Dienstag, 24. September 2013

Der "cursus publicus" - aufwändig und teuer


Bei dem von Augustus ins Leben gerufenen cursus publicus handelte es sich um eine Art staatlichen Post- und Kurierdienst, der sowohl für die Beförderung amtlicher Dokumente und Nachrichten wie auch für den Transport von im Staatsdienst stehenden Personen zuständig war. 
Unmittelbarer Vorläufer dieser Institution waren die tabelarii - persönlichen Boten republikanischer Magistrate und Feldherren. Caesar bediente sich beispielsweise sogenannter tabelarii dispositi und equites dispositi. Dispositi bedeutet in diesen beiden Fällen, dass es sich um für den Kurierdienst und das Nachrichtenwesen abgestellte Soldaten handelte. Im antiken Werk De bello civili wird beispielsweise beschrieben, wie die Nachricht vom Sieg bei Pharsalos über in regelmäßigen Abständen positionierte Reitern zur Flotte in Messana gelangte. Auch die Gegenseite unter Pompeius dem Jüngeren, ließ in Spanien über das gesamte Land Kuriere verteilen, um rechtzeitig vom Vorstoß Caesars unterrichtet zu werden (De bello hispaniensis). 
Der hochprofessionelle cursus publicus des Augustus hatte freilich mit diesen improvisierten Kurierdiensten der spätrepublikanischen Ära nur noch verhältnismäßig wenig gemein. Das Mehr an Qualität und Service schlug jedoch auch mit entsprechenden Kosten zu Buche. Um sich überhaupt eine Vorstellung davon machen zu können, welch aufwändiger Apparat die römische "Staatspost" war, möchte ich kurz die benötigte Infrastruktur umreißen:
Grundvoraussetzung für ein Funktionieren des cursus publicus war ein gut ausgebautes Straßennetz. Darüber verfügte man im antiken Rom unzweifelhaft. So betrug die Gesamtlänge sämtlicher Staatsstraßen um 200 n. Chr. geschätzte 150 000 Kilometer. Entlang dieser Straßen befanden sich in Abständen von ca. 40 Kilometern größere Raststationen (mansiones), in denen Pferde und Maultiere für den raschen Wechsel bereit gehalten wurden. Zwischen diesen großen Stationen mit Gastronomie sowie Beherbergungsmöglichkeit lagen zusätzlich alle 15 Kilometer kleinere Wechselstationen (mutationes); Grund hierfür: Keinem Pferd ist es möglich, 40 Kilometer im gestreckten Galopp zurückzulegen. Ein häufigerer Wechsel des Reittiers ist im Falle großer Eile also unumgänglich.
Das Personal dieser mansiones und mutationes war vielköpfig; es bestand aus: stationarii (zuständig für das Postgut), benificarii (für die Bewachung der Straßen abkommandierte Soldaten), mulomedici (speziell für die Reit- und Zugtiere verantwortliche Tierärzte), hippocomi (begleiteten den Kurierreiter oder Kutscher zur nächsten mansio/mutatio und brachten die gewechselten Tiere anschließend wieder zu ihrer ursprünglichen Station zurück), usw. usf.
Schätzungen sprechen davon, dass für den cursus publicus zwischen 100 000 und 150 000 Menschen arbeiteten. Sie alle mussten untergebracht, verpflegt und - da es sich nicht ausschließlich um Sklaven handelte - zum Teil auch bezahlt werden. Hinzu kam die Instandhaltung eines umfangreichen Fuhrparks und das Versorgen unzähliger Tiere. Der Bestand letzterer soll mindestens 200 000 Stück betragen haben; beruhend auf der Schätzung, dass in jeder mutatio 10 sowie in jeder mansio 40 Tiere bereitgehalten wurden. Dabei handelte es sich in erster Linie um Pferde und Maultiere, eventuell auch um Ochsen. Im Orient - vereinzelt aber auch nördlich der Alpen - gehörten zum Tierbestand sogar Kamele, wie Knochenfunde belegen.

Es verwundert im Angesicht obiger Zahlen nicht, dass die für die Finanzierung des staatlichen Postdienstes zuständigen Provinzen immer wieder unter den sich auftürmenden Belastungen stöhnten. Für zusätzlichen Ärger sorgten jene Kuriere, die dank einer kaiserlichen Bevollmächtigung Reittiere und Gespanne von der Zivilbevölkerung beschlagnahmen durften (evectio).
Trotz dieser "Nebenwirkungen" war der cursus publicus unzweifelhaft eines der zentralen Erfolgsgeheimnisse Roms. Nur durch ihn war eine effiziente Verwaltung des Riesenreichs möglich.

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Weiterführende Literatur:
  • Marcus Junkelmann; Die Reiter Roms (Teil I); Verlag Philipp von Zabern; 1990/2008 | Meine Rezension
  • Anne Kolb; Klio - Transport und Nachrichtentransfer im Römischen Reich; Akademie Verlag; 2000

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2 Kommentare

  1. Kamele nördlich der Alpen, ein völlig neuer Aspekt für mich! Weist du da zufällig mehr? Wurden die vielleicht von bestimmten Einheiten aus dem Osten mitgebracht?

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    1. Ich halte das für möglich, da die Knochen nicht nur bei einer Mansio gefunden wurden (zumindest vermutet man, dass es eine war) sondern auch in einem Hilfstruppen-Kastell. Leider weiß ich nicht, um welches es sich dabei handelte bzw. aus welchem Reichsteil die dort stationierten Soldaten kamen

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