Donnerstag, 3. September 2026

😔 Es ist so übel: Die Relativierung des Grauens der Völkerwanderungszeit

Freilichtmuseum Carnuntum


Hannah Arendt und die "Banalität des Bösen"

Der von der Autorin Hannah Arendt vor vielen Jahrzehnten geprägte Begriff von der "Banalität des Bösen" bezog sich auf NS-Schreibtischtäter wie Adolf Eichmann, die sich auf bürokratische Pflichterfüllung beriefen und die Opfer ihres Tuns ausblendeten; so ist zumindest die gängige Wahrnehmung von Arendts Kritik heute. Ihr ging es aber um wesentlich mehr, nämlich um eine grundsätzliche Kritik an der modernen Gesellschaft, am Gruppendruck und am Mitläufertum. Nicht zufällig sprach sie in diesem Zusammenhang von einer Gleichschaltung der Intellektuellen. 

Diese Grundsatzkritik ist leider aktueller denn je, denn sie lässt sich bis zu einem gewissen Grad auf die heutige akademische Landschaft und ihre Verwalter des Wissens übertragen. Beispielsweise moderne Historiker an staatlichen Universitäten agieren in einem massiv bürokratisierten Apparat. Vorbedingungen für eine Karriere sind hier staatliche Wohlgesonnenheit und die weitestgehende Einhaltung des zeitgeistigen Konsenses, auch wenn dieser sich sich allzu oft von der Lebensrealität der breiten Bevölkerungsmehrheit abgekoppelt hat. Man darf hier deshalb getrost - im Sinne Arendts - von Opportunisten schreiben, die es sich in ihrer Systemkonformität gemütlich eingerichtet haben. Die Unis sind kaum noch ein Ort für Diskussionen und fruchtbaren akademischen Streit, sondern intellektuelle Echokammern des Staates und seiner servilen, mit Staatsknete angefütterten Angestellten (Ausnahmen bestätigen die Regel).


Pseudowissenschaftliche Verharmlosung

Ein Paradebeispiel für dieses konformistische Geschleime durch staatliche / staatsnahe Akteure ist das hier von mir schon vielfach aufgegriffene Thema der gezielten Verharmlosung der spätantiken Völkerwanderungszeit. Aus Sicht von Teilen der universitären Historiker-Blase ist es ideologisch bzw. politisch nicht mit gängigen Narrativen kompatibel, wenn diesbezüglich von Migrationskritikern Vergleiche mit heutigen Entwicklungen gezogen werden. 
Nun sind die Zustände von dazumal und von heute oft tatsächlich nicht 1:1 gleichsetzbar; ich selbst rolle immer heftig mit den Augen, wenn etwa zum x-ten Mal das Klischee von der spätrömischen Dekadenz bemüht wird und man der damaligen Bevölkerungsmehrheit unterstellt, sie hätte die meiste Zeit mit "panem et circenses" vertrödelt. Jedoch sagt ein alter Spruch: Geschichte wiederholt sich zwar nicht, aber sie reimt sich. 

Natürlich kann man lückenhafte Geschichtskenntnisse heutiger Migrationskritiker im Detail kritisieren. Es ist auch völlig legitim, Kritik an Zuwanderung per se abzulehnen. Zum massiven Problem wird es jedoch, wenn Historiker mit starkem ideologischem Bias und/oder politischem Anbiederungswillen hier überkompensieren und deshalb die Völkerwanderungszeit faktenwidrig uminterpretieren. Beispielsweise indem man der Öffentlichkeit erzählt, das Alte Rom sei eigentlich gar nicht wegen gewaltsamen Wanderbewegungen von riesigen Menschenmassen zerbröselt, sondern primär wegen wirtschaftlichen Problemen bzw. einer Hyperinflation. Freilich, mit der halben Wahrheit lügt sichs bekanntlich am besten. So auch hier. Denn diese wirtschaftlichen Schwierigkeiten gab es zwar tatsächlich, ablesbare etwa an Maßnahmen wie Kaiser Diokletians Höchstpreisedikt, aber hervorgerufen wurden sie primär durch die ständigen militärischen Konflikte mit Auswärtigen. Das römische Militärbudget explodierte zwingend dadurch. Gleichzeitig brachen die Steuereinnahmen massiv ein, wegen den unzähligen Kriegsopfern und dem Umstand, dass ganze Landstriche demographisch ausdünnten oder gleich komplett entvölkert wurden. Historiker-Aktivisten vertauschen hier demnach Ursache und Wirkung. Dass es selbst in diesen Zeiten des wirtschaftlichen Niedergangs eine Oberschicht gab, die es sich leisten konnte, gewaltige Protzvillen zu bauen, ist hier kein Widerspruch. Wir erleben solche gegenläufigen Entwicklungen in ähnlicher Weise auch heute wieder. Krisengewinnler hat es schließlich schon immer gegeben.
Ein weiterer Schmäh ist das Herumfummeln am Begriff "Volk". Diesen verengt man - eigentlich politisch höchst unkorrekt - im Kontext der Völkerwanderungszeit plötzlich auf "Ethnie". Weil nun aber in der Völkerwanderungszeit einige der überlieferten Völker klar multiethnisch waren (siehe die sog. Hunnen) spricht man dem Begriff "Völkerwanderung" insgesamt die Existenzberechtigung ab. Unabhängig davon, dass dazumal doch auch jede Menge ethnisch homogene Gruppen unterwegs gewesen sind. 
Aus all diesen (ganz oder teilweise erlogenen) Gründen, möge man die Völkerwanderungszeit doch lieber mit dem Begriff "Transformation" umschreiben, verlangen die halbseidenen Pseudoschlauberger mit Habil-Urkunde über dem Lokus. Wer allerdings gezielt so einen zynischen Weichspüler-Begriff pusht, dem geht es offensichtlich nicht um ein sachdienliches Vokabular, sondern man will lediglich heutigen Migrationskritikern retroaktiv den Wind aus den Segeln nehmen. Kurz gesagt: Wenn die massenhafte Vernichtung von Menschenleben und der Untergang ganzer Kulturräume semantisch zum bloßen "Wandel" umgebogen werden, entzieht man diesen unerwünschten Kritikern die Möglichkeit, warnend auf die Geschichte zu verweisen. Das ist mMn die schlichte Absicht dahinter. Zusätzlich läuft diese Strategie darauf hinaus, den Versuch, aus der Geschichte zu lernen, quasi zur Untugend zu erklären. Gehen Sie bitte weiter, es gibt hier nichts zu sehen!


Die Realität

Wie ging es in der spätantike Völkerwanderungszeit und in ihrem unmittelbaren Vorfeld (3. bis 6. Jahrhundert) wirklich zu? Was weiß man darüber?
Nun, hierzu gibt es vor allem zwei Quellengattungen: Die schriftlichen Überlieferungen und die archäologischen Befunde. Während man - genügend ideologische Hinterfotzigkeit vorausgesetzt - die alten Texte als bloße Übertreibungen vom Tisch wischen kann (z.B. gerne gemacht mit der Vita Sancti Severini), so ist dies bei archäologischen Befunden schwerlich möglich. Werden wir aus der betreffenden Zeit doch geradezu erschlagen mit verbrannten Gebäuden und sterblichen Überresten, die auf ein gewaltsames Ende sehr vieler Menschen hindeuten. 
Man muss sich klarmachen: Diese sogenannte "Transformation", die damals stattfand, war primär nichts anderes als eine Aneinanderreihung von gewalttätigen Akten übelster Ausprägung. Einhergehend mit einem massiven Verfall der Lebensqualität beim durchschnittlichen Bewohner des Römischen Reichs. Doch lange ist das alles her, deshalb fehlt uns oft die entsprechend emotionale Bindung. Ich will hier nun den Versuch unternehmen, diese ein wenig wiederherzustellen - mit einer kurzen fiktiven Episode, die aber lose auf Tatsachen bzw. auf realen Quellen beruht. Mehr dazu am Ende des Textes. 

