Samstag, 6. März 2021

⛏️ Die ominösen Klaubsteinhaufen des Römerackers, mehr Erdverfärbungen und eine Überraschung



Nachdem mir das Bundesdenkmalamt bestätigt hat, dass ich wohl wirklich die Spuren eines bisher unbekannten römischen Landgutes auf einem Acker südlich von Graz entdeckt habe (siehe Link am Ende des Beitrags), habe ich mich vorgestern bei schönem Wetter noch einmal zum betreffenden Plätzchen aufgemacht. Die Hauptgründe dafür waren:
1. um eine Reihe von kleinen Erhebungen am Rand des Ackers zu begutachten, die von mir und auch vom Bundesdenkmalamt als mögliche Klaubsteinhaufen interpretiert wurden; will heißen, Bauern hätten in diesem Fall im Laufe der Zeit die größeren Brocken des zerstörten Römerbaus im Zuge der Feldarbeit zusammengeklaubt (da sie beim Pflügen störten) und nach und nach am Ackerrand angehäuft. Freilich, die besagten "Haufen" hätten z.B auch in Plastik eingeschweißte Heuballen sein können, denn auf der mir vorliegenden Reliefdarstellung war diesbezüglich keine Unterscheidung möglich. Das galt es endlich zu überprüfen.
2. wollte ich noch einmal nach an der Oberfläche verstreuten Fragmenten des Gebäudes Ausschau halten, um weitere harte Belege dafür zu finden, dass es sich um einen römischen Fundplatz handelt. 

Klaubsteinhaufen oder nicht?

Leider, jene Erhebungen, die hätten Klaubsteinhaufen sein können, waren verschwunden. Es hat sich also, wie ich halb erwartet habe, wohl um Heuballen gehandelt, die sich auf der mir vorliegenden LIDAR-Aufnahme abgezeichnet haben.
An anderer Stelle entdeckte ich allerdings zumindest eine kleinere Erhebung (siehe weiter unten), die von ihrer  bescheidenen Größe und Lage her theoretisch ein Klaubsteinheufen sein könnte. Das Problem dabei ist allerdings, dass diese Erhebung von einem Baum und allerlei Kraut überwachsen ist. Bloß mit einer Spitzkelle bewaffnet, kann man sich da brausen gehen (mal davon abgesehen, dass es theoretisch ohnehin nicht erlaubt wäre, darin nach irgendwelchen zusammengewürfelten römischen Steinen zu stochern 😇). Um durch das dichte Wurzelwerk ins Innere Vorzudringen, müsste man schon mit mindestens einem Spaten, eventuell sogar mit einer Dolabra anrücken. Das mache ich natürlich nicht (ganz im Ernst).


Überraschung - das gabs noch nie!

Nachdem ich die Sache mit den Haufen leicht enttäuscht, aber ziemlich schnell aufgegeben hatte, bin ich zweimal um den nicht allzu großen Acker gelaufen und habe meinen Blick über den Boden pendeln lassen. Neben den üblichen kleinen Ziegelstücken (bei weitem nicht jedes ist 'alt') fand ich diesmal aber auch etwas, das mir so noch nie untergekommen ist und von einiger Bedeutung für die zeitliche Einordnung des Fundplatzes sein dürfte, nämlich zwei Fragmente eines gräulich-rötliche Kalkmörtels (auf einer Seite relativ glatt, auf der anderen uneben, da diese ursprünglich auf dem Mauerwerk haftete). Unter dem Mikroskop habe ich mittels Zahnarztbesteck (Scaler-Zahnsonde) Stellenweise die Oberfläche der Verputz-Fragmente abgetragen und festgestellt, dass sie im Inneren Spuren von Pflanzenfasern oder Tierhaaren enthalten (solche Zusätze wurde von der Antike bis ins frühe 20. Jahrhundert beigegeben, damit der Mörtel beim Trocknen nicht rissig wird). Viel wichtiger aber ist, dass auch Ziegelsplitt anzutreffen war. Gerade der ist recht typisch für römischen Kalkmörtel und somit liegt hier ein weiteres starkes Indiz für einen Römerbau vor!


Eine auffällige Schotteranhäufung


Etwas oberhalb der orangen Markierung befindet sich der Standort des einstigen Baus (siehe Pfeil). Darunter, also innerhalb der Ellipse, ist der Boden auffällig dunkel verfärbt - und zwar sowohl im Bereich des Ackers wie auch auf der Wiese (die dort auch eine auffällige Einbuchtung aufweist). Interessanterweise wird im gepflügten Acker ersichtlich, dass sich dort große Mengen an Schotter im Boden befinden. Zwar ist Schotter auf der gesamten Ackerfläche anzutreffen, aber nur an dieser begrenzten Stelle wird man mit einer auffällig hohen Konzentration davon konfrontiert.
Ich könnte mir vorstellen, dass wir es mit einem alten Weg zu tun haben, der einst zumindest stellenweise geschottert war, da der Boden hier besonders im Frühjahr und Herbst sehr feucht (=weich und schlammig) sein kann. Wobei die Verfärbung auf der Wiese links auch daher rühren könnte, dass dort in manchen Jahren die Ackergrenzen anders verlaufen - siehe die nachfolgende Google-Earth-Aufnahme. Die starke Verfärbung im Acker rechts kann das aber nicht erklären. Befand sich dort vielleicht einst ein Misthaufen, an dem ein geschotterter Weg vorbeiführte? Oder ist dort eine größere Holzkonstruktion abgebrannt, deren Überreste die Erde nachhaltig dunkel färbten? Verkohltes Material konnte ich freilich noch keines entdecken. Zumindest nicht mit freiem Auge. Leider hatte ich nicht daran gedacht Bodenproben zu nehmen, um mir das unter dem Mikroskop genauer anzuschauen. 


Hier noch zwei weitere Bilder jenes Platzes, auf dem einst die Gebäude standen. Der Bereich ist dabei unterschiedlich deutlich auszumachen. Zuerst nur als diffuse Bodenverfärbung, dann in Form von klar auszumachenden Bewuchsmerkmalen mit wesentlich höherer Beweiskraft.




Zum Schluss noch ein Entwässerungsgraben

Leicht seitlich und unterhalb jener Stelle, an der ich immer die mit Abstand meisten Funde am Ackerrand mache (ich gehe ja nicht bzw. kaum in den Acker hinein, um den Bauern nicht zu verärgern) befindet sich ein mit Blättern und Ästen angefüllter Entwässerungsgraben; den habe ich mir diesmal ebenfalls ein wenig angesehen. Falls er richtig alt ist, dann würde es sich im Zuge archäologischer Maßnahmen eventuell auszahlen, dort drinnen mittels Metallsonde nach möglichen römischen (und sonstigen) Objekten zu suchen. Solche Gräben in unmittelbarer Nähe zu Wohn- und Wirtschaftsgebäuden sind nämlich oft wahre Fundgruben mit allerlei weggeworfenen Alltagsgegenständen darin.

