Sonntag, 24. Mai 2020

🎧 Hörbares: Der römische Gott "Sol" -- Feldzug gegen die Germanen -- Sind Gotteswiderlegungen möglich? -- usw.






 25. 12. 274 n. Chr.: Die erste Geburtstagsfeier des römischen Sonnengottes Sol | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

21. 03. 15 n. Chr.: Germanicus beginnt Feldzug gegen die Germanen | Spieldauer 4 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 17. 05. 1410: Höhepunkt des "Großen Abendländischen Schismas" | Spieldauer 14 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 15. 10. 70 v. Chr.: Der Geburtstag von Vergil | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 17. 01. 395 n. Chr.: Der Todestag des Kaisers Thedosius I. | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 Sind Gotteswiderlegungen möglich? | Spieldauer 54 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 Einzigartig und fast vergessen: die römische Grabkammer in Köln | Spieldauer 8 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Soll der römische Rhein Weltkulturerbe werden? | Spieldauer 3 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 Der Prähistoriker Claus von Carnap-Bornheim im Gespräch | Spieldauer 53 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

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Freitag, 22. Mai 2020

📖 Buch: Das Römische Kastell Biriciana

"Biriciana" (Weißenburg in Bayern) wird auf der spätantiken Straßenkarte "Tabula Peutingeriana" ein unweit des rätischen Limes gelegenes, römisches Kastell genannt. Dessen Überreste erforscht man seit dem 19. Jahrhundert eingehend.
Neben einem kurzen Einblick in die Forschungsgeschichte und die historischen Hintergründe, die zum Bau des Limes und seiner Kastelle führten, erfährt der Leser in dem vorliegenden 88-seitigen Büchlein vor allem Näheres über Biriciana selbst. So wird auf die Baugeschichte eingegangen und erläutert, wie das um 100 n. Chr. vor allem aus Holz und Erde errichtete Kastell ca. 50 Jahre später vergrößert und teilweise in Stein neu errichtet wurde. Gesondert betrachtet werden dabei Befestigungswerk und der jeweilige Verwendungszweck der einzelnen Bauten.
Ebenfalls eingegangen wird auf die im Kastell stationierten Soldaten: Um welche Einheit(en) handelte es sich? Wie sah der Soldatenalltag aus?
Schließlich wird auch ein Blick auf die zivile Siedlung geworfen, die sich im Laufe der Zeit um den militärischen Standort entwickelt hat. Interessant ist der sogenannte vicus von Biriciana nicht zuletzt deshalb, weil dort eine der größten Thermenanlagen Süddeutschlands von den Römern betrieben wurde.
Im Anhang des Buchs findet sich dann noch ein umfangreiches Literaturverzeichnis.

Sehr gut gefallen hat mir, dass der Buchinhalt übersichtlich strukturiert ist und der Autor Simon Sulk rasch zum Punkt kommt. Darüberhinaus sind viele Fotos und Grafiken enthalten - besonders die 3D-Rekonstruktionen der römischen Bauten sind sehr gelungen und erleichtern es dem Leser, sich gedanklich in die Römerzeit zurückzuversetzen.
Weniger gut fand ich, dass einige Landkarten zu klein abgebildet worden sind, um noch von ernsthaftem Nutzen sein zu können. Um die einzelnen Ortsnamen zu identifizieren, braucht es hier schon fast ein Rasterelektronenmikroskop...
Mängel hat das Büchlein darüberhinaus keine, allerdings musste ich beim Lesen der drei Vorworte (ein Overkill) die Augen verdrehen, denn darin ist von "Bürgerinnen und Bürgern" sowie von "Mitbürgerinnen und Mitbürgern" die Rede. Was für ein Unsinn, denn schließlich heißt es doch auch "Staatsbürgerschaft" und nicht 'Staatsbürger- und Staatsbürgerinnenschaft'. Haben die Schreiber noch nie etwas vom generischen Maskulinum gehört? 🙄

Hinweis: "Das Römische Kastell Biriciana" ist Teil einer Reihe, die im Verlag Friedrich Pustet unter der Bezeichnung "Archäologie in Bayern" erscheint. Daraus besprochen habe ich bereits "Regensburg zur Römerzeit" und "Die Kelten in Bayern".

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Weiterführende Informationen: 


Mittwoch, 20. Mai 2020

📽️ Videos: Die kanoniale Sonnenuhr des Campus Galli -- Germane im Südwesten -- Unterwasser-Archäologie -- usw.