(Hinweis: Kein LLM bzw. keine KI wurde grundsätzlich zum Erstellen des folgenden Textes verwendet; aus Ermangelung eines Lektors habe ich mir aber an wenigen Stellen dabei helfen lassen, allzu holprige Formulierungen zu glätten)


Sie sehen das Blut nicht mehr

Römische Provinz Raetia, 231 n. Chr.

Andronicus lächelte, als er sah, wie eine Spitzmaus unter dem morschen Baumstamm hervorlugte, auf dem er es sich bequem gemacht hatte. Vorsichtig krabbelte das putzige Tier in Richtung eines kleinen Stückchen Fladenbrots, das dem stämmigen Mitt-40er beim Schmausen aus dem Mund gefallen war. Lass es dir schmecken, dachte er sich. Wer weiß, wann du wieder so gut essen kannst.

Denn auch wenn es erst Ende August war, so kündigte sich der Herbst bereits deutlich an - mit häufigen Regengüssen und relativ kühlen Nächten. Dabei hätte man das verdammte Wasser viel früher benötigt, dachte Andronicus bitter. Den ganzen Sommer lang war es viel zu trocken gewesen, sodass die Felder mindestens ein Drittel weniger an Ertrag hervorbrachten als erwartet. Aber wann waren denn überhaupt die Sommer richtig gut? Das lag doch schon viele Jahre zurück, als sein Vater aus dem benachbarten Noricum hier nach Raetia gekommen war! Es schien so, als ob die Götter den Menschen zürnten. Oder halt der eine Gott, wie Andronicu's Frau Suadulla behauptete. Ob sie damit Recht hatte? Bloß ein Gott? Andronicus zweifelte, dass das für alle Menschen auf der Welt ausreichte. Ja nicht einmal für alle Menschen in dieser kleinen Provinz, am östlichen Rand des Reichs. Doch was wusste er schon. Die Legion, in der er zwei Jahrzehnte lang gedient hatte, hatte ihm nicht Philosophie gelehrt, sondern vor allem den Umgang mit Waffen. Und hätte er nicht Suadulla kennengelernt, so würde er wahrscheinlich immer noch im Dienste des Kaisers Severus Alexander stehen. Doch stattdessen hatte Andronicus vor sechs Jahren im Rang eines Centurio den Abschied genommen und sich mit Erspartem und der Mitgift seiner Frau ein Landgut in der Nähe seines alten Stationierungsortes Castra Regina gekauft. Eigentlich konnte er mit seinem Leben ganz zufrieden sein, trotz der mittelprächtigen Ernte, dachte er sich und schob das letzte Stück Brot mit Moretum in seinen Mund. 

Da spitzte Andronicus plötzlich die Ohren. War das weit entfernter Donner, denn er für einen kurzen Moment zu vernehmen geglaubt hatte? Er hielt den Atem an und hörte genauer hin. Aber nein, da war wohl nichts. Zum Glück, denn er hate keine Lust, durchnässt  zu werden.

Er erhob sich langsam, strich die Brotkrumen von der Tunika und schulterte seinen Beutel aus rotem Ziegenleder, den ihm seine Frau zu den vorletzten Saturnalien geschenkt hatte. Es war an der Zeit, die angenehme Ruhe des Walds zu verlassen und zurück nach Hause zu gehen. Jene Lärchen, die in den kommenden Wochen für den Dachstuhl des neuen Getreidespeichers gefällt werden sollten, hatte er ja bereits ausgewählt und mit einem Messer markiert. Genug Arbeit, für diesen Vormittag.

Als er auf den ausgetretenen Pfad zurückkehrte, der direkt zu seinem Heim führte, hörte er es wieder - dieses dumpfe Geräusch. Diesmal war es aber ein kleines Bisschen deutlicher zu vernehmen. Das reichte Andronicus aus: Es war kein ferner Gewitterdonner, sondern es waren Pferdehufe. Viele Pferdehufe. Er stutzte, blieb kurz stehen, nur um dann umso schneller zu gehen, mit immer weiter ausholenden Schritten, bis er schließlich zu laufen begann. Die Patrouille aus Castra Regina, die täglich hier vorbeiritt, kam eigentlich nie um diese Zeit. Und selbst wenn doch, so bestand sie nicht aus genügend Reitern, um dermaßen viel Lärm zu verursachen. 

Als Andronicus endlich den Waldrand erreicht hatte, hielt er leicht schnaufend inne. Die Gebäude des noch rund zwei Stadien entfernten Guts, mit ihren weiß getünchten Mauern und den roten Ziegeldächern, ragten unverändert aus den sie umgebenden Wiesen und Äckern empor. Alles lag so friedlich unter der Mittagssonne da, wie er es am Morgen verlassen hatte. Was bist du nur für ein ängstliches Weib, dachte er sich und begann ein wenig Scham dafür zu empfinden, dass ihm das bloße Trommeln von Pferdehufen bereits in Unruhe versetzt hatte. Einen Augenblick später war die Hölle los.

Die Reiter, deren Pferde Andronicus zuvor gehört hatte, hatten offenbar wie er nur am Waldrand pausiert und sich dort gesammelt. Nun brachen sie aber in einiger Entfernung wie ein tosender Strom hervor. Erst waren es ein Dutzend, dann zwei, dann so viele, dass Andronicus sie nicht mehr zu zählen vermochte. Sie kamen nicht in einer eng geschlossenen Formation, wie man es von römischen Kavalleristen kannte. Stattdessen ritten sie kreuz und quer über die Wiese. Haare flatterten im Wind und über ihren Köpfen blitzten Speerspitzen. Es dauerte nicht lange und die schnellsten Reiter hatten bereits den Stall und das kleine Häuschen des Schäfers erreicht, die dem Landgut ewas vorgelagert waren.

Alamannen, schoss es Andronicus durch den Kopf. Nach dem ersten Schock rannte er sofort wieder los. Zwei Stadien waren plötzlich unendlich weit. Dann hörte er vom Schafstall her, dass Ferox, der Hütehund, wie verrückt bellte und dann abrupt verstummte.

Als Andronicus schon fast beim kleinen Obstgarten zur Linken des Gutes war, sah er Fortunatus, seinen ergrauten Verwalter, zwischen den Apfelbäumen stehen. Ihm näherte sich zügig ein agil vom Pferd heruntergesprungener Alemanne, kaum älter als zwanzig. In der einen Hand eine Spatha, in der anderen einen Rundschild.

"Nein! Halt!", rief Andronicus. Doch es war zu spät, der junge Mann drehte sich nur kurz halb um, sodass sich für einen Wimpernschlag ihre Blicke trafen. Dann ließ er das Schwert niedersausen und der alte Marcus fiel blutüberströmt zwischen die Bäume.