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Mittwoch, 3. März 2021

📽️ Videos: Erdstallforschung in Stamsried -- Hightech-Archäologie -- Mit Detektoren aus Thüringen auf Schatzsuche -- usw.



 Erdstallforschung in Stamsried | Spieldauer 9 Minuten | BR/ARD | Stream & Info

 Europas größte Cairn-Stätte in Renningen (BW) | Spieldauer 46 Minuten | Youtube | Stream & Info
Das in diesem Fall nicht gerade mit viel Forschungselan ausgestattete Denkmalamt macht es sich einfach und behauptet, es handelt sich bei den im Video gezeigten Strukturen bloß um aufgelassene Steinbrüche jüngeren Datums. Geschichtsinteressierte Hobbyisten hingegen sind der Meinung, dass man es zumindest teilweise mit umfangreichen vorgeschichtlichen Stätten zu tun hat. Zu diesem Thema habe ich übrigens schon vor Jahren einmal ein Interview gemacht. Außerdem berichtete im Vorjahr die Leonberger Kreiszeitung darüber.

 Sensationelle These: Stonehenge ist gebraucht und stand ursprünglich ganz woanders | Spieldauer 14 Minuten | Youtube | Stream & Info


➽ Hexer und Hexenverfolgung: 9 Fakten| Spieldauer 9 Minuten | Funk | Stream & Info
Ja bist du deppert, ist dieses Video teilweise ein Stuss! Es fängt schon damit an, dass die Tante eingangs meint, gerade für sie als Journalistin würden nur harte Fakten gelten. Na, das wäre mir aber neu (Dunning-Kruger?) 😂. Daraufhin behauptet sie, von Hexen und Hexerei wäre in West-Mitteleuropa ab dem Spätmittelalter zum ersten Mal geredet worden, fügt aber hinzu, "andere Interpretationen" würden davon ausgehen, dass es Hexen schon in der Antike gab. Das sind keine "Interpretationen", sondern FAKTEN (also das, von dem sie eingangs behauptet hat, sie wären ihr so überaus wichtig). Etwa im Römischen Reich gab es sogar ein Gesetz gegen Hexerei, die Lex Cornelia de sicariis et veneficis. Fazit: Diese Frau ist eine Dummschwätzerin, deren Kernkompetenz eher in feministischer Wortakrobatik liegen dürfte, wenn man sich ihr restliches Gesabbel so anhört.

 Hightech-Archäologie | Spieldauer 15 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info

 Mit Detektoren aus Thüringen auf Schatzsuche | Spieldauer 5 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info
Uuiuiui, bei dieser kaum verhohlenen Werbung fürs Sondengehen werden einige Archäologen beschleunigt im Kreis springen. 😁

 PLW und PLW Review
Nicht unbedingt meine Zeit, aber wer sich für den 2. Weltkrieg und entsprechendes Reenactment interessiert, der findet auf den beiden Kanälen PLW und PLW Review sowohl Erklärvideos zu Uniformen und Ausrüstung wie auch Kurzfilme von erstaunlicher Qualität (wenn man die bescheidenen Budgets bedenkt, die diese Jungs haben dürften). Der Drehbuchschreiber ist übrigens ein maximalpigmentierter Herr, was nur erwähnt sei, falls jemand meint, das was die machen wäre politisch verdächtig. Davon abgesehen wird der Krieg hier nicht beschönigt/heroisiert, sondern in seiner Grauslichkeit anhand von Einzelschicksalen unverblümt dargestellt (für die vereinzelt eigenartigen Kommentare unter den Videos können die Macher nichts).





Sonntag, 28. Februar 2021

🎧 Hörbares: Römische Thermen und Badekultur -- Eine illegale archäologische Grabung und die Toten im Kriegstunnel -- Unterwasserarchäologie -- usw.



 Römische Thermen - Badekultur und Herrschaftsanspruch | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 "Ich bin ein Unterwasser-Detektiv" | Florian Huber lüftet Geheimnisse unter Wasser | Spieldauer 52 Minuten | HR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Eine illegale archäologische Grabung und die Toten im Kriegstunnel | Spieldauer 20 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Der sogenannte Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge ist quasi angepisst, weil von Geschichtsinteressierten in Frankreich ein verschütteter Tunnel mit unzähligen toten deutschen Soldaten aus dem 1. Weltkrieg entdeckt wurde und man sich nun um diese kümmern muss. Lieber möchte man sich mit den Toten aus dem 2. Weltkrieg beschäftigen, die in Osteuropa unter der Erde liegen. Nach dem Ableben sind offensichtlich doch nicht alle Menschen gleich; manche will man lieber aus Praktikabilitätsgründen vergessen. Sehr pietätvoll, das muss ich schon sagen.

 1700 Jahre freier Sonntag | Spieldauer 5 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Das Team Kopernikus revolutioniert die Astronomie | Spieldauer 3 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Die Zahl 40 als kulturprägende Kraft in der Menschheitsgeschichte| Spieldauer 20 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download


Donnerstag, 25. Februar 2021

⛏️ Nennt mich Howard Carter! Ich habe wohl tatsächlich ein römisches 'Landgut' südlich von Graz entdeckt!

Gebäuderekonstruktion in der Römerstadt Carnuntum (Niederösterreich) | Keine Rechte vorbehalten, doch um die Nennung der Quelle wird gebeten: HILTIBOLD.Blogspot.com

