Mittwoch, 13. November 2019

🗓️ Kalender: Österreichische Geschichte 2020


Der Jahreswechsel naht und somit besteht bei vielen Menschen wieder der Bedarf nach neuen Kalendern. Für Geschichtsinteressierte hat der Verlag Elsengold thematisch etwas passendes: Im Kalender "Österreichische Geschichte" wurde jeder Woche ein eigenes Blatt (24x32 cm) spendiert, auf dem neben einer schönen Abbildung ein bedeutendes Ereignis oder eine herausragende Persönlichkeit der Vergangenheit vorgestellt wird. Darunter findet sich die Erstbesteigung des Großglockners, die Kapitulation der Stadt Graz am Ende des 2. Weltkriegs, die Gründung der Universität Wien durch Rudolf IV, die Gefangennahme von Andreas Hofer, die Gründung der Austrian Airlines, die Premiere der Salzburger Festspiele, das Attentat von Sarajevo usw. Der abgedeckte Zeitraum erstreckt sich vom Mittelalter bis in die jüngere Vergangenheit. Allerdings ist für meinen Geschmack das 20. Jahrhundert etwas zu stark repräsentiert. Ich hätte mir eine Gewichtung gewünscht, in der die einzelnen Epochen der über 1000jährige Geschichte Österreichs quantitativ gemäß ihrer Dauer berücksichtigt werden.
Insgesamt ist der Kalender aber durchaus schön gemacht. Hier kann man quasi jede Woche etwas dazulernen - oder man blättert ihn einfach so von vorne bis hinten durch. Der Kaufpreis beträgt akzeptable 22 Euro. 



Montag, 11. November 2019

Der Politaktivist Thomas Meier und die Brachial-Politisierung der Archäologie durch die "Berner Erklärung"


Die Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte (DGUF) verbreitet einen Text, in dem ein gewisser Thomas Meier die kürzlich verfasste "Berner Erklärung der European Association of Archaeologists" wortreich verteidigt.
Meier und Konsorten schwebt de facto vor, dass Archäologen bei verschiedensten gesellschaftlichen Fragen aktiv Einfluss auf den politischen Entscheidungsprozess nehmen, anstatt neutral zu bleiben und sich - ihrem Job als Wissenschaftler entsprechend - auf das Generieren von verlässlichen Fakten zu beschränken. Mehr noch, man versteigt sich dazu, Neutralität mit Opportunismus gleichzusetzen, der auf schlechtem Gewissen beruhe. Und des Weiteren heißt es:

Dass Archäologie sich explizit politisch positioniert, ist in der deutschsprachigen Wissenschaft noch lange nicht widerspruchslos akzeptiert  [...]

Mit der Kraft der historischen Analyse kann die Archäologie untersuchen, wie soziale Veränderungen abliefen und unter welchen Bedingungen wie stattfinden – so etwa Flucht, Migration, gewaltsamer Konflikt, De-Industrialisierung, Globalisierung oder Digitalisierung. Aus diesem Wissen heraus kann die Archäologie Wege vorschlagen, wie das Wohlergehen einer pluralistischen Gesellschaft auf friedliche Weise erreicht werden kann. Diese Lehren aus der Vergangenheit schließen die Werte der Gleichheit und Vielfalt mit ein. [...] 

Kulturelles Erbe steht vielen Interpretationen und Sichtweisen offen. Einige davon fördern derzeit einen wachsenden und spaltenden historischen Revisionismus.

Schlau formuliert, aber leicht durchschaubar: Zuerst die Freiheit der Forschung (und an anderer Stelle auch die Demokratie) preisen, nur um dann sogleich selbst von der Meinungsfreiheit gedeckte Meinungen, die einem persönlich nicht in den Kram passen, mit moralisch aufgeladenen Schlagwörtern pauschal zu delegitimieren. Der klassische "Ja, aber"-Rhetorik-Schmäh also. Oder frei nach einem ehemaligen Reichstagspräsidenten und Liebhaber auffälliger Uniformen: Welche Sichtweisen und Interpretationen legitim sind, bestimmen wir. "Spaltung", also nichts anderes als unterschiedliche Meinungen und die damit verbundene lebendige Debatte, soll durch einen aufgezwungenen Konsens ersetzt werden. 
Der Präsidenten des Deutschen Hochschulverbandes, Professor Bernhard Kempen, hat diese Entwicklung vor nicht allzu langer Zeit folgendermaßen beschrieben:

Die Toleranz gegenüber anderen Meinungen sinkt. Das hat auch Auswirkungen auf die Debattenkultur an Universitäten.

Nun zum Begriff "Revisionismus" bzw. 'Geschichtsrevisionismus': Dabei handelt es sich um ein typisch deutsches Pejorativ (das pikanterweise überdies dem vom Autor so vollmundig eingeforderten "Pluralismus" widerspricht). So gut wie überall sonst auf der Welt wird "Revisionismus" hingegen wertneutral verwendet. Zurecht, denn gerade der Forschungsstand in notorisch empiriearmen Fächern - wie es die Geschichtswissenschaft und ihre Hilfswissenschaften sind - muss zwingend einer ständigen Revision unterzogen werden. Wer das ablehnt - oder auch nur in Frage stellt - ist kein Wissenschaftler, sondern ein Ideologe, der die Wissenschaft als Werkzeug missbrauchen möchte, um einen Konsens entsprechend seiner Weltanschauung zu forcieren. So jemand sollte schleunigst seinen Doktorhut abgeben und sich als politischer Lobbyist oder Aktivist registrieren lassen.

