Mittwoch, 4. September 2013

Aus der Bahn geworfen - eine Redensart


Schreibt man einen historischen Roman, dann tut man sicherlich gut daran, moderne Redensarten weitestgehend zu vermeiden. Freilich, was nun tatsächlich einen groben Anachronismus darstellt, ist oft gar nicht so ohne weiteres zu erkennen. 
Beispielsweise konnte ich im Falle von "jemand wurde aus der Bahn geworfen", kaum einschätzen, ob die Entstehungszeit möglicherweise in der jüngeren Vergangenheit angesiedelt ist. Etwa im Zusammenhang mit dem Mondflug vor rund 40 Jahren. Bei "aus der Bahn geworfen", kommen mir nämlich vor allem die Flugbahnen von Raumfahrzeugen und sonstigen Himmelskörpern in den Sinn ...
Doch weit gefehlt - dieses Sprichwort hat seinen Ursprung im Mittelalter. Es bezieht sich auf den Tjostin dessen Verlauf zwei Ritter versuchten, sich mittels Lanzen gegenseitig aus dem Sattel - bzw. aus der Bahn auf der sie antraten (antrabten) - zu werfen.
Übrigens, es handelte sich eigentlich um zwei Bahnen, die durch Schranken (siehe Bild) voneinander getrennt waren. Womit wir auch schon bei der nächsten Redensart wären. Das Zuteilen der jeweiligen Kampfbahn nannte man nämlich "in die Schranken weisen".

3 Kommentare

  1. Gut zu wissen :).
    Ich achte sowohl beim Rezensieren als auch beim Schreiben immer sehr stark auf solche Details, aber man kann nie alles erfassen.

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    1. Gut zu wissen :)

      Es schadet zumindest nicht ;)

      Speziell Autoren, die sich mit ihrer Handlung ins Mittelalter begeben, neigen sogar dazu, eher ungebräuchliches, historisierendes Vokabular zu verwenden, um so eine vermeintlich authentischere Stimmung zu erzeugen. Wörter wie "hervorlugen", "Gewandung" und "Blondhaar", sind nur einige Beispiele dafür.

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    2. Ne, schaden kann es sowieso nicht. Ich sammle ja solche Beispiele immer recht gerne.

      Man muss ja auch beispielsweise beachten:
      Wenn man eine Geschichte schreibt, die in einer Welt spielt, in deren Geschichte keine Ritterturniere vorkommen, darf man die Wendung automatisch nicht in wörtlicher Rede verwenden. Das beachten leider die Wenigsten.

      Und ja... teilweise schreiben Mittelalterautoren sehr merkwürdige Dinge, um eine pseudohistorische Stimmung zu erzeugen -.-

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