Montag, 18. März 2019

📅 Das Blog macht Pause

Das Blog muss leider für zwei Wochen aus Zeitgründen pausieren. Voraussichtlich an den Kalenden des Aprilis geht es hier wieder weiter (kein Scherz!). Bis dahin!


Sonntag, 17. März 2019

🎧 Hörbares: Warum Troja und andere Städte brannten -- Margiana -- Massen-Opferstätte in Peru entdeckt -- usw.



 Warum Troja und andere Städte brannten | Spieldauer 27 Minuten | SWR | Stream & Info
Eine wirklich sehr interessante Sendung über die mykenische Kultur und das nun möglicherweise enträtselte Rätsel der sogenannten Seevölker, denen etliche Hochkulturen der Bronzezeit zum Opfer gefallen sein sollen - beinahe auch die ägyptische.

 Moses Maimonides – jüdischer Philosoph des Mittelalters | Spieldauer 27 Minuten | SWR | Stream & Info

 Michael Popp - Spezialist für mittelalterliche Musik | Spieldauer 58 Minuten | SWR | Stream & Info Direkter Download 

 Hünenburg - Auf der Suche nach einer versunkenen Großstadt der Bronzezeit | Spieldauer 5 Minuten | SWR | Stream & Info

Archäologie - Größte Massen-Opferstätte in Peru entdeckt | Spieldauer 5 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Otter hinterlassen archäologische Spuren | Spieldauer 5 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 200 Jahre Gipsformerei - Wo der alte Fritz sich an Apollo schmiegt | Spieldauer 5 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Margiana - Geheimnisvolles Königreich der Bronzezeit | Spieldauer 8 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

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Samstag, 16. März 2019

📖 Buch: Mykene - Die sagenhafte Welt des Agamemnon

Alle kennen heute das klassische Griechenland, in dessen Rahmen große historische Persönlichkeiten wie Perikles, Themistokles und Platon wirkten. Doch hatte Griechenland davor gar nichts zu bieten? Doch, das hatte es - und zwar in Gestalt der mykenischen Kultur, die sich zeitlich vom 17. bis ins 12. Jahrhundert vor Christus erstreckte und ein ziemlich plötzliches bzw. gewaltsames Ende fand. Griechenland versank danach für mehrere Jahrhunderte in einem kulturellen Dornröschenschlaf - vergleichbar mit unserem Mittelalter nach dem Ende der Antike.

Im Buch "Mykene - Die Sagenhafte Welt des Agamemnon" wird von verschiedenen Autoren auf 400 Seiten ein umfangreicher Überblick zur mykenischen Kultur und Geschichte gegeben. Man beginnt mit den Forscherpionieren wie Heinrich Schliemann und Wilhelm Dörpfeld. Es folgen Erörterungen zu den Ursprüngen der mykenischen Hochkultur, die besonders stark von den Minoern Kretas beeinflusst worden war. Weiter geht es mit der mykenischen Frühzeit, der Zeit der Paläste, der Götterwelt (in der schon Vorformen der griechischen Klassik zu erkennen sind), dem Lebensalltag (Wohnen, Krieg, Landwirtschaft, Handwerk, Handel etc.) und schlussendlich dem Zusammenbruch.

Eine besondere Stärke des Buchs sind ohne jeden Zweifel seine vielen großformatigen, mit ausführlichen Texten versehenen Abbildungen von mykenischen Gegenständen, Landschaften und archäologischen Ausgrabungsstätten (es gibt auch einen eigenen Katalogteil). Überaus interessant fand ich außerdem die Rekonstruktionszeichnungen von Gebäuden. Die Qualität der Beiträge schwankt hingegen, wie das ja meistens der Fall ist, wenn mehrere Autoren beteiligt sind. Der Buchinhalt wirkt dadurch nicht ganz homogen. Auch hätte es nicht geschadet, die Datierungsabkürzungen wie "SH III A"  vorab zu erläutern - oder ganz darauf zu verzichten und stattdessen Zeitintervalle zu nennen.

