Dienstag, 28. Juli 2026

🗞️ Was in der alten Zeitung steht: Das Geheimnis der fliegenden Untertassen (1950) -- Reichsflugscheiben (1950) -- Frühe 'Geschlechtsumwandlung' (1933)

Das Geheimnis der fliegenden Untertassen

Es ist mittlerweile schon länger her, dass ich hier einen historischen UFO/UAP-Bericht ausgegraben habe - deshalb heute gleich zwei. Dieser erste wurde am 23. März 1950 in den Innsbrucker Nachrichten veröffentlicht (hier geht es zum Original). Eigentlich handelt es sich dabei um die Zusammenfassung mehrere zum Teil dramatischer UFO-Erscheinungen, die rund um den Globus beobachtet worden sein sollen (wie hoch man im Einzelfall die Glaubwürdigkeit einschätzt, sei jedem selbst überlassen).

Das Geheimnis der „fliegenden Untertassen“. 
Kaum mehr abzuleugnende Beobachtungstatsachen. 
Neuartige Kriegsmaschine oder Ausflügler vom Mars?

„T.T.“ Innsbruck. Auf unserem Redaktionstisch liegen sieben Meldungen internationaler Nachrichtenagenturen über die Beobachtung von „fliegenden Untertassen“. Sieben Berichte von einem Tag aus Algier, Madrid, Rio de Janeiro, Buenos Aires, Lissabon und Klagenfurt. Haben sich sämtliche Nachrichtendienste verschworen, oder sind plötzlich Hunderte von Menschen in aller Welt auf die gleiche Art und Weise verrückt geworden? Es sind aber nicht nur diese sieben Meldungen, nein, täglich gehen mehrere ähnliche ein, in letzter Zeit häufiger, im großen und ganzen aber schon seit drei Jahren!
Ging man anfangs noch über derartige Berichte mit einem lächelnden Kopfschütteln hinweg, so ist dieses Kopfschütteln bei vielen Menschen inzwischen ernster und nachdenklicher geworden. Was läßt sich über die bisher bekannten Beobachtungen dieses seltsamen Phänomens zusammenfassend sagen? Wir wollen an Hand einer umfangreichen Sammlung von Agenturmeldungen und ausländischen Zeitungsberichten versuchen, darauf in knapper Form Antwort zu geben:
Die Geschichte der „fliegenden Untertassen“ beginnt eigentlich mit dem 24. Juni 1947, an welchem Tage ein USA-Militärpilot auf einem Uebungsflug über dem Staate Idaho plötzlich neun riesige rotierende Scheiben gewahrte, die mit annähernd 2000 Kilometer Stundengeschwindigkeit an ihm vorüberrasten. Diese Nachricht löste eine wahre Flut von Vermutungen und ähnlichen Berichten aus, von denen allerdings ein Großteil als reine Einbildung abgetan werden konnte. Aber... am 7. Jänner 1948 wurde von mehreren Augenzeugen vom Boden aus in der Nähe des Fort Knox in den USA. wieder ein Flugkörper ähnlicher Art gesichtet. Eine in der Nähe kreisende Jagdfliegerstaffel wurde durch Funkspruch alarmiert, und tatsächlich gelang es drei Flugzeugen, sich der seltsamen Erscheinung zu nähern. In 6000 Meter Höhe mußten zwei weitere Flugzeuge die Verfolgung aufgeben, das letzte, von einem bewährten Kriegsflieger gesteuerte Jagdflugzeug jagte weiter mit Vollgas der blitzenden Scheibe nach. Stunden später fand man die Ueberreste der Maschine am Boden zerschellt auf. Als wahrscheinliche Ursache des Absturzes vermutete man, der Pilot sei im Eifer der Verfolgung zu hoch gestiegen und dann infolge Sauerstoffmangels bewustlos geworden. Wieder ein halbes Jahr später wurde von einem Verkehrsflugzeug aus eine fliegende Scheibe und daneben noch ein langer, zigarrenförmiger Flugkörper gesehen, wobei letzterer in einer Entfernung von knapp hundert Meter an dem entsetzten Piloten vorüberschoß.
Um diese Zeit trafen plötzlich auch aus Skandinavien Berichte über die Beobachtung „fliegenden Untertassen“ ein. Da sie meist aus östlicher Richtung kommend über Norwegen und Schweden hinwegflogen, nahm man an, daß es sich um sowjetrussische Versuche mit neuartigen Flugkörpern handle. Dann trat wieder eine Art Ruhepause ein, die „fliegenden Untertassen“ schienen als Phantasiegebilde endgültig vergessen. Jedoch nicht sehr lange. In regelmäßigen Abständen kamen Berichte aus anderen Ländern: Kanada, Bolivien, Ja- pan und schließlich auch Italien. In Italien, von wo erst in den letzten Wochen wieder mehrere Meldungen eintrafen, haben in einigen Fällen Hunderte von Menschen gleichzeitig die geheimnisvollen Flugkörper gesehen. Gerade dieser Tage aber verdichten sich die Berichte in einem Maße, daß es wirklich nicht mehr möglich ist, die reinen Beobachtungstatsachen abzuleugnen. Die Beobachtungen stimmen in ihren wesentlichen Merkmalen völlig überein und wurden gleichzeitig an verschiedenen Orten gemacht. Die charakteristischen Momente sind: Die „fliegenden Untertassen“ tauchen häufiger des Nachts als am Tage in einer ungefähren Höhe von 10.000 Meter auf, gehen dann tiefer und scheinen minutenlang still-zustehen, um dann mit einer Geschwindigkeit von 1000 bis 2000 Kilometer ruckartig hochzusteigen und zu entschwinden. Der Durchmesser der Scheiben beträgt schätzungsweise 15 bis 70 Meter. Immer ist von einer gleichzeitigen Lichterscheinung, ähnlich dem Feuerschweif eines V-Geschosses, die Rede, wobei die Scheiben rasend um die eigene Achse rotieren sollen.
Am 17. März traf nun ein Bericht aus Mexico-City ein, der an Deutlichkeit nichts mehr zu wünschen übrig läßt: Einer Gruppe von Jagdfliegern sei es gelungen, eine Flugscheibe zu verfolgen und einzukreisen. Dabei konnten die Piloten sehen, daß es sich um einen metallischen Körper handle, an dessen Oberseite sich eine Art Auspuffrohr, wie bei der „V-1“, befand. Als sich die Flugscheibe eingekreist sah, zog sie zunächst einige Kreise, um dann in die Höhe zu schnellen und mit irrsinniger Geschwindigkeit in die Stratosphäre zu entschwinden. Es soll aber gelungen sein, von ihr zahlreiche Aufnahmen zu machen, und die Flieger sind der Meinung, daß es sich um einen ferngelenkten Flugkörper mit eingebautem Fernsehgerät und Düsenantrieb handle (Anm.: Den Begriff "Fernsehgerät" sollte man hier nicht streng im heutigen Sinn interpretieren.)
Eine Reihe photographischer Aufnahmen von Flugscheiben sind auch schon seit längerer Zeit im Besitze des amerikanischen Verteidigungsministeriums, das einen eigenen Untersuchungsausschuß zur Prüfung der geheimnisvollen Flugscheiben seit zwei Jahren eingesetzt hat und damit die eigenen Dementis der Angelegenheit Lügen straft.
Es bleibt eigentlich nur noch die Frage offen: Woher kommen die „fliegenden Untertassen“? Sind sie überhaupt irdischen Ursprungs oder stammen sie von anderen Weltkörpern, auf denen denkende, menschenähnliche Wesen leben? Die außerirdische Herkunft der Flugscheiben anzunehmen ist solange kein Anlaß, als nicht ihre irdische eindeutig widerlegt ist. Außerdem sind nach Ansicht führender Fachleute die scheibenförmigen Flugkörper kein geeignetes Fahrzeug zur Durchquerung des Weltraumes. Nachrichten von angeblich abgestürzten Flugscheiben -- man soll hierbei sogar die Leichen von zwergartigen Menschenwesen in ihnen entdeckt haben -- liegen nur vereinzelt vor und wurden in keinem Falle bestätigt. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, anzunehmen, daß nur die Amerikaner oder die Russen als Erbauer der Flugscheiben -- soferne sie, wie gesagt, irdischer Herkunft und keine bloße Vision sind  -- in Frage kommen. Daß sie bei der Frage nach dem Woher nicht „Hier!“ rufen, ist ebenso klar. Es wurde auch bereits darauf hingewiesen, daß es doch eigenartig sei, daß aus den Ländern der sowjetischen Einflußsphäre bisher keine einzige Flugscheiben-Meldung gekommen sei aber das kann ja nur eine Folge der Nachrichtenzensur sein.
Jede weitere Vermutung ist bis zu einer wirklich eindeutigen Meldung von der Auffindung oder „Festnahme“ einer solchen „fliegenden Untertasse“ oder dem Vorliegen klarer Photographien sinnlos. Unter uns gesagt: Es wäre doch viel schöner, wenn alles nur Bluff und Phantasie und nicht am Ende das neueste Kriegs- und Mordinstrument einer wahnwitzig gewordenen Menschheit wäre!                         --th--

