Sonntag, 8. Mai 2022

Das Blog pausiert

Aus Zeitgründen - und weil ich für den Rechner, auf dem ich meine Blogpostings schreibe, zurzeit kein Internet habe - muss ich hier eine ungeplante Pause einlegen. In gut einer Woche gehts dann wieder weiter. Bis dahin!

Samstag, 7. Mai 2022

⚣ Gayus Schwulius Caesar - Homosexuell oder nicht?


Manch einer neigt heutzutage dazu, berühmten historischen Figuren (vor)schnell Homosexualität zu 'attestieren'; der Grund dafür sind aktuelle gesellschaftspolitische Anliegen, die wiederum jeder bewerten mag wie er möchte. Ein gutes Beispiel dafür ist etwa der im Mittelalter lebende König Richard Löwenherz, dessen mutmaßliche Männerliebe ich mir bereits näher angesehen habe. Hier soll es nun aber um den noch wesentlich weiter in der Vergangenheit angesiedelten Staatenlenker Gaius Julius Caesar gehen. Als bester Zeitzeuge für seine Homosexualität (eigentlich Bisexualität) wird immer wieder der auf Klatsch spezialisierte antike Geschichtsschreiber Gaius Suetonius Tranquillus bemüht. Dieser teilt uns mit, dass Caesar im Zuge seines Kriegsdienstes in Kleinasien zu König Nikomedes von Bithynien entsandt wurde (siehe auch seine legendäre Gefangenname durch Piraten). Bald darauf verbreitenten sich angeblich Gerüchte, wonach er während des längeren Aufenthalts beim König mit diesem eine sexuelle Beziehung eingegangen ist. Nach Beendigung seiner Mission soll Caesar sogar einen Vorwand gesucht und gefunden haben, um seinen angeblichen 'Geliebten' noch einmal zu besuchen (Sueton | Caesar 1.2 | Übersetzung von Dietmar Schmitz, Reclam 1999/2010).

An anderer Stelle heißt es bei Sueton, Caesar habe sich viele Jahre später in einer Senatssitzung damit gebrüstet, dass ihm gleich mehrere der gallischen Provinzen gleichzeitig als Amtsbereich übertragen wurden. Woraufhin einer der Senatoren bissig einwarf, das sei gerade für eine Frau in der Tat eine ziemliche Leistung. Caesar entgegnete auf dieses Foul ironisch, dass schließlich auch in Syrien eine Semiramis geherrscht haben soll und einen großen Teil Asiens hätten einst die Amazonen innegehabt. (Sueton | Caesar 22.2  | Übersetzung von Dietmar Schmitz, Reclam 1999/2010).

Der Kritiker hat - als er Caesar quasi als Frau bezeichnete - darauf angespielt, dass dieser beim Geschlechtsverkehr mit Männern wie König Nikomedes den passiven Part - also quasi den der Frau - gespielt haben soll; was wiederum für einen römischen Bürger als besonders unwürdiges bzw. entehrendes Verhalten galt. Caesar ging - wie wir gesehen haben - mit diesem Vorwurf der 'passiven Homosexualität' aber allem Anschein nach humorvoll um. Und das musste er wohl auch, denn er war anscheinend nicht selten und wurde mitunter noch wesentlich deutlicher als im obigen Beispiel vorgebracht: Nikomedes sei -  hinsichtlich seiner angeblichen Beziehung zu Caesar - ein "Knabenschänder" gewesen; diese Aussage war dazumal für Caesar wesentlich beleidigender als für Nikomedes. Außerdem soll der spätere Diktator "Nebenbuhler der Königin (von Bithynien)" und "Matratze der königlichen Sänfte" 😂 gewesen sein. Glaubt man Sueton, dann wurde Caesar von Zeitgenossen auch als "Stall des Nikomedes" und "bithynisches Bordell" bezeichnet. Marcus Calpurnius Bibulus, sein mit ihm verfeindeter Amtskollege im Konsulat, nannte ihn dem Vernehmen nach wenig wohlmeinend "Königin von Bithynien" (= die Ehefrau des Nikomedes); und während Caesar früher "Könige am Herzen gelegen" haben sollen (=Nikomedes), so sei es nun die Königsherrschaft (bzw. die Diktatur). Sogar Caesars Soldaten haben einschlägige Spottlieder auf ihn gesungen, heißt es weiter (Sueton | Caesar 49.1-4  | Übersetzung von Dietmar Schmitz, Reclam 1999/2010). Wobei solche Spötteleien der eigenen Soldaten prinzipiell nichts ungewöhnliches waren; auch beispielsweise Caesars steinreicher Zeitgenosse Marcus Licinius Crassus musste sie über sich ergehen lassen. 

Die Liste ließe sich noch länger fortführen. Zum Abschluss aber eine Beispiel, das mir neben der Sänftenmatratze besonders gut gefällt: Der Politiker Gaius Scribonius Curio d.Ä. soll in einer Brandrede Caesar "Mann aller Frauen und Frau aller Männer" genannt haben. Ihm wurde damit unterstellt, nicht nur mit Frauen (man denke etwa an Kleopatra), sondern auch mit Männern über alle Maßen Sex gehabt zu haben. Und im letzteren Fall eben in der dazumal als schändlich eingestuften Rolle/Position einer Frau (Sueton | Caesar 52.3  | Übersetzung von Dietmar Schmitz, Reclam 1999/2010).

Ob freilich an diesen unterhaltsamen Überlieferungen etwas Wahres dran ist, lässt sich nach mehr als 2000 Jahren nicht mehr seriös beurteilen. Politische Lügen und Verleumdungen können schließlich ein munteres Eigenleben entwickeln. Auch unsere Gegenwart bietet eine Unzahl an entsprechenden Beispielen. Andererseits kann nichts ausgeschlossen werden. Eines zeigt der Fall Caesar aber deutlich: Die Toleranz gegenüber Homosexuellen hielt sich auch im Antiken Rom in engen Grenzen. Mehr noch: Der Vorwurf der Homosexualität wurde schon dazumal gezielt als Waffe eingesetzt. Ziemlich leicht war es nämlich, einem Mann, der tatsächliche oder vermeintlich homosexuell war, zu unterstellen, er würde den passiven/entehrenden Part in einer Beziehung mit einem anderen Mann spielen.


