Freitag, 31. Juli 2020

🌞 Hiltibold has left the building! 🌴

Ich brause nun - wie jedes Jahr um diese Zeit - mit Vollgas in die Sommerpause. Endlich werde ich dazu kommen, einige interessante Bücher zu lesen, die ich teilweise schon viele Monate lang im Regal stehen habe:
Außerdem werde ich eine umfangreiche und für die Blogleser hoffentlich unterhaltsame Besprechung der im Vorjahr veröffentlichten Kino-Doku über die Mittelalterbaustelle Campus Galli schreiben 😊. Besagte Doku kann übrigens mittlerweile von Amazon-Prime-Mitgliedern kostenlos angesehen werden (gut, dass ich so lange gewartet habe...).

Anfang September geht es dann hier wieder weiter. Bis dahin wünsche ich allen einen erholsamen, vollentspannten Rest-Sommer!




Mittwoch, 29. Juli 2020

📽️ Videos: Die Römer auf dem Schöckl -- Heinrich Schliemann -- 30 Skelette entdeckt -- Steinzeit Ernährung



 Archäologie: Die Römer auf dem Schöckl | Spieldauer 5 Minuten | Youtube | Stream & Info
Der Schöckl ist der sogenannte Hausberg von Graz und lockt vor allem im Sommer Wanderer an (mich nicht, da ich Bergwanderungen nicht ausstehen kann). Offenbar haben sich auch die Römer schon gerne dort oben herumgetrieben, wie u.a. aktuell laufende Grabungen zeigen.


 Schliemann: Vom Geschäftsmann zum Archäologen | Spieldauer 4 Minuten | NDR | Stream & Info

 Archäologie: 30 Skelette in Stralsund gefunden | Spieldauer 1 Minute | NDR | Stream & Info
Ein besonders drastisches Beispiel dafür, wie ungesund das Rauchen sein kann ... 😉

 Was ist dran an der Steinzeit-Ernährung? | Spieldauer 3 Minuten | ARD | Stream & Info

 Schloss Leuben: Die Geschichte von den verschwundenen Gemälden | Spieldauer 2 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info

 Australien: 7000 Jahre alte Steinwerkzeuge im Meer entdeckt | Spieldauer 2 Minuten | Spiegel | Stream & Info

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Montag, 27. Juli 2020

🎧 Hörbares: Die Sphinx -- Delphi, das Orakel des Apollon -- Der Mandäismus -- Thietmar von Merseburg -- usw.



Die Sphinx - Halb Löwe, halb Mensch | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Delphi - Das Orakel des Apollon | Spieldauer 20 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 25. 7. 975: Geburtstag des Geschichtsschreibers Thietmar von Merseburg | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 13. 7. 2010: Museum der menschlichen Evolution eröffnet | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 Friedrich II und die Seidenraupen | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Maria Theresia - Regentin und Reformerin | Spieldauer 21 Minuten | xxx | Stream & Info | Direkter Download

 Die Violine - Die Geschichte eines Instruments | Spieldauer 20 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Weltreligion Hinduismus - Viele Wege führen zum Ziel | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Der 2000 Jahre alte Mandäismus: Ohne Priester keine Zukunft | Spieldauer 10 Minuten | DF | Stream & Info Direkter Download

 Drusentum - Die geheime Religion | Spieldauer 10 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

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Samstag, 25. Juli 2020

✍️ Schreibuntensilien der Antike: Binse, Calamus, Federkiel, Stylus, Diptychon und Papyrus



Gaudium magnum - endlich einmal kein Saftladen!

Die Living-History- bzw. Reenactment-Szene ist geradezu druckbetankt mit unprofessionellen Handwerkern und Händlern, die E-Mails nicht oder erst nach vielen Tagen beantworten, die sich nicht an Lieferfristen halten oder gleich ganze Aufträge vergessen, obwohl sie längst das Geld dafür kassiert haben. Von meinem entsprechenden Ärger habe ich hier in den Vergangenen acht Jahren ja schon reichlich berichten können. Dass es auch anders geht, zeigt das folgende Beispiel:

Vor einiger Zeit habe ich mir beim Online-Shop Forum Traiani eine Auswahl an schönen Reproduktionen von Schreibutensilien gekauft, die in dieser Form von den Menschen der Antike - z.T. aber auch noch darüber hinaus - im Alltag genutzt wurden. Die Bestellung wurde ruck-zuck bearbeitet und die Ware kam bald darauf bei mir zuhause an. Die Preise sind überwiegend akzeptabel, doch gerade bei handgefertigten Keramikobjekten - dazu ein kommt noch ein gesonderter Beitrag - kann man einige Euro sparen, wenn man direkt den deutschen Hersteller kontaktiert und von ihm eine (verbesserungswürdige) Preisliste anfordert. 
Praktischerweise wird bei Forum Traiani die (mir bisher nicht bekannte) Möglichkeit angeboten, mittels "Amazon Pay" zu bezahlen. Das bedeutet, ohne Mehrkosten für einen selbst kann man über sein Amazon-Konto den Zahlungsvorgang abwickeln. Weder müssen hier die Adress- noch irgendwelche Konto- oder Kreditkarten-Daten extra eingeben werden (einziger Nachteil: Der Amazon-Heini Bezos wird dadurch noch reicher). 
Übrigens, der Händler verkauft nicht nur über seine eigene Homepage und "Amazon Pay", sondern auch direkt bei Amazon. Allerdings scheint man dort nicht den gesamten Warenbestand anzubieten und die Preise sind etwas höher.


