Donnerstag, 21. Juni 2018

Hörbares: Antike Schriften -- Geschichte der Leuchttürme -- Jüdische Kultur in Nordafrika -- usw.



3D-Animation vervollständigt antike Schriften | Spieldauer 6 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Streit wegen König Davids Palast in Ost-Jerusalem | Spieldauer 7 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 "Wächter der See - Die Geschichte der Leuchttürme" | Spieldauer 5 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Jüdische Kultur in Nordafrika | Spieldauer 14 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Archäologische Ausgrabungen in Turkmenistan: 4000 Jahre alte Kultur mit Fotoausstellung lebendig gemacht | Spieldauer 5 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Eingewanderte Worte - Eine Runde Ruhrpottdeutsch | Spieldauer 8 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

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Mittwoch, 20. Juni 2018

Krimskrams: Bücher-Schnäppchen -- Altägyptische 'Schnabelschuhe'?

Bücher-Schnäppchen

Auch auf die Gefahr hin, hier ein bisschen den Eindruck eines Marktschreiers zu vermitteln, so möchte ich doch darauf hinweisen, dass der geschätzte Taschen Verlag - von dem ich hier schon mehrere Bücher besprochen habe (Bsp.) - in seinen Läden in Berlin, Hamburg und Köln vom 21. bis 23. Juni auf Exemplare von Toptiteln bis zu 75 % Rabatt gewährt.

Für bibliophile Schnäppchenjäger, die in oder in der Nähe dieser Städte wohnen, ist das sicher ein interessantes Angebot!

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Altägyptische 'Schnabelschuhe'?

Jemand hat mich wegen meiner ausführlichen Kritik hinsichtlich der TV-Serie "Tut - der größte Pharao aller Zeiten" kontaktiert. Alles schön und gut, meinte der 'Leserbriefschreiber', aber woher will man denn wissen, dass Pharao Tutanchamun nicht einst wirklich solche Schuhe, wie sie in der Serie zu sehen sind, getragen hat?

Ganz einfach deshalb, weil hier ziemlich offensichtlich ist, welche altägyptischen Bildquellen extrem schludrig interpretiert wurden. Siehe die nachfolgende Gegenüberstellung.

Links: Schuhe aus der TV-Serie "Tut" (Bildzitat | Urheber: Spike | Quelle: Youtube)
Rechts: Schuhe von Echnaton, "Tuts" Vater (Quelle in hoher Auflösung)

Eine hervorragende Quelle für altägyptische Darstellungen wird hier übrigens demnächst besprochen. 

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Montag, 18. Juni 2018

Buch: Gute Führung / Strategikos



Was machte in der Antike einen guten militärischen Anführer aus? Was war sein optimales Alter? War es vorteilhaft oder nachteilig, wenn er Kinder hatte? Welche Entscheidungen konnte ihm der Krieg abverlangen?

Diese und viele weitere Fragen beantwortet der Autor Onasandros in seinem im 1. Jh. n. Chr. entstandenen Werk, das in mittelalterlichen Abschriften unter dem Titel Onasandrou Strategikos überliefert wurde. Bei der vorliegenden Neuübersetzung haben sich der Marix Verlag (ohne Bindestrich) und der Übersetzer Kai Brodersen für den Titel Gute Führung entschieden - was zwar dem Buchinhalt gerecht wird, andererseits aber manch potentiellen Leser eher an die Autobiographie eines ehemaligen Häftlings denken  lassen dürfte ...

