Donnerstag, 23. Mai 2024

📽️ Videos: Auf der Suche nach der heiligen Vorhaut -- Der Pergamonaltar, Weltwunder im Museum -- Tutanchamun, Neues aus dem Grab -- Arbeitsalltag einer Archäologin -- Das Steinzeit-Menü -- usw.


 Auf der Suche nach der heiligen Vorhaut | Spieldauer 45 Minuten | MDR | Stream & Info
Pffffhh..., mit nichts hat sich die Katholische Kirche im Laufe vieler Jahrhunderte lächerlicher gemacht als mit dem völlig überschießenden Reliquienkult. Luther war dagegen, kurioserweise wurden dann aber auch einige seiner eigenen Hinterlassenschaften von den Protestanten wie Reliquien verehrt...  Und vergessen wir nicht, dass auch heute manch persönlicher Gegenstand eines verblichenen Promis Menschen dazu verleitet, Unsummen dafür auszugeben. Geistig so viel weiter als die Menschen des Mittelalters sind wir demnach auch nicht. ^^

 Der Pergamonaltar - Weltwunder im Museum | Spieldauer 52 Minuten | arte | Stream & Info 

 Ships at Sea in the Northern Negev? | Spieldauer 2 Minuten | Israel Antiquities Authority | Stream & Info 



 Rediscover lost imperial villas in Rome | Spieldauer 9 Minuten | Ancient Rome Live | Stream & Info



 Jahrhundertealter Friedhof: Das liegt alles auf dem Grund des Bodensees | Spieldauer 2 Minuten | SWR | Stream & Info
Zum Video nach unten scrollen.

 Tutanchamun - Neues aus dem Grab | Spieldauer 91 Minuten | arte | Stream & Info

 Das Steinzeit-Menü: Als Homo sapiens zum Bauern wurde | Spieldauer 52 Minuten | arte | Stream & Info

 Brügge musikalisch: Locke, Purcell & Haydn | Spieldauer 43 Minuten | arte | Stream & Info 
Sehr schöne musikalische Untermalung mit Alter Musik. Unter dem Video findet man in einem Menü übrigens die Titel der einzelnen Stücke mit dem entsprechenden Timecode. Da hat jemand im Sinne des Sehers mitgedacht!

 Arbeitsalltag einer Archäologin | Spieldauer 11 Minuten | ARD | Stream & Info
"Das sind menschliche Knochen und da muss man schon pietätvoll mit umgehen." Bei dieser in Teilen Deutschlands beliebten  Wortstellung rollt es mir jedes Mal die Zehennägel auf 😁. So richtig stört mich aber diese Pietätsheuchelei. Ich meine, bei der Grabung selbst reden Archäologen von Pietät, aber später werden dann die Knochen in Vitrinen den 'lüsternen' Blicken der nach Grusel gierenden Massen präsentiert. Liebe Archäologen, lasst doch bitte - pardon - diesen Scheiß. Die Sache mit der Pietät nimmt euch doch eh niemand ab. Und sie ist auch überflüssig, zumindest bei Knochen, deren ursprünglichen Besitzer heute niemand mehr persönlich gekannt hat.


Dienstag, 21. Mai 2024

⚒️ Eine pensionierte Lehrerin soll die finanziell angeschlagene Mittelalterbaustelle "Campus Galli" retten ...

Kürzlich habe ich eine ausführliche Kritik über die im baden-württembergischen Meßkirch beheimatete Mittelalterbaustelle Campus Galli geschrieben und wollte das Thema bis zum Jahresende eigentlich nicht mehr aufgreifen. Doch wie sich nun herausgestellt hat, wurde zwischenzeitlich eine neue Vorsitzende des Trägervereins gewählt bzw. installiert. Die pensionierte Lehrerin Uta Mahler-Kraus ersetzt den Ex-Metallbauunternehmer Anton Oschwald. Das Lokalblatt "Südkurier" hat aus diesem Anlass einen längeren Artikel veröffentlicht.
Wenn man nach der Dame googelt, dann wird rasch ersichtlich, dass sie einige Erfahrung aus anderen Vereinen mitbringt, in denen sie ehrenamtlich tätig war. Das ist erst mal positiv. Jedoch ...

Zur Vorsitzenden sei sie wohl auch gewählt worden, weil sie Projekte erfolgreich umsetzen könne, sagte Uta Mahler-Kraus im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

Was mit "erfolgreich umsetzen" konkret gemeint ist, wird nicht erklärt. Wie sehen die Pläne der neuen Vorsitzenden aus? Darf man vermuten, dass es vor allem darauf hinausläuft, auch weiterhin möglichst viel Steuergeld abzugreifen, damit dieser dysfunktionale (Saft-)Laden nicht pleite geht?
Im Vorjahr wurde von der lokalen Politik (wieder einmal) ein Hilfspaket für den Campus Galli auf Schienen gebracht. Ob seitens der politischen 'Suggar-Daddies' eine der Bedingungen dafür war, dass der erfolglose Vereinsvorsitzende Oschwald nach rund einem Jahrzehnt endlich seinen Hut nehmen muss? Der Südkurier verliert über die Gründe seines Abgangs jedenfalls kein einziges Wort. Was schon merkwürdig ist, hat man dem Herrn in der Vergangenheit doch ganze Reportagen gewidmet. Und jetzt heuchelt man nicht einmal mehr Dankbarkeit...

Die neue Vorsitzende des Trägervereins führt im Schnitt drei- bis viermal pro Woche Gruppen über die Mittelalterbaustelle. 

Dann weiß sie ja sogar aus ganz persönlicher Erfahrung, dass viel zu wenige Besucher kommen, um das Projekt kostendeckend betreiben zu können.

Auch Uta Mahler-Kraus gestaltet ihre Führungen so, dass jeder die Inhalte sofort verstehen kann. Und auch das Thema Nachhaltigkeit schneidet sie dabei an – denn im Mittelalter wurde kaum etwas weggeworfen. 

Spitze. Gleich mal ein Buzzword aus dem Repertoire des Ökologismus rausgepfeffert, ohne sich groß um die historische Realität zu kümmern. In Wirklichkeit war es natürlich so, dass man auch im Mittelalter in vielen Bereichen nicht sehr "nachhaltig" gewirtschaftet hat. Oder warum wohl sind gerade in dieser Zeit etliche Tierarten völlig oder nahezu ausgerottet worden? Es hat beispielsweise seine Gründe, dass schon seit vielen Jahrhunderten keine Auerochsen mehr durch die Pampa traben. Und der landwirtschaftliche Flächenverbrauch war aufgrund vergleichsweise ineffektiver Bewirtschaftungsformen dermaßen groß, dass weit ausgedehnte Urwälder gerodet werden mussten. Das Mittelalter war eben kein "nachhaltiges" Öko-Paradies, nur weil man damals noch keinen bösen Verbrennungsmotor und industrielle Fertigungsstraßen kannte.

