Ex oriente sinus: Besser B(r)üste mit "Pilules Orientales"?!
In einem der unterhaltsamen Uhtred-Romane von Bernard Cornwell habe ich vor Jahren folgende Formulierung gelesen, mit der das körperliche Detail einer bösen, aber äußerst attraktiven Wikingerin beschrieben wurde: "Feste, hohe Brüste".
Nur drei Worte, doch jeder Kerl kann sich darunter etwas vorstellen. Entspricht es doch den männlichen Idealvorstellungen. Frauen wissen das natürlich auch und versuchen daher, diesem Ideal nachzueifern - sofern sie die Natur nicht begünstigt hat. Eine beliebte Möglichkeit sind hier BHs, die formgebend wirken (man könnte diese Dinger durchaus als "Mogelpackungen" bezeichnen). Eine drastischere Option ist der chirurgische Eingriff (der freilich oft genug zu zweifelhaften Resultaten führt). Doch es gibt einen dritten Weg; zumindest wenn man dieser Anzeige glauben darf, die in der "Illustrierten Kronen-Zeitung" im Jahr 1913 erschien: "Pilules Orientales" - die orientalischen Pillen (doch gleich vorweg, entwickelt wurden sie nicht im Orient, sondern von einem Franzosen).

Um die Büste zu entwickeln, kommt nichts den "Pilules Orientales" gleich. Eine schöne, feste, gut entwickelte Büste ist jederzeit der Wunsch einer eleganten Dame, weil sie zur Vervollständigung ihrer Schönheit unbedingt erforderlich ist. Es ist daher angebracht, jene, deren Büste nicht genügend entwickelt oder deren Busen nicht die gewollte Festigkeit besitzt daran zu erinnern, daß nur die "Pilules Orientales" in der Lage sind, ihnen eine ideale Büste zu entwickeln, die eine elegante Harmonie mit der Schlankheit ihrer Teille hervorruft. Viele andere Mittel und Behandlungen sind für den gleichen Zweck als gut geheißen worden, aber bis heute haben sie sich alle als unwirksam erwiesen und haben nach und nach den "Pilules Orientales" weichen müssen, welche heute in der ganzen Welt bekannt und geschätzt werden. Diese gemachten Erfahrungen scheinen jedoch gewisse Nachahmer nicht zu rühren, welche von Zeit zu Zeit mit großer Reklame inserieren, daß ihre gemachte Entdeckung wunderbar sei und Wunder vollbringe. Leider verwirklichen sich diese Versprechungen nicht und eine Anzahl von Leserinnen, welche diesen nachdrucksvollen, verführerischen Anoncen Glauben schenken, sind trotz der großen Auslagen enttäuscht. Diese Leserinnen hätten besser getan, bevor sie etwas anfangen, mit den "Pilules Orientales" zu beginnen, wodurch sie sich vieler Enttäuschungen entzogen hätten. Die Zahl der Damen jeden Alters, welche ihnen schöne Körperformen verdanken, mehrt sich täglich. Sie drücken uns ihre Anerkennung durch Dankschreiben aus, welche wir mit Rücksicht auf unser Berufsgeheimnis nicht vollständig veröffentlichen können. Trotzdem sind das aber nicht weniger herzliche und edle Beweise für die unvergleichliche Wirkung der "Pilules Orientales". Folgendes schreibt z.B. . Mme. de D...: "Ich bin mit der Wirkung der Pilules Orientales außerordentlich zufrieden. Halten Sie sich überzeugt, daß ich Ihnen meine Dankbarkeit zeigen werde, indem ich Ihre Pillen nach Verdienst weiter empfehle. Mme. de D. ., rue Bayon, Paris." Und diese weitere: "Mein Herr! Die Pilules Orientales haben mir trefflich geholfen, und ich sehe mit Vergnügen, wie sich die Gruben an meinem Hals allmählich füllen. Ich zweifle jetzt nicht mehr daran, dass ich wieder eine schöne Büste bekomme, die ich vor mehreren Jahren verloren habe. Louise M. ..., rue Franklin, Bassy." Die "Pilules Orientales" helfen den jungen Damen vortrefflich, ebenso Damen, deren Büste ungenügend entwickelt ist oder durch Anstrengungen und Krankheit gelitten hat. Sie können sogar von Personen mit zarter Gesundheit und Temperament genommen werden, wie dies aus den beiden folgenden Schreiben hervorgeht: "Mein Herr! Ich bin mit Ihren Pilules Orientales sehr zufrieden, die mir nicht nur zu einer stärkeren Büste, sondern auch zu besserer Gesundheit verholfen haben. Mit jetzt zwanzig Jahren war ich seit meiner frühesten Jugend blutarm. Diese Blutarmut hat sich erst verloren, seit ich Ihre Pillen nehme. Mlle. G..., place St.