Was der Autor dieser Zeilen beispielsweise nicht wusste: Das UFO-Phänomen nahm seinen Anfang mitnichten erst in der unmittelbaren Nachkriegszeit, denn Scheiben und zigarrenförmige Objekte werden bereits in viel älteren Texten als Himmelserscheinungen überliefert - etwa bei Titus Livius, der vor rund 2000 Jahren schrieb.
Ansonsten ähneln die Beobachtungen, die der Journalist der Innsbrucker Nachrichten hier schildert, sehr dem, was auch heute noch das UFO-Phänomen in vielen Fällen begleitet. Etwa die in der Luft stillstehenden Flugobjekte, die plötzlich mit einem absurden Affenzahn hochsteigen, was - aus heutiger menschlicher Perspektive - technisch eigentlich unmöglich ist. Geschildert wurden solche Vorkommnisse in den vergangenen Jahren unter anderem vom hochrangigen US-Piloten Commander David Fravor in mehreren Interviews (Lex Friedman, Joe Rogan usw.). Im Disney-SciFi-Klassiker "Der Flug des Navigators" (1988) wurde dieses Flug-Charakteristikum ebenfalls aufgegriffen.
 


Reichsflugcheiben und mehr

Dieser zweite Artikel zum Thema UFO/UAP stammt ebenfalls aus dem Jahr 1950. Veröffentlicht wurde er in den Salzburger Nachrichten am 1. April... Allerdings ist er kein Aprilscherz (hier das Original). 

Fliegende Scheiben - Wirklichkeit 
Schon 1942 wurde an Rotations- und Turbofliegern gearbeitet

Es läßt sich auf keinen Fall mehr abstreiten, daß die Sache mit den „Fliegenden Untertassen“, die seit geraumer Zeit das öffentliche Interesse mehr und mehr auf sich lenkt, auf ganz handfesten Tatsachen beruht. Den Tageszeitungen der verschiedensten Länder sind Beobachtungsberichte zu entnehmen, die kaum mehr mit dem Hinweis auf Massensuggestion abgetan werden können. So wird unterm 27. März eine durch Augenzeugen belegte Meldung aus Riva gebracht, daß in der nördlichen Gegend des Gardasees in drei verschiedenen Fällen fliegende Scheiben beobachtet wurden, die sich stundenlang, scheinbar ohne Bewegung in der Höhe des Monte Baldo hielten und dann blitzartig verschwanden. Ähnliche Meldungen liegen aus Livorno vor, wo sich die Erscheinung sogar alle zwei Stunden wiederholte. Es wird in italienischen Blättern darauf hingewiesen, daß die erste Konstatierung solcher Flugscheiben in der letzten Zeit in Westösterreich, in der Nähe von Bludenz festgestellt wurde. Weitere Erscheinungen wurden sowohl in Berlin wie in Addis Abeba, aber auch in Argentinien und Columbien beobachtet. Das allgemeine Kopfzerbrechen darüber hat dazu geführt, daß sogar die Meinung auf- tauchte, man habe es mit astronomischen Phänomenen zu tun und man wird vermutlich am kommenden 1. April nicht lang nach den Photographien der Marsleute zu suchen haben, die als Besatzung solcher fliegender Scheiben von findigen Journalen den Lesern vorgelegt werden.
Trotzdem scheint dieses bisher etwas fragwürdige Kapitel der Ge- schichte menschlicher Erfindungen aus dem Reiche Jules Vernescher Phantasien in das der Wirklichkeit zu übersiedeln: Die große französi- sche Zeitung ,,Le Monde" veröffentlicht Erklärungen des berühmten italienischen Ingenieur Giuseppe Beluzzo, eines Turbinenspezialisten, der ehemals unter Mussolini Minister war. Der heute 63-Jährige bestätigt in einem Artikel des ,,Giornale d'Italia", daß Flugmaschinen aus Ultra-Leichtmetallen in Scheibenform schon im Jahre 1942 in Italien und Deutschland ausgearbeitet wurden, die imstande waren, je eine Bombe bis zu 5000 Kilo zu tragen (Anm.: Beluzzos Ausführungen sollen angeblich die Grundlage für den späteren Mythos der sogenannten "Reichsflugscheiben" sein). Der bekannte Techniker beschreibt diese Scheiben als Maschinen, die eine Dicke von zirka zwei Metern und einen Durchmesser von zehn Metern haben. Sie tragen zwei große Turbinen, die im gegenläufigen Sinn operieren. Es ist bisher nicht bekannt geworden, welche Staaten die weitere Fortbildung solcher Maschinen übernommen haben, aber die jüngsten Beobachtungen mexikanischer Flieger besitzen insofern einen besonderen Wert, als sie in der Nähe des amerikanischen Staates Neu-Mexiko gemacht wurden, von dem bekannt ist, daß dort ähnliche Versuche mit fliegenden Groß-Projektilen unternommen wurden.
Nun zur technischen Angelegenheit. Seit über 50 Jahren ist den Physikern der sogenannte „Magnuseffekt" bekannt, wonach ein rotierender Zylinder in bewegter Luft nach derjenigen Seite abzuweichen pflegt, die im Sinne der Drehrichtung rechtwinklig zum Einfall der Luftbewegung steht. Die Entdeckung dieses Effektes führte zunächst dazu, daß die Geschoßläufe von Gewehren und Kanonen mit einem Drall versehen wurden, um den Projektilen eine überaus rasche Rotationsbewegung zu verleihen, die sie befähigt, während des Durcheilens der Bahn Windbewegungen automatisch zu kompensieren. In späterer Zeit hat der sogenannte Flettnersche Rotor, an den sich manche Leute noch erinnern werden, Aufsehen gemacht. An Stelle eines Segels waren da auf kleinen Booten zwei große rotierende Zylinder montiert, die den Magnuseffekt zur Fortbewegung des Schiffes ausnützten. Viel ist aus der Geschichte nicht geworden, weil man ja auch mit einem gewöhnlichen Segel nicht viel schlechtere Ergebnisse zustande brachte. Heute, da die Technik so weit fortgeschritten ist, rotierenden Massen ungeheure Geschwindigkeiten zu verleihen, ist die Sache schon anders. Man hat es auf diese Weise in der Hand, den Magnuseffekt dazu zu benützen, auf der oberen Seite einer fliegenden Scheibe Luftverdünnungen zu schaffen, die Luftverdichtungen auf der unteren entsprechen und so gegen die Schwerkraft wirken können. Dazu kommt aber noch der bekannte Kreiseleffekt, der bei rascher Rotation der gesamten Scheibe dieser eine beträchtliche Stabilität im Sinne der Waagrechten verleiht, so daß ein Abrutschen unmöglich ist. Schließlich ist ja auch bei modernen Flugmaschinen von der Art des Hubschraubers das Problem der Schaffung eines luftverdichteten Polsters unterhalb der Flugmaschine zu lösen gewesen.
Nach gewissen Feststellungen dürften die modernen Flugmaschinen in Scheibenform nicht nur mit großen Turbinen, die zur Erreichung der Tragfähigkeit benützt werden, ausgestattet sein, sondern es sind auch, eine Reihe von kleineren Turbinen kreisförmig angeordnet, die der Flug- scheibe je nach Wunsch eine Beschleunigung in irgend einer beliebigen seitlichen Richtung verleihen können. Auf diese Weise erklärt sich auch die ungeheure Wendigkeit der neuen Maschinen, von der die meisten Beobachtungen zu erzählen wissen.
,,Le Monde" frägt, von welchem Lande wohl die fliegenden Scheiben aufgestiegen sein könnten, die den Himmel von Marokko, Portugal, Italien oder Argentinien unsicher machen. Wenn schon nach den Plänen von 1942 die Reichweite solcher Maschinen mit 5000 Kilometer angegeben war, meint diese Zeitung, so sei es nicht unwahrscheinlich, daß die von heute von einem Kontinent auf den andern mit Leichtigkeit hinüber wechseln könnten. Man braucht sich aber auch nicht wundern, daß solche Maschinen bisher von keinem Aeroplan ,,alten Stils" erwischt werden konnten, wenn man in Rechnung zieht, daß die Bewegung der fliegenden Scheiben, wenn nötig, bis zur Ultraschallgeschwindigkeit gesteigert werden kann.
Ob solche Maschinen bemannt oder ferngesteuert sind, geht aus keinem der zur Zeit vorhandenen Kommentare mit Deutlichkeit hervor. Fast möchte man Letztere annehmen, obwohl nichts dagegen spricht, daß menschliche Insassen einer Flugmaschine eine Geschwindigkeit ertragen, die über die des Schalles hinausreicht. Der Geschwindigkeit, mit der sich ein entsprechend geschützter menschlicher Organismus durch den Raum bewegen kann, ist nämlich kaum ein Ziel gesetzt. Ganz anders verhält es sich jedoch mit der Beschleunigung, also der Geschwindigkeitszunahme, mit der solche Riesengeschwindigkeiten erreicht werden. Hier verträgt der Mensch, wie jeder Sturzflieger aus eigener Erfahrung weiß, nur beschränkte Grenzen. Und somit läßt das überaus rasche Verschwinden, das von den Beobachtern ,,Fliegender Scheiben" fast immer gemeldet wurde, wohl den Schluß zu, daß es sich zur Zeit hier noch um unbemannte, entweder automatisch gesteuerte oder ferngelenkte Flugmaschinen handeln dürfte.