Uta Mahler-Kraus ist fest davon überzeugt, dass das Konzept des Campus Galli weiter aufgehen wird. 

Muahahaha, "WEITER AUFGEHEN"!? Ja wo ist es denn bisher aufgegangen? Dieses Projekt verschluckt Steuergeld aggressiver als es ein Schwarzes Loch imstande wäre! Frau Mahler-Kraus hat wirklich Humor! Oder besser gesagt: Der Dame ist es anscheinend ziemlich wurscht, dass der Steuerzahler seit über einem Jahrzehnt wegen ihrem Hobby brennen muss wie ein Luster. Eine ziemlich egoistische Grundhaltung, die sie freilich mit den restlichen Mittelalter-Dilettanten des Campus Galli teilt.
Ich habe mich erst vor wenigen Monaten mit einer Heimatforscherin und Archäologin aus der Region unterhalten. Sie hat sich bitterlich beklagt, dass die sorgfältige wissenschaftliche Erkundung einer bedeutenden bronzezeitlichen Stätte, die historisch bahnbrechende Entdeckungen beinhalten dürfte, seit vielen Jahren nicht möglich ist, weil das Bundesland Baden-Württemberg dafür kein Geld übrig hat. Ein Blick auf den Campus Galli zeigt nun, wo die vorhandenen Finanzmittel stattdessen versickern. 

Nach wie vor locke diese touristische Attraktion Menschen in die Region. Der Campus habe auch positive Auswirkungen auf die regionalen gastronomischen Betriebe wie auch auf Beherbergungsunternehmen. Eltern von jungen Leuten, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) auf dem Campus absolvierten, würden beispielsweise oftmals in der Gegend übernachten. 

Alles nur heiße Luft. Sicher, es gibt immer vereinzelt Hanseln, die von so etwas finanziell profitieren. Die reingebutterten Steuergeld-Millionen löst sich ja nicht in Luft auf. Aber ob dadurch ein breiter und langfristiger gesamtgesellschaftlicher Nutzen entsteht, statt bloß einigen wenigen Profiteuren die Taschen voll zu machen, steht auf einem völlig anderen Blatt. 
Bereits in der eingangs verlinkten Kritik habe ich darauf hingewiesen, dass es noch keine einzige seriöse bzw. umfangreiche Kosten-Nutzen-Evaluierung gegeben hat, sich aber - und das ist sehr beredt - Nachbargemeinden von Meßkirch weigern, auch nur einen Cent in das Projekt und seine dazugehörende Infrastruktur zu investieren; trotz einschlägiger Begehren seitens der Standortgemeinde Meßkirch. Was wirklich nicht dafür spricht, dass die Ortspolitiker der Umgebung im Campus Galli eine nennenswerte touristische Triebfeder für die Region sehen. 

Sehr gefreut hat sich die neue Vorsitzende des Trägervereins, dass bereits am Ostersonntag, dem zweiten Öffnungstag in dieser Saison, mehr als 1000 Besucherinnen und Besucher auf den Campus kamen. 

Die Freude sei ihr gegönnt. Aber kann das Projekt am Saisonende deshalb aus der Verlustzone kommen? Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht. Stattdessen wird man, wie jedes Jahr, mit den üblichen Ausreden in den Medien hausieren gehen. Entweder war es zu heiß und zu trocken oder zu kalt und zu regnerisch. Es ist immer die gleiche Leier. Passenderweise heißt es am Ende des Artikels:

Finanziert wird die Baustelle über Einnahmen aus Eintritten, Spenden, Fördergelder sowie zu einem noch großen Teil über die Stadt Meßkirch. Im Jahr 2023 lag deren Anteil bei rund 300.000 Euro. Ziel ist es, dass sich der Campus einmal selber trägt.

Dieses sogenannte "Ziel" verfolgt man angeblich seit 2013. Und es wurde jedes Jahr verfehlt. 2024 wird es wohl nicht anders sein. Daran kann auch die pensionierte Lehrerin Uta Mahler-Kraus kaum etwas ändern. Sofern sie das überhaupt ernsthaft möchte. Denn wie die elfjährige Erfahrung den Campus-Galli-Betreibern gezeigt hat, kann man sich auch auf Kosten des Steuerzahlers recht kommod durchwursteln. 

Und zum Schluss noch eine Anmerkung. Der Campus Galli hat, wie ich festgestellt habe, zwar schon seit mindestens rund zwei Monaten mit Uta Mahler-Kraus eine neue Vorsitzende, aber bisher hat sich niemand bemüßigt gefühlt, das Impressum der Website entsprechend zu ändern. Genau aus diesem Grund bin ich übrigens in meiner am 24. April veröffentlichten Kritik fälschlich davon ausgegangen, Anton Oschwald wäre noch der Boss. Auch mit dem im Impressum angegebenen Namen des Trägerverins - "Karolingische Klosterstadt e. V." scheint etwas nicht zu stimmen. Denn Hannes Napierala, der Geschäftsführer des Campus Galli, hat ganz aktuell in dem von ihm verfassten Begleitheft zum Projekt die Bezeichnung "Karolingische Klosterstadt Meßkirch e. V." verwendet. Was stimmt denn nun?

Zitierte Quelle: https://www.campus-galli.de/impressum

An Beispielen wie diesen erkennt man die an allen Ecken und Enden anzutreffende Schludrigkeit der Projektbetreiber. Der Laden wird nicht wie ein professionelles mittelständisches Unternehmen geführt, sondern wie ein Hobby. Die können froh sein, dass sie deshalb noch keiner dieser einschlägigen Winkeladvokaten angerempelt hat, die im Internet ihr Unwesen treiben.

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Sonntag, 19. Mai 2024

🎧 Hörbares: Hitler-Käfer und Mussolini-Falter -- Elephantine, 4000 Jahre Kulturgeschichte im Nil -- Historischer Rückblick auf den Feminismus birgt Überraschungen -- Das Museum als Ort der Macht -- usw.


 Warum der Hitler-Käfer seinen Namen behalten darf... | Spieldauer 2 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download
Hitler-Käfer und Mussolini-Falter 😂. 