Die Schreibutensilien im Detail

Die Binse: Dabei handelt es sich um eine global relativ weit verbreitete Pflanze, deren Stängel einerseits eine steife Rinde aufweist, andererseits aber auch ein weiches, saugfähiges Mark besitzt. Der Binsenstängel wurde wegen diesen Eigenschaften schon im Alten Ägypten zum Schreiben und Malen auf Papyrus, Holz, Baumrinde, Wandputz sowie Keramik genutzt. Es sind uns etliche Darstellungen überliefert, die sehr schön zeigen wie mit dem stumpf abgeschnittenen, oft aber auch pinselartig zerkauten bzw. zerfaserten Stengelende geschrieben worden ist. Aufbewahrt wurde dieses Schreiberät gerne in einem Holz-Etui.
Die populäre Binse fand sogar Verwendung als sogenannter Thron-Name von Herrschern - etwa in der Form: "Der von der Binse, der von der Biene" (die Binse steht hier für den Reichsteil Unterägypten, die Biene für den Reichsteil Oberägypten). Jedoch von all dem abgesehen, eignet sich die Binse bis heute besonders gut zum Niederschreiben von Binsenweisheiten 😄. 

Der Calamus: Dieses seit ungefähr dem 6. Jh. v. Chr. gebräuchliche Schreibrohr wurde überwiegend aus kostengünstigem Schilf hergestellt, aber auch exklusivere Varianten aus Kupferlegierungen waren in Verwendung. Da die Spitze des pflanzlichen Calamus beim Schreiben relativ schnell verschliss, musste sie mit einem kleinen Messer - dem scalprum -  immer wieder neu zugerichtet werden. 
Atramentum war die gebräuchliche lateinische Bezeichnung für Tinte, in die man den Calamus (aber auch die oben erwähnte Binse) tauchte. Das Wort leitet sich von ater ab, was so viel wie "schwarz" bedeutet. Daran ist gut abzulesen, welche Färbung die aus Ruß und dem Baumharz Gummi arabicum hergestellte Flüssigkeit hatte. Aber auch farbige Tinte war nicht unbekannt; rote wurde beispielsweise auf der Basis von Mennige (=Eisenoxid, Bleioxid) hergestellt.
Schreibfehler löschte man mit einem angefeuchteten Schwamm - spongia genannt. Je nach Beschreibstoff (Papyrus, Pergament, Holz) und Stadium der Trocknung konnte hierbei allerdings das Abkratzen der Tinte (sog. 'Palimpsestieren') mit einer Klinge die bessere Vorgehensweise sein.

Die Feder bzw. der Federkiel: Dieses Schreibgerät scheint sich erst am Ende der Antike einer zunehmenden Beliebtheit erfreut zu haben. Wie der Calamus musste der Federkiel zugespitzt werden (das ist bei der abgebildeten Gänsefeder noch nicht der Fall); vorher war jedoch eine Härtung des Endes durch eine Kombination aus Einweichen und Erhitzen nötig (hier bereits geschehen). Wie beim Calamus, so musste auch beim Federkiel immer wieder nachgespitzt werden. Meiner persönlichen Erfahrung nach, schreitet die Abnutzung hier allerdings langsamer voran.

Der Stylus bzw. der Schreibgriffel: Dieses Schreibgerät, das aus Metall oder organischem Material wie Knochen hergestellt wurde, fand beim Schreiben auf Wachstafeln (aber auch auf ungebranntem Ton) Verwendung - siehe unten. Aus naheliegenden Gründen haben sich im archäologischen Fundgut vor allem Exemplare aus (Bunt-)Metall erhalten. Die oben abgebildete Ausführung ist sehr einfach. Man entdeckte jedoch auch wesentlich aufwendiger gestaltete Stücke.

Das Diptychon: Dabei handelt es sich um zwei meist aus Holz gefertigte, zusammengebundene Tafeln, in deren Vertiefungen man eingefärbtes Bienenwachs goss. Für die Antike sind schwarze Wachstafeln mehrfach auf Darstellungen und im archäologischen Fundgut belegt, aber auch farbige Varianten werden angenommen. Für Schwarz wurde nachweislich Ruß als Pigment verwendet, im Falle von Rot könnte ich mir gebrannten Ocker oder Eisenoxid vorstellen - siehe etwa das Pompejanisch-Rot, mit dem man im Antiken Rom gerne großflächige Teile des Außenverputzes einfärbte und Werbetexte auf Fassaden malte. Geschrieben (geritzt) wurde auf solchen Wachstafeln mit der Spitze des Stylus, gelöscht mit dessen abgeflachten, spatelförmigen Ende.
Wachstafeln wurden allgemein auch als tabulae ceratae (Mz.) bzw. tabula cerata (Ez.) bezeichnet (tabula = Tafel, cera = Wachs). Kleinformatige Ausführungen nannte man manchmal pugillares oder codicilli. Es gab auch solche mit drei oder mehr verbundenen Tafeln, die triptychon bzw. polyptychon genannt wurden. Sie werden wohl Vorbild für den klassische Codex gewesen sein, also das gebundene Buch mit Pergamentseiten, welches die meist aus Papyrus gefertigte Schriftrolle ablöste.
Wachstafeln wurden von der Antike bis ins Mittelalter wohl primär als Notizbuch verwendet. Allerdings kam es vor, dass man darauf sogar Kaufverträge fixierte und die zusammengeklappten Tafeln im Anschluss mit einem Siegel versah, wie etwa Funde aus Pompeji bezeugen. Auch Briefe wurden mitunter in dieser Form verschick - das geht u.a. aus einem Schreiben Ciceros an seinen Bruder Quintus hervor ("Diesen [Antwort-]Brief haben mir deine Schreibtäfelchen lautstark abgenötigt").
Das von mir gekaufte Diptychon (je Tafel 14 x 9 cm) war ziemlich günstig, sah mir ursprünglich aber zu modern gefertigt aus (siehe das Foto ganz oben). Deshalb habe ich es mit einfachen Mitteln verbessert. Der entsprechende Vorgang wurde hier beschrieben.

