Montag, 4. November 2013

Ave, Caesar, morituri te salutant (von wegen!)


Speziell die Darstellung der römischen Antike ist übervoll mit sogenannten Faktoiden; Mythen also, die im Laufe der Zeit aufgrund ständiger Wiederholung den Charakter scheinbarer Tatsachen annahmen. Siehe etwa der römische Gruß, auf den hier bereits eingegangen wurde. 
Ein weiteres bekanntes Beispiel bezieht sich ebenfalls auf das Grüßen: Den römischen Gladiatoren wird angedichtet, dass sie einst vor die Loge des Kaisers oder Leiters der Spiele traten, den rechten Arm hoben (da ist auch wieder der vermeintlich römische Gruß!) und im Chor riefen: "Ave, Caesar, morituri te salutant" ("Heil dir, Caesar, die Todgeweihten grüßen dich!").
Diese Grußformel wurde lediglich in einer einzigen Quelle überliefert, und zwar in Suetons Biografie des Kaisers Claudius (Divus Claudius, 21). Hier allerdings nicht im Zusammenhang mit einem Gladiatorenkampf (munus), sondernd mit einer am Fuciner See inszenierten Naumachie, bei der tausende zum Tode verurteile Verbrecher und Sklaven eine blutige Seeschlacht nachstellten. Zwischen ihnen und den hochprofessionellen Einzelkämpfern der Arena lagen jedoch Welten!
Es wäre ja wirklich ziemlich widersinnig gewesen, wenn ausgerechnet ein Gladiator sich selbst als "Todgeweihter" bezeichnet hätte - womit wir schon beim nächsten Mythos wären - denn die überwiegende Mehrheit der kaiserzeitlichen Gladiatoren waren Freiwillige; 80-90 Prozent(!) überlebten nach neuesten Schätzungen die Kämpfe. Der Unterlegene wurde meist nicht getötet, sondern huldvoll entlassen (missio).

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Weiterführende Literatur:

2 Kommentare

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