Im November 2018 und im Mai 2019 wurde von mir hier im Blog darüber berichtet, dass ich auf einem Acker in einer südlich von Graz gelegenen Gemeinde ein bisher unbekanntes römerzeitliches 'Landgut' (villa rustica) vermute. Gründe für diese Vermutung waren u.a:
  1. Kleinere Keramikfunde, die mir beim Joggen immer wieder unterkamen.
  2. Die räumliche Nähe zu mehreren römerzeitlichen Hügelgräbern - das nächstgelegene ist sogar außerordentlich groß, was die Vermutung aufkommen lässt, dass der Erbauer wohlhabend war und über ein entsprechendes Landgut verfügte (solche Grabmäler wurden aus Praktikabilitätsgründen  nicht weit vom eigenen Haus errichtet).
  3. Luftaufnahmen, in denen Bewuchsmerkmale auf menschgemachte Strukturen hindeuten. Siehe z.B. das erste der beiden nachfolgenden Bilder.
  4. Die fast schon typische Platzierung in mittlerer Lage auf einem sanft abfallenden Hang in einem Seitental. Hier war man einerseits vor Hochwässern sicher, andererseits entstehen durch das oberhalb versickernde Wasser bereits auf ungefähr halber Hanghöhe Quellen, die von den Römern mit geringem Aufwand angezapft werden konnten (Quellen/Brunnen wurden Fließgewässern als Trinkwasserlieferanten vorgezogen, da sie weniger leicht verunreinigt werden konnten). Unten, entlang des Bachs, waren aufgrund der dort vorherrschenden Bodenfeuchtigkeit oft saftige Viehweiden, weiter oben wurde das feuchtigkeitsempfindlichere Getreide angebaut.
  5. Mutmaßliche Klaubsteinhaufen befinden sich am Rande des betreffenden Ackers. Und zwar nur dort, hingegen bei keinem anderen Acker in der Umgebung.
  6. Lange Zeit wurde am Fundplatz kein Ackerbau betrieben, so als ob alte Steinfundamente im Boden das Pflügen mit dem Pferd verhinderten (siehe dazu den ersten der beiden oben verlinkten Blogbeiträge).
  7. Eine Geländeanomalie, die wie eine künstliche Terrassierung wirkt (zweites der nachfolgenden Bilder). Diese befindet sich ca. dort, wo ich die Bauten anhand von Bewuchsmerkmalen vermute. Dass sich die Terrassierung heute an ihrem unteren Rand wie angenagt präsentiert, könnte auf Erosion durch die beschriebenen Quellen zurückzuführen sei. Besonders wenn es regnet, tritt nämlich an dem Hang an verschiedenen Stellen Wasser aus. Ich muss allerdings einräumen, dass es sich hier auch um eine natürliche geologische Formation handeln könnte oder das verwendete Gelände-3D-Modell von Google Earth fehlerhaft ist.


Quelle: Goole Earth

Nachdem ich ausreichend viele Informationen zusammengetragen hatte - die Suppe also dick genug war - wollte ich das Bundesdenkmalamt darüber informieren. Ärgerlicherweise konnte ich niemanden erreichen - weder per Telefon noch per E-Mail. Doch dann trudelte plötzlich eine E-Mail bei mir ein. Rund zwei Jahre (!) nach meiner versuchten Kontaktaufnahme reagierte man auf einmal und bat mich, nähere Infos rüberwachsen zu lassen. Kurios! Ich kam dem trotzdem gleich nach und erhielt nun, ein paar Wochen später, von einer Archäologin die Bestätigung, dass ich wahrscheinlich wirklich die Reste von bisher undokumentierten baulichen Strukturen aus der Römerzeit entdeckt habe. Hier nun das Schreiben, wobei ich genaue Ortsangaben entfernt habe, da ich nicht möchte, dass der Platz von Metallsuchern abgegrast wird (unser hirnlos-kontraproduktives Denkmalschutzgesetz verunmöglicht es, dass Metallsucher mit den Behörden zusammenarbeiten und Funde melden können, ohne sich einer großen Gefahr der Strafverfolgung auszusetzen).

Dr. Hebert hat ihre Fundmeldung zum „römischen Landgut“ an mich zur Bearbeitung weitergeleitet. Ich möchte mich herzlich bedanken, da es sich um eine neue Fundstelle handelt, von der bislang kein Fundmaterial bekannt war. Die Strukturen erinnern an eine römerzeitliche Fundstelle in der KG XX (ebenfalls Gemeinde XY), welche über mehrere Jahre hinweg partiell ergraben wurde. Es handelt sich um ländliche Siedlungsspuren (Ständerbauten, Speichergruben), die in Zusammenhang mit einem in unmittelbarer Nähe liegenden Hügelgräberfeld stehen dürften. Auch letzteres zu vergleichen mit ihrer Fundstelle, für die sich ebenfalls Hinweise auf Hügelgräberfelder im Nordosten (Fundstelle „Hügelgräber im XZwald“) und Nordwesten (Fundstelle „Hügelgräber XX-Bahn“) finden. Das im Blog präsentierte Fundmaterial könnte – mit aller Vorsicht ohne tatsächliche „Live“-Begutachtung – zeitlich zu einem solchen Befund passen. Die im Franziszeischen Kataster ersichtliche Aussparung aus dem Weide- und Wiesenland sowie die entdeckten Klaubsteinhaufen würde auch ich als Hinweis auf mögliche ehemals vorhandene Steinbauten bzw. steinerne Fundamente werten.
[...]
Ich hoffe Ihnen damit auch meinerseits weitergeholfen zu haben!

Wer ebenfalls z.B. nach römischen Landgütern suchen möchte, der berücksichtige einfach meine hier beschriebene Vorgehens- und Denkweise. Vor allem nach Hügelgräbern - als relativ leicht zu identifizierenden Hinweisgebern für eine Besiedlung - sollte man in unseren Breiten zu Beginn Ausschau halten. Kartendienste, die entsprechende LIDAR-Aufnahmen (Relief-Darstellungen) zur Verfügung stellen (z.B. GIS für die Steiermark), sind oft frei zugänglich. 
Im nächsten Schritt sucht man auf den Äckern und Wiesen rund um das Hügelgrab mit verschiedenen Kartendienste (Google Maps, Bing Maps usw.) nach Bewuchsmerkmalen. Hier ist es wichtig, sich möglichst viele verschiedene Aufnahmen anzusehen, da nicht unbedingt jede davon menschgemachte Strukturen enthüllt, die im Untergrund schlummern. Die Qualität entsprechender Bewuchsmerkmale hängt von verschiedenen Faktoren ab; so etwa der Jahreszeit, in der ein Foto entstand sowie der Bepflanzungsart (Mais ist eher schlecht, Weizen und ähnliche dicht gesetzte Getreidearten sind gut).
Zum Schluss - wenn man also meint, etwas auf dem Karten- und Bildmaterial entdeckt zu haben - sollte man sich vor Ort persönlich ein Bild machen und nach verstreuten Funden Ausschau halten. Dazu ist es nicht unbedingt nötig, quer über den (am besten frisch gepflügten) Acker zu laufen (das mag der Bauer oft nicht), sondern ein intensives Begutachten der Ränder kann schon ausreichen. Wobei es durchaus sinnvoll sein kann, das an verschiedenen Tagen zu wiederholen. Mit etwas Glück sammeln sich so im Laufe der Zeit Funde an, die konkretere Rückschlüsse auf eine einstige Besiedlung sowie die dazugehörende zeitlichen Einordnung zulassen..



Dienstag, 23. Februar 2021

🎧 Hörbares: Neues zur Varusschlacht -- "Sounddesign" in der Architektur früher Hochkulturen? -- Wie roch das antike Ägypten? -- Höfische Liebe im Mittelalter -- usw.



