Montag, 30. März 2020

Krimskrams: Resteverwerter Campus Galli -- Nachbarschaftsstreit in Ritterrüstung -- Wichtige Archäologie-Umfrage -- usw.

Resteverwerter Campus Galli

Die Mittelalterbaustelle Campus Galli fährt seit Jahren hohe Verluste ein. Hinzu kommt nun, dass aufgrund der aktuellen Umstände möglicherweise erst im Juni - oder noch später - die Tore für Besucher geöffnet werden können; und auch dann nur unter Auflagen. Das wird teuer.

Umso mehr freut es jetzt die Verantwortlichen, sich - wie schon einst im Falle der Blockhütten der Schweizer Gallus-Eremitage - als Resteverwerter betätigen zu dürfen. Diesmal handelt es sich um den begehbaren Betonbunker einer verflossenen Gartenschau, weiß der Südkurier zu vermelden

Beton und Mittelalter? Das passt, sagt Hannes Napierala. Der Geschäftsführer von Campus Galli stellte jetzt den neuen Eingangsbereich zur mittelalterlichen Klosterbaustelle in Meßkirch vor. Der moderne Betonkubus stand bislang auf dem Gelände der Bundesgartenschau in Heilbronn und musste dort abgebaut werden. Jetzt zieht das Gebäude nach Meßkirch – und das kostenlos.

Da hat man sich einen neuen, für das Projekt angeblich kostenneutralen Eingangsbereich angelacht (wer bezahlt für Transport und Aufstellung?), doch es kommen zurzeit keine Besucher, die dort überhaupt reingehen können. Das nennt man wohl Ironie des Schicksals.
Immerhin ist der gelernte Archäozoologe Hannes Napierala geradezu dafür prädestiniert, dem baulichen Neuerwerb einen architektonischen Persilschein auszustellen. Beton und Mittelalter passen zusammen, behauptet er. Sein positives Urteil ist ganz bestimmt nicht bloß darauf zurückzuführen, dass der Campus Galli aufgrund Geldmangels einfach nehmen muss, was man ihm hinwirft ...

Ein Leser dieses Blogs meinte übrigens, ihn erinnere der "Klotz" an den ägyptischen Tempel von Setos I. in Abydos (Ägypten), nur dass dieser schöner sei. Ein anderer Leser will hingegen eher eine Ähnlichkeit zum Eingangsbereich der Reichskanzlei erkennen ...

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Ein geheimer Sohn des Kaisers Franz Josef ...

... der später Gründungspräsident der Tschechoslowakei wurde?! Eine spanende Theorie mit plausibel klingenden Argumenten. Außerdem wird hier ein entlarvendes Schlaglicht auf die Sexualmoral des Hochadels im 19. Jahrhundert geworfen: Klick mich

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Nachbarschaftsstreit in Ritterrüstung ...

... und mit Schwert in Baden-Württemberg: Klick mich

Offenbar ein Mann, der ganz in seiner Liebe zum Mittelalter aufgeht! Von ihm könnte man sich bei der schludrigen Mittelalterbaustelle Campus Galli getrost eine Scheibe abschneiden. 😉

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Netzfund

Über was für tolle Arbeiten man in den Online-Archiven deutscher Universitäten doch so stolpert. Wenigstens etwas, in dem uns die Chinesen nie das Wasser werden reichen können. An der Genialität westlicher Geisteswissenschaftler zerschellen sie mit ihrer doofen MINT-Forschung.

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Wichtige Archäologie-Umfrage

Hier kann/soll man auch als Nicht-Archäologe anonym und kinderleicht an einer Umfrage zu Archäologie sowie Denkmalschutz teilnehmen. Dabei geht es z.B. darum, ob wirklich alle archäologischen Funde erhalten werden sollen, wem archäologische Funde gehören sollen, ob es ok wäre, Grundstückseigentümer von archäologischen Fundstätten zu enteignen usw.

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Ich kann mir nicht aussuchen ...

...  wer auf dieses Blog als Quelle verlinkt. Auch nicht in diesem Fall, der noch unerfreulicher ist als die Nennung des Blogs in Wikipedia-Artikeln. Es gibt einfach Webseiten, bei denen streift man eigentlich lieber nicht an. Aber das Internet ist halt kein Wunschkonzert.