Papyrus: Dieser aus langfaserigen, übereinandergeklebten Stengelmark-Streifen der Papyrus-Pflanze hergestellte Beschreibstoff war (im Vergleich zu Pergament) 'relativ' kostengünstig. Allerdings wird er bei weitem nicht so billig zu haben gewesen sein wie unser modernes Papier (das seinen Namen vom Papyrus vererbt bekam - wobei man interessanterweise in der Antike selbst den Beschreibstoff Papyrus vor allem als charta bezeichnet hat; davon leiten sich wiederum unsere modernen deutschen Wörter 'Karton' und 'Karte' ab).
Der Umstand, dass eine zu häufige Nutzung von Papyrus ins Geld gehen konnte, erklärt vermutlich die Existenz der leicht wiederbeschreibbaren Wachstafeln (siehe oben). Darüberhinaus dürfte die Verwendung von Papyrus mit der zunehmenden Entfernung von den ägyptischen Hauptanbau- und Herstellungsgebieten aufgrund steigender Transportkosten abgenommen haben. Vielleicht nicht ganz zufällig wurden ausgerechnet im fernen (Groß-)Britannien etliche furnierartige, mit Tinte beschriebene Holzplättchen entdeckt. Diese sogenannten "Vindolanda tablets" stellten für bestimmte Zwecke einen günstigen Papyrus-Ersatz dar.
Im Laufe der Antike kam es zu Papyrus-Versorgungsengpässen - sogar staatlich verordnete Rationierungen waren die Folge davon. Dieser Umstand und besonders die Brüchigkeit des Papyrus werden maßgeblich dazu beigetragen haben, dass es in der Spätantike nach und nach von dem aus Tierhäuten hergestellten Pergament ersetzt worden ist. Pergamentbögen waren zwar um einiges teurer, allerdings auch beständiger und wesentlich geeigneter für das Binden zu Büchern (codices), welche damals die lange Zeit gebräuchliche Schriftrolle (rotulus) weitestgehend ablösten (ein Problem bei Buchrollen war auch, dass durch das ständige Ein- und Ausrollen aufgetragene Farben brüchig wurden, was besonders Illustrationen schadete). Aufgrund der Kosten wurden im Zuge der Umstellung fast nur jene Texte von Papyrus auf Pergament 'rüberkopiert', die man für bedeutend genug hielt. Bedingt durch den Zeitgeist war der Inhalt vor allem religiöser und philosophischer Natur. Hingegen die Naturwissenschaften, die Geschichtsschreibung usw. wurden vergleichsweise stiefmütterlich behandelt.
Zum Schluss eine persönliche Beobachtung aus der Praxis: Beim Schreiben auf Papyrus mit z.B. einem Calamus kann es passieren, dass man mit der Spitze an den im rechten Winkel überinandergeklebten Mark-Streifen hängenbleibt. Dieses Problem kann allerdings weitestgehend vermieden werden, wenn das Blatt so auf dem Tisch gelegt wird, dass die Papyrusstreifen auf der zu beschreibenden Seite nicht senkrecht, sondern waagrecht zu einem stehen. Die Frage für mich ist hier, in welchem Ausmaß dieses Phänomen bereits in der Antike existierte (ich bilde mir ein, irgendwo schon einmal davon gelesen zu haben). Laut Plinius gab es nämlich bei Papyrus unterschiedliche Qualitätsstufen - von fein bis sehr grob. Da ich keine Vergleichsmöglichkeit habe, kann ich nicht einschätzen, in welche Kategorie meine heute gefertigten Papyrusblätter damals eingeordnet worden wären. Jedoch waren alle mir im Laufe der Jahre untergekommenen Reproduktionen dieses historischen Beschreibstoffs von sehr ähnlicher Qualität.

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Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen:


Mittwoch, 22. Juli 2020

📽️ Videos: Vespucci-Karte in Rostock entdeckt -- Festung Königstein -- Die Kelten und ihre Heilpflanzen -- usw.



 Festung Königstein: Rauschende Feste, dunkle Geheimnisse | Spieldauer 45 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info
Wieder mal mit Ländersperre. Wer außerhalb von Deutschland darauf zugreifen will, bediene sich eines kostenlosen VPN-Plugins für den Browser.

 Urteil zum Streit der Hedwigskathedrale | Spieldauer 3 Minuten | RBB/ARD | Stream & Info
Ein kurioser Rechtsstreit. Natürlich wiegt das Recht des Eigentümers mehr als das des Architekten bzw. seiner Nachfahren. Ob die geplanten Veränderungen des Baus freilich der Weisheit letzter Schluss sind, ist eine ganz andere Frage.

 Amerigo-Vespucci-Karte in Rostock entdeckt | Spieldauer 1 Minute | NDR/ARD | Stream & Info

 Rekonstruktion einer römischen Luxusvilla am Attersee | Spieldauer  1 Minute | Youtube | Stream & Info

 Die Klosterruine Disibodenberg | Spieldauer 3 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

 Was die Kelten über Heilpflanzen schon wussten | Spieldauer 4 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

 (Off-Topic) Joe Rogan spricht mit den Journalisten George Knapp & und dem Filmemacher Jeremy Corbell | Spieldauer 175 Minuten | Youtube | Stream & Info
In dem Gespräch geht es unter anderem um die Glaubwürdigkeit von Bob Lazar, den USS-Nimitz-UAP-Incident usw. - also lauter sehr unterhaltsame Themen 😊. Was ich an Joe Rogan schätze: Er ist in einem gesunden Maße skeptisch, aber kein notorischer Verneiner. Auch lädt er sich keine offensichtlichen Spinner ein, sondern ernsthafte Rechercheure. Doch der Seher soll selber entscheiden, wie viel Glaubwürdigkeit er den unterschiedlichen Phänomenen beimisst, die hier thematisiert werden.