Andronicus schrie. Es war der Schrei eines Menschen, der gerade seine eigene Machtlosigkeit begriffen hatte. Der Mörder wandte sich nach vollbrachter Tat nun ihm zu, mit offensichtlich noch lange nicht gestilltem Blutdurst. 

Andronicus hatte freilich längst sein langes Messer gezückt, das - was für eine Ironie - er vor vielen Jahren einem im Kampf getöteten Alamannen abgenommen hatte.  
Er war noch rund dreißig Schritte entfernt, als neben Marcus' Mörder weitere Bewaffnete auftauchten. 

"Wie viele von euch Bastarden braucht es, um einen römischen Centurio zu töten?!" schrie Andronicus ihnen voller Verachtung entgegen. Sie verstanden seine Worte nicht, doch hielten sie in ihrer Vorwärtsbewegung inne, unschlüssig geworden, was als nächstes zu tun war.  Instinktiv war ihnen bewusst, dass vor ihnen nicht nur der Hausherr stand, sondern ein Veteran, der sich zu wehren wusste. Zahlte es sich da aus, zu versuchen ihn lebend gefangen zu nehmen? Würde jemand für ihn Lösegeld bezahlen?

Einer der Männer reagierte zuerst. Er hob seinen Speer. Andere folgten seinem Beispiel

Und Andronicus dachte an seine Frau.
An seine drei Kinder.
An die fröhlichen Abende mit Kameraden in den Tabernae von Castra Regina.
Und Plötzlich erschien ihm vieles so unbedeutend.
Die Ernte.
Seine glänzenden Phalerae, die in einer Truhe lagen.
Zwanzig Jahre Dienst für Rom.
Wozu das alles?
Aber gibt es vielleicht wirklich nur einen einzigen Gott?
Er schloss die Augen.
Dann kamen die Speere.

Von all dem ahnte Suadulla nichts. Sie hatte gerade im Hof gestanden, und frölich tratschend die Ergebnisse des Tuchfärbens vom Vortag begutachtet, als eines der Sklavenmädchen, hereingestürzt kam. 

"Sie kommen!"

"Wer?"

Das schreckensbleiche Mädchen bekam kein Wort heraus. Dann sah Suadulla selbst die fremden Krieger, wie sie sich dem Hauptgebäude des Gutes näherten. Einige noch auf ihren Pferden, andere bereits abgesessen.

"Ins Haus!", rief sie

Niemand rührte sich.

"INS HAUS! Und das Tor schließen!"

Jetzt kam Bewegung in alle. Theodoros und Lucius, die beiden Söhne des alten Marcus, liefen zum Hoftor und warfen es krachend zu. Das würde die Eindringlinge freilich nur kurz aufhalten .

Suadulla packte ihren elfjährigen Sohn am Arm: "Aulus, wo ist deine kleine Schwester?"

"I... ich glaube, Irene ist drüben im Heu spielen."

Suadulla blickte verzweifelt zum Heuschober, der außerhalb der Umfriedung lag. Und da kletterten auch schon die ersten Alamannen-Krieger über die Mauer. 

Sie schob die letzten Nachzügler ins Haus und zog dann den schweren eisernen Riegel der Tür vor.

"Mama, was ist mit Papa?", fragte Xanthe, ihre älteste Tochter. Suadulla antwortete nicht. Was sollte sie sagen?

Schritte waren von draußen zu hören, Befehle in einer fremden Sprache wurden gerufen, gefolgt von Gelächter. Plötzlich schlug etwas Schweres gegen die Tür. Immer wieder, bis das Holz zu splittern begann. Schließlich gab die Tür nach.

Am Abend brannten die meisten der Gebäude, doch niemand löschte die Flammen. Der Horizont war erleuchtet von vielen weiteren Feuern. Sie markierten die Stellen, wo sich weitere Landgüter und eine Vielzahl kleinerer Höfe befanden. Sie alle waren von Kriegertrupps nahezu zeitgleich überfallen worden - so wie es von langer Hand geplant gewesen ist.
Jene Alamannen, die Andronicus' Heim zerstört hatten, waren schon weitergezogen. Sie hatten genügend gefressen, gesoffen, geraubt, vergewaltigt und gemordet. Zurück blieben die Toten. Und ein fünfjähriges Mädchen namens Irene, das sich im Heuschober versteckt hatte. Die Kleine kam erst heraus, als bereits die Dämmerung hereingebrochen war. Sie fand ihren Vater nicht, auch nicht ihre Mutter. Nur überall Blut, alles voller Blut. Ganz besonders viel davon beim Brunnen. Sie verstand nicht warum. Aber sie sollte ihr ganzes Leben lang nicht mehr die schrecklichen Schreie vergessen, die sie an diesem  Tag aus ihrem Versteck heraus gehört hatte.

Viele Jahrhunderte ziehen ins Land. Niemand erinnerte sich mehr an die kleine Irene und ihre ermordeten Eltern Andronicus und Suadulla. Die Überreste des Landguts sind längst von der Erde verschluckt. Bis sie jemand wiederentdeckt. Archäologen und Historiker werden gerufen, um den Ort zu untersuchen. Sie finden verkohlte Pfosten, Keramikscherben, Knochen mit tiefen Hackspuren und eingeschlagene Schädel. Man kategorisiert, datiert, dokumentiert. Und schließlich schreibt man etwas von einer "Transformation".


Die Quelle

Im Rahmen archäologischer Ausgrabungen auf dem Gelände eines BMW-Werks in der Nähe von Regensburg wurden die Reste eines römischen Landguts erforscht, dessen Zerstörung ca. in die Mitte des 3. Jahrhunderts datiert wird (bekannt unter der Bezeichnung Villa Rustica von Burgweinting / Burgweinting-Harting / Regensburg-Harting / Harting (Grabungsbericht von 1984). In einem verfüllten Brunnenschacht des Geländes fand man die sterblichen Überreste von sieben Erwachsenen und zwei Nichterwachsenen; mehrere dieser Menschen waren miteinander verwandt, wahrscheinlich handelte es sich um die Eigentümerfamilie. Untersuchungen ergaben, dass alle Schädel Spuren von massiver Gewalteinwirkung aufwiesen, die von einem Schwert, einer Axt oder einer Art Stange herrühren. Bei einigen war das Gesicht komplett eingeschlagen worden, bei anderen wurde der Kopf gewaltsam vom Rumpf getrennt. An weiblichen Schädeln finden sich überdies Schnittspuren, die auf eine Skalpierung hindeuten. Bevor die Toten im Brunnen versenkt wurden, zerlegte man die Körper, wie entsprechende Anzeichen an den Wirbeln und sonstigen Knochen bezeugen.
In der Brunnenstube eines zweiten Brunnens lagen die Schädel von vier weiteren Menschen, darunter der von einem Kind; die Befunde an den Knochen sind ähnlich, wobei der Kinderschädel besonders stark zertrümmert ist.

Die Ausgräber gingen ursprünglich davon aus, dass diese Menschen möglicherweise nach dem Überfall von (wahrscheinlich) Germanen/Alamannen geopfert wurden. Heute wird allerdings eingeräumt, dass die Opferung nicht bewiesen werden kann - trotz ähnlicher Befunde anderenorts. Es bleibt die Erkenntnis, dass es sich um einen massiven Gewaltexzess gehandelt hat.