Onasandros - eingedeutscht auch Onasander genannt - widmet sich in seinem Werk zuerst den persönlichen Verhältnissen und Charaktereigenschaften, über die ein General (Strategos) seiner Meinung nach verfügen musste. Teilweise erinnern Onasandros' Einlassungen dazu stark an 'Küchenpsychologie' und waren für mich entsprechend wenig interessant. Erfreulicherweise geht der Autor bald zu Handfesterem über, will heißen, er gibt anhand von Beispielen Ratschläge hinsichtlich klugen militärischen Verhaltens. Der Leser kann daraus manch wichtige Information über antike Kriegsführung entnehmen (allerdings weniger über römische, sondern mehr über hellenistische - wie alleine viele der von Onasander verwendeten militärischen Begriffe nahelegen). Es folgen einige Beispiele:

Bei Angriffen und nächtlichen Einnahmen von Städten durch Verrat darf man nicht unerfahren sein in den himmlischen Läufen der Fixsterne bei Nacht, da sonst die Pläne nicht umgesetzt werden. (39.1)

Obiges Beispiel zeigt sehr schön, dass die Menschen der Antike am Nachthimmel die ungefähre Uhrzeit ablesen konnten und so selbst ohne Uhren zeitlich genau koordinierte militärische Aktionen durchzuführen im Stande waren.

Die Leichtbewaffneten  - Speerwerfer, Bogenschützen und Schleuderer - stellt man zunächst vor die Phalanx. Wenn sie nämlich hinter ihr stehen, werden sie den eigenen Leuten mehr Schaden zufügen als dem Feind, und wenn sie mitten unter ihnen stehen, werden sie ihre eigenen Fähigkeiten nicht nützen können [...]. Wenn die Bogenschützen vor den anderen laufen, werden sie ihre Pfeile auf die Körper (der Feinde) wie auf Ziele schießen; wenn sie jedoch hinter den Reihen oder in ihnen stehen, werden sie in die Höhe schießen, womit die Pfeile nur für ihre Abwärtsbewegung Antrieb haben, danach aber, selbst wenn sie auf die Köpfe der Feinde fallen, ihre Kraft vertan haben und den nicht viel Schaden zufügen. (17.1)

Diesen Umstand sollte man unbedingt Hollywood mitteilen, wo bei inszenierten Schlachten hinsichtlich der Bogenwaffe fast immer genau das Gegenteil von dem hier Geratenen gemacht wird.

Die Schleuder ist die gefährlichste Waffe der Leichtbewaffneten, weil das Schleuderblei die gleiche Farbe wie die Luft hat und in seinem Lauf unsichtbar ist, sodass es unvorhergesehen auf die ungeschützten Körper der Feinde fällt. Ja, nicht nur die Wirkung selbst ist heftig, sondern auch das Geschoss, das von der Wucht durch die Luft erhitzt wird und daher das Fleisch sehr tief durchdringt, sodass es nicht mehr sichtbar ist und rasch vom Geschwür umschlossen wird. (19.3)

Die Erwähnung der angeblich durch bloße Luftreibung stark erhitzten Schleuderbleie lässt mich etwas ratlos zurück. Interessant ist dergleichen aber auf alle Fälle.

Die zweisprachige Übersetzung (griechisch-deutsch) ist hinsichtlich ihrer Wortwahl unkompliziert. Fuß- bzw. Endnoten gibt es nicht, aber im Text selbst wurden in runden Klammern immer wieder Zusatzinformationen eingebaut. Der Anhang enthält ein kurzes Register, ein Literaturverzeichnis und einen textkritischen Apparat (interessant für wissenschaftliches Arbeiten).

An dieser Stelle könnte ich eigentlich meine Rezension beenden. Wenn da nicht das Vorwort des Buchs wäre, das zwar keinen Einfluss auf die Bewertung hat, auf das gesondert einzugehen mir aber sinnvoll erscheint. Grund: Man hat es für eine gute Idee gehalten, dort den geneigten Leser ein bisschen mit verklausuliertem Trump-Bashing zu behelligen. Offensichtlich entkommt man dergleichen jetzt nicht einmal mehr in der Übersetzung eines 2000 Jahre alten Textes. Doch worum geht es eigentlich? Ich zitiere:

Nicht viel hält Onasandros hingegen bei solchen Menschen von persönlichem Reichtum, auch wenn dieser Bestechlichkeit einschränken könnte. Reichtum könnte nämlich einen Menschen verderben. Dazu sagt er: "Einen, der Geldgeschäfte macht, selbst wenn er der Allerreichste wäre, werde ich nie empfehlen" (1.20). 
[...] 
Wie aktuell solche Maximen sind oder doch sein sollten, liegt gerade im Hinblick auf den seit 2017 amtierenden Strategos der größten westlichen Streitmacht auf der Hand!