 Stadtleben früher - Nürnberg im Mittelalter | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Elephantine – 4000 Jahre Kulturgeschichte im Nil | Spieldauer 7 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Das Museum - Ein Ort der Macht | Spieldauer 24 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Peter J. Brenner: Immanuel Kant – Die Herrschaft der Vernunft | Spieldauer 54 Minuten | Kontrafunk | Stream & Info | Direkter Download

 Ikone der Evolution: Das Primatenfossil "Ida" | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 Sie beeindruckte Mozart: Die blinde Pianistin Maria Theresia Paradis | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 Bernhard Lassahn: Rückblick auf den Feminismus | Spieldauer 56 Minuten | Kontrafunk | Stream & Info | Direkter Download
Hier überrascht doch einiges. Etwa was die wahren Beweggründe und Ziele der Vorkämpfer des Frauenwahlrechts waren....

 Die Pest in Oberammergau - Von der Seuche zum Passionsspiel | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download


Samstag, 18. Mai 2024

📽️ Videos: Die Baumringanalyse -- Das mittelalterliche Modelldorf Steinrode -- Steinzeitmensch in Niederbayern entdeckt -- Archäologische Entdeckung in Mexiko -- usw.


 Science Talk: Das erzählt die Baumringanalyse über das Klima und Geschichte | Spieldauer 30 Minuten | SWR | Stream & Info 

 Schätze aus der Unterwelt: Entdeckung in Mexiko | Spieldauer 51 Minuten | arte | Stream & Info 

 Mittelalter pur: Freienfelser Ritterspiele | Spieldauer 27 Minuten | HR | Stream & Info 
Furchtbar 😁.

 Mein Lieblingsplatz: Mittelalterliches Modelldorf Steinrode | Spieldauer 4 Minuten | NDR | Stream & Info 
Wie schön, gleich zu Beginn sieht man einen Edelstahlgrillrost, der schreit geradezu "Authentizität"! Schlicht Faulheit oder den Vorschriften des Korinthenkackerstaats geschuldet? 
 
 Kleiderordnung im Mittelalter | Spieldauer 1 Minute | ZDF | Stream & Info 
Was für eine Volksverblödung! 1000 Jahre Mittelalter werden in 45 Sekunden nur auf wenige Beispiele des Hoch- und Spätmittelalters reduziert. Wie kann man so ein wertloses Format kreieren? Hier werden im TikTok-Stil Clips erstellt, für die selbst schon die Bezeichnung "oberflächlich" ein ungerechtfertigtes Lob darstellen würde! Sind beim öffentlich-schlechtlichen Dummfunk nur noch intellektuelle Gartenzwerge am Werk? 

 In den Fängen der Wikinger | Spieldauer 53 Minuten | arte | Stream & Info 

 Steinzeitmensch in Niederbayern entdeckt | Spieldauer 2 Minuten | BR | Stream & Info 

 1958: Archäologie aus der Luft | Spieldauer 4 Minuten | SWR | Stream & Info


Dienstag, 14. Mai 2024

⚕️ Eine bemerkenswerte Vorhersage: War die Existenz von Viren und Bakterien schon in der Antike bekannt?


Es waren Forscherpioniere wie Robert Koch, Louis Pasteur sowie Dimitri Ivanowski, die im 19. Jahrhundert nicht nur Bakterien und Viren entdeckten, sondern sie auch als Erreger von Krankheiten identifizierten. Unverzichtbar war dabei für diese Wissenschaftler das moderne Mikroskop, welches wahrscheinlich im späten 16. Jahrhundert erfunden wurde. Allerdings war der optische Vergrößerungseffekt, den Linsen hervorrufen können, den Menschen schon lange vorher bekannt. Ist er doch selbst bei Wassertropfen beobachtbar. Freilich, damit virologische bzw. bakteriologische Forschung zu betreiben ist nicht möglich.
Dieser Umstand hielt allerdings schon vor Jahrtausenden Mediziner und Philosophen nicht davon ab, entsprechende wissenschaftliche Thesen aufzustellen, die sich im Nachhinein als erstaunlich zutreffend erwiesen haben. Beispielsweise meinte Aulus Cornelius Celsus um die Zeitenwende, es komme häufig vor "dass Krankheiten in unseren Körper eindringen" (Celsus | De medicina, Prooemium 1-3 | in Celsus und die Antike Wissenschaft | De Gruyter, 2019). Vielleicht noch klarsichtiger hört es sich beim im 1. Jh. v. Chr. lebenden Marcus Terentius Varro an: 

Man muss auch darauf achten, ob es da womöglich ein paar sumpfige Stellen gibt, und zwar deshalb, weil dort manche Tierchen leben, die man mit den Augen nicht verfolgen kann, die aber mit der Luft durch den Mund und die Nase in den Körper gelangen und zu schweren Krankheiten führen...
Varro | Re Rustica 1,12 | in Celsus und die Antike Wissenschaft | De Gruyter, 2019

Etwa Moskitos, die damals schon Malaria übertrugen, waren damit sicher nicht gemeint - konnten sie doch leicht gesehen werden und waren darüber hinaus noch nicht als Krankheitsüberträger identifiziert worden. Auch andere kleine, aber doch noch erkennbare Insekten können wohl ausgeschlossen werden. Nein, Varro beschreibt hier eindeutig die mutmaßliche Existenz von quasi unsichtbaren Erregern, die wir heute als Bakterien und Viren bezeichnen würden. Der Autor wendet sich damit vom Volksglauben ab, Dämonen oder Götter würden die Menschen mit Krankheiten heimsuchen. 

Es ist übrigens durchaus vorstellbar, dass die bereits damals angenommene Existenz solcher nicht mehr mit dem freien Auge erkennbarer "Tierchen" auf Beobachtungen des Linseneffekts beruhte, den, wie oben schon erwähnt, Wassertropfen verursachen. Damit wird man zwar keine Viren und Bakterien gesehen haben, aber doch Lebewesen, deren Anwesenheit einem anderenfalls leicht entgehen können, wie etwa kleinste Wasserflöhe (ich spreche hier aus persönlicher Erfahrung). Hinzu kommt, dass es sowohl schriftliche wie auch archäologische Belege für die Existenz primitiver Linsen aus Edelsteinen, Bergkristall sowie Glas gibt, die bereits in der Antike verwendet wurden. Leider scheint eine technische Weiterentwicklung nicht stattgefunden zu haben. Und falls doch, dann fand das entsprechende Wissen offenbar keine nennenswerte Verbreitung.

An dieser Stelle muss konsequenterweise auch die Frage gestellt werden, ob nicht ebenfalls das u.a. von Leukippos im 5. Jh. v. Chr. postulierte "Atom", als kleinster bzw. nicht weiter teilbarer Bestandteil aller Materie, auf solchen praktischen Erfahrungen beruhte. Schließlich konnte man mittels Linsen erkennen, dass es Strukturen jenseits dessen gab, was das Menschliche Auge normalerweise zu sehen imstande war. Und ja, auch das sogenannte Atom kann natürlich noch weiter zerlegt werden, wie wir heute wissen; hier haben allerdings schlicht und ergreifend moderne Forscher den Begriff vorschnell vergeben; somit ist es nicht die Schuld der antiken Denker 😉. Denen man aber vorwerfen kann, dass sie zu oft lieber theoretisierten, anstatt es mit Empire zu versuchen. Doch wie die beiden obigen Beispiele mit dem Atom und vor allem den Krankheitserregern nahelegen, stand natürlich auch am Beginn vieler Theorien eine ganz banale Beobachtung.

