Dienstag, 28. September 2021

📽️ Videos: Origineller Archäologen-Kopfputz -- Keltenfest auf der Heuneburg -- Hildegard von Bingen -- Soldat der Kaiserlichen Armee -- usw.



 Archäologen auf den Spuren der Römer im Burgenland | Spieldauer 2 Minuten | ORF | Stream & Info
Ein aktuelles Beispiel aus der niemals endenden Reihe 'origineller Archäologen-Kopfputz' (siehe auch hier, hier, und hier). Man erwartet fast, dass der Herr nach dem Interview sein Dromedar besteigt und sich auf die Suche nach dem Schatz von Alibaba und den vierzig Räubern macht 😉

 Keltenfest auf der Heuneburg: Das Erbe der Vorzeit erleben | Spieldauer 2 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info
Sich im Sommer - in einen mehr oder weniger geschlossenen Raum - mit einer FFP2-Maske an eine Schmiede-Esse zu stellen, grenzt schon an Masochismus. So ein Verhalten erinnert an die  Flagellanten des Mittelalters, die mit ihrer ebenfalls öffentlich zur Schau gestellten Selbstgeißelung hofften, eine Seuche zu vertreiben ...  Wieso begibt sich der Herr mit seiner Esse nicht ins Freie? Ist man da so unflexibel? Auch interessant, dass man nach den Griechen und Etruskern auf der keltischen Heuneburg mittlerweile auch Ägypter aufmarschieren lässt... Naja, ich verstehe schon, dass man ein bisschen Abwechslung haben möchte. Solange die Gruppen qualitätvoll sind, ist das ok (was ich bei den Ägyptern allerdings nicht einzuschätzen vermag).

 Mesopotamien - Archäologen retten, was zu retten ist | Spieldauer 95 Minuten | Arte | Stream & Info
Jene Kreise, und dazu zählt der öffentlich-rechtliche Rundfunk besonders, die Grenzen immer so betont doof finden, ziehen sofort Grenzen hoch, wenn es um ihre eigenen finanziellen Interessen geht. Dementsprechend ist dieses Video für Seher außerhalb Deutschlands nur mit entsprechenden Hilfsmitteln abrufbar. Ich empfehle z.B. den Browser Epic, bei dem man nach der Installation gleich eine praktische VPN-Funktion nachladen kann.

 Wo Hildegard von Bingen lebte und wirkte - Auf den Spuren einer starken Frau des Mittelalters | Spieldauer 45 Minuten | SWR | Stream & Info 
"Starke Frau" - wieder mal so ein feministisch geprägter Modebegriff, der einem seit einigen Jahren ständig um die Ohren gehauen wird. Diese inflationäre Überbetonung führt freilich indirekt dazu, die alltäglichen Leistungen 'normaler' Frauen herabzusetzen. Nur wer Leistungen innerhalb eines bestimmten Rahmens erbringt, der zählt offensichtlich. Erinnert mich an den Begriff "Leistungsträger", wenn dieser primär auf jene Personen angewendet wird, die den Spitzensteuersatz zahlen. So als ob alle anderen Arbeitnehmer nur in der Nase bohren und sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Im Gegenteil, die arbeiten/leisten oft genug viel mehr als manch 'Großkopferter' mit Bullshit-Uni-Diplom.

 Archäologie: Neue Funde in Ausgrabungsstätte im Benediktinerkloster Posa | Spieldauer 2 Minuten | MDR | Stream & Info

 Vortrag: Die römischen Katakomben. Neue Forschungen zur römischen Unterwelt | Spieldauer 97 Minuten | DAI/Youtube | Stream & Info
Ich weiß leider nicht wie lange diese Vortrag abrufbar ist, da das Deutsche Archäologische Institut die Angewohnheit hat, einige seiner Videos urplötzlich auf "privat" zu schalten. Als ob sie einen auf Mediathek des öffentlich-rechtlicher Rundfunk machen wollen...

 2000 Jahre alt! Der vergessene Staudamm der Römer in der Türkei, der noch immer funktioniert | Spieldauer 7 Minuten | Youtube | Stream & Info 

 Frisch saniert: Die Stiftskirche St. Peter und Paul vom Kloster Beuerberg | Spieldauer 5 Minuten | Youtube/BR | Stream & Info 

 Soldat der deutschen Kaiserlichen Armee (August 1914) | Spieldauer 6 Minuten | Youtube/PLW Review | Stream & Info 
Die Jungs von PLW nehmen sich in diesem Video die Uniform eines Infanteristen des 1. Weltkriegs vor. Schön in Szene gesetzt und interessant für Reenactors.



Samstag, 25. September 2021

🎧 Hörbares: Antike Snackbar in Pompeji -- Grammatik und die Geschichte der Menschheit -- Die Entdeckung der Medizin in der Antike -- Christliche Arbeitsmoral -- usw.



 Antike Snackbar in Pompeji – wir kochen die Rezepte nach | Spieldauer 8 Minuten | DF | Direkter Download

 Forschungsprojekt: Wie Grammatik auch die Geschichte der Menschheit widerspiegelt | Spieldauer 8 Minuten | DF | Direkter Download

 Beinahe-Sensation 1613: Galilei und die verpasste Neptun-Entdeckung | Spieldauer 2 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Planeten-Entdeckung vor 175 Jahren: Als Neptun das Sonnensystem sprengte | Spieldauer 5 Minuten | DF | Stream & Info

 Zentralarchiv zur Geschichte der Juden in Deutschland eröffnet | Spieldauer 3 Minuten | DF | Direkter Download

 Christliche Arbeitsmoral: „Im Schweiße deines Angesichts“ | Spieldauer 8 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Philosophische Orte: Epimenides unter Lügnern auf Kreta | Spieldauer 4 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Kirchliche Widerstände gegen Blitzableiter: Ein Misstrauensvotum gegen Gott | Spieldauer 8 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

  Antike: „Die Entdeckung der Medizin“ - Krankheit ohne Götter | Spieldauer 6 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download


Donnerstag, 23. September 2021

Zeitschrift "Bayerische Archäologie" - Heft 3.21: Hightech-Archäologie, frühmittelalterlicher Goldfaden-Pfusch und bajuwarische Archäoeunuchen