Der geneigte Leser kann sich wohl vorstellen, wohin jene Türsteher-Attitüde führt, wie sie von Meiers Rechtfertigungsschreiben zwischen den Zeilen ausdünstet wird. Man muss sich ja nur einmal diverse Elaborate aus Archäologie bzw. Geschichtswissenschaft der letzten Jahre vergegenwärtigen, um entsprechende Tendenzen zu erkennen. Beispielsweise wird von einigen Pseudoschlaubergern der dramatische Niedergang des Römischen Reichs - dessen unmittelbare Hauptursache hinlänglich bekannt ist - plötzlich als "Transformation" bezeichnet. Diese z.T. auch ideologisch motivierte Relativierung bzw. Beschönigung einer für die allermeisten Bewohner des Reichs extrem negativen Entwicklung ist schon sehr ulkig. Weil da könnte man ja hergehen und einen Vollbrand, in dessen Verlauf sich ein Haus in einen Haufen Asche und Schutt verwandelt, genauso nennen.

Übrigens: In Meiers Text kommt das politische Buzzword "Populismus" in verschiedenen Formen zehn Mal vor - und das selbstverständlich in einem warnenden Kontext. Hingegen nach "Religion" - mit der sei einiger Zeit wieder zunehmend bitterböses Schindluder getrieben wird - sucht man vergebens. Eine überaus auffällige und beredete Auslassung seitens des sich um Europa so besorgt gebenden Autors. Schließlich bildet gerade die Religion eine kontinuierliche Verbindungslinie durch die Jahrtausende und ist in der archäologischen Arbeit dementsprechend allgegenwärtig. 

Den Vogel schießt der Autor freilich ab, wenn er sich als Archäologe, "Kraft der historischen Analyse", dazu berufen fühlt, Ratschläge zu Themen wie der sogenannten "Digitalisierung" (ein dümmliches Buzzword) zu geben. Was würden er wohl dazu sagen, wenn umgekehrt Programmierer, 'Kraft des Debuggings', Archäologen erklären, wie sie ihre stratigraphischen Befunde zu interpretieren haben?
Wofür halten sich Meier und seine Gleichgesinnten eigentlich? Für Universalgelehrte in der Tradition von Leonardo da Vinci? Was für eine Hybris, was für schwindlige Wichtigtuer.
Auf welchem wissenschaftlichen Niveau sich Meier in Wirklichkeit bewegt, kann man freilich an dem Umstand ablesen, dass er sich in seinem Schrieb nicht entblödet, als Argumentationshilfe ausgerechnet die allwissende Müllhalde Wikipedia zu bemühen. Eine Quelle, die höchstens halbwüchsige Schüler und recherchefaule Käseblatt-Journalisten als reputabel bzw. zitierfähig betrachten.

Zur Ehrenrettung der Archäologie insgesamt sei gesagt: Es gibt durchaus Archäologen, die mit Thomas Meiers Ergüssen und der "Berner Erklätung" herzlich wenig anzufangen wissen, da sie erkennen, was hinter dem orwellschen Neusprech in diesen Texten tatsächlich steckt: Nämlich eine einseitige politische Positionierung und das Einschwören der Archäologen-Community genau darauf. Ein Archäologe, mit dem ich darüber in den letzten Tagen korrespondiert haben, kommentierte den Fall so:

Vor allem werden es junge Berufskollegen sein, die sich der Erklärung anschließen, denn sie stehen aufgrund ihrer oft prekären beruflichen Situation unter Konformitätsdruck. Viele von ihnen werden, weil sie den Inhalt bestenfalls überfliegen, auch schlicht und ergreifend nicht bemerken, dass es dem Hauptautor, mit seinen durchaus geschickt gewählten Formulierungen, gar nicht so sehr um die Verteidigung der Meinungsfreiheit im Wissenschaftsbetrieb, sondern um das Produzieren von Argumenten für den politischen Meinungskrieg geht. Welche Positionen dabei in Fragen wie Klima und Energiewende gestärkt werden sollen, die kritischen oder die des Mainstreams, muss ich Ihnen sicher nicht extra erklären. Mit ergebnisoffener Forschung lässt es sich allerdings nicht unter einen Hut bringen, wenn Archäologen sich als "Dienstleister" politischen Parteien, NGOs und Aktivisten andienen. Letztendlich ist diese Entwicklung eine Katastrophe und wird die Glaubwürdigkeit unserer Zunft nachhaltig beschädigen, so wie schon andere Fachbereiche durch die steigende Politisierung in den letzten zwei Dekaden beschädigt worden sind [...].