 Die kanoniale Sonnenuhr | Spieldauer 7 Minuten | Youtube | Stream & Info
Wenn man bei der Mittelalterbaustelle Campus Galli schlau wäre - was man nachweislich nicht ist - würden die Verantwortlichen wesentlich mehr Videos dieser Art produzieren, um Werbung für das finanziell so unsagbar defizitäre Projekt zu machen. Stattdessen verlässt man sich bei der Vermarktung u.a. auf Lokalzeitungen, die ihre einschlägigen Berichte zunehmend hinter Bezahlschranken verstecken (ein allgemeiner Trend bei Zeitungen, der sie aber nicht retten wird, sondern nur üppig fließende Staatsknete schafft das - eine Gemeinsamkeit mit dem Campus Galli). Übrigens, der großspurig als Klosterstadt bezeichnete Vorführbetrieb öffnet dieses Jahr aufgrund der besonderen Situation stark verspätet - und zwar am 29. Mai. Dann allerdings auch nur immer Freitag bis Sonntag. 

 Unterwasser-Archäologie im Süßen See | Spieldauer 2 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info

 Germanen im Südwesten - Wie ernährten sie sich? | Spieldauer 15 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

 Germanen im Südwesten - Woran glaubten sie? | Spieldauer 15 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

 Archäologische Funde werden umzugsfertig gemacht | Spieldauer 2 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info

 Auf Ötzis Sohlen - Ein Schuhexperiment | Spieldauer 5 Minuten | BR/ARD | Stream & Info

 How to Wear YOUR Dagger | Spieldauer 8 Minuten | Youtube | Stream & Info


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Montag, 18. Mai 2020

🎧 Hörbares: Bayern und Österreich, verfreundete Nachbarn -- Die legendäre Stadt Troja -- Wer war Pontius Pilatus? -- Bayerns erste Christen -- usw.


 Bayern und Österreich - Verfreundete Nachbarn und ihre gemeinsame Geschichte | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
An sich eine gute Sendung, aber: "Geh duschen"? Nie gehört. "Du kannst dich brausen gehen" sagt man hier 😃. Außerdem: Die Piefke-Saga war keine österreichische TV-Produktion, wie behauptet wird, sondern eine Koproduktion von ORF und NDR. Darin wurden auch nicht bloß die 'arrogant-dummen' deutschen (Berliner) Urlauber satirisch durch den Kakao gezogen, sondern mindestens im gleichen Maß die 'hinterlistig-schleimigen' einheimischen Österreicher. Der eingespielte Kommentar dazu am Schluss dieser Sendung ist blödsinnig, weil dabei bloß der erstgenannte Aspekt berücksichtigt wird; aber was will man schon von einer Bayerin erwarten, die krampfhaft versucht mit nordeutschem Zungenschlag  zu sprechen... Man kann nämlich als Bayer auch Hochdeutsch sprechen, ohne sich dabei anzuhören, als ob man aus Hannover oder Bielefeld kommt (einen Seehofer versteht man doch auch problemlos, oder?). Grundsätzlich will es mir ziemlich peinlich erscheinen, wenn Süddeutsche versuchen wie Norddeutsche zu klingen. Das hat etwas von kultureller Selbstverleugnung. Gerade so als ob der eigene Dialekt und eine dialektbedingte Färbung des Hochdeutschen minderwertig wäre. Diese Ansicht scheint sich seuchenhaft zu auszubreiten, seit man zunehmend Leute massiv in Gymnasien und Unis drückt. 

 Jenseits von Legenden und Schundliteratur - Wer war Pontius Pilatus? | Spieldauer 10 Minuten | DF/ARD| Stream & Info | Direkter Download
Zu Pontius Pilatus habe ich schon mal kurz ein sehr gelungenes Buch besprochen: Klick mich

 Bayerns erste Christen - Auf den Spuren des frühen Christentums in Augsburg | Spieldauer 26 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Philippine Welser - Die Augsburger Patriziertochter und der Erzherzog | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Viele archäologische Ausgrabungen müssen pausieren | Spieldauer 5 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 6.5.1848: Preußen schafft die Prügelstrafe ab | Spieldauer 4 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

➽ Die legendäre Stadt Troja | Spieldauer 15 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Seuchenwellen beim Untergang des Römischen Reichs | Spieldauer 7 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

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Freitag, 15. Mai 2020

👎 Von Rüpeln und Stümpern in der modernen Archäologie



Jemand meinte in durchaus guter Absicht, mit einigen meiner Blogbeiträge mache ich mir keine Freunde unter Archäologen. Wohl wahr, aber warum sollte ich das auch wollen? Zwar habe ich natürlich die eine oder andere Schwäche, wie etwa eine nur schwer zu bändigende Lust auf salzige Knabbereien, aber Gefallsucht zählt unübersehbar nicht dazu 😀. Und überhaupt: Archäologen mit denen ich im privaten Umfeld freundschaftlich verkehre, haben mit meiner Kritik kein Problem. Im Gegenteil, sie bestärken mich darin - etwa indem sie mir kopfschüttelnd von den Verfehlungen ihrer Kollegen berichten. In der Regel sind es dann natürlich auch genau diese Ausgräber, die sich nicht gerne kritisieren lassen und beleidigt reagieren.