Dieser und der vorhergehende Artikel verdeutlichen sehr schön, dass dazumal in den 'Mainstream'-Medien das Thema UFO noch recht offen besprochen wurde. Irgendwann kam jedoch die Tabuisierung sowie das mediale Herunterdodeln. Erst in den letzten Jahren ist wieder ein gegenläufiger Trend erkennbar. Beispielsweise an der Uni Würzburg gibt es mit dem Interdisziplinären Forschungszentrum für Extraterrestrik (IFEX) sogar eine eigene Einrichtung, die sich mit dem Thema UFO/UAP - ohne Scheuklappen - intensiv  auseinandersetzt.



Aus Adalar wird eine Gisela - Geschlechtsumwandlung vor 93 Jahren

Hier der erstaunliche Bericht der Tageszeitung "Vorarlberger Wacht" über den sehr frühen Fall einer 'Geschlechtsumwandlung' aus dem Jahr 1933 (Originaltext). Ort des Geschehens war  Budapest. Dieses Beispiel zeigt, dass es sich hierbei um kein ganz neues Phänomen handelt. Solche Menschen hatten es dazumal aber eher schwer und wurden beispielsweise während der Herrschaft des Nationalsozialismus drangsaliert. Heute ist man freilich in ein anderes Extrem verfallen und die Staatsgewalt bedrängt zunehmend die Kritiker dieses Themenkomplexes. Offenbar neigen die Herrschenden - quer durch die Zeiten und unabhängig vom politischen System - dazu, die Bevölkerung hinsichtlich ihrer sexuellen Ansichten gleichbügeln zu wollen. Stichwort "Moral". Wobei man diesen Begriff heute gerne durch "Toleranz" ersetzt. Hört sich zwar besser an, läuft aber meistens aufs Gleiche hinaus.

Aus Adelar wird eine Gisela

Wien, 27. Juli. (-) Auf der Apponyi-Poliklinik in Budapest wurde auf chirurgischem Wege ein junger Bursche in ein Mädchen verwandelt. Der Name des Patienten wurde zunächst verschwiegen, man erfuhr nur so viel, daß man ihn nach der Operation Gisela benannte. Die Operation dauerte länger als eine Stunde, sie gelang ausgezeichnet.
Ueberraschungen sind bei dem heutigen Stande der medizinischen Wissenschaft bei einer solchen Operation nicht mehr zu befürchten. Das junge Mädchen liegt nun in einem Einzelzimmer, bis es vollkommen wiederhergestellt sein wird. Gisela wurde von einem Journalisten aufgesucht, der sie als junges Mädchen mit langem, gewelltem Haar und Gesichtszügen von etwas männlichen Charakter beschreibt. Der Brustkasten macht jedoch den Eindruck eines jungen Mädchens im Pubertätsalter.
Die geschlechtliche Umwandlung
Gisela war unruhig, nervös und klagte über Schmerzen. Die Klagen machten den Eindruck, als ob sie von einem schwachen weiblichen Wesen ausgingen. Gisela beruhigte sich aber bald und sprach dann mit normaler Stimme, die etwas knabenhaft anmutet, von ihrer Zukunft, vor der sie sich ängstigt, da sie nicht weiß, was aus ihr werden soll. Schließlich gab sie auch ihren früheren Namen preis. Sie hieß Madar Kramer, 18 Jahre alt und stammt aus einer durchaus normalen Familie. Die Aerzte der Klinik erzählten, daß in der ganzen Welt nur zwölf solche Operationen durchgeführt worden seien.
Diese Nachricht darf etwa nicht so verstanden werden, als ob es sich um eine wirkliche Umwandlung des Geschlechtes gehandelt hatte. Die Operation wurde an einem jener Menschen vorgenommen, die in den Bereich der sogenannten sexuellen Zwischenstufen gehören. Darunter versteht man nicht nur die seelisch abartigen Männer mit mehr oder weniger start ausgeprägten Merkmalen weiblichen Charakters und Empfindens und die abartigen Frauen mit männlichem Wesen; es gibt auch Zwischenstufen, deren körperlicher Typus nicht klar erkennen läßt, welchem Geschlecht sie zugehören.
Operative Korrektur
Diese Menschen haben sich aus einer ursprünglich zwiegeschlechtlichen Anlage nur unzureichend in der Richtung auf ein Geschlecht hin entwickelt. Es kommt nun häufig vor, daß dabei auch die äußeren Geschlechtsorgane ein abnormales Aussehen haben, daß etwa ein mannähnliches Geschlechtsorgan entsteht, das bei näherer Untersuchung seinem weiblichen Charakter erkennen läßt. Auch die Keimdrüsen im Körperinnern verraten mitunter eine andere Geschlechtszugehörigkeit, als einem so anormalen Kinde nach der Geburt zugesprochen worden ist.
Kommt dazu noch bei herangereiften Menschen dieser Art der Wunsch, seinem Empfinden gemäß dem anderen Geschlecht anzugehören, dann kann ein Irrtum, der von Kindheit auf bestanden hat, nicht nur durch Aenderung der Kleidung und anderen äußeren Geschlechtskennzeichen, sondern in manchen Fällen auch durch eine Korrektur auf operativem Wege vollzogen werden.

Wie aus dem Artikel hervorgeht, stand die Geschlechtsumwandlung bzw. die Geschlechtsangleichung damals in wissenschaftlicher Hinsicht gerade erst am Beginn. Man darf annehmen, dass viele Interessierte an so einem chirurgischen Eingriff ab 1933 nach Budapest auswichen, nachdem in Berlin das Institut für Sexualwissenschaft, das sich in diesem Bereich schon einen Namen gemacht hatte, zwangsweise geschlossen wurde. Freilich, der oben beschriebene Fall ist nur teilweise mit dem gleichsetzbar, was mittlerweile in diesem Bereich geschieht. Denn längst beschränkt man sich nicht auf das Behandeln von Menschen, die "intersexuell" ("Zwitter) sind.

Eines noch: Der männliche Vorname des Patienten ist in der Überschrift und im Artikel nicht derselbe. Zwei LLMs meinten auf Nachfrage übereinstimmend, dass damals in der Redaktion wahrscheinlich zwei Artikel zusammengestückelt wurden. Im ersten kannte man den Namen noch nicht, im zweiten dann schon. Allerdings vergaß man, nach dem Vereinigen der Texte die Überschrift anzupassen.... Auch wenn ich dieser unausgegorenen, ständig halluzinierenden Software nicht über den Weg traue, so hört sich zumindest das einleuchtend an. Aber da soll noch einmal jemand behaupten, früher sei der Journalismus besser gewesen als heute!


