Dienstag, 15. Oktober 2013

Umweltzerstörung in der Antike


Vor einiger Zeit beschrieb ich in einem Beitrag, wie aufgrund intensiver Schafzucht bereits in der Antike ganze Landstriche verödeten. Daraus sollte man jedoch nicht ableiten, dass es in erster Linie die alten Römer sind, die für jene auch heute noch sichtbare Verkarstung etlicher Mittelmeerstaaten verantwortlich zeichnen. Im Süden und Osten des Mittelmeers tragen für die Zerstörung der Wälder vielmehr Araber und Türken die Schuld. Gegenden Nordafrikas, welche in der Spätantike noch mit großem Waldreichtum gesegnet waren, verwandelten sich unter den neuen Herrschern aufgrund wenig nachhaltiger Bewirtschaftungsformen in Steppe. 
Auch die großen Wälder Spaniens, Italiens und Griechenlands, wurden nicht in der Antike, sondern im Mittelalter und der frühen Neuzeit zerstört - zum Teil sogar erst im 19. Jahrhundert, da es die Eisenbahn nun ermöglichte, Holz selbst aus bisher kaum erschlossenen Gebieten abzutransportieren. Auch interessant ist, dass der jedes Jahr durch Brände in Griechenland vernichtete Wald, nur zu einem kleinen Teil wieder aufgeforstet wird (was wenig verwundert, denn anderenfalls wäre die von Grundstücksspekulanten betriebene Zündelei ja relativ sinnlos...).

Aber zurück zu den eingangs erwähnten Römern. Wie war deren Bezug zum Naturschutz? Nun, die Römer waren sich durchaus der Tatsache bewusst, dass sie mitunter gravierend in ihre Umwelt eingriffen; etwa wenn sie Teile von Bergen durch Untertunnelung einstürzen ließen, um an die Erzhaltigen Gesteinsschichten zu kommen. Plinius wählt in seiner Naturalis Historia drastische Worten und spricht davon, dass man in den Eingeweiden der Mutter Erde wühle; an anderer Stelle ist sogar davon die Rede, dass man sie ihr herausreiße. 
Um die Götter zu besänftigen, rät z.B. der ältere Cato, dass Bauern, die einen Wald auslichten, ein Schwein opfern mögen (Wohl gemerkt, der Wald wird ausgelichtet, nicht einfach abgeholzt; ein Hinweis auf eine durchaus nachhaltige Waldwirtschaft). 
Die Römer trachteten danach - wie übrigens auch die Menschen der Gegenwart - die Natur in ihrem Sinne zu formen. Man ebnete Hügel ein, errichtete Dämme und bejagte "störende" Tierarten - teilweise bis zur völligen Ausrottung. Was heutzutage tadelnswert erscheint, war aus der Sicht des antiken Menschen jedoch häufig eine notwendige Maßnahme. So ist das Leben inmitten einer starken Wolfs- oder Bärenpopulation gewiss kein Honiglecken (für den Bären andererseits, kann die Nähe zu menschlichen Siedlungen natürlich durchaus ein süßes Vergnügen sein, wie wir von heutigen "Problembären" wissen ;) )
Moralisch weniger astrein erscheint es freilich, dass man das Nützlichen mit dem "Angenehmen" verband und die eingefangenen Tiere in den Zirkus oder das Amphitheater verfrachtete, um sie dort zwecks Volksbelustigung bei sogenannten venationes zu verheizen. Ein besonders krasses Beispiel stellt Trajans 123-tägiges Fest anlässlich seines Sieges über die Daker dar. 11000 Tiere sollen im Zuge der Feierlichkeiten getötet worden sein.

Eine "Umweltschweinerei" der Römer lässt sich heute übrigens noch recht gut nachweisen. In Bodenschichten aus römischer Zeit ist der Bleigehalt im Vergleich zu den vorangegangenen Epochen vier mal so hoch. Kein Wunder, bei einer geschätzten Jahresproduktion von rund 60 000 Tonnen Blei. Der beim Schürfen und Verhütten entstandene Feinstaub, verteilte sich über viele Hundert Quadratkilometer.
Das alles relativiert sich jedoch, wenn man bedenkt, dass die Kontaminierung mit Blei-Aerosolen im Europa des 19./20. Jahrhunderts beinah doppelt so hoch wie in der Römerzeit war...

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Quellen und Literatur-Tipps:

4 Kommentare

  1. Bereits in der Stein- und Bronzezeit hat der Mensch zum Teil stark das Landschaftsbild verändert. Und davor waren es überhandnehmende Tierarten oder Naturkatastrophen. Ich denke man sollte sich mit dem Gedanken, dass in der Natur unbedingt immer alles so bleiben muss wie es gerade ist, nicht allzu sehr anfreunden. Das gab es in der ganzen Erdgeschichte nicht.
    LG,
    Erwin

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    1. Bereits in der Stein- und Bronzezeit hat der Mensch zum Teil stark das Landschaftsbild verändert.

      Das stimmt. Beispielsweise die massenhafte Abschwemmung von fruchtbarer Erde (Kolluvien) - bedingt durch die fehlende Vegetationsdecke (abgeholzte Wälder im Bereich von Hängen) - kam bereits im Frühneolithikum(!) vor. Die Römer waren hier in der Tat keine Vorreiter.

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    2. Hallo!

      In Britannien kam es auch schon in der Bronzezeit, also lange vor den Römern, zu großflächigen Rodungen um Weiden für das Vieh zu schaffen. In einigen Landstrichen wuchs bereits damals weniger Wald als heute!
      Der Mensch hat deutlich früher gravierend in die Natur eingegriffen, als viele Menschen meinen.

      Liebe Grüße,

      Sandra

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    3. Hallo,
      so viel Wald wie heute, gibt es auch in Österreich seit dem hohen Mittelalter nicht mehr. Wobei es sich hierbei freilich in erster Linie um eher unschöne Fichten-Monokulturen handelt (sehr zur Freude des Borkenkäfers).

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