Sonntag, 30. August 2026

🖱️ Spartacus aus dem 3D-Drucker

Wie ich vor einigen Wochen bereits im Blog geschrieben habe, sind mir meine bisherigen Hobbies zu eintönig geworden. Es musste endlich etwas anderes her. Nicht als kompletter Ersatz, sondern als Ergänzung. Über das neu angeschaffte Mikroskop habe ich bereits etwas geschrieben und über die ebenfalls gekaufte Drohne für die Luftbildarchäologie kommt noch etwas. Heute aber  solls einen kleinen Einblick in den 3D-Druck geben. Meinen Drucker (einen Creality Sparkx i7) möchte ich dabei nicht im Detail besprechen, sondern stattdessen kurz zeigen, was man damit machen kann - auch passend zum Blogthema.

Historische bzw. historisierende 3D-Modelle wie dieses, lassen sich in digitaler Form massenhaft im Internet finden. Es gibt dafür spezielle Seiten - die beiden wichtigsten sind Makerworld und Printables. Einfach einen Suchbegriff eingeben, durch die Treffer stöbern (Beispiel "ancient"), das Passende herunterladen, die Datei mit in der (Windows-)Software des 3D-Druckers (sog. 'Slicer') öffnen, daran noch ein paar kleine Einstellungen vornehmen (Druckgeschwindigkeit, Kunststoff-Art, Anpassung der Abmessungen usw), das ganze zum Drucker schicken und ausdrucken (was allerdings Stunden dauern kann, vor allem wenn man eine halbwegs gute Oberflächenqualität wünscht). Selbstverständlich kann man auch selber Modelle konstruieren - sofern man sich mit der 3D-CAD-Software wie "Fusion" halbwegs auskennt. So weit bin ich noch nicht wirklich, aber ich arbeite dran. Bis Jahresende sollte das dann halbwegs gut klappen - ich habe es ja nicht eilig.

Insgesamt kann ich nach ca. drei Monaten 3D-Druckerei sagen, dass ich nie mehr ohne so ein Gerät auskommen möchte. Die Nützlichkeit ist im Alltag immens. Selbst wenn man noch nicht selbst gut am Rechner konstruieren kann, so findet man doch für viele Anwendungsbereich in den gewaltigen Online-Bibliotheken brauchbare Modelle, die bereits jemand anders erstellt hat.


Verschönerung der langweiligen Steckdosenleiste mit einem martialischen Motiv, das eigentlich nur mäßig "3D" ist . Vom Konstrukteur wird es "Spartacus letzte Schlachtszene" genannt - wobei zumindest der beschreibende Text auf der Website sowas von LLM-generiert ist; möglicherweise hat das LLM ("KI") auch am 3D-Modell selbst mitgewirkt, weil das geht mittlerweile ja auch. 
Der einschlägig Vorgebildete erkennt hier natürlich sofort den zeitlich-historisch korrekten gladius hispaniensis mit seiner leicht taillierten Klinge (in der frühen Kaiserzeit langsam ersetzt durch den vereinfachten, aber vergleichsweise hässlichen Typ "Pompeji", der wohl etwas kostengünstiger in der Produktion war). Der historisch eher zweifelhaftem Helm mit Kammaufsatz a la Hollywood (den man sich wahrscheinlich schon vor Beginn der Film-Ära speziell vom berühmten "Prätorianer-Relief" abgeschaut hat) übergehen wir lieber 😁. Ich habe übrigens mit dem Gedanken gespielt, den Kamm am Computer zu entfernen, aber es ist ja auch die Form der Kalotte - die an einen (pseudo)-attischen Helm angelehnt ist - historisch eher zweifelhaft (besonders im dargestellten Kampfkontext). Wenn ich freilich erst einmal die 3D-Konstruktionssoftware vernünftig beherrsche, dann werde ich das anpassen und nochmal ausdrucken. 
Man könnte sich auch fragen, ob es denn passend ist, wenn in dieser Darstellung Spartacus von hinten mit Speeren durchbohrt wurde. Impliziert das nicht für den Laien, dass der antike Sklavenbefreier dem Kampfgeschehen den Rücken zuwandte und floh? In den historischen Quellen (vor allem bei Plutarch, Appian und Florus) heißt es freilich, dass er in der Schlacht gegen den Feldherren Crassus von Feinden umringt, tapfer kämpfend den Tod fand; in einer der Überlieferungen heißt es sogar, dass Spartacus, selbst als er schon verwundet auf ein Knie gesunken war, sich noch gewehrt hatte. So gesehen kann diese dynamische Darstellung im Modell durchaus passend sein überliefertes Ende wiedergeben.


Man kann mit so einem Drucker natürlich auch offensichtlichere dreidimensionale Objekte drucken, wie diesen lustigen Blumentopf in Form einer Spinne. Die Glubschaugen sind handbemalt. Allerdings habe ich für meinen Drucker bereits eine Hardware-Erweiterung (sog. "AMS") bestellt, mit der ich bis zu vier verschiedenfärbige Kunststoffe (sog. Filamente) in einem Objekt verwenden kann. Wenn ich das Gerät erst einmal habe (Liefertermin leider erst Anfang Oktober), dann geht so richtig die Post ab! Diesbezüglich habe ich z.B. bereits sehr schöne und historisch korrekte 3D-Modelle von antiken Tempeln und dem Gizeh-Plateau mit all seinen Ruinen im Auge (sobald gedruckt, werde ich sie hier vorstellen).

Donnerstag, 27. August 2026

🎧 Hörbares: Das Sklaverei-Dilemma und die Sokrates-Haltung -- Mittelalter-Siedlung Kühlingen gibt Rätsel auf -- Die Nibelungen oder die deutsche Faszination am Untergang -- Mystik, Macht und sexuelle Vorwürfe im Kloster -- usw.


Audimax: Michael Esfeld - Das Sklaverei-Dilemma und die Sokrates-Haltung | Spieldauer 56 Minuten | Kontrafunk | Stream & Info | Direkter Download

 Frühe Seefahrer knüpften Netzwerke über das Mittelmeer | Spieldauer 2 Minuten | MDR | Stream & Info

 Erst aufgeräumt, dann verlassen? Mittelalter-Siedlung Kühlingen gibt Rätsel auf | Spieldauer 1 Minute | MDR | Stream & Info 

 In Sachsen-Anhalt haben sich Menschen über Jahrtausende in die Höhe gewohnt | Spieldauer 1 Minute | MDR | Stream & Info 

 Audimax: Die Nibelungen oder die deutsche Faszination am Untergang | Spieldauer 55 Minuten |Kontrafunk | Stream & Info | Direkter Download

 17. Jahrhundert: Astronom Johannes Kepler verteidigt seine Mutter im Hexenprozess | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 17. Jahrhundert: Die Ordensschwester Benedetta Carlini - Mystik, Macht und sexuelle Vorwürfe im Kloster | Spieldauer 15 Minuten | WDR  | Direkter Download

 17. Jahrhundert: Ordentlich Dampf auf dem Kessel bei Denis Papin | Spieldauer 15 Minuten | xx | Direkter Download

Audimax: Helmut Berschin - Die Anrede im Deutschen, Du oder Sie? | Spieldauer 56 Minuten | Kontrafunk | Stream & Info | Direkter Download
Als ich ein Kind gewesen bin, war es völlig unüblich, dass man Wildfremde duzt. Das hat sich dann aber in meiner Jugend bereits langsam zu ändern begonnen - höchstwahrscheinlich durch den lockeren Umgangston im Internet. Mittlerweile ist das sehr weit verbreitet, und auch wenn ich Fremde in der Offline-Welt niemals als erster duzen würde, so ist es mir relativ wurscht, wenn Leute es auf mich bezogen anders handhaben. Ausnahmen: Wenn mir jemand blöd kommt (wobei ich dann sowieso eine 'short fuse' habe) oder wenn es Unternehmen machen; so geht mir beispielsweise die IKEA-Werbung besonders auf den Keks. Kurioserweise duzen einen die Mitarbeiter vor Ort aber inkonsequenterweise nicht. ^^


Sonntag, 23. August 2026

📽️ Videos: SENSATION, SENSATION, SENSATION!!! --- Archäobotanikerin Barbara Zach -- Auf der Suche nach dem Herrn der Himmelsscheibe -- Traumschlösser und Ritterburgen im Südburgenland -- usw.