PS: Oberstudienräte und Lateiner mögen ihre Beschwerden über mein absolut geistreiches und überhaupt nicht kindische Wortspiel mit dem Namen des großen römischen Diktators bitte direkt ans Salzamt schicken 😄. 
Übrigens, dieser Tage stand in einer Tageszeitung zu lesen, dass das Posting eines homosexuellen ORF-Journalisten von einer Social-Media-Plattform verbannt wurde, nachdem er darin sein Buch "Die schwule Seele" beworben hatte. Das Wort "schwule" wurde von irgendeinem Zensur-Algorithmus anscheinend als böse eingestuft. Und das ist schon erstaunlich. Haben doch homosexuelle Männer den Begriff "schwul", der Ursprünglich wie das englische Wort "gay" tatsächlich ein reines Spottwort für sie war, längst vereinnahmt und mit einem gewissen Stolz getragen (ob man auf seine sexuelle Ausrichtung - egal welche - stolz sein kann ist freilich eine andere Frage). Und nun kommen (a)soziale Medien daher und wollen - in einer Art Allmachtswahn - das Rad der Zeit zurückdrehen. "Schwul" 'dürfen' nun nur noch die Gegner der Schwulen sagen. Damit man sie daran gleich als Bösewichte erkennen und sperren kann? Komisch nur, dass der ähnlich gelagerte Begriff "gay" hingegen weiterhin erlaubt ist. Doppelte Maßstäbe? Oder einfach nur ein Zeichen für die abgrundtiefe Blödheit einer von amerikanischen Tech-Giganten dominierten Idiocracy? 

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Mittwoch, 4. Mai 2022

🎧 Hörbares: Die dunklen Seiten des römischen Imperiums -- Römische Thermen -- Das Lachen und die Religion, ein Widerspruch? -- "Rom am Rhein" -- Pierre Abélard -- usw.

 Die dunklen Seiten des römischen Imperiums | Spieldauer 21 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 Römische Thermen - Badekultur und Herrschaftsanspruch | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Lachen in der Philosophie - Kann Humor der Erkenntnis helfen? | Spieldauer 24 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Das Lachen und die Religion - Ein Widerspruch? | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Der öffentlich-schlechtliche Rundfunk macht sich Gedanken über die Einstellung der Religionen zum Lachen. Gleichzeitig ist er selbst zunehmend ein Kämpfer dafür, das Lachen über Religionen zu tabuisieren. Humor sozusagen als Einbahnstraße.

 Ausstellung "Rom am Rhein" in Köln | Spieldauer 8 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
"Archäologinnen UND Archäologen". Wow! Danke für diese Wortakrobatik, liebe Ideologinnen und Ideologen vom öffentlich-lächerlichen Dummfunk! Später im Beitrag vergessen die Herr- und Damenschaften das Gendern dann allerdings wieder; wohl weil es halt auch ihnen selbst zu anstrengend und schlicht zu deppert ist, diesen Käse permanent durchzuhalten. 
 
 Pierre Abélard , frz. Philosoph (Todestag, 21.04.1142) | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 Die Entdeckung der Osterinsel (am 05.04.1722) | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 Max Maria von Weber, Eisenbahnpionier (Geburtstag, 25.04.1822) | Spieldauer 15 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Der Boxeraufstand - Chinas Kampf gegen alles Fremde | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Passend dazu dieses musikalisch interessante Intro des Films "55 Tage in Peking", in dem der Boxeraufstand behandelt wird (und die deutsche Filmmusik dazu gibts hier, plus das berühmte Bild von Carl Röchlin).


Sonntag, 1. Mai 2022

📽️ Videos: Geschichtsexperte entsetzt über "Terra X" im ZDF -- Das alte ägyptische Rätsel um geschnittene Steine -- Unterwasser-Archäologie -- Geschichte der Brille -- usw.


 "Haarsträubend": Geschichtsexperte entsetzt über "Terra X" im ZDF | Spieldauer 15 Minuten | Youtube | Stream & Info
Ja, entsetzt bin ich auch sehr häufig über das Geschichtsfernsehen - egal ob es in Form einer Doku oder eines Historienfilms daherkommt. Siehe z.B. hier, hier, hier und hier. Es ist schon schlimm genug, wenn man historische Details aufgrund von Inkompetenz und Ignoranz nicht richtig auf die Reihe bekommt, aber wenn dann auch noch gezielt Ideologien wie Feminismus in das Produkt injiziert werden, dann kann dabei nur ahistorischer Schrott herauskommen. Der Historiker in dem Video begeht freilich einen Denkfehler: Er meint an einer Stelle, der öffentlich-schlechtliche Youtuber MrWissen2go würde - wenn es ums Mittelalter geht - schludrig arbeiten. Hingegen wären seine Videos zur neueren Geschichte sehr gut. Diese (Fehl-)Einschätzung des aufs Mittelalter, nicht aber auf die Zeitgeschichte spezialisierten Herren dürfe vom berüchtigten "Gell-Mann-Amnesia-Effekt" verursacht worden sein - an dem freilich sehr viele Medienkonsumenten laborieren. Michael Crichton erklärt ihn folgendermaßen: "Briefly stated, the Gell-Mann Amnesia effect is as follows. You open the newspaper to an article on some subject you know well. In Murray [Gell-Mann]’s case, physics. In mine, show business. You read the article and see the journalist has absolutely no understanding of either the facts or the issues. Often, the article is so wrong it actually presents the story backward—reversing cause and effect. I call these the “wet streets cause rain” stories. Paper’s full of them. In any case, you read with exasperation or amusement the multiple errors in a story, and then turn the page to national or international affairs, and read as if the rest of the newspaper was somehow more accurate about Palestine than the baloney you just read. You turn the page, and forget what you know." Ich halte es im Übrigen für sehr wahrscheinlich, dass viele Medienkonsumenten der Journaille trotz Negativerfahrungen deshalb weiterhin vertrauen, weil sie in eine andere psychische Falle getappt sind: Das "confirmation bias". Will heißen, solange ein Medium auch das publiziert, was dem eigenen Weltbild entspricht, umso leichter blickt man über grundsätzliche Mängel hinweg. Dass dann freilich eben dieses Weltbild mit hoher Wahrscheinlichkeit auf minderwertigen bzw. falschen Informationen beruht, erschließt sich vielen offenbar nicht.