Fazit: Die in der mittleren und späten Bronzezeit angesiedelte mykenische Kultur war eine spannende Epoche, die wesentlich mehr Aufmerksamkeit verdient, als man ihr in den Medien bisher zugebilligt hat. Schließlich lassen sich in den Ruinen der mykenischen Kultur sogar Antworten auf viele Fragen finden, die sich uns bei der Erforschung der klassischen Antike stellen.

Donnerstag, 14. März 2019

Krimskrams: Schräge Mittelalterbaustelle Campus Galli als TV-Kulisse -- Großer Varusschlacht-Irrtum? -- usw.

Schräge Mittelalterbaustelle Campus Galli als TV-Kulisse

Die nach meinem Dafürhalten äußerst fragwürdige Mittelalterbaustelle Campus Galli ist endlich dort angekommen, wo sie ohne jeden Zweifel hingehört: Im Prolo-TV. Irgendwo zwischen seichtem Infotainment, Scripted Reality und Sozialporno: Klick mich
Dankenswerterweise ist der Artikel des namenlosen Schreibsöldners der Schwäbischen Zeitung größtenteils hinter einer Bezahlschranke versteckt worden (als ob irgend jemand so dumm ist, für die auf Schülerzeutungsniveau geschriebenen Ergüsse dieser Propagandaposaunen auch nur eine Kopeke locker zu machen).

Auf der Website des TV-Senders VOX findet sich ein uneingeschränkt einsehbarer Bericht - inklusive kurzem Video: Klick mich  (Update: Die Sendung ist mittlerweile online abrufbar: Klick mich)
Man beachte den Stinkefinger des TV-Kochs. Den zeigen auch die Verantwortlichen des Campus Galli dem Steuerzahler Jahr für Jahr, wenn sie unablässig Förderungen abgreifen und - einem notorischen Kleptomanen nicht unähnlich - treuherzig behaupten, sie würden sich irgendwann ganz bestimmt bessern. 😉

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Großer Varusschlacht-Irrtum?

Kalkriese, wo man für viel Steuergeld ein potthässliches Varusschlacht-Museum errichtet hat, war möglicherweise doch nicht der Ort der berühmten militärischen Auseinandersetzung zwischen Römern und Germanen. Die Schweriner Volkszeitung schreibt dazu:

Der Wall war keiner der Germanen, die Zahl der Funde bleibt begrenzt: In der Fachwelt mehren sich Zweifel, ob die Ausrufung von Kalkriese zum Ort der Varusschlacht nicht voreilig war. Die Forschung stehe erst am Anfang, nicht am Ende, sagt der wissenschaftliche Leiter im Interview. 

Ganz neu ist das nicht. Bisher haben sich die Medien aber nicht sonderlich dafür interessiert, und Kritik wurde von Touristikern, Lokalpolitikern und Legitimationswissenschaftlern aus pekuniären Interessen vom Tisch gewischt. Zum Artikel

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Von Hiltibold enttäusch

Jemand beschwerte sich unlängst unter einem Uralt-Beitrag von mir, dass ich mal Veganismus als Religionsersatz bezeichnet habe. Das wäre eine ganz schön enttäuschende Sichtweise von mir.

*schäm*

Aber jetzt noch rasch ein ein paar Bissen paniertes Wal-Schnitzel auf dem neuen Esstisch aus Tropenholz futtern, bevor es vollgas mit dem Diesel-SUV zum Schießstand geht, wo ich, Hulapalu pfeifend, neben einem Grundwasserschutzgebiet ein paar Hundert Bleikugeln meiner .50-Desert-Eagle in den Boden pfeffern werde. Schönes Wochenende!

Dienstag, 12. März 2019

📖 Buch: Die Benediktsregel

Die sogenannte Benediktsregel verdankt ihren Namen Benedikt von Nursia, der sie im 6. Jh. für das von ihm gegründete Kloster auf dem Monte Cassino (Italien) niederschrieb. Dabei hatte der Verfasser allerdings durchaus schon im Blick, sein umfangreiches Regelwerk für das Zusammenleben von Mönchen auch in andere Klöstern zu exportieren. Was dann im weiteren Verlauf des Mittelalters tatsächlich der Fall war.