Hightech in der Archäologie

Themenschwerpunkt im aktuellen Heft der Zeitschrift "Bayerische Archäologie" sind die bei der modernen archäologischen Arbeit zum Einsatz kommenden technischen Hilfsmittel wie das Laser-Scannen aus der Luft (Airborne Laserscanning) mittels Drohne, Flugzeug, Hubschrauber und motorisiertem Gleitschirm als Instrumententräger. Auch das stationäre Scannen und Fotografieren von archäologischen Funden in hoher Auflösung wird näher betrachtet; dazu zählen u.a. Rasterelektronenmikroskop und SfM (Structure from Motion). Zusätzlich wirft man einen Blick auf Magnetometer, Bodenradar, Geoelektrik, Tachymetrie, Röntgenspektroskopie usw. Kurz gesagt, es wird ein relativ umfangreicher Überblick zu den vor allem bildgebenden Hightech-Methoden der modernen Archäologie gegeben. Darunter besonders gelungen ist Roland Lincks Beitrag "Mit dem Magnetometer durch Feld und Wiesen".

Wie aber auch betont wird, würden diese mehr oder weniger neuen technischen Methoden nicht unbedingt zu einer Verringerung des Arbeitsaufwandes führen, sondern zu einer Verlagerung vom Grabungsplatz ins Büro oder Labor. Was immerhin für den Auftraggeber von Vorteil sei, da dieser z.B. schneller mit seinen Baumaßnahmen fortfahren könne. Die Anschaffungskosten von einigen der Gerätschaften seien jedoch hoch, so dass sie nicht von allen archäologischen Grabungsfirmen verwendet werden.
Gut, ob es wirklich immer so ist, dass bloß eine Verlagerung der Arbeiten stattfindet, aber unterm Strich der Zeitaufwand gleich bleibt, wage ich aufgrund eigener praktischer Erfahrungen stark zu bezweifeln. Etwa im Fall der geophysikalischen Prospektion, die es einem erlaubt, wesentlich gezielter und somit zeitsparender zu graben. Blindflüge, wie sie früher die Regel waren, können somit minimiert werden.

Von immensem Vorteil für die Forschung ist zweifellos der Umstand, dass die immer genaueren, umfangreicheren und anschaulicheren Daten, die die moderne Hightech-Archäologie liefert, in frei zugängliche Datenbanken eingespeist und von überall auf der Welt abgerufen werden können. Nicht nur Wissenschaftler, sondern auch interessierte Laien profitieren davon.

Und eine Anmerkung noch: Der Autor eines Beitrages hat einige seiner Heft-Illustrationen mit QR-Codes versehen, um auf diesem Weg zu den entsprechenden 3D-Scans zu verlinken; darunter etwa der Ipf in Bopfingen (😄), dem man in gefühlt jeder zweiten süddeutschen Archäologiepublikation begegnet. Doch leider, diese QR-Codes bringen dem Leser nichts, wenn er sich die hochauflösenden Scans auf seinem Desktop-Rechner ansehen möchte, was wesentlich sinnvoller sein dürfte, als auf dem vergleichsweise winzigen Handybildschirm. Deshalb hätte es nicht geschadet, auch kurze Textlinks anzufügen. Nur weil etwas modern ist, heißt es nicht, dass es auch immer besser ist (erinnert mich an Apple, wo man im Namen der Simplizität Ports an den Notebooks einspart und so viele Nutzer zum Kauf von Hubs, Adaptern und ähnlichem Krempel nötigt).


Kontrastprogramm: Rückblick auf die archäologische Arbeit

Für mich fast noch interessanter als Gegenwart und Zukunft der Archäologie ist ihre Vergangenheit. Genau davon erzählt der Archäologe Friedrich Loré, indem er die Entwicklung der letzten 40 Jahre im Bereich der technischen Hilfsmittel in der Archäologie Revue passieren lässt. Darunter befindet sich etwa "der berüchtigte Feldpantograph". Diese mit einem Seilzugsystem arbeitende Gerät wurde dafür verwendet, um beispielsweise Konturen von Steinpackungen mittels Metallstift abzugreifen und auf Papier zu übertragen. Ein komplizierter Apparat, der aufwendig justiert werden musste, immer wieder fehlerhaft arbeitete und den wohl nur wenige Archäologen vermissen werden (ich kenne jemanden, der hat so ein Gerät bei sich zuhause in der Vitrine stehen, direkt neben einem Indiana-Jones-Hut und einem Häufchen Vulkanasche aus Pompeji).

Ein deutlicher Innovationsschub in der deutschen Archäologie kam dann um das Jahr 2000, als nach und nach die private Firmenarchäologie in Deutschland Einzug hielt. Staatliche oder halbstaatliche Stellen hatten bis dahin den technischen und methodischen Fortschritt mit ihren verkrusteten Strukturen sowie trägen Genehmigungsverfahren für neue Geräte ausgebremst, heißt es. Ich glaube dem Autor das aufs Wort, möchte aber hinzufügen, dass diese Akteure aus dem staatlichen Umfeld auch heute noch manch Unwesen treiben. 


Frühmittelalterlicher Goldfaden-Pfusch

In gleich zwei sehr informativen Beiträgen setzt man sich mit Goldfäden auseinander, die als Reste eines Kleidungsstücks in einem frühmittelalterlichen Grab bei Regensburg entdeckt wurden. Dass der Fundort als "Großes Gräberfeld" bezeichnet wird, hat einen guten Grund, denn auf dem vom 2. bis ins 7. Jahrhundert genutzten Bestattungsplatz sollen unglaubliche 30 000 bis 40 000 Personen ihre letzte Ruhestätte gefunden haben! 3000 Bestattungen davon wurden bisher archäologisch untersucht. Darunter auch jenes in die Zeit um 600 datierte Grab mit der Nummer 1032, in dem sich neben besagten Goldfäden auch weitere textile Fragmente befanden.
Die Autoren erläutern anhand dieses Beispiels u.a. wie es möglich ist, dass sich Reste von Kleidung im Boden erhalten können; etwa durch Anhaftung an Metall, welches entweder das organische Textilmaterial mineralisiert und/oder antimikrobakteriell wirkt, was eine Zersetzung verhindert bzw. diese stark verzögert. Auch das Bodenmilieu, welches idealerweise durch einen hohen Grundwasserspiegel dauerhaft durchfeuchtet ist, spielt dabei eine wichtige Rolle.