 Archaeology in Jerusalem: Wine with Touches of Vanilla | Spieldauer 3 Minuten | Youtube | Stream & Info



 THIS Ancient Egyptian Saw-Cut Proves They Had a Lost Technology | Spieldauer 10 Minuten | Youtube | Stream & Info
Thesenspinnerei zum Thema "Steine schneiden" im bronzezeitlichen Ägypten. Die mittels interessantem Beispiel vorgebrachte Kritik an der gängigen Lehre entbehrt nicht einer gewissen Logik. 


 Die Legende über die Gründung Karthagos | Spieldauer 2 Minuten | ARTE | Stream & Info 

 Geheimnisvolle Brücke: Ponte Vecchio in Florenz | Spieldauer 5 Minuten | DW | Stream & Info

 Archäologische Unterwasser-Untersuchung im Arendsee | Spieldauer 2 Minuten | MDR | Stream & Info 

 Die Habsburger - Kampf um die Macht | Spieldauer 51 Minuten | ARTE | Stream & Info 
"Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar". Ausgerechnet in Österreich kann man sich die Doku über die mittelalterlichen Habsburger nicht ansehen. Wenn das mal keine Ironie ist! (Mit meinem VPN-Plugin gings dann natürlich trotzdem)

 Geschichte schreiben: Die Brille, Wissen ist Macht | Spieldauer 16 Minuten | ARTE | Stream & Info 
"Die Historikerin und Expertin für mittelalterliche Schriftkultur, Claire Angotti, zeigt, wie aus dem mittelalterlichen Lesestein die moderne Brille entwickelt wurde und sich das "Lesegestell" im Lauf der Zeit mit verschiedensten Bedeutungen auflud."  Meine VR-Brille muss ich von Zeit zu Zeit auch aufladen ...

Mittwoch, 27. April 2022

☠️ 'Beschissen': Chemiewaffen in der Antike


Wieder einmal habe ich eine kleine Quellen-Zusammenstellung aus dem hochinteressanten antiken Werk Strategika vorgenommen. Konkret geht es diesmal um den Einsatz von Giften im militärischen Kontext, was nach moderner Definition unter den Oberbegriff 'chemische Kriegsführung' fällt. Denn nicht nur beim Beseitigen unliebsamer politischer Konkurrenten, Ehemänner oder Herrscher scheint sich Gift dazumal einiger Beliebtheit erfreut zu haben, sondern auch im wesentlich größeren Maßstab. 


'Ausgeschissen' (sozusagen)

Dass die Kollegen von Asterix und Obelix in gewisser Weise tatsächlich 'Zaubertränke' brauten, um damit ihre Feinde zu bezwingen, veranschaulicht das folgende Beispiel.

Die Kelten waren gegen die Autariaten (ein illyrisches Volk) ins Feld gezogen und der Krieg hatte schon lange gedauert. Da mischten die Kelten unter die Speisen und den Wein schädliche Kräuter, ließen sie in ihren Zelten zurück und ergriffen bei Nacht die Flucht. Die Autariaten, die glaubten, die Kelten seien aus Furcht geflohen, nahmen die Zelte in Besitz und ließen sich den Wein und die Speisen über die Maßen schmecken.  Sogleich aber wurden sie von heftigem Durchfall ergriffen; während sie krank darniederlagen, kamen die Kelten zurück und brachten sie um.
Polyainos Strategika 7.42.1  | Übersetzung von Kai Brodersen, De Gruyter, 2017

Auch den alten Griechen war dieses Vorgehen im Krieg offensichtlich nicht ganz fremd; mit ähnlich 'beschissenem' Ausgang für den Feind. 

Als die Amphiktyonen Kirrha belagerten, entdeckten sie eine unterirdische Wasserleitung, welche die Stadt reichlich mir Wasser versorgte. Auf den Rat des Eurylochos holte sie von Antikyrha her eine große Menge Nieswurz und mischten ihn unter das Wasser. Als die Kirrhaier von dem Wasser tranken, bekamen sie Durchfall und konnten sich alle vor Entkräftung nicht mehr aufrecht halten. Die Amphiktyonen nahmen nun die Stadt ohne Mühe ein, da ihre Feinde krank darnieder lagen.
Polyainos Strategika 6.13.1  | Übersetzung von Kai Brodersen, De Gruyter, 2017


Alraunen und die Trunkliebe der Afrikaner

Statt auf Nieswurz und Durchfall wie im vorangegangenen Beispiel, setzten die Karthager auf die ebenfalls giftigen Alraunen bzw. deren einschläfernde Wirkung; wobei anzumerken ist, dass bei einer Überdosierung der Betroffene nicht nur in einen fast komatösen Schlaf fallen, sondern auch leicht an den Giftstoffen sterben konnte (die Menge macht bekanntlich das Gift).

