Montag, 20. November 2017

Hörbares: Homers Ilias -- Antiker Bergbau -- Kulturgeschichte der Orgel -- Geschichte der Päpste -- usw.




Der Übersetzer Kurt Steinmann und Homers Ilias | Spieldauer 32 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

Judenverfolgung im Mittelalter: Das Pogrom von Oberwesel | Spieldauer 35 Minuten | DF Nova | Stream & Info | Direkter Download

Antiker Bergbau und Oktoberrevolution | Spieldauer 14 Minuten | RBB | Stream & Info | Stream & Info

Über die Kulturgeschichte der Orgel | Spieldauer 18 Minuten | RBB | Stream & InfoDirekter Download

Die Geschichte der Päpste, Teil 1: Petrus und die ersten Päpste - "Einzigartige Kontinuität" | Spieldauer 12 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

Die Geschichte der Päpste, Teil 2: Symbiose von Herrschern und Kirche - "Ein Papst tritt herrschaftlich auf" | Spieldauer 12 Minuten | DF | Direkter Download

Die Geschichte der Päpste, Teil 3: Höhepunkte der Macht im Mittelalter - "Der Papst steht über dem Kaiser" | Spieldauer 12 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

Die Geschichte der Päpste, Teil 4: Schillernde Renaissance-Päpste - "Unglaubliche Rücksichtslosigkeit" | Spieldauer 13 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

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Sonntag, 19. November 2017

Buch: Strategika - von Polyainos

Es war wohl im Jahr 161 n. Chr., als der aus Makedonien stammende Rhetor Polyainos sein Werk Strategika veröffentlichte und es den beiden eben erst an die Macht gelangten römischen Kaisern Marcus Aurelius und Lucius Verus widmete. Da die Zeiten gerade unsicher waren - das Parther-Reich machte wieder einmal große Schwierigkeiten - erschien es dem Autor eine gute Idee zu sein, der Staatsspitze und natürlich auch allen anderen Interessierten Römern eine Art Orientierungshilfe mit historischen Beispielen für kluge militärische - aber auch politische - Strategien an die Hand zu geben.
Seine insgesamt 900 strategemata ordnete Polyainos in acht Bücher:

Buch I: Mythische Zeit (Odyssee usw.), griechische Frühzeit und 5. Jh. (Perserkriege, Peloponnesischer Krieg, Xenophons Anabasis usw.)

Buch II: Sparta und Theben (Agesilaos II. usw.)

Buch III: Athen im 4. Jh. (Demosthenes, Demetrios von Phaleron usw.)

Buch IV: Makedonen (Alexander der Große, Ptolemaios I., Kassandros usw.)

Buch V: Sizilien (Dionysios I., Agathokles usw.) und Seeschlachten (Nearchos von Kreta, usw.)

Buch VI: Weitere Griechen und die Karthager (Hannibal, Pyrrhos usw.)

Buch VII: Perser und sonstige Barbarenvölker: (Kyros, Midas, Xerxes, Mausolos, Mithridates, Thraker, Skythen, Keltinnen usw.)

Buch VIII: Römer und Frauen (Romulus, Scipio, Sulla,  Caesar, Porcia, Laodike usw.)

Die Umfang der einzelnen strategemata schwankt zwischen wenigen Zeilen und mehreren Seiten. Oft sind sie aus dem Zusammenhang gerissen und setzen teilweise beim Leser Kenntnisse bezüglich der Rahmenhandlung voraus. Das wiederum macht es schlicht unmöglich, nach beinahe 1900 Jahren noch jede der vom Autor genannten Tricksereien vollständig in den richtigen historischen Kontext einzuordnen. Siehe etwa folgendes Beispiel.

"Die Kampaner hatten mit den Feinden einen Vertrag abgeschlossen, dem zufolge sie ihnen die Hälfte ihrer Waffen ausliefern sollten. Nun hieben sie ihre Waffen entzwei und ließen jene die Hälfte davon nehmen." 