Drei Anekdoten

1. Der Archäo-Waldschrat

Als studierte Biologin und passionierte 'Kräuterhexe' ist Julia, eine Living-History-Freundin von mir, seit einigen Jahren immer wieder im näheren Umfeld von Denkmälern wie Burgruinen unterwegs, um dort nach heute z.T. ungebräuchlichen Gewächsen bzw. Kulturpflanzen Ausschau zu halten; diese gedeihen nämlich an genau solchen Plätzen mitunter Jahrhunderte lang unbeobachtet. Zu den entdeckten Populationen macht sie hinsichtlich ihrer Lage genaue Aufzeichnungen mittels Google-Maps, pflückt Pflanzen - im Falle größerer Vorkommen - aber auch zwecks späterer Trocknung oder gräbt einzelne Exemplare aus, um sie zuhause im eigenen Garten zu vermehren. Wobei sie sich nie an geschützten Arten vergreift. So weit, so harmlos.

Vor nicht allzu langer Zeit ging Julia ihrem Hobby am Abhang einer Burgruine in Kärnten nach. Sie war gerade dabei, ein ausgegrabenes Kraut samt Erdballen in einen Plastiksack zu stecken, als plötzlich ein nicht mehr ganz junger Herr zwischen den Büschen hervorstolperte und sie anherrschte: "Was machen Sie da?!" Erschrocken - aber nicht auf den Mund gefallen - hat sie zurückgefragt, wer das denn wissen will. Keine Antwort. Stattdessen hieß es, immer noch in rüdem Tonfall: "Sie dürfen hier nicht graben, das ist denkmalgeschütztes Gebiet. Sie machen sich strafbar, ich kann Sie anzeigen."
Julia fragte, ob der Herr in Anglerweste und mit Baseballkappe auf dem hochroten Kopf Archäologe ist. Was ihr mit einem knappen "jawohl" bestätigt wurde. Dann - erklärte sie ihm - müsste er doch wissen, dass hier nur das gezielte Suchen nach archäologischen Objekten verboten ist, aber nicht das Einsammeln von Pflanzen. Anderenfalls wäre ja selbst Schwammerlsuchen neben der Ruine strafbar.
Nun aber ist der Archäologe erst so richtig pampig geworden, wohl weil ihm dämmerte, dass er sich gerade mit einem Schnellschuss zum Deppen gemacht hatte: "Das kann jeder behaupten, was glauben Sie, was ich schon alles für Ausreden gehört habe?" Daraufhin wurde ihm der Plastiksack mit der Pflanze vors Gesicht gehalten und die Frage gestellt, nach was das wohl aussieht? Jetzt endlich trat er den rhetorischen Rückzug an: Bei der Ruine seien immer wieder Raubgräber unterwegs, die würden einen riesigen wissenschaftlichen Schaden anrichten, deshalb muss man besonders wachsam sein usw. usf. Schließlich trollte er sich, hielt eine Entschuldigung aber offenbar nicht für nötig.

Das Problem war hier freilich weder die Wachsamkeit noch das Nachfragen, sondern der Tonfall und das insgesamt völlig überzogene Gehabe dieses Rumpelstilzchen-artigen Waldschrats. Mit Paranoia und martialischem Auftreten kann man bei der breiten Bevölkerung gewiss kein Verständnis für den Denkmalschutz bzw. für die Bodendenkmalpflege schaffen. Ganz im Gegenteil: Von selbsternannten Blockwarten unter Generalverdacht gestellt, wird manch einer den Behörden erst recht etwas husten und zukünftig jede Zusammenarbeit vermeiden.

2. Der Archäo-Beltracchi 

Was solche vor Selbstgerechtigkeit triefenden Auftritte noch ärgerlicher macht ist der Unwille, erst einmal vor der Tür der eigenen Community zu kehren. Denn auch innerhalb der Archäologie gibt es einiges an unethischem und sogar rechtswidrigem Verhalten, das wissenschaftlichen Schaden verursacht. So erklärte mir ein befreundeter Archäologe bereits vor Jahren, dass seiner Erfahrung nach die Anträge auf eine Bewilligung für archäologische Maßnahmen nach §11 DMSG immer wieder Fehlinformationen enthalten; dies wäre vor allem auf Inkompetenz von Berufskollegen zurückzuführen ("sogar zu dumm, die Katastermappe richtig zu lesen"), aber auch Absicht sei mitunter im Spiel ("wollen sich aus Faulheit Arbeit ersparen").