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Sonntag, 12. Mai 2024

🎧 Hörbares: Kommen die Mammuts zurück? -- Korbinian und die Christianisierung Bayerns -- Rungholt, das Atlantis der Nordsee -- Die Felsenstadt Petra -- usw.


 Kommen die Mammuts zurück? - Wiederbelebte Giganten | Spieldauer 14 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Missionar und Bärenzähmer - Korbinian und die Christianisierung Bayerns | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Nach dem Dreißigjährigen Krieg - Wiederaufbau in Augsburg | Spieldauer 20 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Sternzeit: Assuan und der Umfang der Erdkugel | Spieldauer 3 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Die "Perle Allahs": 93 Millionen für ein Stückchen Kalk | Spieldauer 15 Minuten | WDR |  Direkter Download
"Leibnitz-Institut für die Analyse des Biodiversitätswandels" .... pfffffhhh. Das dürfte wieder so ein Laden sein, der massiv mit Klima-Staatsknete druckbetankt wird. Man muss sich nur deren Zielsetzung ansehen. Da geht es primär darum, den Menschen als zentralen Öko-Oberschurken zu identifizieren. Nach ergebnisoffener Forschung sieht mir das nicht aus, sondern nach politischer Auftragsarbeit und anthropozentristischer Hybris.

 Versunkene Orte - Rungholt, das Atlantis der Nordsee | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Altes Arabien - Die Nabatäer und die Felsenstadt Petra | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Altes Arabien - Frühzeitlicher Fernhandel | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download


Freitag, 10. Mai 2024

📽️ Videos: Jahrtausende alter Einbaum im Bodensee -- Ein Tag als Wikinger -- Geheimnisse antiker Vasen -- Warum ein Historiker römische Schiffe nachbaut -- usw.


 Jahrtausende alter Einbaum - Der Schatz im Bodensee | Spieldauer 15 Minuten | SWR | Stream & Info

 Campus Talks: Röntgen 2.0 - Geheimnisse griechischer Vasen | Spieldauer 30 Minuten | ARD Alpha | Stream & Info

 Science Talk: Experimentelle Archäologie – Warum ein Historiker römische Schiffe nachbaut | Spieldauer 30 Minuten | SWR | Stream & Info 

 Hamburg im Mittelalter: Die Hansestadt als Bierhauptstadt Europas | Spieldauer 4 Minuten | NDR | Stream & Info | Direkter Download

 Der schiefste Turm der Welt steht in Deutschland | Spieldauer 6 Minuten | SWR | Stream & Info 
Ich habe mal in der Nähe von Wilhelmshaven in einem Einfamilienhaus gewohnt, das eine vergleichbare Schräglage hatte. Dort hat sich das Fundament auf einer Seite über einen Zeitraum von 20 Jahren stark gesetzt. Wegen dem sandigen Untergrund, hieß es damals. Am Mauerwerk waren allerdings keine nennenswerten Schäden zu sehen und man konnte ganz normal in dem Haus wohnen...

 Königsteiner Ritter rüsten sich fürs Turnier | Spieldauer 3 Minuten | hr | Stream & Info
Diese Mittelaltermarkt-Leute sind schon ein spezielles Völkchen 😄

 Living History: Ein Tag als Wikinger | Spieldauer 5 Minuten | ZDF | Stream & Info 
Ein selten blödes, völlig unpassendes Thumbnail-Bild fürs Video. Da hat der Praktikant offenbar keine Ahnung vom Thema gehabt.


Dienstag, 7. Mai 2024

🔱 Tarnen und Täuschen im antiken Seekrieg: Sieben Beispiele


Es ist heute allgemein üblich, dass Schiffe mit Schiffsnamen, Hoheitszeichen, speziellen Bemalungen und unter Umständen auch mit Kennnummern versehen werden. Doch wie lange gibt es dergleichen schon? Die etwas überraschende Antwort: Seit Jahrtausenden! Gerade im militärischen Bereich war es schon früh sinnvoll, etwa die Schiffe von größeren Flottenverbänden zu kennzeichnen, damit es in der Hitze des Gefechts nicht zu Verwechslungen kam; etwas, das umgekehrt ein schlauer Fuchs natürlich auch zum eigenen Vorteil ausnutzen konnte! Darüber hinaus wurden die Schiffsrümpfe sogar als Flächen für Propagandaslogans benutzt. In einschlägigen modernen Darstellungen der antiken Schifffahrt fehlen diese Aspekte fast immer. Was durchaus verständlich ist, denn die alten Originalquellen sind diesbezüglich nicht gerade auskunftsfreudig bzw. bleiben hinsichtlich der Beschreibungen meist nur sehr vage. Hier nun trotzdem einige von mir ausgewählte Beispiele, die aus dem antiken Werk "Strategika" stammen. Verfasst wurde diese umfangreiche Sammlung origineller militärischer Kniffe und Anekdoten wahrscheinlich im Jahr 161 n. Chr. vom makedonischen Rhetor Polyainos. In militärhistorischer Hinsicht ist "Strategika" eine immens nützliche Quelle (meine Rezension). 

Um in Chios diejenigen, die es mit den Lakedaimoniern (=Spartanern) hielten, zu überführen, befahl Iphikrates einigen Triërarchoi (=Kapitäne größerer Ruderkriegsschiffe), nachts auszulaufen und nach Tagesanbruch mit lakonischen (spartanischen) Schiffszeichen heranzufahren. Als dies die lakonisch Gesinnten sahen, liefen sie voller Freude in den Hafen; er aber umzingelte sie mit denen, die von der Stadt her anrückten, nahm sie fest und übersandte sie den Athenern zur Bestrafung.
Buch 3 9.58

Wie solche "Schiffszeichen" im Detail ausgesehen haben, ist heute leider nicht mehr so einfach herauszufinden. Denkbar sind Fahnen/Wimpel, starre Standarten, speziell gemusterte Segel, Rumpfbemalungen usw. Zum Teil wird das noch in den weiteren Beispielen aus der "Strategika" zur Sprache kommen. Vorher aber ein kleiner Einschub aus einer anderen Quelle. Auch der antike Geschichtsschreiber Herodot von Halikarnassos erwähnt nämlich Schiffszeichen. Die Beschreibung erinnert an das, was wir heute "Galionsfiguren" nennen. Im Zusammenhang mit einem verhaltensauffälligen Perserkönig, der sich in Ägypten gehörig daneben benommen hat, heißt es im Geschichtswerk "Historien" folgendermaßen: 