Sonntag, 29. März 2020

📽️ Videos: Römerfestival Carnuntum -- Ein 500 Jahre altes Kehrrad -- Gewachste Armbrustbolzen? -- usw.



 Römerfestival 19./20. September 2020 | Spieldauer 2 Minuten | Youtube | Stream & Info
Nett gemachtes Promo-Video der Römerstadt Carnuntum. Aus dem bekannten Grund, der auf diesem Blog nicht beim Namen genannt wird, hat das Freilichtmuseum sein Römerfestival in den September verschoben. Für mich ist das insofern interessant, weil zu den üblichen Terminen habe ich kaum die Möglichkeit, deshalb extra nach Niederösterreich zu fahren - da kommt fast jedes mal mit einiger Sicherheit etwas dazwischen.


 Does Wax on Arrow Heads Do Anything? | Spieldauer 9 Minuten | Youtube | Stream & Info
Mich hat das Ergebnis dieses Tests weniger überrascht. Die Frage ist: Wie realistisch ist die Verwendung von relativ kostspieligem Wachs in Bezug auf die tatsächliche Kriegsführung bzw. einen massenhaften Einsatz im Mittelalter? Und funktioniert statt Wachs auch Öl oder ein tierisches Fett?



 Archäologischer Sensationsfund aus Bad Schlema: Ein 500 Jahre altes Kehrrad | Spieldauer 3 Minuten | RBB | Stream & Info

 Alte Nutztier-Rassen - warum wir sie erhalten sollten | Spieldauer 6 Minuten | HR/ARD | Stream & Info

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Freitag, 27. März 2020

📖 Buch: Dolche und Schwerter: Erkennen - Bestimmen - Beschreiben

Das vorliegende Buch der Archäologin Ulrike Weller ist der aktuelle und 6. Band aus der Reihe "Bestimmungsbuch Archäologie" des Deutschen Kunstverlags. Zielgruppe sind Archäologen, Restauratoren und Museumsleute. Aber auch Living-History-Hobbyisten und z.B. wissenschaftlich interessierte Metallsucher dürften daraus einigen Nutzen ziehen.

Nach einem Vorwort und einer allgemeinen Einleitung wird auf 25 Seiten eine mehr oder weniger repräsentative Auswahl diverser Dolche sowie Schwerter in Form von Fotografien gezeigt (Bild 1).
Es folgt der eigentliche Kern des Buchs (Bild 2): Über 222 Seiten hinweg stellt die Autorin übersichtlich die einzelnen Typen von Dolchen und Schwertern anhand sehr guter Zeichnungen und beschreibender Texte vor; wobei ich bei besagten Beschreibungen manchmal schmunzeln musste, denn wer hätte gedacht, dass Dolche "verkümmerte Antennen" haben können? 😉
Sowohl dem Dolch- wie auch dem Schwert-Abschnitt hat man darüber hinaus eine eigene Einführung vorangestellt, in der die jeweiligen Objektgattung grundsätzlich definiert und ihre Funktion beschrieben wird.

Im 45 Seiten umfassenden Anhang findet der Leser ein Literatur und Stichwortverzeichnis. Letzteres enthält Begriffe wie "Typ Mainz (Gladius)", "Griffangelschwert Petersen Typ E" usw.

Abgedeckt wird in dem Band vor allem Westeuropa von der späten Jungsteinzeit (Kupfersteinzeit), über die Bronzezeit, die Eisenzeit (Kelten, Germanen), die Römerzeit, die spätantike Völkerwanderungszeit bis ungefähr zur Wikingerzeit (frühes 11. Jh.).

Leider findet man keine näheren Informationen zur Trageweisen der behandelten Schwerter und Dolche - Stichwort "Aufhängung". Das Thema Schwert- und Dolchscheiden wird nur am Rande behandelt; aber vermutlich hätte all das den Rahmen der Publikation gesprengt. Immerhin wurde den Ortbändern ein eigener Abschnitt spendiert.
Obschon das Buch fadengebunden ist, hat man auf einen richtigen Festeinband verzichtet, der durchaus sinnvoll bei einem Nachschlagewerke wie diesem gewesen wäre, da doch eine häufigere Nutzung angenommen werden kann.

Fazit: Unterm Strich, trotz kleinerer Kritikpunkte, zweifellos ein überaus nützliches Buch zu einem recht günstigen Preis.