In der Benediktsregel wird in übersichtlicher Weise auf ungemein viele Aspekte des Klosterlebens eingegangen: Dazu gehört z.B. die Wahl des Abtes, die Preispolitik für im Kloster erzeugte Waren, die Ausstattung der Mönche mit Kleidung und sogar die Bestrafung von zu spät zum Essen kommenden Mönchen.

Die Benediktsregel - das weiß man noch nicht allzu lange mit Sicherheit - beruht zum Teil auf einer etwas älteren Schrift, nämlich der sogenannten "Regula Magistri", deren Autor nicht mehr bekannt ist.
Aus heutiger Sicht mutet es etwas kurios an, das Benedikt - dessen Regel einen ungemein großen Einfluss auf das mönchische Leben hatte - selbst wahrscheinlich nie eine Priesterweihe empfangen hatte. Allerdings war dies lange Zeit für Klostergründer und Äbte nichts Ungewöhnliches.

Für die Übersetzung der vorliegenden Ausgabe zeichnet Gernot Krapinger verantwortlich. Der in ein zeitgemäßes Deutsch übersetzte Text ist hier auch im lateinischen Original enthalten. Im Anhang finden sich einige wenige Anmerkungen/Endnoten, ein relativ ausführliches Nachwort mit Informationen zu Benedikt von Nursia sowie ein Verzeichnis mit mönchisch-kirchlichem Fachvokabular wie z.B. "Kukulle" und "Petitio".


Fazit: Die Benediktsregel ist ein interessanter Text, der dem heutigen Leser sehr dabei hilft, das Klosterleben in all seinen verschiedenen Facetten zu verstehen. Das führt in weiterer Folge auch zu einem besseren Verständnis für das stark von Klöstern geprägte Mittelalter.

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Weiterführende Informationen:



Sonntag, 10. März 2019

📽️ Videos: Rembrandts Stimme rekonstruiert -- 25 000 Schatzräuber -- Wege unter Wasser entdeckt -- usw.



➽ Die Stimme Rembrandts am Computer rekonstruiert | Spieldauer 2 Minuten | Krone.at | Stream & Info
Die Kronenzeitung berichtet, man habe die Stimme des berühmten Malers Rembrandt rekonstruiert. Das Projekt hat auch eine eigene Youtube-Seite mit ausführlicheren Videos wie diesem: Klick mich
Alles sehr interessant, die behauptete Genauigkeit der Rekonstruktion - welche primär auf der überlieferten Physiognomie Rembrandts beruhen soll - nehme ich denen aber nicht so ganz ab. Denn wenn jemand z.B. ein starker Raucher ist, kennt man ihm das nicht zwangsläufig am Äußeren an; trotzdem kann exzessives Qualmen im Laufe der Jahre den Klang der Stimme merklich beeinflussen. 

 Eimerweise Geschichte an der Erdgastrasse "Eugal" | Spieldauer 2 Minuten | ARD/RBB | Stream & Info
Die Archäologen laufen auf diesem Grabungsplatz mit Schutzhelmen herum - obwohl weit und Breit keine Überkopflasten etc. vorhanden sind. Arbeitsschutz-Vorschriften können ganz schön weltfremd sein. Ich habe das selbst ja auch schon erlebt.

➽ Suchen, Finden, Bewahren - Funde der Erdgastrasse "Eugal" | Spieldauer 1 Minuten | ARD/RBB | Stream & Info
Es heißt hier: Die vielen archäologischen Funde sind kaum noch wissenschaftlich zu bearbeiten, denn es mangelt am geeigneten Personal dafür. Soso, aber gleichzeitig wurden in Deutschland in den letzten Jahrzehnten fast überall Schatzregale herbeilobbyiert, um kostenlos oder kostengünstig an noch mehr Klimbim zu gelangen, der dann in den Magazinen vor sich hin gammelt ... 🙄. 

