Sonntag, 20. September 2020

🎧 Hörbares: Antijudaismus in der christlichen Kunst -- Das antike Sparta -- Sensationsfund in Mexiko -- Die römischen Thermen von Trier -- Samurai -- usw.



 Antijudaismus in der christlichen Kunst: Von geschlagenen Nikolaus-Ikonen und Schmähskulpturen | Spieldauer 10 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

Der Hofnarr - Legende und Wahrheit | Spieldauer 22 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

Sensationsfund: Hunderte Mammutskelette in Mexiko | Spieldauer 7 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Sich über die Zustände in Mexiko aufzuregen ist zwar gerechtfertigt, aber vergessen wir nicht, dass auch in Europa die Politik einen erheblichen Einfluss auf die Forschungs- und Publikationstätigkeit von Wissenschaftlern hat. Um die angebliche Freiheit der Wissenschaft ist es ähnlich betrüblich bestellt wie um die vermeintliche Unabhängigkeit des Journalismus. In beiden Fällen ist nämlich eine ungesunde Abhängigkeit von Staatsknete gegeben. Rund 90 Prozent der Mittel für Forschung vergeben in Deutschland der Staat und staatsnahe Institutionen. Und die vergeben kein Geld an bekanntermaßen kritische Wissenschaftler, die wahrscheinlich Ergebnisse liefern könnten, die den herrschenden Parteipolitikern nicht in den Kram passen. In den Sinn kommt mir hier etwa die Erforschung natürlicher Klimavariabilitäten. 

 Soldaten-Alltag im Limes-Turm | Spieldauer 4 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Die römischen Thermen von Trier | Spieldauer 4 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Samurai - Der legendäre Kriegeradel Japans | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Das antike Sparta - Wie war das Leben dort wirklich? | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 (Off-Topic) Vulkane in Deutschland - schlafende Riesen | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

—————–

 Mehr Hörbares


Freitag, 18. September 2020

📽️ Videos: Doofer Archäologenhut -- Archäologen graben an der St. Nikola -- Rätselhafte Inschrift gelöst -- usw.

 Archäologische Entdeckung: Burgenländisches Müllendorf steht auf römischer Kleinstadt | Spieldauer 5 Minuten | Youtube | Stream & Info
Von der archäologischen Entdeckung abgesehen, haben wir es hier wieder einmal mit einem Beispiel aus der Kategorie "doofer Archäologenhut" zu tun - siehe auch hier und hier 😄



 Rätselhafte Maximilian-Inschrift gelöst | Spieldauer 5 Minuten | Youtube | Stream & Info
Dass am Goldenen Dachl in Innsbruck gar nicht die originalen Reliefs mehr befestigt sind, sondern bloß Kopien, wusste ich nicht. Ich kann so eine Vorgehensweise zwar aus konservatorischer Sicht nachvollziehen, aber dieses zunehmende Ersetzen von Denkmälern durch Kopien halte ich nichtsdestotrotz für eine grobe Behumpserei von Besuchern bzw Touristen. Wegen einer Kopie reise ich nicht stundenlang an. Da kann ich mir nämlich gleich Fotos davon im Internet ansehen. Wobei das Goldene Dachl eigentlich noch ein harmloses Beispiel ist, denn immerhin ist dort noch überwiegend die originale Bausbstanz vorhanden.



 Deutsche Archäologen graben an der St. Nikola | Spieldauer 2 Minuten | NDR | Stream & Info

 Kaiser-Ausstellung im Mainzer Landesmuseum: Die Rhein-Region als europäisches Machtzentrum | Spieldauer 2 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Kaiser-Ausstellung im Mainzer Landesmuseum: "Die meisten Nerven hat es gekostet, Leihgeber zu überzeugen" | Spieldauer 2 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

—————–

Donnerstag, 17. September 2020

🎧 Hörbares: Die Germanen -- Wurde Amerika schon in der Antike entdeckt? -- Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht -- Von Nymphen, Göttern und anderen Menschen -- usw.



 Die Germanen - Geheimnisvolle Völker aus dem Norden | Spieldauer 268 Minuten | Youtube | Stream & Info

 Wurde Amerika schon in der Antike entdeckt? | Spieldauer 3 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Siehe dazu auch meine ausführliche Rezension des entsprechenden Buchs von Hans Giffhorn. Zutreffend oder nicht, eine spannende These ist es auf jeden Fall!

 Auf den Spuren der deutschen Kaiser - wertvolle Ausstellungsstücke kommen zur großen Landesausstellung nach Mainz | Spieldauer 4 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Das Rhein-Main-Gebiet im Mittelalter - Zentrum Europas | Spieldauer 28 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht | Spieldauer 15 Minuten | RBB/ARD | Stream & Info 

 Von Nymphen, Göttern und anderen Menschen. Die griechische Mythologie in der Musik (1) | Spieldauer 55 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Von Nymphen, Göttern und anderen Menschen. Die griechische Mythologie in der Musik (2) | Spieldauer 55 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

  Kirche und Grabmäler aus dem 7. oder 8. Jahrhundert entdeckt | Spieldauer 4 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

—————–

 Mehr Hörbares


Montag, 14. September 2020

Der Fake-News-Multiplikator Wikipedia und die Salzburger Festspiele


Bei dem Online-Nachschlagewerk Wikipedia handelt es sich aus verschiedenen Gründen um keine reputable Quelle. So fördert etwa die Anonymität von Autoren und Administratoren das Einstreuen von Falschinformationen und subjektiven Wertungen.
Gravierende Mängel wie dieser sind dem Durchschnittsjournalisten zweifellos bewusst. Gleichzeitig ist er meiner Erfahrung nach aber auch stinkfaul; daher bedient er sich wider besseres Wissen bei Wikipedia, macht diesen Vorgang jedoch - um seine eigene Reputation zu bewahren - nicht kenntlich. Vielmehr verschweigt er die fragwürdige Quelle verschämt; ja, mitunter plagiiert er geradezu bzw. schert sich nicht einmal darum, die übernommene Textstelle halbwegs zu paraphrasieren.
Hierzu nun ein Beispiel - wobei ich im Gegensatz zu anderen Wikipedia-Kritikern bewusst kein polarisierendes Reizthema gewählt habe, bei dem nämlich viele Leute aus weltanschaulichen Gründen sofort die Jalousien im Oberstübchen  herunterlassen würden, ohne sich mit dem Kern der Kritik auch nur eine Sekunde lang auseinanderzusetzen; nämlich der inhärenten Unzuverlässigkeit von Wikipedia  und besonders den damit verbundenen Auswirkungen auf den öffentlichen Meinungsbildungsprozess. Der von mir gleich geschilderte Fall ist thematisch wenig aufwühlend, veranschaulicht die oben geschilderte Problematik aber gerade deshalb besonders gut.