Ein interessanter Kniff, der überdies einen gewissen Unterhaltungswert besitzt. Allerdings verschweigt uns hier der Autor, um welchen Krieg es sich handelt und wer die Feinde waren, denen die Kampaner ihre ruinierten und somit wertlosen Waffen andrehten. 
Polyainos geizt freilich dergestalt nicht ständig mit Detailinformationen. Ein besonders interessantes Beispiel, das einen spannenden Einblick in die antike Kriegsführung bietet, schildert er im 4. Buch. Dort heißt es über den makedonischen König Perseus: 

"Weil die Römer mit Elefanten anrückten, die sie teils aus Afrika, teils von Antiochos, dem König von Syrien, hatten, ließ Perseus, damit dieses Tier den Pferden keine neue und furchtbare Erscheinung wäre, von den Handwerkern hölzerne Bilder nach Gestalt und Farbe der Elefanten anfertigen. Da aber vor allem das Gebrüll der Tiere Schrecken erregt, musste in das hölzerne Gebilde ein Mann mit einer Flöte gehen, diese durch das Maul herausstecken und einen durchgehenden und rauen Ton von sich geben. So lernten die Pferde der Makedonen, nicht auf das Gebrüll und den Anblick der Elefanten zu achten."

Apropos Flöte: Wer sich schon immer gefragt hat, ob die Soldaten der alten Griechen bereits nach jemandes Pfeife tanzten - bzw. in einer Art Gleichschritt marschierten -, der erhält darauf im 1. Buch der Strategika eine Antwort:

"Die Herakliden Prokles und Temnos führten Krieg mit den Eurystheiden, die Sparta besaßen. Nun brachten die Herakliden der Athene Opfer für einen glücklichen Gebirgsübergang dar, die Eurystheiden aber griffen plötzlich an. Da wurden die Herakliden nicht bestürzt, sondern befehlen den Flötenspielern, die sie (zur Begleitung kultischer Verrichtung) bei sich hatten, voranzugehen. Diese gingen die Flöten blasend voran; die Hopliten aber schritten nach der Musik und im Takt einher, bildeten so eine unzertrennliche Schlachtlinie und besiegten den Feind. Diese Erfahrung lehrte die Lakedaimonier, die Flöte immer als Anführerin in der Schlacht zu haben. [...]"

Die vorliegende zweisprachige Übersetzung (griechisch/deutsch) des Verlags De Gruyter (Sammlung Tusculum) stammt vom Althistoriker Kai Brodersen, der den Originaltext in ein modernes, allgemein verständliches Deutsch übertragen hat. 
Auf erklärende Anmerkungen/Endnoten, wie man sie beispielsweise von den meisten Reclam-Übersetzungen her kennt, wurde hier verzichtet. Stattdessen enthält das Vorwort einige Hintergrundinformationen, die das Verständnis des Textes erleichtern sollen; auch wurden gelegentlich Zusatzinfos direkt in den Text mittels Klammersetzungen eingebunden. Dergleichen kann funktionieren, will mir im konkreten Fall jedoch nicht ganz als vollwertiger Ersatz erscheinen. Wobei ich persönlich aufgrund des Fehlens der Anmerkungen keine Verständnisprobleme hatte; bei Lesern mit nur geringen Vorkenntnissen dürfte das anders aussehen. Freilich, es gibt da ja noch Google ...

Fazit: Ein interessantes antikes Werk in zeitgemäßer Übersetzung. Der Kaufpreis beträgt 70 Euro...

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Donnerstag, 16. November 2017

PDF: Die Drahtherstellung eines antiken Kettenpanzers

Ein hochinteressantes, ausgezeichnet illustriertes PDF, in dem die Drahtherstellung für einen Kettenpanzer aus dem 1. Jh. n. Chr. mittels Experiment dargelegt wird. Hier wird rasch verständlich, warum diese Form der Schutzausrüstung bis ins Mittelalter hinein ein äußerst teurer Spaß war.
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Mittwoch, 15. November 2017

Krimskrams: Reclam verlegt Teppich aus Büchern -- Zeus nach Belästigungsvorwürfen aus griechischer Mythologie gestrichen

Kürzlich flatterte mir eine Pressemitteilung von Reclam ins Haus. Grund dafür war das 150jährige Jubiläum der "Universalbibliothek" - also jener kleinen bunten Bücher, die ich auch hier im Blog immer wieder bespreche. Zweifellos hat sich der Verlag mit dem kostengünstigen Zugänglichmachen von Klassikern und aktuellen Übersetzungen alter Texte aus Antike und Mittelalter ein großes Verdienst erworben. 