Da Himilko von Karthago die Trunkliebe der Afrikaner kannte, versetzte er viele Krüge Wein mit Alraunen, legte sie vor der Stadt aus und zog sich, als die Feinde anrückten, in die Stadt zurück, als ob er nicht imstande wäre, ihrer Gewalt zu widerstehen. Die Afrikaner waren außerordentlich erfreut, dass sie die Karthager in die Stadt eingeschlossen hätten, und als sie die Krüge fanden, tranken sie den Wein in vollen Zügen. Sogleich fielen sie in den tiefsten Schlaf [und konnten deshalb leicht von den Karthagern überwältigt werden].
Polyainos Strategika 5.10.1  | Übersetzung von Kai Brodersen, De Gruyter, 2017

Dieses und die beiden vorhergehenden Beispiele erinnern ein wenig an eine Erzählung des griechischen Militärs und Autors Xenophon: Während des Marsches entlang der südlichen Schwarzmeerküste bedienten sich griechische Soldaten am Honig wilder Bienen. Daraufhin wurden sie von üblen Halluzinationen, Erbrechen und Durchfall geplagt, einige fielen sogar in einen komaähnlichen Zustand, doch erholten sie sich wieder völlig (Xenophon | Anabasis 4,8,20-21 | Übersetzung von Helmuth Vretska | Reclam 1958/2009)
Die Bienen dürften große Mengen an Blütenstaub gesammelt haben, der von Pflanzen stammt, die für den Menschen giftig sind; z.B. Rhododendron und Oleander. Übrigens, im Jahr 66 v. Chr. erlitt die Vorhut einer römischen Armee in derselben Gegend ein ähnliches Schicksal wie 350 Jahre zuvor Xenophons Kameraden. Nur dass die halluzinierenden Legionäre das Pech hatten, im falschen Moment von Feinden überrascht und niedergemacht zu werden; diese hatten nämlich die Honigwaben absichtlich auf der Marschroute der Römer platziert (Adrienne Mayor | Pontisches Gift. Die Legende von Mithridates, Roms größtem Feind | Theiss, 2011).

Schon wieder Alraunen: Caesar als Gefangener von Piraten

Von der Gefangennahm des noch recht jungen Caesar durch Piraten wurden variierende Erzählungen überliefert. Hier nun jene, die zum gegenständlichen Thema besonders gut passt. 

Als (Gaius Julius) Caesar zu Nikomedes segeln wollte, wurde er bei Malea von kilikischen Piraten gefangengenommen. Sie verlangten ein hohes Lösegeld; er aber versprach ihnen das Doppelte. Sie fuhren nun auf Miletos zu und legten sich außerhalb der Stadt vor Anker. Caesar sandte einen Sklaven, den Mileser Epikrates, zu einigen Milesern, und ließ sie bitten, ihm Geld zu leihen. Epikrates hatte aber von Caesar den Auftrag erhalten, außer dem Geld auch alles Erforderliche für ein großes Festmahl, einen mit Dolchen gefüllten Wasserkrug und mit Alraunen vermischten Wein herbeizuschaffen. Nachdem Caesar den Piraten das Doppelte des Lösegeldes ausbezahlt hatte, setzte er ihnen das Festmahl vor. Sie waren über den hohen Geldbetrag hocherfreut und begannen sogleich das Festmahl zu genießen. Als sie sie aber den vergifteten Wein getrunken hatten, fielen sie in einen tiefen Schlaf. Während sie schliefen, ließ Caesar sie umbringen und gab daraufhin den Milesern sogleich das Geld zurück.
Polyainos Strategika 8.23.1  | Übersetzung von Kai Brodersen, De Gruyter, 2017


Man arbeitete in der Antike nicht nur mit flüssigen Chemie-Kampfstoffen, sondern durchaus auch mit gasförmigen, welche man in Form von Feuern freisetzte. Stichwort "Rauchgasvergiftung". Mehr dazu in einem gesonderten Beitrag, denn die Anzahl der Quellen ist hier nahezu unübersichtlich groß. Ein entsprechendes Beispiel habe ich allerdings bereits in einem vorhergehenden Text beschrieben.



Dienstag, 26. April 2022

🎧 Hörbares: Aufstieg und Niedergang antiker Städte -- Eine andere jüdische Weltgeschichte -- Nachhaltigkeit in der Archäologie -- Die mittelalterlichen Beginen -- usw.


 Greg Woolf: „Metropolis. Aufstieg und Niedergang antiker Städte“ | Spieldauer 9 Minuten | DF | Direkter Download

 Der Dämon - Vom Geistwesen zum bösen Geist | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Antike remixed: Leonie Böhm inszeniert in Basel „König Teiresias“ nach Sophokles | Spieldauer 7 Minuten | DF | Direkter Download

 Nachhaltigkeit in der Archäologie am Beispiel Pompeji | Spieldauer 7 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download
Mir geht dieses oft auf reine Selbstbeweihräucherung abzielende Geschwafel von der "Nachhaltigkeit" schon sowas von auf den Wecker. Nirgendwo kann man ihm mehr entkommen, egal ob in der Politik, in der Wissenschaft oder in der Werbung. 🙄

 Beginen – Frauengemeinschaften im Mittelalter | Spieldauer 11 Minuten | DF | Direkter Download

 Sterne, Dinosaurier, Mittelalter | Spieldauer 6 Minuten | DF | Direkter Download

 Historiker Michael Wolffsohn über eine andere jüdische Weltgeschichte | Spieldauer 11 Minuten | DF | Direkter Download

 "Ur-Lausitzer" im Bautzener Museum | Spieldauer 3 Minuten | MDR | Stream & Info 


Samstag, 23. April 2022

📽️ Videos: Campus Galli mit neuer Attraktion -- Naturwissenschaftliche Methoden in der Archäologie -- Denkmalschutzschweinereien -- usw.


 Klosterbaustelle Campus Galli mit neuer Attraktion | Spieldauer 1 Minute | SWR | Stream & Info
Es muss sich jeder selber fragen, ob es sich auszahlt, deshalb eine lange Anreise in die baden-württembergische Pampa auf sich zu nehmen. Streichelzoos gibts nämlich auch anderenorts ...  Interessant ist außerdem, dass denen die Hüttendächer schon nach rund 10  Jahren vergammelt sind (einige Dächer sogar noch wesentlich früher). Ich kann mich noch erinnern wie sie ursprünglich getönt haben, der Krempel würde Jahrzehnte lang halten. Ich hatte dazumal allerdings darauf hingewiesen, dass das z.B. nicht für Holzschindel- und Strohdächer gilt, die aufgrund in der Nähe befindlicher Bäume oftmals beschattet sind. Und der Campus Galli steht nun mal mitten im Wald, wo insgesamt ein relativ feuchtes Mikroklima vorzufinden ist.