Bild 1 | Foto: Hiltibold | Buchinhalt: (C) Deutscher Kunstverlag

Bild 2 | Foto: Hiltibold | Buchinhalt: (C) Deutscher Kunstverlag
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Weiterführende Informationen: 

Mittwoch, 25. März 2020

🎧 Hörbares: Der geheimnisvolle Hügel auf Kreta -- Ein Massengrab aus der Steinzeit -- Mittelaltermusik -- usw.



 Woher kommt die Erde über archäologischen Ausgrabungen? | Spieldauer 12 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Archäologie: Knossos und der geheimnisvolle Hügel auf Kreta | Spieldauer 15 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Franken, Alamannen, Tiroler - Wie der Schwarzwald besiedelt wurde | Spieldauer 28 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 "Dino-Grabung: vom Fund ins Museum" | Spieldauer 4 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 5.3.1983: Ein Massengrab aus der Steinzeit wird entdeckt | Spieldauer 4 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Musik des Spätmittelalters: Wege in die Renaissance (1) - Die erste Generation des Trecento | Spieldauer 55 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info
Achtung, wahrscheinlich wegen den eingebundenen Musikstücken in dieser und in der nachfolgenden Sendung ist die Verweildauer auf den Servern nur sehr kurz - nämlich bis zum 30 März.

 Musik des Spätmittelalters: Wege in die Renaissance (2) - Oswald von Wolkenstein | Spieldauer 55 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info


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Montag, 23. März 2020

📽️ Videos: Die Kriegerinnen der Wikinger -- Das Römer-Experiment -- usw.



 Die Kriegerinnen der Wikinger | Spieldauer 51 Minuten | Arte | Stream & Info
Zitat: "Lange Zeit war man davon überzeugt, dass es bei den Wikingern nur Krieger gegeben habe. Neuere Ausgrabungen und verfeinerte Untersuchungsmethoden belegen jedoch eindeutig, dass es auch Kriegerinnen gab. Nach genetischen Tests an einem archäologischen Fund im schwedischen Birka muss das Bild der Wikingerfrau und ihrer Rolle in der Gesellschaft grundlegend revidiert werden." 
Diese kategorische Aussage würde man im Englischen als "Bullshit" und als "agenda-driven" bezeichnen. Jeder ernstzunehmende Archäologe hingegen weiß ganz genau, dass Grabbeigaben nicht zwingend ein Spiegelbild der Lebensrealität des Bestatteten darstellen; besondere Vorsicht ist geboten, wenn es - wie hier - keine echten Parallelen dazu gibt. Siehe zu diesem Thema auch mein Interview (zweite Frage) mit dem deutschen Wikinger-Fachmann Matthias Toplak. Er sieht den gegenständlichen archäologischen Anlassfall wesentlich differenzierter.

 Das Römer-Experiment - Wie wird man Gladiator? | Spieldauer 14 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

 Das Römer-Experiment - Wie leben die Römer in der Stadt? | Spieldauer 14 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info
Die Spielszenen für diese Kurz-Doku wurden wieder einmal in Carnuntum (Niederösterreich) gedreht. Allerdings ist das auch das beste bzw. optisch ansprechendste Römer-Freilichtmuseum weltweit!

 Das Mittelalter-Experiment - Wie wurde man Ritter? | Spieldauer 15 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

 Der Steinzeit-Check | Spieldauer 24 Minuten | BR | Stream & Info
Auch wenn dieses Format primär für Kinder ist muss man die Informationen deshalb nicht kindisch vermitteln. Die Sendung mit der Maus hat es besser gemacht.

 Erfurts Bewerbung für den Welterbe-Titel | Spieldauer 2 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info

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Samstag, 21. März 2020

Krimskrams: Römische Bronzestatuen am Limes -- Erboster Campus-Galli-Jünger mit Lagerkoller? -- Campus Galli möchte Darlehn nicht zurückzahlen

PDF: Römische Bronzestatuen am Limes

Ein Leser hat mich auf einen recht umfangreichen und reichhaltig illustrierten Text aufmerksam gemacht, in dem es um archäometrische Untersuchungen hinsichtlich der Herstellungstechnik von römischen Bronzestatuen geht, die im Bereich des Limes gefunden wurden: Klick mich

Das PDF findet sich - neben vielen ähnlichen - mittlerweile auch in der PDF-Rubrik des Blogs.

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Erboster Campus-Galli-Jünger mit Lagerkoller?