Samstag, 25. Juli 2026

📽️ Videos: Das Grab der Schamanin von Bad Dürrenberg -- Der Schlachtplatz von Schiepzig -- Paolo Pinkel und der öffentlich-schlechtliche Universalgelehrte Lesch -- usw.


 Das Grab der Schamanin von Bad Dürrenberg | Spieldauer 9 Minuten | Landesmuseum für Vorgeschichte Halle | Stream & Info



 Das Kriegergrab von Wennungen  | Spieldauer 7 Minuten | Landesmuseum für Vorgeschichte Halle | Stream & Info 



 Der Schlachtplatz von Schiepzig | Spieldauer 8 Minuten | Landesmuseum für Vorgeschichte Halle | Stream & Info  | Stream & Info 



 Die blaue Perle von Esperstedt  | Spieldauer 8 Minuten | Landesmuseum für Vorgeschichte Halle | Stream & Info



Ins Mittelalter abtauchen in Bietigheim-Bissingen an der Enz | Spieldauer 5 Minuten | SWR | Stream & Info

 Angst vor dem Wissen: Michel Friedman und Harald Lesch im Gespräch | Spieldauer 84 Minuten | BAdW | Stream & Info 
Paolo Pinkel und der Universalgelehrte vom öffentlich-schlechtlichen Schundfunk oszillieren in diesem Wolkenkuckucksheim-Gespräch zwischen kaum verhohlener Eitelkeit und totaler Merkbefreitheit. Wer unter zu niedrigem Blutdruck leidet, dem wird hier geholfen. Ich musste freilich nach 20 Minuten abschalten, weil die akute Gefahr bestand, dass mir dieses pseudoschlaue Gesabbel zu viele meiner Gehirnzellen abtötet. Und die Bayerische Akademie der (Un-)Wissenschaft, die diesen beiden Typen eine Echokammer zur Verfügung gestellt hat, wo sie nicht mit anderen Meinungen konfrontiert werden, darf man nun getrost auf intellektuelles Ramsch-Niveau abstufen. Denn solche Pseudodiskussionen von Gleichmeinenden, bei denen es offensichtlich nur um eine Art autosuggestive Bestätigung der eigenen Meinung geht, braucht kein Aas.  

Mittwoch, 22. Juli 2026

🎧 Hörbares: Römische Schiffe ziehen um -- Archäologen entdecken mittelalterliche Fußspuren -- Wie der Mittelalter-Rock entstand -- Die Abenteuer der Gertrude Bell in Mesopotamien -- Geschichtspolitik in Deutschland -- usw.


 Römische Schiffe rücken im Museum: Aufwendiger Umzug in Mainz | Spieldauer 2 Minuten | SWR | Stream & Info 

 Seltener Fund: Archäologen entdecken mittelalterliche Fußspuren auf Burg Rheinfels | Spieldauer 1 Minute | SWR | Stream & Info

 Archäologen sind römischem Leben in der Bodenseeregion auf der Spur | Spieldauer 3 Minuten | SWR | Stream & Info 

 Klassengesellschaft: Schon bei den Skythen blieb die Elite unter sich | Spieldauer 4 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Teil 1: Schalmei Stromgitarre – Wie der Mittelalter-Rock entstand | Spieldauer 7 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Teil 2: Schalmei Stromgitarre - Mittelalter-Rock aus Ostdeutschland | Spieldauer 6 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Teil 3: Schalmei Stromgitarre - Mittelalter-Rock in den Charts | Spieldauer 6 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Die Welt in ihren Händen. Die Abenteuer der Gertrude Bell in Mesopotamien. | Spieldauer 57 Minuten | SWR | Stream & Info

 Mannheim: Archäologen finden Objekte aus der frühen Eisenzeit | Spieldauer 1 Minute | SWR | Stream & Info 

 Nicholas Conard: Tübinger Erforscher der Eiszeitkunst | Spieldauer 3 Minuten | SWR | Stream & Info 

Friedrich Pohlmann – Geschichtspolitik in Deutschland. Vom „Historikerstreit“ bis zur Gegenwart | Spieldauer 56 Minuten | Kontrafunk | Stream & Info | Direkter Download

Audimax: Helmut Berschin – „Jeder und jede ist seines oder ihres Glückes Schmied*in“ | Spieldauer 55 Minuten | Kontrafunk | Stream & Info


Dienstag, 21. Juli 2026

Weil mir "Living History" zu fad wurde: Mein neues Durchlichtmikroskop und mehr - Teil 1

Die Sommerpause hat ein paar Tage länger gedauert, als angekündigt. Zuerst flog mir hier nämlich im letzten Moment (wieder einmal) die Hauselektrik um die Ohren und dann ist auch noch der PC, auf dem ich die Fotos für diesen Beitrag gespeichert habe, auf der Betriebssystemebene abgeraucht (das kommt davon, wenn man in die Fenster KraftMuschel ("Windows PowerShell") Befehle reinklopft, die man nicht völlig durchschaut). Zwar hatte ich ein Backup von der Daten- und sogar der Betriebssystem-Partition, aber das befand sich physisch alles gerade an einem anderen Ort...

Eigentlich wollte ich den Beitrag über mein neues Durchlichtmikroskop schon vor längerer Zeit machen - nämlich vor über einem Monat. Aber auch hier nur Probleme: Die Kamera, die ich mir dafür zusätzlich kaufen wollte, konnte nämlich nicht geliefert werden. Also habe ich nach einem Ersatz gesucht - weil ich bin, was die technischen Spezifikationen betrifft, hier sehr pingelig. Dieser Ersatz wird nun aber, wie ich gestern erfahren habe, auch erst in zwei bis drei Wochen da sein, also habe ich mich dazu entschlossen, nicht mehr zu warten und den Beitrag einfach aufzuteilen. In diesem werfe ich ausschließlich einen Blick auf das Mikroskop (inkl. thematischer Schlenker), das nächste Mal dann betrachte ich das Kamerasystem und die (hoffentlich) schönen Aufnahmen, die man damit machen kann.

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Warum ein Mikroskop?

Ich habe ein neues Hobby gesucht, weil offen gestanden werden mir meine alten langsam aber sicher zu eintönig. Beispielsweise als Frühmittelalter-Heini oder Römer rumzuhüpfen ist zwar gelegentlich ganz lustig, besonders der pädagogische Aspekt dabei, aber ausfüllen tut mich das nicht mehr. Auch das Lesen von dazu passender Literatur haut mich immer weniger vom Hocker. Man kauft sich nämlich ein Buch, nur um dann festzustellen, dass einem gefühlte 95 Prozent des Inhalts irgendwie schon bekannt sind. Das mündet schlussendlich in reine Zeitverschwendung. Aus dem Grund gibt es hier auch kaum noch Buchbesprechungen (ein weiterer Grund: ich bin im Laufe der Jahre mit mehreren Verlagen wie De Gruyter zusammengekracht - von denen würde ich selbst gegen Bezahlung keine Bücher mehr rezensieren).

Statt nur einem einzigen neuen Hobby sind es letztendlich sogar drei geworden: Die Mikroskopie, die Drohnenfliegerei und der 3D-Druck inkl. dem 3D-Scannen. All das kann relevant für das Blog und seinen Themenschwerpunkt sein. Denn 3D-Drucke (vor allem von Resin/Kunstharz-Druckern) taugen hervorragend als Positivformen, um archäologische Funde, die z.T. als hochauflösende 3D-Scans online abrufbar sind, mit den historisch korrekten Werkstoffen nachzugießen (so weit bin ich zwar noch lange nicht, aber das ist eines meiner Endziele); auch kann ich selbst 3D-Scans vornehmen (ich habe beispielsweise vor, so meine Mittelalterklamotten hier auf dem Blog zu präsentieren). Die Drohnenfliegerei wiederum ermöglicht es, ein wenig Luftbildarchäologie zu betreiben. Heute soll es aber nur um das Mikroskop gehen, genauer gesagt um eines von zweien, denn um wirklich alle Bereiche abdecken zu können, braucht man ein Durchlichtmikroskop, wie es hier besprochen wird, und ein Auflichtmikroskop/Stereomikroskop. Ersteres verwendet man für durchsichtige bzw. lichtdurchlässige Proben (Dünnschnitte von Pflanzen, Pollen, bestimmte Insekten, Dünnschliffe von Mineralien usw.), das zweite für lichtundurchlässige (Münzen, Samen, Keramik, Mineralien, Textilien usw.). Das Auflichtmikroskop habe ich zwar auch schon, aber dieses werde ich in einem komplett eigenen Beitrag besprechen. Ich muss mich damit noch vertraut machen, obwohl ich eigentlich mit einem ähnlichen Gerät vor über 15 Jahren beruflich schon gearbeitet habe. Das war damals im Qualitätsmanagement eines Industriebetriebes und meine Aufgabe als ISO-zertifizierter Heini war es, Produktionsfehler in elektronischen Bauteilen zu analysieren, zu dokumentieren und mir dann Verbesserungsideen für den Produktionsablauf ausdenken. Ach, war das ein "Spaß"...