 Naturwissenschaftliche Methoden in der Archäologie: Interview mit Edith Schmidt | Spieldauer 26 Minuten | Youtube | Stream & Info



 Rettung für das Heilige Grab | Spieldauer 7 Minuten | Youtube | Stream & Info 



 Wie geht das zusammen: Denkmalschutz und Energiewende | Spieldauer 6 Minuten | Youtube | Stream & Info
"Energiewende". Aka 'Deindustrialisierung. Produziert wird unser Krempel immer mehr in China, wo die Energie wesentlich billiger (dreckiger) und Umweltschutz nur rudimentär vorhanden ist. Die Waren werden schließlich zu uns mit riesigen Frachtern gebracht, welche gigantische Mengen an Schweröl verbrennen. Die "Energiewende"-Nummer bringt der globalen Öko-Bilanz demnach nichts, zerstört aber den eigenen Wirtschaftsstandort. Wieder mal ein Trick 17 mit Selbstüberlistung. Aber Hauptsache das Öko-Gewissen von ein paar infantilen Ideologen - deren Horizont dem Umfang eines Bierdeckels entspricht - wird kurzfristig beruhigt. 


 Der Fall Greipl und der Denkmalschutz: Recht oder Gerechtigkeit | Spieldauer 6 Minuten | Youtube | Stream & Info



 Ulmer Schwertkämpfer erwecken vergessene Kampfkunst zu neuem Leben | Spieldauer 2 Minuten | SWR | Stream & Info 

 Wie sah High Tech bei den Römern aus? | Spieldauer 2 Minuten | xx | Stream & Info | Direkter Download

 Top 10 Largest Armies in the World (1816-2021) | Spieldauer 9 Minuten | Youtube | Stream & Info
Faszinierend! Sozusagen auch eine Art Rangliste der Steuergeldvernichtung. Umso interessanter ist die Sache für den Betrachter übrigens, wenn er zumindest einige der Jahreszahlen hinsichtlich ihrer Bedeutung einordnen kann.


Mittwoch, 20. April 2022

Krimskrams: 'Deutsche' sollen das Rad erfunden haben -- Markenlogos im Mittelalter -- Twitter und die doppelten Maßstäbe der Journaille

'Deutsche' sollen das Rad erfunden haben

Einen durchaus spannenden archäologischen Befund hat die Universität Kiel publiziert. Er wirft die Frage auf, ob das Rad wirklich im Nahen Osten erfunden wurde (zu dem Thema habe ich im Blog bereits eine interessante Monographie besprochen). Freilich, die Artikel-Überschrift mit der modernen Nationalitäten-Zuordnung "Deutsche" ist kompletter Nonsens.  Das wirkt wie aus einer anderen Zeit - und zwar aus einer, die rund 80 Jahre zurückliegt ...

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Twitter und die doppelten Maßstäbe der Journaille


Der Unterschied zwischen Jeff Bezos und (dem gewiss nicht moralisch perfekten) Elon Musk kurz erklärt: Bezos ist Teil des reaktionären Zensur- und Tabuisierungskartells (Amazon zensiert etwa immer wieder ideologisch nicht genehme Bücher und tobt sich ähnlich - wie ich selbst schon mehrfach festgestellt habe - auch im Rezensionsbereich kräftig aus; auch schreckt man nicht davor zurück, die eigenen Cloud-Services den weniger rigide zensierenden sozialen Medien - siehe etwa Parler - über Nacht abzudrehen). Musk auf der anderen Seite ist - wie er selbst sagt - ein "free speech absolutionist"; will heißen, es ist so ziemlich alles erlaubt, was nicht vom Gesetz ausdrücklich verboten wurde. Während also der Amazon-Gründer keine Gefahr für die Deutungshoheit und die weltanschaulichen Homogenisierungsbestrebungen der Journaille darstellt, besitzt Musk ein großes Störfaktor-Potential; ist doch Twitter quasi das Intranet eben dieser Journaille, wo ein erheblicher Einfluss darauf ausgeübt wird, welche Inhalte ihren Weg in Nachrichtensendungen und Zeitungsartikel finden (vielen Medienkonsumenten ist das nicht bewusst und sie unterschätzen deswegen die Bedeutung von Twitter). Es gibt passenderweise eine interessante Studie, der zufolge Journalisten, nicht zuletzt auf Twitter, gerne von anderen Journalisten abschreiben; vor allem von solchen, die für größere/'angesehenere' Medien arbeiten, also quasi 'höherrangig' sind. Man kann Twitter daher auch getrost als einen journalistischen Inzucht- sowie Kreiswichsverein bezeichnen. Die dort Herumspukenden wollen sich sozusagen nicht von Elon Musk beim Wichsen stören lassen. Und obschon sie sich für moralisch besser halten, beklatschen sie nun ausgerechnet einen dubiosen Saudi-Prinzen, den Investmentbank-Molloch Morgan Stanley und die berüchtigte Investmentgesellschaft Blackrock als Verbündete in der Übernahmeschlacht. Diese Akteure der Finanzindustrie wollen nämlich ihren Einfluss auf die Meinungsschleuder Twitter behalten und haben das äußerst großzügige Kaufangebot des Tesla- und SpaceX-Chefs Elon Musk abgelehnt. Nach dem Warum wird bezeichnenderweise nicht gefragt, obschon das im Angesicht der Tatsache, dass das Geschäftsmodell des Kurznachrichtendienstes Twitter nicht wirklich funktioniert und die Benutzerzahlen stagnieren, doch hochinteressant zu erfahren wäre. 

Man höre sich zu dem Thema auch eine äußerst entlarvende Aussage der CNN-Alpha-Journalistin Mika Brzezinski an. Im folgenden kurzen Clip meint sie allen ernstes, Job der Medien sei es, das Denken der Leute zu kontrollieren.


