Dienstag, 12. März 2019

đź“– Buch: Die Benediktsregel

Die sogenannte Benediktsregel verdankt ihren Namen Benedikt von Nursia, der sie im 6. Jh. für das von ihm gegründete Kloster auf dem Monte Cassino (Italien) niederschrieb. Dabei hatte der Verfasser allerdings durchaus schon im Blick, sein umfangreiches Regelwerk für das Zusammenleben von Mönchen auch in andere Klöstern zu exportieren. Was dann im weiteren Verlauf des Mittelalters tatsächlich der Fall war.

In der Benediktsregel wird in übersichtlicher Weise auf ungemein viele Aspekte des Klosterlebens eingegangen: Dazu gehört z.B. die Wahl des Abtes, die Preispolitik für im Kloster erzeugte Waren, die Ausstattung der Mönche mit Kleidung und sogar die Bestrafung von zu spät zum Essen kommenden Mönchen.

Die Benediktsregel - das weiß man noch nicht allzu lange mit Sicherheit - beruht zum Teil auf einer etwas älteren Schrift, nämlich der sogenannten "Regula Magistri", deren Autor nicht mehr bekannt ist.
Aus heutiger Sicht mutet es etwas kurios an, das Benedikt - dessen Regel einen ungemein großen Einfluss auf das mönchische Leben hatte - selbst wahrscheinlich nie eine Priesterweihe empfangen hatte. Allerdings war dies lange Zeit für Klostergründer und Äbte nichts Ungewöhnliches.

Für die Übersetzung der vorliegenden Ausgabe zeichnet Gernot Krapinger verantwortlich. Der in ein zeitgemäßes Deutsch übersetzte Text ist hier auch im lateinischen Original enthalten. Im Anhang finden sich einige wenige Anmerkungen/Endnoten, ein relativ ausführliches Nachwort mit Informationen zu Benedikt von Nursia sowie ein Verzeichnis mit mönchisch-kirchlichem Fachvokabular wie z.B. "Kukulle" und "Petitio".


Fazit: Die Benediktsregel ist ein interessanter Text, der dem heutigen Leser sehr dabei hilft, das Klosterleben in all seinen verschiedenen Facetten zu verstehen. Das führt in weiterer Folge auch zu einem besseren Verständnis für das stark von Klöstern geprägte Mittelalter.

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WeiterfĂĽhrende Informationen:



4 Kommentare:

  1. Bei der Regula finde ich besonders einen Satz aus dem 61. Kapitel schön: "Sollte er [ein Gast] in Demut und Liebe eine begründete Kritik äussern oder auf etwas aufmerksam machen, so erwäge der Abt klug, ob ihn der Herr nicht gerade deshalb geschickt hat." Könnten sich viele eine Scheibe von abschneiden, finde ich.
    Auch das 64. Kapitel über den Dienst des Abtes ist eine wahre Fundgrube für Führungskräfte :).


    Was die Priesterweihe angeht, über die der Heilige Benedikt nicht verfügte, so ist das nicht ungewöhnlich. Priester und Mönche sind ursprünglich zwei völlig verschiedene Dinge gewesen. Im Mittealter kommt es jedoch, so der Kirchenhistoriker Arnold Angenendt, zu einer Klerikalisierung des Mönchtums wie auch zu einer Monasterisierung des Priestertums. Der Pflichtzölibat für Weltpriester ist u.a. eine Folge dieser Vermischung.

    btw: Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil hatte die Katholische Kirche kein Problem damit, dass Laien (auch Frauen!) Leitungsämter inne hatten. Administrative Vollmachten und Weihevollmachten wurden über Jahrhunderte hinweg voneinander getrennt. Bischöfe und Kardinäle mussten nicht zwingend auch Kleriker sein. Berühmte Fälle sind z.B. Ercole Consalvi, der 1800 Kardinalstaatsekretär wurde und ein Jahr später die Diakonatsweihe empfing. Merke: Die Nummer 2 im Vatikan war weder Bischof noch Priester und wurde auch nur aus dem Grund Diakon, damit Consalvi in einem Gottesdienst auch mal etwas sagen durfte.
    Bei Reichsbischöfen sah es übrigens nicht anders aus, siehe z.B. Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg: Der war Bischof von Breslau und Worms, Hochmeister des Deutschen Ordens, Erzbischof von Trier und Mainz ohne irgendeine Weihe empfangen zu haben. Er konnte daher auch keinem Gottesdienst vorstehen. Das war Aufgabe der Weihbischöfe (daher der Name).
    Ăśbrigens: Der CIC (Codex Iuris Canonici) von 1917 trennte Weihe- und Leitungsvollmacht noch voneinander. Der aktuelle CIC von 1983 tut das nicht mehr, sondern verknĂĽpft die beiden Aspekte: Wer leiten will muss geweiht sein und umgekehrt. Das gilt auch fĂĽr die Orden. Schade eigentlich.

    GrĂĽĂźe
    Ulrich

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    1. Das ist sehr interessant. Da hat man sich offenbar in etlichen Punkten von der Urkirche weg entwickelt. Mir war diesbezüglich bisher nur das im Hochmittelalter aufkommende Eheverbot für Priester bekannt, das wohl auch u.a. mit dem Mönchsideal begründet wurde (obwohl das ja nicht unbedingt der Hauptgrund war).

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    2. Lies doch diesbezĂĽglich einmal "Krypta" von Hubert Wolf, derzeit Ordinarius fĂĽr Kirchengeschichte in MĂĽnster. Er beschreibt einige interessante Traditionslinien, die im 20. Jahrhundert nicht mehr weiter gefĂĽhrt wurden. Von einer demokratischen Bischofswahl bis hin zur Rolle der Frau ist da alles dabei.

      GrĂĽĂźe
      Ulrich

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    3. Schon auf meiner Leseliste fĂĽr den Sommer!

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