 Bulgarien: 25 000 Schatzräuber suchen nach antiken Kostbarkeiten | Spieldauer 2 Minuten | ARD/MDR | Stream & Info
Ein 70jähriger mit Axt bewacht für 15 Euro eine archäologische Ausgrabungsstätte. Sachen gibts ...

 Wege unter Wasser: Hightech-Schatzsuche im Süßen See erfolgreich | Spieldauer 2 Minuten | ARD/MDR | Stream & Info
Ich wusste gar nicht, dass die deutsche Marine noch über funktionierende U-Boote verfügt. 😄

 Absdorf | Spieldauer 2 Minuten | 7Reason/Youtube | Stream & Info
In diesem Video über die niederösterreichische Gemeinde Absdorf finden sich viele historische Gebäuderekonstruktionen. Besonders interessant fand ich jene aus spätkarolingisch-ottonischer und hochmittelalterlicher Zeit - zu sehen zwischen 03:50 und 07:15.


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Freitag, 8. März 2019

😀 Zähne bleichen wie die alten Römer: Rezepte für "Dentifricium" von Scribonius Largus



Zahnheilkunde war bereits im bronzezeitlichen Ägypten nicht unbekannt und gehörte wohl zum Repertoire der damaligen Allgemeinmediziner. Das gilt auch für die Antike, wobei sich in den überlieferten Quellen - z.B. bei Martial (Epigramme X 56, 3) - vereinzelte auch Hinweise auf Zahnärzte finden. Möglicherweise waren es genau diese Spezialisten, die Zahnkronen - ähnlich der oben abgebildeten - anfertigten. Kopiert haben die Römer diese Technik von den benachbarten Etruskern, die sie bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. beherrschten. Solche goldenen Zahnkronen sind nicht nur anhand archäologischer Untersuchungen belegt, sondern finden sogar im berühmten römischen Zwölftafelgesetz Erwähnung, das in der Mitte des 5. Jhs. v. Chr. verfasst wurde. Zwar verbot man darin goldene Grabbeigaben, übte aber bei Zahnprothesen auch Nachsicht.

Und er soll kein Gold beigeben, auch wenn jemandem die Zähne mit Gold befestigt sind. Lässt man ihn aber mit diesem Gold begraben oder verbrennen, soll dies ohne Nachteil sein. (tab X 8)

Freilich, wer die Zähne regelmäßig reinigte, kam mit etwas Glück gar nicht erst in die Situation, eine Zahnkrone verwenden zu müssen. Und in der Tat hatte der durchschnittliche Römer laut archäologischen Befunden deutlich geringere Karies-Probleme als der moderne Mensch. Der Hauptgrund hierfür: Es gab den heute massenhaft verarbeiteten Kristallzucker noch nicht. 

Doch wie sah die römische Zahnhygiene konkret aus? Einerseits scheinen einfache Mittel wie das Ausspülen des Mundes allgemein verbreitet gewesen zu sein (Ovid, Ars amatoria III, 197); und das nicht nur mit Wasser, sondern laut dem Dichter Catull auch mit Eigenurin (39, 17). Um besonders widerborstige Essensreste zu entfernen, wurden Zahnstocher verwendet, die wohl häufig aus Mastixholz gefertigt waren (Martial, Epigramme XIV 22, 1), aber auch aus Edelmetall:

Er (der neureiche Trimalchio) stocherte sich die Zähne mit einem silbernen Zahnstocher. (Petron, Satyricon 33) 

Daneben gab es verschieden Arten von Zahnpulver (dentifricium), die hauptsächlich auf Natron beruhten, teilweise mit Duftstoffen der Narde versetzt waren und auf den Zähnen verrieben wurden. Plinius der Ältere überlieferte entsprechende Rezepturen (Naturalis historia XXVIII 178-182)
Besonders interessante Zahnpulver beschreibt der für antike Verhältnisse sehr gut ausgebildete Arzt Scribonius Largus. Mitunter reinigen sie die Zähne nicht nur oberflächlich, sondern bleichen sie auch ein wenig.