 Sensationelle Ausgrabung bei Berglern | Spieldauer 2 Minuten | BR | Stream & Info 
Archäologische "SENSATION"! Bajuwaren lebten in Bayern!!! 😆 Diese Archäo-Marktschreier gehen mir sowas von auf den Keks. Gefühlt jeder zweite Befund wird als "Sensation" in den Äther hinausposaunt. Ich kann mich auch nach all den Jahren immer noch nicht daran gewöhnen - und ich mag auch nicht.

Besonderes Ferienangebot: Ausgrabungen in der Altmark | Spieldauer 3 Minuten | MDR | Stream & Info

 Forensische Archäologie: Alte Tatorte unter der Lupe | Spieldauer 3 Minuten | BR | Stream & Info 

 Archäologen entdecken Hamburgs ersten Hafen von 1189 | Spieldauer 2 Minuten | NDR | Stream & Info 

 Archäobotanikerin Barbara Zach | Spieldauer 8 Minuten | BR | Stream & Info 
Mich würde der Frauenanteil in der Archäobotanik interessieren. Gehe ich nach dem, was ich seit mindestens 20 Jahren beobachte, dann könnte der mittlerweile locker bei 70 bis 80 Prozent liegen. Wo bleibt hier die Forderung nach einer Männerquote? ^^

 Traumschlösser und Ritterburgen: Das Südburgenland | Spieldauer 44 Minuten | ORF | Stream & Info 
Von dort kommen ca 50 Prozent meiner Verwandten. Ich glaube, die wären irritiert, wenn sie wüssten, dass ich es für einen historischen und finanziellen Fehler halte, dass das Burgenland nach dem 1. Weltkrieg als eigenes Bundesland kreiert wurde...

 Sanierung: Siechenhaus kränkelt selbst nicht mehr | Spieldauer 3 Minuten | BR | Stream & Info 

 Quedlinburg: Junge Menschen retten alte Türme | Spieldauer 3 Minuten | BR | Stream & Info

 Bornhöck - Auf der Suche nach dem Herrn der Himmelsscheibe (Reupload) | Spieldauer 13 Minuten | Landesmuseum für Vorgeschichte Halle | Stream & Info 



Freitag, 21. August 2026

🎧 Hörbares: "Dies Alliensis", der verfluchte 18. Juli im alten Rom -- Wie Archäologie in Israel politisch instrumentalisiert wird -- Wie der Vatikan Bücher zensiert hat -- Nostradamus, der düstere Prophet -- Wie friedlich waren unsere steinzeitlichen Vorfahren -- usw.


 Dies Alliensis - der verfluchte 18. Juli im alten Rom | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 Der Tag, an dem Barbarossa verschwand - und Italien gewann | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 Moskau brennt: Der Überfall der Krimtataren | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 Wie der Vatikan Bücher zensiert hat | Spieldauer 15 Minuten | BR | Direkter Download

 Die harte Hand der Gegenreformation: Papst Paul IV. | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 Nostradamus: Der düstere Prophet aus der Provence | Spieldauer 15 Minuten | 15 | Direkter Download

 Ende der Altsteinzeit: Wie friedlich waren unsere Vorfahren? | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download
Astreine Kaffeesudleserei wird zum Faktum erklärt. Von wegen 'Wissenschaft' und so...

 Rembrandt: Vom Star-Maler zum bankrotten Außenseiter | Spieldauer 15 Minuten | WDR |  Direkter Download

 1896: Der "Nasenjoseph"- Ein Berliner Arzt und die Schönheitschirurgie | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 Warum Karl IV. nicht der Friedenskaiser des Mittelalters war | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 Israel und Palästina: Wie Archäologie politisch instrumentalisiert wird | Spieldauer 14 Minuten | DF | Stream & Info
Wieso schreiben die eigentlich "Israel/Palästina"? Der Staat heißt offiziell Israel, und dort leben Juden und Palästinenser (Moslems, Christen). Wenn überhaupt, dann hätte man schreiben müssen 'Wie Archäologie von Juden und Palästinensern in Israel politisch instrumentalisiert wird'. Aber ich weiß schon, negative Zuschreibungen im Zusammenhang mit dem Begriff "Juden" verursachen beim typischen deutschen Journalisten Angstzustände. Da schwafelt man lieber diffus etwas von "Israel" oder - mein absoluter Favorit - von "Israelis", obwohl, wie oft aus dem Kontext hervorgeht, nur die Juden mit israelischem Pass gemeint sein können, hingegen ganz sicher nicht die Palästinenser mit israelischem Pass - die es ja auch zuhauf gibt, was aber oft 'vergessen' wird.

 Der Muskatnuss-Kapitalismus von 1621 und die mörderischen Folgen | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download


Sonntag, 16. August 2026

📽️ Videos: Hinweise auf große Kelten-Stadt in Kärnten gefunden -- Die Bibelfälscher -- Historische Eisenforschung -- Mit dem Mittelalter in die Zukunft -- Der Schmuckdolch von Storkau -- Moderne Technik prüft Legende -- usw


 Noreia oder nicht? - Hinweise auf vorrömische Kelten-Stadt gefunden | Spieldauer 3 Minuten | ORF | Stream & Info 
Toll, wenn sich Archäologen kleiden, also ob sie noch in der Zeit von Robert Koldewey, Howard Carter und Arthur Evans leben würden 😁. 

 Archäologe und Museumsdirektor Prof. Dr. Matthias Wemhoff auf dem Roten Sofa | Spieldauer 37 Minuten | NDR | Stream & Info 

 Die Bibelfälscher (1/2) | Spieldauer 46 Minuten | arte | Stream & Info 

 Historische Eisenforschung: Amberger Schwertstahl | Spieldauer 8 Minuten | BR | Stream & Info 

 Annette Kehnel – Mit dem Mittelalter in die Zukunft | Spieldauer 59 Minuten | BR | Stream & Info

 Künstler Felix Karweik holt das Mittelalter in die Gegenwart | Spieldauer 3 Minuten | NDR | Stream & Info 

 Das Geheimnis der Urzeitmütter | Spieldauer 52 Minuten | ARD | Stream & Info 
Naja...

Der Schmuckdolch von Storkau | Spieldauer 6 Minuten | Landesmuseum für Vorgeschichte Halle | Stream & Info 



Dominique Görlitz: Der Tunnel zur Kirche? Moderne Technik prüft eine alte Legende | Spieldauer 34 Minuten | Abora TV| Stream & Info 



 Baum vom Morteratsch erzählt aus über 10.000 Jahren Klimageschichte. Gletscher. Eiszeit & Warmzeit | Spieldauer 30 Minuten | NDR | Stream & Info 
Ein ganz aktuelles Video über ebenfalls ganz aktuelle Forschungsergebnisse. Grundsätzlich ist dieser Wetter-Youtubekanal empfehlenswert.