Tja, was soll man dazu noch sagen? Außer vielleicht, dass überdies jede Menge Schlampereien existieren, die im Zuge der Grabungen selbst stattfinden. Beispielsweise habe ich mit einiger Fassungslosigkeit beobachtet, wie ein abgetragener Mutterboden aus Bequemlichkeit von studentischen Hiwis so knapp neben den Suchschnitt geschüttet worden war, dass er in diesen während den weiteren archäologischen Arbeiten in nicht unerheblichem Maße sukzessive zurückgerieselt ist, festgetrampelt wurde und so samt potentiell enthaltenen Artefakten plötzlich in tiefere Strata gelangte. Der Grabungsleiter hat, als ihm das viel zu spät aufgefallen ist, in Fälschungsabsicht einfach ins Grabungsprotokoll eingetragen, außergewöhnlich starker Wind hätte Teile des Aushubs in den Nachtstunden unbemerkt verfrachtet. 😂

3. Der falsche Nordpfeil und noch mehr Schlampereien

Ebenfalls etwas aus dem persönlich miterlebten Grabungsalltag: Der für die sachgemäße Dokumentation vorgeschriebene Nordpfeil zeigte auf zig Bildern nicht etwa nach Norden, sondern mehr nach Westen. Grund dafür war die für das Ausrichten verwendete Kompass-App eines Handys, die falsch kalibriert gewesen ist; dabei wäre doch eigens ein Magnet- bzw. Peilkompass zur Verfügung gestanden, der allerdings vorübergehend nicht auffindbar war... Wobei: Auch mit diesem ist es natürlich leicht möglich, Fehler zu produzieren. Wenn man nämlich die lokal jeweils unterschiedliche Abweichung des magnetischen Nordpols vom geographischen Nordpol gar nicht oder falsch berücksichtigt. Genau das kommt relativ häufig vor, aber nicht aus Unkenntnis, sondern aus purer Schlamperei. Auf die spätere wissenschaftliche Auswertung kann so etwas gravierende Auswirkungen haben - etwa wenn es um die Frage geht, ob die Ausrichtung eines Gebäudes oder eines Bestatteten einen bestimmten Zweck verfolgt haben könnte. Selbst wenige Grad Abweichung können hier schon zu folgenschweren Fehlschlüssen führen.

Der für das Nordpfeil-Missgeschick Verantwortliche hat auch - entgegen den gesetzlichen Vorgaben - kein regelmäßiges Backup des Fotomaterials auf externen Datenträgern vorgenommen (diese absolut sinnvolle Vorsichtsmaßnahme wird oft von Archäologen missachtet). Er brachte stattdessen eine junge Studentin den Tränen nahe, die er angeraunzt hatte, weil sie zum Fotografieren statt der zur Verfügung gestellten Canon-Spiegelreflexkamera lieber ihr iPhone XS Max verwendete; das, wohlgemerkt, die Fotos automatisch online in der iCloud gesichert hat und dank ausgeklügelter Software noch dazu qualitativ deutlich bessere Ergebnisse lieferte, als die von allen Beteiligten schlecht bediente Canon aus dem Jahre Schnee. Aber dergleichen erschließt sich offenbar nicht jedem. Am allerwenigsten dem Bundesdenkmalamt (BDA), das auch in seinen aktuellen Richtlinien für archäologische Maßnahmen ausnahmslos auf eine Spiegelreflex- bzw. Systemkamera beharrt - gerade so, als ob man von der technischen Entwicklung der letzten Jahre nichts mitbekommen hätte.

Fazit

Wie oben geschildert sieht also die Realität in der archäologischen Wissenschaft aus. Ich würde es zwar nicht als die Regel bezeichnen, aber auch nicht als extrem seltene Ausnahmen. Über dergleichen spricht man innerhalb der Archäologie jedenfalls kaum - und öffentlich erst recht nicht. Viel einfacher ist es, mit dem Finger auf Außenstehende wie Metallsucher zu zeigen und der Medienöffentlichkeit beharrlich das Theater einer durch und durch sorgsamen Wissenschaft vorzuspielen. Hierbei läuft man schließlich nicht Gefahr, sich mit Kollegenkritik die eigene Karriere zu verbauen. Diese Einstellung ist jedoch keine geeignete Grundlage für das Beseitigen von Qualitätsmängeln, welche es - wie in allen anderen Berufen - natürlich auch in der Archäologie in ausreichendem Maße gibt.

Die Leser sind dazu eingeladen, im Kommentarbereich gegebenenfalls ihre Erfahrungen mit fragwürdiger archäologischer Arbeit zu teilen. Wer möchte, der kann mir auch eine E-Mail schicken (Hiltibold [at] gmail . com). Ich habe gerade an Erfahrungsberichten aus der Praxis immer Interesse und berücksichtige dergleichen gerne in zukünftigen Beiträgen zum aus meiner Sicht wichtigen Themenkomplex der Archäologie-Kritik.

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Mittwoch, 13. Mai 2020

📽️ Videos: Der Experimentalarchäologe Dominique Görlitz im Gespräch -- Antike Inschriften -- Antike Vase verloren (ein Argument fürs Entsammeln!) -- usw.






 So geht Wissenschaft! - Der Experimentalarchäologe Dominique Görlitz im Gespräch | Spieldauer 40 Minuten | Youtube | Stream & Info
Der nachweislich von einem antisemitischen Ägyptologen aus Ägypten und einer deutschen Berufskollegin frei erfundene "Cheops-Skandal" führt dazu, dass der engagierte Experimentalarchäologe und Hochsee-Segler Dominique Görlitz nicht die mediale Aufmerksamkeit erhält, die er auf Grund seiner Forschungsarbeit verdienen würde.