Aus Anlass des Jubiläums veranstaltete Reclam nicht nur einen Festakt, sondern legte überdies einen Teppich aus Büchern der "Universalbibliothek" aus. Sehr kreativ.
Oder wurden hier vielleicht nur Überproduktionen/Fehldrucke einer interessanten Verwertung zugeführt, anstatt all die Bücher einfach in den Papiercontainer zu werfen? 😉

(C) Reclam

(C) Reclam

(C) Reclam

Übrigens, Amazon liefert manchmal Bücher, die bei mir in einem Zustand ankommen, der nahe legt, dass auch sie Teil eines solchen Teppichs waren, über den dann irgendwelche Leute drübergelatscht sind ...

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Zeus nach Belästigungsvorwürfen aus griechischer Mythologie gestrichen ...

... berichtet das international renommierte Qualitätsmedium "Der Postillon": Klick mich

Apropos Zeus und griechische Mythologie 😂



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Dienstag, 14. November 2017

Videos: Terrorfinanzierung durch Handel mit Raubkunst -- 400 Urnengräber aus vorrömischer Eisenzeit entdeckt -- Schätze aus der Vergangenheit



Terrorfinanzierung durch Handel mit Raubkunst? | Spieldauer 7 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info
Journalisten überrumpeln hier einen Syrer, der in Deutschland mutmaßliche "Raubkunst" verhökert. Durchaus kurios dabei ist, dass angeblich drei Experten in der Lage gewesen sein wollen, lediglich anhand von Fotos die Echtheit mehrerer archäologischer Objekte zu bestätigen. Eine solche Ferndiagnose kann aus wissenschaftlicher Sicht freilich nicht als seriös bezeichnet werden, aber was macht man auch oder vielleicht gerade als 'Experte' nicht alles mit, um ins Fernsehen zu kommen 😊
400 Urnengräber aus vorrömischer Eisenzeit entdeckt | Spieldauer 4 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info

Schätze aus der Vergangenheit: Ausgrabungen auf der Cremon-Insel südlich der Hamburger Altstadt | Spieldauer 2 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info

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Montag, 13. November 2017

Hörbares: Die Schlacht an der Milvischen Brücke -- Die Schlacht von Tours und Portiers -- 6000 Tote in der Bartholomäusnacht -- Elisabeth von Rochlitz



Die Schlacht an der Milvischen Brücke | Spieldauer 35 Minuten | DF Nova | Stream & Info | Direkter Download

Die Schlacht von Tours und Portiers | Spieldauer 36 Minuten | DF Nova | Stream & Info | Direkter Download

6000 Tote in den Straßen von Paris: Die Bartholomäusnacht | Spieldauer 33 Minuten | DF Nova | Stream & Info | Direkter Download

Elisabeth von Rochlitz - Die vergessene Heldin der Reformation | Spieldauer 22 Minuten | BR | Direkter Download

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Freitag, 10. November 2017

Hate-Speech in der Antike: Warum wurde Jesus Christus als gekreuzigter Esel karikiert?



Man schrieb das Jahr 1856, als bei archäologischen Ausgrabungen in der einstigen kaiserlichen Pagenschule auf dem römischen Palatin ein bemerkenswertes Graffito aus der Zeit um 200 n. Chr. entdeckt wurde: Es zeigt - siehe obiges Bild - einen eselsköpfigen, ans Kreuz geschlagenen Menschen, neben dem ein junger Man mit erhobener Hand steht. Eine griechische Inschrift darunter erklärt die merkwürdige Szene:

ΑΛΕΞΑΜΕΝΟΣ (ΑΛΕΞΑΜΕΝΟC) ΣΕΒΕΤΕ (CEBETE) ΘΕΟΝ 
(= Alexamenos betet zu Gott)