Interessant hieran ist übrigens, dass sich Lutz Fiedler, Professor des Landes Hessen für urgeschichtliche Archäologie, kürzlich in einem Interview sehr ähnlich geäußert hat. Bezüglich bahnbrechender Fossilienfunde in Deutschland erklärte er:

Leider klebt der Mainstream der Fachkollegen noch immer an der bisherigen Out-of-Africa-Theorie; jüngere Kolleginnen und Kollegen mit alternativen Erklärungsmodellen haben seit Jahren durchaus schlechte Karrierechancen.
Es lastet ein existentieller Druck besonders auf den jüngeren Archäologie-Kollegen. Sie machen sich große Sorgen wegen der existenzverunsichernden Zeitverträge und der umfangreichen Forschungsanträge zur Drittmittelbeschaffung. Es gibt auch ideologisch einen enormen Anpassungsdruck seitens der herrschenden Wissenschaftsdoktrin.

Der Experimentalarchäologe Achim Werner wiederum meinte im Vorjahr in einem Interview mit mir:

Das Fach Archäologie ist ein „Haifischbecken“, wie in den meisten Berufen fürchtet jeder, aufgrund von Kritik seinen Job zu verlieren bzw. überhaupt eine Stelle oder einen Auftrag zu bekommen. 

Und ausgerechnet im Angesicht dieses wissenschaftsfeindlichen Klimas kommt nun der verkappte Politaktivist Thomas Maier mit der "Berner Erklärung" daher und möchte unter Zuhilfenahme von Schmähvokabeln wie "Revisionismus" Abweichler auf Linie bringen bzw. ihm nicht genehme Ansichten ächten.

—————–

Weitere interessante Themen:


Sonntag, 10. November 2019

📽️ Videos: Sensationsfund im Allgäu -- Neandertaler -- Die Geschichte des Alkohols -- usw.



Urahn der Menschen lernte im Allgäu das Laufen | Spieldauer 2 Minuten | ARD/BR | Stream & Info

Menschenaffen: Sensationsfund im Allgäu | Spieldauer 1 Minuten | ARD | Stream & Info

 Der 'Thesaurus linguae Latinae' vorgestellt | Spieldauer 10 Minuten | BADW | Stream & Info

 Die Geschichte des Alkohols | Spieldauer 2 Minuten | ARD | Stream & Info

 Alexander von Humboldt: 250. Geburtstag des großen Entdeckers | Spieldauer 6 Minuten | BR/Youtube | Stream & Info

 Köln von unten | Spieldauer 44 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info

 Die antike Kunst des Glasschmelzens | Spieldauer 3 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info

 Jahrestagung der Archäologen | Spieldauer 2 Minuten | ARD/BR| Stream & Info

 Die Geschichte von Neandertalern und unseren Vorfahren | Spieldauer 4 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info

 Vor 4000 Jahren: Reiche Männer und Frauen auf Wanderschaft | Spieldauer 5 Minuten | Youtube/BR | Stream & Info
Sind das mal wieder spekulative Schlüsse - garniert mit politischen Buzzwords wie "soziale Gerechtigkeit" 🙄. Als ob man solche Begriffe - noch dazu auf Grundlage dürftiger archäologischer Befunde - über die Menschen anderer Epochen einfach drüberstülpen kann. Siehe z.B. das recht gut dokumentierte antike Rom: Sklaverei hat dort - nach allem was wir wissen - kaum jemand als Widernatürlichkeit empfunden. Sogar etliche Ex-Sklaven haben ihrerseits Sklaven für sich arbeiten lassen.


—————–

Freitag, 8. November 2019

🥣 Hiltibold kocht römisch: Pfannenbrot und gefüllte Fladen ("panis in patina coctus" et "placentae plenae")


Eigentlich probiere ich gerne historische Kochrezepte aus, besonders wenn die Adventszeit naht. Allerdings bevorzugt unter den Voraussetzungen, dass sich die Prozedur ohne großen Aufwand und exotische Zutaten rasch erledigen lässt. Für eine Mahlzeit spezielle Läden abzuklappern und lange in der Küche zu stehen, mag ich meine Zeit nicht unbedingt vertrödeln.
Erfreulicherweise erfüllen nahezu alle Rezepte im "Gladiatoren Kochbuch" die meiner Faulheit geschuldeten Anforderungen (Rezension und Infos bei Amazon). Die beschriebenen Gerichte erheben zwar nicht den Anspruch, historisch völlig authentisch zu sein, es ist aber aufgrund verschiedenster Überlieferungen sehr gut denkbar, dass sie so oder so ähnlich auch bei den alten Römern verspeist wurden.
Das hier von mir vorgestellte Rezept besteht aus zwei Teilen: Der erste ist ein einfaches Pfannenbrot, welches man mit geringem Aufwand zu gefüllten Fladen aufwerten kann. 