Freitag, 14. August 2026

🎧 Hörbares: Die wahre Kleopatra -- König Otto I. und eine Krönung voller Rätsel -- König Roderich und der Untergang des Westgotenreichs -- Religionspolitik beeinflusst türkische Archäologie -- Tycho Brahe -- usw.


 Antike: Die wahre Kleopatra - kein Milchbad, keine Schlange | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download
Und maximalpigmentiert war sie auch nicht. Aber über diesen krassen Nonsens, der seit ein paar Jahren medial unter die Leute gebracht wird, traut sich die Frau Historikerin nicht drüber. So wie man im öffentlich-schlechtlichen Dummfunk auch auffällig wenig über das "race-swapping" in der jüngsten Odysseus-Verfilmung hört. Will heißen: Man darf schon Geschichtslügen kreieren, solange diese aus der weltanschaulich eigenen Blase kommen. Doch wehe, es vergleicht ein Außenstehender die spätantike Völkerwanderung mit heute - huiuiui, dann befällt manch professoralen Uni-Schlauberger der Gratismut und er speit von seinem Elfenbeinturm Feuer herab. Dann wird aus den archäologisch unübersehbaren Brand- und Zerstörungshorizonten plötzlich eine begrifflich weichgespülte "Transformation". Und außerdem seien das ja auch gar keine richtigen Völker gewesen, sondern ethnisch total "diverse" Gruppen (was eine spannende historische Einengung des Begriffs "Volk" ist, wenn man bedenkt, dass dergleichen - angewendet auf das heutige deutsche Staatsvolk - schnell den sogenannten 'Verfassungsschutz' dazu veranlassen würde, irgendetwas von völkisch zu raunen). Bei so viel ideologisch bedingter Realitätsverweigerung braucht sich niemand Wundern, dass die Zuschreibung "Experte" immer mehr zum Deppenstempel mutiert. Zum Glück bin ich selber nie in die Forschung gegangen; das hätte nur böse enden können, da mir Gruppendruck und weltanschauliches Kreiswichsen zuwider sind.

 Renaissance: Tycho Brahe, der Sternenforscher mit der falschen Nase | Spieldauer 15 Minuten | WDR  | Direkter Download

 Frühmittelalter: König Otto I.: Eine Krönung voller Rätsel | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 Steinzeit: Warum der Neandertaler uns ähnlicher ist, als wir denken | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 "Nine-Eleven" von 1916: Deutsche Agenten erschüttern New York | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download
"... wieso die Bundesrepublik noch bis 1979 für die Schäden aufkommen muss." Da frage ich mich: Wer hat eigentlich die Hinterbliebenen der hunderttausenden zivilen Todesopfer der Hungerblockade des 1. Weltkriegs entschädigt? Apropos: Den Schülern erzählt man heute, der österreichische Landschaftsmaler und seine Parteigenossen seien eigentlich bloß wegen der Weltwirtschaftskrise gewählt worden (nebenbei bemerkt, das auch nur von ca. einem Viertel der Gesamtbevölkerung - von wegen "DIE Deutschen" hätten diesem Kretin bzw. seiner nationalen Sozi-Partei 1933 ihre Stimme gegeben); im besten Fall erwähnt man noch die erzwungenen Gebietsabtretungen als Begründung. Dass hingegen dieses Mega-Kriegsverbrechen vielen Wählern noch in äußerst böser Erinnerung war - wie man sehr schön in den Zeitungen von damals nachlesen kann - lässt man unter den Tisch fallen. Freilich, in Gustave Le Bons weltberühmtem Buch "Psychologie der Massen"  (1895) steht bereits, dass bei der Manipulation bzw. Indoktrinierung von Menschen Graustufen bzw. Differenzierungen schaden. Schwarz-weiß muss stattdessen alles dargestellt werden. Und zum Schluss die Pointe: Auch der besagte Landschaftsmaler kannte dieses Buch sehr gut und nutzte die darin enthaltenen Ratschläge ausgiebig - so wie eben auch heute seine posthumen Bekämpfer, die unter anderem die Lehr- und Unterrichtspläne erstellen.

 Frühmittelalter: König Roderich und der Untergang des Westgotenreichs | Spieldauer 15 Minuten | 15 | Stream & Info 
Hmmm, da hat man aber - sicher nur rein zufällig - einen Akteur vergessen zu erwähnen. Und das obwohl der doch in den Primärquellen dieser Zeit mehrfach vorkommt. Beispielsweise in den Akten des Konzils von Toledo (ca 694), in der Mozarabischen Chronik (ca 754). Und auch später wird in mittelalterlichen arabischen Quellen (z.B. bei  Ibn al-Athīr im 12./13. Jh.) mehrfach darauf eingegangen, wie eine ganz bestimmte Bevölkerungsgruppe in Spanien fleißig dabei mitgeholfen haben soll, das islamische Heer ins westgotisch-christliche Land und in seine befestigten Städte hereinzulassen? Na, wer weiß, wer gemeint ist? ^^

 Türkei: Religionspolitik beeinflusst, welche Ausgrabungen finanziert werden | Spieldauer 9 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download
Sage ich schon seit Jahren - unter anderem in meinem Beitrag über die Verunstaltung von Göbekli Tepe. Ein großes Problem dabei ist das 'Schleimertum' von Akteuren wie dem Deutschen Archäologischen Institut (DAI). Anstatt klare Kante zu zeigen und Erdogans Religiotenstadl sich selbst zu überlassen, antichambriert man untertänigst, damit deutsche Archäologen dort weiterhin Karriere machen können. Freilich, sie selbst sehen sich als völlig selbstlose Wissenschaftler. Aber so ist es ja immer: Egoismen rationalisiert man sich mit angeblich hehren Beweggründen zurecht. Wenn man während des Studiums schon sonst nichts Nützliches gelernt hat, dann zumindest diese Art von Mentalgymnastik. Wie hat mir mal eine Klassische Archäologin so schön gesagt: Viele ihrer Kollegen sind die geborenen Limbo-Tänzer, da ihr Rückgrat wie aus Gummi ist...

 Was Menschen seit Jahrtausenden im Himmel suchen | Spieldauer 55 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download


Dienstag, 11. August 2026

📽️ Videos: Das Rätsel von Marokko -- Auf Schatzsuche in Bayerns Böden -- Ottonische Stiftskirche Walbeck -- Knochenfunde in der Würzburger Festung -- usw.


 Dominique Görlitz: Das Rätsel von Marokko - warum Rabat und Lixus so wichtig sind – Teil 1 | Spieldauer 55 Minuten | Abora TV | Stream & Info 



 Dominique Görlitz: Das Rätsel von Marokko - Mogador, Cart Ruts und die Atlantik-Spur – Teil 2 | Spieldauer 41 Minuten | Abora TV | Stream & Info 



 Roms Müllwirtschaft: Recyclinggeschichte | Spieldauer 22 Minuten | Ancient Rome Live | Stream & Info 
Ein gutes Video und grundsätzlich auch ein guter Youtubekanal mit hoher Informationsqualität. Wobei ich die englische Originaltonspur bevorzuge.