Vorsicht, nicht veräppeln lassen (auch nicht von Elon Musk)!

Ich wollte nicht zu viel Geld für das Mikroskop ausgeben, aber auch keinen Schrott kaufen. Nachdem ich über Wochen hinweg immer wieder auf Amazon nach solchen Mikroskopen gesucht und Rezensionen gelesen habe, scheint der Algorithmus darauf angesprungen zu sein und plötzlich hatte ich das hier von mir vorgestellte Gerät, welches als eines von zwei Modellen in der Endauswahl war, in meiner privaten Liste von "Vine"-Rezensionsexemplaren. Ich bin nämlich unverhofft vor ca einem Jahr zu diesem Programm eingeladen worden - wohl weil ich meine unzähligen Buchrezensionen, die ich lange Jahre fürs Blog geschrieben habe, immer auch zu Amazon hochlud (als ich die Vine-Einladung sah, dachte ich mir zuerst "was ist denn das für ein Scheiß" und wollte das entsprechende Popup-Fenster schon wegklicken 😄).

"Vine" also... Mein Tipp: Die entsprechend gekennzeichneten Rezensionen von Vine-Mitgliedern sollte man mit Vorsicht genießen. Einige sind mittlerweile nämlich von KIs geschrieben, weil manch Rezensent offensichtlich keinen Bock drauf hat, selber etwas zu texten (das gilt freilich noch mehr für Nicht-Vine-Rezensionen, hinter denen bezahlte Akteure stehen). Solche Leute wollen einfach nur Produkte abgreifen (auch wenn gefühlte 99 Prozent der zigtausenden zur Verfügung gestellten Rezensionsexemplare nur Nippes sind). Erkennbar sind diese Fake-Rezensionen häufig an der Verwendung des auf Tastaturen nicht verfügbaren echten Gedankenstrichs (Doppelgeviertstrich, engl.: em-dash) und an typischem Marketingvokabular wie "beeindruckend"; immer wieder wird hier lediglich der Produktinformationstext paraphrasiert und gelegentlich mit einem erfundenen Anwendungsszenario aufgehübscht. Freilich, man könnte einem LLM bzw. Large Language Model ("KI") durchaus befehlen, das Zeug glaubwürdiger zu schreiben. Aber selbst dafür sind diese Leute zu faul oder zu deppert. Da werde ich dann ausnahmsweise zur Meldemuschi und melde solche Rezensionen über das entsprechende Knöpfchen. Obs aber viel bringt, tja... Amazon betont jedenfalls, dass sie gegen Fake-Rezensionen konsequent vorgehen. Die Vine-Regeln sind ja eigentlich auch in vielerlei Hinsicht recht streng.
Übrigens, man kann LLMs durchaus auch in ethischer Weise für Rezensionen verwenden. Nämlich indem man sie fragt, welche Punkte bei einem bestimmten Produkt angesprochen werden sollten, damit die Rezension maximal viel Nutzen für Interessierte bringt. Haarsträubend ist allerdings, dass einem dann Chatbots wie Gemini, ChatGPT, Grok usw. am Ende der Antwort fast immer auch das Angebot unterbreiten, ob sie nicht gleich eine komplette Rezension - also eine erfundene - schreiben sollen. Wo ist denn da das eingebaute Ethikmodul dieser ressourcenverschwendenden Müllsoftware?! 
Ich kanns wirklich kaum erwarten, dass den verantwortlichen Watschengsichtern die KI-Blase um die Ohren fliegt. Dann werden - nebenbei gesagt - auch RAM und SSDs wieder erschwinglich. Das aktuell sich entfaltende Desaster von Elon Musks SpaceX-Börsengang ist diesbezüglich bereits einer von mehreren Vorboten. SpaceX ist nämlich, anders als man beim Namen vermuten könnte, vor allem eine "KI"-Firma, da der 'süd-afroamerikanische' Dampfplauderer "xAI" und die Social-Media-Plattform "X" vor dem Börsengang mit der einst reinen Raketen- und Internet-Satellitenfirma "SpaceX" verschmolzen hat; dieses eher windige Vorgehen ermöglichte es Musk, jene großkopferten Privatanleger, die ihm vor ein paar Jahren beim Kauf von Twitter finanziell mit Milliardenbeträgen unterstützten, nun auf Kosten von medial aufgeputschten, naiven Kleinanlegern in den ersten Tagen des Börsengangs auszuzahlen - denn Twitter/X und xAI machten und machen ausschließlich riesige Verluste, ohne Licht am Ende des Tunnels (also wie bei meiner Lieblingsmittelalterbaustelle Campus Galli, nur um Universen größer). Doch ich schweife ab - zurück zum Mikroskop!


Das Gerät

Mein Modell trägt den Namen SW380T und ist bereits seit ein paar Jahren auf dem Markt. Es scheint recht weit verbreitet zu sein. Der Hersteller ist "Swift", eine Firma aus China. Allerdings lassen auch bekanntere Marken wie Olympus längst vieles dort fertigen. Dementsprechend ist das kein Ausschlusskriterium. 
Ich bin auf dieses Mikroskop auch deshalb gekommen, weil es u.a. der österreichische (aber englischsprachige) Youtuber Microbehunter in einem Video in nachvollziehbarer Weise recht positiv besprochen hat (siehe ganz unten). Das Gerät hat mich dann auch tatsächlich nicht enttäuscht. Was man damit alles beobachten kann, ist wirklich erstaunlich. Selbst Bakterien sieht man herumwuseln. Es handelt sich hier also um kein Kinderspielzeug mehr.

Das "T" in der Modellbezeichnung steht für "Trinokular". Das heißt, man kann in das dritte "Loch", also hinter den beiden Okular-Öffnungen für die Augen, ein Kamerasystem mit sogenanntem C-Mount einstecken. An sich ginge das auch bei einem der beiden vorderen Okularöffnungen, aber die Lösung mit der dritten Öffnung hinten ist aus verschiedenen Gründen eleganter bzw. praktischer. 
So ein Kamerasystem ermöglicht es, Fotos aber auch Video zu machen. Etwas bessere Systeme (Kostenpunkt wenige hundert Euro) schaffen bei Full HD (1080p) 60 Frames/s. Bei einer Auflösung von 2K und 4K sind es meistens noch um die 30. Das ist nicht schlecht! Hier kann man schöne Video davon machen, wie etwa in Pflanzen diverse "Wanderbewegungen" von für mich noch nicht definierbaren Elementen stattfinden. Und das ist grundsätzlich so ein Ding: Man lernt hier durchs Nachrecherchieren unglaublich viel dazu, denn schließlich möchte man wissen, was da auf dem gläsernen Objektträger zu sehen ist. Ich persönlich fand Biologie bisher immer etwas langweilig, aber mit dem Mikroskop und seiner praktischen Anwendungsmöglichkeiten sieht die Sache völlig anders aus. Nicht umsonst heißt es: Probieren geht über studieren! 
Eine Freundin, die Gärtnerin und Biologin ist, erforscht - auch mithilfe eines ähnlichen Mikroskops wie meinem - seit einigen Jahren Burgruinen bzw. Burgstellen und Wüstungen. Dabei hat sie schon manch interessante Entdeckung gemacht, denn die alten Nutzpflanzen, die die Menschen dort anbauten, verschwinden nicht zwangsläufig komplett von der Bildfläche, nur weil die Bewohner den Ort verlassen haben. 