—————–

1. Pfannenbrot  (panis in patina coctus

Zutaten:
  • Drei Tassen Weizenmehl vom Typ 550 (Deutschland) bzw. Typ W700 (Österreich) 
  • Zwei Teelöffel Meersalz (ich habe normales Steinsalz verwendet, schließlich war Steinsalz auch den Römern nicht unbekannt - vor allem in den Alpenprovinzen; außerdem erkenne zumindest ich den geschmacklichen Unterschied sowieso nicht)
  • 1 Tasse Wasser
  • 1/2 Block Germ (Frischhefe)
  • 1 Ei

Zubereitung:
Den Germ und das Wasser gut mit dem Ei verquirlen (evtl. kurz mixen) und in eine Schüssel zu Mehl und Salz geben (die Zutaten sollten zimmerwarm sein). Alles mit einem Löffel durchrühren, bis ein sämiger Teigklumpen entsteht (meiner war zu feucht/klebrig, deshalb musste ich nachträglich noch etwas Mehl hinzugeben); diesen im Anschluss gut durchkneten und in vier gleich große Kugeln aufteilen. Die Kugeln in einer mit einem Geschirrtuch zugedeckten Schüssel an einem warmen Platz zwei Stunden lang gehen lassen, danach relativ flach ausrollen (siehe Foto) und in einer gut vorerhitzten Pfanne bei mittlerer Temperatur beidseitig ausbacken, bis das Endergebnis so aussieht wie auf den Fotos (wer nicht sicher ist, ob das Brot schon durch ist, kann ja die bekannte Probe mit einem Spieß machen und schauen, ob daran noch Teig kleben bleibt). Im Rezept steht übrigens nichts von Öl oder Fett. Ich habe daher eine Pfanne mit Keramikbeschichtung verwendet -  in der bleibt nichts kleben. Von Teflon halte ich hingegen aus gesundheitlichen Gründen nicht viel. Freunde berichten mir überdies, dass solche Pfannenbrote auch in ihrem Gusseisernem Geschirr der Lagerküche gut gelungen sind. 
Die Teigkugeln wurden zum Aufgehen in eine Schüssel gelegt, mit einem Tuch zugedeckt und in einen warmen Raum gestellt. Wie sich später (wenig überraschend) herausgestellt hat, war die Schüssel viel zu klein dafür, da der Teig sein Volumen mindestens verdoppelt hatte und die Kugeln deshalb auf dem engen Raum zusammengeklebt sind. Meiner Ansicht nach spricht aber ohnehin nichts dagegen, den Teig überhaupt erst nach dem Aufgehen zu vierteln.
Eine der nach dem Aufgehen zu einem Fladen ausgewalzten Teigkugeln. Walzt man sie noch etwas dünner aus als hier, lassen sich die Fladen nach dem Herausbraten in der Pfanne schwerer füllen, allerdings schmecken sie so ohne Füllung besser (dünnere Fladen sind knuspriger und luftiger, da der Teig Blasen wirft).
Die vier fertigen Fladen. Zwei, die mir dünner geraten sind, habe ich gleich so verputzt; die beiden anderen wurden gefüllt. Wie man außerdem vielleicht sieht: Der ausgewalzte Teig geht beim Braten in der Pfanne noch einmal auf.


2. Gefüllte Fladen (placentae plenae)

Zutaten: 
  • 4 fertige Pfannenbrote bzw. Fladen
  • 1 Zwiebel
  • 3 Knoblauchzehen
  • Ein kräftiger Schuss Sojasauce (als kostengünstiger Ersatz für die bei den Römern so beliebte Grundwürze Garum/Liquamen, die ein fermentierter Fischextrakt ist; ein authentischeres Substitut als Sojasauce wäre hier die recht kostengünstige ostasiatische Fischsauce "Nouc-nam" oder "colatura di alici", was ein eher teurer, aus Italien stammender Extrakt aus eingesalzenen Sardellen ist - der dem antiken Garum geschmacklich aber sehr nahe kommen soll)
  • Ca. ein Teelöffel Pfeffer
  • 1 große Dose weiße Bohnen
  • Ein kräftiger Schuss Olivenöl
  • Ein halber Teelöffel Cumin/Kreuzkümmel (haben wir normalerweise nicht in der Küche - der Zufall wollte es aber, dass schon vor Wochen ein Gläschen davon seinen Weg zu mir gefunden hat; meint Tipp für dieses etwas eigentümlich schmeckende Gewürz lautet, bei der Dosierung vorsichtig zu sein)
  • 2 Eier (im Originalrezept ist nur von einem Ei die Rede, aber bei einer großen Dose Bohnen ist das meiner Ansicht nach zu wenig)

Zubereitung:
Die Bohnen muss man laut Rezept zuerst waschen; warum auch immer, ich mache das normalerweise nie - allerdings esse ich Bohnen auch nicht sehr oft (und nein, ich bin kein Pythagoräer 😄). Im Anschluss daran werden sie zusammen mit den Eiern und den Gewürzen püriert (wer die nötige Muße besitzt, kann einen historisch authentischen Mörser verwenden - das hat durchaus Einfluss auf die Konsistenz; ich habe hingegen zum Stabmixer gegriffen, allerdings bewusst nicht zu fein püriert). Nun die Zwiebel schön klein hacken, diese unter die pürierte Masse mischen und mit einem Löffel in die Brote bzw. Fladen füllen (die ich zu diesem Zweck außen auf einer Länge von ca 10 Zentimetern (und tief ins Innere hinein) angeschnitten habe. Zu guter Letzt werden die Brote in einer zugedeckten Pfanne mit Olivenöl beiseitig bei mittlerer Hitze knusprig angebraten. Im Rezept steht, der Vorgang würde zwei Minuten in Anspruch nehmen, doch das hat sich bei mir als zu kurz herausgestellt, da die Füllung länger benötigt, um richtig erhitzt zu werden. Ich empfehle übrigens, nicht mit Olivenöl zu sparen.
Die vier römischen Fladen vor dem Herausbraten in Olivenöl; daneben die Füllung in einer zeitlich perfekt dazupassenden keltischen Schale aus der Hallstattzeit 😉. 
Hier nun das mir durchaus mundende Endergebnis. Gerade das Herausbraten in Olivenöl hat den Geschmack des Teigs noch einmal deutlich verbessert; auch wenn jemand einfach nur Fladen/Pfannenbrote ohne Füllung machen möchte, sollte er diesen Schritt deshalb trotzdem berücksichtigen. Ob nun aber gefüllt oder nicht gefüllt, die Fladen schmecken mir im abgekühlten Zustand sogar noch etwas besser als im heißen.