 Epigrafik - Aus der Welt der antiken griechischen Inschriften | Spieldauer 12 Minuten | BR/ARD | Stream & Info

 Antike Vase in Magdeburg entdeckt | Spieldauer 2 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info
Schon wieder so ein Fall, bei dem ein Museum zuerst einen wertvollen Fund 'verloren' hatte, nur um ihn lange Zeit später zufällig im vollgetopften und längst unübersichtlich gewordenen Magazin wieder zu entdecken. Was für ein geradezu unordentlicher Schweinestall. Wenn das nicht zum x-ten Mal ein Argument für das vom Archäologen Raimund Karl geforderte Entsammeln ist, was dann?

 Germanen im Südwesten - Wie kämpften und wie jagten sie? | Spieldauer 15 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

 Germanen im Südwesten - Wie siedelten sie? | Spieldauer 15 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

 Germanen im Südwesten - Wie stylten sie sich? | Spieldauer 15 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

 Belts to make your scabbard wearable | Spieldauer 21 Minuten | Youtube | Stream & Info



 Off Topic: Kaputte, alte und ganz neue Bücher - Besuch bei der Buchrestauratorin | Spieldauer 5 Minuten | BR/Youtube | Stream & Info
Ich selbst repariere hauptsächlich hobbymäßig im Elektronikbereich, aber seit ein paar Jahren auch Bücher, so ähnlich wie die Frau im obigen Video. Ich mag es nämlich gar nicht, wenn Bücher weggeworfen werden. Mittlerweile bin ich auch schon relativ gut darin, sie zu reparieren.
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Montag, 11. Mai 2020

🎧 Hörbares: Als die Pest die Welt im Würgegriff hielt -- Schlag gegen illegalen Kunsthandel -- Archäologie in Brandenburg -- Herkules -- usw.



 Als die Pest die Welt im Würgegriff hielt | Spieldauer 10 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Scherben, Schnallen und manchmal ein Stück Gold - Archäologie in Brandenburg | Spieldauer 57 Minuten | RBB/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Friederike Fless - Die Chef-Archäologin des Deutschen Archäologischen Instituts | Spieldauer 21 Minuten | WDR | Stream & Info

 Unbezähmbare Wut und erotische Abenteuer: "Herkules - Unsterblicher Held" im Kurpfälzischen Museum Heidelberg | Spieldauer 4 Minuten | ARD/SWR | Stream & Info | Direkter Download

 Die Hanse und das weiße Gold | Spieldauer 4 Minuten | RB/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Der Esel in der Kulturgeschichte: „Er punktet mit seiner vermeintlichen Dummheit“ | Spieldauer 12 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Schlag gegen illegalen Kunsthandel: „Handel mit Raubkunst ist eine regelrechte Industrie“ | Spieldauer 5 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Buddhas weiter Weg nach Westen  – Wie Statuen ins Museum kommen | Spieldauer 20 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download
Das Lamentieren in dieser Sendung gehört in die Kategorie 'political correctness' und 'virtue signalling'. Viele der vor 100 Jahren und mehr in den Westen verbrachten Kunstgegenstände würden heute nämlich gar nicht mehr existieren, hätte man sie in ihren vormodernen Ursprungsländern belassen. Jeder Archäologe und Kunsthistoriker weiß das, schließlich muss er nur die Geschichte der besagten Ländern betrachten, in denen selbst im 21. Jahrhundert noch eine tendenziell sehr schwach ausgeprägte Wertschätzung für die dinglichen Überreste der Vergangenheit in der breiten Bevölkerung vorhanden ist (es sei denn, etwas lässt sich touristisch ausschlachten). Außerdem: Wieso raunzen deutsche Historiker und Archäologen eigentlich so gerne über vor einer halben Ewigkeit mutmaßlich illegal importierte Kulturgüter, fallen aber so gut wie nie damit auf, die ohne jeden Zweifel aus Deutschland vom Diktator Stalin geraubten Kulturgüter zurückzuverlangen? Diese Frage ist natürlich rein rhetorisch. Die Antwort kann sich schließlich jeder wenigstens halbwegs intelligente Mensch an seinen zehn Fingern abzählen. Will heißen: Für so ein Ansinnen wird man schlicht und ergreifend kein zusätzliches Sozialprestige in den als wichtig empfundenen Kreisen ergattern können, sondern im Gegenteil, man macht sich dort verdächtig und steigt auf der Tugendleiter ein paar Sprossen nach unten. Pervers? Ja, aber der typische staatsnahe Wissenschaftler war schon immer aufgrund von Karriereangst und einschlägigen Abhängigkeitsverhältnissen eher ein dem Zeitgeist verpflichteter, konformer Schleimer; egal ob unterm Kaiser, dem Führer, im real existierenden Sozialismus oder im gegenwärtigen System (das sich "demokratisch" nennt, weil der Wähler sich alle paar Jahre einen neuen Vormund aussuchen darf). Leider ist es offenbar immer erst der nachfolgenden Wissenschaftler-Generationen vorbehalten, dies rückblickend festzustellen. Inklusive großartiger Schwüre, selbst viel besser zu sein als die charakterlich und moralisch minderwertigen Altvorderen. Obwohl auf dem hohen Ross sitzend, übersieht man dabei freilich, dass diese Mängel nicht eine Ausnahme darstellen, sondern eine hässliche Konstante in der menschlichen Natur sind.