Hier liegt vor allem eines auf der Hand: Nämlich wie hinkend der bemühte Vergleich ist. Weil wenn schon in der deutschen Übersetzung das Wort "Geldgeschäfte" verwendet wurde, dann sollte doch gerade der Übersetzer selbst wissen, dass sich das in der Antike üblicherweise auf Geldverleiher, Publicani (Staatspächter, Steuerpächter) und ähnliche Geld-Berufe bezog, die allgemein einen sehr schlechten Ruf in der Bevölkerung genossen; auch heute noch mag kaum jemand Banker!
Donald Trump, der gegenwärtige "Strategos" der USA, hat hingegen sein Vermögen im Immobilienhandel gemacht. Und daran hätte Onasandros kaum etwas auszusetzen gehabt, war es doch in den gehobeneren Kreisen der römischen Gesellschaft, denen auch er selbst als gebildeter Schriftsteller angehört haben wird, allgemein üblich, Immobilien (vor allem in Form von Landgütern) als Wertanlage je nach Bedarf und Marktlage zu kaufen und zu verkaufen - siehe etwa die entsprechend Aktivitäten von Cicero und dem jüngeren Plinius. Grundbesitz bzw. ein auf diese Art erworbenes Vermögen galt in der Regeln nicht als anrüchig. Dass der geschätzte Herr Brodersen das nicht weiß, halte ich für unwahrscheinlich 😉

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Samstag, 16. Juni 2018

Buch: "vnd mit der rechten faust ein mordstuck" – Baumanns Fecht- und Ringkampfhandschrift



Baumanns Fecht- und Ringkampfhandschrift enthält zwei unabhängig voneinander entstandene Handschriften aus dem 15. Jh., deren Blätter man um die Mitte des 16. Jahrhunderts in einem Buch vereinigt hatte. Die erste der beiden Handschrift war wohl zwischen 1465 und 1470 in Bayern verfasst worden. Es finden sich darin Anleitungen für den harnischlosen Kampf mit dem langen Schwert und dem langen Messer sowie weitere bebilderte Instruktionen für den Dolch- und Ringkampf. Die zweite Handschrift ist älter und stammt wohl aus der Zeit um 1420. Im Gegensatz zur jüngeren Handschrift enthält sie keine erklärenden Texte, sondern ausschließlich Abbildungen. Diese illustrieren den Schwertkampf (langes Schwert) mit und ohne Harnisch sowie den Ringkampf und den Gerichtskampf mit speziellen (ziemlich ausgeflippt wirkenden) Schilden. 

Die vorliegende Publikation stammt vom Germanisten Rainer Welle und besteht aus zwei Bänden. Im Kommentarband wird die als Codex I.6.4⁰ 2, Codex Wallerstein oder Baumanns Fecht- und Ringkampfbuch bezeichnete Handschrift im Detail analysiert - angefangen bei ikonographischen Merkmalen wie den Frisuren der dargestellten Personen bis hin zu den verwendeten Papiersorten. Der Tafelband ist eine Art Faksimile-Light der Handschrift, mit vielen ausgezeichneten großformatigen Abbildungen (siehe unten).

Die in der jüngeren der beiden Fechthandschriften enthaltenen Bildtexte sind in einer Kursive geschrieben, die der Durchschnittsleser kaum wird entziffern können. Erfreulicherweise wurden sie vom Autor in moderne Druckschrift transkribiert. Schade ist freilich, dass er dabei den frühneuhochdeutschen Text nicht auch gleich in ein modernes Deutsch übertragen hat; der entsprechende Mehraufwand wäre nach meinem Dafürhalten relativ klein gewesen. Ohne die entsprechende Übersetzung wird sich manch Leser bei bestimmten Wörtern stark aufs Raten verlegen müssen. Hier hätte man bedenken sollen, dass eine solche Fecht- und Ringkampfhandschrift nicht nur bei Buchwissenschaftlern Interesse hervorruft, sondern natürlich auch besonders bei Praktikern in der HEMA-Gemeinde.

