Donnerstag, 29. September 2016

Krimskrams: Kassiert Campus Galli Gehbehinderte ab? -- Vom Verlag Friedrich Pustet veräppelt? -- usw.

Darf man das?

Liebe Leser, gelegentlich werde ich in meinen Träumen von Vorwürfen geplagt: Ist es z.B. ok, mich ständig über eine bestimmte Mittelalterbaustelle lustig zu machen und die Verantwortlichen vorzuführen, so wie das Moderatoren von Assi-Talkshows im Privatfernsehen mit ihren geistig eher schlicht formatierten Gästen machen?  Darf man Menschen der Lächerlichkeit preisgeben, nur weil sie - wie es ein Leser jüngst formulierte - nicht mehr alle Kirschen auf der Torte haben?
Im Falle der inkriminierten Mittelalterbaustelle lautet meine Antwort: Ja, unbedingt! Siehe etwa den folgenden Beitrag.

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Kassiert Campus Galli Gehbehinderte ab?



Der gehbehinderte Herr Lohr ärgerte sich in einem Leserbrief an die Tageszeitung Südkurier darüber, dass ihm untersagt wurde, beim Besuch der entschleunigten Kloster-Kolchose Campus Galli sein dreirädriges Liegerad zu benutzen (siehe Symbolbild). Und weiter heißt es: 
Hannes Napierala, Geschäftsführer des Campus Galli, bekräftigt auf Nachfrage, dass Lohr mitgeteilt worden sei, dass kein Fahrrad mit auf das Gelände gebracht werden dürfe. Er bittet um Verständnis und verweist auf den Bodenbelag, den Wendekreis, die Rücksichtnahme auf andere Besucher sowie auf das bestehende Mobilitätsangebot.
In der Tat, auf dem Campus Galli - mit seinen bekanntlich von Besuchermassen völlig verstopften Wegen - würde ein Liegerad, im Gegensatz zum projekteigenen Ochsengespann und einem meterlangen Pferdefuhrwerk, natürlich eine unkalkulierbares Risiko für andere Besucher darstellen.
Auch dürfte so ein Gehbehinderter kaum in der Lage sein, selbst einzuschätzen, ob sein Gefährt mit dem Bodenbelag auf den Wegen des Campus Galli kompatibel ist. Doch Gott sei Dank gibt es Hannes Napierala, das promovierte Gscheiterl, welches dem Betroffenen ordentlich bescheid stößt. Wer weiß denn schließlich, ob der außer an einer körperlichen Behinderung nicht auch noch an mangelnder Zurechnungsfähigkeit leidet?
Und überhaupt, was jammert dieser freche Gehbehinderte denn so herum? Schließlich gibt es beim Campus Galli ein Elektrogefährt, das für schlappe 15 Euro (zuzüglich zum Eintrittspreis) ausgeborgt werden kann. Jeder weiß doch, dass gerade bei behinderten Menschen der Geldbeutel tendenziell besonders prall gefüllten ist. Problemlos können sie sich daher diesen heißen Flitzer leisten, um damit auf dem Campus Galli ein paar Runden zu drehen und den Handwerkern beim dilettieren zuzusehen. 

Nein, ein wahrer Schelm ist, wer hier ernsthaft meint, dass man beim Campus Galli das Verbot von Fahrrädern vor allem deshalb so kompromiss- und herzlos durchsetzt, weil damit das Geschäft mit dem hauseigenen Elektroflitzer und Kutschenfahrten angekurbelt werden soll. Dass hierbei gehbehinderte Menschen übel benachteiligt werden, schert die Verantwortlichen zu Recht nicht. Längst kann es sich das mit massig Staatsknete alimentierte Projekt nämlich leisten, Besucher achselzuckend zu vergraulen. Oder?

Apropos Campus Galli: Eher unwillkommen sind den Verantwortlichen offensichtlich Fragen nach den historischen/archäologischen Quellen, auf denen die Bauten des Projekts angeblich beruhen. Entweder man reagiert pampig oder gibt sich verschlossen wie eine Auster - siehe folgendes Beispiel (Bild) der Auskunftsverweigerung:

Quelle des Zitats
Wie heißt es so schön: Keine Antwort ist auch eine Antwort. 

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Vom Verlag Friedrich Pustet veräppelt?