Anhand der nachfolgenden Bilder ein paar Bemerkungen zu den Bestandteilen meines  Durchlichtmikroskops.  Diese ähneln sich - unabhängig vom Hersteller - nämlich sehr. Und um Fragen vorzubeugen: Ich stelle das Gerät zurzeit noch in der Retro-Gaming-Ecke meines Arbeitszimmers auf, wenn ich es benutze (ein 'dedizierter Tisch' dafür kommt aber noch); daher die entsprechende Deko und das nicht mehr ganz taufrische Windows XP. Und nein, natürlich hänge ich die Kiste mit einem ungepatchten Uralt-Betriebssystem nicht ans Internet 😉. Obwohl man mit dem Gerät (das Innere besteht aus Hardware von 2008/2009 plus neue SATA-SSD und neuem Netzteil) eigentlich nicht nur alte Spiele spielen, sondern auch noch super arbeiten könnte. Stattdessen ärgert man und heutzutage mit Windows 11 und dem Copilot-Müll...

Der Rahmen des Swift-Durchlicht-Mikroskops ist aus Metallguss hergestellt und hat ein ganz ordentliches Gewicht. Der Aufsatz mit den beiden Okularträgern kann um 180 Grad gedreht werden (Winkel-Grad, nicht Celsius 😉). Alles ist sehr gut verarbeitet.

Hier sieht man sehr schön, wie das Licht von unten jene Stelle beleuchtet, auf die man später den gläsernen Objektträger legt - daher die Bezeichnung "Durchlichtmikroskop" (von oben wird bei dieser Art Mikroskop hingegen nichts beleuchtet). Die tatsächliche Vergrößerung erreicht man aus einer Kombination: Sowohl die Okulare (die Dinger, bei denen man reinschaut) haben einen bestimmten Vergrößerungsfaktor wie auch die Objektive, die hier zu sehen sind; drei verschiedene werden mitgeliefert, wobei jenes mit der größten Vergrößerung ein Öl-Okular ist. Ich hatte von so etwas noch nichts gehört, aber es ist offenbar recht weit verbreitet. Man tropft hier Öl auf den Objektträger bzw. das Deckglas drauf (nicht zwischen die Glasplatten mit der Probe) und fährt den Objekttisch (der schwarze Teil mit der aufgedruckten Skala) so weit ran, bis die Linse des Objektivs ins Öl eintaucht. Weil mir das aber zu viel Sauerei ist (man muss später ja alles reinigen) habe ich bisher darauf verzichtet, das auszuprobieren. Nebenbei erwähnt, so stellt man ganz grundsätzlich das Bild bei einem solchen Mikroskop scharf. Will heißen, man bewegt den Objekttisch mit dem großen seitlichen Drehknopf (doppelt vorhanden) an eines der drei Objektive im Revolvermagazin ran.

Hier steckt man die beiden Okulare rein. Für Brillenträger bzw. Menschen mit einer Sehschwäche, die nicht bei beiden Augen gleich stark ausgeprägt ist, gibt es die Möglichkeit, die Okulare mittels Drehrädchen unabhängig voneinander anzupassen. Auch ist der Abstand der Okulare zueinander einstellbar.

Die dritte Öffnung (hier verschlossen) des Trinokular-Durchlicht-Mikroskops. In sie steckt man ein entsprechendes Kamerasystem ein, das die Video- oder Fotodaten entweder über USB oder über HDMI an einen Computer/Bildschirm sendet. Mit HDMI oder USB-C ist eine Übertragung direkt an einen Monitor möglich, mit USB-A benötigt man einen Computer plus Software. Hier ist nun folgendes zu beachten: Kameras mit HDMI- und/oder USB-C-Anschluss bieten meiner Beobachtung nach üblicherweise die Möglichkeit, dass man mittels Knöpfchen und eingelegter SD-Karte direkt aufzeichnet. Hingegen bei billigeren (teilweise aber auch überteuerten) und wesentlich selteneren Kamerasystemen mit USB-A braucht man - wie schon gesagt, einen Computer und Software dazu. Ich rate von so etwas ab. Auch ist es wohl laut Erfahrungsberichten so, dass nicht jede Mikroskopkamera mit jedem Mikroskop gleich gut zurecht kommt. Manche Kameras lassen sich nie perfekt scharf stellen. In so einem Fall heißt es dann eben andere Modelle zu probieren. Daher ist es äußerst sinnvoll, sich die Kamera von einer Quelle zu besorgen, bei der das Retournieren einfach geht - z.B. Amazon, aber auch nur dann, wenn Amazon direkt als Verkäufer auftritt oder der Amazon-Marketplace-Händler den Versand und die Rückgabe über Amazon abwickelt.

Die zum Mikroskop-Zubehör gehörenden vier Okulare. Der Vergrößerungsfaktor ist hier aufgedruckt. Dieser multipliziert sich bei der Anwendung mit dem Vergrößerungsfaktor der Okulare. Ebenfalls dabei ist ein C-Mount-Adapter für Mikroskopkameras. Manche Kamera-Modelle bringen diesen bereits selbst mit, andere nicht. Und zu guter Letzt das blaue Plättchen: Es handelt sich hierbei um einen Filter, mit dem unter bestimmten Umständen der Kontrast erhöht werden kann.

Wichtiges Zubehör, das leider beim Lieferumfang der wenigsten Mikroskope dabei ist. Der eigentliche Objektträger ist die große Glasplatte. Daneben sieht man hier auch eine Packung Deckgläser, die kleiner und dünner sind. Zwischen diesen beiden Gläsern wird die Probe fixiert - oft mit Hilfe eines Wassertropfens; dafür sind die beiden Pipetten. Der Nutzen der Pinzetten dürfte bei diesem Vorgang klar sein. Und die Rasierklingen verwende ich, um besonders feine Dünnschnitte hinzubekommen. Das geht damit besser als mit meinen Skalpellen, die ich bereits vorher zu Bastelzwecken besaß. Kosten tut das abgebildete Zeug nicht viel, aber gerade bei den Gläsern hätte ich etwas weniger knausern sollen. Die Objektträger sind nämlich an den Kanten nicht sehr abgeschrägt und die Ecken besitzen keine Abrundung. Das alles erhöht nicht nur die Wahrscheinlichkeit, dass man sich beim Herumhantieren verletzt, sondern auch die Bruchwahrscheinlichkeit steigt. Die Pipetten schreien freilich auch nicht "Qualität". Sie waren allerdings bei den Gläsern dabei. Wahrscheinlich werde ich irgendwann Ersatz besorgen. Zurzeit reicht es mir aber aus.

Ein Zubehörteil, das selten erwähnt wird, jedoch meiner Erfahrung nach äußerst nützlich ist. Mit so einem kleinen Handgebläse lässt sich das Mikroskop nämlich viel leichter und schneller von Staub reinigen, als mit jenen kleinen Blasebälgen, die immer noch von vielen Leuten verwendet werden. Auch ansonsten ist so ein Gebläse sehr praktisch - etwa beim Entstauben des Computers, der mobilen Klimaanlage oder anderer Geräten.

So, das war der erste Teil. Der zweite folgt dann in einem gewissen zeitlichen Respektsabstand, sobald ich das Kamerasystem habe und damit gute Aufnahmen machen konnte.


Sonntag, 14. Juni 2026

🍹 Sommerliche Blogpause bis 15. Juli (es geht nicht anders) 🌴


Ich hab es versucht. Ich habe es wirklich versucht. Aber zeitlich geht bei mir momentan gar nichts. Jetzt ist kürzlich wieder ein "Riesending" dazwischengekommen. Und bevor ich hier weiterhin nur noch sporadisch und unzuverlässig etwas poste, verlege ich lieber die mehrwöchige Sommerpause vor, die normalerweise jedes Jahr von Ende Juli bis Ende August eingeplant ist. Das bedeutet konkret, ich bin ab dem 15. Juli wieder da. Und zwar mit dem angekündigten Beitrag über mein Mikroskop (in dem ich dann auch ein paar kritische Worte zu Amazons Rezensionssystem sagen werde).

Ich hoffe auf das Verständnis der Leser und wünsche allen schon mal einen schönen Sommer! 🍹



Montag, 8. Juni 2026

🎧 Hörbares: llegale Sondengänger plündern Kulturgüter -- Langes Interview mit Gabriel Zuchtriegel -- Römermuseum Pachten -- usw.