Nachdem es längere Zeit ruhig war, hat mich endlich wieder einmal ein Jünger des prekären Mittelalter-Kombinats Campus Galli beehrt. Er war auf Amazon über meine "ärgerliche Rezension der letzten Campus Galli Chronik" gestolpert und meinte, ich solle "nicht fortgesetzt so respektlos" gegenüber den Mitarbeitern des Projekts sein; "von den Finanzen abgesehen, für die sie nichts können" (?!?), würde man doch "einen hervorragenden Job machen"

Worauf ich zurückgekabelt habe, dass ich selbstverständlich auch weiterhin respektlos sein werde. Weil meinen Respekt muss man sich verdienen, den gibts nicht in der Gratispackung. Was ich beim Campus Galli seit rund acht Jahren sehe, nötigt mir bestimmt keinen Respekt ab, sondern treibt meinen Blutdruck nach oben, bestenfalls stimuliert es die Lachmuskeln.  😃

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Campus Galli möchte Darlehn nicht zurückzahlen

Ein Leser wusste in der Campus-Galli-Rubrik des Blogs folgendes zu berichten:

In der Schwäbischen Zeitung , Ausgabe Sigmaringen, ist zu lesen!

Meßkirch

Vor sieben Jahren hat der Landkreis Sigmaringen der Klosterbaustelle Campus Galli mit einem Darlehen in Höhe von 100 000 Euro finanziell Anschub geleistet und auch den Zins erlassen. Diese Zinsfreistellung ist nun ausgelaufen. Deshalb haben Meßkirchs Bürgermeister Arne Zwick und Hannes Napierala, Geschäftsführer von Campus Galli, in einem gemeinsamen Schreiben an den Kreistag darum gebeten, die Rückzahlung des Darlehens zu erlassen. Denn fest steht: Schwarze Zahlen schreibt das Projekt trotz vieler Erfolge noch nicht. Über dieses Thema hat der Verwaltungs- und Sozialausschuss in seiner Sitzung am Dienstag diskutiert.

Hintergrund der Bitte Zwicks und Napieralas ist, dass sich der Campus Galli eine Rückzahlung des Kredits schlicht nicht leisten könnte, sodass die Stadt Meßkirch komplett einspringen müsste. Auch die Zinszahlung würde den Verein „schwer belasten“, heißt es in dem Schreiben, „denn alle Mittel, die der Verein erwirtschaftet, benötigt er für den Betrieb der Baustelle“. Schon im regulären Betrieb beläuft sich das Kostendefizit von Campus Galli auf etwa 300 000 Euro, die die Stadt Meßkirch ausgleicht. Insgesamt hat die Stadt so nahezu drei Millionen Euro in das Projekt investiert. Das zahlt sich offenbar auch aus: Seit Jahren entwickeln sich die Besucherzahlen positiv. Waren es 2014 noch etwa 37 000 Besucher jährlich, wuchs die Zahl 2019 auf etwa 92 000 Menschen an. Dieser Punkt sorgte für Nachfragen aus den Reihen der Kreisräte. Herrmann Brodmann erkundigte sich, ob Campus Galli messbar einen Mehrwert für die Stadt Meßkirch darstelle. „Da würde ich uneingeschränkt Ja sagen“, so Franz-Josef Schnell, Leiter des Fachbereichs Finanzen. Er erhalte im Gespräch mit Bürgern durchweg positive Rückmeldungen und auch die Gastronomie profitiere, indem die Menschen nach dem Besuch des Museums in die Lokale strömten.

Lothar Braun-Keller fragte nach, was passiere, wenn Campus Galli Gewinn macht. „Dann ist unser Geld weg“, sagte Landrätin Stefanie Bürkle. Der Kreis habe damals die Zusage zum Darlehen gemacht, weil die optimistische Annahme herrschte, dass das Projekt schnell wirtschaftlich werde. Der Erfolg zeige sich auch an den Besucherzahlen, aber nicht finanziell. Durch steigende Personalkosten und die Besucherzahlen sei das Projekt sogar teurer geworden. „Campus Galli bleibt erst einmal defizitär“, prognostizierte Bürkle.

Schnell stimmte ihr zu und sprach sich auch deshalb dafür aus, den Kredit in einen Zuschuss umzuwandeln. „Das Projekt wird voraussichtlich nicht kostendeckend arbeiten“, sagte er. Das Coronavirus komme in dieser Saison erschwerend hinzu. Letztlich entschied sich das Gremium, Schnells Empfehlung zu folgen.