 Neues zur Varusschlacht - Archäologen revidieren einen Mythos | Spieldauer 22 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Eine Sendung über Römer mit Mittelaltermusik unterlegen - auf das muss man auch erst einmal kommen...^^ Da ist dieses orientalische Gedudel, das die Qualitätsrundfunker ansonsten gerne als Substitut für antike Musik verwenden, auch nicht schlechter. 

 Gabriel Zuchtriegel aus Baden-Württemberg wird Chef-Archäologe in Pompeji | Spieldauer 4 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Nomen est omen? Etwas Zucht und Ordnung könnte die abgesandelte Ausgrabungsstätte Pompeji jedenfalls gut gebrauchen.

 Höfische Liebe im Mittelalter und die Erfindung der Romantik | Spieldauer 28 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Der Duft der Vergangenheit - Wie roch das antike Ägypten? | Spieldauer 10 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Gibt es Beispiele für "Sounddesign" in der Architektur früher Hochkulturen? | Spieldauer  5 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download


Freitag, 19. Februar 2021

📽️ Videos: Die Campus-Galli-Propaganda des BR -- Altes Bauernhaus retten statt abreißen -- Die ältesten Brezen der Welt -- usw.



 Campus-Galli-Propaganda: Die Klosterstadt in Meßkirch | Spieldauer 4 Minuten | Youtube/BR | Stream & Info
Wie jedes Jahr vor der Eröffnung einer neuen Saison, so liefert auch diesmal wieder der staatsnahe öffentlich-rechtliche Rundfunk kostenlose Propaganda-Reportagen für die ebenfalls staatsnahe Mittelalterbaustelle Campus Galli. Im konkreten Fall gab sich der BR die Ehre und zeigt wie seriöser Journalismus nicht aussehen sollte: Schöne, einlullende Bilder, anstatt kritisch nachzufragen. Übrigens, es ist interessant, was einer der Nutzer im Kommentarbereich geschrieben hat (hört sich fast so an, als ob der mein Blog meint 😉). 


 Bauernhaus retten statt abreißen: Alte Ortskerne werden saniert und neu belebt | Spieldauer 4 Minuten | Youtube/BR | Stream & Info 


 Die ältesten Brezen der Welt | Spieldauer 5 Minuten | Youtube/BR | Stream & Info
Ganz tolle Spielszene am Anfang, die schreit hinsichtlich der Klamotten geradezu '1750' - und nicht etwa 'Mittelaltermarkt' 😅

 Rheinbrohl gegen Osterburken: Antike | Spieldauer SWR/ARD Minuten | 45 | Stream & Info

 Eine kurze Geschichte der Hygiene | Spieldauer 3 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info


Dienstag, 16. Februar 2021

Krimskrams: Der Plagiatsjäger Stefan Weber und der Megastuss des ORF-Chefs Alexander Wrabetz

Die deutschen Leser des Blogs werden wahrscheinlich davon nichts wissen, aber vor einigen Wochen ist hier in Österreich die Arbeitsministerin unfreiwillig aus dem Amt geschieden, nachdem ihr ein bekannter Plagiatsjäger nachwies, dass sie sowohl bei ihrer (FH-)Master-Arbeit wie auch bei ihrer Dissertation behumst hat. Und zwar dermaßen gewaltig, dass sich die Balken nicht mehr nur bogen, sondern bereits ohrenbetäubend laut brachen. 
Die Plagiatorin - leider eine steirische Landsfrau von mir - hat bei ihrem politischen Abgang dann auch noch die Dreistigkeit besessen, diesen in erster Linie damit zu begründen, dass sie so ihre Familie vor angeblichen Attacken schützen wolle. Ihrem Narrativ zufolge musste sie sich also nicht verkrümeln, weil sie akademische Leistungen vorgetäuscht (und sich damit indirekt auch noch finanzielle Vorteile erschlichen) hat. Freilich, es wird nur wenige Belämmerte geben, die auf diesen fadenscheinigen Nonsens, mit dem sie offensichtlich ihr Gesicht wahren wollte, hereingefallen sind.
(Notiz am Rande: Mittlerweile wurde festgestellt, dass diese Frau auch bei anderen wissenschaftlichen Texten - die sie sich aus den Fingern sog - gehörig plagiiert hat.)

Normalerweise wird der Plagiatsjäger - Stefan Weber ist sein Name - gegen Bezahlung mit dem Erstellen von Gutachten beauftragt; jedoch hier war es kurioserweise so, dass seine Ehefrau eines Abends vor dem Fernseher die Überprüfung anregte, nachdem sie beide ein Interview mit der Arbeitsministerin gesehen hatten. Frau Weber kam es wohl spanisch vor, dass eine Ministerin, die dermaßen ungelenk spricht, promoviert haben soll ... (Video des besagten Interviews)

Weber hat sich nun kürzlich den Twitter-Feed des ORF-Chefs Alexander Wrabetz angesehen; der Herr ist (angeblich) promovierter Jurist. Wie schon im Falle der geschassten Arbeitsministerin, so lässt auch bei ihm das öffentlich dargebotene Deutsch den Verdacht aufkommen, dass intellektuell mit dem Verfasser nicht besonders viel los sein kann - oder er einfach stinkfaul ist und vor dem Absenden seine Kurz-Ergüsse nicht durchliest. 
Dass ausgerechnet so jemand einem großen Medienunternehmen vorsteht, dessen Hauptwerkzeug doch die deutsche Sprache ist, macht fassungslos. Wer - wie Alexander Wrabetz - als Chef immer und immer wieder online eine massive sprachliche Inkompetenz zur Schau stellt (wir reden hier nicht von vereinzelten kleinen Tippfehlern), der handelt hinsichtlich des ihm anvertrauten Unternehmens (meiner Ansicht nach) geradezu rufschädigend - und zwar in grob fahrlässiger Weise. Zum Glück liest seinen unterirdischen Twitter-Schmonzes kaum ein Mensch.