Schon komisch, da schrieb mich über die FB-Seite dieses Blogs der Verlag Friedrich Pustet an (als absoluter Facebook-Ignorant wusste ich gar nicht, dass das geht) und fragte mich, ob man mir nicht zwei neue Sachbücher zu den Themen Mittelalter und Römer schicken darf. Ich solle mich bei Interesse per E-Mail kurz melden und die Lieferadresse der Pressestelle mitteilen. 
Weil mich die Bücher tatsächlich interessiert haben, schickte ich die erbetene E-Mail ab. Bestätigung erhielt ich aber keine. Und geliefert wurde nach zwei Wochen auch noch nichts. Dass da etwas Krummes gelaufen sein könnte, halte ich für unwahrscheinlich. Eher handelt es sich um Schlamperei oder etwas in der Art.
Trotzdem ärgert mich die Angelegenheit, weil ich eines der beiden Bücher bereits kurz zuvor gekauft hatte und nach dem an mich herangetragenen Angebot des Verlages extra zum Postamt gefahren bin, um es wieder an Amazon zurückzuschicken! Jetzt darf ich es nochmals bestellen *grrr*.

Update: Der Verlag list hier offenbar mit. Wie man mir eben per E-Maill mitteilte, gab es unvorhergesehene Verzögerungen. Man entschuldigte sich und versicherte mir, dass die Bücher mittlerweile unterwegs sind.

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Hut ab!

Da hat jemand nicht einfach mit Legosteinen drauf losgebaut, sondern sich vorher wirklich gut informiert! Beim Campus Galli könnte man sich daran ein Beispiel nehmen: Klick mich


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6 Kommentare

  1. dieses verhalten von campus g, ist schon ein wenig korinthenkackerhaft und asozial. chris

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  2. Campus Galli hat über das mit Selbstlob überschüttete Kirchlein nach vier Jahren keinen Text, und zwar nirgendwo, veröffentlicht, der auch nur annähernd wissenschaftlichen Kriterien gerecht wird. Die Beiträge in deren Blog, auf Facebook und auch in der jährlich verteilten Chronik sind nicht viel mehr als mit Allgemeinplätzen zugekleisterte Stimmungsberichte, wie man sie aus der Zeitung kennt.
    Wo bleiben die vielen versprochenen wissenschaftlichen Erkenntnisse? Warum teilt man sie nicht mit der Öffenltichkeit? Will man nicht oder kann man nicht?

    Kar0

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  3. Also Hiltibold, wenn hier jemand den Campus Galli lächerlich macht, dann sind es die Betreiber selbst: Kein Liegerad für einen behinderten Menschen ist erlaubt, wegen zu großem Wendekreis, aber eine Kutsche mit zwei Pferden macht keine Probleme? Herr, wirf Hirn vom Himmel! Beim Campus Galli ist man nicht einmal in der Lage, sich eine halbwegs glaubhafte Ausrede einfallen zu lassen! Kein Wunder, dass dort auch keine seriöse Dokumentation der vermeintlichen Experimentalarchäologie stattfindet. Sie können es einfach nicht. Selbst als Besucher bekommst du oft keine vernünftigen Antworten. Mir haben sie erzählt, der typische Gürtel für Frauen war eine Wollkordel, Leder hat es im frühen Mittelalter angelich nicht so viel gegeben. Ich hätte mich kringeln können! Das war 2013, kurz nach der Eröffnung. Aber sogar heute noch schreiben sie auf ihrer Facebookseite ganz ähnlichen Quark. Es ist zum Heulen, wenn ich daran denke, dass ich anfangs noch für das Projekt Lobbying und Überzeugungsarbeit im Netz geleistet habe!
    Thüringische Maid

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  4. Meine Pläne so etwas ähnliches wie in dem Link aus Lego zu bauen scheitern immer daran, dass mir die passenden Steine fehlen. Bestimmte Bauformen gibt es leider (noch) nicht.
    Lg, Lukas

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    1. Mit einem 3D-Drucker lässt sich mittlerweile einiges an speziellen Legoteilen herstellen, die es nicht käuflich zu erwerben gibt.

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    2. Leider kann ich mir zurzeit keinen vernünftigen 3D-Drucker leisten. Aber die Idee ist sicherlich gut!
      Lukas

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