 Knochenfunde in der Würzburger Festung | Spieldauer 3 Minuten | BR | Stream & Info 

 Archäologie: Kanone und Glocke aus Schiffswracks vor Rügen gefunden | Spieldauer 1 Minute | NDR | Stream & Info 

 Auf Schatzsuche in Bayerns Böden | Spieldauer 10 Minuten | BR | Stream & Info 

 Antikes Schiffswrack vor Küste Siziliens entdeckt | Spieldauer 1 Minute | BR | Stream & Info 
Findet den Fehler: "das Wrack eines mehr als 2000 Jahre alten Schiffs entdeckt."... "aus der Spätphase des römischen Reichs".  ^^ Ich habe keine Lust, das nachzugoogeln. Aber mich würde es nicht wundern, wenn in der originalen Presseaussendung etwas von der Spätphase der Römischen Republik gestanden ist.

 Ottonische Stiftskirche Walbeck: Ruine mit erstaunlicher Geschichte | Spieldauer 2 Minuten | MDR | Stream & Info 
Mellers Frisur wird auch immer skurriler... Und ich weiß wovon ich rede, sah ich mich doch schon vor einigen Jahren vor die Wahl gestellt, irgendwann auch so seltsam rumzulaufen oder mir vorher lieber die Rübe auf 0,2 mm abzurasieren. Ich habe mich für die zweite Möglichkeit entschieden 😀.


Samstag, 8. August 2026

🎧 Hörbares: Living History bei den Bachrittertagen in Kanzach -- Die Lügensteine von Würzburg -- Edo, die größte Stadt der Welt -- Die polnischen Teilungen -- Heinrich VIII. -- usw


 Bachrittertage in Kanzach: Leben wie im Mittelalter | Spieldauer 4 Minuten | SWR | Stream & Info 

 Die Lügensteine von Würzburg - Fake-Fossilien im Jahr 1725 | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Kopernikus - Revolutionär wider Willen | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Heinrich VIII. - Der gefährliche Gatte auf dem englischen Thron | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Edo, die größte Stadt der Welt - Tokyo im 18. Jahrhundert | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Polen im Netz der Nachbarn - Die polnischen Teilungen | Spieldauer 23 Minuten | ARD | Stream & Info | Direkter Download

 250 Jahre USA - Der König, der Amerika verlor | Spieldauer 24 Minuten | ARD | Stream & Info | Direkter Download

 250 Jahre USA - Thomas Paine, der unbekannte Gründervater | Spieldauer 23 Minuten | ARD | Stream & Info | Direkter Download

Port Arthur – Die berüchtigte Strafanstalt auf Tasmanien | Spieldauer 20 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

200 Jahre Fotografie: Zwischen historischem Meilenstein und neuer Skepsis | Spieldauer 11 Minuten | SWR | Stream & Info 


Mittwoch, 5. August 2026

⛏️ Vom antiken Baumeister Vitruv lernen: Warum frisch gebrochener Stein aus dem Steinbruch erst "reifen" musste



Ich habe noch nie in meinem Leben so viele vergammelte Fassaden bei neuen Gebäuden gesehen wie in den letzten Jahren. Schimmel, Algen und Pilze wohin das Auge blickt. Auch wenn die Bude erst zwei Jahre steht, sieht sie aus wie 20 Jahre ohne Pflege. Grund dafür ist eine Kombination aus hirnlosen Dämmvorschriften und Flachdächern ohne schützendem Überstand.  


Schlauer als heute

Selbst im Alten Rom agierte man am Bau bereits mit mehr Verstand. Zwar gab es auch damals schon Baupfusch, jedoch war dieser - anders als heute - nicht beabsichtigt. Ganz im Gegenteil, der römische Autor, Architekt und Baumeister Vitruv legt uns in seinem Werk "De architectura libri decem" ("Zehn Bücher über Architektur") nahe, dass man dazumal sehr vorausschauend ans Werk ging. In seinen Ausführungen finden sich beispielsweise Ratschläge, die das allzu schnelle Vergammeln von Gebäuden verhindern sollen - womit wir einen schönen Bogen zur oben beschriebenen Bau-Misere unserer Gegenwart spannen.

Im siebenten Kapitel des zweiten Buchs geht es zu Beginn darum, welche Gesteinsarten es in den Steinbrüchen rund um Rom gibt, und inwiefern diese sich fürs Bauen eignen. Die Rede ist hier von weichem Stein (Rotstein/rotbrauner Tuff, Pallienser, Fidenater, Albaner), mittelharter Stein (Tiburtiner, Amiterner, Soraktinerstein) und harter Stein (Basalte). Wenn nun die Umstände dazu führten, dass man mit einem weicheren Stein wie Tuff baute (z.B wegen deutlich niedrigeren Transportkosten), dann sollte laut Vitruv folgendermaßen vorgegangen werden.

Da also wegen der Nähe die Notwendigkeit dazu zwingt, sich des Materials aus den Rotsteinbrüchen und aus den palliensischen und welche sonst der Stadt zunächst liegen, zu bedienen, so wird, wenn einer fehlerlos bauen will, bei der Beschaffung Folgendes zu beobachten sein. Wenn etwas gebaut werden soll, so sollen die Steine zwei Jahre vorher, und zwar nicht im Winter, sondern im Sommer gebrochen werden und an ungeschützten Orten liegen bleiben; die aber, welche in diesem Zeitraum von zwei Jahren durch das Wetter angegriffen und verletzt worden sind, diese senke man in den Grundbau; die übrigen, welche nicht beschädigt sind, werden dann, als von der Natur erprobt, wenn sie zum Bau über der Erde verwendet werden, auszudauern imstande sein. Und dies ist nicht bloß bei Quadersteinen zu beobachten, sondern auch beim Mauerwerk aus Bruchsteinen.
Vitruv | 10 Bücher über Architektur, 2.7.4 | Übers.: Franz Reber | Marix Verlag | 5. Auflage, 2019


Warum im Sommer?

Es stellt sich die interessante Frage: Warum sollten die Steine im Sommer gebrochen werden? Die moderne materialwissenschaftliche Interpretation dieses Punkts ist durchaus faszinierend: Wenn Minerale frisch aus dem Steinbruch kommen, enthalten sie sogenanntes "Grubenwasser"/"Porenwasser". Friert dieses Wasser zur Winterzeit im frisch gebrochenen, noch relativ 'weichen' Stein, kommt es zu Sprengungen und Haarrissen. Im Sommer ist die Situation anders; hier verdunstet das Wasser nämlich langsam. Dabei wandern gelöste Minerale an die Oberfläche des Steins und rekristallisieren dort. Dies führt zu einer natürlichen Oberflächenhärtung (sogenannte Sinterhaut), die den Stein schützt. 

Man ging dazumal allerdings auf Nummer sicher und lagerte deshalb die Steine zwei Jahre im Freien, wo sie zwei Frostzyklen durchlaufen mussten. Mögliche Mängel wurden hier individuell sichtbar, bevor der Stein verbaut wurde. Eine äußerst kluge Vorgehensweise und einer der frühesten uns überlieferten Belege für Qualitätssicherung im Bauhandwerk.

Allerdings soll auf solchen Sinterschichten Verputz schlecht haften, da diese wie Isolier- bzw. Trennschichten wirken. Daraus folgere ich, dass die entsprechenden Steine wohl vor allem für Sichtmauerwerk verwendet wurden. Jedoch... (siehe unten).


Welche Steine?

