Möglichkeiten:
Beide beginnen damit, dass man ein Stück Metall zu einem Blech hämmert und dieses dann in schmale Streifen schneidet. Die Streifen muss man nun wieder erhitzen und z.B. zu einem Draht mit rundem Querschnitt hämmern. Oder aber man zieht sie, Schritt für Schritt, im glühenden Zustand durch immer dünner werdende Löcher einer Metallplatte. Es gibt sogar heute noch Handwerker, die diese Technik anwenden.
Wenn man den hier nötigen Arbeitsaufwand für ein kurzes Stück Draht bedenkt, dann verwundert es nicht, dass sogenannte "Kettenhemden", die ja aus einem Geflecht von tausenden Drahtringen bestehen, einst so überaus kostspielig waren. Ich erwähne das deshalb, weil ein Kollege sich ein möglichst authentisches Kettenhemd zulegen möchte. Da käme er allerdings nicht drum herum, sich seinen Draht selbst zu hämmern oder zu ziehen ;)

—————–

Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

5 Kommentare

  1. Womit erzielt man denn die besseren Ergebnisse? Ich vermute, mit der Ziehtechnik, oder? Die dürfte aber auch aufwendiger sein.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Puuuh, da fragst du mich zuviel ;) Allerdings vermute ich auch, dass die Ziehtechnik gleichmäßigere Ergebnisse liefert. Möglich, dass sie aber auch irgendwelche Nachteile hat.

      Löschen
  2. Beim Drahtziehen wird kalt gearbeitet. Versuche von D. Sim und J. Kaminski für ihr Buch "Roman Imperial Armour" wiesen nach, daß als Ziehplatte sogar nicht gehärtetes Material gleicher Machart wie das des DRahtes völlig ausreicht. Heißt also: man kann Golddraht mit einem goldenen Zieheisen herstellen :-). Sie veranschlagen auch die Zeit, sich ein frühkaiserzeitliches Kettenhemd herzustellen mit "nur" ca. 270 Tagen ;-)

    XorX

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hmmm, Peter C. Bol schreibt hingegen in seinem Buch "Antike Bronzetechnik", dass der Draht heiß gezogen wurde.
      Da ich es andererseits noch nie selbst ausprobiert habe, kann ich nicht sagen, ob das nun stimmt oder nicht ;) Möglicherweise gibt es da unterschiedliche Herangehensweisen, z.B auch materialbedingte.

      Löschen
  3. ich habs noch nie gemacht, kann mir aber nicht vorstellen, daß das überhaupt warm funktioniert. Ich nehm an, der Draht würde dauernd reißen, da das warme Material immens an Zugfestigkeit verliert, Kaltgezogener Draht wird sogar durch die Kaltverformung noch fester. Die höhere Kraft, die zum ziehen nötig ist, stellt kein Problem dar: eine Spultrommel mit langer Kurbel reicht aus

    XorX

    AntwortenLöschen

A C H T U N G ! 1. Bitte anonyme Kommentare mit einem (originellen) Pseudonym unterzeichnen - falls keine sonstige Authentifizierung, z.B. mittels Google-Konto oder OpenID, erfolgt! Mehr als ein nicht unterzeichneter Beitrag pro Thread wird aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht freigeschalten! 2. Wir duzen uns hier.