-Pierre, Tonnains." "Mein Herr! Meine Freundin, der ich die "Pilules Orientales" empfahl, ist sehr damit zufrieden. Sie hatte auch Magen leiden, welche jetzt verschwunden sind. L.B..., rue Courabe, Granville." Die "Pilules Orientales" schaden also der Gesundheit und dem Magen in keinem Falle. Übrigens enthalten sie nur harmlose und wohltuende Bestandteile, keine gefährlichen Drogen, wie Arsenit oder andere. Sie haben in den dreißig Jahren, die sie von Damen jeden Alters und in allen Ländern genommen werden, niemals zu einem Tadel Anlaß gegeben. Sogar die Ärzte haben ihre guten Eigenschaften erkannt und verordnen sie ihren Patienten, wie aus dem folgenden Brief hervorgeht: ,,Mein Herr! Ich verschreibe meinen Patienten immer noch Ihr ausgezeichnetes Präparat, Pilules Orientales, und freue mich, Ihnen mitteilen zu können, daß ich ihm viele Erfolge verdanke. Docteur G... in R... (Loire Inferieure)." Die Wirkung des Präparates zeigt sich sofort und ist in den meisten Fällen in zwei Monaten abgeschlossen, oft sogar schon in mehreren Wochen, wie die beiden folgenden Briefe bezeugen: "Mein Herr! Ich nehme ihre Pillen jetzt seit 14 Tagen und merke bereits jetzt eine tatsächliche überraschende Wirkung. Mme. L.H..., rue Condert, Marseille." „Mein Herr! Ich beeile mich, Ihnen zu Ihren Pilules Orientales Glück zu wünschen, die man füglich Wunderpillen nennen könnte. Ein einziger Flakon hat genügt, um 2 Salzfäßchen, die ich zu beiden Seiten des Halses hatte, verschwinden zu lassen. Meine früher schlaffe Büste ist schön und fest geworden. Ich bin entzückt über Ihre Pillen. Mlle. A.L..., Vevey (Schweiz)." Wir wollen hier die Rezitationen beenden, welche die Wirkung der "Pilules Orientales" dartun, und welche nicht zulassen, daß man sie mit irgend einer mehr oder weniger phantastischen Nachahmung verwechselt, wie solche fortwährend auf den Markt gebracht werden. Deshalb mögen die Damen, welche die Schönheit ihrer Büste heben wollen oder deren Busen es an Entwicklung und Festigkeit fehlt, nicht zögern, ihre Zuflucht in den Pilules Orientales zu nehmen. In wenigen Wochen werden sie ihren innigsten Wunsch erfüllt sehen und brauchen bezüglich ihres Äußeren nicht vor den vom Glück begünstigten Freundinnen zurückstehen. Sie werden erstaunt und entzückt sein über die mit ihnen vorgegangene Veränderung. Der Preis einer Flasche "Pilules Orientales" mit Gebrauchsanweisung ist K 6.45 bei Einsendung des Betrages per Postanweisung oder K 6.75 bei Sendung unter Nachnahme. J. Ratié, Apotheker, 5, Passage Verdeau, Paris. Depots: Budapest: J. b. Török, Apotheker, Kirakyutcza 12: Wien: Bertrieb franz. kosmet. Artikel, Wien, XII., Teichackergasse 5. |
Im Englischen gibt es den Begriff "snake oil", der u.a. für Betrugsmaschen mit unseriösen Produkten und Dienstleistungen verwendet wird (siehe auch "snake oil salesman"). Der Wortursprung geht auf wirkungslose Pseudomedikamente bzw. Wundermittelchen zurück, die das Versprochene nicht halten können.
Und offen gestanden halte ich diese "orientalischen Pillen" für genau das. Doch andererseits gab es sie von den 1880er- bis möglicherweise in die 1980er-Jahre auf dem internationalen Markt (gesicherte Originalquellen konnte ich bis in die 1930er-Jahre finden). Auch wenn man die Echtheit der Erfahrungsberichte von Kunden anzweifeln mag, kann ein Produkt, das niemals die versprochene Wirkung zeigt, so eine lange Marktpräsenz erreichen?
Und falls die Pillen doch funktioniert haben - und sei es nur in einem Teil der Anwendungsfälle - wie war das möglich? Enthielten sie vielleicht östrogenähnliche Stoffe (Phytoöstrogene), die das Brustwachstum anregten? Das war zumindest mein erster Gedanke. Der von mir befragte Chatbot orakelte freilich, die Wirkung auf das Busenwachstum könne ebenso durch Wassereinlagerungen oder eine Gewichtszunahme erfolgt sein - direkt oder indirekt ausgelöst von diesem Mittelchen. Die Recherche ergab allerdings zu all dem nichts wirklich Greifbares. Weder konnte ich ein Patent noch eine Angabe der Inhaltsstoffe für die "Pilules Orientales" finden.