Die "Schwäbische Zeitung" ist seit Jahren die inoffizielle Propagandaposaune des de facto unter Polit-Kuratel stehenden Privatvereins Campus Galli. Dementsprechend schwer dürfte es dem Blatt gefallen sein, obige Meldung zu bringen.

Freilich, die wohl zwecks Relativierung in den Text eingepflegte Aussage von angeblichen Positiveffekten für die Gastronomie des Projektstandorts Meßkirch wurde nie wasserdicht empirisch nachgewiesen, sondern einfach von Lokalpolitikern seit Jahren in Form von anekdotenhaften Erzählungen (= 'persönliche Gespräche mit Gastronomen') behauptet. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die vom Campus Galli verursachten Kosten den Nutzen für die Wirtschaft/Allgemeinheit vor Ort bei weitem übersteigen.
Kurios ist hier auch, dass sich die Projekt-Besucher - der obigen Lesart zufolge - lieber in der Stadt Meßkirch stärken gehen, anstatt ihren Zaster beim Verköstigungsbetrieb des Campus Galli zu lassen, wo er wesentlich dringender gebraucht werden würde. Trifft dies tatsächlich so zu, dann sollte man dort das Speisenangebot wohl überdenken  - und/oder die Qualität verbessern.

Ebenfalls beachtenswert: Das erwähnte Darlehn kann nach sieben Jahren immer noch nicht zurückgezahlt werden, obschon man beim Campus Galli zeitlich parallel seit Jahren Geld in alle möglichen Aspekte des Projekts butterte. Dieses Gebaren lässt den bösen Verdacht aufkommen, dass eine Rückzahlung nie ernsthaft von den Betreibern in Betracht gezogen wurde. Vielleicht sogar mit stillschweigendem Einverständnis der tief in das Projekt verstrickten Politik?
Klar ist jedenfalls, einen kleinen Häuselbauer würde man nicht davonkommen lassen, wenn er sich quasi weigert, seinen Gläubiger zu bedienen. 

Und zu guter Letzt: Der Campus Galli wird die Saison 2020 verspätet eröffnen. Auf Facebook heißt es dazu:

Im Zuge der Schließung von Kultur- und Freizeiteinrichtungen wird unser Saisonbeginn nun definitiv verschoben.

Nach aktuellem Stand werden wir voraussichtlich am Dienstag, den 21.April die Saison eröffnen können. Da wir noch nicht wissen, mit welchen Auflagen wir dann in den Saisonbetrieb gehen werden, können wir aktuell keine Gruppenanfragen für die erste Jahreshälfte (bis inklusive Juli) annehmen.

Es tut uns wirklich sehr Leid, wir hoffen aber, dass wir im Hintergrund etwas weiterarbeiten können, sodass ein Besuch im Sommer dann umso schöner wird, weil es umso mehr Fortschritte zu bestaunen gibt.

Das wird dem ohnehin defizitären Projekt zusätzlich ein gewaltiges Loch in den Geldbeutel reißen. Die Stadt Meßkirch - also der Steuerzahler - darf daher die großen Spendierhosen schon einmal bereitlegen und das Füllhorn vorwärmen.

Ich gehe übrigens davon aus, dass man die diesjährige besondere Situation seitens der Politik und der Projektbetreiber dazu nutzen wird, um vom allgemeinen wirtschaftlichen Misserfolg des Campus Galli abzulenken. Der mit viel Trara 2014 ins Boot geholte Archäozoologe Hannes Napierala hat es trotz vieler Vorschusslorbeeren und großartiger Ankündigungen als Geschäftsführer nämlich nicht zuwege gebracht, dass sich das Projekt finanziell selbst tragen kann - Nutznießer seiner kostspieligen Anstellung ist also vor allem er selbst.
Wer fühlt sich hier nicht an den Genossen Honecker erinnert, der die Schuld an schlechte Ernten in der DDR auch nie bei der eigenen wirtschaftlichen Inkompetenz suchte, sondern lieber das Wetter und den Klassenfeind dafür verantwortlich machte ...

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Weitere interessante Themen:


Donnerstag, 19. März 2020

🎧 Hörbares: Der Karlsbiograf Einhard -- Archäobotanik -- Mobilität in Steinzeit und Bronzezeit -- usw.