Die Goldfäden - so wird erklärt - bestehen im Kern aus einem organischen Faden (Seele), um den schmale Streifen aus hauchdünner Goldfolie (Lahnen) gewickelt wurden (Anmerkung: Ich frage mich, wie man es dazumal geschafft hat, dass sich die Goldfolie beim Verarbeiten nicht immer wieder gelöst hat; schließlich scheinen sie nicht fest mit dem organischen Faden verbunden gewesen zu sein. Oder ist hier auch Kleber mit im Spiel gewesen? Wer weiß mehr?).
Interessanterweise wurde bei der Analyse der Goldfolie festgestellt, dass sie aus sehr reinem Gold besteht und nur niedrig mit Silber und Kupfer legiert worden ist. Damit war sie eigentlich zu weich/brüchig, um verarbeitet zu werden, meinen die Forscher. Sie folgern daraus, dass aus diesem Grund der Goldfaden bereits sehr Fragmentiert war, als man ihn entdeckte. Will heißen, auch schon zu Lebzeiten des Besitzers könnte das Golddurchwirkte Kleidungsstück etwas lädiert ausgesehen haben.


Ein bronzenes Tüllenbeil: Verwurschtelt und vergessen

Der folgende Fall ist leider ein besonders krasses Beispiel für jene Trägheit, mit der immer noch zu oft in der archäologischen Wissenschaft publiziert wird. Ganz davon abgesehen, dass hier wieder einmal ein Fund lange Zeit verschwunden ist bzw. der Forschung vorenthalten wurde. Doch worum geht es konkret? Nun, in der Rubrik "Archäologie in den Bezirken" heißt es, dass 1999 das sogenannte "bronzene Tüllenbeil von Grünsbergvon einer Familie entdeckt und brav der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg übergeben wurde; vermutlich in der Annahme, dass man dort sowohl das späturnenfelderzeitliche Beil wie auch die bereitwillige Zusammenarbeit zu würdigen weiß. Doch Pustekuchen, erst jetzt, über zwei Jahrzehnte (!) später, erfolgte die Publikation.

Man mag einwenden, dass ein Tüllenbeil kein aufregender bzw. wissenschaftlich seltener/wertvoller Fund ist, doch es geht hier vor allem ums Prinzip. Wie kann man Metallsuchern, die einen Fund nicht zeitnah abgeben, sofort wegen Fundunterschlagung die Bude stürmen lassen, wenn gleichzeitig in den eigenen Reihen der Archäologie immer wieder so unerträglich lahm gearbeitet wird? Quod licet iovi, non licet bovi?
Wenn nun jemand meint, die beiden Dinge könne man doch nicht vergleichen: Doch, kann man. Denn ein Vergleich ist keine Gleichsetzung 😊. 


Die Proskynese bajuwarischer Archäoeunuchen
Falls sich jemand fragt, ob ich denn nicht wieder etwas Ärgerliches in den im Heft abgedruckten Mitteillungen der Gesellschaft für Archäologie in Bayern e.V. gefunden habe: Ja, leider. Aber ich erspare es mir diesmal, darauf ähnlich detailliert wie schon einmal in der Vergangenheit einzugehen. 
Was nämlich soll man zu diesen erbärmlichen Jammergestalten noch viel schreiben, die eine im Freien (!) stattfindende Lehrgrabung (und zwar ironischerweise genau jene, bei der sie keine wissenschaftlich interessierten Metallsucher dabei haben wollten) lapidar mit der Begründung 'Corona' absagen? Viel schlimmer noch, die Herrschaften fühlten sich sogar bemüßigt, die oktroyierten Maßnahmen der Politik zu rechtfertigen. Leiden die Verantwortlichen womöglich unter dem Stockholmsyndrom oder sind sie einfach nur  'notgeile Masochisten' ?
Zumindest handelt es sich um obrigkeitsgläubige Untertanen, deren gebückt-servile Haltung aus einem anderen Zeitalter zu stammen scheint. Wie meinte etwa der preußische Innen- und Staatsminister Gustav von Rochow (1792-1847): "Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen."

An dieser Stelle ist es freilich interessant zu wissen, dass man anderenorts - nämlich  bei der eigentlich staatsnahen (!) Mittelalterbaustelle Campus Galli - genügend cojones in der Hose hatte, um sich sogar von einem Öffnungsverbot freizuklagen; mit dem nachweislich zutreffenden Hauptargument, dass im Freien so gut wie keine Ansteckungsgefahr besteht (siehe die nachfolgenden Links).
Im Übrigen gilt: Gut informiert zu sein - um sich dann darauf basierend eine qualifizierte und differenzierte Meinung bilden zu können - ist eine 'Holschuld'. Das gilt auch für archäologische Vereine, sofern man dort das Vereinsleben nicht leichtfertig auf dem Altar eines kleingeistigen Konformismus und primitiver Gefallsucht opfern möchte: Link 1, Link 2


Weitere Heft-Beiträge (Auswahl)
  • Gefährdete Häuser: Blockbauten in großer Not
  • Mit dem Magnetometer durch Feld und Wiese
  • Grabungstechnik goes Future
  • Römerboot im Altmühlsee unterwegs (Achtung, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sucht Interessierte, die am Bau einer neuen, besonders authentischen Römerboot-Rekonstruktion mitwirken wollen!)


FAZIT

Eine gutes Heft. Ich sehe den beschriebenen Einsatz von modernen technischen Hilfsmitteln positiv. Sie können unter bestimmten Voraussetzungen Zeit und Geld sparen. Vor allem aber führen sie zu präziseren Ergebnissen. Denn wir wollen nicht vergessen, dass die Archäologie zu den Geisteswissenschaften zählt und es insgesamt nicht so sehr mit Präzision hat, sondern mehr mit subjektiver Interpretation. Man denke etwa nur an die Himmelsscheibe von Nebra und die nicht gerade gut belegten Geschichten, die sich selbst anerkannte Experten zu diesem Artefakt zusammengebastelt haben. 
Auch vom Themenschwerpunkt abgesehen, enthält das vorliegende Heft jede Menge abwechslungsreiche und interessante Informationen. 