Quelle: plagiatsgutachten.com (twitter.com)

Eine kommentierte Zusammenstellung dieses sprachlichen Topfens findet man auf Stefan Webers Blog.
Ich bezweifle übrigens, dass man Weber zukünftig seitens des ORF noch oft interviewen wird. Dessen Chef ist nämlich nicht nur allem Anschein nach eine Oberniete in Deutsch, sondern auch in charakterlicher Hinsicht. Das belegt sein wehleidiger und nicht gerade souveräner Umgang mit Webers Kritik auf Twitter:

Quelle: twitter.com

Bei so einem Chef wundert es mich nicht, dass das ORF-Programm an Lausigkeit kaum zu überbieten ist. Ganz besonders ist hier die extrem stiefmütterliche Behandlung der viele Jahrtausende umfassenden Menschheitsgeschichte auf österreichischem Boden zu nennen (Steinzeit, Bronzezeit, Kelten, Slawen, Germanen, Mittelalter,...). Der ORF nudelt lieber mit geradezu fetischhafter Begeisterung primär das 20. Jahrhundert ab (man muss nicht Einstein heißen, um den Grund dafür zu erraten). Die Negativleistungen jener journalistischen Kompetenzattrappen, die bei unserem öffentlich-lächerlichen Dummfunk seit Jahren ihr Unwesen treiben dürfen, fügen sich also sehr schön ins Bild ein, das der Bonzen-Ungustl Wrabetz hier aktuell mit seinen reduzierten rhetorischen Fähigkeiten abliefert. Wie der Herr, so’s Gescherr. Entsprechend möchte ich anregen, sich die Diplom-, Master- und Doktorarbeiten der wichtigeren ORFler doch einmal genauer anzusehen. Man könnte - neben Wrabetz selbst - etwa mit Armin Wolf oder Tarek Leitner anfangen, die bei vielen der unfreiwilligen Finanziers der staatsnahen Rundfunkanstalt als besondere Sympathieträger gelten.
Bekanntlich sind ja die Medien insgesamt seit Jahren ein bedeutendes Sammelbecken für ein überwiegend minderbegabtes, staatlich herangezüchtetes Akademiker-Prekariat (in der Regel Laberfach-Absolventen aus der universitären Grabbelkiste). Gerade der ORF stellt diesbezüglich sicher keine Ausnahme dar. Dementsprechend erwarte ich mir, dass man als Plagiatsprüfer dort relativ oft fündig werden würde.

PS: Eine unrühmliche Rolle spielt das mit Staatsknete vollgesogene Medienunternehmen ORF auch im unten verlinkten Beitrag zu den Salzburger Festspielen/Wikipedia ...

PPS: Ja, auch mir unterlaufen Fehler. Aber nicht massenhaft solche wie dem ORF-Heini oben. Da würde ich irgendwann anfangen, mich in Grund und Boden zu schämen 😀

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Weitere interessante Themen: 


Montag, 15. Februar 2021

📖 Buch: My wicked, wicked ways - Die Autobiographie von Errol Flynn

"Vielleicht ist dies kein Buch, mit dem man seine Tochter zuhause alleine lassen sollte; andererseits war auch Errol Flynn kein Mann, den man mit seiner Tochter zuhause alleine lassen sollte."    Guardian

Warum bespreche ich hier die Autobiographie eines Schauspielers, der vor allem in den 1930ern und 1940ern ein Star war? Passt das thematisch überhaupt zum Blog? Jain 😀
An sich interessiert mich das Privatleben von Unterhaltungskünstlern nicht die Bohne; früher, als ich noch tagtäglich das Fernsehprogramm konsumierte, wurde immer sofort den Kanal gewechselt, sobald Begriffe wie "Star" oder "Promi" auftauchten. Die Umtriebe und Wortspenden dieser Kategorie Mensch waren mir in der Regel einfach zu dümmlich, trivial und weltfremd, als dass ich damit meine Zeit hätte vertrödeln wollen.
Errol Flynn andererseits nimmt bei mir eine Sonderstellung ein: Erstens spielte er nicht nur einen Abenteurer in Filmen, er war es für einige Jahre auch im echten Leben. Und zweitens prägte dieser Mantel-und-Degen-Schauspieler ohne jeden Zweifel maßgeblich mein Interesse für Geschichte. Filme wie "Der Herr der Sieben Meere" begeisterten mich für die Ära der Segelkriegsschiffe, und  "Robin Hood, König der Vagabunden" weckte in mir großes Interesse fürs Mittelalter (so sehr, dass "Ritter-LEGO" lange Zeit einen Stammplatz auf meinen Weihnachtswunschzetteln gehabt hat). Dass Flynns Filme schon uralt waren, als ich sie als Kind in den 1980ern und 1990ern meist im Wochenendprogramm des ORF zum ersten Mal gesehen habe, hat mich damals nicht gestört. Heute wirkt natürlich einiges daran unfreiwillig komisch, aber ich ziehe sie trotzdem den meisten modernen Hollywood-Produktionen vor.

Errol Flynn wurde 1909 auf Tasmanien als Sohn eines renommierten Meeresbiologen geboren - und er war ein eher schwieriges Kind. Nach einigen selbst verschuldeten Schulwechseln entschied er sich dafür, verfrüht und ohne Abschluss ins Berufsleben einzutreten. Sein erster Job endete allerdings schon nach kurzer Zeit abrupt, da er gemeinsam mit einem Arbeitskollegen die Portokasse beim Pferderennen verspielt hatte. Nach einigen weiteren Irrungen und Wirrungen landete er schließlich auf der Insel Neuguinea, die damals z.T. unter australischer Verwaltung stand. Obwohl von nichts eine Ahnung habend, gelang es ihm trotzdem, einen kolonialen Verwaltungsposten zu ergattern; doch auch diesen verlor er bald wieder, da er von seinem Vorgesetzten beim Ehebruch mit dessen gut aussehender Frau auf frischer Tat ertappt wurde (was in einer wüsten Prügelei endete). Nach dieser Episode betätigt sich Flynn auf Neuguinea als Verwalter eine Kokosnussplantage, als Dynamitfischer, als Goldgräber, als eine Art 'Sklavenhändler', als Jäger wertvoller Papageien und einiges mehr. Immer wieder kommt er dabei mit dem Gesetz in Konflikt. Mehr noch: Bei einem Abstecher nach Australien erleichtert er seine reiche und verheiratete Geliebte um wertvollen Schmuck, nur um kurz darauf selbst bestohlen zu werden und wieder mit leeren Taschen dazustehen. Ein Zustand, der seine frühen Jahre prägte.
Man könnte die Aufzählung noch lange fortführen. Alleine die Dinge, die Flynn gemeinsam mit dem österreichischen Arzt und Abenteurer Hermann Friedrich Karl Theodor Erben ("Koets") auf einer langen Reise nach England und später im Spanischen Bürgerkrieg erlebte, wären eine ausführlichere Betrachtung wert. Aber das würde den Rahmen dieser Rezension sprengen.