Ein Zahnpulver, das die Zähne glänzend macht und sie festigt: 1 Krug Gerstenmehl muss man mit Essig besprengen, der mit Honig vermischt ist längere Zeit durchkneten und dann in 6 Kügelchen teilen; nachdem man diese ausgerollt hat, muss man 1/2 Unze Steinsalz beimischen und sie dann in einem Backofen dörren, bis sie sich in Kohle verwandeln. Dann wird man diese Kügelchen zerreiben und ihnen so viel Nardenblüte beimengen müssen, wie zur Erzeugung von Wohlgeruch genügt. Dieses Mittel hat Octavia, die Schwester des Augustus, verwendet. (Scribonius Largus, Compositiones, 59)

Bei Zahnschmerzen und zur Festigung der Zähne wirkt Rettichschale, in der sonne gedörrt, zerstoße und geseiht, ebenso helles, kristallähnliches Glas, nachdem es sorgfältig verrieben und ihm Nardenblüte beigemischt worden ist. 
Sehr viele verwenden auch Zahnpulver folgender Art: Sie sammeln Glaskraut, wenn es schon im Samen steht, so viel wie möglich, mit der Wurzel. Dann waschen sie es und trocknen es an einem Tag. Am folgenden machen sie es in frischer und scharfer Salzlake mürbe. Am dritten Tag drücken sie es aus und setzen es in einem neuen Topf auf, unmittelbar darauf geben sie gleichsam tafelförmiges Steinsalz hinzu und kochen es in einem Badofen durch, bis es in Kohle verwandelt ist. Dannachen setzen sie ein Drittel genügend zerriebene Nardenblüte zu. Dadurch, dass dieses Mittel einerseits die Zähne glänzend macht, festigt es sie andererseits auch. Es steht fest, dass Augusta dieses Mittel benutzt hat. 
Messalina, die Gemahlin unseres Gottes, des Kaisers (Claudius), gebrauchte folgendes Mittel: 1 Krug in einem neuen Topf gebranntes und in Asche verwandeltes Hirschhorn, 1 Unze (= ca 27,5 g) chiisches Mastixbaumharz und 1 1/2 Unzen Ammoniacum-Salz ("Ammoniacum" bezieht sich auf eine in der ägyptischen Ammon-Oase  wachsende, harzig tropfende Pflanze). (Scribonius Largus, Compositiones, 60)

Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass diese Rezepturen - zumindest teilweise - recht wirksam sind. Nachmachen trotzdem auf eigene Gefahr! 😊

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Quellen (Auswahl): 

Weitere interessante Themen:


Dienstag, 5. März 2019

🎧 Hörbares: Spätantike und frühmittelalterliche Kleidung -- Kostspieliges Kelten-Freilichtmuseum Heuneburg -- usw.



Sabine Schrenk: Kontinuität und Umbruch am Beispiel der spätantik-frühmittelalterlichen Kleidung | Spieldauer 47 Minuten | Uni Köln | Stream & Info | Direkter Download
Der Vortrag ist leider ohne Bilder, was phasenweise etwas stört (wer über Vorkenntnisse verfügt, dem wird es weniger etwas ausmachen). Unter anderem geht man anhand von archäologischen Funden der Frage nach, ob Tuniken in der Antike, der Spätantike und dem Frühmittelalter eher in Form gewebt oder genäht wurden. Ein weiterer wichtiger Punkt in den Ausführungen ist die Vertrauenswürdigkeit von Bildquellen: Geben sie wirklich die Mode ihrer Zeit wieder? Etwas das ich schon länger anzweifle - z.B. hinsichtlich karolingerzeitlicher Tunikendarstellungen mit mittigem Clavus (Streifen).

 Baden-Württembergische Landesregierung stellt landesweites Kelten-Konzept vor | Spieldauer 16 Minuten | SWR | Stream & Info
Für das aufgemöbelte Kelten-Freilichtmuseum Heuneburg  sollen - wenn ich hier nichts falsch verstanden habe - jährlich eine Million Euro Betriebskosten anfallen. Huiuiui! Hinweis: Diese Sendung enthält mehrere Themen; die Kelten kommen gleich zu Beginn vor.