Auf Tagesschau.de fand sich am 02. August 2020 ein Video-Beitrag, der von einer Nachrichtenvorleserin vor visuell bombastisch aufgeblasenem Hintergrund (siehe Bild) folgendermaßen eingeleitet wurde:

Unter strengen Auflagen haben gestern die Salzburger Festspiele begonnen. Sie gelten als weltweit bedeutendstes Festival für Klassik und darstellenden Künste.

Der erste Satz im Wikipedia-Artikel zu den Salzburger Festspielen lautet: 

Die Salzburger Festspiele gelten als das weltweit bedeutendste Festival der klassischen Musik und darstellenden Kunst.[1]

Klar ist zu sehen, dass die Sätze nahezu identisch sind. Wer nun meint, es handle sich um einen Zu- oder Einzelfall, der werfe einen Blick auf dieses Google-Suchergebnis. Deutsche Welle, ORF und viele weitere Medien schrieben genauso direkt bei Wikipedia ab. Oder indirekt, indem sie sich einer Quelle bedienten, die ihrerseits Wikipedia-Texte benutzt hat. Sogar auf der aktuellen Homepage der Salzburger Festspiele protzt man dankbar mit diesem bei Wikipedia schon im Oktober 2012 eingetragenen Satz (zeitlich davor findet Google keine entsprechenden Einträge im Netz). Und möglicherweise waren ja die PR-Leute der Festspiele hauptverantwortlich dafür, ihn mittels einschlägiger Presseaussendung über eine Agentur medial erneut weit gestreut zu haben.

Schlimm genug, wenn die Journaille wie verrückt voneinander, von Agenturen und schlussendlich von Wikipedia abschreibt. Doch das wirklich dicke Ende kommt erst noch: Die großsprecherische Behauptung, die Salzburger Festspiele seien "das weltweit bedeutendste Festival der klassischen Musik und darstellenden Kunst" beruht bei Wikipedia auf einem einzigen verlinkten ORF-Artikel, der sieben Jahre auf dem Buckel hat. Darin wird allerdings an keiner Stelle der entsprechende Beleg geliefert! Vielmehr ist davon die Rede, dass die Salzburger Festspiele im Jahr 2013 den damals frisch ins Leben gerufenen,  jährlich verliehenen "Opera Award" als bestes Festival erhielten. Daraus über Jahre hinweg ableiten zu wollen, die Veranstaltung wäre international von allen Klassik-Events das bedeutendste ist geradezu haarsträubend. Selbst wenn man absurderweise diesen Award als alleinigen Maßstab hernehmen würde, so gibt es doch längst auch viele andere bzw. aktuellere Preisträger!

Es ist bei Wikipedia eine immer und immer wieder beobachtbare Masche, dass von Autoren zwar 'Quellen' angegeben werden - um auf den ersten Blick gewissen Formalien genüge zu tun - diese Quellen dann aber keinesfalls das belegen können, was sie belegen müssten. Doch welcher Nutzer des Online-Lexikons prüft schon nach? Richtig, so gut wie keiner. Genau dieser Umstand wird oft schamlos ausgenutzt.

Der für die inadäquate Quelle im Artikel zu den Salzburger Festspielen verantwortliche Autor "Meister und Margarita" wurde nach einer regelrechten Diskussionsorgie zwischenzeitlich bei Wikipedia gesperrt. In einem etwas älteren, öffentlich einsehbaren Sperrverfahren heißt es, dass er Belege und Quellen nur sparsam eingefügt und oftmals sogar verfälscht wiedergegeben habe. Na wenn das nicht ins Bild passt!
Man sollte übrigens an dieser Stelle nicht vorschnell die Selbstreinigungskraft von Wikipedia loben. Dass der Autor gesperrt wurde, reicht nämlich als korrigierende Maßnahme schwerlich aus. Denn erstens kann ihn niemand davon abhalten, unter einem anderen Fantasie-Pseudonym zurückzukehren (den herrschenden Wikipedianern ist das egal, anderenfalls würde man die Anonymisierung von Autoren, zumindest aber für die letztverantwortlichen Administratoren uns Sichter abschaffen). Zweitens wäre es - in Kenntnis des Verhaltens von "Meister und Margarita" - unabdingbar gewesen, nach der Sperrung die von ihm zu verantwortenden Edits einer Überprüfung zu unterziehen. Bezeichnend für die mangelnde Verlässlichkeit von Wikipedia ist, dass dies offensichtlich niemand getan hat. Sich hier eventuell damit rechtfertigen zu wollen, dass für so etwas das Personal fehlt, würde es in qualitativer Hinsicht für den arglosen Nutzer des Online-Nachschlagewerks um keinen Deut besser machen.

An obigem Beispiel wird folgendes ersichtlich: 
  • Wikipedia ist und bleibt eine hochgradig unzuverlässige Informationsmüllhalde. Subjektive Privatmeinungen werden dort unter Zuhilfenahme von inadäquaten Quellen als objektive Tatsachen präsentiert. Dieser Zustand ist inakzeptabel - zumindest für eine Enzyklopädie, die ernst genommen werden möchte.
  • Journalisten von selbsternannten Qualitätsmedien wie der ARD arbeiten nachweislich schlampig. Sie beherrschen die Grundtechniken des Journalismus nicht mehr. Man bedient sich vielmehr aus Faulheit ungeprüfter Quellen und übernimmt von dort falsche oder nicht belegte Tatsachenbehauptungen. Diese weit verbreitete Unsitte schlägt zwingend negativ auf die Qualität der Berichterstattung durch. Deshalb gilt: Wer sich - besonders in wichtigen Fragen - blind auf die von solchen schwindligen Medien verbreiteten Informationen verlässt, ist von allen guten Geistern verlassen. Da könnte man auch gleich zum Postillon oder zur Babylon Bee greifen.
  • Die verlinkten Google-Suchergebnisse veranschaulichen, in was für einem unzumutbaren Ausmaß Wikipedia mittlerweile als Multiplikator von Fake-News oder zumindest von rein subjektiven Wertungen bzw. nicht belegten Tatsachenbehauptungen wirkt. Eine bei Wikipedia z.B. von einem bezahlten PR-Beauftragten oder Aktivisten gezielt platzierte (Falsch-)Behauptung besitzt das Potential, über den Umweg fauler Journalisten bei Abermillionen Menschen die Denkrichtung zu beeinflussen. Man halte sich vor Augen, welche gravierenden Auswirkungen Wikipedias demokratisch nicht legitimierte Macht auf den Meinungsbildungsprozess der Bevölkerung auch in gesellschaftlich relevanten Fragen haben kann. Das Manipulationspotential ist immens und übertrifft jenes von Einzelmedien bei weitem.
  • Der stete Fluss minderwertiger Informationen von der Wikipedia zu den Massenmedien wird von sogenannten "Faktencheckern" völlig ignoriert, obwohl es doch angeblich ihre Kernaufgabe ist, gegen virale Falschinformationen vorzugehen. Das gibt doch sehr beredt Auskunft über deren eigene Glaubwürdigkeit und Kompetenz.
Vereinfachte Darstellung des Wirkungsprinzips von Wikipedia | Keine Rechte vorbehalten, doch um die Nennung der Quelle wird gebeten: HILTIBOLD.Blogspot.com