 Der Krimkrieg - Der allererste Weltkrieg | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

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Freitag, 8. Mai 2020

☠️ Die erstaunliche Kegelstumpfgrube: Wenn Bakterien Selbstmord begehen

Wohin mit dem Getreide, wenn es geerntet ist? Heute lässt sich diese Frage leicht beantworten: In den Silo damit. Dieser wird im industriellen Maßstab meist aus Metall gefertigt und entspricht modernen Hygienestandards, um das Getreide beispielsweise vor Schimmel zu bewahren. Doch wie hatte man das Problem der Getreidelagerung vor zweieinhalbtausend Jahren gelöst, als hierzulande noch die Kelten durch Wälder und über Wiesen gestreift sind? 
Nun, vor allem auf zweierlei Weise: Erstens sind Speicher in Pfostenbauweise errichtet worden; will heißen, auf Pfosten wurde mit einem gewissen Abstand zum Boden ein hölzerner Aufbau gesetzt, der als Lagerraum diente. Wobei dieser Typ Speicher wohl nicht primär für Getreide, sondern allgemein für Lebensmittel gedacht war. Ganz anders verhält es sich bei der zweiten Variante, der sogenannten Kegelstumpfgrube. Sie ermöglichte es besonders gut, größere Mengen Getreide für längere Zeit im Boden mit nur vergleichsweise geringen Verlusten einzulagern. Woher der Name rührt, zeigt die nachfolgende Abbildung sehr schön.

Kegelstumpfgrube | Keine Rechte vorbehalten, doch um die Nennung der Quelle wird gebeten: HILTIBOLD.Blogspot.com

Ein kegelstumpf- bzw. birnenförmiger Erdsilo wie oben, dessen Wände in einigen Fällen nachweislich mit Stroh oder verflochtenem Astwerk ausgekleidet waren, konnte mehrere Meter tief sein und weit über eine Tonne Getreide aufnehmen. Er wurde komplett mit Körnern vollgepackt und dann mit Lehm und Erde versiegelt. Nun startete ein bemerkenswerter biochemischer Prozess: Die Temperatur stieg um ca 3 Grad Celsius an und Teile des Getreides begann vor allem an den Rändern innerhalb einer nur wenigen Zentimeter dicken Schicht zu keimen, aber auch zu verschimmeln. Letzteres erzeugte in der abgeschlossenen Kammer jedoch bald eine sehr hohe CO2-Konzentration bei gleichzeitig eintretendem Sauerstoffmangel. Das wiederum führte dazu, dass die für das Verschimmeln verantwortlichen Bakterien und Pilze abstarben; auch das Keimen stoppte. Man könnte hier sozusagen von einem Selbstmord der schädlichen Mikroorganismen sprechen 😉. Kornkäfer, Mäuse und ähnliche Schädlinge waren unter solchen Bedingungen ebenfalls chancenlos und hielten sich von der witterbaren Todesfalle tunlichst fern. Die Kegelstumpfgrube hatte allerdings auch einen Nachteil: Ihr Inhalt muss innerhalb weniger Tage komplett entnommen werden, da das CO2 nach dem Öffnen entwich und sich bei einem zu großen Leerraum nach erneutem Versiegeln nicht rasch genug in ausreichendem Maße neu bilden konnte, um ein Verschimmeln großer Getreidemengen zu unterbinden. Entsprechend findet man bei keltischen Gehöften oft mehrere kleinere Kegelstumpfgruben nebeneinander, über die man die Ernte verteilen konnte. Außerdem dürften sich gerade die Bewohner von Siedlungen größere Gruben geteilt haben, sodass der jeweilige Inhalt rasch genug aufgebraucht werden konnte, wenn die Lehmversiegelung erst einmal entfernt war. 

Vorratsgruben zählen zu jenen menschgemachten Zeugnissen, die sich am ehesten längerfristig im Boden anhand von Erdverfärbungen ausmachen lassen und so auf das Vorhandensein einer einstigen Besiedelung hindeuten. Beispielsweise wurden auf dem Gelände der sogenannte "Ehrenbürg" - einer 36 ha großen keltischen Höhensiedlung - in einem Zeitraum von ca 120 Jahren rund 27 000 (!) Vorratsgruben (nicht alle kegelstumpfförmig) angelegt, das sind 750 pro Hektar.
Manch Vorratsgrube hat man - ähnlich wie etliche Brunnen - am Ende ihrer Nutzungsdauer zur Abfallentsorgung herangezogen. Dieser Umstand macht sie zu einer besonders wichtigen archäologischen Quelle. Gleichzeitig finden sie auch in der antiken Literatur Erwähnung; so spricht der römische Geschichtsschreiber Tacitus von dieser unterirdischen Form der Nahrungsmittelaufbewahrung, allerdings hinsichtlich der den Kelten benachbarten Germanen.