 Lübecker Donnerbalken: Einblicke ins Mittelalter | Spieldauer 6 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Syriens Kulturgüter bewahren | Spieldauer 12 Minuten | RBB/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Bevor Archäologen überhaupt ein Konzept erarbeitet hatten, wurde ihnen bereits vom deutschen Auswärtigen Amt Penunze für den Wiederaufbau syrischer Kulturgüter zugesagt. Hört sich für mich nicht nach einem übermäßig sorgsamen Umgang mit Steuergeld an, sondern eher nach kostspieliger und überdies sinnloser Symbolpolitik, bei der es weniger darauf ankommt was gemacht wird, sondern dass (irgend)etwas gemacht wird. Spätestens wenn das derzeitige Machtgefüge in Syrien zerbröselt - das mag in fünf, zehn oder vielleicht zwanzig Jahren sein - ist dort wieder der Teufel los. All das bis dahin reingebutterte deutsche/europäische Steuergeld löst sich dann in Rauch auf. Nachhaltige Investitionspolitik sieht anders aus. Leider ist der Archäologie die Vorstellung weitestgehend fremd, ihre Tätigkeit ausschließlich mit privaten Mitteln zu finanzieren - z.B. über Crowdfunding. Dergleichen ist immer noch eine Ausnahme. Doch wen wundert es, wenn man stattdessen dem Staat - wie im obigen Beispiel - dermaßen leicht die Millionen aus dem Kreuz leiern kann ...

"Virtual reality - abtauchen in die Antike" | Spieldauer 6 Minuten | WDR/ARD | Stream & InfoDirekter Download

 Ritter - mehr als eine reitende Konservendose | Spieldauer 4 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

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Samstag, 2. März 2019

📖 Buch: Vespasian 4 - Der gefallene Adler


Eingelegte Römerhoden

Robert Fabbris vierter Vespasian-Roman beginnt mit einer kurzen Schilderung der Ermordung des verhaltensoriginellen Kaisers Caligula sowie der Inthronisierung seines Nachfolgers, dem körperlich behinderten und leicht beeinflussbaren Claudius. Diese umwälzenden Ereignisse führen - in Verbindung mit einer Palastintrige - dazu, dass der politische Aufsteiger Vespasian nach Germanien entsandt wird, um dort einen in der Varusschlacht verloren gegangenen Legionsadler zurückzuholen. Mit dem Adler soll es dem in militärischen Belangen unerfahrenen Kaiser Claudius ermöglicht werden, Eindruck bei seinen Soldaten zu schinden, die er zur Eroberung Britanniens auszusenden gedenkt. Der Anfang dieses gewaltigen Feldzuges, an dem auch Vespasian als Befehlshaber einer Legion teilnimmt, wird in der zweiten Hälfte des Buchs geschildert.

Vespasian macht Fehler und handelt nicht selten opportunistisch - ja mitunter sogar kriecherisch, wenn es um das eigene Überleben und das berufliche Fortkommen unter den mehr oder weniger schwachsinnigen julisch-claudischen Kaisern geht. Aufgrund dessen wirkt er wesentlich menschlicher als der typische, allzu perfekte Romanheld. Fabbris Beschreibung von Vespasians Charakter kommt überdies der historischen Vorlage ziemlich nahe.

Die Geschichte ist abwechslungsreich, spannend und weist keine Längen auf. Manchmal ist sie aber nicht so recht glaubwürdig. Als es z.B. hieß, Arminius' Sohn habe von getöteten römischen Legionären die in 'Einmachgläser' eingelegten Hoden verspeist, welche zu diesem Zeitpunkt bereits Jahrzehnte alt sein mussten, habe ich mich kurz gezwickt, weil mir nicht ganz klar war, ob ich bloß träume oder ob der Autor das ernst meint. Im Angesicht dessen ist es schon fast vernachlässigbar, wenn Fabbri z.B. nicht weiß, dass Legionslager mit Steinumwallungen zu Claudius' Zeiten noch lange nicht 'state of the art' waren. Grundsätzlich ist festzustellen, dass das in Germanien spielende Kapitel - es umfasst ca. ein Viertel des Buchs - aus mancherlei Gründen das unglaubwürdigste ist. Die davor geschilderten Ereignisse in Rom sowie der Britannienfeldzug danach wirken auf mich wesentlich stimmiger.