Fazit: Für jene, die ein tiefer gehendes Interesse an historischen europäischen Zweikampftechniken des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit haben, stellen diesen beiden Bände eine wertvolle Recherchequelle dar. Aber Achtung, besonders groß scheint die Auflage nicht zu sein. Bei Amazon wird eine Lieferzeit von 1-3 Wochen angegeben. Der Kaufpreis beträgt 74 Euro.


Zweikampf mit dem Dolch (Autsch!) | (C) Herbert Utz Verlag

Gerichtszweikampf mit 'abgefahrenen' Schilden aus der älteren Handschrift - man beachte den stilistischen Unterschied zu den anderen hier gezeigten Abbildungen, die alle aus der jüngeren Handschrift stammen.| (C) Herbert Utz Verlag

Zweikampf mit dem langen Messer | (C) Herbert Utz Verlag

Zweikampf mit dem langen Schwert | (C) Herbert Utz Verlag

Ringkampf | (C) Herbert Utz Verlag

Bildliche Übereinstimmungen mit anderen Zweikampf-Handschriften (Konkordanzen) im Kommentarband | (C) Herbert Utz Verlag

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Freitag, 15. Juni 2018

Krimskrams: Post von einer Archäologiestudentin -- "Dramatischer" archäologischer Fund in Pompeji gemacht -- Kommentar-Problem

Post von einer Archäologiestudentin

Eine Archäologiestudentin schrieb mich in der Vorwoche ganz nett an und hat mich gefragt, ob sie Grafiken aus diesem Blog für ihre Bachelorarbeit verwenden darf (um folgendes gehts). Natürlich darf sie das, schrieb ich ihr zurück, aber ich bin kein Archäologe, das sollte sie bedenken, wenn sie da mein Zeug einbaut. Daraufhin hat sie mir geantwortet, das mache nichts, weil einer ihrer Professoren hat ihr den Link zum betreffenden Blogbeitrag gegeben, und deshalb liegt das doch in dessen Verantwortung. Ja dann 😁

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"Dramatischer" archäologischer Fund in Pompeji gemacht

"Dramatischer" als der Fund, über den die Zeitung "Der Standard" berichtet, dürften freilich die letzten Augenblicke des Betroffenen gewesen sein, der vor seinem plötzlichen Ableben wohl nicht einmal mehr genügend Zeit hatte, Kopfschmerzen zu verspüren. Pietätloserweise erinnern mich die durchaus bemerkenswerten Artikel-Bilder an Zeichentrickfilme wie Roadrunner ...

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Kommentar-Problem

Aus unerfindlichen Gründen bekomme ich keine E-Mail-Benachrichtigung mehr, wenn jemand im Blog einen Kommentar abgibt. Das heißt, wenn das System so eingestellt ist, dass neue Kommentare erst von mir manuell freigeschalten werden müssen (das ist meistens, aber nicht immer so), dann bleiben diese so lange unveröffentlicht, bis ich aus eigenem Antrieb in die Blogsoftware einen kontrollierenden Blick geworfen habe. Weil ich das aber oft nur einmal pro Tag mache (manchmal auch gar nicht), wird es wohl in nächster Zukunft immer wieder zu etwas längeren Verzögerungen beim Freischalten kommen.

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Dienstag, 12. Juni 2018

Videos: Falsch konservierte Römer-Bauten -- Der Dreißigjährige Krieg -- Auf den Spuren der Kelten -- Karolingisches Freilichtlabor Lauresham -- usw.