Abschließend noch eine Überlegung dazu, wie viel denn solche gefüllten Fladen/Pfannenbrote zur Zeit von Caesar, Augustus oder Caligula in einem jener Speiselokale gekostet haben könnten, die in römischen Städten so überaus häufig vorkamen (viele Menschen hatten ja in ihren kleinen Wohnungen keine vernünftigen Kochmöglichkeiten): Ein Laib Brot für zwei Personen kostete "vor Nero" ein As; Bohnen waren auch nicht übermäßig teuer (2 Asse pro röm. Pfund). Ich könnte mir daher vorstellen, dass für zwei solcher doch eher kleinen, aber gefüllten Brote ein bis zwei Asse verlangt worden sind; dann aber vielleicht ohne den damals kostspieligen Pfeffer als Zutat - wobei man bei der Füllung sowieso kreativ sein kann. Und um dem Preis noch einen Bezugsrahmen zu geben: Der durchschnittliche römische Arbeiter verdiente im 1. Jahrhundert nach Christus laut einer Schätzung ca. 16 Asse pro Tag (=4 Sesterzen =1 Denar).

—————–



Donnerstag, 7. November 2019

Krimskrams: Wo der Hammer hängt -- Doch nicht "out of Africa"?

Wo der Hammer hängt 

Kürzlich habe ich eine Zuschrift erhalten, in der ein Befürworter einer den Lesern nicht unbekannten baden-württembergischen Mittelalterbaustelle einen Rumpelstilzchen-Tanz aufführte:

GELD, GELD, GELD! Dreht sich in ihrem Kopf immer nur alles darum??!?!! Es tut keinem weh, wenn er ein paar Promille von seinen Steuern für dieses Projekt abgibt. Den Deutschen geht es sowieso immer noch zu gut, wenn man das mit dem Rest der Welt vergleicht. Sollen sie mit ihrem zusammengerafften Vermögen wenigstens einmal etwas Sinnvolles finanzieren. 
Wenn Sie Ösi-Schlaule schon den wissenschaftlichen Nutzen nicht sehen wollen, dann wenigstens den menschlichen, weil hier mit dem Geld Arbeitslose ausgebildet werden. Solche Projekte, bei denen von reich zu arm umverteilt wird, brauchen wir eigentlich VIEL MEHR noch in Deutschland!!!
Gruß
xxxx

Da hat mir der Herr aber so richtig gezeigt, wo der Hammer hängt. Und zwar gleich neben der Sichel. 😄

—————–

Doch nicht "out of Africa"?

Der Spiegel (ja ich weiß, den hält man höchstens bei Wikipedia für eine vertrauenswürdige Quelle) berichtet in einem aktuellen Artikel, dass der bis dato älteste Fund von einem aufrecht gehenden Menschenaffen aus dem Allgäu stammt: Klick mich

Der Gang des heutigen Menschen auf zwei Beinen hat sich demnach nicht - wie bislang angenommen - in Afrika entwickelt, er könnte aus Europa stammen, schreiben die Forscher in einer Studie im Fachmagazin "Nature". Sie halten es für "nahezu ausgeschlossen", dass in Afrika noch ältere aufrecht gehende Menschenaffenformen existierten.

Wenn das zutrifft, dann wackelt die "Out of Africa"-Theorie zunehmend. Ohnehin wird sie schon seit längerem von Forschern kritisiert. Dass einige Leute an ihr mit irrational großer Inbrunst festhalten ist meiner bescheidenen Meinung nach ohnehin überwiegend ideologisch motiviert. Schlicht und ergreifend weil mit dem afrikanischen Kontinent heute vergleichsweise wenig los ist, wurde mit dem Verweis auf die Entstehung des Menschen in Afrika der Versuch unternommen, die trübe Gegenwart zu relativieren. Dieses Überhöhen der eigenen Vergangenheit, um die Gruppe, der man sich zugehörig fühlt, wichtiger erscheinen zu lassen ist ja nicht neu - siehe etwa, was diesbezüglich im 19. und 20. Jahrhundert in Europa los war. Der Unterschied ist bei der "Out of Africa"-Theorie allerdings, dass hier nicht nur Afrikaner versuchen, sich historisch aufzublasen, sondern mehr noch Leute aus dem Westen offenbar großen Wert darauf legen, dass der erste Mensch ein Afrikaner war. Jeder mag sich selbst zusammenknobeln, was hier, abseits wissenschaftlicher Erwägungen, dahinterstecken könnte.
Schlussendlich muss man ohnehin sagen, dass wir über die Entstehung des Mensche in Wirklichkeit nur sehr wenig wissen. Hier ist - egal wo man seine Herkunft nun verortet - meiner Beobachtung nach unglaublich viel Spekulation im Spiel.

