Dienstag, 26. August 2014

Eindrücke aus dem Archäologiemuseum Schloss Eggenberg

Nachdem ich hier gestern bereits einige Zeilen über das Archäologiemuseum Schloss Eggenberg geschrieben habe, sollen nun noch einige Fotos vom meinem Besuch dort nachgereicht werden.
Mehr davon - und in höherer Auflösung - findet sich zur freien Verfügung bei Flickr (um nähere Infos zu erhalten, einfach aufs jeweilige Foto klicken). Einiges stellt sozusagen eine Ergänzung zu meinem vorjährigen Bericht über das Museum dar; beispielsweise wurden die beiden hallstattzeitlichen Glockenpanzer, wie von einem Leser erbeten, nun auch von hinten fotografiert.

Teil der diesjährigen Sonderausstellung "Knochen-Code" ist der sogenannte Bolzen-Georg. Bei den sterblichen Überresten handelt es sich um ein im Jahr 2010 bei der Grazer Burg aufgefundenes, nicht vollständig erhaltenes Skelett, welches in das frühe 14. Jahrhundert datiert wird. Der Verstorbene war von kräftigem Körperbau, 169 cm groß, wies an den Knochen etliche Abnützungserscheinungen auf und dürfte bei seinem Tod um die 50 Jahre alt gewesen sein. Laut Strontiumisotopenanalyse könnte er aus der näheren Umgebung von Graz stammen.
Die Bezeichnung "Bolzen-Georg" rührt von einem unter der rechten Augenhöhle steckenden Metallstift - her, der einem Armbrustbolzen ähnelt, möglicherweise aber auch der abgebrochene Zinken einer Mistgabel ist. Auf diesem Foto (schlecht) zu sehen ist sowohl eine 8 cm lange Nachbildung wie auch das entnommene Original, an dem sich einige "festgerostete" Schädelfragmente befinden. Ob dieses männliche Individuum vor allem an der Verletzung durch den Metallstift starb - oder an dem ebenfalls gut zu erkennenden Lochbruch im Bereich der Stirn, ist nicht völlig klar. Beide Verwundungen - letztere könnten von einem Kriegshammer oder einer Hellebarde stammen - dürften ihm jedoch in zeitlich kurzem Abstand beigebracht worden sein. Die Archäologen gehen daher von einem Mann-gegen-Mann-Kampf aus, der "Bolzen-Georg" zum Verhängnis wurde.
Auf diesem Foto ist der kunstvolle Silberbecher von Grünau zu sehen. Er wurde im Umfeld einer ehemaligen römischen Villa entdeckt und weist im Inneren eine vergoldete Oberfläche auf. Die rundumlaufende Verzierung stellt ein Wagenrennen dar. Hergestellt wurde der Becher in Italien im 1. Jahrhundert nach Christus und gelangte auf unbekanntem Weg in das Gebiet der heutigen Steiermark. Dort wurde er vermutlich im 2. Jh. aufgrund des Angriffs germanischer Markomannen, die auch die Provinz Noricum nicht verschonten, vergraben. Der Besitzer war offensichtlich nicht mehr in der Lage ihn wieder zu bergen...
Das Lapidarium - eine umfangreiche Sammlung steinerner Zeugnisse aus der römischen Vergangenheit der Steiermark.
Oben: Zwei in der Steiermark gefundene Ringgriffmesser der Latènezeit, die vermutlich irgendwann zwischen 300 und 250 v. Chr. hergestellt wurden. Unten: Zwei ebenfalls in der Steiermark entdeckte Hiebmesser der Latènezeit - die Datierung wird mit 250-15 v. Chr. angegeben.
Grabmedaillon eines römischen Centurios. In der rechten Hand hält er als Rangabzeichen und Hilfsmittel zur Disziplinierung eine "vitis" (Stock aus Rebenholz). Gefunden wurde dieses vermutlich in die spätantoninische Periode zu datierende Zeugnis auf dem Gelände der ehemaligen Stadt Flavia Solva.

Da man im Archäologiemuseum Schloss Eggenberg fotografieren darf - das ist leider bei vielen anderen Museen keine Selbstverständlichkeit - möchte ich irgendwann einmal die ausgestellten Kleinfunde der Römerzeit (Gürtelbeschläge usw.) detailliert abfotografieren und die Bilder, inklusive Beschreibung (ohne die sie ja keinen echten Informationswert besitzen) in diesem Blog veröffentlichen. Bei meinem letzten Besuch war das aus Zeitgründen nicht möglich; außerdem hatte ich ein wenig die Aufgaben eines Fremdenführers (für Arme) übernommen, so dass mir ohnehin die Gelegenheit fehlte, mein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Im kommenden Winter werde ich dann aber hoffentlich die Muße dazu haben.

4 Kommentare

  1. Ich finde es immer super spannend, Lebensweg oder auch Ende eines Menschen nachzuvollziehen, der so lange vor unserer Zeit gelebt hat. Danke für deinen Bericht. Schön auch die Messer - ich switche grade von Spät- zu Mittellatène und kann so ein Messer gut gebrauchen :) Ich freue mich schon auf weitere Berichte aus dem Museum - solche Fotos und Infos helfen bei der Recherche oft mehr als Fachaufsätze!

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    1. solche Fotos und Infos helfen bei der Recherche oft mehr als Fachaufsätze!

      Exakt meine Denkweise!
      Jemand der sich mit der praktischen Rekonstruktion der Vergangenheit nicht beschäftigt, kann das hingegen weniger gut nachvollziehen und wird die Bilder nicht mit Detailinformationen untertiteln. Dementsprechend voll ist das Netz mit vielen schönen Aufnahmen aus Museen, deren Nutzen aber für unsereins nur sehr gering ist.

      Falls dich bestimmte Objektkategorien eisenzeitlicher Funde besonders interessieren, kann ich davon entsprechende Fotos machen. Musst nur bescheid sagen ;)

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    2. OmG, es gibt so viel, was mich interessiert! Eigentlich ist alles interessant, was wirklich mit dem Alltagsleben zu tun hat - also Hausrat wie Möbel und Spielzeug, Lampen, landwirtschaftliches Gerät, Feuereisen, Schürhaken, auch Musikinstrumente, aber auch Dinge, die der Körper- und Schönheitspflege dienten. Rasiermesser, Toilettebesteck, Kämme, Spiegel zum Beispiel. Da kannst du eigentlich die ganze Latènezeit abklappern. Waffen, Keramik, Schmuck und Fibeln findet man oft recht gut beschrieben, aber wie die Leute sich die Haare kämmten oder ihre Kinder beschäftigten, ist weniger Gegenstand von Forschungen ;) Gerne genommen wird auch alles an Textilresten!

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    3. Textilien haben die glaube ich keine, höchstens im Depot, aber ich werde trotzdem schauen, was so an interessanten Dingen zu finden ist ;)

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