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Dienstag, 21. September 2021

📽️ Videos: Auf den Spuren der Steinzeit -- Plagiatsjäger Stefan Weber -- Karolingisches Freilichtlabor Lauresham -- Das Ostrakon -- Der Schwertschmied -- usw.



 Auf den Spuren der Steinzeit am Brodtener Ufer | Spieldauer 4 Minuten | NDR | Stream & Info

 Schiffstour auf dem Mittelalter-Kahn in Lüneburg | Spieldauer 5 Minuten | NDR | Stream & Info
"Mittelalter-Kahn" mit lärmigem Motor ... naja! 😄

 Das karolingische Freilichtlabor Lauresham - von der Landwirtschaft des Mittelalters liernen | Spieldauer 10 Minuten | HR | Stream & Info

 Das Ostrakon - Per Scherbengericht ins Exil | Spieldauer 18 Minuten | Arte | Stream & Info | Direkter Download

 Die Steinaxt - Die Erde urbar machen | Spieldauer 18 Minuten | Arte | Stream & Info

 Geschichten und Legenden rund um den Merseburger Dom | Spieldauer 5 Minuten | MDR | Stream & Info

 Schiefer Turm von Dausenau droht einzustürzen | Spieldauer 3 Minuten | SWR | Stream & Info

 Interview mit dem Plagiatsjäger Stefan Weber | Spieldauer 16 Minuten | Exxpress | Stream & Info

 Der Schwertschmied aus Amberg: Martin Schreiner erforscht Eisen | Spieldauer 8 Minuten | BR/Youtube | Stream & Info



Freitag, 17. September 2021

🎧 Hörbares: Eine kleine Geschichte der Onanie -- Jüdische Archäologie -- Was die frühen Christen wirklich glaubten -- Geschichte der Olympischen Spiele -- usw.



 Eine kleine Geschichte der Onanie | Spieldauer 30 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download
Um diese Sendung hören zu können, muss man nicht beide Hände frei haben 😄

➽ Ausstellung zu den Anfängen jüdischen Lebens in Köln | Spieldauer 11 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 Archäologie: Jüdische Spuren in Köln | Spieldauer 5 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 Mittelalterliche Musik: Vokalensemble "Organum" verbindet Orient mit Okzident | Spieldauer 7 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 Das Einhorn in der Theologie | Spieldauer 5 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 Die Geschichte der Olympischen Spiele | Spieldauer 5 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 Was ist Schein, was ist Sein? - Tag des offenen Denkmals | Spieldauer 7 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 Dante Alighieri vor 700 Jahren gestorben: Sprachphilosoph, Exil-Literat, Reiseleiter durch die Hölle | Spieldauer 4 Minuten | DF | Stream & Info

 Was die frühen Christen wirklich glaubten | Spieldauer 23 Minuten | NDR | Stream & Info | Direkter Download

 16.09.1716: Duisburg beschließt den Bau eines Hafens | Spieldauer 4 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download


Donnerstag, 16. September 2021

Ein rätselhaftes Messer -- Schöne Burgenrekonstruktionen -- Twitter nervt -- Sinnfreies 'virtue signalling' des LWL-Archäologie Westfalen -- usw.

Ein rätselhaftes Messer

Das unten abgebildete Taschenmesser habe ich vor einigen Jahren beim Ausräumen der häuslichen Werkstatt meines Großvaters entdeckt - er lebte damals schon seit über zehn Jahren nicht mehr. Geraume Zeit lag es danach bei mir in einer Kassette, unbeachtet und vergessen. Kürzlich kam es mir aber wieder unter und ich beschloss spontan es ein wenig zu 'restaurieren' und zukünftig als Paketöffner zu nutzen. 

Ich hatte den Verdacht, dass das Messer relativ alt ist. Also googelte ich u.a. nach "Taschenmesser" + "2. Weltkrieg". Das exakt gleiche Modell konnte ich aber nirgendwo finden. Ziemlich überrascht war ich freilich, dass es recht ähnliche Messer auch schon zur Zeit des 1. Weltkriegs gab. Ist es möglicherweise schon so lange im Besitz meiner Familie? War gar mein Urgroßvater der Käufer? Oder ist das Ding 'erst' aus den 50er- oder 60er-Jahren; ein Freund von mir hielt das jedenfalls für möglich, nachdem er Bilder davon in einem Forum herumgezeigt hat. Er meinte auch, dass es sich um ein Kellner-Taschenmesser handelt. Die erstaunlich kleine Klinge soll dazu verwendet worden sein, um von Weinflaschen die Versiegelung abzuschneiden.

Auf der Messerklinge ist der Schriftzug "Solingen" zu lesen. Nun gab und gibt es dort aber verschiedene Messer-Hersteller. Ich weiß auch nicht, ob nur die Klinge in Solingen gefertigt wurde oder das gesamte Stück.

Vielleicht hat von den Lesern jemand eine Vorstellung davon wie alt dieses Taschenmesser tatsächlich sein könnte? Zurzeit ist aufgrund des Fundkontextes, auf den ich hier nicht im Detail eingehen möchte, zwischen ca 1. Weltkrieg und späte 1960er-Jahre alles möglich.



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Schöne Burgenrekonstruktionen

Auf der Seite Burgrekonstruktion.de findet man viele schöne Rekonstruktionen mittelalterlicher Burgen. Alles wurde mit der Hand gezeichnet, was manch Detail besonders gut hervorstreicht. Geordnet ist das Anschauungsmaterial nach deutschen Bundesländern, die oben im Menü ausgewählt werden können. Hier etwa das Beispiel Bayern.

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Sinnfreies 'virtue signalling' des LWL
Bildzitat | Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=c3R4W-qDzF4

Dafür gibt es einen Daumen nach unten. Denn wozu soll das gut sein? Gehörlose können doch lesen - warum reicht also ein geschriebener Willkommenstext auf der Homepage des LWL nicht aus? Noch dazu wo doch Gebärdensprache eine Art 'Steno' ist, die in der Regel verkürzt und daher weniger Inhalt transportiert als gesprochene Sprache oder geschriebener Text. Im konkreten Fall haben Gehörlose also keinen Vorteil, sondern höchstens Nachteile.