 Einhard - Der Biograf von Karl dem Großen | Spieldauer 15 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Angela Kreuz: Die Archäobotanikerin erforscht antike Ernährungsgewohnheiten | Spieldauer 7 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Mobilität in Steinzeit und Bronzezeit: Wie Wanderschaft den Fortschritt brachte | Spieldauer 25 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Die Seidenstraße - Legendäre Verbindung von Ost nach West | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Die Osterinsel - Der Mythos der Moai-Figuren | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Traumberuf Archäologe | Spieldauer 53 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Hierbei handelt es sich um eine Sendung für Kinder. Und obwohl man selbstverständlich für Kinder Sachverhalte einfacher erklären muss, so sind die in diesem Fall getroffenen Verkürzungen mitunter zum Haareraufen. Das ginge wirklich besser.

 Die Nasca-Linien - Rätselhafte Spuren in Südamerika | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
An diesen Linien ist eigentlich gar nichts rätselhaft. Es handelt sich nämlich um Rennstrecken für Autorennen - das sagt schon der Name: Nasca(r)-Linien 😄

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Dienstag, 17. März 2020

📽️ Videos: Römer-Experimente -- Keltischer Brunnenfund -- usw.



 Kelten in Nördlingen: Archäologischer Brunnenfund wird zur Schatzgrube | Spieldauer 5 Minuten | BR/Youtube | Stream & Info



 Schaurig-schöner Rekord: Die größte Schau-Tropfsteinhöhle Deutschlands | Spieldauer 5 Minuten | BR/Youtube | Stream & Info

 Das Römer-Experiment - Wie kocht man bei den Römern? | Spieldauer 15 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info
Diesem Schautzbart kann man offenbar nicht entkommen. Der Herr - dem ich nicht einen gewissen Schmäh absprechen möchte - dürfte sich seit vielen Jahren an den Rundfunkgebühren seiner Landsleute dumm und dämlich verdienen. Nur der omnipräsente 'Universalgelehrte' Lesch nervt mich mittlerweile noch mehr ... 

 Das Römer-Experiment - Wie erobern die Römer die Welt? | Spieldauer 15 Minuten | SWR/ARDx | Stream & Info
Dieser "Experimentalarchäologe" verwendet unterschiedliche Schuhnägel - die, die er einschlägt, erinnern mich an maschinell hergestellte, die ich ursprünglich auch in meinen Vindolanda-Schuhen drinnen hatte.

 Gewänder wie aus dem Mittelalter | Spieldauer 3 Minuten | HR/ARD | Stream & Info
Wenigstens gibt die Frau zu, dass sie nicht alles "superauthentisch" schneidert - was freilich auch als Untertreibung gewertet werden könnte 😉 PS: Eine Nähmaschine mit Bildschirm, Sachen gibts!

 Die ältesten Fotos Deutschlands aus München | Spieldauer 4 Minuten | BR/Youtube|  Stream & Info

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Montag, 16. März 2020

😊 Liebe Leser dieses Blogs ....

... geht euch diese mediale Dauerpenetration mit dem Pandemie-Thema auch schon so sehr auf den Wecker wie mir? Reicht es euch, dass 99 bis 100 Prozent der Nachrichtensendungen sich nur noch darum drehen, so als ob sonst nichts mehr auf der Welt an berichtenswerten Dingen geschieht? Ja? Dann lasst mich euch folgendes versichern. Zumindest im Rahmen dieses Internetauftritts wird nichts, aber auch gar nichts, zu jenem Virus, dessen Namen ich nicht nennen möchte, zukünftig gepostet. Zur Schonung meines eigenen Nervenkostüms und zur Schonung des Nervenkostüms der geneigten Leser.
Hier wird nicht der Angstlust und irgendwelchen Katastrophenpornos gefrönt, sondern ein Blick auf unser aller Geschichte geworfen. Derlei Eskapismus ist dieser Tage wohl vielen Menschen willkommener denn je. In diesem Sinne, macht es gut!


Sonntag, 15. März 2020

📚 Hiltibolds aktuelle Leseliste: Die Armee der Caesaren -- Die Armbrust, Schrecken und Schönheit -- Dolche und Schwerter bestimmen -- Die Magier der Götter




Die Armee der Caesaren | Thomas Fischer | Verlag Friedrich Pustet | 2014 | 416 Seiten | Preis: 59,95 Euro | Infos bei Amazon
Ein reichhaltig bebildertes Buch, in dem man sich sehr nahe und ausführlich an den Primärquellen - besonders den archäologischen - bewegt. Nicht zuletzt für Living-History-Darsteller bzw. Reenactors der betreffenden Zeit überaus nützlich. 