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Sonntag, 19. Juli 2020

🎧 Hörbares: Gunnar Heinsohn über Chronologie-Ungereimtheiten -- Gaius Julius Caesar -- Archäologische Steuergeldverschwendung -- usw.


 Interview mit Prof. Gunnar Heinsohn | Spieldauer 55 Minuten | Youtube | Stream & Info
Achtung, die relevante Stelle, um die es mir hier geht, beginnt ab ca. 29:15 und reicht dann fast bis zum Schluss des Interviews (davor ist nur Off-Topic-Kram). Gunnar Heinsohn, ein Mann der Zahlen, spricht hier über die - aus seiner Sicht - Widersprüchlichkeiten in der Chronologie des Nahen Ostens und warum er davon ausgeht, dass Heribert Illig mit seiner These vom "Erfundenen Mittelalter" auf dem Holzweg ist. Zum Schluss geht es in dem Gespräch um einen alternativen und interessant klingenden Erklärungsansatz für die massive Hexenverfolgung zu Beginn der Neuzeit.

 Römische Republik - Gaius Julius Caesar | Spieldauer 36 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Ausgrabung einer Utopie - 40 Jahre Freie Republik Wendland | Spieldauer 54 Minuten | ARD | Stream & Info
Den infantilen Nonsens hatten wir hier vor einiger Zeit ja schon einmal: Archäologen verbraten Steuergeld, um auf dem Gelände eines durch Augenzeugen, Film und Fotografie längst gut dokumentierten Protestcamp von Kernkraft-Gegnern Konservendosen auszugraben. Gleichzeitig zerfallen Bodendenkmäler aus wesentlich schlechter erforschten Zeitabschnitten unserer Geschichte Tag für Tag buchstäblich zu Staub und gehen für die Forschung unwiederbringlich verloren. Die hier an den Tag gelegte  Prioritätensetzung spottet im Angesicht einer notorisch unterfinanzierten Archäologie und Bodendenkmalpflege  jeder Beschreibung. Da geht einem regelrecht das Messer in der Hosentasche auf ...

 Archäologen helfen Kriminalisten an Polizeihochschule | Spieldauer 4 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info Direkter Download

 Mittelalter erleben: Ausstellung im Landesmuseum Mainz begeistert Kinder | Spieldauer 3 Minuten | SWR | Stream & Info Direkter Download

 Museumsdirektor Harald Kunde empfiehlt "Große Römer u. Griechen" | Spieldauer 2 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info Direkter Download

 Archäologiepark Belginum und "Die Dame von Schengen” | Spieldauer 3 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info Direkter Download

 Die Sendung mit der Maus: Gab es in der Steinzeit schon Instrumente? | Spieldauer 30 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info Direkter Download

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Samstag, 18. Juli 2020

📖 Buch: Georgica / Vom Landbau


Informativer Schwulst

Ich bin eigentlich kein großer Freund von Vergil, dem servilen 'Haus- und Hofdichter' des ersten römischen Kaisers. Seine Texte sind mir einfach zu schwülstig und die deutschen Übersetzungen - vor allem die älteren - machen es in der Regel nur noch schlimmer. Die "Georgica" (nicht Georgy girl 😉) ist in sprachlicher Hinsicht für meinen Geschmack jedoch noch halbwegs erträglich. Vor allem aber ist dieses Werk, das in Hesiods Tradition eines Lehrgedichts steht, hinsichtlich der antiken Landwirtschaft eine nützliche Quelle (wenn auch nicht ganz so nützlich wie Catos "De agri cultura").
Beispielsweise gibt Vergil Tipps zum Düngen der Felder; rät Bauern, bei schlechter Ernte Eicheln (!) statt Getreide zu essen (um im folgende Jahr noch genügend Saatgut zu haben); erklärt wie die Böden von Getreidespeichern zum Schutz vor Schädlingen mit Tonerde zu versiegeln sind; beschreibt besonders ausführlich die Bienenzucht; usw. 
Neben solchen klassischen Erläuterungen finden sich - sozusagen 'en passant' - auch noch andere interessante Informationshäppchen. Z.B. dass bessergestellte Römer ihr Olivenöl gerne mit Zimt verfeinerten; dass die Sternbilder ursprünglich von Seeleuten erfunden wurden (was ebenfalls manch heutiger Wissenschaftler vermutet); dass von den Römern Baumwolle aus Äthiopien und Bibergeil aus Pontus am Schwarzen Meer importiert worden sind; usw.

Die vorliegende zweisprachige Ausgabe stammt von Otto Schönberger, umfasst 224 Seiten und Enthält neben dem eigentlichen Text ein recht ausführliches Nachwort, Literaturhinweise und einige Anmerkungen (die allerdings nicht so zahlreich ausgefallen sind wie bei vielen ähnlichen Reclam-Übersetzungen antiker Texte).

Fazit: Wer sich mit antiker Landwirtschaft beschäftigt, sollte Vergils Georgica in seinem Bücherregal stehen haben. Hinsichtlich des Informationsgehaltes ist der Text - wie schon erwähnt - nach Catos "De agri cultura" angesiedelt, aber ungefähr auf einer Stufe mit Hesiods "Werke und Tage".
Da Vergil auch noch im Mittelalter gelesen wurde, kann davon ausgegangen werden, dass seine Schrift über den Landbau auch einen gewissen Einfluss auf Klöster und deren landwirtschaftliche Tätigkeiten ausübte; doch das nur als kostenloser Tipp für die Meßkircher Klosterbauer 😉

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Weiterführende Informationen:



Mittwoch, 15. Juli 2020

📽️ Videos: Archäologische Ausgrabungen -- Bäuerliches Leben im Mittelalter -- Jäger der bedrohten Schätze -- usw



 Archäologische Ausgrabungen in Dortmund: Teile des Ostentores und des mittelalterlichen Hellwegs gefunden | Spieldauer 3 Minuten | Youtube | Stream & Info