Hinweis: Weitere Beispiele für die längerfristige Getreidelagerung findet man im unten verlinkten Blogbeitrag zu den Konservierungsmethoden verschiedenster Lebensmittel im antiken Rom.

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Weiterführende Literatur:
  • Markus Schußmann | Die Kelten in Bayern - Archäologie und Geschichte | Verlag Friedrich Pustet | 2019 | Meine Rezension | Infos bei Amazon
  • Heinrich Beck u.a | Reallexikon der germanischen Altertumskunde, Band 12 | Verlag De Gruyter | 1998

Weitere interessante Themen:


Donnerstag, 7. Mai 2020

📽️ Videos: Das Mittelalter-Experiment -- Hexen -- Rätselhafte Höhlen -- usw.




 Das Mittelalter-Experiment - Welche Rolle spielte die Kirche? | Spieldauer 15 Minuten | SWR/WDR/ARD | Stream & Info

 Rätselhafte Höhlen - Reise in die Unterwelt | Spieldauer 58 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info

 HEXEN - Magie, Mythen und die Wahrheit (1): Hexensabbat | Spieldauer 44 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info
Wieder einmal für Nutzer mit einer nicht-deutschen IP gesperrt. Sie ist schon kurios, diese Doppelmoral, wenn die glühenden Europäer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks die nationalen Schranken runterlassen, sobald es hinsichtlich Copyright ihren eigenen finanziellen Interessen dient (solche Maßnahmen lassen sich andererseits leicht umgehen - etwa mit dem Epic Privacy Browser auf Chrome- bzw. Chromium-Basis)

 HEXEN - Magie, Mythen und die Wahrheit (2): Scheiterhaufen | Spieldauer 44 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info

 HEXEN - Magie, Mythen und die Wahrheit (3): Walpurgisnacht | Spieldauer 44 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info

 Raffael in Hamburg: Exklusiver Museumsbesuch | Spieldauer 4 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info

 Off Topic: Michael Moore Presents: Planet of the Humans | Spieldauer 100 Minuten | Youtube | Stream & Info
Eine neue, unter Mitwirkung von Michael Moore produzierte Doku, die er kostenlos auf Youtube hochgeladen hat und die nach wenigen Tagen bereits millionenfach abgerufen worden ist. Der Inhalt ist wie üblich sehr kritisch und löst gerade in den USA innerhalb von einschlägigen, mit Moore bisher sympathisierenden Kreisen ziemlichen Ärger aus. Dort gilt der preisgekrönte Dokumacher nun plötzlich als Nestbeschmutzer. Sogar die Löschung der Doku wird mittlerweile von offensichtlich autoritäre gepolten Personen verlangt - wozu die ebenfalls mit Meinungsfreiheit zunehmend wenig am Hut habende Firma Youtube höchstwahrscheinlich bereit wäre, ginge es hier nicht um den weltbekannten Michael Moore, sondern um ... sagen wir z.B. einen deutsch-thailändischen Mikrobiologen, der dem österreichischen Fernsehsender Servus TV ein Interview gibt ...
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Dienstag, 5. Mai 2020

🎧 Hörbares: Homers Odyssee als Hörspiel -- Alte Musik -- Die Geschichte der Imkerei -- Die Janitscharen -- usw.




 Die "Odyssee" des Homer – Hörspiel in 21 Teilen | Spieldauer je ca 40 Minuten | BR | Stream & Info

 Die Geschichte der Imkerei - Das Geschäft mit der Biene | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Klaus Störtebeker wird gefangen | Spieldauer 4 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 IS-Sprengung eröffnet antiken Palast: Zufallsfund für Archäologen im Irak | Spieldauer 5 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Der Zauber des Rattenfängers - Was geschah wirklich in Hameln? | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Dornröschen - Das Erwachen der Sexualität | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Janitscharen - Die gefürchtete Truppe des Sultans | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Alte Musik: Die Sängerin, Harfenistin und Komponistin Arianna Savall | Spieldauer 67 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Arianna Savall, die Tochter von Jordi Savall, eines bekannten spanischen Interpreten und Erforschers Alter Musik, war mir ein Begriff. Allerdings wusste ich nicht, dass diese sympathische Frau in der Schweiz lebt und so gut Deutsch kann. Außerdem beschäftigt sie sich nicht nur mit "alter", sondern auch mit richtig alter Musik: Den Ausschnitt eines in altgriechischer Sprache gesungenen Stücks hört man ab ca 00:21:12. Ungewohnt für unsere Ohren! Wobei sich freilich die Frage stellt, wie nah am Original so etwas überhaupt sein kann - wenn man die schlechte Überlieferung bedenkt.
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Sonntag, 3. Mai 2020