—————–

Sonntag, 13. September 2020

📖 Buch-Empfehlung: Die Armee der Caesaren - Archäologie und Geschichte

Seit vielen Jahren wird der Römer-Begeisterte mit einer regelrechten Sturzflut an einschlägigen Büchern konfrontiert. Neben kulinarischen Genüssen und diversen Biographien ist es vor allem das römische Militär, welches dabei im Mittelpunkt der Betrachtungen steht. Aufgrund der schieren Menge an populär-wissenschaftlichen Publikationen, zu denen sich auch noch unzählige wissenschaftliche Arbeiten gesellen, ist es selbst für Fachleute sehr schwierig, auch nur über Teilaspekte der römischen Geschichte - wie z.B. das kaiserzeitliche Heer - auf dem Laufenden zu bleiben.
Genau hier soll das Buch "Die Armee der Caesaren - Archäologie und Geschichte" ein wenig Abhilfe schaffen. Anstatt ein weiteres oberflächliches Sachbuch vorzulegen, möchten Thomas Fischer und seine Co-Autoren einen tiefergehenden, wissenschaftlich korrekten, aber trotzdem allgemein verständlichen Überblick zum aktuellen Forschungsstand gegeben (wobei zu bedenken ist, dass die vorliegende aktualisierte 2. Auflage aus dem Jahr 2014 stammt). Schwerpunkt sind dabei die Ergebnisse der Militärarchäologie, denn gerade in jenen Staaten, auf deren Boden sich einst die stark militärisch geprägten Grenzprovinzen Roms befanden, werden unablässig neue spannende Funde zutage gefördert, die unser Wissen über den römischen Soldaten, sein Umfeld und seine fast übermenschlichen Leistungen verfeinern. Nicht zuletzt die zunehmende Verbreitung von Metallsonden trägt hier einiges zum Erkenntnisgewinn bei - wie etwa das 2008 von archäologischen Laien entdeckte Harzhorn-Schlachtfeld dokumentiert.
Zur Sprache kommt am Rande auch der nicht ausschließlich positive Einfluss, den Reenactment/Living History auf das populäre Bild vom römischen Militär hat. So wird etwa kritisiert, dass die Ausstattung der bei Römerfesten oder in TV-Dokus auftretenden Gruppen meistens zu einheitlich sei, nachdem es mittlerweile kinderleicht ist, oft nicht gerade hochwertige Rüstungs- und Waffen-Reproduktionen relativ günstig von indischen Großherstellern (wie Deepeeka) zu beziehen. Diese würde sich an nur wenigen, ständig wiedergekäuten Quellen wie der Trajanssäule und einer Handvoll archäologischer Funde orientieren, anstatt die mehrhundertjährige, facettenreiche Geschichte der römischen Militärmacht adäquat zu berücksichtigen. Was, wie auch ich festgestellt habe, dazu führt, dass Römer-Reenactment massiv vom miles aus der Zeit um 100 n. Chr. dominiert wird (obschon sich seit einigen Jahren auch die Spätantike zunehmender Beliebtheit erfreut).


Inhaltsübersicht

Nach den üblichen einleitenden Worten erfolgt eine kleine Einführung in die Grundzüge des römischen Heerwesens seit der Republik.
Im I. Teil des Buchs werden dann in chronologischer Reihenfolge die bedeutendsten Bildquellen vorgestellt, welche der heutigen Forschung Auskunft über das Erscheinungsbild römischer Legionäre geben. Wobei darauf hingewiesen wird, dass diese Darstellungen in mancherlei Hinsicht unzuverlässig und oft von Idealisierungen, Antikisierungen (Rückgriffe auf das hellenistische Griechenland) und künstlerischer Freiheit geprägt sind.
Der II. Teil thematisiert eingangs ein wenig die Forschungsgeschichte. Es folgt die Erörterung einiger Aspekte zur Bewaffnung und Ausrüstung (Herstellung, lokale Unterschiede,...).
Im III. Teil wir anhand archäologischer Funde konkret auf Tracht, Waffen sowie Ausrüstung eingegangen - und zwar getrennt nach Infanterie und Reiterei: Angefangen bei der Kleidung (Tunika, Hosen, Gürtel, Mantel, Fibel, Kopfbedeckung, Schuhe, Halstücher, Socken, ...) über Schutzwaffen (Helme/Helmtypologie, Panzer/Panzerarten und ihre Konstruktionsweise, Schutzkleidung unter dem Panzer, Beinschienen, Armschienen, Schilde, ...) bis hin zu den Angriffswaffen (Schwerter/Schwertscheiden, Dolche, Stangenwaffen, Bogenwaffen) und der Artillerie. Feldzeichen, Orden, Pionierwerkzeuge, Zelte werden abschließend ebenfalls betrachtet.
Teil IV widmet sich zuerst den Bauten des römischen Heeres: Arten der Lager und Kastell-Umwehrungen (Holz-Erde, Stein), Innenbauten (Straßen, Mannschaftsbaracken, Bäder, Übungshallen, Werkstätten, Getreidespeicher, ...).
Im Anschluss werden die wichtigsten Lagertypen anhand großflächiger archäologischer Befunde dargestellt: Legionslager, Vexilationskastelle, Kohorten- und Alen-Kastelle der Hilfstruppen, Stadtgarnisonen, Kleinkastelle, Wachtürme, ...
Gesondert behandelt werden der Limes und seine Infrastruktur sowie kurz die spätrömischen Befestigungen (Kastelle und Burgi)
Der V. Teil behandelt den Wandel der Ausrüstung des römischen Militärs - von der Republik über die frühe Kaiserzeit bis zur Spätantike.
Im VI. und letzten Teil wird die Römische Kriegsmarine unter die Lupe genommen: Gliederung, Charakteristika antiker Kriegshäfen, Kriegsschiffe auf Meeren und Flüssen,...)