Mitte 20 wurde Flynn dann von Hollywood entdeckt, stieg in Rekordzeit zum Superstar auf und wurde nicht zuletzt vom weiblichen Publikum immens verehrt. Obschon er viele Frauen hatte (gerne beschreibt er deren anatomische Vorzüge), so war sein Glück mit diesen insgesamt eher bescheiden. Beispielsweise wurde er von seiner ersten Ehefrau, der Schauspielerin Lili Damita, bis zu seinem Tod finanziell gemolken. Überhaupt stand diese Ehe von Anfang an unter keinem guten Stern. Nicht nur, dass ihn die französisch-stämmige Lili in den Pariser Lesben-Club Le Monocle mitschleppte, was für Flynn mit einem Gefängnisaufenthalt endete; vielmehr zog sie ihm im während einer Party zuhause sogar von hinten eine Weinflasche über den Schädel. Während Flynn zu Boden ging, gab er seiner Frau allerdings im Fallen noch einen Haken mit und schlug ihr dabei einen Zahn aus... Rein reflexartig, habe er gehandelt. Eine Frau willentlich zu schlagen, käme ihm nämlich nicht in den Sinn, betont er. Doch dem widerspricht eine andere, höchst bemerkenswerte Episode, von der Flynn berichtet: Während den Dreharbeiten zu dem Film "Günstling einer Königin" sollte ihm Bette Davis bei einer Probe zum Schein eine Ohrfeige verpassen. Doch anstatt vorbeizuschlagen, traf sie ihn mit ihrer Hand, die voller schwerer Juwelenringe war, wuchtig auf den Unterkiefer. Flynn war davon überzeugt, dass dies pure Absicht gewesen ist, denn seine schauspielerisch erfahrenere und durchaus auch begabtere Kollegin sei verärgert darüber gewesen, deutlich weniger Gage als er selbst zu erhalten. Nachdem ihm Bette Davis zu verstehen gegeben hatte, dass sie auch später bei den eigentlichen Filmaufnahmen wieder kräftig hinlangen würde - sie könne es nämlich nicht anders - ging er in seinen Umkleideraum und übergab sich. Auch Flynns wiederholte Versuch einer Aussprache führte zu nichts. Also fasste er den Entschluss, es Davis mit gleicher Münze zurückzuzahlen - egal, ob das für ihn das Karriereende bedeuten würde. Als sich die beiden dann vor den Kameras wieder gegenüberstanden, heißt es weiter, muss Davis aber in Flynns Augen erkannt haben, was ihr gegebenenfalls blüht - und so schlug sie dieses Mal mit allergrößter Geschicklichkeit an ihm vorbei.
Die zweite Hälfte des Buchs ist voll mit solchen unterhaltsamen Anekdoten aus dem Filmgeschäft zu Flynns Zeit. Bemerkenswert fand ich auch, wie oft es damals noch zu schweren Verletzungen und sogar Todesfällen unter Schauspielern und Stuntmen während Dreharbeiten kam. Ganz zu schweigen wie man mit Tieren umging. Viele Pferde wurden, um möglichst spektakuläre Aufnahmen zu erhalten, misshandelt und verendeten, merkt Flynn kritisch an; doch bereits zu seiner Zeit erfolgte hier ein Umdenken.

Errol Flynns Schreibstil ist lebendig, voller Selbstironie und entsprechend unterhaltsam. Er baut etliche Dialoge ein, die er freilich nur recht frei aus seiner Erinnerung wiedergegeben haben konnte; auch Hinzudichtungen sind hier wahrscheinlich. Trotzdem trägt gerade dieser Aspekt maßgeblich zum Lesevergnügen bei. Man hat hier phasenweise weniger das Gefühl, eine Autobiographie zu lesen, sondern vielmehr einen unterhaltsamen Abenteuerroman. Obschon ich sagen muss, dass das Buch im letzten Viertel qualitativ etwas abfällt. Vielleicht auch deshalb, weil das Leben Flynns nun nicht mehr ganz so viele Abenteuer enthielt.

Der Text ist in englischer Sprache. Und es ist das Englisch eines Mannes, der 1909 geboren wurde. Entsprechend habe ich nicht jede Wendung verstanden und musste gelegentlich ein Wörterbuch konsultieren. Allerdings ist es ohnehin ratsam, während dem Lesen ein Tablet oder Smartphone griffbereit zu haben. Viele der Orte, die Flynn beschreibt - so etwa den berüchtigten Lesben-Club "Le Monocle" - kann man heute anhand von im Internet veröffentlichten Fotographien aus den 30er- und 40er-Jahren genauer betrachten. Etwas, das der Autor sich wohl nicht in seinen wildesten Träumen hätte vorstellen können, als er "My wicked, wicked ways" 1959 - seinem letzten Lebensjahr - verfasst hatte.

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Samstag, 13. Februar 2021

🎧 Hörbares: Das Kolosseum -- Liebe bei den alten Griechen und Römern -- Marco Polo -- Der deutsche Marco Polo -- Die Großmutter aller Fitnessgeräte -- usw.



 Das Kolosseum - Ein Bau für Blut, Brot und Spiele | Spieldauer 22 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Der deutsche Marco Polo - Hans Schiltberger | Spieldauer 22 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Marco Polo - Der Abenteurer und sein Mythos | Spieldauer 22 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Die Langhantel - Die Großmutter aller Fitnessgeräte | Spieldauer 24 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Mein Senf als jemand, der seit ein paar Jahren täglich Gewichte stemmt 💪: Die Langhantel mag ich am wenigsten. Irgendwie schaffe ich es mit der nämlich vergleichsweise leicht, mir weh zu tun. Mit den Kurzhanteln passiert mir das hingegen so gut wie nie. Da kann man den Winkel, der etwa für die Gelenke am schonendsten ist, leichter variieren. Und das ist eben meiner Erfahrung nach mitunter nötig. Vor allem wenn man keine 20 mehr ist.

 Liebe bei den alten Griechen und Römern | Spieldauer 27 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Die Macht der Masken - Unterwegs zwischen Himmel und Hölle | Spieldauer 26 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download


Donnerstag, 11. Februar 2021

📽️ Videos: Living-History-Doku -- Knochenfunde in Bremerhaven -- Johann Wolfgang von Goethe -- usw.



 Ferien im Mittelalter - Teil 2 | Spieldauer 30 Minuten | SR/ARD | Stream & Info
Der zweite Teil der hier schon vor einigen Wochen verlinkten Living-History-Doku rund um den Geschichtspark Bärnau-Tachov. Sehr gut gemacht, wie ich finde.

 Musikinstrumente der Vor- und Frühgeschichte: Pellet Bells from the Avar Period in Komárno | Spieldauer 4 Minuten | Youtube | Stream & Info


 Dichter dran! - Johann Wolfgang von Goethe | Spieldauer 10 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info 
Von Goethe stammt übrigens folgendes Zitat, das mir aktueller denn je erscheint: "Man muss das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse. In Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten, überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist." 

 Burgen zwischen Winterschlaf und Frühlingserwachen | Spieldauer 45 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

 Der namenlose Reiter: Wie Knochenfunde Geschichte in Bremerhaven verändert haben | Spieldauer 4 Minuten | RB/ARD | Stream & Info


Montag, 8. Februar 2021

💪 Endlich ein gutes Plätzchen für Asterix und Obelix!