 Aufsehenerregende Funde: Ausgrabungen am Schloss Gronau | Spieldauer 2 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info

 Bäuerliches Leben im Mittelalter | Spieldauer 15 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

 Die Burg im Mittelalter | Spieldauer 15 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

 Versunkenes Heiligtum - "Die Halberstädter Schweiz" | Spieldauer 5 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info

 Das versunkene Heiligtum im Harzvorland | Spieldauer 5 Minuten | MDR/ARD  | Stream & Info

 Jäger der bedrohten Schätze | Spieldauer 44 Minuten | RBB | Stream & Info
Irgendwie will mir scheinen, dass Archäologie-Dokus früher im Schnitt besser waren. Da stand noch die Vermittlung der archäologischen Arbeit im Vordergrund; also z.B. keine Spielszenen und keine inflationären Landschaftsaufnahmen mittels Quadrocopter. 

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Sonntag, 12. Juli 2020

🎧 Hörbares: Rom in der Spätantike -- Die Erfindung der Schrift -- Sonnensturm im Frühmittelalter -- usw.



 Rom in der Spätantike: Der Untergang einer Supermacht | Spieldauer 30 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Spuren aus dem frühen Mittelalter: Sonnensturm in Baumringen | Spieldauer 4 Minuten | DF Direkter Download

 Einziges Sternbild mit zwei Teilen: Äskulap und die geteilte Himmelsschlange | Spieldauer 2 Minuten | DF | Stream & Info Direkter Download

 Vinland und die Grönland-Mission des Leif Eriksson | Spieldauer 7 Minuten | DF | Stream & Info Direkter Download

 Jesus war Jude: Wie und warum beschäftigen sich Juden mit Jesus? | Spieldauer 22 Minuten | DF | Stream & Info Direkter Download

 Falsche Deutungen der Bibel: „Manche Stellen muss man mit Warnhinweisen kennzeichnen“| Spieldauer 24 Minuten | DF | Stream & Info Direkter Download
Falsch oder richtig - das ist gerade bei teilfiktionalen Werken oft reine Ansichtssache. Im Gegensatz zu anderen religiösen Büchern - ich denke da zuvörderst an eine ganz bestimmtes - sind die 'problematischen' Stellen in der Bibel allerdings meines Wissens überwiegend 'narrativ' (erzählend) formuliert, nicht appellativ (auffordernd). Auf die Glaubenspraxis kann dieser Unterschied einen erheblichen Einfluss haben. Während man einem Narrativ nacheifern kann oder auch nicht, fehlt dem Gläubigen dieser Spielraum bei einer klaren Aufforderung. Solche 'Gesetzesreligionen' sind deshalb meiner Ansicht nach auch nicht wirklich reformierbar, man kann sich höchstens die nach subjektiver Einschätzung unproblematischen Aspekte herausgreifen und sich daraus eine neue Religion basteln, der man aber weiterhin das Label der alten gibt. Stichwort "Mogelpackung".

 Die Zünfte - Von der Ächtung zur Achtung der Arbeit | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info Direkter Download

 Städte im Mittelalter - Öffentlichkeit als Chance und Risiko | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info Direkter Download

 Die Erfindung der Schrift - Vom Bild zum Symbol | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info Direkter Download

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Donnerstag, 9. Juli 2020

Krimskrams: Beleidigte Leserwürste -- Die Uni als abgesandelte Titelmühle -- Museale Schlampereien -- usw


Beleidigte Leserwürste

Sobald hier über ein Reizthema geschrieben wird (siehe etwa die diskriminierende Twitterei des Komisch-Germanischen Zentralmuseums), steigt die durchschnittliche Zugriffszahl des Blogs für mehrere Tage um ca 25 Prozent an. Das ist erfreulich - nicht zuletzt weil ich weiß, dass ich hier wieder einmal genau die richtigen Leute geärgert habe. 😄
Andererseits befindet sich unter den Angesäuerten auch der eine oder andere Leser, der mir eigentlich bisher gewogen war, es jedoch nicht akzeptieren kann, wenn unter mittlerweile über 1700 Blogbeiträgen mal einer vorkommt, der nicht mit seinen Überzeugungen kompatibel ist; so jemand verabschiedet sich dann schon mal auf Nimmerwiedersehen. Meiner Ansicht nach ist das zwar ein ziemlich unreifes Verhalten, aber Reisende soll man bekanntlich nicht aufhalten.

Freilich, nicht jeder verschwindet geräuschlos. Vielmehr verfällt manch beleidigte Leserwurst ins Gegenteil und verlegt sich aufs Motzen um des Motzens willen. Zwar kommt das sehr selten vor, aber ein wenig nervig kann es trotzdem werden. Z.B. als da kürzlich jemand gemeint hat, ich würde ja nicht nur auf auf Videos und Podcasts verlinken, die sich thematisch um Antike und Mittelalter drehen; das wiederum widerspräche meiner Blogbezeichnung "Wanderer zwischen Antike und Mittelalter". Ja und? Ist das ernsthaft kritikwürdig? 🙄
Eventuell weil ich mit zunehmendem Alter die Geduld rascher verliere, lege ich keinen rechten Wert mehr darauf, mich so jemandem gegenüber 'konziliant' zu zeigen. Wobei ich besonders übellaunig und kratzbürstig werde, wenn bloß mit Schlagworten kritisiert wird, ohne eine Beweisführung auch nur zu versuchen. Das erfüllt klar den Tatbestand des Trollens. Dergleichen kann man ja gerne in einer der Social-Media-Klapsmühlen mit scharfer Zeichenbegrenzung machen, aber bitte nicht hier.

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Die "Blockchain-Queen" und die Uni als abgesandelte Titelmühle 

Die FAZ berichtet über einen eindrücklichen Fall von mutmaßlicher Dissertationsbehumpserei.