Ich muss abschließend darauf hinweisen, dass mir nicht ganz klar ist, ob Vitruv hier nur von behauenen Steinquadern spricht oder ob sich sein Rat auch auf Bruchsteine erstreckt, die - wild durcheinander gewürfelt - als Füllmaterial in Mauerwerk aus römischem 'Beton' bzw. Mörtel Verwendung fanden ("opus caementicium"). Man könnte ja meinen, dass es bei diesen Füllsteinen eigentlich egal ist, ob sie später Risse bekommen. Doch es muss hier bedacht werden, dass das dafür verantwortliche Wasser, welches sich nach dem Einbetonieren während Frostphasen in Form von Eis ausdehnt, auch Stress im umgebenden Mörtel verursacht (ähnlich wie rostende Stahlarmierungen modernen Beton von innen heraus sprengen können). Von daher könnte es unter Umständen ratsam gewesen sein, auch Bruchsteine eine gewisse Zeit liegen zu lassen. Es gibt jedenfalls Bauforscher, die davon ausgehen. Ob es in der Antike aber wirklich immer so gemacht wurde ist eine andere Frage und hängt vielleicht von Faktoren wie der Gesteinsart ab. 


Sonntag, 2. August 2026

📽️ Videos: Geschirrwerkstatt aus der Römerzeit in Hannersdorf entdeckt -- 1400 Jahre alte Bajuwarensiedlung entdeckt -- Die jungsteinzeitliche Schachtgruben von Pömmelte -- Dominique Görlitz über den Klimawandel im Spiegel antiker Kulturen -- usw.


Archäologen graben Geschirrwerkstatt aus der Römerzeit in Burg aus | Spieldauer 3 Minuten | ORF | Stream & Info
Keine zehn Pferde würden mich dazu bringen, bei der derzeit vorherrschenden Affenhitze zu graben. Immerhin, der Bürgermeister von Burg/Hannersdorf wagt sich ebenfalls ins Freie, um in die ORF-Kamera Banalitäten abzusondern...

1400 Jahre alte Bajuwarensiedlung entdeckt | Spieldauer 4 Minuten | BR | Stream & Info 

Cooking for William the Conqueror's Army of 1066 | Spieldauer 25 Minuten | Tasting History | Stream & Info 



 Die jungsteinzeitliche Schachtgruben von Pömmelte | Spieldauer 9 Minuten | Landesmuseum für Vorgeschichte Halle | Stream & Info



 Dominique Görlitz: Klimawandel im Spiegel antiker Kulturen | Spieldauer 43 Minuten | Youtube | Stream & Info

 Römer, Griechen, Mittelalter: So wurde unsere Geschichte gefälscht! | Spieldauer 64 Minuten | Flavio von Witzleben | Stream & Info
Sicher, es gibt in der Überlieferung gewaltige Ungereimtheiten, und es ist absolut wichtig, wenn man darauf klar hinweist (tritt die offizielle Geschichtsforschung doch oft genug als zu selbstsicher auf), aber aus all dem ergeben sich nicht zwingend so weitreichende Implikationen.


Freitag, 31. Juli 2026

🎧 Hörbares: Der rätselhafte Tote aus dem Mittelalter -- Der Mythos vom Priesterkönig Johannes -- Die Bibliothek von Alexandria -- Keltisches Dorf in der Eifel freigelegt -- usw.


Wie mir der Sommer dieses Jahr auf den Zeiger geht... mehr noch als üblich. Das Grazer Becken ist ja so unendlich schwül, da lass ich mich lieber drinnen von der Klimaanlage kühlen und vertreibe mir die Zeit mit Hörbarem 😊.


 Der rätselhafte Tote aus dem Mittelalter | Spieldauer 5 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Politisch wirksame Fälschung – Der Mythos vom Priesterkönig Johannes | Spieldauer 8 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Die Bibliothek von Alexandria - Der Traum vom universellen Wissen | Spieldauer 24 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Ausgrabungen in Mainz: Minengänge und römische Sarkophage entdeckt | Spieldauer 1 Minute | SWR | Stream & Info 

 Keltisches Dorf in der Eifel freigelegt: So lebten die normalen Leute in der Eisenzeit | Spieldauer 3 Minuten | SWR | Stream & Info 

 Niedrigwasser lockt Schatzsucher an den Rhein | Spieldauer 1 Minute | SWR | Stream & Info 

 "Fund des Jahres": Forscher finden 40.000 Jahre alte Vogelfiguren in Höhle | Spieldauer 1 Minute | SWR | Stream & Info 

 Zwischen Genuss und Askese – Klösterliche Ernährung im Mittelalter | Spieldauer 8 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Zeitenwende 1600 (1/4) Claude Le Jeune - Im Kreuzfeuer der Konfessionen | Spieldauer 32 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Zeitenwende 1600 (2/4) Maddalena Casulana - Stimme einer starken Frau | Spieldauer 28 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Zeitenwende 1600 (3/4) John Dowland - Lautenstar auf Jobsuche | Spieldauer 31 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Zeitenwende 1600 (4/4) Hans Leo Haßler - Aufsteiger in einer neuen Zeit | Spieldauer 31 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Tyrannenmord - Heldentat oder Verbrechen? | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Eine Heldentat ist es unter Umständen, wenn man damit weitere Verbrechen verhindert. Sollte das Kind aber bereits in den Brunnen gefallen sein, dann ist es Rache - siehe etwa der nach dem Sezessionskrieg über den Haufen geschossene Abraham Lincoln; er hatte die US-Verfassung zigfach schwer gebrochen, um einen Krieg anzuleiern, der schlussendlich rund 800.000 Opfer forderte. Lincolns Missetaten, die ihn mMn zum Tyrannen par excellence machten: Aussetzung des "Habeas Corpus" (Schutz vor willkürlicher Verhaftung); das Ignorieren der Judikative bzw. das Nichtbefolgen von Gerichtsurteilen;  die Durchführung rechtswidriger Militärtribunale gegen unzählige Zivilisten; das massive Missachten des Rechts auf freie Rede (1. Verfassungszusatz) und damit verbunden das Schließen hunderter (!) Zeitungen sowie das Einsperren hunderter Journalisten; das rechtswidrige Verhaften v on Kongressabgeordneten, um die sich abzeichnende Sezession des Bundesstaates Maryland zu verhindern; die gewalttätige und rechtswidrige Verhaftung eines Richters, weil der Lincolns kriminelle Handlanger juristisch zur Verantwortung zog (der Richter wurde dann während einer Verhandlung von Lincolns Soldateska blutig und bewusstlos geschlagen, um ihn anschließend ohne Prozess wegzusperren); die rechtswidrige Verhaftung tausender Oppositioneller im Norden, weil die sich für das Recht des Südens auf Sezession aussprachen usw. usf. Lincolns nunmehr positives Bild in der Öffentlichkeit ist ein Paradebeispiel dafür, dass Geschichte von den Siegern geschrieben wird. Es ist in diesem Zusammenhang hochgradig verlogen, wenn Lincoln auf die Sklavenbefreiung reduziert wird - die ihm nachweislich ja nie ein zentrales Anliegen war, sondern vielmehr das gewaltsame Unterdrücken einer Unabhängigkeitsbewegung in den südlichen Landesteilen. Bis heute lässt man die nachgeborene US-Bevölkerung - hier sind vor allem die Schüler zu nennen - über die Ausmaße von Lincolns Verbrechen im Unklaren. Stattdessen schickt man Schulklassen massenhaft zu seinem protzigen Denkmal, um dort diesem ausgesprochenen Antidemokraten zu huldigen.