Ein gewisser Alexamenos wurde hier also wegen seiner christlichen Religion von einem Mitschüler verspottet. Dieser konnte - wie übrigens viele seiner Zeitgenossen - einfach nicht verstehen, dass jemanden als Gott verehrt wurde, der den erniedrigenden Tod am Kreuz gestorben war.
Heute würde der Urheber einer ähnlich religionskritischen Karikatur freilich Gefahr laufen, wegen 'Hate-Speech' von der Schule zu fliegen. Auch Morddrohungen von voraufgeklärten 'Mitbürgern' wären - abhängig von der veräppelten Religion - nicht auszuschließen. Im antiken Rom der Hohen Kaiserzeit dürfte dergleichen hingegen weniger zu befürchten gewesen sein, weil Religion dazumal noch nicht per se unter strengem 'Naturschutz' stand; allerhöchstens gegenüber den offiziellen Staatsgöttern und dem Kaiser(kult) war es ratsam, sich mit seinem Spott zurückzuhalten. Wiewohl man von anderen Graffiti her weiß, dass auch solche Verhaltensnormen oft genug missachtet wurden. Denn die Hauswand war für antike Freigeister wohl das verlockende Äquivalent zum heutigen Internet: Ein Platz, wo man seine Meinung offen, aber anonym kundtun konnte. Vorausgesetzt natürlich, man ließ Vorsicht walten; will heißen, was heute TOR ist, war damals die Dunkelheit der Nacht...

Doch zurück zur inkriminierten Karikatur: Wurde hier der Esel willkürlich als Mittel zur Verhöhnung gewählt - frei nach dem Motto, "ich geb dir Tiernamen"? Dergleichen könnte man vorschnell vermuten. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass in diesem Fall eine für die Antike typisch antijüdische Polemik auf das Christentum übertragen wurde (welches viele Römer geraume Zeit nicht scharf vom Judentum trennten). So stellte beispielsweise der Grammatiker Apion von Alexandria die Behauptung auf, dem Seleukiden-Herrscher Antiochos IV. sei bei der Plünderung des Jerusalemer Tempels ein goldener, zur Anbetung aufgestellter Eselskopf in die Hände gefallen. In Anbetracht ihres Bilderverbots stellte dies für die Juden natürlich eine ärgerliche Unterstellung dar. Doch auch Tacitus und Plutarch stoßen in dasselbe Horn. Sie sprechen gar von einer ganzen Statue in Eselsgestalt, die sich im Tempel befunden haben soll, und liefern dazu auch eine Erklärung, welche auf die antike Vorstellung Bezug nimmt, wonach der Esel ein Wasserquellen aufspürendes Tier sei. Konkret heißt es, die bei ihrem Zug durch die Wüste arg Durst leidenden Israeliten wären den Spuren einer Herde wilder Eseln gefolgt und seien so zu einem Brunnen gelangt. Zum Dank für ihre Errettung habe man später im Tempel Jerusalems das Bildnis eines Esels aufgestellt.
Der Wahrheitsgehalt solcher Geschichten ist nicht sehr hoch einzuschätzen. Die Ursprünge des behaupteten Eselskults im Judentum könnten allerdings auf dem Umstand beruhen, dass zwischen dem Gottesnamen Jao (Jahwe) und der ägyptischen Bezeichnung für Esel - Jo - eine lautliche Ähnlichkeit besteht.

Diese - im wahrsten Sinne des Wortes - "Eselei", hatte also wahrscheinlich das Christentum vom Judentum unfreiwillig geerbt. Doch trieben auch die Juden selbst mit den Christen ihre Späße. Beispielsweise ärgert sich der christliche Schriftsteller Tertullian über die von einem Juden im nordafrikanischen Karthago in Umlauf gebrachte Karikatur, welche Jesus als Lehrer mit Eselsohren und einem Huf (statt Fuß) darstellt.

All diese Karikaturen bestätigen in gewisser Weise Paulus' Worte im 1. Korintherbrief, wonach die Botschaft des gekreuzigten Christus "den Juden ein Ärgernis, den Heiden aber eine Torheit ist".