Illegale Sondengänger plündern Kulturgüter in BW | Spieldauer 1 Minute | SWR | Stream & Info 
Surprise, surprise! Hat also das Schaffen von Schatzregalen nichts Positives bewirkt? Mehr noch, hat man mit diesem Enteignungsparagraphen womöglich für überproportional viele Menschen jeden Anreiz zerstört, Funde zu melden, anstatt sie am Schwarzmarkt zu verhökern? Polit- und "Experten"-Deppen! PS: Beim oben abgebildeten Schloss Pöls habe ich vor nicht allzu langer Zeit auch einen Sondengänger gesehen ^^

 GuMo-Mobil: Beim Römermuseum Pachten | Spieldauer 7 Minuten | SR | Stream & Info 

 Tübinger Archäologen entdecken 220.000 Jahre alten Steinbruch | Spieldauer 1 Minute | SWR | Stream & Info

 Gast im Studio: Gabriel Zuchtriegel | Spieldauer 78 Minuten | SWR | Stream & Info 
In letzter Zeit ist der Mann ein auffällig gefragter Interviewpartner in Deutschland. Habe ich da etwas verpasst?!

 26.02.364: Valentinian I. wird römischer Kaiser | Spieldauer 4 Minuten | SWR | Stream & Info 

 Erstmals für Besucher geöffnet: Mittelalterlicher "Metzgerturm" wird zum Kunstraum | Spieldauer 3 Minuten | SWR | Stream & Info 


Samstag, 30. Mai 2026

📽️ Videos: Die Totenlade von Helmsdorf -- Archäologische Schätze in der Großregion -- Die Gladiatorenschule in Trier -- Die Neuinszenierung der Bronzezeit -- usw.


 Die Totenlade von Helmsdorf  | Spieldauer 7 Minuten | Landesmuseum für Vorgeschichte Halle | Stream & Info 



 Die Neuinszenierung der Bronzezeit | Spieldauer 8 Minuten | Landesmuseum für Vorgeschichte Halle | Stream & Info 



 Archäologische Schätze in der Großregion | Spieldauer 28 Minuten | SR | Stream & Info

 Betreten verboten: Warum vier von sechs Welterbe Höhlen derzeit geschlossen sind | Spieldauer 5 Minuten | SWR | Stream & Info 

 Die Gladiatorenschule in Trier | Spieldauer 4 Minuten | SWR | Stream & Info 
Die Medien immer mit ihrer Angewohnheit, den Interviewpartner vor dem eigentlich Gespräch beim Gehen zu filmen. Das sieht - so wie hier - fast immer unnatürlich und dämlich aus. Der arme Mensch vor der Kamera weiß ja offenbar nicht wie er dabei dreinblicken soll; man merkt ihm regelrecht an, dass ihm das unangenehm ist; alles wirkt daran unnatürlich und gestellt. "Cringe", täten die Amis das nennen. Ich kann mich aber an einen gerne bergesteigenden österreichischen Politiker erinnern, der erklärt hat, dass er genau solche Mätzchen nicht mitmacht. Der Reporter soll seine Fragen stellen, aber nicht versuchen, Filmkunst zu fabrizieren.

 Der schiefste Turm der Welt steht in Rheinland-Pfalz | Spieldauer 7 Minuten | SWR | Stream & Info 


Dienstag, 26. Mai 2026

🎧 Hörbares: Das Judentum und der Monotheismus -- Die Motive hinter der päpstlichen Inquisition -- Der tote Papst vor Gericht -- KI entziffert Keilschrift -- usw.


 1000 vor Christus: Das Judentum und der Monotheismus | Spieldauer 42 Minuten | DF | Stream & Info
"Die Überlieferung sagt..." Und dann rattert die gleich zu Beginn der Sendung da etwas aus dem Alten Testament runter, als ob es eine Tatsache ist... Wer außerdem die archäologischen Befunde ernsthaft betrachtet (z.B. kleine Götzenbilder), der wird feststellen, dass der Monotheismus auch lange nach dem behaupteten Lebenszeitraum von David nicht sehr konsequent eingehalten wurde. Wobei Monotheismus ja eh keine Tugend ist, auch wenn in unserer christlichen geprägten Kultur das ständig mitschwingt.

 Mehr als Folter: Die Motive hinter der päpstlichen Inquisition | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 Der tote Papst Formosus vor Gericht | Spieldauer 16 Minuten | WDR | Direkter Download
Ein absoluter Klassiker aus der Welt des Schwachsinns! Wer freilich glaubt, das war einmal und ist nicht mehr, werfe einen Blick nach Weißrussland, wo man erst kürzlich einen Prozess gegen den bereits 1978 verblichenen SS-Angehörigen Hans Eugen Siegling führte. Herr Lukaschenko, der laut eigener Aussage lieber Diktator ist, anstatt schwul zu sein, hat ein Faible für solche schrulligen, (innen)politisch verwertbaren Schauprozesse. Anderenfalls würde er dergleichen den Historikern zur Aufarbeitung überlassen.

 Krimkrieg 1853-1856: Mehr als 500.000 Tote für eine "Heilige Mission" | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 Spracherkennung: Künstliche Intelligenz entziffert Keilschrift | Spieldauer 26 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Archäologie und KI – Gabriel Zuchtriegel, Direktor des Archäologie-Parks Pompeji | Spieldauer 6 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Losverfahren und ihre uralte Geschichte | Spieldauer 48 Minuten | DF | Stream & Info

 Newton und der Apfel: Die Legende vom Geistesblitz | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download


Sonntag, 24. Mai 2026

Zeitschrift Bayerische Archäologie - Heft 1.26: Schlachtfeldarchäologie (außerdem: steuergeldfinanziertes Archäo-Fressen in Erding, böse Metalldetektoren und mehr)


Und weiter geht es mit einer neuen Ausgabe der Zeitschrift "Bayerische Archäologie". Schwerpunkt ist diesmal das durchaus interessante Thema "Schlachtfeld-Archäologie" (und weil das Verzichten auf den Bindestrich im Heft-Titel zu einer stark veränderten Bedeutung geführt hätte, hat man diesmal nicht aus rein optischen Gründen absichtlich auf die deutsche Rechtschreibung gesch...pfiffen ^^). 

Natürlich enthält das Heft auch Beiträge zu anderen Themen. Entsprechend werde ich eine Auswahl treffen, um nicht zuletzt einen kritischen Blick auf den staatlichen bzw. staatsnahen Archäologiebetrieb und seine Akteure zu werfen. Schauen wir also, was mich diesmal - passend zum Blog-Motto - so alles aufregt 😉.



Rätselhaft wie die Sibylle von Cumae, Völlerei und eine geriatrische Ausflugsgesellschaft

Die "Gesellschaft für Archäologie in Bayern" (GfA) hat in wissenschaftlicher Hinsicht zweifellos ihre Verdienste. Ich finde diesen Verein bzw. einige seiner großkopferten Akteuer aber trotzdem in mancherlei Hinsicht skurril bis suspekt - wie ich schon mehrfach in den Rezensionen dieser Heftreihe anhand von Beispielen dargelegt habe. Etwa der wohl narzisstische Hang dieser Truppe und seines Dunstkreises, sich inflationär gegenseitig irgendwelche Ehrungen umzuhängen, ist in meinen Augen befremdlich. Nun hatte sich die GfA - unter anderem zu diesem Zweck - bei einer in Erding abgehaltene Jahrestagung versammelt, wo, wie es heißt, ein "archäologieaffiner" Ortskaiser regiert. Und weiter berichtet man:

Zuletzt lud Oberbürgermeister Gotz zum Empfang der Stadt ins Museum Erding, wo er in einer bewegenden Ansprache einerseits den Wert von Archäologie und Geschichte hervorhob und andererseits dazu aufrief, mit demokratisch gewählten Amtsträgern achtsam umzugehen, da man sonst womöglich irgendwann keine mehr finden werde.

Was redet der da? Was soll das heißen? Dass ihm der berüchtigte 188er-Paragraph nicht ausreicht und man seinesgleichen komplett in verbale Zuckerwatte einwickeln soll? Oder will dieser Herr auf etwas ganz anderes hinaus, das sich nur dem intimen Kenner der Politikszene Bayerns/Deutschlands erschließt?
Im Übrigen, nur direkte Demokratie ist echte Demokratie im Sinne einer Volksherrschaft, wie sie der Begriff 'Demokratie' bedeutet (von historischen Feinheiten abgesehen). 'Repräsentative Demokratie' ist hingegen ein astreines Oxymoron - sprachlich wie auch in der politischen Praxis. Man benötigt freilich ein Minimum an intellektueller Redlichkeit, um das zu konstatieren; was Parteipolitiker weitestgehend ausschließt. Die sägen nicht den Ast ab, auf dem sie sitzen. Der Adel hat seine Herrschaft ja auch nicht freiwillig abgegeben.