 Landesdenkmalpflege - Falsch konservierte Römer-Bauten | Spieldauer 1 Minuten | ARD/SWR | Stream & Info
Sehr interessant: Aufgrund unsachgemäßer Restaurierung/Konservierung mit Dachpappe treten in Trier Schäden an antikem römischem Mauerwerk auf. Das erinnert mich daran, dass ich etwas Ähnliches vor ein paar Jahren auch in Flavia Solva (Wagna, Südsteiermark) gesehen habe - diese Methode könnte demnach einmal relativ weit verbreitet gewesen sein. Allerdings wurde im Fall von Flavia Solva das Mauerwerk zusätzlich mit einer steinernen Deckschicht versehen und außerdem überdacht - siehe Bild. Eher besch...eiden ausgesehen hat das Endergebnis trotzdem. Freilich, so etwas ist immer noch wesentlich besser als die hässlichen Stahl-Installationen gleich daneben. 
Konserviertes Mauerwerk der alten Römerstadt Flavia Solva
Keine Rechte vorbehalten, doch um die Nennung der Quelle wird gebeten: HILTIBOLD.Blogspot.com

➽ Erlebnis Geschichte: Der Dreißigjährige Krieg | Spieldauer 42 Minuten | ARD/RBB | Stream & Info

➽ Archäologie: Auf den Spuren der Kelten | Spieldauer 28 Minuten | ARD/BR | Stream & Info
In der Doku geht es - entgegen dem Titel - nicht nur um Kelten, sondern es wurden auch andere Themen reingemischt. Man kann das aber natürlich überspringen.

➽ Freilichtlabor Lauresham (Hallo Hessen) | Spieldauer 94  Minuten | ARD/BR | Stream & Info
Hier geht es u.a. um das karolingische Freilichtlabor Lauresham (Kloster Lorsch), von dem der Archäologe Claus Kropp zu Gast ist. Leider ist das Thema an unterschiedlichen Stellen in die Sendung eingestreut. Man muss also auch hier zu den entsprechenden Stellen hüpfen.

➽ Archäologen graben Urnen aus der Eisenzeit aus | Spieldauer 2 Minuten | ARD/NDR | Stream & Info

➽ Erinnerung an Johann Joachim Winckelmann | Spieldauer 3 Minuten | ARD/MDR | Stream & Info

Stadt Mainz will etwas für römische Ruine tun | Spieldauer 1 Minuten | ARD/MDR | Stream & Info

➽ Die nicht ganz unproblematische Geschichte des Freilufttheaters | Spieldauer 3 Minuten | ARD/SWR | Stream & Info

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Montag, 11. Juni 2018

Hörbares: Walther von der Vogelweide -- Der fliegende Mönch -- Auf der A9 in die Bronzezeit -- Abaelard und Heloise -- usw.



Walther von der Vogelweide - Der große Minnesänger | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Eilmer von Malmesbury: Der fliegende Mönch | Spieldauer 3 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

Archäologie: Auf der A9 in die Bronzezeit | Spieldauer 53 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

Mittelalterliche Weltliteratur: Abaelard und Heloise - Weisheit, Liebe, Absturz | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Quedlinburgs "Sprechende Häuser" - Digitaler Kurztrip ins Mittelalter | Spieldauer 6 Minuten | DF/ARD |  Stream & Info | Direkter Download

Ein Reise ins Mittelalter: Die Spielstadt Megedeborch im Kulturhistorischen Museum Magdeburg | Spieldauer 57 Minuten | DF/ARD |  Stream & InfoDirekter Download

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Samstag, 9. Juni 2018

Buch: Gladiatoren

Waren die Gladiatorenkämpfe der alten Römer - bei denen im Laufe der Zeit unzählige Menschen ihr Leben ließen - noch Sport oder vielmehr menschenverachtende Perversion? Aus heutiger Sicht wohl letzeres. Und doch - oder gerade deshalb - übt dieser antike Kampf 'Mann gegen Mann' eine ungetrübte Faszination auf uns aus.