In welcher Demokratie wurde denn je eine kleine Clique von Journalisten als denkbestimmende Autorität legitimiert? Diese Xanthippe könnte direkt aus einem Orwell-Roman entsprungen sein, allerdings ist ihre zutiefst undemokratische Haltung typisch für den journalistischen Berufsstand und dessen Wurmfortsatz, nämlich das mit politischer Knete vollgepumpte Fakten-Checker-Business. Auch dazu erschien übrigens schon eine wissenschaftliche Untersuchung, der zufolge Nachwuchsjournalisten immer weniger ein Interesse daran haben, den Rezipienten zu informieren, sondern sie wollen ihn vielmehr in seinem Denken beeinflussen. Ich halte diese Tendenz übrigens für nicht neu und leider typisch menschlich. Allerdings ist es hochgradig verlogen, wenn man als Journalist trotzdem unbeirrt Objektivität für sich in Anspruch nimmt, um nicht Vertrauen und somit Einfluss zu verlieren. Sie verstehen sich als Demokraten, sind aber offensichtlich Mediokraten mit paternalistischer Attitüde (freilich, vielleicht sollte man im Angesicht der bei Journalisten vorherrschenden Gesinnung - aka 'Haltung' - eher von 'maternalistisch' sprechen ...).

Wie bereits oben angesprochen: Twitter und andere IT-Giganten wie Amazon, Google (Alphabet), Facebook (Meta)  und Apple sitzen mit der Journaille in vielen Fragen Hintern an Hintern im selben wurmstichigen Ideologieboot. Das hat unter anderem damit zu tun, dass sowohl das Personal von Medien wie auch jenes von IT-Unternehmen überwiegend in einem weltanschaulich massiv schlagseitigem Universitätssystem ausgebildet wird (empirisch belegt durch diverse Studien hinsichtlich der politischen Präferenzen von Professoren). Entsprechend agieren die Medien als Stichwortgeber, Pressure-Group und Einpeitscher für immer weiter ausgreifende Zensurmaßnahmen auf sozialen Medien. Sie spielen sozusagen Suckerböörg und Co. die Bälle zu, oft über die Bande der Politik. Wenn nun aber plötzlich ein Musk daherkommt, Twitter kaufen möchte, um zumindest dort die ideologisch motivierte Brachialzensur zu beseitigen (man denke nur an das berüchtigte Misgendering, über das ich mich in meinem Twitter-Profil lustig mache und das jüngst zur Sperrung des Twitter-Kontos einer großen us-amerikanischen Satire(!)-Website geführt hat), dann  hüpfen natürlich vor allem jene wie Rumpelstilzchen hektisch im Kreis herum, welche die gängigen Narrative mittels dieser Plattform beeinflussen wollen. Oder anders gesagt: Jeder Stusstexter, Schreibsöldner und Nachrichtenvorleser - der hysterisch gegen Musk wegen dessen beabsichtigter Twitter-Übernahme anplärrt - ist jetzt quasi so 'freundlich', der Öffentlichkeit seine totalitäre Gesinnung zu offenbaren. Hingegen alle anständigen Menschen, für die das Recht auf freie Meinungsäußerung keine hohle und beliebig interpretierbare Phrase ist, werden in einem Kauf von Twitter durch Musk zumindest eine große Chance sehen, den gravierenden Fehlentwicklung der letzten Jahren entgegenzusteuern. Man wird nun abwarten müssen wie die Sache ausgeht. 

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Markenlogos im Mittelalter

Abschließend etwas Lustiges: Sehr schön gemacht! 😄


Montag, 18. April 2022

🎧 Hörbares: KI hilft beim Rekonstruieren von Fresken in Pompeji -- Das archäologische Rätsel von Unterregenbach -- Biblische Archäologie am Zionsberg -- usw.

 Antikes Puzzle: KI hilft beim Rekonstruieren von Fresken in Pompeji | Spieldauer 5 Minuten | DF | Direkter Download

 Auch während der Pandemie – biblische Archäologie am Zionsberg geht weiter | Spieldauer 10 Minuten | DF | Direkter Download

 Das archäologische Rätsel von Unterregenbach und ein Streit | Spieldauer 8 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Archäologen finden bronzezeitliches Salzsiedeviertel in Sachsen-Anhalt | Spieldauer 2 Minuten | DF | Direkter Download

 Frühmittelalterliches Mädchengrab mit spektakulärem Perlenschatz | Spieldauer 3 Minuten | SWR | Stream & Info 

 Glasperlen und Bernstein – Früher Handel zwischen Ostsee und Orient | Spieldauer 27 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download



Freitag, 15. April 2022

📽️ Videos: Time Team sucht Römer-Villa -- Pompeji -- Uniformen des 1. Weltkrieges -- usw.


 Time Team – Dig Two: Day One (Oxfordshire) Series 21 | Spieldauer 32 Minuten | Youtube | Stream & Info 
Die aktuelle Folge der neu aufgelegten Archäologieserie Time Team: Diesmal begibt man sich auf die Suche nach einer antiken römischen Villa. Die beiden anderen Teile dieses zweiten Grabungsprojektes findet man auf dem Youtube-Kanal von Time Team.


 Pompeji – Nola – Herculaneum. Katastrophen am Vesuv | Spieldauer 7 Minuten | Youtube | Stream & Info
Sehr schöne archäologische Funde aus Pompeji werden in diesem Video gezeigt.


 Gemalter Glaube. Mittelalterliche Kirchen in der Altmark | Spieldauer 18 Minuten | Youtube | Stream & Info



 Erster Weltkrieg: Unteroffizier der Maschinengewehr-Scharfschützen | Spieldauer 13 Minuten | Youtube | Stream & Info 
Ein Reenactor erklärt auf dem Kanal PLW Review seine deutsche (preußische) Uniform und Ausrüstung aus der Zeit des 1. Weltkrieges. Sehr informativ, wenn man so wie ich davon keinen Dunst hat.