Meine Vorliebe für römische Geschichte dürfte stark darauf zurückzuführen sein, dass ich als Kind zu Weihnachten und zum Geburtstag  immer wieder Asterix-Comics von meinen Eltern geschenkt bekam (daran sieht man übrigens, das Comics Kinder mitnichten zwangsläufig verblöden - im Gegenteil, man führt sie ans Lesen außerhalb des Schulunterrichts heran). Später habe ich mir die Hefte selbst gekauft, auch wenn die Qualität der Geschichten ja bekanntermaßen abgenommen hat.

Nun steht meine Asterix-Hefte-Sammlung seit Jahren im Bücherregal - oder besser gesagt, sie wandert von einem Regal ins nächste, wenn ich nämlich wieder einmal am Umschlichten bin, um für neuen Lesestoff mehr Platz aus der vorhandenen Regalfläche herauszukitzeln.
Vor einigen Wochen entdeckte ich dann im Arbeitszimmer des von mir schon längere Zeit abonnierten Youtubers Nerdrotic ein neues Deko-Element - und zwar einen mit Comics bevölkerten Drehständer. Potzblitz, dachte ich mir, das wäre perfekt für das Aufbewahren und optisch ansprechende Präsentieren der Asterix-Comics! Wieso sollten schließlich nur Geschäfte so etwas verwenden?

Beim Stöbern nach einem passenden Modell kamen mir allerdings auch sogenannte Prospekt- und Zeitschriftenhalter unter, die man direkt an die Wand schrauben kann. Diese sind nicht nur erheblich günstiger, sondern sie nutzen auch den in meinem Arbeitszimmer vorhandenen Platz viel besser aus. Deshalb habe ich bei Amazon eine Dreierpackung des unten abgebildeten Modells bestellt und nach rasch erfolgter Lieferung umgehend montiert. Schrauben und Dübel waren zwar keine dabei, allerdings habe ich von dem Zeug einen nahezu unerschöpflichen Vorrat, der sich im Laufe der Jahre angesammelt hat.





Endlich präsentieren sich die Asterix-Comics dem Betrachter von ihrer Schokoladenseite - nämlich mit dem Cover, anstatt mit dem schmalen, leeren, weißen Rücken. Ein richtiger Schmuck für den Raum! Freilich, einige der Hefte sind schon etwas mitgenommen, diese habe ich nach hinten geschlichtet. Heute bedauere ich es sehr, sie nicht pfleglicher behandelt zu haben, aber wenn man noch sehr jung ist, ist man leider auch doof und passt eher selten auf Dinge gut auf, die einem andere Leute - in dem Fall die Eltern - bezahlt haben. Als Erwachsener bin ich im Laufe der Zeit ein wenig ins andere Extrem verfallen und behandle meine Bücher nun schon fast wie rohe Eier.

Natürlich kann man in diese Halterung auch seine Geschichtsmagazine oder was auch immer stecken. Allerdings muss man beachten, dass die Breite der Fächer knapp 220 mm beträgt. Meine Asterix-Hefte (und -Bücher) liegen darunter oder darüber (die älteren haben gut 220 mm, die jüngeren gut 215 mm). Allerdings kann man - wenn eines der Fächer etwas zu schmal ist - den Draht mit wenig Kraftaufwand leicht um einige zusätzliche Millimeter erweitern. Und schon passt alles!

PS: Die meiner Meinung nach besten Asterix-Stories sind:
  • Asterix und Kleopatra
  • Tour de France
  • Die goldene Sichel
  • Der Kupferkessel
  • Asterix bei den Briten
  • Asterix als Legionär
Einsprüche? Habe ich etwas vergessen?

PPS: Der derzeitige Asterix-Autor Jean-Yves Ferri hat ein Problem mit dem Erzfeind des Humors, nämlich der politischen Korrektheit; erst vor wenigen Wochen erklärte er verzweifelt: „Brauche fast ein Wörterbuch, um zu wissen, worüber ich Witze machen darf.“

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Weitere interessante Themen:


Sonntag, 7. Februar 2021

Krimskrams: Der Saftladen Amazon und die "Hirnwichserei"

Die hier fürs Blog verfassten Rezensionen lade ich immer auch zu Amazon hoch. Sicher, davon habe ich an sich nichts, aber warum seine Ergüsse nicht mit einem größeren Publikum teilen?

Leider funktioniert das mit dem Veröffentlichen bei Amazon nicht immer so reibungslos wie es wünschenswert wäre. So hat man mir kürzlich in einem automatisierten Schimmelbrief mitgeteilt, dass meine Seneca-Rezension abgelehnt wurde. Begründung: 

Vielen Dank für die Übermittlung einer Kundenrezension auf Amazon. Nach einer sorgfältigen Prüfung kann Ihre Rezension in dieser Form nicht auf der Website veröffentlicht werden. Wir wissen Ihre Zeit und Ihr Feedback zu schätzen. Bei Rezensionen müssen jedoch die folgenden Richtlinien beachtet werden: Amazon-Community-Richtlinien

[...]
 
Hier sind einige allgemeine Punkte, die beachtet werden sollten: •Ihre Rezension sollte sich auf die spezifischen Eigenschaften des Produkts und Ihre Erfahrungen mit dem Produkt konzentrieren. Feedback zum Verkäufer oder über Ihre Liefererfahrung sollte bei www.amazon.de/feedback hinterlassen werden.
•Vulgäre oder obszöne Inhalte sind unzulässig. Dies gilt auch für nicht jugendfreie Produkte.
•Anzeigen, Werbematerial oder übermäßig wiederholte Beiträge zum selben Thema gelten als Spam.
•Bitte erwähnen Sie in Ihrer Rezension keine URLs, die nicht von Amazon stammen oder Inhalte, die Sie persönlich identifizieren.
•Jeder Versuch, die Inhalte oder Funktionen der Community zu manipulieren, einschließlich Beiträgen mit falschen, irreführenden und unechten Inhalten, ist strengstens untersagt.

Verärgert über diesen unkonkret-belämmerten Schrieb, kontaktierte ich den Kundendienst via Chat. Was für ein aberwitziges Erlebnis aber das erst war! Ich wurde von einem Mitarbeiter zum nächsten weitergereicht; keiner hatte einen deutsch klingenden Namen, sodass mir bald klar war, dass hier die Anlaufstelle geographisch sehr weit östlich liegen dürfte - und zwar in irgend einem Billiglohnland zwischen der Arabischen Halbinsel und Indien. Mal hat sich dabei jemand kurz in deutscher Sprache gemeldet, mal in englischer. Dazwischen kamen irgendwelche Bots daher. Nach gut 10 Minuten erhielt ich wenigstens die Zusage, dass ich vom Kundendienst per E-Mail angeschrieben werden würde.