Beispiele für die im Buch enthaltenen Illustrationen

Der militärischen Schutzausrüstung widmet man sich sehr ausführlich. Hier eine Übersicht verschiedenster spätantiker römischer Helme (links) und Beispiele für die Helmzier (rechts) | Foto: Hiltibold / Buchinhalt: (C) Verlag Friedrich Pustet
Hier sind Reiterhelme aus der frühen und hohen Kaiserzeit zu sehen | Foto: Hiltibold / Buchinhalt: (C) Verlag Friedrich Pustet
Auch speziellen, in vielen populärwissenschaftlichen Publikationen oft übersehenen Details schenkt man Beachtung: In diesem Fall handelt es sich um die Spitzen von Feldzeichen bzw. Standarten | Foto: Hiltibold / Buchinhalt: (C) Verlag Friedrich Pustet
Das römische Schwert; hier eine Übersicht zu verschiedenen Varianten von Klingen, Griffen (Gefäßen) und Scheiden. Die Größe der Darstellung reicht in diesem Fall noch aus, allerdings hätte ich es für keinen Fehler gehalten, den Grafiken manchmal mehr Platz zu gönnen. Das ist übrigens ein kleiner Kritikpunkt, den ich schon beim Kelten-Buch dieses Verlags hatte. Auch die Bildtexte hätten ruhig größer ausfallen können. | Foto: Hiltibold / Buchinhalt: (C) Verlag Friedrich Pustet
Verschiedene Formen römischer Schilde. | Foto: Hiltibold / Buchinhalt: (C) Verlag Friedrich Pustet

Fazit: Laien - besonders sind hier Reenactors bzw. Living-History-Darsteller zu nennen - die tiefer in das römische Militärwesen der Kaiserzeit einsteigen möchten, machen keinen Fehler, wenn sie zu diesem allgemein verständlich geschriebenen und reichhaltig illustrierten Buch greifen; es wird ja sogar explizit vom Hauptautor darauf hingewiesen, dass diese eine der Zielgruppen sind. Gleichzeitig werden hier aber auch Studenten und bereits fertigstudierte Fachleute unzählige nützliche, meist übersichtlich aufbereitete Informationen vorfinden. Und last but not least dürften auch die allseits beliebten Metallsucher aka 'Sondengänger' manch Gewinn aus dem Buch ziehen können. 😄
Obschon Thomas Fischer nicht den Anspruch erhebt, einen absolut lückenlosen Überblick vorgelegt zu haben, so ist "Die Armee der Caesaren - Archäologie und Geschichte" meiner Ansicht nach trotzdem in der Lage, etliche oberflächliche Bücher über die kaiserzeitliche römische Armee zu ersetzen. Unzählige Literaturangaben erleichtern es dem Leser außerdem, sich zu den behandelten Punkte bei Bedarf weitere Informationen zu besorgen (siehe etwa Marcus Junkelmanns ausgezeichnete Monographie "Die Reiter Roms").
Ich kann hier nur eine klare Kaufempfehlung aussprechen und den Verlag Friedrich Pustet zum wiederholten Mal für eines seiner Bücher loben.

—————–

Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen:


Freitag, 11. September 2020

🎧 Hörbares: Kampfsport Buhurt -- Städte im Mittelalter -- Haithabu, Zuhause bei den Wikingern -- usw.



 Kampfsport Buhurt - Mehr als Ritterspiele für Erwachsene | Spieldauer 5 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Städte im Mittelalter - Öffentlichkeit als Chance und Risiko | Spieldauer 23 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Die Reportage: Haithabu - Zuhause bei den Wikingern | Spieldauer 25 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Auf Asche und Gras: Wie sich Steinzeit-Bewohner betteten | Spieldauer 4 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Versteck der Steinzeit-Mensch - Die "Abris" im Leinebergland | Spieldauer 7 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Katalonien - Spanische Region mit eigener Geschichte | Spieldauer 23 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Geschichten aus Sachsen-Anhalt: 800 Jahre Sachsenspiegel | Spieldauer 5 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Inspiration noch heute: Die Zittauer Fastentücher aus dem Mittelalter | Spieldauer 6 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

—————–

Dienstag, 8. September 2020

📽️ Videos: Spuren der Steinzeit -- Große keltisch-römische Tempelanlage entdeckt -- Archäologie in Innsbruck -- usw.



 Spuren der Steinzeit | Spieldauer 3 Minuten | BR/ARD | Stream & Info

 Archäologen der Uni Tübingen suchen Relikte aus der Altsteinzeit | Spieldauer 1 Minute | SWR/ARD | Stream & Info

 Archäologische Funde bei Bauarbeiten in Innsbruck | Spieldauer 4 Minuten | Youtube | Stream & Info
Es könnte sich hier um jene Grabung handeln, von der ich gelesen habe, dass angetrunkene Jugendliche nachts in der Grube herumgetorkelt sind ...


 Archäologen entdecken große keltisch-römische Tempelanlage | Spieldauer 2 Minuten | Youtube | Stream & Info
Außerordentlich interessant für die provinzialrömische Archäologie sowie die Ur- und Frühgeschichtler! Die 'stufenpyramidenartige' Anlage dürfte ein ziemliches Ungetüm gewesen sein. Ich bin schon auf die ersten brauchbaren Rekonstruktionszeichnungen davon gespannt. 


 Pfahlbauten im Mondsee und Attersee | Spieldauer 5 Minuten | Youtube | Stream & Info
Ich habe mal mit einem Archäologen gesprochen, der meinte, dort wäre ein größeres Pfahlbaumuseum wie in Unteruhldingen angedacht gewesen. Aber da wurde nie etwas draus. Schade.

 Der Churer Domschatz im neuen Museum | Spieldauer 2 Minuten | Youtube | Stream & Info
"Die Montafoner Metallrestauratorin Beatrice Pfeiffer..." Also ich weiß nicht so recht, die Frau hört sich für mich nicht wie eine (gebürtige) Vorarlbergerin an. Mir kommt das irgendwie spanisch, pardon, ich meinte schwäbisch vor (ja, das sind alles 'Alamannen', aber trotzdem ...). 

 Historische Kirche in Jaunstein (Kärnten) von Archäologen des ÖAI ausgegraben | Spieldauer 2 Minuten | Youtube | Stream & Info
Um wie viel höher mag bei männlichen Archäologen wohl der Anteil an Langhaarigen im Vergleich zur männlichen Durchschnittsbevölkerung sein? Mir fällt nämlich bei dieser Berufsgruppe schon seit geraumer Zeit eine entsprechende frisurenmäßige Tendenz auf 😄

➽ Qualitätsjournalismus: Der mittelalterliche Codex "Menasse" (!) unter Polizeischutz | Spieldauer 3 Minuten | ARD | Stream & Info | Direkter Download
Manesse oder Menasse? Unter dem Namen "Menasse" ist mir jedenfalls nur ein Autor der Gegenwart bekannt ...
—————–

Sonntag, 6. September 2020

📖 Buch: Die Magier der Götter - Die vergessene Weisheit einer verschollenen Erdzivilisation

Auf den britischen Journalisten und Bestseller-Autor Graham Hancock bin ich zum ersten Mal aufmerksam geworden, als er vor rund einem Jahr Gast in Joe Rogans Podcast gewesen ist (ich habe darüber berichtet). Dort sprach er u.a. über sein Buch Die Magier der Götter, um das es auch in dieser Rezension gehen soll.

