Mittwoch, 8. Oktober 2014

Öl - unverzichtbarer Rohstoff der Antike



Pflanzliches Öl - vor allem jenes der Olive - war für die Menschen der Antike ein wichtiger Rohstoff. Neben (Weizen-)Mehl, Wein, Salz und Käse gehörte Olivenöl zu den Grundnahrungsmitteln; es besaß daher in der mediterranen Küche, die im Zuge der römischen Expansion bis nach Britannien vordrang, eine zentrale Bedeutung. Tierische Fette scheinen hingegen weitaus weniger geschätzt worden zu sein. Der Geschichtsschreiber Strabon meinte sogar, dass mit Butter vor allem Barbaren kochen würden. 
Welch bedeutende Stellung Olivenöl im Alltag einnahm, kann man auch ein wenig am Wort congiarium ablesen, mit dem in der Kaiserzeit eine Geldspende für die Bevölkerung bezeichnet wurde. Ursprünglich handelte es sich dabei um ein Flüssigkeitsmaß (ca. 2,275 Liter) das vor allem bei Öl Anwendung fand. Zu Zeiten der Republik war es nämlich üblich, dass reiche Personen mit politischen Ambitionen ihren Mitbürgern Spenden in Form von Olivenöl zukommen ließen. Der erste derartige "Bestechungsversuch" ist uns laut Livius aus dem Jahr 213 v. Chr. überliefert, als Publius Cornelius Scipio, der spätere "Africanus" und Bezwinger Hannibals, versuchte, sich auf diesem Weg bei den Wählern einzuschmeicheln. Später wandelten sich solche Ölspenden zunehmend in allgermeine Lebensmittelspenden und schließlich in Geldgeschenke. Der dafür gebräuchliche Begriff - congiarium - blieb allerdings unverändert.

Nicht nur innerlich - also in Form eines Nahrungsmittels - wurde Öl angewendet, sondern auch äußerlich. Als Kaiser Augustus den 100jährigen Romilius Pollio nach dem Geheimnis seines hohen Alters fragte, wies dieser unter anderem auf das Öl hin, mit dem er seine Haut pflegte.
Öl war freilich nicht erst seit den Römern und ihrer verfeinerten Badekultur ein fixer Bestandteil der Körperpflege, sondern wurde bereits von den sportbegeisterten Griechen verwendet. So rieben sich Athleten mit dem schlecht wärmeleitenden Olivenöl ein, um dadurch die Gefahr eines Sonnenbrandes oder Hitzschlages zu vermindern.  Philostrat weist sicher nicht zufällig darauf hin, dass es für einen Sportler von entscheidender Bedeutung ist, die Sonne auszuhalten. Und das galt wohl nicht nur für die Athleten, denn der als Zuseher angereiste Philosoph Thales von Milet wurde angeblich in Olympia von einem Hitzschlag hinweggerafft.
Um das Öl auf dem Trainingsgelände immer griffbereit zu haben, trug man es in einem kleinen kugelförmigen Gefäß (Aryballos) bei sich - oft zusammen mit einem Strigilis (Schaber), welcher nach dem Sport bzw. vor dem anschließenden Bad zum Entfernen der Ölschicht und dem darauf klebenden Staub diente. Ein wunderbares Beispiel für diese beiden Gerätschaften findet sich im British Museum: Klick mich
Auch für Salben und duftende Cremen, die man nach dem Baden in den Körper einmassierte um das Austrocknen der Haut zu verhindern, wurde Olivenöl als Grundlage dringend benötigt. Darüber hinaus schrieb man ihm heilende Wirkung zu; so soll es, laut Plinius, gegen Kopfweh und Nesselstiche helfen. Wer mag, kann die Richtigkeit dieser Behauptung selbst mit Hilfe einer Brennnessel nachprüfen ;)

Ein besonders wichtiger Einsatzbereich darf zum Schluss freilich nicht vergessen werden:  Öl war ein unverzichtbarer Brennstoff für Lampen. Allerdings wurde zu diesem Zweck kaum erstklassiges Speiseöl verwendet, sondern Produkte von minderer Qualität. Hiervon wird es wohl immer ausreichend große Mengen gegeben haben, denn glaubt man Cato dem Älteren, dann verdarb Olivenöl bei der Herstellung relativ leicht, wenn die zuständigen Sklaven nicht sehr reinlich und zügig arbeiteten. Auch Öl, das aus bereits vom Baum gefallenen Oliven gepresst wurde, war als Nahrungsmittel weniger gefragt und dürfte ebenfalls relativ oft seinen Weg in eine Lampe gefunden haben.


Quellen und weiterführende Literatur:

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