Kambyses verübte noch viele solche Taten des Wahnsinns, sowohl gegen die Perser als auch gegen die Bundesgenossen; dabei blieb er in Memphis, ließ alte Gräber öffnen und betrachtete die Leichname. So kam er auch in das Heiligtum des Hephaistos (=Tempel des Ptah) und machte sich massiv über das Götterbild lustig. Dieses Bild des Hephaistos gleicht nämlich sehr den phönizischen Pataikosfiguren, die die Phönizier am Bug ihrer Triëren mit sich führen. Wer diese nicht gesehen hat, dem will ich sie beschreiben: Es ist die Nachbildung eines Zwerges
Buch 3 37,1-2

Wiederum Polyainos schreibt von Schiffsverzierungen unbestimmter Art, die offenbar sehr typisch für die jeweiligen Kriegsparteien gewesen sind. Und zwar so typisch, dass sie diese Täuschung überhaupt erst möglich machten. Anderenfalls wäre der Gegner wesentlich weniger leichtgläubig gewesen.

Als Aristomachos den Kardianern einige Triëren abgenommen hatte, brachte er seine Ruderer in sie hinein, schmückte sie mit den Verzierungen seiner eigenen Schiffe, nahm diese ins Schlepptau und fuhr unter Flötenspiel ab (und auf Kardia zu). Als er abends spät dort ankam, liefen die Kardianer zu den Schiffen hinaus, weil sie meinten, es seien die ihrigen, die als Sieger zurückkehren. Aristomachos stieg aber mit seinen Leuten an Land und tötete viele der Kardianer.
Buch 5 41,1

Auch das folgende Beispiel, in dem von einem Signalzeichen die Rede ist, bleibt leider viel zu unkonkret, um sichere Rückschlüsse hinsichtlich des Aussehens ziehen zu können. Da das Zeichen eingezogen werden konnte, darf man vermuten, dass es sich vielleicht um eine Fahne handelte. Aber sicher kann man sich hierbei nicht sein.

Als Chabrias bei Naxos gerade eine Seeschlacht gegen Pollis schlagen wollte, gab er den Triërarchoi den Befehl, falls sie der feindlichen Macht im Kampf gewachsen wären, die Signalzeichen ihrer Schiffe heimlich einzuziehen und die feindlichen dann daran zu erkennen, dass sie Zeichen hätten. So wussten die Steuerleute des Pollis, als sie der Flotte der Athener begegneten, nicht, woran sie waren, weil diese nicht das attische Zeichen führten. Die Schiffe der Athener aber überraschten sie und machten auf die mit Zeichen versehenen Schiffe einen doppelten Angriff (da ein Teil der lakonischen Flotte schon an der athenischen vorbeigefahren war und nun auch von hinten angegriffen wurde).
Buch 3 11,11

Im Zusammenhang mit der Herrscherin Artemisia I. von Halikarnassos wird eine von ihr offenbar wiederholt verwendete List erwähnt, in der es ebenfalls ganz zentral um die Kennzeichnung von antiken Kriegsschiffen geht. Ihre auch heute noch relative Bekanntheit verdankt sie genau dieser List. 

Artemisia kämpfte in der Seeschlacht bei Salamis mit (bzw. an der Seite von) Xerxes. Es verfolgten die Griechen die fliehenden Perser. Als sie schon nahe daran war, eingeholt zu werden, ließ sie durch ihre Matrosen die persischen Zeichen auf ihrem Schiff abnehmen und befahl dem Steuermann, das persische Schiff anzufallen, das vor ihnen herfahre. Als die Griechen dies sahen, meinten sie, das Schiff der Artemisia sei eines der Schiffe ihrer Verbündeten, ließen von dessen Verfolgung ab und wandten sich gegen andere. Artemisia entkam so der drohenden Gefahr und fuhr nach Karien zurück.
Buch 8 53,1

Artemisia hatte als Triërarchos nicht bloß das Zeichen der Barbaren, sondern auch das der Griechen bei sich. Wenn sie ein griechisches Schiff verfolgte, steckte sie das barbarische Zeichen auf, das griechische aber, wenn sie von einem griechischen Schiff verfolgt wurde, damit die Verfolger ihr Schiff für ein griechisches hielten und von ihr abließen.
Buch 8 53,2

Kleopatra sollte es Artemisia übrigens hunderte Jahre später in gewisser Weise nachmachen, als sie im Rahmen der legendären Seeschlacht von Actium das Weite suchte. Wobei Kleopatra dabei nicht ganz so skrupellos vorging wie Artemisia bei Salamis. 

Wie die nächste Überlieferung zeigt, konnten Schiffe/Flotten offenbar sehr spezifisch bemalt sein, was eine Unterscheidung der Kriegsparteien erheblich erleichtert haben dürfte. Wobei sich hier die Frage stellt, ob die jeweiligen Anstriche eine lange Tradition hatten oder gar nur auf  kurzfristigen Entscheidungen beruhten, um eben genau die besagte Unterscheidbarkeit im Krieg zu erreichen, während in Friedenszeiten vielleicht kein Bedarf dafür bestand.

Der Steuermann Nikon von Samos ließ, um unbemerkt an feindlichen Schiffen vorbeizukommen, die in seiner Nähe vor Anker lagen, sein Schiff auf die gleiche Weise anstreichen wie die Schiffe der Feinde, setzte dann die tüchtigsten und kräftigsten Ruderer an den Rudern ein und fuhr vorne an den feindlichen Schiffen vorbei, als wäre er mit deren Mannschaft befreundet. Als er an allen bis zum letzten vorbeigefahren war, steuerte er zum Erstaunen und zur Verwunderung der Feinde seewärts. Erst dann wurde er als Feind erkannt, als es nicht mehr möglich war, ihn einzuholen.
Buch 5 34,1

Eine wirklich äußerst interessante Maßnahme ist die folgende: Die in den persischen Militärdienst gepressten Griechen, welche an der Küste Ioniens (westliche Mittelmeerküste der Türkei) lebten, wurden mittels sicher sehr großformatig aufgemalten Slogans (damit sie auch aus der Ferne gut erkennbar sind) quasi zur Meuterei aufgerufen. 