Die von Hancock vertretene These ist in ihrer Grundstruktur nicht ganz neu: Eine "Hochkultur" - unter der man sich nicht zwingend etwas allzu Großartiges vorstellen muss, die aber den ältesten bisher bekannten Hochkulturen in Ägypten und Mesopotamien weit vordatiert - wäre demnach durch eine gewaltige Naturkatastrophe untergegangen (der Atlantis-Mythos lässt grüßen).
Der Autor macht dafür kilometergroße Kometen- oder Meteoritenbruchstücke verantwortlich, die hauptsächlich in den einst weit ausgedehnten nördlichen Eisschild der Erde einschlugen - wobei alleine der größte Brocken eine äquivalente Sprengkraft zu zehn Millionen Megatonnen TNT entfaltet haben könnte. Laut jüngeren geologischen Forschungsergebnisse (siehe hier und hier) datiert dieses wohl tatsächlich stattgefundene Ereignis auf ca 12800 Jahre vor heute (wobei der tödliche Kometenregen Jahrhunderte lang angehalten haben könnte). Dieser Kataklysmus ging mit einem globalen Massensterben einher; alleine 35 Säugetiergattungen (nicht nur Arten) verschwanden in Nordamerika innerhalb weniger Jahrhunderte (Stichwort 'Aussterben der Megafauna').
Die überlebenden Menschen der von Hancock angenommenen Hochkultur sollen sich zerstreut und Teile ihres Wissens - besonders über Ackerbau und Viehzucht - an andere Völker weitergegeben haben; so etwa an die Erbauer der steinzeitlichen Kultanlage von Göbekli Tepe in der heutigen Türkei. Diese fremden Wissensbringer - die sozusagen für die Neolithische Revolution im fruchtbaren Halbmond mitverantwortlich gemacht werden -  sollen in weiterer Folge als "Weise" bzw. gottähnliche  "Magier" in die Mythen verschiedener Völker eingegangen sein. Selbiges würde auch für den erwähnten Kometeneinschlag und eine damit einhergehende globale Überflutungskatastrophe im sogenannten Jüngeren Dryas gelten. Hierbei zeigt Hancock tatsächlich eine Vielzahl interessanter Parallelen auf; so gleicht etwa eine alte indianische Sage auffällig der jüdisch-christlichen Arche-Noah-Erzählung; besagte Indiandersage deckt sich überdies mit modernen geologischen Untersuchungen. Durchaus bemerkenswert sind auch ikonographische Gemeinsamkeiten zwischen Reliefs im bereits erwähnten Göbekli Tepe und den erst viele Jahrtausende später aufkommenden Kulturen in Mesopotamien und Mexiko.
Auch wenn man mit einer gehörigen Portion Vorsicht an dieses Buch herangeht, so fällt es doch schwer, die vom Autor ausführlich dargelegten Indizien immer als bloße Zufälle abzutun.

Gelegentlich gehen mir Hancocks Mutmaßungen und Interpretationen archäologischer, geologischer und sonstiger Befunde zu weit (an zwei, drei Stellen habe ich regelrecht die Augen verdreht). Insgesamt muss man ihm allerdings attestieren, dass er außerordentlich fleißig recherchiert und auf ausgedehnten Reisen Unmengen an Informationen - darunter sehr viele naturwissenschaftliche Forschungsergebnisse sowie hochinteressante Primärquellen - zusammengetragen hat. Sogar Gespräche und die schriftliche Korrespondenz mit mehreren namhaften Archäologen wurden von ihm auszugsweise veröffentlicht.
Diese Akribie ist sowohl Stärke wie auch Schwäche des dicken Buchs: Einerseits lassen sich die Gedankengänge des Autors dadurch sehr gut nachvollziehen. Anderseits wiederholt sich inhaltlich doch einiges mehrfach. Das wirkte auf mich stellenweise etwas ermüdend, obschon der Text insgesamt locker geschrieben und recht gut strukturiert ist.
Dass Hancock bemüht ist, seine These möglichst detailliert zu belegen, hat gewiss auch den Zweck, sich gegen Kritik aus der arrivierten Wissenschaft zu wappnen. Er spart in diese Richtung nicht mit harscher Kritik und verweist glaubwürdig auf gravierende Schlampereien und Behumpsereien von Forschern aus unterschiedlichen Fächern. Die Botschaft an den Leser lautet hier: Lass dich bloß nicht mit dem Logischen Fehlschluss des Autoritätsarguments abspeisen.

Kritisieren muss ich speziell an der vorliegenden deutschen Ausgabe von "Die Magier der Götter" ein wenig, dass man die im Text vorkommenden imperialen Maßeinheiten nicht konsequent ins metrische System umgerechnet hat. So ist von "Quadratmeilen "und "Fuß" die Rede, an anderer Stelle hingegen plötzlich von "Kubikmeter". Wenn schon der Autor nicht konsequent war, dann hätte es zumindest die Übersetzerin sein können.

Hat es Graham Hancock nun aber geschafft, mich von seiner These einer rund 12000 Jahre alten Hochkultur restlos zu überzeugen? Nein, weil Indizien - auch wenn sie fallweise noch so verblüffen - keine harten Beweise sind.
Doch meiner Ansicht nach ist das ohnehin nebensächlich, denn in "Die Magier der Götter" werden dem Leser viele spannende Forschungsergebnisse aus der Archäologie und verschiedenen Naturwissenschaften in allgemein verständlicher Weise näher gebracht. Einiges davon dürfte der breiten Öffentlichkeit bisher weitestgehend unbekannt sein. Wer hat denn z.B. je von Karahan Tepe - einer hochinteressanten steinzeitlichen Anlage, die wie Göbekli Tepe errichtet wurde - gehört? Und wer weiß schon, was der international anerkannte Archäometrie-Fachmann Professor Ioannis Liritzis von der Universität der Ägäis zu den drei großen Pyramiden von Gizeh - bei denen es sich laut offizieller Lehrmeinung einfach um einstige Grabmäler handeln soll - zu sagen hat?

"Der Mangel an zeitgenössischen Überresten von Menschen-begräbnissen in jeder ägyptischen Pyramide sowie die offensichtliche astronomische und geometrische Beschaffenheit der Stätte, die beweist, dass die Ausrichtung nicht zufällig war, sondern auf tiefem Wissen und Sternenkonfigurationsmustern zur Zeit der Errichtung beruht, lassen darauf schließen, dass die Theorie der 'Pyramiden als Gräber' nicht mehr ausreicht, sondern eine umfassendere Bestimmung von Alter, Funktion und Wiederverwendung sowohl der Pyramiden als auch von Gizeh erforderlich ist ..."