 Erster Weltkrieg: Französischer Soldat 1916 erklärt! | Spieldauer 6 Minuten | Youtube | Stream & Info
Selber Kanal, hier wird nun aber eine Uniform der Franzmänner erklärt. Die Gasmaske sieht aus wie ein selbstgebasteltes Kinderspielzeug. Ich frage mich wie gut so ein Ding damals im Ernstfall funktioniert hat...


Dienstag, 12. April 2022

🪂 Fallschirm und Bodenradar für den Tunnelkampf: Die ungewöhnlichen Anwendungsgebiete des Schildes in der antiken Kriegsführung

Hopliten

Die beiden antiken Werke "Poliorketika" und "Strategika" (siehe auch die verlinkten Rezensionen ganz unten) erweisen sich immer wieder als eine hervorragende Quelle voller interessanter und kurioser Informationen hinsichtlich des antiken Kriegshandwerks. Hier nun einige von mir ausgesuchte Beispiele, in denen der Schild im Mittelpunkt steht, aber z.B. auch Schlaglichter auf den Tunnelkampf geworfen werden (weiter Themenkomplexe folgen in den kommenden Wochen und Monaten, weil ich der Meinung bin, dass es lohnenswert ist, diese weitestgehend unbekannten Überlieferungen der Allgemeinheit zu präsentieren).


Der Schild als Bodenradar

Eine alte Geschichte wird erzählt: <Lücke> den Amasis, der die Barkaier belagerte, als er eine Untergrabung versuchte. Die Barkaier bemerkten das Vorhaben des Amasis und fürchteten, dass er heimlich oder ungehindert seinen Zweck erreichen könnte; dann kam ein Schmied durch Überlegungen auf folgenden Gedanken: Er trug einen Bronzenen Schild innerhalb der Mauern herum und hielt ihn überall an den Boden; an den anderen Orten, an die er die Bronze hielt, blieb es ohne Klang, wo man aber untergrub, gab es ein Echo. Nun gruben die Barkaier dort einen Gegentunnel und töteten viele von den Untergrabenden. Daher nutzt man auch heute noch dieses Mittel, um zu erkennen, wo untergraben wird.
Aeneas Tacticus | Poliorketika/Stadtverteidigung 37.6 | Übersetzung von Kai Brodersen, De Gruyter 2017

Übrigens, als Philippos V. von Makedonien die Stadt Prinassos belagerte, wollte er diese  untertunneln, um so in sie eindringen zu können. Allerdings stießen seine Soldaten im Laufe der Arbeiten auf harten Fels und konnten deshalb das Vorhaben nicht fortführen. Philippos verfiel nun aber auf eine List: Um die Verteidiger der Stadt in Angst zu versetzen und zur Kapitulation (zu günstigen Bedingungen) zu bewegen, gaukelte er ihnen vor, er würde nach wie vor erfolgreich einen Tunnel graben. Aus diesem Grund ließ er in in den kommenden Nächten aus einiger Entfernung Aushubmaterial heranschaffen und am Tunneleingang aufhäufen. Die Einwohner von Prinassos dachten deshalb, sein Tunnel würde gute Fortschritte machen und so übergaben sie schließlich die Stadt freiwillig, um ein Gemetzel durch eindringende Truppen zu verhindern (Polyainos | Strategika 4.18.1  | Übersetzung von Kai Brodersen, De Gruyter 2017)
Hier stellt sich die Frage: Warum hatte man keinen Schild zur akustischen Überwachung verwendet? Das erste Beispiel oben vermittelt schließlich den Eindruck, dass dies eine durchaus gängige Methode war. Hätte man damit den Bluff nicht leicht durchschauen können? Oder vertrauten die Menschen in Prinassos schlicht dem Ergebnis nicht? War das Abhören des Bodens mittels Schild eventuell keine besonders verlässliche Sache und stark abhängig von Faktoren wie der Bodenbeschaffenheit sowie der Tiefe, in welcher der Tunnel gegraben worden ist? 
Dass die besagte Tiefe - eventuell um Felsen aus dem Weg zu gehen - nicht zwingend besonders groß war, wird aus einer anderen Überlieferung ersichtlich, in der es heißt, die 'Mineure' des persischen Großkönigs Dareios hätten die Agora der Stadt Kalchedon dadurch zielsicher gefunden, indem sie sich an den Baumwurzeln jener Olivenbäume orientierten, welche rund um den Platz gepflanzt waren (Polyainos | Strategika 7.11.5 | Übersetzung von Kai Brodersen, De Gruyter 2017). Das bedeutet, der Tunnel kann sich nur wenige Meter unter der Erdoberfläche befunden haben, da die Wurzeln von Olivenbäumen selbst unter optimalen Umständen nur bis maximal 7 Meter tief ins Erdreich ausgreifen. Es ist also durchaus denkbar, dass man Erschütterungen, die das Graben und Hacken verursacht, an der Oberfläche mittels dem beschriebenen Bronzeschild noch wahrnehmen kann. Entsprechend interessant wäre es freilich, das anhand von Experimenten zu überprüfen.


Eine metallene Alarmanlage und ein mit Vogelfedern gefüllter Flammenwerfer

Metallene ("eherne") Gerätschaften mysteriöser Art verwendete man auch anderenorts, um unterirdische Grabungsaktivitäten zu orten. Darüber hinaus bezeugt das folgende Beispiel technischen Einfallsreichtum auch auf einem weiteren Gebiet.

