Donnerstag, 20. November 2014

Seltsame Kleidung des Alten Orients

Eigentlich ist das ja nicht so mein Thema, aber seit einiger Zeit frage ich mich, was es mit jenen seltsamen Darstellungen von Kleidungsstücken auf sich hat, die vor allem in der Kunst des bronzezeitlichen Orients immer wieder anzutreffen sind.
Wie darf etwa das Kleid dieser weiblichen Adorantin/Betenden interpretiert werden? Für mich sieht es so aus, als ob hier einige "blattartige" Tücher, einem Schuppenpanzer nicht unähnlich, überlappend zusammengenäht wurden. Oder handelt es sich lediglich um die abstrakte Wiedergabe eines Webmusters?

Eine nicht völlig unähnliche, allerdings noch weitaus häufigere Darstellungsform, sieht man bei den zwei unten abgebildeten Adoranten. 
Die Kleidung links könnte man eventuell als einen Faltenrock interpretieren - aber um was handelt es sich rechts?  Wurden hier schmale Stoffbahnen, die stark knittern oder absichtlich in Falten gelegt wurden, zusammengenäht? 
Vielleicht hat man aber auch Pflanzenfasern (Bast?) in Zwirnbindungstechnik miteinander verbunden, so wie es z.B. von europäischer Kleidung der Jungsteinzeit bekannt ist - siehe S320 dieses interessanten PDFs.

Diese Darstellungsform von Textilien findet sich übrigens nicht nur im alten Orient, sondern vereinzelt auch in Europa, wie ein bronzenes Blech belegt:  Klick mich (S 271)

Ich hoffe, zu diesem Thema in nächster Zeit mehr Konkretes in Erfahrung bringen zu können. Möglicherweise hat auch jemand unter den Leser eine Idee, wie diese Darstellungen zu interpretieren sind?


Alle Zeichnungen nach Darstellungen in Formen und Stile: Antike, Benedik t Taschenverlag, 1980

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7 Kommentare

  1. Beim Bild unten rechts müssen es nicht verschiedene Stoffbahnen sein. Mit Plisseetechnik kann man unterschiedliche Faltenmuster erzeugen, die Falten müssen nicht immer gerade nach unten gehen. Ein modernes Beispiel: http://plissee-und-fun.de/wp-content/media/2011/11/Plissierte-Stoffe-2.jpg
    (habe gerade nix besseres gefunden, kenne es aber von ungarischen Trachtenröcken, es geht also auch ohne moderne Technik, Stärkemittel und Geduld genügen)

    LG, Julia

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    1. Das sieht tatsächlich sehr ähnlich aus und wäre eine Möglichkeit. Das so zu machen, sollte man eigentlich in der Lage gewesen sein.

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  2. Das ist vermutlich Schaffell mit dem Vlies nach außen, später auch so eine Art "Kunstpelz", also Gewebe mit Flor, ähnlich wie ein Flokati-Teppich.
    Zu prähistorischer Kleidung in Europa und im Orient würde ich noch die folgenden beiden Bücher von Elizabeth Wayland Barber empfehlen.
    _Prehistoric Textiles: The Development of Cloth in the Neolithic and Bronze Ages with Special Reference to the Aegean _
    _Women's Work: The First 20,000 Years Women, Cloth, and Society in Early Times_

    - Exilwikingerin -

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    1. Hm, aus Fell... warum nicht.
      Wobei es einige Darstellungen gibt, bei denen der blattartige Charakter besonders stark herausgearbeitet wurde. Andererseits, wer weiß schon, wie abstrakt die Darstellungen tatsächlich sind...
      Danke für die Tipps, vielleicht gibts eines der Bücher ja in unseren Bibliotheken.

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  3. Die Fell- oder Flokati-Kleidung wird übrigens auf Altgriechisch "kaunakes" genannt:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kaunakes
    Unter diesem Suchbegriff solltest Du im Internet noch mehr finden.

    - Exilwikingerin -

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    1. Das sieht sehr gut aus! Die Darstellungen lassen sich damit erklären.
      Jemand meine per E-Mail, dass es vielleicht auch Federn sind. Aber archäologische Funde scheint es davon keine zu geben (zumindest habe ich noch nichts gefunden).

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  4. Ich empfehle in diesem Zusammenhang die Lektüre des Buches "From the ashes of angels" von Andrew Collins. Er beschreibt hier eine Zivilisation die gegen 9000 vChr. in der Region die wir heute Kurdistan nennen. Diese haben ihre Kleidung mit Federn geschmückt und wurden daher als halb Mensch, halb Vogel angesehen. Seiner Schlussfolgerung nach handelt es sich hierbei um die Gruppe, die im alten Testament als Engel (Henoch), englisch "Watchers" und/oder "Nephilim" erwähnt wird und der wir die christlichen Engel mit Flügeln verdanken.

    Wolf aus Berlin

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