Doktortitel der Berliner „Blockchain Queen“ widerrufen

Vor zwei Jahren ließ die „Zeit“ über 25 Frauen abstimmen, die „unsere Wirtschaft revolutionieren“. Darunter war auch die in den Medien gelegentlich als „Blockchain Queen“ bezeichnete Shermin Voshmgir als Gründerin des „Blockchain-Hubs“ zu finden. Das, so erklärte die Zeitung, sei ein Informations-Hub und Thinktank in Berlin, der die weltweite Entwicklung der Blockchain-Technologie vorantreibt, kommuniziert und diskutiert. „Auch als Direktorin des Instituts für Kyptoökonomie an der Wirtschaftsuniversität Wien möchte sie ihr Wissen weitergeben. Außerdem unterstützt sie Start-ups mit dem Schwerpunkt Blockchain“, hieß es damals.

Nun hat die Wissenschaftsplattform „VroniPlag Wiki“ ihre Doktorarbeit „Assessing the Impact of XML/EDI with Real Option Valuation“ analysiert und nach eigenen Angaben auf 90 Prozent der Textseiten Plagiate gefunden. Das ist ein sehr hoher Wert, der sich in Dimensionen eines Karl-Theodor zu Guttenberg bewegt. 


Wieder einmal muss ich an die Worte des Militärhistorikers Marcus Junkelmann denken, der in seinem Interveiw mit mir sagte: "Was wir mit dem akademischen Schrott anfangen sollen, der da in wachsender Menge produziert wird, ist mir schleierhaft."

Wen wundert diese Entwicklung? Qualitätskriterien werden doch schon im Bereich der grundlegenden Schulbildung zurückgebaut, mit dem ideologischen Fernziel, die sogenannte Akademikerquote auf Teufel komm raus zu steigern.
Apropos "Quote: Seit einiger Zeit sind Geschlecht und Hautfarbe erstaunlicherweise wieder Kriterien für die Aufnahme an Universitäten und berufliche Anstellungen. Man nennt diese oft staatlich verordneten Diskriminierungsprogramme dann euphemistisch "Förderungen". Jedoch ein Wissenschaftsbetrieb, der auf Verlangen radikaler Ideologen keine farbenblinde Meritokratie mehr sein darf - die, nebenbei bemerkt, eine der größten Errungenschaften der modernen westlichen Welt darstellt - kann langfristig nur zum Scheitern verurteilt sein. Beispiele wie das obige sind Indikatoren für einen moralischen und wissenschaftlichen Verfall. Unsere Universitäten sind längst zu Titelmühlen für Personen mit Minderwertigkeitskomplexen verkommen. Wichtig ist heutzutage offenbar vor allem der Schein, nicht mehr das Sein.

Übrigens: Die ertappte "Blockchain-Queen" hat zwischenzeitlich auf die Vorwürfe geantwortet: Jene ihr massenhaft nachgewiesenen Stellen mit 'Plagiaten' seien keine Absicht gewesen. Sie habe anno dazumal als Doktorandin halt leider nicht so recht gewusst wie man wissenschaftlich korrekt zitiert ("Habe ich vielleicht schlampig gearbeitet? Ja"). Kurios, als ob Unwissenheit und vor allem Schlamperei den Fall wesentlich besser machen bzw. vor Strafe schützen würden.
Sie mutmaßt außerdem, dass jene Menschen, die Ihre Doktorarbeit abgeklopft haben, eventuell von finsteren Motiven getrieben sind ("War das jemand, der frauenfeindlich ist? War das jemand, der ausländerfeindlich ist? [...]). Spätestens hier ist schallendes Gelächter angebracht. Wirft man doch gerade der betreffenden Website VroniPlag schon seit Jahren vor, es würden dort vor allem die Arbeiten von 'Konservativen' untersucht werden - dass also VroniPlag von deren politischen Gegnern betrieben wird (und die sind nicht gerade für ihre Frauen- und Ausländerfeindlichkeit bekannt). Ganz davon abgesehen: Die vermutete Motivation der Plagiatsjäger ändert nichts an den nachgewiesenen Verfehlungen der Frau. Offenbar möchte sie nicht nur ihre Kritiker in ein schiefes Licht rücken, um deren Glaubwürdigkeit zu untergraben, sondern es soll vor allem auch verhindert werden, dass weitere Medien den Fall aufgreifen. Denn welcher Journalist hat schon das Verlangen, sich an die Seite von bösen Ausländer- und Frauenfeinden zu stellen? Alleine die in den Raum gestellte Möglichkeit reicht oft schon aus, um die Finger von so einer Story zu lassen. Hinzu kommt, dass es sich hierbei möglicherweise auch um eine Art moralischen Erpressungsversuch in Richtung ihres Arbeitgebers - der WU Wien - handelt. Der hat die "Blockchain-Queen" nämlich konsequenterweise schon vor Monaten "dienstfrei gestellt".

You can't make this up - würden die Amis sagen.

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Museale und ähnliche Schlampereien

Eine bedeutende Kaiserurkunde* aus dem frühen Mittelalter galt im Stadt- und Stiftsarchiv von Aschaffenburg als verschollen, ist nun aber - schwuppdiwupp - plötzlich wieder da! Klick mich

Hierbei handelt es sich um ein weiteres Beispiel dafür, wie sehr Museen und Archive längst den Überblick über ihre stetig anwachsenden Bestände verloren haben (sofern sie ihn überhaupt je hatten). Objekte verschwinden oder tauchen Jahrzehnte später aus dem Nichts wieder auf. Dieser schlampige Umgang mit öffentlichem Eigentum ist schon eine Frechheit.