Da Ionier in der Flotte des (Perserkönigs) Xerxes mitkämpften, befahl Themistokles den Hellenen, auf die Seitenwände der Schiffe zu schreiben: "Männer aus Ionien, ihr tut nicht recht, dass ihr gegen eure Väter in den Krieg zieht." Als dies zu lesen war, vertraute der (Perser-)König den Ioniern nicht mehr.
Buch 1 30,7

Das unter den Persern gesäte Misstrauen war übrigens berechtigt, denn die weiter oben erwähnte, bei Salamis nicht gerade verlässlich agierende Artemisia war genau so eine Ionierin, die ursprünglich genötigt worden war, sich bzw. ihre Untertanen den Persern für den Kriegseinsatz auf dem Meer zur Verfügung zu stellen.  

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Sonntag, 5. Mai 2024

🎧 Hörbares: Die "Edda" als Ursprung germanischer Göttersagen -- Ist Schneewittchen doch kein Märchen? -- Zauberspruch und Minnesang -- Die Varus-Schlacht -- usw.


 Nordische Mythologie - Die "Edda" als Ursprung germanischer Göttersagen | Spieldauer 39 Minuten | ARD | Stream & Info | Direkter Download
Anmerkung zum Bild: Wenn ich der KI sage, sie soll mir die in der nordischen Mythologie vorkommende Walküre (Valkyrie) zeichnen, dann bekomme ich so ein doofes Ergebnis präsentiert. Z.B. die Kopfbedeckung ist eine Mischung aus einem deutschen Stahlhelm Modell WK1 oder WK2, mit Elementen eines vendelzeitlichen Helms. Der Krempel taugt höchstens als Logo für einen Motorrad-Club. 😁 Leider illustrieren immer häufiger Blogs, aber auch richtig große Publikationen, ihre im Internet veröffentlichten Texte mit dieser Art Schrott. Da wird überhaupt nicht mehr mitgedacht, ob das Bild denn wirklich passt.

 Literatur im Mittelalter - Zauberspruch und Minnesang | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Die Römer verlieren die Varus-Schlacht | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 Ist es doch kein Märchen? Schneewittchen als Grafentochter – Recherchen eines Heimatkundlers | Spieldauer 5 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download
Wer hätte das gedacht?!

 Nachhaltigkeit über Antike vermitteln - Altphilologenverband | Spieldauer 6 Minuten | 6 | Stream & Info
Ein Paradebeispiel dafür wie man krampfhaft in der Vergangenheit nach Argumenten für gegenwärtige politische Ideologien sucht. Dieser deutsche Altphilologenverband kann aufgrund seines extrem peinlichen Anbiederungsgeschleimes an einen Zeitgeist - inklusive dem unverhohlenen Bestreben, damit Kinder und Jugendliche zu indoktrinieren - meiner Ansicht nach nur noch als intellektuell komplett abgesandelt bezeichnet werden. Diese Leute gehören eigentlich allesamt mit einem nassen Fetzen... 

 Bodendenkmäler nach der Flut restauriert | Spieldauer 8 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download


Freitag, 3. Mai 2024

📽️ Videos: Joe Rogan und Christopher Dunn über Technik im Alte Ägypten -- Dokumentation über "gelebtes Mittelalter" -- Claudio Monteverdis "Marienvesper" -- usw.


 Joe Rogan Experience #2142 - Christopher Dunn | Spieldauer 160 Minuten | PowerfulJRE | Stream & Info 
Alternativtheorien zum Alten Ägypten, die dem durchschnittlichen Ägyptologen die Haare zu Berge stehen lassen 😁. Durchaus nicht uninteressant, zumindest aber unterhaltsam; man muss ja nicht alles ernst nehmen! Besonders die anfangs besprochenen Phänomene sollte man sich aber einmal ansehen.


 Rome's newest archaeological projects in 2024 | Spieldauer 11 Minuten | Darius Arya Digs  | Stream & Info 



 Römer-Fan baut antike Technik nach | Spieldauer 3 Minuten | SWR | Stream & Info
Naja, diese Blicke sagen mir, dass bei der Mehrheit der "Schülerinnen und Schüler" die Erklärungen beim einen Ohr hinein und beim anderen Ohr sofort wieder hinausgehen (und das obwohl sie angesichts der Fernsehkamera bestimmt bemüht sind, Interesse zu heucheln). Das ist so wie wenn der Opa vom Krieg erzählt. Eher sinnlos, die dorthin zu karren, um die Besucherzahlen zu schönen. Die sollen lieber ordentlich Mathe lernen. Oder noch besser, kritisches Denken, anstatt stumpfinniger Autoritätsgläubigkeit. Schon Einstein hat das eingefordert, aber das Gegenteil ist bis heute in den Bildungseinrichtungen üblich.

 Archäologen fördern ottonisch-mittelalterliche Siedlung zu Tage | Spieldauer 2 Minuten | MDR | Stream & Info 
So etwas - eine herrschaftliche Pfalz der Karolinger oder Ottonen - hätte man in Meßkirch (oder besser ganz woanders) bauen sollen, nicht ein von vielen Menschen als fade empfundenes Kloster. 

 Naachtun - Verborgene Stadt der Mayas | Spieldauer 94 Minuten | arte | Stream & Info 

 "Tassilo, Korbinian und der Bär – Bayern im frühen Mittelalter" | Spieldauer 3 Minuten | BR | Stream & Info 

 Dokumentation: Gelebtes Mittelalter | Spieldauer 43 Minuten | 3Sat | Stream & Info 
Bianca Maria Sforza sehr authentisch mit modischer Charakterbrille! Zwar ist das auch bei einem mittelaltermarktmäßigen Fest nicht sonderlich toll, aber richtig übellaunig werde ich erst, wenn Darsteller dergestalt auf angeblich qualitativ höherwertigen Museumsveranstaltungen rumrennen. Das ist eine Unverschämtheit gegenüber den oft zahlenden Gästen und seitens der Veranstalter eine nicht zu tolerierende Schlamperei. Die Darsteller brauchen sich gar nicht an ihren handgenähten und handgefärbte Klamotten aufgeilen, wenn sie dann mit modernen Accessoires wie Brillen vors Publikum treten. Falls diese Leute wirklich so dermaßen schlecht ohne Brille sehen, dann sollten sie sich für die entsprechenden Anlässe Kontaktlinsen kaufen. Die bekommt man für einen Apfel und ein Ei.

 Claudio Monteverdi: "Marienvesper" im Dom zu Worms | Spieldauer 105 Minuten | arte | Stream & Info 
Sehr schön!