Mit dieser Nummer wollten wohl ein paar Archäologen auf Teufel komm raus - und selbstverständlich auch auf Steuerzahlerkosten - ihre vermeintliche Tugend zur Schau stellen. So ähnlich wie viele Vögel auf  Twitter, die - je nach weltanschaulicher Ausrichtung - mit unterschiedlichen Fahnen und sonstigen Symbolen im Profil hausieren gehen (freilich, oft genug lässt sich daran eher der Grad des jeweiligen Dachschadens frühzeitig erkennen).


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Twitter nervt 

Apropos Twitter: Dieser Dienst geht mir seit einigen Monaten zunehmend auf den Wecker, da man in meinen Feed unaufgefordert immer öfter parteipolitischen und teilweise sogar extremistischen Krempel reindrückt (ich hatte solche Phasen in der Vergangenheit schon mehrfach erlebt). Das alles obwohl ich doch nur solche Twitter-Accounts abonniert habe, die sich ausschließlich mit Mittelalter, Antike und ähnlichen Dingen beschäftigen. Ich habe sogar die Twitter-Trends für mein Konto auf Korea umgestellt, um nicht täglich mit dem Topfen behelligt zu werden, denn irgendwelche Hanseln hierzulande in ihren urbanen Bobo-Blasen für wichtig halten. Hilft aber offenbar alles nichts.

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Ein neues Buch, ....

... bei dem eventuell wieder einige Erdstall-'Experten' mit flockigem Schaum vor dem Mund beschleunigt im Kreis springen werden, erscheint demnächst.

Selbstverständlich werde ich dieses Buch hier noch vor Weihnachten besprechen, so wie bereits die drei Vorgängerpublikationen meiner steirischen Landsleute Heinrich und Ingrid Kusch (Link 1, Link 2).

Außerdem weiß ich, dass ein Grazer Podcaster in naher Zukunft ein längeres Interview mit Heinrich Kusch führen wird. Auf diese sicher spannende Sendung werde ich, wenn es soweit ist, zeitnah im Rahmen des Blogs verlinken.

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Montag, 13. September 2021

📆 Kalender Österreichische Geschichte (2022)

Auf 52 Blättern werden im vorliegenden Kalender von Katharina und Antonin Schmidt-Chiari Schlaglichter auf die österreichische Geschichte geworfen. Angefangen beim sogenannten Trennungsgesetz bis hin zur Gründung des Wiener Filmbundes.

Der zeitliche Schwerpunkt des Kalenders liegt im Bereich des 19. und 20. Jahrhunderts. Das man sich hier nicht breiter aufgestellt hat, finde ich schade. Es wäre sicher kein Fehler, auch die ältere Geschichte Österreichs bzw. die Geschichte des Gebiets des heutigen Österreichs stärker zu berücksichtigen; und zwar zurück bis in die Steinzeit. 

Kleinere Fehler/Ungenauigkeiten sind mir an drei Stellen aufgefallen. Etwa beim Eintrag zu Maria Leopoldine von Österreich, als deren Vater Kaiser Franz Joseph angegeben wird, anstatt richtigerweise Franz I. (zwar hat der Franz Joseph Karl geheißen, jedoch war das nicht sein Herrschername mit dem er in die Geschichte einging - im Gegensatz zu seinem Nach-Nachfolger Franz Joseph I.).

Von diesen kleineren Kritikpunkten abgesehen, handelt es sich allerdings um einen gut gelungenen Kalender. Die den schönen Abbildungen beigefügten Texte bringen die wichtigsten Informationen in der Regel gut auf den Punkt.
Das Beste and diesem Kalender ist aus meiner Sicht allerdings, dass man auf bis dahin einem unbekannte historische Personen oder Ereignisse aufmerksam gemacht wird, die sich immer wieder als recht spannend herausstellen. Darunter das böse Schicksal der oben schon erwähnten Maria Leopoldine von Österreich, deren Ehemann - der Kaiser von Brasilien - sie durch einen Tritt in den Bauch, der eine Fehlgeburt verursachte, tötete (Kaiser Nero und Poppea lassen grüßen!). 





Sonntag, 12. September 2021

🎧 Hörbares: Begann der Fortschritt mit dem Ackerbau? -- Archäologe zu Afghanistan -- Die Tochter des Papstes -- Kulturgeschichte des Krieges -- usw.



 Begann der Fortschritt mit dem Ackerbau? Neue Konzepte in der Archäologie | Spieldauer 7 Minuten | DF | Direkter Download

 Archäologe zu Afghanistan: „Unsere Kollegen müssen sofort aus dem Land“ | Spieldauer 9 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download
Was er nicht sagt, weil er keine Ahnung hat oder keine Ahnung haben will: Afghanische Archäologen waren zwei Jahrzehnte lang in das Verscherbeln von mitunter wissenschaftlich sehr wertvollen Funden verwickelt; und zwar z.T. in Kooperation mit den Taliban, wenn ich meinen Quellen in Archäologenkreisen glauben darf. Sehr sympathisch, oder? Aber gewiss findet man auch dafür eine probate Entschuldigung (armes Land, bla bla bla, usw. usf.).

 Illegaler Handel – Stefan Heidemann über den Weg der Antiken | Spieldauer 5 Minuten | DF | Direkter Download
Ich hab mir diese Sendung nicht angehört. Wahrscheinlich ist es auch besser so ...

 Atair, Götterblitze und der ertrunkene Jüngling | Spieldauer 3 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Kulturgeschichte des Krieges: Warum sich Völker und Nationen bekämpfen | Spieldauer 6 Minuten | DF | Stream & Info Direkter Download

 Nürnberg kommt zu Bayern - Das Ur-Trauma von 1806 | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Coburg - Per Abstimmung zu Bayern | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 "Die Tochter des Papstes" – Ausstellung im Staatsarchiv Stuttgart | Spieldauer 4 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download


Donnerstag, 9. September 2021

📽️ Videos: Römischer Tempelbezirk in Hechingen eingeweiht -- Hitler's Jewish Soldiers -- Mittelalterliches Schmuckstück gefunden -- usw.