Als die Römer Amprakia belagerten und viele von ihnen teils verwundet, teils getötet wurden, gruben sie, um die Stadt einnehmen zu können, einen engen Tunnel unter der Erde. Lange Zeit hielten sie dies vor den Feinden geheim. Als sich aber der Aushub bedeutend anhäufte, merkten die Amprakioten, was vorging, gruben nun ihrerseits von innen her in entgegengesetzter Richtung einen Tunnel, zogen an dessen Ende noch einen Quergraben und stellten dort dünne eherne Gegenstände nebeneinander auf, damit, wenn die Feinde auf diese stießen, ein Klang entstehe. Sobald der Klang vernommen wurde, rückten sie ihnen unter der Erde entgegen und kämpften gegen sie mit langen Lanzen. Da sie aber in dem engen finsteren Tunnel nicht viel ausrichten konnten, machten sie ein Fass, das in den Tunnel passte, bohrten in dessen Boden ein Loch, steckten eine kleine eiserne Röhre hindurch, füllten das Fass mit Flaumfedern, legten ein wenig Feuer hinein und einen Deckel mit vielen Löchern darauf. Diesen drehten Sie in Richtung der Feinde und steckten das Fass in deren Tunnel. Hinten am Fass verbanden sie einen Schmiedeblasebalg mit der Röhre und setzten, indem sie Luft einströmen ließen, die Federn in Brand. Der Tunnel füllte sich mit einem dichten und beißenden Rauch, so dass die Römer, weil sie ihn nicht aushalten konnten, die unterirdische Belagerung aufgaben.
Polyainos | Strategika 6.17.1  | Übersetzung von Kai Brodersen, De Gruyter 2017


Der Schild als Fallschirm oder Paragleiter

Von der finsteren Tiefe nun in die Luft - obwohl es schlussendlich auch hier bergab geht. Der Leser mag selbst entscheiden wie groß er den Wahrheitsgehalt dieser letzten Überlieferung einschätzt ...

Nachdem  Aristomenes, der Anführer der Messener, dreimal das Dankopfer für je 100 geschlagene Lakedaimonier (=Spartaner) dargebracht hatte, wurde er schwer verwundet und mit mehreren anderen gefangen genommen. Die Lakoner beschlossen, alle in den Abgrund zu stürzen, die meisten nackt, den Aristomenes aber wegen seines Kriegsruhms in der Rüstung. Die meisten also waren, sobald sie herabgefallen waren, sofort tot; den Aristomenes aber trug sein Schild, der die Luft auffing, sanft hinunter. [...]
Polyainos Strategika 2.31.2  | Übersetzung von Kai Brodersen, De Gruyter 2017

Man fühlt sich hier ein bisschen an den Film "300" erinnert. Nur dass man darin dem persischen Gesandten keinen fallschirmartigen Schild in die Hand gedrückt hat, bevor man ihn in den Abgrund beförderte.


Samstag, 9. April 2022

🎧 Hörbares: Die Erfindung des Ackerbaus -- Die Erfindung der Schrift -- Stadtgründungen im Mittelalter -- usw.


 Anfänge der Kultur: Die Erfindung des Ackerbaus | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Anfänge der Kultur: Die Erfindung der Kunst | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Anfänge der Kultur: Die Erfindung der Schrift | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Punkt - Als die Satzzeichen erfunden wurden | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Romeo und Julia - Die tragische Lovestory | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Mittelalter erleben: Stadtgründungen | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Verbrechen früher: Das Gefängnis | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Staat und Geld: Noch nie ging es ohne Kredit | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download


Mittwoch, 6. April 2022

📽️ Videos: Archäologie aus der Vogelperspektive -- Rüstungen im Kunsthistorischen Museum Wien -- Das Römerschiff -- Der antike Parthenon -- usw.


 Archäologie aus der Vogelperspektive | Spieldauer 6 Minuten | DW | Stream & Info

 "Iron Men" - so war's wirklich! | Spieldauer 26 Minuten | Youtube | Stream & Info
Interessante Sendung zur gerade laufenden Sonderausstellung über spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Rüstungen im Wiener Kunsthistorischen Museum. Ich stimme nicht allem darin zu - der Leser mag raten, was das z.B. sein könnte 😉


 War darts. Every dart. Every way | Spieldauer 22 Minuten | Youtube | Stream & Info



 Der antike Parthenon | Spieldauer 79 Minuten | ARTE | Stream & Info 
Achtung, Seher brauchen eine deutsche IP. Die übliche 'Pflanzerei' der Öffentlich-Lächerlichen.

 Rätselhaftes Paris: Alchemisten und Templer | Spieldauer 43 Minuten | ZDF | Stream & Info 
Ebenfalls mit weltoffener Ländersperre versehen. Wie geht dieser Nationalismus eigentlich mit dem Wahlverhalten bzw. der damit verbundenen Weltanschauung der öffentlich-schlechtlichen Rundfunker konform? Zuerst das Fressen, dann die Moral?

 Das Römerschiff | Spieldauer 15 Minuten | BR | Stream & Info 
Diese Handmikrophone werden auch immer länger. Das Ding hat ja schon fast Baseballschlägergröße. Warum eigentlich? Mehr Platz für Akkus? Zur Selbstverteidigung, weil Journalisten sich einer immer größeren 'Beliebtheit' erfreuen? Billiger als sich von irgendwelchen Schlägertypen z.B. im Rahmen einer Demo-Reportagen schützen zu lassen, ist das freilich schon ...

 Die verschwundene Madonna | Spieldauer 28 Minuten | ARD/RBB | Stream & Info 
Unschön, solche Kirchendiebstähle. Aber ich würde mir auch Sorgen darüber machen, dass es in Europa seit einigen Jahren zu einer Fallhäufung von sich scheinbar spontan selbstentzündenden Kirchen kommt. Um ein Zeichen von oben - á la 'Brennender Dornbusch' - wird es sich dabei wohl eher nicht handeln.

 Mauern, Brunnen, Galgenstricke · Die Stadt im späten Mittelalter | Spieldauer 14 Minuten | ARD/SWR | Stream & Info 

 Wie kam der Ritter in die Rüstung? | Spieldauer 25 Minuten | BR | Stream & Info 

 Horch 855 Spezialroadster, 1938, der wertvollste Horch Oldtimer der Welt! | Spieldauer 35 Minuten | Youtube | Stream & Info 
Ok, das passt thematisch überhaupt nicht zum Blog, und ich bin nicht mal ein Benzinbruder (fahre einen Skoda), aber diesen Oldtimer muss man einfach gesehen haben!