Am nächsten Tag war es soweit und man teilte mir mittels Textbausteinkasten folgendes mit:

Guten Tag,

wir ermutigen Kundenbeiträge auf Amazon.de, sowohl positiv als auch negativ.

Ihr Beitrag entspricht allerdings nicht unseren Rezensionsrichtlinien, da er das Wort: 'Hirnwichserei' enthält.
Aus diesem Grund wurde Ihre Rezension von der Webseite entfernt.
Sollten Sie weiterhin gegen die Rezensionsrichtlinien verstossen, behalten wir uns das Recht vor, gemäß unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen, ihr Kundenprofil für weitere Beiträge zu sperren.

Sie können versichert sein, dass wir alle Meldungen auf unsere Richtlinien hin überprüfen.
Der Ausgang unserer Überprüfung wird dann auf der Webseite ersichtlich sein.

[...]

Woraufhin ich - mittlerweile stinksauer und auf Krawall gebürstet - in meiner unnachahmlich liebenswürdigen Weise wie folgt antwortete:

Guten(?) Tag!

Mit Verlaub, will mich Amazon veräppeln?
 
Woher soll ich wissen, welche exakten Wörter in Rezensionen erlaubt sind und welche nicht? Solange keine entsprechende Liste veröffentlicht wird, ist das völlig unmöglich. Ihre gerade für US-Firmen so typischen Wischi-waschi-Richtlinien helfen da nicht in ausreichendem Maße weiter.
Und als Dreingabe wird mir nicht einmal mitgeteilt, welches Wort es ist, an dem man sich gestoßen hat. Da muss man erst den Kundendienst kontaktieren und Lebenszeit vergeuden (alleine der Chat gestern war eine Zumutung).
Ach ja, die Drohung, mir im Wiederholungsfall das Konto abzudrehen, hat es ja auch noch gegeben.
In Summe ein wirklich überaus kundenfreundliches und seriöses Verhalten.
 
Übrigens, wenn Ihre krude AI es nicht kapiert, dass der saloppe Begriff “Hirnwichserei” hier im psychologischen Sinn, nicht aber im sexuellen oder beleidigenden zu verstehen ist, dann kann ich das noch nachvollziehen.
Hingegen ein Mensch, der den Krempel manuell überprüft, sollte schon in der Lage sein, den semantischen Unterschied zu erkennen und entsprechend handeln. Gut, vielleicht hat der Sichter diesbezüglich keinen Spielraum, das macht die Situation für Rezensenten aber auch nicht besser!
 
Wissen Sie aber, was der absolute Brüller an der Sache ist? Ihr Laden bietet ein Buch an, bei dem der Begriff “Hirnwichserei” sogar im Titel vorkommt! LINK

PS: Sorry, dass ich meinen Ärger auf Ihnen abladen muss, aber Ihrem obersten Boss kann ich ja leider schlecht schreiben.

Der Person vom Kundendienst mache ich hier den geringsten Vorwurf. Wahrscheinlich arbeitet die nur eine Liste mit verpflichtenden Anweisungen ab, die sich irgend ein Pseudoschlauberger mit Laberfach-PhD aus den Fingern gesogen hat. Trotzdem, das muss man sich einmal geben: Der Begriff "Hirnwichserei" ist Amazon für Rezensionen allen ernstes zu vulgär, aber bei einem Buchtitel erlaubt man ihn.
Doch halt, nicht einmal das stimmt so ganz! Im Nachhinein habe ich nämlich festgestellt, dass sogar mehrere Rezensionen bei Amazon zu finden sind, die "Hirnwichserei" offenbar unbeanstandet enthalten dürfen: Beispiel

Zu diesen doppelten Maßstäben fällt mir ehrlich gesagt gleich ein ganzes Potpourri an vulgären Begriffen und einschlägigen Handzeichen ein ...

Update 1: Ich habe Amazon in einer weiteren E-Mail darauf hingewiesen, dass in der oben verlinkten Rezension "Hirnwichserei" enthalten ist. Daher wollte ich wissen, warum dieser Rezensent das anscheinend so böse Wort verwenden darf, ich aber nicht. Als Antwort hat mir ein roboterhaft agierender Kundendienstmensch - wieder mittels Textbausteinen - gerade lapidar mitgeteilt, dass man nun auch diese Rezension gelöscht hat. ^^ 

Update 2: Anscheinend haben die mittlerweile meinen Blogbeitrag hier gelesen und mich in einer ausweichenden E-Mail wissen lassen, dass man mein Feedback begrüßt und meine Kritik weiterleiten würde. Jaja...🙄

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Freitag, 5. Februar 2021

📽️ Videos: Mittelalterliche Siedlung entdeckt -- Taucher findet sechs Enigma-Chiffriermaschinen -- Wer waren Europas erste Höhlenkünstler? -- "Die Ausgrabung" -- usw.



 Sensationsfund: Mittelalterliche Siedlung in Schortens | Spieldauer 3 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info |
Wenn man sich im Laufe der Jahre die Überschriften von Neuigkeiten aus der archäologischen Forschung so ansieht, dann könnte man meinen, es würde fast nur "Sensationsfunde" geben ...

 Wie der Toilettengang zum Tabuthema wurde | Spieldauer 4 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info 

  Das Montafon - Auf der Spur des Alpenerzes | Spieldauer 29 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

 Die Ungarn zur Zeit der Völkerwanderung | Spieldauer 1 Minute | SWR/ARD | Stream & Info
Mag dem  SWR vielleicht jemand erklären, dass die "Zeit der Völkerwanderung", also die Völkerwanderungszeit, nicht mit den beschriebenen Umtrieben der Ungarn zusammenfällt?

 Mainzer Dombauhütte wird Immaterielles Kulturerbe der UNESCO | Spieldauer 4 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Und ich dachte immer, nur beim Campus Galli würden mittelalterliche Baumethoden gepflegt ...

 Die Ausgrabung | Spieldauer 1 Minuten | BR/ARD | Stream & Info 
Eine ungnädige Kurz-Kritik zu einem neuen Archäologie-Spielfilm bei Netflix, der den berühmten Schiffs- und Schatzfund von Sutton Hoo thematisiert.

 Wer waren Europas erste Höhlenkünstler? | Spieldauer 4 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info

 Taucher findet sechs Enigma-Chiffriermaschinen aus dem Zweiten Weltkrieg | Spieldauer 3 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info

 Studierende der Uni Metz lassen das Mittelalter real werden | Spieldauer 5 Minuten | SR/ARD | Stream & Info
Wenn diese Studenten, pardon, diese"Studierenden" die mittelalterliche Epoche der Stadt Metz wirklich total authentisch nachstellen wollen, dann müssen sie freilich Deutsch lernen 😊 (darf man das noch sagen?)