Mit ihrem rund 100seitigen Büchlein Gladiatoren (Reclam Verlag) wendet sich die Autorin Leoni Hellmayr definitiv an Leser, die über kein oder nur geringes Vorwissen hinsichtlich des römischen Gladiatorenwesens verfügen. Der gebotene Überblick ist umfangreich, die vielen Einzelaspekte wurden jedoch geschickt auf das Wichtigste eingedampft. Unter anderem wird betrachtet: Geschichte und Entwicklung der Gladiatur, ihre gesellschaftliche Bedeutung, die wichtigsten Gladiator-Typen (inkl. Grafiken), der Kampf in der Arena, das Leben und Training in der Gladiatorenschule, archäologische Erkenntnisse usw. Am Schluss findet sich dann noch ein Interview mit einem modernen Gladiator-Darsteller, der bei einschlägigen Veranstaltungen als Schaukämpfer auftritt.

Zwar ist der Autorin sicher bekannt, dass die Gladiatur nicht mit venationes (Tierhatzen) und Hinrichtungen im Amphitheater in einen Topf geworfen werde darf, allerdings schreibt sie trotzdem relativ viel auch über letzere beiden Themengebiete und schneidet darüberhinaus den berühmten Spartacus-Aufstand, die antike Sklavenhalter-Gesellschaft und einiges mehr kurz an. Dabei handelt es sich hinsichtlich des Buchtitels teilweise um kleine 'Themenverfehlungen', allerdings dürften sich nur sehr wenige Leser daran stören - eher im Gegenteil.

Selten haben sich kleine inhaltliche Fehler eingeschlichen, etwa wenn es heißt, die Stadt Pompeji sei von "Lava und Bimsstein" des Vulkans Vesuv begraben worden. In Wirklichkeit waren es Bimsstein, Staub, Asche und Lapilli. Lavaströme haben Pompeji hingegen nicht erreicht. Jemandem, der wie die Autorin Alte Geschichte studiert hat, sollte so ein Irrtum eigentlich nicht unterlaufen. Schließlich ist Pompeji nicht irgend eine archäologische Stätte. Andererseits: Tragisch ist das auch nicht.

Der Schreibstil ist locker und aus meiner Sicht sehr gefällig. Lediglich verknöcherte Oberstudienräte dürften bei Formulierungen wie "Das Volk hatte in der Kaiserzeit nichts mehr zu melden" ein wenig die Augen verdrehen.
Auf detaillierte Quellenangaben und Fußnoten wurde verzichtet, was ich der Autorin im Hinblick auf die Zielgruppe des Buchs allerdings nicht vorwerfen möchte. Ein vernünftiges Literaturverzeichnis hätte trotzdem nicht geschadet. Immerhin nennt sie am Ende einige gute Lesetipps für jene, die Lust auf mehr bekommen haben.

Fazit: Unterm Strich ist Leoni Hellmayr hier eine allgemein verständliche und gut strukturierte Einführung in die Gladiatoren-Thematik gelungen. 


Anmerkung: Marcus Junkelmanns Gladiatoren-Buch "Das Spiel mit dem Tod" wird bei Amazon mittlerweile gebraucht zu absurden Mondpreisen angeboten. Wahnwitzige Spekulation oder wirklich so begehrt?
Ich besitze das Buch übrigens auch. Für die Spitzenpreise, die da bei Amazon verlangt werden, komme ich auch fast in Versuchung, es zu verhökern 😊

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Freitag, 8. Juni 2018

Krimskrams: Geschenkt ist noch zu teuer -- Bei Wikipedia abgekupfert?

Keine Rechte vorbehalten, doch um die Nennung der Quelle wird gebeten: HILTIBOLD.Blogspot.com

Kürzlich am Flughafen Frankfurt beim Umsteigen fotografiert: Die Zeitungsverlage verschenken ihre Erzeugnisse mittlerweile, nachdem kaum noch jemand dafür Geld ausgeben möchte. Trotzdem laufen fast alle Passagiere daran vorbei. Offensichtlich ist selbst geschenkt noch zu teuer.