Wenn man freilich - wie es manch wissenschaftlicher Mitarbeiter tut - ständig auf Twitter herumlungert, um dort rauf und runter zu politisieren, dann kann es natürlich leicht vorkommen, dass der eigentliche Job vernachlässigt wird. Genau diese Leute sind es in der Regel auch, die gegen den privaten Antikenhandel wettern und sich empört gegen Reform-Ideen wie das 'Entsammeln' verwehren, obschon sie selbst immer und immer wieder Inkompetenz zur Schau stellen, wenn es um die Bewahrung unserer materiellen Geschichte geht.

* Ob die wiederentdeckte Urkunde in Aschaffenburg überhaupt echt ist, ist eine ganz andere Frage. Denn gerade kaiserliche und königliche Urkunden wurden im Mittelalter massenhaft gefälscht. Das im deutschen Sprachraum vielleicht bekannteste Beispiel ist das Privilegium maius.

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Der unzeitgemäße Rechtevorbehalt des DAI

Archäologische 3D-Modelle zum Anschauen gibt es im Online-Archiv Arachne : Klick mich

Einfach auf die gewünschte Modell-Bezeichnung draufklicken, dann öffnet sich eine weitere Seite, auf der man links noch "3D-Modell-Viewer" auswählen muss und es geht los.

Doch was muss ich da lesen? "License: Alle Rechte vorbehalten"?! Erst mal mutet diese Mischung aus Englisch und Deutsch eigenartig an; warum konnte man sich bei dem Hinweis nicht für eine Sprache entscheiden?
Nicht bloß eigenartig, sondern eigentlich schon ein wenig ärgerlich ist aber, dass das Deutsche Archäologische Institut als Kostgänger des Steuerzahlers die Modelle nicht komplett frei zugänglich macht, sodass Interessierte sie z.B. auf dem eigenen 3D-Drucker ausdrucken oder auf andere Art und Weise nutzen könnten. Auf meine Nachfrage "Das ist sehr schön. Sind die Dateien der Modelle gemeinfrei/kostenlos herunterladbar?" erhielt ich die Antwort: "Urheber, Lizenzen und Nutzungsrechte sind jeweils individuell geregelt und in der Beschreibung der einzelnen Modelle ausgewiesen."
Na toll. Diese individuelle Regelung sieht in der Realität so aus, dass nahezu überall der obige Lizenz-Hinweis steht. Download-Link konnte ich nirgendwo entdecken; meine diesbezügliche Nachfrage blieb unbeantwortet.

Ich erinnere an dieser Stelle an den Fall des Ägyptischen Museums Berlin und den 3D-Scan der berühmten Nofretete Büste, der wegen eines ähnlichen Verhaltens der staatsnahen Rechteinhaber sogar bei der Justiz gelandet ist.
Es mag sein, dass die Rechtesituation bei den Modellen in der Arachne-Bibliothek etwas komplizierter ist, aber wenn das DAI nur wollte, dann könnte es bestimmt eine Lösung finden. Der jetzige Zustand minimiert hingegen den Nutzen für die Allgemeinheit und ist nicht zeitgemäß. Wobei das Problem ja nicht auf das DAI beschränkt ist. Die Unsitte, dass staatliche und staatsnahe Institutionen Unmengen an Datenmaterial nicht herausrücken wollen - für das der Steuerzahler bereits gelöhnt hat - ist immer noch weit verbreitet. Hinzu kommt, dass der Krempel sich oft genug nicht einmal von den Rechteinhabern in einem nennenswerten Ausmaß finanziell verwerten lässt. Es ist demnach wohl oft pure Borniertheit, wenn man den Zugang für die Öffentlichkeit einschränkt.

Neulich habe ich den Weiten des Internets einen Kommentar gelesen, in dem es hieß, Gemeinfreiheit und ähnliche Konzepte riechen nach "Sozialismus" und "free stuff for all". Diese Aussage ist freilich aufgrund ihrer Pauschalisierung kompletter Blödsinn, weil die Allgemeinheit, wie schon oben gesagt, die Inhalte oft ganz oder zumindest teilweise finanziert hat. Entsprechend sollte sie auch ein Nutzungsrecht eingeräumt bekommen. Wer das als nicht-staatlicher Urheber vermeiden möchte, der hat die Möglichkeit, sich rein privat zu finanzieren - das sei besonders der Archäologie ins Stammbuch geschrieben, die ständig über zu geringe Mittel raunzt.

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Kostenloses, gut illustriertes Römer-Buch

Auf Academia.edu findet man ein interessantes, gut illustriertes Römer-Buch. Der Titel lautet: "Ad arma!: Römisches Militär des 1. Jahrhunderts n. Chr. In Augusta Raurica"

Ich hatte vor Jahren schon einmal darauf hingewiesen, irgendwann war aber Link unbrauchbar geworden. Das ist hier nun eine andere, erfreulicherweise funktionierende Quelle (danke für den Hinweis).

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Weitere interessante Themen: 


Mittwoch, 8. Juli 2020

📽️ Videos: Spannende Archäologie im Wareswald -- Gräber aus der Merowinger- und Jungsteinzeit -- Der Limes -- usw.



 Spannende Archäologie im Wareswald | Spieldauer 9 Minute | SR/ARD | Stream & Info

 Gräber aus der Merowinger- und Jungsteinzeit in Ingelheim entdeckt | Spieldauer 2 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

 Mythen im Grenzland | Spieldauer xxx Minuten | BR/ARD | Stream & Info
"Überall im Grenzland zwischen Bayern und Österreich gibt es Menschen, die begeistert versuchen, Rätsel und Mythen zu entschlüsseln - teilweise unter dem Einsatz ihres Lebens." 