Fazit: Gute Unterhaltungsliteratur mit kleineren Durchhängern.

Anmerkung: Den Roman gibt es, wie alle Teile der Vespasian-Reihe, auch als Hörbuch vom Verlag Audiobuch. Die MP3-Dateien der 16-stündigen CD können leicht auf den Computer und von dort auf andere Geräte kopiert werden.
Und falls sich jemand fragt, warum ich beides - also Buch und Hörbuch - besitze: Es sind Rezensionsexemplare. Das Buch habe ich tagsüber gelesen und abends im Bett bin ich zum Hörbuch übergewechselt. Ja, so einen Riesenluxus erlauben mir die Privilegien eines Bloggers 😉



Donnerstag, 28. Februar 2019

📖 Buch: Über die Kochkunst / De re coquinaria

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

"De re coquinaria" / "Über die Kochkunst" ist ein Kochbuch aus der römischen Antike. Als Autor wird ein gewisser Apicius genannt, der in der Zeit der Kaiser Augustus und Tiberius gelebt haben soll. Allerdings dürfte nur ein Teil der überlieferten Rezepte tatsächlich von ihm stammen. Der Rest wurde in späteren Jahrhunderten hinzugefügt.

Das Werk ist in zehn "Bücher" bzw. Hauptkapitel unterteilt. Darin findet der Leser nicht ausschließlich typische Kochrezepte, sondern auch Ratschläge zur richtigen Konservierung von Lebensmitteln und kurios Anmutendes wie etwa die Verwandlung von Rot- in Weißwein mittels Bohnenmehl und Eiweiß (ob sich davon vielleicht die Autoren der Evangelien inspirieren haben lassen? 😃😉).

Inhalt:
- 1. Der sparsame Wirtschafter
- 2. Gehacktes
- 3. Der Gärtner
- 4. Verschiedenes
- 5. Hülsenfrüchte
- 6. Geflügel
- 7. Der Gourmet
- 8. Der Vierfüßer
- 9. Das Meer
- 10. Die Fischerei
- Auszüge aus Apicius vom Edelmann Vindiarius

Die vorliegende Ausgabe von Reclam ist zweisprachig (lateinisch-deutsch). Für die in einem zeitgemäßen Deutsch gehaltene Übersetzung zeichnet Robert Maier verantwortlich.
Im umfangreichen Anhang (er belegt ca. ein Drittel des Buchs) findet man ein Nachwort, in dem u.a. auf den Autor/die Autoren von "De re coquinaria" und die Überlieferungsgeschichte eingegangen wird. Enthalten sind überdies ein Glossar, durchnummerierte Anmerkungen/Endnoten zu den Kochrezepten, eine Übersicht zu römischen Hohlmaßen und Gewichten sowie eine kleine Übersicht zur Herstellung bzw. zum modernen Ersatz wichtiger römischer Zutaten wie z.B. Liquamen oder Mulsum. Dergleichen erleichtert das Kochen nach historisch-römischen Rezepten spürbar, da diese oft nur sehr rudimentär informieren; so wird etwa auf konkrete Mengenangaben gerne verzichtet.


Fazit: "De re coquinaria" ist wohl die bedeutendste antike Schriftquelle zur Küche der Alten Römer. Entsprechend oft dient sie als zentrale Grundlage für moderne Römer-Kochbücher. Es ist daher für einschlägig Interessierte durchaus sinnvoll, im unverfälschten Original nachschlagen zu können. Ganz nach dem Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Der Kaufpreis beträgt 8 Euro.