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Weiterführende Literatur:

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Mittwoch, 8. November 2017

Buch: Columna Traiani / Trajanssäule (Tyche Sonderband 9)

"Eigenlob stinkt", sagt man. Freilich, dabei handelt es sich um eine eher moderne Sichtweise. In der Antike hingegen gehörte es durchaus zum guten Ton, die eigenen Leistungen unablässig hinauszuposaunen - zumindest wenn man dem Establishment angehörte oder gar als Monarch an der Spitze des Staates stand. Ein beredtes Zeugnis davon liefert die Trajanssäule in Rom. Sie wurde im Jahr 113 n. Chr. eingeweiht und verherrlicht auf einem spiralförmigen, sich um den Säulenschaft windenden Relief den erfolgreichen zweiten Dakien-Feldzug des römischen Kaisers Marcus Ulpius Traianus.

Als sich 2013 die Einweihung des Monuments zum 1900 mal jährte, kam in Wien eine Gruppe von Fachleuten zusammen, deren Tagungsbeiträge nun im Sonderband 9 der Fachzeitschrift Tyche (Verlag Holzhausen) unter dem Titel Columna Traiani veröffentlicht wurden.
Auf über 400 Seiten widmen sich die Autoren unterschiedlichen Aspekten der Trajanssäule. Beispielsweise beschreibt und analysiert Karl Strobl Szene für Szene des Reliefs; vom Aufbruch des Kaisers in Italien, über die Schanzarbeiten während des Feldzuges bis hin zum Tod des feindlichen dakischen Herrschers Decebalus. Dabei wird auch auf die Bedeutung oft übersehener Details eingegangen: Was verrät uns beispielsweise die Marschrichtung der dargestellten Soldaten? Und warum fehlen bestimmte Episoden des Feldzuges?
Unterm Strich handelt es sich hier um einen sehr interessanter Beitrag. Bedauerlicherweise wurde aber darauf verzichtet, den einzelnen Schilderungen die entsprechenden Reliefszenen der Trajanssäule beizufügen. Zwar ist dies für das Verständnis der Ausführungen nicht zwingend erforderlich, doch hätte es deren Informationswert deutlich gesteigert. 

Ioan Piso geht in seinem Text der Frage nach, ob die Eroberung Dakiens überhaupt erforderlich war. Seine Antwort lautet: Ja. Allerdings spielte bloße Geldgier dabei keine übergeordnete Rolle, wie die marxistisch geprägte Geschichtsschreibung behauptet, sondern vielmehr standen militärstrategische Erwägungen im Vordergrund: Dakien war nämlich für Rom ein unzuverlässiger, theokratisch-fundamentalistisch geprägter Nachbar. Es dürfte, wie Ioan Piso erklärt, kein Zufall gewesen sein, dass nach dem Sieg Roms sämtliche Heiligtümer des Landes bis auf die Grundmauern geschliffen wurden; ein für Rom keineswegs typisches Vorgehen in eroberten Gebieten!

In einigen Beiträgen entfernen sich die Autoren mitunter relativ weit vom eigentlichen Thema. Etwa wenn hinsichtlich der Rezeptionsgeschichte darum geht, welchen künstlerischen Einfluss die Trajanssäule auf die ottonische Bernwardssäule in Hildesheim hatte. Mehr 'on-topic' und für mich ungleich interessanter war da schon der Text von Werner Eck, in dem dieser schildert, wie der ursprünglich nicht übermäßig herausragende Politiker Marcus Ulpius Traianus durch eine Art stillen Staatsstreich als Kaiser installiert wurde. Nach dem absehbaren Tod des 'guten' Übergangskaisers Nerva sollte nämlich nicht wieder jemand vom Schlage eines Domitian oder Nero auf dem Kaiserthron Platz nehmen. Und so nahm hier unverhofft das von der Geschichtsforschung sehr positiv bewertete Zeitalter der Adoptivkaiser seinen Ausgang.