Es bleibt hier deshalb vor allem die Erkenntnis, dass Frauen auch schon lange vor den in Fernsehen und Internet transportierten Schönheitsidealen nach perfekten Möpsen strebten. 😀
Und zum Abschluss noch ein geschmackvolles Lied, das dieses Hochdenker-Thema in hervorragender Weise abrundet.
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Schmuddelwitz aus der K&K-Monarchie
Auch zu Zeiten von Kaiser Franz-Josef gabs schon Schmuddel- bzw. 'Herrenwitze'. Den folgenden fand ich im Witzblatt "Die Bombe". Heutige Feministinnen dürfte das zum Schäumen bringen 😉😝.

Erfahrungen - Die Knaben können, wie ich höre, schon mit siebzehn Jahren zu den Soldaten kommen. - Die Mädchen, höre ich, noch früher. |
Wer sich nun fragt, was dieses Witzchen im Erscheinungsjahr 1913 konkret hätte bedeuten können: Laut meiner Recherche war das sogenannte Schutzalter bereits im 19. Jahrhundert auf 14 Jahre festgelegt worden - das hat sich bis heute nicht geändert (von kleinen Ausnahmeregelungen abgesehen). Der österreichische Gesetzgeber bewies damit schon früh Realitätssinn - könnte man meinen. Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass die Pubertät bzw. der körperliche Reifeprozess damals wesentlich später einsetzte als in unserer Gegenwart - hauptsächlich wegen der Ernährung, aber auch aufgrund von Hygieneunterschieden und modernen Umweltgiften wie dem berüchtigten BPA (es gilt u.a. als potentieller Pubertätstreiber bei Mädchen). Man spricht hier von einer Entwicklungsdifferenz - die abhängig vom betrachteten Einzelaspekt - ca. zwei bis vier Jahre betragen konnte!
Das bedeutet: In unserer Gegenwart ist eine 14jährige optisch mehr oder weniger eine junge Frau, dazumal befand sie sich noch eher auf dem Niveau einer heutigen 12jährigen (die Menstruation setzte sogar oft erst mit 16 oder noch später ein, gegenwärtig eher mit 12).
Zwar gilt man streng medizinisch auch mit 12 nicht mehr als Kind, sondern bereits als Jugendlicher, aber wir räumen Menschen in diesem Alter trotzdem nicht den nötigen Verstand ein, die eigene Sexualität bereits völlig frei auszuleben (hingegen an sich selbst herummanipulieren darf man in dem Alter natürlich schon; und es wird in der Praxis ausgiebig getan - jeder Erwachsene kann sich entsprechend daran zurückerinnern, sofern er nicht an gewaltigen Erinnerungslücken leidet, ähnlich den Auskunftspersonen in parlamentarischen Untersuchungsausschüssen...).
Doch apropos "nötiger Verstand": Das Grundlagenwissen rund um das Thema "Sex" dürfte damals bei Heranwachsenden grundsätzlich geringer ausgeprägt gewesen sein als heute; könnte man zumindest vermuten, besonders weil es noch kein Internet mit dem einschlägigen "Unterhaltungsmaterial" gab und auch keinen Aufklärungsunterricht im Fach Biologie. Aber stimmt diese Grundannahme vollumfänglich? Denn zu bedenken ist, dass in dieser Zeit noch ein erheblicher Teil der Menschen auf dem Land wohnte und quasi tagtäglich den unterschiedlichen Nutztieren beim Geschlechtsverkehr zusehen konnte. Hier die entsprechenden Erkenntnisse auf die menschliche Sexualität zu übertragen, setzte keinen hohen IQ voraus. Hier übernahm sozusagen die Natur die 'Aufklärung'.
Das Schutzalter von 14 Jahren war zur damaligen Zeit also vielleicht noch etwas grenzwertig. Wobei wir nicht unbedingt wissen, wie sich das Thema in der Praxis gestaltet hat. Sex vor der Ehe war dazumal ja nicht gerade ein sozial akzeptables Verhalten - vor allem nicht bei Frauen. Das berühmte "erste Mal" könnte daher üblicherweise erst deutlich nach dem 14 Lebensjahr stattgefunden haben. Wobei zeitlich auch nicht zu weit danach, den gerade Frauen haben relativ jung geheiratet (spätes Teenager-Alter), während der Mann tendenziell zumindest einige Jahre älter war, da man von ihm erwartete, dass er bereits genügend verdient, um seine Familie versorgen zu können.
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