Die Verlage haben bei Angeboten wie diesem natürlich einen Hintergedanken: Sie können - heißt es - so ihren Werbekunden höhere Auflagen vorgaukeln, was sich wiederum auf die Preise für das Schalten von Anzeigen auswirkt. Denn je mehr angebliche Leser eine Zeitung hat, umso mehr Geld kann man auch für Werbung darin verlangen.

Freilich, in absehbarer Zukunft dürfte auch diese Trickserei nicht mehr ausreichen, um sich wirtschaftlich über Wasser zu halten. Ohnehin sind viele Werbekunden längst hellhörig geworden. Es wird deshalb bereits überall in Europa nach immer großzügigeren staatlichen Alimentierungen für Zeitungen gerufen - ähnlich den Rundfunkgebühren. Blogs und kleine Website-Betreiber (also die 'Gegenöffentlichkeit') schauen hingegen durch die Finger bzw. werden diskriminiert, obwohl sie in Summe längst mehr Menschen mit Informationen versorgen dürften, als die obsoleten Dinosauriermedien. Ein Schelm ist, wer hinter dieser wettbewerbsverzerrenden Zweiklassengesellschaft Absicht vermutet.
So wie es ja sicher ebenfalls purer Zufall ist, dass hier in Österreich Zeitungen hinsichtlich der neuen EU-Datenschutzverordnung große Extrawürste gebraten bekommen - besonders wenn es um die Regelungen beim Photographieren in der Öffentlichkeit geht. Beispielsweise ist es für mich als Blogger - sofern ich rechtskonform handeln möchte - kaum möglich, auf Living-History-Veranstaltungen Fotos zu machen, da ich im Gegensatz zur Journaille nicht ohne weiteres Bilder veröffentlichen darf, auf denen Personen identifizierbar sind, die mir nicht ihr Einverständnis für die Veröffentlichung gegeben haben. Selbst das Unkenntlichmachen der Gesichter wird von einigen Juristen hinsichtlich des Gesetzestextes als nicht ausreichende Ersatzmaßnahme betrachtet. Denn man könne Abgebildete z.B. anhand bestimmter Tattoos identifizieren ...

Ein riesengroßer, unausgegorener, schikanöser Schwachsinn ist das alles. Deshalb werde ich mir auch meinen angedachten Besuch des vom Archäologischen Park Carnuntum veranstalteten Römerfests schenken. Für mich hätte sich die mehrstündige Anreise nur gelohnt, wenn ich einen ausführlichen Bildbericht fürs Blog hätte machen können. Aber wer will schon Impressionen von einer Living-History-Veranstaltung sehen, wenn sämtliche Personen auf den Fotos zwecks Anonymisierung ausgeschnitten oder eingeschwärzt sind?

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Bei Wikipedia abgekupfert?

Vor einigen Wochen habe ich ein durchaus gutes Buch gelesen, bei dem mir aber aufgefallen ist, dass innerhalb eines kurzen Absatzes mehrere Formulierungen verwendet wurden, die jenen in einem Wikipedia-Artikel auffällig ähneln. Deshalb kam bei mir der unschöne Verdacht auf, dass die Buch-Autorin hier ausgerechnet bei der unzuverlässigen und nur mäßig seriösen Wikipedia abgeschrieben hat. Sollte ich das in meiner Buchbesprechung erwähnen? Schließlich gab es vor einiger Zeit einen ähnlichen Fall rund um den Verlag C.H. Beck, der ziemlich hohe Wellen schlug.
Freilich, es bestand auch die Möglichkeit, dass sowohl die Buch-Autorin wie auch der Wikipedia-Autor unabhängig voneinander eine gemeinsame Quelle genutzt haben und diese eher unambitioniert paraphrasierten. Deshalb schrieb ich zur Vorsicht die Autorin an und fragte sie nach ihrer Quelle. Sie nannte mir prompt das entsprechende Sachbuch, welches ich zufällig in meiner Bibliothek hatte. Nach kurzer Überprüfung stand fest, dass hier die Buch-Autorin nicht von Wikipedia abgeschrieben hatte, sehr wohl aber der Wikipedia-Autor fast Wort für Wort aus besagtem Sachbuch abkupferte, und zwar ohne die genaue Quelle zu nennen.

