Dienstag, 9. April 2013

Der Mann mit der Kirche im Arm


In etlichen mittelalterlichen Darstellungen finden sich weltliche oder geistliche Kirchenstifter, die ein Modell des von ihnen in Auftrag gegebenen Gotteshauses in Händen halten; siehe z.B. das nebenstehende Wandgemälde aus karolingischer Zeit. 
Man könnte hierbei annehmen (und die Kunsthistoriker taten es auch lange Zeit), dass dies lediglich symbolhaft zu verstehen sei. Doch dem ist wahrscheinlich nicht so. Das Verwenden von Modellen dürfte nach Ansicht der Bauforschung im Kirchenbau des Mittelalters gängige Praxis gewesen sein, da der Architekt oder Werkmeister dem im Lesen von zweidimensionalen Plänen oft ungeübten Bauherrn hiermit einen plastischen Eindruck von dem zu errichtenden Gebäude vermitteln konnte. 
Die meisten dieser Modelle (kaum eines blieb erhalten) waren von der Größe her durchaus mit den auch heute noch üblichen Architekturmodellen vergleichbar. Jedoch gab es auch bemerkenswerte Ausnahmen. In Bologna ließ man im Vorfeld des Dombaus beispielsweise ein Modell aus Gips und Steinen im überaus ungewöhnlichen Maßstab 1:12 anfertigen. Es war enorme 20 Meter lang!


Weiterführende Literatur:
Dietrich Conrad | Kirchenbau im Mittelalter: Bauplanung und Bauausführung | Verlag: E. A. Seemann | 2011 | Infos bei Amazon

4 Kommentare

  1. Spannend, wusste ich bisher nicht, es macht aber durchaus Sinn, die Bauherren mit etwas Konkretem zu überzeugen. War ja auch nicht ganz billig, da ist etwas "zum Anfassen" wohl ganz hilfreich bei der Entscheidung...

    LG, Julia

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    1. Die Menschen im Mittelalter waren uns eben in vielerlei Hinsicht recht ähnlich ;)

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  2. Da ich mich etwas angesprochen fühle,viele Menschen sind erstmal perplex wenn sie eine ganze Ansammlung solcher Modelle sehen.Julia hat schon recht,der Anblick von verschiedenen Kirchen-und Klostermodellen verleiht vielen unserer Zeitgenossen eine Ahnung von der damaligen Baukunst und aber auch die Macht der Kirche und deren Obrigkeiten.
    Bei meiner letzten Ausstellung in Bingen(Hobbykünstler),es waren tolle Exponate dabei,aber fast alle der malenden Kunst waren entrückt und sprachlos,weil eben das was sie malten auf einmal zum greifen nah vor ihren Augen stand.Viele Fotoapperate wurden gezückt und lange Gespräche wurden geführt,über das warum und wieso.Genau solche Dinge muss es geben um alles den Menschen ``vor Augen führenzu können`` was Sache ist.

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    1. Der plastische Eindruck ist unzweifelhaft der nachhaltigste. Das geschriebene Wort, aber selbst die bildliche Darstellung, können da in der Tat nicht mithalten.

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