13 der insgesamt 30 Beiträge sind fremdsprachig - und zwar überwiegend Englisch. Für eine hauptsächlich von deutschsprachigen Lesern bezogene Zeitschrift erscheint mir das eher suboptimal. Andererseits werden die meisten Interessierten zumindest der englischen Sprache ausreichend mächtig sein, um mit diesem Umstand keine gröberen Probleme zu haben.

Der relativ umfangreiche Bildteil am Ende des Buchs enthält viel Interessantes, wie z.B. die 3D-Rekonstruktion eines auf der Trajanssäule abgebildeten hölzernen Amphitheaters sowie eine ausgezeichnete grafische Übersicht, in der die einzelnen, auf der Säule abgebildeten Szenen-Felder kurz beschrieben werden. Eine volle fotografische Wiedergabe der Reliefs enthält das Buch allerdings nicht. Das ist, wie schon weiter oben geschrieben, zwar nicht tragisch, nichtsdestotrotz wäre es dem Thema angemessen gewesen, wenn man die entsprechenden Bilder lückenlos beigefügt hätte. So musste ich mir eben mit meinem Tablett-PC und den Abbildungen auf trajans-column.org behelfen ...


Fazit: Perfekt will mir die Umsetzung zwar nicht erscheinen, aber das Buch gibt bezüglich der Trajanssäule trotzdem einen aspektreichen Einblick in den aktuellen Forschungsstand. Der Kaufpreis beträgt eher happige 75 Euro...

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Weiterführende Informationen:

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Dienstag, 7. November 2017

Videos: Der Youtube-Kanal Anarchäologie -- Luthers Bücherstube -- Archäologische Funde -- Ausgrabungen im Irak -- usw.

Die Amploniana - Luthers Bücherstube | Spieldauer 30 Minuten | MDR | Stream & Info

Viele archäologische Funde bei Polch | Spieldauer 2 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

Peter Pfälzer erforscht im Irak das Reich der Akkad | Spieldauer 7 Minuten | SWR | Stream & Info

Archäologische Ausgrabungen einfach erklärt | Spieldauer 8 Minuten | Youtube / Anarchaeologie | Stream & Info



Die Videos des Youtube-Kanals Anarchaeologie sind gut gemacht und erklären verschiedenste Aspekte der archäologischen Arbeit in anschaulicher Weise. Freilich, ich bin nicht mit jeder Aussage in den Videos einverstanden, aber das muss ich ja auch nicht 😊

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 Mehr Videos

Montag, 6. November 2017

Buch: Vor-Romanik in Südtirol

Im Bildband Vor-Romanik in Südtirol (Athesia Verlag) präsentiert der Archäologe und Bauforscher Hans Nothdurfter (😁) auf 248 Seiten unzählige großformatige Fotos, Grundrisse und Texte zu rund 90, größtenteils kirchlichen Gebäuden in Südtirol, die gänzlich oder zumindest teilweise der Vor-Romanik zugeordnet werden; darunter beispielsweise die Kirche St. Benedikt in Mals, die für ihre karolingerzeitlichen Fresken berühmt ist.
Freilich, der gewählte Zeitrahmen wurde vom Autor relativ großzügig interpretiert, denn gemeinhin lässt die Forschung die Vor-Romanik spätestens im 11. Jahrhundert enden, während in diesem Buch auch Bauten besprochen werden, die noch im 12. Jahrhundert entstanden. Der Titel scheint mir daher ein klein wenig irreführend zu sein ...

Die Erläuterungen zu den einzelnen Gebäuden umfassen in der Regel eine Beschreibung der Lage, einen Überblick zu Baugeschichte sowie Konstruktionsdetails und mitunter auch nähere Informationen zur Forschungsgeschichte. Generell wurden die einzelnen Texte vom Autor relativ kurz und bündig gehalten. Auch Quellen zu weiterführender Literatur werden angegeben.

Der Kunstgeschichtler und Denkmalschützer Karl Gruber steuerte viele der großformatigen Fotos bei. Darunter befinden sich auch etliche Luftaufnahmen, die er in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder bei Hubschrauberflügen mit den Carabinieri machen konnte (heute hat man es natürlich wesentlich einfacher, da es Quadrokopter und ähnliche Fluggeräte für vergleichsweise wenig Geld zu kaufen gibt).