Wer sich fragt, um welchen Wikipedia-Artikel es ging: Um diesen hier.

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Donnerstag, 7. Juni 2018

Hiltibolds aktuelle Leseliste: Die Welt der Himmelsscheibe -- Jüdische Altertümer -- Versunkene Welten und wie man sie findet -- Campus-Galli-Chronik -- Gute Führung




Die Welt der Himmelsscheibe | von Iris Newton | Palm Verlag | 2017 | Preis: 20 Euro | Infos bei Amazon
Dieses sehr gut gelungene, 158seitige Buch habe ich bereits vor einigen Tagen besprochen. Mehr dazu hier.

Jüdische Altertümer | von Flavius Josephus / Heinrich Clementz (Übers.) | Marix Verlag | 2011 | Preis: 25 Euro | Infos bei Amazon
Die "Jüdischen Altertümer" zählen wohl zu den bedeutendsten Schriftquellen, die uns aus der Antike überliefert sind. Der Autor - der vom Kriegsgefangenen zum Freund des späteren römischen Kaisers Vespasian wurde - schildert darin die Geschichte der Juden - d.h. von der (mythischen) Erschaffung der Welt bis zum Ausbruch des Jüdischen Krieges im Jahr 66 n. Chr. (besagter Krieg wird von Josephus in einem gesonderten Werk detailliert geschildert). 
Dieser einsprachigen, über 1000seitigen Hardcover-Ausgabe liegt eine nicht mehr ganz taufrische Übersetzung zugrunde - deshalb hatte ich gewisse Bedenken. Das hat sich jedoch als unbegründet herausgestellt, denn der Text liest sich sehr gut; d.h. kein Schwulst, keine verschachtelten Endlossätze. Und der Preis ist auch ziemlich günstig.

Versunkene Welten und wie man sie findet | von Eric H. Cline | Deutsche Verlags-Anstalt | 2018 | Preis: 28 Euro | Infos bei Amazon
In diesem Buch wird auf über 500 Seiten anhand vieler abwechslungsreicher Einzelbeispiele (Schliemann, Carter usw.) die Geschichte und die Entwicklung der archäologischen Forschung nachgezeichnet. Da ich erst 30 Seiten gelesen habe, kann ich noch nicht mehr dazu sagen.

Campus-Galli-Chronik 2018 | div. Autoren | Gmeiner-Verlag | 2018 | Preis: 10 Euro | Infos bei Amazon
Dazu muss man glaube ich nicht viel sagen - oder? 😊 Nur soviel: Alleine die Ergüsse des in dieser Chronik ausführlich zu Wort kommenden Bürgermeisters der Stadt Meßkirch werden mir reichlich Stoff zum Schreiben liefern. 

 Gute Führung | Onasandros / Kai Brodersen (Übers.) | Marix Verlag | 2018 | Preis: 15 Euro | Infos bei Amazon
Was machte schon in der Antike einen guten militärischen Führer aus? Bei Onasandros kann man es nachlesen. Übrigens: Der Marix Verlag ohne Bindestrich tut sich seit einigen Jahren mit vielen interessanten, relativ günstigen und aktuellen Übersetzungen historischer Werke hervor (man hat allerdings auch noch ältere, manchmal etwas mangelhafte Übersetzungen im Programm). Ich hoffe jedenfalls, dass diesen Oktober endlich Gregor von Tours' "Zehn Bücher Geschichten" erscheint - wie auf der Verlagsseite angekündigt wird. Darauf warte ich jetzt nämlich nach mehreren Verschiebungen schon seit rund zwei Jahren sehnsüchtig ...

Ausführlichere Rezensionen zu den obigen Büchern folgen hier in den kommenden Wochen und Monaten.

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