Kürzlich hat mir jemand geschrieben, dass ich zu politisch in meiner Kritik am archäologischen Betrieb sei; es wäre besser, wenn ich ausschließlich auf die Methodik- und Logikfehler hinweisen würde, anstatt auch mögliche Motive zu hinterfragen. Denn Letzteres könnte dazu führen, dass einige Leser abgeschreckt werden.
Nun, das habe ich in ähnlicher Form vor einigen Jahren schon einmal so zu hören bekommen. Das Problem dabei ist: Wenn die andere Seite politisch wird - bzw. aus politisch-weltanschaulichen Gründen heraus agiert - wie kann ich da in meiner Reaktion völlig unpolitisch erscheinen? Selbst meine Aufforderung, Wissenschaft muss rein dem objektiven Erkenntnisgewinn verpflichtet sein, und nicht einer Ideologie, wirkt ja auf allzu viele Leute bereits 'verdächtig'.
Nehmen wir als Beispiel die sogenannte "feministische Archäologie", die ja wirklich eine nahezu astreine Ideologieveranstaltung ist - siehe: Merowinger-Kriegerinnen, Wikinger-Kriegerin, usw. usf. All das ist nichts anderes als der Versuch des gezielten Umdeutens archäologischer Befunde, um in der Vergangenheit Belege für heutige politische Zielsetzungen zu 'finden'; fundamentale Regeln der archäologisch-historischen Wissenschaft werden dabei oft ignoriert oder ihrerseits einer unseriösen Neudefinition unterzogen. Aus Korrelationen/Scheinkorrelationen/Koinzidenzen werden - ohne es beweisen zu können - Kausalitäten. Was nicht passt, wird passend gemacht.
Wobei, ganz erschöpft sich der Zweck der feministischen Archäologie nicht alleine in solchen pseudowissenschaftlichen Purzelbäumen. Nein, die ganze Nummer dient auch dem Schaffen von Netzwerken. Oder anders formuliert: Über nepotistische Strukturen wollen sich Akademikerinnen gegenseitig fette Posten in der Archäologie zuschanzen. Feministische Archäologinnen offenbaren dieses Ziel in ihren Statements sogar selbst, aber natürlich verklausuliert bzw. beschönigend. Formulierungen wie "zusammenhalten" und "sich gegenseitig bei Bewerbungen unterstützen" sind mir da aus Vorträgen und Texten in guter Erinnerung.
Anderes Beispiel: Das Römisch-Germanische Zentralmuseum - das jetzt anders genannt werden will - fühlte sich bemüßigt, den Twitter- bzw. X-Account des eigenen Fördervereins/Freundeskreises zu verteidigen, nachdem dieser einen Aufruf zur quasi rassistischen Diskriminierung bei der Vergabe von Museumsjobs 'retweetet' hat. Alleine das gibt schon beredt Auskunft über den mentalen Zustand der Verantwortungsträger dieses Museums.
Wer aber immer noch Zweifel hegt, dass es sich auch hierbei um einen durchpolitisierten Ideologieverein handelt, den möchte ich darauf hinweisen, dass das Museum sowie sein Freundeskreis X/Twitter vor rund einem Jahr verließen und sich schnurstracks zur weltanschaulichen 'Kreiswichs'-Plattform Bluesky vertschüsst haben, wo man nun - auf Steuerzahlerkosten - in der Social-Media-Bedeutungslosigkeit vor sich hin vegetiert. Das Museum würde diese Flucht wohl 'Haltung' nennen, aber das ist nur ein Euphemismus für 'Gesinnung' und 'virtue signalling'. Jeder, der sich mit dieser Materie beschäftigt, weiß genau, dass die Abkehr diverser Museen und Organisationen von Twitter/X indirekt ein klares Statement für eine nicht sehr pluralistische Auslegung des Begriffs 'Meinungsfreiheit' ist.
Ohnehin muss man sich die Frage stellen, ob es ein juristisch relevantes 'Verprassen' von Steuergeld ist, wenn sich eine staatliche Einrichtung bewusst nicht auf jene großen Social-Media-Plattformen begibt, die die meisten Menschen erreichen, sondern stattdessen auf vergleichsweise winzige wie Bluesky, bloß weil diese den Verantwortlichen weltanschaulich besser zu Gesicht stehen. Die Social-Media-Beauftragten einer solchen staatlichen Einrichtung verursachen schließlich in beiden Fällen die gleichen Kosten - jedoch bei sehr unterschiedlicher Breitenwirkung.
Die brachiale politisch-weltanschauliche Schlagseite archäologischer Akteure beschädigt nicht nur die Reputation der Archäologie als Wissenschaft, sondern sollte längst auch ihre Finanzierung durch die Öffentliche Hand in Frage stellen. Weitere Beispiele sind hierfür die "Berner Erklärung", mäßig schlaue Bücher aus dem Umfeld vermeintlich seriöser Universitäten und sprachliche Anbiederungen an einen Zeitgeist. Ich könnte die Liste noch lange so fortsetzen.
Nicht jedem Archäologen gefällt all das. Ich habe selbst mit einigen zusammengearbeitet, die sich sogar sehr über das öffentliche Tugend-Geschleime, das sensationsheischend-pseudowissenschaftliche Thesenspinnen und das ständige Vertauschen von Kausalität und Korrelation ärgern. Sie sagen mir aber auch, dass man sich in eine Karrieresackgasse begibt, wenn man aus der Reihe tanzt.
Was nicht überraschend ist, denn nur die wenigsten Menschen sind im tiefsten Inneren ihres Herzens echte Demokraten, die Meinungsfreiheit konsequent zu schätzen wissen (und dazu zählen durchaus auch Teile jener Kräfte, die - weil ihr politisches Lager institutionell seit einigen Jahrzehnten am kürzeren Ast sitzt - öffentlich lauthals mehr Meinungsfreiheit fordern, aber diese selber mit Füßen treten - siehe etwa dieser Heini). Daher werden in der staatlichen bzw. staatsnahen Wissenschaft zuvörderst gleichmeinende Personen kooptiert. Aber natürlich hat man auch in der von Drittmitteln dominierten Sparte nach jemandes Pfeife zu tanzen, um beruflich weiterzukommen. Wer zahlt, schafft an - sagt ein altes Sprichwort.
All das zu kritisieren, sollte nicht fragwürdig sein. Und ich werde es auch weiterhin in der mir passend erscheinenden Form machen.
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