➽ Römischer Tempelbezirk in Hechingen eingeweiht | Spieldauer 2 Minuten | SWR | Stream & Info 
Wenn ich mir die Klamotten von einigen der Darsteller so ansehe, dann sind das eher nicht die großen Authentizitätspäpste, die dort die Anlage bespielen ...

 Petra - Einer der faszinierendsten Orte der Welt | Spieldauer 29 Minuten | Youtube | Stream & Info

 Ein ungewöhnlicher Bau: Die Heilsbronner Spitalkapelle ist Kirche und Wohnhaus zugleich | Spieldauer 5 Minuten | Youtube/BR | Stream & Info 



 Altes Handwerk mit Textilien: Der fast ausgestorbene Beruf des Posamentierers  | Spieldauer 5 Minuten | Youtube/BR | Stream & Info
Posamentieren - man kennt die Produkte, aber der Begriff ist heutzutage wohl noch kaum jemandem bekannt.


 Zu Tisch im Mittelalter | Spieldauer 30 Minuten | ARD | Stream & Info
Den Beitrag habe ich schon mal verlinkt. Auf den verschiedenen Kanälen des deutschen öffentlich-schlechtlichen Rundfunks wird er aber quasi in der Endlosschleife wiederholt. Offenbar hält man ihn für besonders gelungen. Worauf ich diesmal aber den Blick der lieben Blogleser lenken möchte ist das Thumbnail am Anfang des Videos. Ein sehr mittelalterliches Motiv, nicht wahr? Wem das übrigens bekannt vorkommt, ich habe es selbst schon mehrfach verwendet - allerdings immer in einem passenden Kontext. Und im Gegensatz zu den gebührenfinanzierten Welterklärern, die Menschen schon mal sechs Monate einsperren lassen, wenn diese nicht ihren Zwangsobolus entrichten wollen, habe ich die entsprechenden Copyright-Angaben gemacht ...

 Grafschaft Bentheim: Mittelalterliches Schmuckstück gefunden | Spieldauer 2 Minuten | NDR | Stream & Info
Der Fund wurde "an das niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege übergeben" - bei solchen rhetorischen Tricksereien lachen ja die Hühner. Entschädigungslos zwangseingezogen wurde das Objekt vielmehr, und zwar mittels Schatzregal. Freilich, wenn man das allzu bekannt macht, dann könnten Finder anderer wertvoller archäologischer Objekte ja auf die Idee kommen, lieber niemandem davon zu erzählen. Und wer könnte es ihnen im Angesicht dieses groben Undanks verübeln? Ich nicht. Der Schaden für die Wissenschaft geht jedenfalls auf die Kappe jener Dolme, die die entsprechenden strohdummen Gesetze erlassen oder herbeilobbyiert haben.

 Archäologischer Sensationsfund in Dänemark | Spieldauer 2 Minuten | ORF | Stream & Info
Das muss man erst einmal schaffen, auch hier den Klimawandel unterzubringen. Man schreckt mittlerweile wirklich vor keiner megaspekulativen Dämlichkeit mehr zurück, wenn es darum geht dieses Thema den Medienkonsumenten stalinorgelhaft um die Ohren zu hauen ...

 Archäologen stellen spannende Funde von der Arkaden-Baustelle vor | Spieldauer 3 Minuten | RBB/ARD | Stream & Info

 Lübecker Archäologen finden Kaffeetafel mit Nusstorte von 1942 | Spieldauer 1 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info 

 Hitler's Jewish Soldiers: "History isn't black and white." | Spieldauer 8 Minuten | Youtube | Stream & Info 
Der 2. Weltkrieg ist an sich nicht mein Thema - damit wird man ohnehin im Fernsehen ständig zugeballert. Aber dieses kurze Video des britischen Historikers Mark Felton anzuschauen lohnt sich. Der Inhalt wird wohl viele ähnlich überraschen wie mich.

Dienstag, 7. September 2021

📖 Buch: Die Zukunft unserer Moral

Trotz des Titels "Die Zukunft unserer Moral" beschäftigt sich Matthias Drescher im vorliegenden Büchlein vor allem mit der Vergangenheit. Genauer gesagt mit dem in der Antike von Griechen und Juden errichteten Moral-Fundament, auf dem später das Christentum mit seiner zentralen Botschaft aufbauen konnte: Der Nächstenliebe.

Folgt man den Gedankengängen des Autors, dann hätte es eine Religion wie das Christentum  noch wenige Jahrhunderte zuvor recht schwer gehabt, bei vielen Menschen auf fruchtbaren Boden zu fallen. Grund: Man steckte zu fest in den eigenen lokalen, oft düsteren Mythen, die Halt gaben. Allerdings hatten Mitleid - und noch viel weniger Nächstenliebe - darin Platz. Auch Trost für Verstorbene gab es hier kaum. Wer tot war, landete in der Unterwelt. Punkt.
Erst die Entwurzlungen großer Menschenmassen - die der Hellenismus mit seinen Feldzügen und Stadtgründungen fern der alten Heimat mit sich brachte - schufen die Voraussetzung für einen neuen Blick des Menschen auf sich selbst und andere. Nur weil man die alten mitleidlosen Mythen hatte zurücklassen müssen, war es möglich geworden sich moralisch weiterzuentwickeln. Damit einher ging eine Bedeutungszunahme der Empathie im Umgang miteinander ("Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu!"). Ähnliche, mitunter sogar noch stärkere Entwicklungen gab es auch im Judentum jener Tage. Das im jüdisch-hellenistischen Umfeld entstehende Christentum trieb diesen Wandel dann mit seinem Gebot der Nächsten- und sogar Feindesliebe sozusagen auf die Spitze. Auch heute noch, in einer Zeit, die in unseren Breiten eigentlich durch einen starken Bedeutungsverlust des Christentums gekennzeichnet ist, bleibt das Gebot der Nächstenliebe weiterhin in den Köpfen der Menschen bestehen. Anders als der Gläubige geht es dem Nichtgläubigen aber dabei weniger um die Angst vor dem Tod bzw. dem Danach (Stichwort "Jüngstes Gericht"), sondern schlicht um die viele Jahrhunderte alten Erfahrungswerte, dass Nächstenliebe von gesellschaftlichem und letztendlich auch persönlichem Nutzen im Hier und Jetzt sein kann (wobei mir die Anmerkung gestattet sei, dass seit einigen Jahrzehnten diese in unserem Denken tief verwurzelte Nächstenliebe zunehmend zu einem politischen Vehikel umfunktioniert wird, welches in Form einer bedingungslos eingeforderten Zwangssolidarität zur moralischen Erpressung von mitunter ganzen Bevölkerungen missbraucht wird; wohl nicht zufällig sind gerade christlich geprägte Kulturen besonders anfällig dafür).