Ich war lange der Meinung, solche Gedanken hätten nur Personen, die außerhalb der wissenschaftlichen Community zu verorten sind. Andererseits lese ich ja auch selten Bücher wie jenes von Hancock.
Die Tendenz der Wissenschaftsjournaille (bzw. der Journaille insgesamt), vom 'Konsens' abweichende Meinungen auszufiltern ('Konsens' ist ein politischer, kein wissenschaftlicher Begriff) kann nur als sehr problematisch bezeichnet werden. Man muss es Hancock deshalb hoch anrechnen, dass er in seinem Buch der arrivierten Geschichtsforschung und ihren medialen Wurmfortsätzen auf die Zehen tritt, indem er ihnen anhand verschiedener gut dokumentierter Beispiele nachweist, dass auch sie sich allzu gerne bloßer Kaffeesatzleserei bedienen und unbelegte Ansichten so lange wiederkäuen, bis diese den Charakter einer scheinbar unumstößlicher Tatsachen annehmen. Fachliche Gegenmeinungen wie die oben zitierte schweigt man gerne tot; vor allem wenn der Urheber, wie im Fall des Ioannis Liritzis, eine zu große Reputation besitzt, um ihn öffentlich lächerlich und somit unglaubwürdig machen zu können.
'Pressure Groups' wie die sogenannten "Skeptiker", die Journalisten kontaktieren, um deren Berichterstattung zu beeinflussen, und die in der Wikipedia Artikel im Sinne ihres Weltbildes editieren, spielen als Verteidiger der wissenschaftlichen Orthodoxie eine wichtige Rolle. Diese "Skeptiker", die meiner Ansicht nach Feinde der Wissenschaftsfreiheit sind, haben es auch auf Graham Hancock abgesehen; in einem Rogan-Podcast aus dem Jahr 2017 diskutiert er z.T. hitzig mit einem Vertreter dieser Gruppierung - der dabei keine durchgehend gute Figur macht.   


PS: Falls mir nun wieder jemand eine E-Mail im Meckerton schreibt, weil ich ein Buch vom Kopp Verlag besprochen habe (ohne es zu verreißen), dann möchte ich gleich darauf hinweisen, dass ich so ein Troll-Schreiben unbeantwortet in die elektronische Rundablage verschiebe. Wer nicht ernsthaft und konkret zum Buchinhalt sprechen möchte, der kann sich also die Tipperei ruhig sparen.

Dass Bücher wie das vorliegende - welches übrigens keinesfalls in die fragwürdige Prä-Astronautik-Ecke gehört - im deutschen Sprachraum hauptsächlich bei einem einzigen Verlag herausgebracht werden, liegt nicht zuletzt an den weiter oben bereits erwähnten Skeptikern sowie deren Gesinnungsfreunden unter den Literaten. Besonders in den vergangenen 20 Jahren haben sie mit einigem Erfolg Verlage unter Druck gesetzt, nonkonformen Inhalten "keine Bühne zu bieten". Das läuft dann beispielsweise in der Art ab, dass sich ein paar Autoren zusammentun und der Verlagsleitung in einem Brief erklären: Wenn ihr weiter Bücher vom Autor XY verlegt, dann arbeiten wir nicht mehr mit euch zusammen und versenden darüberhinaus eine entsprechende Pressemitteilung (in der man den Ruf des Verlags in den Schmutz zieht)
Solchen intoleranten Erpressern und autoritären Figuren ist egal, dass in der Wissenschaft verschiedene Meinungen gleichberechtigt nebeneinander stehen können; Meinungspluralismus ist ihnen ein Fremdwort. Nicht der Leser und der freie Markt darf mehr entscheiden, sondern eine zunehmend gleichgebürstete Verlagslandschaft soll als pädagogisierender Türsteher und Filter fungieren. 

—————–

Weiterführende Informationen:


Weitere interessante Themen:


Samstag, 5. September 2020

🎧 Hörbares: Artemisia, die Admiralin der Antike -- Die Zeit der Ottonen -- Die Zeit der Salier -- Tempel von Jerusalem wird zerstört -- Hexenjagd in Deutschland -- Palmyra -- usw



 Die Admiralin der Antike - Artemisia | Spieldauer 23 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Der Wiederaufbau von Palmyra - Erst die Menschen, dann die Steine | Spieldauer 9 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Der Renaissance-Baumeister Andrea Palladio | Spieldauer 15 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Der Tempel von Jerusalem wird zerstört | Spieldauer 15 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Archäologie: Mit der "Kulturschaufel" am Kartoffelacker im Rheinland | Spieldauer 8 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Heinrich Schliemann irrte 1870: "Troja gibt es. Und ich habe es gefunden." | Spieldauer 3 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Die Zeit der Ottonen | Spieldauer 73 Minuten | Youtube | Stream & Info
Eine gut gemachte Sendung. Und in Sachen Living History meine Zeit!

 Die Zeit der Salier | Spieldauer 78 Minuten | Youtube | Stream & Info

 Hexenjagd in Deutschland | Spieldauer 68 Minuten | Youtube | Stream & Info

 Klaus Störtebeker - Ein norddeutscher Pirat | Spieldauer 79 Minuten | Youtube | Stream & Info

—————–

Freitag, 4. September 2020

Krimskrams: Die Himmelsscheibe von Nebra, die DGUF und ein archäologisches Würstchen, das einen auf dicke Salami macht

Die Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte (DGUF) meldet auf Twitter unter Berufung auf eine relativ aktuelle Arbeit, dass die Himmelsscheibe von Nebra möglicherweise nicht bronzezeitlich, sondern eisenzeitlich ist. Das wäre - sollte es zutreffen - durchaus eine Sensation, haben doch etliche Fachleute gewaltige Phantasien Theorien rund um die Annahme aufgebaut (siehe auch hier), die Scheibe sei bronzezeitlich. 

Wie kommentiert nun ein Archäologe diese spannende Meldung? Nun, er ignoriert den wissenschaftlichen Aspekt völlig; stattdessen pluster er sich auf und bekrittelt, dass die Arbeit auch ein Foto enthält, welches von einer Frau stammt, die in den mittlerweile zwei Jahrzehnte zurückliegenden Kriminalfall rund um die Himmelsscheibe verwickelt war. So als ob das im Kontext der Forschungsergebnisse von Bedeutung wäre.

Quelle: Twitter.com

Hierbei handelt es sich um die selbstgerechte und provokative Stichelei eines Fundamentalisten der archäologischen Betonschädel-Fraktion, der selbst bisher nicht mit überragenden Publikationen glänzen konnte. Was aber nicht seinen hohen moralischen Ansprüchen gerecht wird, hat gefälligst ignoriert zu werden. Gegenüber den Autoren der Arbeit - Rupert Gebhard und Rüdiger Krause - ist das außerordentlich unfair, um nicht zu sagen unverschämt. 