Fazit: Vor-Romanik in Südtirol ist ein schönes Buch zum Schmökern. Der Kaufpreis beträgt 35 Euro.

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Inhalt:

Vorwort - ein Streifzug

Einleitung

Aldein, Pfarrkirche St. Helena 
Bozen, Dom Mariä Himmelfahrt
Bozen, Maria in der Au
Bozen, St. Quirinus in Gries
Bozen, St. Virgil am Virgl
Brixen, Dom Mariä Himmelfahrt
Brixen, St. Andrä
Brixen, St. Cyrill in Tils
Brixen, St. Johann in Karnol
Brixen, Elvas - St. Peter und Paul
Bruneck, St. Georgen
Bruneck, Pfarrkirche St. Peter und Paul in Reischach
Deutschnofen, St. Agatha und St. Benedikt
Eppan, Kirchenruine St. Vigilius in Perdonig
Eppan, Schloss Hocheppan
Eppan, Schloss Sigmundskron
Feldthurns, St. Andreas in Garn
Gais, Kehlburg und Schlössl Uttenheim
Glurns, St. Jakob in Söles
Glurns, St. Laurentius
lnnichen, Stiftskirche zu den hll. Candidus und Korbinian
Kaltern, St. Leonhard in Unterplanitzing
Kaltern, St. Peter in Altenburg
Kastelruth, Katzenlocher Bühel
Klausen, Säben
Klausen, St. Sebastian
Kuens, Pfarrkirche St. Korbinian und Mauritius
Laas, Pfarrkirche St. Johann, St. Sisinius und St. Marx
Laas, St. Ottilia in Tschengls
Lajen, St. Bartholomäus in Tanirz
Lana, St. Georg in Völlan
Lana, St. Margareth
Latsch, St. Medardus in Tarsch
Latsch, St. Nikolaus
Latsch, St. Vigilius und Blasius in Morter
Mals, Kloster Marienberg in Burgeis
Mals, St. Benedikt
Mals, St. Johann
Mals, St. Martin
Mals, St. Nikolaus in Burgeis
Mals, St. Stephan in Burgeis
Mals, St. Veit in Tartsch
Meran, Zenoburg
Mölten,St.Georgin Versein
Mölten, St. Valentin in Schlaneid
Montan, Castelfelder
Mühlbach, Pfarrkirche Meransen
Nals, St. Apollonia in Sirmian
Naturns, Pfarrkirche St. Zeno
Naturns, St. Laurentius in Staben
Naturns, St. Prokulus
Neumarkt, St. Florian in Laag
Pfalzen, Pfarrkirche St. Cyriak
Prad, St. Johann
Rasen, Ruine Altrasen
Ritten, St. Lucia in Unterinn
Ritten, St. Ottilia in Lengstein
Rodeneck, Burg Rodenegg
Sand in Taufers, Burg Taufers
Sand in Taufers, Kapelle der Burg Tobl in Ahornach
St. Lorenzen, Kloster Sonnenburg
St. Lorenzen, Pfarrkirche St. Laurentius
Schenna, Alte Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt und St. Martin am Friedhof
Schlanders, Pfarrkirche St. Johann, St. Georg und St. Laurentius in Kortsch
Sterzing und Trens
Taufers, Hospiz St. Johann
Terenten, St. Zeno in Pein
Terlan, St.Kosmas und Damian in Siebeneich
Tirol, Schloss Tirol
Tirol, St. Peter in Gratsch
Tisens, St. Hippolyt
Tisens, St. Jakob in Grissian
Toblach, Aufkirchen St. Peter am Kofel
Tramin, St.Jakob in Kastellaz
Vahrn, Neustift, Michaelskapelle "Engelsburg"
Villanders, Pfarrkirche St. Stephan
Vintl, Alte Pfarrkirche St. Urban
Völs, Pfarrkirche und St. Peter am Bühel
Welsberg, St. Georg in Taisten
Wengen-La Val, Alte Pfarrkirche St. Genesius
Winnebach, St. Silvester auf der Alpe


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Weiterführende Informationen: