Donnerstag, 7. Juli 2016

Krimskrams: LEGO als Beschäftigungstherapie für das akademische Prekariat -- Sondengänger sucht Archäologen



LEGO als Beschäftigungstherapie für das akademische Prekariat

Immer wieder ärgerlich sind Studien und pseudowissenschaftliche Meinungsäußerungen, in denen man es darauf anlegt, die Hobbies oder positiven Kindheitserinnerungen von Millionen zu ramponieren, sofern diese nicht den politisch korrekten Ansichten einer kleinen, aber sich ständig in dern Vordergrund drängenden Minderheit entsprechen. So hieß es beispielsweise vor ein paar Jahren, in den beliebten Asterix-Heften würde dem Nationalismus gehuldigt, weil sich das Gallische Dorf gegenüber seiner Umwelt abschotte. In der Tat, was für ein Ärgernis, dass diese Gallier noch keine "Willkommenskultur" kannten und die römischen Invasoren nicht auf einen Krug Cervisia und ein gebratenes Wildschwein einluden ;)
Was habe ich auch fassungslos den Kopf geschüttelt, als ein paar Journalisten bezüglich des Reenactments der Völkerschlacht von Leipzig das moralinsaure Pauschalurteil fällten, Living History sei gewaltverherrlichend und daher irgendwie politisch verdächtig. Freilich, man muss nicht über jedes Stöckchen springen, das einem von solchen Nasen hingehalten wird. 

Doch es geht ja noch viel absurder: Bei meiner Internetsuche nach LEGO-Zubehör stieß ich jüngst auf den Artikel zu einer Studie, für die eine Forschergruppe aus Neuseeland verantwortlich zeichnet. Belegt soll darin unter anderem werden, dass LEGO-Bausätze mittlerweile mehr Waffen (vom Speer bis zur Strahlenpistole) beinhalten als noch vor ein paar Jahrzehnten. Und natürlich werden aus den Erkenntnissen, wie nicht anders zu erwarten war, diverse abenteuerliche Schlüsse gezogen, die größtenteils dazu dienen, LEGO als Wegbereiter für vom Kinderzimmer ausgehende Gewalt zu desavouieren. 
Erde an Raumschiff, Erde an Raumschiff! Buben, die Hauptzielgruppe der Firma LEGO, stellen den Kampf nun einmal gerne spielerisch nach! Das liegt aber nicht primär am Spielzeug, sondern eher am Testosteron - auch wenn das Verfechter gewisser Pseudowissenschaften weniger gerne zur Kenntnis nehmen.
Als Kinder haben meine Freunde und ich unsere LEGO-Polizisten mit selbstgebastelten 'Pistolen' ausgerüstet, da LEGO nichts dergleichen anbot. Der Bedarf geht demnach von den Kunden bzw. Kindern (und Erwachsenen) aus, die es eben gerne halbwegs realitätsnah haben wollen. Oder sollen sich beispielsweise LEGO-Ritter zukünftig nicht mehr mit Schwertern und Lanzen, sondern mit rosa Wattebäuschen bekämpfen? Ist die Weicheier- und Warmduscher-Fraktion erst dann zufrieden? Meint man vielleicht, durch ein solches Ausblenden der Realität könnte ernsthaft beeinflusst werden, dass sich Menschen im späteren Erwachsenenalter nicht zu Mördern oder Räubern entwickeln?

Fazit: 'Kindergarten-Studien' wie die gegenständliche scheinen ein Resultat der ständigen Rufe nach einer höheren Akademikerquote zu sein: Das anschwellende Prekariat der Geistes- und Sozialwissenschaftler erfindet für sich am laufenden Band Beschäftigungstherapien, um daraus irgendwie eine berufliche Existenzberechtigung herleiten zu können.
Der Meinungswissenschaft solcher spinnerten Ideologen zum Trotz ist und bleibt LEGO ein pädagogisch überaus wertvolles Spielzeuge, da es Kreativität und Phantasie außerordentlich stark befeuert. Mein persönliches Interesse für mittelalterliche Geschichte beruht ja zu guten Teilen auf vielen wunderschönen Kindheitserfahrungen mit LEGO - ohne dass ich dabei jemals unter schlechten Nebenwirkungen zu leiden gehabt hätte.

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Sondengänger sucht Archäologen

Wie hier schon berichtet wurde, findet sich auf Youtube der recht professionell gemachte Sondengänger-Kanal German Treasure Hunter. Der Betreiber durften sich kürzlich an einer archäologischen Grabung beteiligen. Am Ende des dabei entstandenen Videos ruft er dazu auf, Archäologen mögen sich doch bitte bei ihm melden, wenn sie daran interessiert sind, dass auch ihre Grabung mit einem Kamerateam begleitet wird.
Im Angesicht der Diskussion, die im Kommentarbereich meines Interviews mit Raimund Karl stattfand - dass nämlich die Archäologie in den Medien zu selten vorkommt - handelt es sich hier um ein Angebot, das sich manch Ausgräber zu Herzen nehmen könnte.

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"ÖH-Studentenstiftung verspekuliert zwei Millionen Euro"...

... schreibt die österreichische Tageszeitung Die Presse. Und das ist nur eine von mehreren Verfehlungen dieser Stiftung sowie der Österreichischen Hochschülerschaft: Klick mich

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6 Kommentare

  1. Am besten man lässt Kinder nur noch mit bunt bemalten Holzklötzchen spielen und wickelt sie in Luftpolsterfolie ein, damit sie sich dabei nicht weh tun.

    Liebe Grüße,
    Britta

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  2. Ich muss mich hier (zumindest halbwegs) auf die Seite gewisser Pseudowissenschaften stellen: es liegt nicht am Testosteron. Auch als Mädchen habe ich leidenschaftlich gerne Schlachten mit meinen LEGO-Rittern veranstaltet. Kinder stellen im Spiel ihre Sicht auf die Welt dar, und dazu gehört nunmal auch Gewalt. Insofern befriedigt LEGO zwar schon das Kundenbedürfnis, am Testosteron liegt aber nur, dass sie das gesellschaftlich akzeptiert auch tun dürfen. Würden Barbies mit Waffen angeboten, wäre das nach meiner Erfahrung der Renner in den Kinderzimmern, nur wäre das politisch noch weniger korrekt als bei den LEGO-Rittern. So müssen sich Barbie-Besitzerinnen halt immer noch mit selbstgebastelten Schwertern und Pistolen behelfen (beides schon gesehen). Oder sie ziehen (wie ich) die Ritter der dummen Puppendame vor...

    LG, Julia

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    1. Selbstverständlich gibt es auch Mädchen, die es gerne mit LEGO krachen lassen (auch Frauen haben ja Testosteron in ihrem Körper), nur kämpft die Firma LEGO seit Anbeginn damit, dass die bunten Plastikbausteine bei Mädchen im Schnitt nicht so gut ankommen wie bei Buben. Der Trend verstärkt sich außerdem mit zunehmendem Alter. Und dabei hat man im Laufe der Jahre wirklich alles mögliche versucht, um das zu ändern.

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    2. --- verschoben ---

      Diese Bemühungen auch Mädchen stärker als Kundschaft zu gewinnen beobachte ich auch schon seit midnestens zwei Jahrzehnten. Das läuft immer öfter darauf hinaus, dass in die Lego-Bausätze zusätzlich weibliche Helden gepackt werden.
      So etwas zieht vielleicht bei einer Achthhrigen, aber spätestens wenn die Mädchen 11 oder 12 Jahre alt sind, brechen sie als potentielle Kundschaft massenhaft weg, weil sie sich in dem Alter für andere Dinge zu interessieren beginnen. Jungen hinken in der Entwicklung hingegen um 1-2 Jahre hinterher und bleiben daher als Kundschaft länger erhalten. Es ist ja kein Zufall, dass die meisten Bausätze mit einem empfohlenen Alter von bis zu 14 Jahren versehen werden. Bloß will in dem Alter kaum noch ein Mädchen mit Lego spielen, sondern fast ausschließlich Jungen

      Zu dem Gewalt-Bla Bla in der Studie mal folgendes: Lego ist in den letzten Jahren mehrere Partnerschaften mit Fimlstudios eingegangen und hat Dinge wie Star Wars vermarktet. Das hat die Firma wirtschaftlich gerettet, aber klar, dass so auch mehr Waffen "ins Spiel" kommen, im wahrsten Sinn des Wortes. Nur wenn man das kritisiert, dann müsste man vor allem auch die Star-Wars-Filme als das ursprüngliche "Übel" kritisieren, auf die die Kids bekanntermaßen ganz verrückt sind! Aber jede Wette, einige der Studienautoren finden Star Wars selber geil und wollen diese Heilige Kuh nicht anfassen!

      Und einen Daumen nach oben für den wissenschaftlich interessierten Sondengänger mit Filmkamera!

      Gero

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