Update: In diesem aktuellen Artikel wird meine Ideologie-Vermutung von Lutz Fiedler, Professor des Landes Hessen für urgeschichtliche Archäologie, bestätigt.

Leider klebt der Mainstream der Fachkollegen noch immer an der bisherigen Out-of-Africa-Theorie; jüngere Kolleginnen und Kollegen mit alternativen Erklärungsmodellen haben seit Jahren durchaus schlechte Karrierechancen.

Es lastet ein existentieller Druck besonders auf den jüngeren Archäologie-Kollegen. Sie machen sich große Sorgen wegen der existenzverunsichernden Zeitverträge und der umfangreichen Forschungsanträge zur Drittmittelbeschaffung. Es gibt auch ideologisch einen enormen Anpassungsdruck seitens der herrschenden Wissenschaftsdoktrin.

Es ist zum Mäusemelken. Der Wissenschaftsbetrieb verkommt in allen möglichen Bereichen zu einem durchpolitisierten Ideologiezirkus. Aber immer noch gibt es Heuchler, die so tun, als wäre Konformismusdruck das Alleinstellungsmerkmal eines autoritären Herrschaftssystems, könne doch aber niemals auch in einer 'Demokratie' Platz greifen.

—————–

Weitere interessante Themen:


Mittwoch, 6. November 2019

🎧 Hörbares: Mumiensärge geöffnet -- Archäologen helfen Geologen -- Der Thesaurus linguae Latinae -- usw.



 Mumienfund bei Luxor | Spieldauer 7 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Archäologen öffnen uralte Särge mit Mumien | Spieldauer 4 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 Archäologen helfen Geologen: Steigt die Erdbebengefahr im Oberrheingraben? | Spieldauer 8 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

 Heimliche Eheschließung vor 550 Jahren: Hochzeit von Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragón | Spieldauer 5 Minuten | DF | Stream & Info

 Abendländisches Schisma: Das Konzil von Konstanz | Spieldauer 34 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Nahost: Archäologen planen Zukunft zerstörter Städte | Spieldauer 11 Minuten | WDR/ARD  | Stream & Info | Direkter Download

 Unvollendet seit 125 Jahren: Thesaurus linguae Latinae | Spieldauer 10 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Griechenland - die "Götterboten"-Dynastie | Spieldauer 28 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

—————–



Sonntag, 3. November 2019

📽️ Videos: 7000 Jahre alter Massenmord -- Antike Zauberpuppen und Flüche -- Spektakuläre Erdstall-Entdeckung -- Abora IV -- usw.



 Zähne klären 7000 Jahre alten Massenmord auf | Spieldauer 6 Minuten | ARD | Stream & Info

 WDR-Doku: Die Römer vom Rhein - Leben in Köln | Spieldauer 44 Minuten | WDR | Stream & Info
Informativer als die üblichen, oft auf Reenactment-Krawall gebürsteten Dokus mit Spielszenen. Wer aufpasst, findet freilich trotzdem Fehler, etwa bei der Kleidung oder hinsichtlich des pauschalisierenden Unsinns von der "Glaubensfreiheit im Römischen Reich". Ist Rom doch in Wirklichkeit etlichen Glaubensrichtungen und ihren Vertretern - die im Widerspruch zur staatlichen Ordnung bzw. den 'guten Sitten' standen - mit oft brachialen Methoden auf den Pelz gerückt. Z.B. den Christen, dem Bacchanalien-Kult, den keltischen Druiden in Gallien und Britannien, bestimmten philosophischen Schulen, den theokratischen Strukturen in Dakien - wo man sämtliche Heiligtümer bis auf die Grundmauern schliff; usw.
Auch der 'spannende' Aspekt, dass sich die Angehörigen unterschiedlicher Religionen und Kulturen besonders in städtischen "melting pots" immer wieder bis aufs Blut bekämpft haben, wäre in diesem Zusammenhang eine Erwähnung wert gewesen. Zu nennen sind hier beispielsweise die Unruhen in der Stadt Rom zwischen Juden und Judenchristen während der Regierungszeit von Kaiser Claudius sowie der große Judenaufstand unter Trajan, als sich in Endzeitstimmung geratenen Juden und Andersgläubige vor allem in den Provinzen Ägypten, Zypern und Cyrenaica zu Hunderttausenden gegenseitig bestialisch massakrierten (die entsprechenden Überlieferungen von Cassius Dio und Co. sind nichts für Leute mit schwachem Magen).
Dass der zu Ausgewogenheit und seriöser Recherche angehaltene öffentlich-rechtliche Rundfunk solche bedeutenden Sachverhalte gänzlich verschweigt, und stattdessen wieder einmal den undifferenzierten Mythos vom römischen Toleranz-Disney-Land perpetuiert, wird hoffentlich nicht daran liegen, dass man für gegenwärtige gesellschaftspolitische Anliegen Argumente in der Vergangenheit sucht? Man befürchtet doch wohl nicht etwa, dass der historische Rückgriff als erzieherischer Griff ins Klo endet, wenn dem Rezipienten ein vollständiges Bild präsentiert wird und ihn dieses in die Lage versetzt, tatsächliche Parallelen zwischen (unerfreulichen) Entwicklungen in unserer Gegenwart und ihren Entsprechungen in der Vergangenheit zu entdecken? 😉