Fazit: Ich kann die Ausführungen des Autors meist nachvollziehen bzw. ihnen zustimmen, jedoch nicht in einem zentralen Punkt:  Mir will es unwahrscheinlich erscheinen, dass sich in der Alltagspraxis der vorchristliche Mensch hinsichtlich der Moral wesentlich vom durchschnittlichen Christen der Antike und des Mittelalters unterschied (von Detailfragen abgesehen). Ein Blick in die mit Niedertracht gefüllten Geschichtsbücher bestätigt mich darin. Erst Humanismus und Aufklärung haben meiner Meinung nach zu einer echten 'Zivilisierung' des Menschen geführt. Sicher, dabei baute man - trotz zunehmender Distanz zur Religion - mitunter unbewusst auf der christlichen Lehre und gerade dem Gebot der Nächstenliebe auf. 
Doch sei es wie es sei, das vorliegende Büchlein hat mir unterm Strich gut gefallen. Es ist kurzweilig geschrieben, gibt Einblick in antike geistig-religiöse Entwicklungsprozesse und enthält darüber hinaus manch interessanten Gedanken, den tiefer zu ergründen sich lohnen kann.

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Sonntag, 5. September 2021

🎧 Hörbares: Der römische Limes -- Der ORF und Nero, ein 44-minütiges Trauerspiel -- Die Geschichte der deutschen Sprache -- Der Untersberg und die Berggeister -- usw.



 Der Limes - Die Außenhaut des Römischen Reichs | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Die deutsche Sprache - Deutsch und seine lange Geschichte | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Jüdische Philosophie - Von Philon von Alexandria bis heute | Spieldauer 25 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Die Geschichte des Bildungsbügertums - Wissen als Währung | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Bildung schützt vor Blödheit nicht - wie etwa die Geschichte des 20. Jahrhunderts eindrucksvoll belegt. Besonders dann nicht, wenn das staatliche Bildungssystem zur Obrigkeits- und Autoritätsgläubigkeit erzieht, anstatt zum Selberdenken und zur kritischen Distanz. Die größten und meisten Blindgänger findet man dementsprechend an den Unis. Also in einem Personenkreis, der der staatlichen Indoktrination zeitlich am längsten ausgesetzt ist. Es hat eben seine Gründe, warum gewisse politische Parteien, welche einst als Fürsprecher der sogenannten "kleinen Leute" groß wurden, mittlerweile die manuelle Arbeit insgeheim verachtet und stattdessen - losgelöst von den Erfordernissen des Arbeitsmarktes - ein möglichst langes Verharren im Bildungssystem predigen. Dass sie selbst mittlerweile in diesem die Diskurshoheit besitzen ist dabei sicher nur reiner Zufall ...

 Der Untersberg und die Berggeister - Alte Kulte und hohe Berge | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Cortez und Malinche, die Urmutter der Mexikaner | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Die Fuggerei in Augsburg - Die älteste Sozialsiedlung der Welt | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

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 Die Akte Nero - Auf den Spuren einer antiken Verschwörung | Spieldauer 44 Minuten | ORF | Stream & Info 
Der obige Link passt eigentlich nicht zu diesem Blog-Posting, weil es sich dabei um keine Audio-Sendung, sondern um ein Video handelt. Aber der ORF löscht dieses in seiner unendlichen Weisheit sehr bald aus der Mediathek, sodass die Zeit drängt. Auf jeden Fall kann man sich die Doku über Nero ja mal ansehen, obwohl bereits der Vorspann eher abschreckt, da er mit feministischen 'Woke'-Elemente vollgepumpt wurde; z.B. einer Wikingerkriegerin, die laut Fachleuten wie Rudolf Simek und Matthias Toplak quasi die evidenzbefreite Wunschvorstellung einer aktivistischen Journaille ist, die ihren epischen Kampf gegen traditionelle Rollenbilder längst auch in der Vergangenheit führt.
Die Spielszenen der Doku wurden übrigens eindeutig in Carnuntum gedreht. Das passt freilich nicht wirklich zum in der frühen Kaiserzeit lebenden Nero, weil die Rekonstruktionen in diesem Freilichtmuseum spätantik sind. Auch war Nero - anders als er hier dargestellt wird - nicht immer rank und schlank, sondern zumindest in seinen späten Jahren ein Dickwanst. Z.B. konnten nicht einmal die auf Beschönigung abzielenden zeitgenössischen Darstelllungen des Kaisers sein großes Doppelkinn verbergen (hierzulande auch "Goder" genannt). Und die Behauptung, Nero sei ein Herrscher mit modernen Ideen gewesen, ausgerechnet damit zu untermauern, dass er Markthallen (Basiliken) und Thermen hat bauen lassen, geht wirklich kaum noch dümmer. Das gehörte schließlich zum Standardprogramm römischer Monarchen, angefangen bei Augustus.
Überhaupt wird die geringe Vertrautheit der Dokumacher mit den antiken Quellen an allen Ecken und Enden sichtbar. Auch Unlogik und schlichte Ignoranz stechen gelegentlich hervor. Hier ein besonders anschauliches Beispiel: Ab ca 05:00 geht es für einige Minuten um die Vergiftung von Neros Stiefbruder Britannicus im Rahmen eines Gelages. Nun heißt es ausdrücklich beim antiken Geschichtsschreiber Tacitus (Annalen XIII,16) - auf den man sich in dieser Doku unentwegt beruft -, dass besagter Britannicus dabei an einem Tisch saß. Der ORF lässt ihn hingegen auf einer Kline liegen. Und weiter gehts: Das verwendete Gift - behaupten die öffentlich-schlechtlichen Rundfunker - hätte unbedingt farblos sein müssen, damit es nicht auffällt, nachdem es in das Wasser geschüttet wurde, mit dem man wiederum den absichtlich zu heiß servierten Trank von Britannicus verdünnte. Mit den vorhandenen Gift-Pflanzen sei das dazumal jedoch nicht machbar gewesen. Wirklich? Ich darf hier nur an die in der Antike bekannte Verwandlung von Rot- in Weißwein mittels Bohnenmehl, Eiweiß oder Rebholzasche erinnern, wie sie im Kochbuch von Apicius beschrieben wird (De re coquinaria I,6). Wenn man damals zu so etwas imstande war - Rotwein ist schließlich ein recht starker Farbstoff -  dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass eine Gift-Mixtur, die - wie in der Doku gezeigt wird - ursprünglich vielleicht nur blassgrün oder blassgelb gewesen ist, ebenfalls farblich neutralisiert werden konnte. Davon abgesehen hätte man eine minimale Rest-Färbung des Wassers etwa bei einem Abendessen kaum erkennen können; die Lichtverhältnisse waren aufgrund der damals üblichen Beleuchtungsmittel (in bessergestellten Haushalten handelte es sich dabei vor allem um Öllampen) verhältnismäßig schlecht. Keinesfalls sind sie mit den heutigen technischen Möglichkeiten auch nur annähernd vergleichbar. Die ebenfalls von den Doku-Machern aufgestellte Behauptung, das Gift hätte außerdem komplett geschmacklos sein müssen, damit Britannicus nicht sofort Lunte riecht, ist der größte Unsinn überhaupt. Denn das vergiftete Wasser wurde ja wie gesagt zum Verdünnen des heißen Getränks verwendet. Dieses aber hatte einen Eigengeschmack, der durchaus hätte in der Lage gewesen sein können, einen Giftgeschmack zu überdecken (die von Nero beauftragten Attentäter hätten derlei mit hoher Wahrscheinlichkeit bedacht). So, nun frage ich mich folgendes: Warum fallen mir - einem kleinen Hobby-Blogger - solche Ungereimtheiten sofort auf, aber nicht den reichlich mit Gebührenknete vollgesogenen ORFlern? Vielleicht wäre es sinnvoll, zukünftig mehr in kompetente Berater zu investieren, anstatt sich den Kriminalpsychologen Thomas Müller als Sprecher anzulachen, dessen Kompetenz sich hier darin erschöpft, mit zusammengekniffenen Äuglein und in bedeutungsschwangerem Tonfall vom Teleprompter abzulesen. 