Es ist freilich interessant zu wissen, dass dieses wissenschaftliche Würstchen ein sogenannter 'Skeptiker' und vor allem ein passionierter Twitter-Sprücheklopfer ist, der auf der besagten Plattform einen Obskurantenzirkel aus ähnlich gepolten Gesinnungsgenossen um sich geschart hat. 
Dass gerade er sich nun hier zum Moralapostel aufschwingt ist aus meiner Sicht insofern kurios, weil er in der Vergangenheit auf seiner Website ein halblustiges Foto veröffentlicht hat, das man nicht nur meiner Meinung nach als Aufruf zu Gewalt gegen politisch Andersdenkende interpretieren konnte. Nachdem ihn eine meiner Leserinnen - die selbst Archäologin ist - darauf hingewiesen hat, löschte er den entsprechenden Eintrag wieder. 
Außerdem wollte er mir und einem weltweit anerkannten Experimentalarchäologen eine Affinität zu Erich von Dänikens schrulliger Prä-Astronautik andichten. In meinem Fall vermutlich nicht zuletzt deshalb, weil er wegen einem Text beleidigt gewesen sein dürfte, in dem ich den auch von ihm betriebenen Politaktivismus im Mäntelchen der Geschichtsforschung kritisiert habe. Auch diese auf mich abgefeuerten Tweets hat er, nachdem er Gegenwind erfahren hatte, wieder gelöscht.

Dieser sich gerne als Internet-Schmiergriffel gerierende Herr postet offensichtlich schneller als er denkt. In meinen Augen ist er aber eine hervorragendes Exempel dafür, was grundsätzlich mit den Geisteswissenschaften falsch läuft. Oder um einen probaten Begriff des Militärhistorikers Marcus Junkelmann zu verwenden: "Akademischer Schrott".

Abschließend meine Bitte an die Leser dieses Blogs: Behelligt den Herrn nicht. Er soll in seiner Ideologie-Klapsmühle bei Twitter ungestört rotieren, bis ans Ende aller Zeiten. Auf ernsthafte Diskussionen außerhalb seiner 280-Zeichen-Blase lässt er sich laut eigenem Bekunden ohnehin nicht ein. Er weiß ganz genau, dass er den Kürzeren ziehen würde.

—————–

Weitere interessante Themen:


Donnerstag, 3. September 2020

📽️ Videos: Leben im Mittelalter -- Schatzsuche -- Geschichte des Toilettengangs -- Ikonoklasmus -- usw.


 Die Geschichte des Südwestens - Leben im Mittelalter | Spieldauer 40 Minuten | ARD/SWR | Stream & Info

 Hasankeyf geht unter - Der umstrittene Ilisu-Staudamm der Türkei | Spieldauer 29 Minuten | BR/ARD | Stream & Info

 Schatzsuche - Auf den Spuren verborgener Reichtümer | Spieldauer  Minuten | ARD/WDR | Stream & Info
Bei dem Inhalt dieser Kindersendung steht sicher manch Archäologe Kopf - aber nicht vor Freude 😁

 Zeitreise: Geschichte des Toilettengangs | Spieldauer 4 Minuten | ARD/WDR | Stream & Info 

 Bewahren oder Tilgen? Erinnerungskultur zwischen Gedächtnis und Ikonoklasmus | Spieldauer 76 Minuten | Youtube | Stream & Info

 Bremer Archäologen finden in Arsten Hunderte Jahre alte Gegenstände | Spieldauer 4 Minuten | RBB/ARD | Stream & Info

 Chaucer's Dagger - from artwork to craftwork | Spieldauer 8 Minuten | Youtube | Stream & Info
Wenns um mittelalterliche Blankwaffen im Living-History-Kontext geht, dann ist dieser Youtube-Kanal eines englischen Schmieds eine meiner liebsten Quellen im Internet. Der Herr hat auch zwei Online-Shops - ich habe dort selbst schon eingekauft und bin außerordentlich zufrieden gewesen.


 The Ancient Art Of Brickmaking - Impervious Building Blocks Handmade From The Earth | Spieldauer 8 Minuten | Youtube | Stream & Info
Der sympathischste und insgesamt beste Living-History-Kanal auf Youtube - meiner Meinung nach. Verglichen mit dem, was der öffentlich-rechtliche Rundgunk mitunter so an Geschichtsprogramm raushaut, handelt es sich hier insgesamt um ein absolutes Top-Programm. Man muss sich dabei vor Augen halten, mit welchen bescheidenen Mitteln diese Youtuber arbeiten und es trotzdem schaffen, dass das Endergebnis nicht nur informativ ist, sondern auch gut aussieht.


—————–

Montag, 31. August 2020

Krimskrams: Zurück -- Des Wahnsinns fette Beute! -- Von eigenartigen Löchern im Wald -- Ein großzügiger Leser

Zurück aus der Sommerpause
Impression aus einem Sommerurlaub | Keine Rechte vorbehalten, doch um die Nennung der Quelle wird gebeten; Hiltibold.Blogspot.com

100 Euro pro Gondelfahrt verlangt man in in der von mir nur vier Autostunden entfernten Serenissima. Bevor ich das bezahle, würde ich lieber versuchen, gefesselt durch diesen Kanal zu schwimmen. Venezianische Gondelunternehmen müssen allerdings in normalen Zeiten (die wir momentan nicht haben) wahre Goldgruben sein. Selbst wenn - wie das in Italien üblich ist - der Staat gewiss ordentlich mitkassiert.

Auf der anderen Seite gibt es dort natürlich auch normale Fährboote, die man allerdings mitunter völlig überlädt - auch jetzt, trotz totaler Tourismus-Flaute. Zwar spreche ich kaum Italienisch, aber das Geschimpfe einer Italienerin in Richtung Bootsführer wegen der Überladung konnte ich anhand der aufgeschnappten Wortfetzen dekodieren; auch die Leser dürfen daran gerne ihren Verstand üben: "trenta­cinque persone .... cinquanta persone .... Lampedusa!" 😂

Immerhin, man bekommt zurzeit hervorragende Hotelzimmer für den halben Preis nachgeschmissen (160 statt über 300 Euro pro Nächtigung); da ist dann sogar der Lokus mit einer Waschanlage für den verlängerten Rücken ausgestattet. Die sind halt froh, wenn wenigstens irgendwer bei ihnen übernachtet.


—————–

Des Wahnsinns fette Beute!

Graz im Sommer 2020: Rund 30 Grad Celsius Außentemperatur, nur geringfügig kühler ist es im Inneren des Busses - und was erspähe ich da?