 Geplantes Landesmuseum in der Kritik | Spieldauer 2 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info

 Schwanke beim Deutschen Archäologischen Institut | Spieldauer 45 Minuten | BR | Stream & Info

 Muss das Burgmuseum in Ranis schließen? | Spieldauer 2 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info

 Abora IV: Muss die Geschichte neu geschrieben werden? | Spieldauer 36 Minuten | Youtube | Stream & Info
Ein interessanter Bericht über die lange Seereise, die der Experimentalarchäologe Dominique Görlitz diesen Sommer auf dem Nachbau eines vorgeschichtlichen Schiffs vom Schwarzen Meer ins Mittelmeer unternahm.


 Vergessene Erdställe: Ein spektakulärer Fund bei Grafenau | Spieldauer 9 Minuten | BR/Youtube | Stream & Info
Wie hier durch bloße Inaugenscheinnahme eine Absolutdatierung des Erdstalls auf angeblich rund 1000 Jahre vorgenommen werden konnte, wird dem Seher interessanterweise vorenthalten. Sieht mir sehr nach 'Daumen mal Pi' aus. Aber über Heinrich Kusch und die KF-Uni Graz, die - wenn möglich - mit TCN naturwissenschaftlich datieren, wird gleichzeitig von einigen 'Experten' gemeckert ...


 Antike Zauberpuppen und Flüche: Ist Voodoo in Niederbayern erfunden worden? | Spieldauer 5 Minuten | BR/Youtube | Stream & Info


—————–

Freitag, 1. November 2019

📚 Hiltibolds aktuelle Leseliste: Der römische Legionär -- Löwenmenschen und Schamanen -- Marcellus -- Krieg um Troja



Der römische Legionär | Boris A. Brandt | WBG / Philipp von Zabern | 2019 | 112 Seiten | Preis: 28 Euro | Infos bei Amazon
Ein informatives und reichhaltig bebildertes militärhistorisches Buch über "Kleidung, Ausrüstung und Waffen in der Zeit von Augustus bis Domitian". Die Rekonstruktionszeichnungen sind ok, kommen aber nicht an die Qualität der vergleichbaren Bücher aus dem Zeughaus-Verlag heran (siehe z.B. hier).

 Löwenmenschen und Schamanen - Magie in der Vorgeschichte | Andrea Zeeb-Lanz, Andy Reymann | WBG/Theiss | 2019 | 112 Seiten | Preis: 28 Euro | Infos bei Amazon
Um vorgeschichtlichen Schamanismus - bzw das was die moderne Forschung dafür hält - geht es in diesem Buch. Ein interessanter Aspekt des Schamanismus ist die Verwendung von Drogen, mit denen es möglich ist, sich in Trance zu versetzen. Von Versuchen weiß man u.a., dass sehr viele Menschen - unabhängig von ihrem kulturellen Hintergrund - in diesem Zustand Mischwesen zu sehen glauben, die halb Mensch und halb Tier sind. Dieser Umstand wird als mögliche Erklärung dafür gesehen, dass schon sehr früh in unserer Geschichte solche Wesen in Form von Wandmalereien und geschnitzten Figuren dargestellt wurden. Man hat es bei Mischwesen also nicht zwangsläufig mit Indizen für Genmanipulationen durch außerirdische Besucher zu tun, wie z.B. ein Erich von Däniken meint 😄

 Marcellus - Der Merowinger | Michael Kuhn | Ammianus | 2011 | 400 Seiten | Preis: 22 Euro | Infos bei Amazon
Zu  diesem Buch muss ich nichts mehr sagen, da ich es ja erst kürzlich besprochen habe.

 Krieg um Troja | Diktys u. Dares | De Gruyter | 2019 | 448 Seiten | Preis: 59,60 Euro | Infos bei Amazon
Hierbei handelt es sich um eine alternative Quelle zur Troja-Sage. In der Antike wurde behauptet, die Schriften der Autoren Diktys und Dares seien sogar älter als Homers Ilias und Odyssee - was die moderne Forschung allerdings stark bezweifelt. Trotzdem erfreute sich das Werk bis ins Mittelalter einiger Beliebtheit.


Ausführlichere Rezensionen folgen hier in den kommenden Wochen.