📖 Buch: Die Armbrust - Schrecken und Schönheit

In der vorliegenden Publikation dreht sich alles um Brüste - genauer gesagt um Armbrüste. Ich unterstreiche das deshalb, weil die Verantwortlichen sich dafür entschieden haben, die heutzutage eher ungewöhnliche Schreibweise "Armbruste" zu verwenden, eventuell um gewisse Assoziationen mit der menschlichen Anatomie zu vermeiden? 😉

Das 336-seitige Buch besteht aus zwei Teilen: Im 1. Teil - der Einleitung - wird auf rund 100 Seiten von verschiedenen Autoren Grundlagenwissen über Armbrüste vermittelt. So etwa, dass diese bereits in der Antike sowohl in Europa wie auch in Asien Verwendung fanden; dass ihr Einsatz gegen Christen jedoch in Europa im Jahr 1139 von der Kirche im 2. Laterankonzil wenigstens für das Turnier-Umfeld verboten wurde; dass Armbrüste sich besser für den Belagerungskrieg eigneten, aber weniger für die Feldschlacht; dass Armbrüste mit Hornbogen im Winter bzw. bei kalten Temperaturen besser funktionierten, als Armbrüste mit Holzbogen; usw. usf. Ebenfalls wird in der Einleitung auf die Geschichte des DHM (Deutsches Historisches Museum) eingegangen, wobei sich die Einlassungen für mich phasenweise anhörten, als ob man um Nachsicht dafür bittet, auch viele historische Waffen in den Beständen zu haben. So gesehen müsste man besonders Stalins Roten Armee dankbar sein, die Deutschland nicht nur vom Nationalsozialismus befreit hat, sondern auch gleich von allem, was irgendwie von finanziellem Wert war - darunter etliche der alten Waffen des DHM, die nun in russischen Depots vor sich hin gammeln.
Im 2. Teil des Buchs - dem Katalogteil - werden unzählige komplette Armbrüste, aber auch Zubehör und sonstige Einzelteile aus dem Museumsbestand sehr übersichtlich präsentiert (siehe die nachfolgenden Bilder). Die Informationen, die dabei etwa zu einer bestimmten Armbrust geliefert werden, umfassen neben einer Beschreibung die Abmessungen (auch einzelner Komponenten), das Gewicht, die verwendeten Werkstoffe, die Provenienz, die Literatur dazu und die Nennung vergleichbarer Stücke in anderen Museen.
Der Anhang des Buchs enthält u.a. ein interessantes Markenverzeichnis von historischen Armbrustbauern.

Fazit: Sammlungsbedingt liegt der Schwerpunkt auf dem Spätmittelalter und der Renaissance - genauer gesagt handelt es sich vor allem um den Zeitraum vom spätem 15. bis zum späten 16. Jahrhundert. Ich persönlich hätte mir mehr ältere Stücke gewünscht. Doch abseits davon hat der Hirmer Verlag mit "Die Armbrust - Schrecken und Schönheit"  wieder einmal einen interessanten und optisch ansprechenden Bildband vorgelegt.

Armbrust-Schlösser
Das Buch enthält einige ausführliche Darstellungen, anhand derer die Funktionsweise verschiedener Armbrust-Schlösser bzw. Schloss-Typen erläutert wird. | Foto: Hiltibold / Buchinhalt: (C) Hirmer Verlag
Der Schwerpunkt des Buches liegt auf den Fotografien von Armbrüsten wie dieser Hornbogenarmbust aus dem 15. Jahrhundert. | Foto: Hiltibold / Buchinhalt: (C) Hirmer Verlag
Auch die verschiedenen Typen von Armbrustbolzen werden anhand von entsprechenden Fotos vorgestellt. Hier Exemplare aus dem 13.- 15. Jh.  | Foto: Hiltibold / Buchinhalt: (C) Hirmer Verlag
Wie der Bogenschütze brauchte auch der Armbrustschütze einen Köcher. Hier ein Exemplar das in das 15. Jahrhundert datiert  | Foto: Hiltibold / Buchinhalt: (C) Hirmer Verlag

Zum Spannen der Armbrüste wurden u.a. Zahnstangengewinde wie dieses deutsche Beispiel aus dem späten 15. / frühen 16. Jh. verwendet. | Foto: Hiltibold / Buchinhalt: (C) Hirmer Verlag

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Weiterführende Informationen:


Sonntag, 19. April 2020

Das Blog pausiert

Das Blog pausiert für einige Tage. In dieser Zeit kann es auch zu längeren Verzögerungen beim Freischalten von Kommentaren kommen. Voraussichtlich am 03. Mai geht es dann wieder weiter. Bis dahin!