Keine Rechte vorbehalten, doch um die Nennung der Quelle wird gebeten: HILTIBOLD.Blogspot.com

Warum trägt diese arme Frau statt zwei Masken, einem Gesichtsschirm, einer Sonnenbrille und einer Wollmütze nicht gleich einen ABC-Anzug? 😃
Darüberhinaus stellt sich mir die Frage, wieso eigentlich ausschließlich sogenannte "Maskenverweigerer" von Tourette-Journalisten als "Covidioten" bezeichnet werden, aber nicht auch solche von derselben Journaille offenbar hysterisierten Personen? Wenn schon pöbeln, dann ohne Bevorzugung.

—————–

Von eigenartigen Löchern im Wald

Während des Urlaubs war ich in der Natur unterwegs; Wald links, Felder rechts. Und da ich mich an das österreichische Denkmalschutzgesetz nur bedingt gebunden fühle, weil darin eine Passage vorkommt (zweiter Absatz), deren langjährige behördliche Interpretation nur auf dem Mist von schwindligen Personen ohne Realitätssinn gewachsen sein kann, ließ ich beim Joggen meinen rebellischen Blick über den Ackerboden schweifen, um eventuell archäologisch interessante Hinterlassenschaften aufzuspüren, die der Bauer frisch nach oben gepflügt haben könnte (ich vermute in der Gegend ein bisher noch nicht entdecktes, römisches Landgut von bescheidender Größe - siehe hier und hier).
Irgendwann sind mir eigenartige Löcher auf beiden Seiten des Wegs aufgefallen. Weil sich in ungefähr 400 Metern Entfernung keltische und römische Grabhügel befinden, kam mir der Gedanke, dass hier jemand mit seiner Metallsonde unterwegs gewesen ist.

Während ich noch darüber grübelte, sauste plötzlich 50 Meter vor mir ein großer dunkler Schatten aus dem Wald heraus. Ein dickes Wildschwein! Wenige Augenblicke später folgten vier weitere. Ich war ziemlich erschrocken und vor meinem geistigen Auge wurde ich bereits von den Tieren aufs Korn genommen und auf einen Baum gejagt (nie hat man seine frühmittelalterliche Flügellanze - die ja einem Sauspieß nicht unähnlich ist - mit dabei, wenn man sie braucht). Gleichzeitig begann ich zu erahnen, wer die Löcher im weichen Boden zu verantworten hatte. Und tatsächlich, bei genauerer Betrachtung ist da nicht mit einem Spaten gegraben, sondern bloß tief gewühlt worden.

Die Borstentiere haben mich glücklicherweise ignoriert und sind querfeldein mit Getöse in einen Maisacker davongesprintet. Da bin ich noch einmal mit dem Leben davongekommen ...

—————–

Post von einer Journalistin

Eine Journalistin, die hauptsächlich für den Onlinebereich einer in Süddeutschland beheimateten Tageszeitung arbeitet, hatte mich privat angeschrieben. Sie mag mein Blog, aber mit meiner Kritik an einem bestimmten Mittelalterbaustelle ist sie nicht ganz einverstanden, ließ sie mich wissen. Wir haben das dann gesittet diskutiert und dabei unsere Standpunkte klar gemacht.

Am Rande zur Sprache brachte ich dabei, dass ihr Arbeitgeber immer mehr Artikel - auch solche über die besagte Mittelalterbaustelle - hinter Bezahlschranken versteckt. Ja, schrieb sie, das würde ihr auch nicht gefallen. Die Aufrufzahlen vieler ihrer Texte gingen dadurch drastisch zurück. Waren es zuvor einige Tausend in der ersten Woche, so sind es jetzt oft nicht einmal mehr hundert! Einer ihrer Kollegen, der zuvor für ein Konkurrenzblatt gearbeitet hat, erklärte ihr, dass die Lage dort nicht besser sei.

Die Zeitungen haben fertig. Die Idee, die zerrinnenden Abo-Zahlen aus dem Print mit einem Online-Bezahlangebot ausgleichen zu können, war von Anfang an illusorisch (das geht höchstens in Nischenbereichen). Deshalb plärren die Herausgeber auch zunehmend nach Staatsknete. Der Beruf des Journalisten wird so immer mehr zu einer reinen Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. 

—————–

Ein sehr großzügiger Leser

Kürzlich hat mir ein Blogleser der ersten Stunde eine E-Mail geschickt. Darin erzählte er mir, dass er seine im Zeitraum von 26 Jahren zusammengetragene Sammlung an Reproduktionen von antiken Waffen und -Rüstungsteilen teilweise auflöst. Ob ich vielleicht Interesse daran habe, wollte er wissen. Er schickte mir dazu gleich ein paar Fotos samt Infos zu Stücken der Römischen Republik - weil er wusste, dass das meine Lieblingszeit ist.
Ich schrieb zurück, dass mir der von einem französischen Schmied handgefertigte Montefortino-Helm (2. -1. Jh. v. Chr.) mit Helmbusch aus Pferdehaar sehr gut gefällt und was er denn dafür haben will. 
Nichts verlangt er, lautete die überraschende Antwort. Ich soll den Helm einfach als Dankeschön für meine Bloggerei betrachten. Ganz besonders "für das unermüdliche Kritisieren archäologischer Politisierer und staatlich besoldeter Klosterwürste". Wer hier mit "Klosterwürste" wohl gemeint ist? Ich habe nicht die geringste Ahnung 😄

Einerseits hat mich diese Anerkennung sehr gefreut, andererseits bereitete es mir Schwierigkeiten, ein so großzügiges Geschenk anzunehmen - der Helm ist schließlich mehrere Hunderter Wert. Aber der Leser bestand darauf und hat ihn mittlerweile schon auf die Reise zu mir geschickt. Vielen Dank dafür auch noch einmal an dieser Stelle, bei Gelegenheit werde ich das Stück hier im Blog vorstellen.

—————–



Freitag, 31. Juli 2020

🌞 Hiltibold has left the building! 🌴

Ich brause nun - wie jedes Jahr um diese Zeit - mit Vollgas in die Sommerpause. Endlich werde ich dazu kommen, einige interessante Bücher zu lesen, die ich teilweise schon viele Monate lang im Regal stehen habe:
Außerdem werde ich eine umfangreiche und für die Blogleser hoffentlich unterhaltsame Besprechung der im Vorjahr veröffentlichten Kino-Doku über die Mittelalterbaustelle Campus Galli schreiben 😊. Besagte Doku kann übrigens mittlerweile von Amazon-Prime-Mitgliedern kostenlos angesehen werden (gut, dass ich so lange gewartet habe...).

Anfang September geht es dann hier wieder weiter. Bis dahin wünsche ich allen einen erholsamen, vollentspannten Rest-Sommer!