Freitag, 3. September 2021

📽️ Videos: Ein Imbisslokal in Pompeji -- Dominique Görlitz und die Argonauten der Steinzeit -- Die Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen -- usw.



 Eine Imbisslokal in Pompeji: Il Termopolio della Regio V | Spieldauer 2 Minuten | Youtube | Stream & Info
Es ist schon interessant wie man sich dazumal selbst in einem einfachen Imbisslokal Mühe gegeben hat, durch schöne Wandmalereien und warme Farben ein freundliches Ambiente zu schaffen.


 Tomba di Marcus Venerius Secundio | Spieldauer 3 Minuten | Youtube | Stream & Info 
Im Frühsommer habe ich unter einigen Videos des offiziellen italienischen Pompeji-Youtube-Kanals ein bisschen herumgemeckert, dass es ein Armutszeugnis für so eine international bedeutende Ausgrabungsstätte ist wenn nicht mal ordentliche englische Untertitel zur Verfügung gestellt werden (also nicht dieser automatisch generierte Krempel). Und siehe da, neulich wurde dann plötzlich das obige Video hochgeladen, bei dem besagte Untertitel vorhanden sind. Koinzidenz oder Kausalität? Eigentlich völlig egal, für die Verbesserung bin ich sehr dankbar. Hoffentlich wird man das aber zukünftig öfter so handhaben. Zum Video selbst: Außerordentlich interessant, dass bei dem Toten noch Haare und Haut vorhanden sind - ein archäologischer Glücksfall!


 Sword Scabbards | Spieldauer 13 Minuten | Youtube | Stream & Info 



 1278: Die große Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen | Spieldauer 20 Minuten | Youtube | Stream & Info 
Davon hatte ich noch nie etwas gehört: Bei 03:25 heißt es, aufgrund von Überanstrengung entstand Milchsäure in den Muskeln und machte Ritter mitten in der Schlacht bewegungsunfähig, sodass sie vom Gegner leicht abgemurkst werden konnten. Ich frage mich wie oft das in der Realität vorgekommen ist???


 Die Argonauten der Steinzeit | Spieldauer 31 Minuten | Youtube | Stream & Info
Ein außerordentlich gut gelungener Vortrag des Experimentalarchäologen Dominique Görlitz, in dem er der Forschungsfrage nachgeht, ob bereits in der frühen Bronzezeit Eisen nach Ägypten gelangen und dort für den Pyramidenbau verwendet werden konnte. Seine Argumente scheinen mir relativ solide zu sein.


 Segeln wie die alten Ägypter vor Rügen: Auf Felsbildern dargestellte Steinzeitsegel getestet | Spieldauer 3 Minuten | Youtube | Stream & Info
Der Experimentalarchäologe Dominique Görlitz testet diesen Sommer vor Rügen mit einem kleineren Schilfboot à la Steinzeit das, was er bei seiner geplanten Atlantiküberqueerung in einem großen Schilfboot (Stichwort "Abora") umsetzen möchte.



 Der Schädel des Kara Mustafa | Spieldauer 14 Minuten | Youtube | Stream & Info



 Brian Muraresku: The Secret History of Psychedelics | Spieldauer 112 Minuten | Youtube | Stream & Info
Ein sehr interessantes Gespräch, in dem es unter anderem um die Rolle psychedelischer Drogen (Stichwort LSD) schon bei antiken Mysterien - wie etwa jenen von von Eleusis -  geht (hier ein entsprechender Ausschnitt aus der Sendung). Aber schon in der Steinzeit sollen ja solche Substanzen zum Einsatz gekommen sein. Manch Höhlenmalerei soll angeblich davon zeugen, dass sich die Künstler im Drogenrausch befunden hatten.