 (Früh-)Mittelalterfans reisen in die Vergangenheit | Spieldauer 3 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info

 Ausstellung in der Münchner Antikensammlung | Spieldauer 2 Minuten | BR/ARD | Stream & Info

 Der Limes - Grenzwall des Römischen Reiches | Spieldauer 15 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

 A Bronze Age Mistery | Spieldauer 49 Minute | Youtube | Stream & Info
Auf dem offiziellen Youtube-Kanal der beliebten Archäologie-Fernsehserie "Time Team" werden seit einiger Zeit alte Folgen hochgeladen. In dieser wird eine bronzezeitliche Anlage ausgegraben.

 An "unprecedented find" from the Bronze Age | Spieldauer 2 Minuten | Express | Stream & Info

➽ Stonehenge: Archaeologist makes 'very rare' discovery | Spieldauer 1 Minute | Express | Stream & Info

 Medieval saddle: How did they measure the shape of a medieval war horses back? | Spieldauer xxx Minute | Youtube | Stream & Info
Als jemand, der mit Reittieren rein gar nichts zu tun hat, finde ich die Ausführungen zu Pferden auf diesem Kanal immer sehr erhellend. Es ist übrigens ein sehr eigenwilliges Maultier, das in diesem Video seinen Auftritt hat 😃


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Samstag, 4. Juli 2020

🎧 Hörbares: Wikinger brandschatzen Paris -- Eine Giftmischerin und Wahrsagerin -- Colonia Claudia von Römern gegründet -- Die Schlacht bei Rudau -- usw.





 28. 3. 845: Die Wikinger brandschatzen Paris | Spieldauer 14 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 25. 2. 50: Colonia Claudia Ara Agrippinensium von Römern gegründet | Spieldauer 14 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 14. 3. 840: Einhard, fränkischer Geschichtsschreiber | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 17. 2. 1370: Die Schlacht bei Rudau - Der Deutsche Orden siegt über die Litauer | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 22. 2. 1680: Todestag von "La Voisin", Giftmischerin und Wahrsagerin | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 6. 3. 1475: Der Geburtstag von Michelangelo Buonarroti | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 Ivan III., russischer Zar | Spieldauer 14 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 Um 695: Der Heilige Suitbert gründet Kloster Kaiserswerth | Spieldauer 15 Minuten | WDR  | Stream & Info | Direkter Download

 20. 12. 1679: Todestag von Fürst Johann Moritz von Nassau-Siegen - genannt: "Der Brasilianer" | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 1164: Todesjahr der berühmten Äbtissin Héloïse | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

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Dienstag, 30. Juni 2020

♀️ Kuriosität der Antike: Herodot und die Vagina des Pharao



Bekanntlich erfreut sich die bildliche Darstellung des primären weiblichen Geschlechtsorgans neuerdings in der evangelischen Kirche einiger Beliebtheit. Außerdem wird darüber spekuliert, ob die in der christlichen Ikonographie gerne verwendete Mandorla (hat nichts mit dem Mandalorian zu tun) möglicherweise ebenfalls eine stilisierte 'Mumu' ist und auf eine alte, längst vergessene Muttergöttin anspielt (daran habe ich meine Zweifel).

In alter Zeit wurde speziell die Vagina der Frau freilich in einem besonderen Zusammenhang dargestellt, der heute eher komisch anmutet, wahrscheinlich aber auch schon dazumal manch Schmunzeln hervorgerufen hat. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot von Halikarnassos erzählt im 5. Jahrhundert nämlich folgendes über die Feldzüge des militärisch sehr erfolgreichen altägyptischen Königs bzw. Pharaos Sesostris III., der bis zum legendären Kolchis am Schwarzen Meer und nach Thrakien auf dem Balkan vorgestoßen sein soll:

Und wenn er dabei auf wehrhafte Völkerschaften traf, die zäh an ihrer Freiheit festhielten, errichtete er Säulen in ihrem Land, die in Schriftzeichen seinen eigenen Namen und den seiner Heimat nannten - und dass er sie mit seiner Macht unterworfen habe. Bei denen, deren Städte er ohne Kampf und Aufwand einnahm, zeichnete er es ebenso wie bei den mannhaften Völkern auf Säulen auf, fügte aber noch die Vagina einer Frau dazu, womit er offenkundig machen wollte, dass sie feige waren.

[...]

Von den Säulen aber, die Sesostris, der König Ägyptens aufrichtete, sind offenbar die meisten nicht mehr vorhanden, im palästinischen Syrien aber habe ich selbst bestehende Säulen gesehen und darauf die besagten Schriftzeichen und auch die Vagina.

Herodot, Historien, 2. Buch, 102,4-5 und 106,1

Das Errichten solcher Siegesdenkmäler bzw. Siegessäulen (Tropaia) entwickelte sich viele Jahrhunderte später besonders bei den Römern zu einem gerne gepflegten Brauch. Wobei freilich bei ihnen die Ikonographie in der Regel weniger anzüglich ausfiel als im Falle der Säulen des Sesostris, der offenbar über einen eher rustikalen Humor verfügte 😄

Hinsichtlich der Überlieferung ist natürlich bis zu einem gewissen Grad Vorsicht geboten, denn Herodot ist nachweislich nicht immer verlässlich, da er oft nur nach Hörensagen schreibt. Andererseits betont er im konkreten Fall, dass er die besagten Säulen höchstselbst gesehen hat, was den Bericht dann doch verhältnismäßig glaubwürdig erscheinen lässt. Es ist schließlich nicht ersichtlich, warum er sich das hätte ausdenken sollen.

Ganz grundsätzlich ist das 2. Buch aus Herodots Historien, aus dem die obigen Zitate stammen, sehr jenen zu empfehlen, die sich für die altägyptische Geschichte interessieren, weil darin Ägypten nahezu das alleinige Thema ist und unzählige damit im Zusammenhang stehende Aspekte berücksichtigt werden.

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Weiterführende Informationen:
  • Herodot (Autor) / Kai Brodersen (Übersetzer) | Historien, 2. Buch | Reclam Verlag | 2005 | Infos bei Amazon