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Dienstag, 30. April 2024

🐬 Der Delphin als Lebensretter und Freund: Bemerkenswerte antike Berichte von Herodot und Plinius

Delphin-Fresko in Knossos

Dass Delphine immer wieder Menschen das Leben retten ist durch viele einschlägige Berichte belegt. Wie weit das älteste dieser Zeugnisse aber schon zurückliegt, überrascht dann doch. Der antike Geschichtsschreiber Herodot von Halikarnassos schreibt im 1. Buch seines Geschichtswerks "Historien" (historíai) von einem entsprechenden Vorfall, der sich rund 150 Jahre vor seinen Lebzeiten, nämlich um 600 v. Chr., zugetragen haben soll. Ersichtlich wird anhand des überlieferten Textes ganz nebenbei auch, dass Seereisen in der Antike nicht nur aufgrund von Stürmen und am Horizont auftauchenden Piratenschiffen äußerst gefährlich sein konnten, sondern sich das Unglück mitunter auf eine Weise manifestierte, die uns heute unerwartet erscheint, damals aber - wie man dem Text zwischen den Zeilen entnehmen kann - vielleicht gar nicht so selten gewesen ist. Es stellt sich daher die Frage, wie viele Unglücksraben in der Antike aufgrund ähnlicher Umstände in einem nassen Grab endeten...

[...]. Periandros war Tyrann von Korinth. Ihm widerfuhr, wie die Korinther erzählen - darin stimmen die Lesbier mit ihnen überein - während seines Lebens eine äußerst merkwürdige Geschichte: Arion aus Methymna sei auf einem Delphin nach Tainaron gebracht worden, der Sänger zur Kithara, der keinem seiner Zeitgenossen nachstand, und habe als erster Mensch, soweit wir wissen, einen Dithyrambos gedichtet, ihm diesen Namen gegeben und in Korinth vorgetragen.
Dieser Arion habe, so heißt es, den größten Teil seiner Zeit bei Periandros verbracht, dann aber den Wunsch verspürt, nach Unteritalien und Sizilien zu reisen; er habe, als er viel Geld verdient hatte, wieder nach Korinth zurückkehren wollen. Er sei also von Tarent aufgebrochen und habe ein Schiff mit korinthischer Besatzung gemietet, da er niemandem mehr Vertrauen schenkte als den Korinthern. Diese jedoch hätten auf See den hinterhältigen Plan gefasst, Arion über Bord zu werfen und somit in den Besitz seines Geldes zu kommen. Arion habe die Absicht der Leute erkannt und um Gnade gefleht, indem er ihnen sein Geld überlassen wollte, aber um sein Leben bat. Er habe sie freilich nicht dazu überreden können, vielmehr hätten die Seeleute ihm befohlen, entweder sich selbst zu töten, um eine Bestattung zu Lande zu erhalten, oder möglichst schnell ins Meer zu springen. Da sie es nun so wollten, habe Arion in seiner großen Not darum gebeten, ihm wenigstens zuzugestehen, in vollem Ornat auf der Ruderbank stehend zu singen. Nach seinem Gesang, so versprach er, werde er sich töten. Die Leute hätten sich gefreut, dass sie den besten Sänger unter den Menschen hören würden, und hätten sich vom Heck des Schiffes zur Mitte zurückgezogen. Arion aber habe seinen vollen Ornat angelegt, zur Kithara gegriffen, habe sich auf die Ruderbank gestellt, die Hohe Weise gesungen und sich nach dem Ende der Weise, so wie er war - in vollem Sängerschmuck -, ins Meer gestürzt. Die Seeleute seien nach Korinth gefahren, den Arion aber habe ein Delphin aufgegriffen und nach Tainaron gebracht. Er sei an Land gegangen, in seinem Ornat nach Korinth gekommen und habe nach seiner Ankunft die ganze Geschichte erzählt. Periandros aber habe Arion nicht geglaubt und ihn deshalb in Haft genommen, ohne ihm die Möglichkeit zu geben, irgendwohin zu gehen; auf die Seeleute habe er ein Auge gehabt. Nach deren Ankunft habe er sie zu sich rufen lassen und nachgefragt, ob sie etwas über Arion berichten könnten. Jene hätten geantwortet, er befände sich heil und unversehrt in Unteritalien und sie hätten ihn wohlbehalten in Tarent zurückgelassen. Da aber habe sich Arion ihnen gezeigt, so wie er vom Schiff gesprungen war. Sie seien sehr erschrocken und hätten, da sie überführt waren, das Vorgefallene nicht mehr leugnen können. So erzählen es die Korinther und Lesbier, und von Arion steht in Tainaron eine nicht allzu große Weihegabe: ein auf einem Delphin reitender Mensch.
Herodot | Historien 1,23-24 | Übers.: Christine Ley-Hutton | Reclam, 2002

Man darf hier natürlich ein wenig skeptisch sein. So ist heute etwa nicht mehr sicher, ob der erwähnte Sänger mehr Realität oder mehr Mythos gewesen ist. Andererseits ist es sehr unwahrscheinlich, dass Erzählungen wie diese ohne wahren Hintergrund entstanden sind. Nein, wir dürften es hier tatsächlich mit dem ältesten bekannten Bericht über die Rettung eines Menschen durch einen Delphin zu tun haben. Auch wenn es sich vielleicht nicht exakt in der beschriebenen Weise zugetragen hat, so wird doch ersichtlich, dass bereits unsere Vorfahren vor gut zweieinhalbtausend Jahren mit dem hilfsbereiten Verhalten von Delphinen bestens vertraut gewesen sind. Genau das bezeugt auch ein Brief des über 400 Jahre nach Herodot lebenden Römers Plinius. Er beschreibt darin sogar noch erstaunlichere Dinge und pocht ausdrücklich darauf, dass sein Informant äußerst verlässlich sei. Übrigens, fast könnte man hier meinen, dass die Macher der Fernsehserie "Flipper" diesen uralten Bericht gelesen haben. Was durchaus denkbar ist, denn die Briefe des Plinius sind eine der eher bekannteren und bedeutenderen Schriftquellen der Antike. 