Auf die geistige Erbauung folgte umgehend die körperliche Stärkung an einem reichhaltigen und vielfältigen Büfett der Stadt.

Ah, der indigene Zahlesel darf hier demnach für die opulente Fresserei eines auswärtigen Privatvereins löhnen, dessen saturierte Funktionäre überproportional im geschützten staatlichen Bereich arbeiten oder gearbeitet haben. Wirklich sehr sympathisch, dieses ungenierte Schnorrertum auf Steuerzahlerkosten. Besonders in Zeiten des rapiden wirtschaftlichen Niedergangs und Wohlstandsverlusts breiter Teile der Bevölkerung. Es bleibt hier nur noch die Frage: Erstreckt sich die Großzügigkeit der Gemeinde Erding auf alle lokalen Vereine? Werden diesen ebenfalls fette Buffets bezahlt? Falls nicht, dann sollte man diesem Oberdemokraten von einem Bürgermeister vielleicht die Frage stellen, wie "demokratisch" es eigentlich ist, wenn das cornu copia (Füllhorn) der Gemeinde tendenziell nur über jenen Vereinen ausgeschüttet wird, deren Vereinszweck er persönlich geil findet.

Zum Schluss noch eine Beobachtung: Die GfA berichtet auch von einem mehrtägigen Ausflug, der gut 20 ihrer Mitglieder nach Baden-Württemberg führte. Unter anderem zu meiner Lieblingsmittelalterbaustelle Campus Knalli Galli. Die Reisegruppe posiert dabei vor einer der dortigen Gebäuderekonstruktionen. Als ich mir die Leute so ansah, dachte ich mir: Sind die aber alt! Da würde ja selbst ich mit meinen Mitte Vierzig jung im Vergleich dazu aussehen. 
Falls diese Reisegruppe ungefähr das Durchschnittsalter der Vereinsmitglieder repräsentiert, dann sollte man sich dringend überlegen, ob hier nicht Handlungsbedarf besteht. Denn wenn die Vereinsarbeit primär bei Personen Anklang findet, die in der Nacht vermutlich dreimal aufstehen müssen, um einmal zu pieseln, dann läuft hier grundlegend etwas falsch. 


Die befahrene Kühlgrube, in der Mäuseschädel und Holzreste eine Party feiern

Für mich eigentlich ganz interessant ist ein Text, in dem es um die Erforschung einer Grube im Keller der Burg Hiltpoltstein geht (Namensgeber war angeblich ein Hiltebold 😀). Man vermutet, dass diese nicht sehr große Grube - sie ist lediglich 2,25 Meter tief - für die Kühlung von Lebensmitteln vom Spätmittelalter bis in die späte Neuzeit verwendet wurde. Temperaturmessungen ergaben, dass es am tiefsten Punkt der Grube um fast 4 Grad kühler war als am Boden des Kellergewölbes. 
Ob es sich aber auszahlt, dafür eine Grube in den Sandstein zu schlagen? Oder haben hier die Forscher etwas übersehen? Wurde das Ding vielleicht im Winter dicht mit Eis vollgepackt, um dieses bis in den Sommer hinein verwenden zu können? Da ein doppelter Boden aus Holz vorhanden war, durch den Schmelzwasser hätte abrinnen können, würde mich das nicht wundern (mehr von mir zum Thema der historischen Lebensmittelkühlung hier).

So weit, so gut. Doch bei gewissen Formulierungen im Text habe ich mit den Augen heftig zu rollen begonnen. So konnte ich mich noch nie mit dem in der Archäologie gebräuchlichen Begriff "Vergesellschaftung" (von Funden) anfreunden. Wenn etwa in diesem Loch Mäuseschädel, Holzreste und Keramikscherben "vergesellschaftet" sind, dann hört sich das für mich an, als ob die zusammen eine Party feiern. In Gesellschaft befinden sich für mich nur Lebewesen; zuvörderst Menschen, aber auch Tiere.

Besonders ulkig wurde es aber, als es hieß, Besucher der Burg können die freigelegte Grube "befahren". Und ja, ich weiß natürlich, dass dieser Begriff in der Höhlenforschung üblich ist. Aber bei einem nur 2,25 Meter tiefen Loch hört sich das irgendwie lächerlich an. Wäre es so schlimm, wenn man einfch nur "hinuntersteigen" sagen würde? Oder hört sich das nicht schlaudeutsch genug an?


Der Herr Doktor

In Wolkertshofen ist man im Rahmen von Bauarbeiten auf das steinerne Fundament eines römerzeitlichen Grabhügels gestoßen, der in dieser Form auf dem Gebiet der einstigen Provinz Raetia  selten vorkommt - heißt es. Gewundert habe ich mich aber vielmehr über den komplizierten Namen der zuständigen Grabungsfirma: "Archäologiebüro Dr. Woidich GmbH." Wie kommt man, bitteschön, auf so etwas? Wieso hat "Archäologiebüro GmbH" nicht ausgereicht? Das ist doch eingängig und knackig? Wozu auch noch den Dr. Woidich dranhängen? Um mit dem akademischen Grad Kompetenz zu signalisieren? So wie hier 😄? Oder hat einfach das Ego dieses Herrn Woidich es nötig gehabt, dass er mit seinem Doktor im Firmennamen aufscheint? 
Mit dieser Verkomplizierung verringert man jedenfalls nur wieder einmal die Auffindbarkeit mittels Suchmaschine. Ich habe über ein anderes Beispiel ja erst in der Rezension der vorherigen Ausgabe von "Bayerische Archäologie" berichtet. Davon abgesehen, sieht die Website aus, als ob sie von einem Programmier-Laien bzw. ihm selber erstellt wurde - und zwar in grauer Vorzeit. Hoffentlich ist er wenigstens als Archäologe besser...


Böser Metalldetektor

In einem Beitrag, der unter anderem schlachtfeldarchäologische Untersuchungen in Oberfranken zum Thema hat, heißt es:

Eines der Beispiele ist der Reisberg bei Scheßlitz in Oberfranken, der vor allem durch zahlreiche Hinterlassenschaften aus der späten Kaiserzeit bekannt geworden ist. Bei den dortigen Fundauf- sammlungen und Prospektionen konnten aber auf den Hängen unterhalb der Wallreste auch etliche Bronzepfeilspitzen entdeckt werden. Sie lassen auf eine militärische Auseinandersetzung um die Höhensiedlung während der Urnenfelderzeit schließen. Dennoch lässt sich daraus kein vollständiges Bild gewinnen, denn die Fläche innerhalb der Umwehrung wurde bei der Prospektion mit dem Metalldetektor zum Schutz des Denkmals bewusst ausgespart.

Inwieweit schütz der Verzicht auf Metalldetektoren ein Bodendenkmal? Das ist doch erst mal eine nicht-invasive Methode, mit der man die Verteilung von Metallobjekten im Gelände dokumentieren kann; das Graben ist ja nicht die zwingende Folge daraus. Und wenn doch, dann kann das selektiv und vergleichsweise behutsam erfolgen; so kann dies etwa nur dort durchgeführt werden, wo sich eine ungewöhnlich starke Häufung von Metallfunden abzeichnet (z.B. Hortfund). Auch ist es möglich, sich unter bestimmten Umständen auf den sowieso gestörten Mutterboden zu beschränken. Der (gute) Detektor zeigt die ungefähre Tiefe an, in der ein Metallobjekt liegt.  

Grundsätzlich ist aber zu sagen, dass die Nichtverwendung von Metalldetektoren - möglicherweise aus ideologischen Gründen (und ja, das gibts in der Archäologie tatsächlich!) - ziemlich blödsinnig auf mich wirkt. Hier auf potentiell wertvolle Informationen zu verzichten, widerspricht dem ureigendsten Gedanken der Wissenschaft: WISSEN SCHAFFEN! Die Verantwortlichen sehen sich stattdessen mehr als Konservatoren. 
Eine üble Unsitte, die da in der Archäologie seit einiger Zeit zunehmend am Einreissen ist und auch bei manch Ausgräber auf wenig Begeisterung trifft; ich habe über die wahrscheinlichen Hintergründe u.a. in meinem Beitrag über die äußerst fragwürdige Erschließung der berühmten Anlage von Göbekli Tepe (Türkei) geschrieben.