—————–



Donnerstag, 31. Oktober 2019

📖 Buch: Die Ikonographie Palästinas/Israels und der Alte Orient. Eine Religionsgeschichte in Bildern - Band 4: Die Eisenzeit bis zum Beginn der achämenidischen Herrschaft

Eine enorme Fundgrube

Wer die weiter zurückliegende Vergangenheit verstehen will, muss ihre Bilder verstehen, die zentrale Zeugnisse von Kultur, Religion und dem menschlichen Alltag insgesamt sind. Selbst beim Vorhandensein reichhaltiger schriftlicher Überlieferungen stellen sie eine wichtige Ergänzung für die Forschung dar. Entsprechende Hilfe soll das Nachschlagewerk von Silvia Schroer bieten. Während in den Bänden 1-3 die Zeit von der späten Mittelsteinzeit bis zur späten Bronzezeit behandelt wurde, so steht im vorliegenden vierten Band die Ikonographie Israels/Palästinas (und den angrenzenden Gebieten) während der Zeit von ca 1250 bis 600 vor Christus (frühe Eisenzeit bis zum Emporsteigen des achämenidischen Perserreichs) im Zentrum der Betrachtungen. Es geht also um jenen spannenden Abschnitt der Geschichte, in dem die bronzezeitliche Welt des westlichen Mittelmeers große Veränderungen erfuhr:
1. in technologischer Hinsicht, durch den stark zunehmenden Gebrauch des Werkstoffs Eisen.
2. In politischer Hinsicht, durch den mysteriösen Niedergang alter Hochkulturen (Stichwort "Seevölker") und die Gründung neuer Großreiche.
3. In religiöser Hinsicht, durch das Entstehen neuer Religionen - siehe etwa das Judentum, auf dem hier der Fokus liegt.
All das hinterließ vor allem auf dem Gebiet des heutigen Israel deutliche Spuren, da es sich aufgrund seiner geographischen Lage inmitten der umwälzenden Ereignisse befand.

Das Buch verfügt insgesamt über 968 Seiten; rund hundert davon nimmt die sehr nützliche Einleitung in Beschlag. Weitere hundert Seiten benötigt der Anhang mit Register, Bildnachweis, Literaturverzeichnis usw. Den großen Rest füllt der chronologisch geordnete, übersichtlich gestaltete Katalog mit seinen knapp 1000 (!) Abbildungen aus. Diese bestehen durchgehend aus qualitativ hochwertigen Strichzeichnungen. Ein bisschen gestört hat mich hier allerdings, dass der vorhandene Platz z.T. nur schlecht genutzt wurde - siehe etwa die letzte der vier nachfolgenden Abbildungen; eine größere Darstellung wäre hier problemlos möglich und auch sinnvoll gewesen. Sehr gut sind hingegen die ausführlichen Bildtexte, die nicht nur eine meist hervorragende Erläuterung der Darstellungen enthalten, sondern auch die Abmessungen des entsprechenden Objekts, seine Datierung, die Herkunft uvm.

Fazit: Natürlich ist ein umfangreiches Ikonographie-Nachschlagewerk wie dieses primär für Fachwissenschaftler gedacht. Trotzdem ist es auch für jeden anderen Interessierten eine überaus nützliche Wissensquelle. Viele Details der Abbildungen geben Einblick in die Alltagskultur einer Jahrtausende zurückliegenden Vergangenheit; dazu zählen Kleidung, Schmuck, Waffen, Musikinstrumente, Möbel usw.
Man mag einwenden, die entsprechenden Bilder könne man sich heute doch auch einfach zusammengoogeln, doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn die wenigsten Suchtreffer werden verlässliche Kontextinfiormationen enthalten. Selbst manch archäologische Bilddatenbank knausert mit Infos, verglichen mit diesem Buch.
Die gedruckte Variante kostet 145 Euro - das ist kein Schnäppchen. ABER es ist auch als kostenloses PDF auf der Verlagsseite verfügbar - Stichwort 'Open Access'. Siehe den Link dazu weiter unten.

(C) Schwabe Verlag / Silvia Schroer (Autorin)
(C) Schwabe Verlag / Silvia Schroer (Autorin)
(C) Schwabe Verlag / Silvia Schroer (Autorin)
(C) Schwabe Verlag / Silvia Schroer (Autorin)

—————–

Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen: 


Dienstag, 29. Oktober 2019

🎧 Hörbares: Paläogenetik -- Der Verfall Pompejis -- Der Hirte in der Bibel -- Das Supernova-Scharmützel -- usw.



 Was Paläogenetik über die Menschheitsgeschichte verrät | Spieldauer 30 Minuten | DF| Stream & Info | Direkter Download
"Alte DNA - oder englisch: Ancient DNA". Fast richtig, liebe Qualitätsjournalisten vom Deutschlandfunk, denn in deutscher Sprache müsste es "alte DNS" heißen. Ihr hattet also 50 Prozent der Übersetzung bereits vorweggenommen ...

 Tiere als Waffe - Von gefiederten Helden und tödlichen Vierbeinern | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Wie der Tod in die Welt kam - Mythen und die große Menschheitsfrage | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Verschüttete antike Stadt – Der Verfall Pompejis scheint aufgehalten zu sein | Spieldauer 3 Minuten | DF | Direkter Download

 Delle Colombe gegen Galileo - Das Supernova-Scharmützel | Spieldauer 2 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Der Hirte in der Bibel - Von der Weide ins Heiligtum | Spieldauer 20 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Wie das Fleisch zur Sünde wurde – Foucault über christliche Sexualmoral | Spieldauer 20 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Maria Superstar - Die Mutter Jesu | Spieldauer 10 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Wachrütteln mit dem Schofarhorn | Spieldauer 10 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

—————–