Plinius grüßt seinen Caninius!
Zufällig bin ich auf eine wahre Begebenheit gestoßen, die aber eher einer erfundenen gleicht und Deines überaus glücklichen, erhabenen und dichterischen Talentes würdig ist. Ich bin aber darauf gestoßen, als während einer Mahlzeit verschiedene Wundergeschichten aus aller Welt berichtet wurden. Der Erzähler ist höchst glaubwürdig; doch was fragt ein Dichter nach Glaubwürdigkeit? Trotzdem ist der Erzähler ein Mann, der Dein volles Vertrauen hätte, selbst wenn Du ein Geschichtswerk schreiben würdest.
In Afrika gibt es eine Kolonie Hippo, unmittelbar am Meer gelegen. Nahe dabei liegt eine schiffbare Lagune. Aus ihr führt nach Art eines Flusses ein Kanal zum Meer, der abwechselnd, je nachdem die Flut zurück- oder vorwärts drängt, sich bald ins Meer ergießt, bald wieder in die Lagune zurückläuft. Menschen jedes Alters halten sich hier aus Begeisterung fürs Fischen, Segeln und auch fürs Schwimmen auf, besonders die Jungen, die Muße und Spiel dorthin locken. Für sie bedeutet es Ruhm und Tapferkeit, möglichst weit hinauszuschwimmen. Sieger ist, wer das Ufer und seine Mitschwimmer am weitesten zurücklässt. Bei diesem Wettkampf wagte sich ein Junge, mutiger als die übrigen, ziemlich weit hinaus. Da begegnete ihm ein Delphin; bald schwamm er vor dem Jungen her, bald folgte er ihm, bald umkreiste er ihn, schließlich nahm er ihn auf seinen Rücken, setzte ihn ab, nahm ihn wieder auf seinen Rücken, trug den Zitternden erst aufs hohe Meer hinaus, kehrte dann wieder zur Küste um und brachte ihn wieder ans Land zu seinen Kameraden.
Die Nachricht verbreitete sich in der Siedlung; alle strömten zusammen, betrachteten den Jungen wie ein Wunder, befragten ihn, hörten ihm zu und erzählten es weiter. Am folgenden Tag belagerten sie das Ufer, schauten hinaus aufs Meer und was wie Meer aussah. Die Jungen schwammen, unter ihnen auch der erwähnte Junge, jedoch vorsichtiger. Der Delphin kam wieder zur gleichen Zeit, schwamm wieder auf den Jungen zu. Jener floh mit den übrigen. Der Delphin, als wollte er ihn einladen und zurückrufen, sprang empor, tauchte unter, zog verschiedene Kreise um ihn und entfernte sich.
Das geschah am zweiten Tag, das am dritten, das an den folgenden, bis die am Meer aufgewachsenen Jungen sich wegen ihrer Ängstlichkeit zu schämen begannen. Sie schwammen an ihn heran, spielten mit ihm, riefen ihn, berührten ihn auch und streichelten ihn; und er ließ es sich gefallen. Es wuchs die Kühnheit durch den Versuch. Besonders der Junge, der es als erster versucht hatte, schwamm heran, sprang auf seinen Rücken, wurde weg- und wieder zurückgetragen, glaubte, von ihm wiedererkannt und geliebt zu werden, und liebte ihn seinerseits; keiner fürchtete sich, keiner wurde gefürchtet. Das Vertrauen des Jungen und die Zutraulichkeit des Delphins wurden größer. Auch die anderen Jungen schwammen zugleich rechts und links, ermunterten sie und riefen ihnen zu. Zusammen mit ihm - auch das ist ein Wunder - schwamm noch ein anderer Delphin, jedoch nur als Zuschauer und Begleiter; denn er tat oder duldete nichts Ähnliches, sondern führte ihn nur hin und zurück, wie den Jungen die übrigen Jungen. Es ist unglaublich, doch so wahr wie das vorige, dass der Delphin, Reittier und Spielkamerad der Jungen, sich sogar öfter an Land ziehen und im Sand trocknen ließ und, wenn es ihm zu warm wurde, sich ins Meer zurückwälzte.
Es ist bekannt, dass Octavius Avitus, Legat des Statthalters, den an Land gezogenen Delphin aus törichtem Aberglauben mit Salböl übergoss; vor dem ungewohnten Geruch des Salböls floh er ins Meer und erschien erst viele Tage später wieder, aber geschwächt und traurig; nachdem er bald seine Kräfte wiedererlangt hatte, nahm er seine frühere Ausgelassenheit und seine gewohnten Dienste wieder auf. Zu diesem Schauspiel strömten alle Magistrate zusammen; ihre Ankunft und ihr Aufenthalt zerrüttete die kleine Gemeinde durch die neuen Kosten. Schließlich verlor der Ort selbst seine Ruhe und Abgeschiedenheit; man beschloss, den Grund für das Zusammenströmen der Leute heimlich zu beseitigen.
Mit wieviel Mitgefühl, mit welchem Wortreichtum wirst Du diese Begebenheit beweinen, ausschmücken und steigern! Freilich ist es nicht nötig, etwas hinzuzuerfinden oder beizufügen; es genügt, wenn die Wahrheit nicht beeinträchtigt wird. 
Lebe wohl! 
Plinius der Jüngere | Epistulae 9,33,1-11 | Übers.: H. Philips, M. Gibel | Reclam, 1998/2014

Das traurige Ende einer durchaus glaubwürdigen Erzählung. Den Rummel mussten schließlich alle Einwohner der nordafrikanischen Stadt Hippo Regius miterlebt haben. Oder nicht miterlebt haben, wenn es eine Erfindung gewesen wäre. Ein Lügner, der sich das alles nur ausgedacht hätte, wäre daher rasch aufgeflogen*. Außerdem deckt sich das Beschriebene mit dem auch uns bekannten Verhalten von Delphinen, die dem Menschen viel Zuneigung entgegenbringen, obwohl dieser das Vertrauen der Tiere leider immer wieder missbraucht - heute wie schon vor Jahrtausenden.


* Abschweifende Notiz am Rande: Die gleiche Überlegung legt auch die historische Existenz des Jesus von Nazareth sehr nahe. Ob es diesen Mann gegeben hat, war schließlich für Zeitgenossen relativ leicht in Jerusalem und in vielen seiner anderen Wirkungsstätten zu verifizieren/falsifizieren. Als das Christentum zum ersten Mal verlässlich in außerchristlichen/heidnisch-römischen Quellen greifbar wurde, lebten noch viele Zeugen, die, selbst wenn sie Jesus nicht persönlich gekannt hatten, doch von dem Aufruhr (plus Gerichtsprozess), den er in Jerusalem verursacht hatte, wissen mussten. Auch als ungefähr zur Mitte des 1. Jahrhunderts die ersten Evangelien entstanden, gab es noch entsprechende Augenzeugen. Ein erfundener Jesus wäre damals nicht aufrechtzuhalten gewesen. Hier hätte man als Betrüger völlig anders vorgehen müssen, nämlich indem man die körperliche Existenz des Jesus  zeitlich so weit zurücklegt, dass eine Nachprüfbarkeit unmöglich ist. Freilich, die behaupteten "Wunder", die Jesus vollbracht haben soll, sind eine ganz andere Geschichte. Die Verifikation von diesen war schon damals wesentlich schwieriger. Konnte man als Evangelienautor doch in der niedergeschriebenen Erzählung beispielsweise gezielt auf Personen zurückgreifen, die eventuell gar nicht mehr lebten und daher auch nicht mehr befragt werden konnten. So muss dieser Aspekt "Glaubenssache" bleiben.