➽ Die Armbrust: Schrecken und Schönheit | Sven Lüken u.a. | Hirmer Verlag | 2018 | 336 Seiten | Preis: 48,89 Euro | Infos bei Amazon
Schwerpunkt dieses schönen Sachbildbandes sind Armbrüste aus dem Spätmittelalter und vor allem der Renaissance, die sich im Deutschen Historischen Museum befinden. Die Beschreibungen sind recht detailliert, auch Querschnitte des Innenlebens bzw. von Armbrustschlössern finden sich darunter. Wer historische Armbrüste nachbauen möchte, der bekommt hier sicher eine gute Quelle an die Hand.

➽ Dolche und Schwerter: Erkennen – Bestimmen – Beschreiben (Bestimmungsbuch Archäologie) | Ulrike Weller | Deutscher Kunstverlag | 2020 | 312 Seiten | Preis: 19,90 Euro | Infos bei Amazon
Hierbei handelt es sich um den erst im Februar neu erschienenen 6. Band aus der nützlichen Reihe der archäologischen Bestimmungsbücher des Deutschen Kunstverlags. Zwei andere habe ich hier ja bereits in der Vergangenheit besprochen (Fibeln und Gürtel). Zeitlich abgedeckt wird in dem Band Europa von Steinzeit bis zur Wikingerzeit. Der Preis ist hinsichtlich des Gebotenen recht günstig. Ein Festeinband hätte freilich nicht geschadet, obschon die Seiten nicht nur geklebt, sondern auch fadengeheftet sind. Somit dürfte das Buch auch bei häufigerem Gebrauch nicht gleich auseinanderfallen. Ich werde es trotzdem mit einem meiner bewährten Schutzumschläge versehen.

Die Magier der Götter: Die vergessene Weisheit einer verschollenen Erdzivilisation |  Graham Hancock | Kopp Verlag | 2018| 688 Seiten | Preis: 29,99 Euro | Infos bei Amazon
Der britischen Journalist und Bestsellerautor Graham Hancock hat auf Grundlage von Forschungsergebnissen der arrivierten Wissenschaft die These entwickelt, dass es bereits in der späten Mittelsteinzeit / frühen Jungsteinzeit eine relativ fortschrittliche Kultur gegeben haben soll, die durch eine globale Super-Katastrophe im jüngeren Dryas ausgelöscht wurde. Die wenigen Überlebenden hätten unter anderem ihr Wissen an die Erbauer der berühmten Kultanlage von Göbekli Tepe (Türkei) weitergegeben, deren größter Teil immer noch unerforscht unter er Erde verborgen liegt.
Ja, der eine oder andere Leser wird hier die Augen verdrehen und meinen, solche steilen Thesen werden schon seit Jahrzehnten gesponnen. Und das stimmt auch, Hancock ist allerdings ein penibler Rechercheur und hat - unabhängig davon, was man von der postulierten Hochkultur hält (ich würde da nicht drauf wetten wollen) - hier einige außerordentlich interessante Erkenntnisse aus Geologie, Archäologie, Paläoklimaforschung usw. zusammengetragen. Wer sich von ihm und seiner These ein Bild machen möchte, ohne gleich das Buch zu kaufen, der werfe einen Blick in dieses Youtube-Interview von Joe Rogan aus dem vergangenen Jahr.
Noch etwas zu dieser Ausgabe: Kurios finde ich den Preisunterschied zwischen gedruckter und elektronischer Variante. Letztere ist gerade einmal 2 Euro günstiger. Ich halte diese Art Preispolitik, die auffällig viele Verlage betreiben, für einen schlechten Scherz und den insgeheimen Versuch eBooks zu sabotieren. Man verkauft wohl lieber weiter gedruckte Bücher. Mir persönlich kann es freilich egal sein, weil ich sowieso keine eBooks mag, zumindest wenn es um Sach- und Fachbücher geht. Ich drucke mir sogar PDFs, die ich für besonders wichtig/interessant halte, lieber aus. 

Ausführliche Rezensionen zu den obigen Büchern folgen hier in den kommenden Wochen.

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