Montag, 20. Mai 2019

Das Blog macht Pause



Das Blog muss ein wenig pausieren, da ich u.a. eingeladen worden bin, wieder einmal an speziellen Outdoor-Aktivitäten mitzuwirken. Hoffentlich stehe ich dabei nicht nur im Weg herum 😉

In gut einer Woche geht es hier mit einem sehr interessanten Gastbeitrag weiter. Bis dahin!


Sonntag, 19. Mai 2019

🎧 Hörbares: Der Dommeister von Regensburg



Hermann Theodor Schmid: Der Dommeister von Regensburg (1) | Spieldauer 31 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

Hermann Theodor Schmid: Der Dommeister von Regensburg (2) | Spieldauer 30 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Hermann Theodor Schmid: Der Dommeister von Regensburg (3) | Spieldauer 30 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Hermann Theodor Schmid: Der Dommeister von Regensburg (4) | Spieldauer 28 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Hermann Theodor Schmid: Der Dommeister von Regensburg (5) | Spieldauer 31 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

Hermann Theodor Schmid: Der Dommeister von Regensburg (6) | Spieldauer 31 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

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Samstag, 18. Mai 2019

📖 Buch: Freydal - Medieval Games. Das Turnierbuch Kaiser Maximilians I.



So warn die alten Rittersleut

Der sogenannte "Freydal" ist ein prächtiges, zwischen 1512 und 1515 von über einem Dutzend Künstlern angefertigtes Turnierbuch Kaiser Maximlians I., der nicht zuletzt wegen seiner Vorliebe für aufwendige Ritterspiele als der "letzte Ritter" in die Geschichte einging.
Anhand von 255 großformatigen, farbenfrohen und detailreichen Darstellungen wird Einblick in das Turnierwesen des frühen 16. Jahrhunderts gegeben. Dementsprechend stellt der Freydal neben Büchern wie dem dem "Weißkunig" und dem "Theurdank"  heute eine der wichtigsten Bildquelle für die damalige Zeit dar: Rüstungen, Waffen, Kampftechniken (zu Fuß wie auch zu Pferde), Frisuren, Kleidung, Musikinstrumente und weitere Aspekte des adelig-ritterlichen Turnieralltags werden hier abgedeckt (siehe die nachfolgenden Bilder). Darunter findet sich auch manch Kuriosität - wie etwa die Helmzier in Form eines Vogelkäfigs - inklusive (lebendigem?) Vogel! Vielleicht daher der Spruch, "du hast einen Vogel"? 😉 Wiederum ein anderer Ritter trägt einen Blumentopf mit Blumen auf dem Kopf. Aus moderner Sicht wirkt dergleichen ziemlich extravagant, doch es galt dazumal offensichtlich, auf Teufel komm raus aufzufallen. Ähnlich verhält es sich ja heute noch, und zwar bei manch Musiker, dessen Kleidung, Frisur, Piercing oder Tattoo oft genug auch keinen ästhetischen Gesichtspunkten zu gehorchen scheint
Ein wenig zur Vorsicht muss hinsichtlich der Darstellungen im Freydal allerdings geraten werden, da die Künstler bei ihrer Recherche oft auf Hörensagen angewiesen waren und deswegen gelegentlich von der Realität nachweislich abwichen. So wird in der Einleitung beispielsweise darauf hingewiesen, dass bei der Pferdedecke des Kaisers ausgerechnet jene unzähligen Perlenstickereien vergessen wurden, die unter seinen Zeitgenossen großes Aufsehen erregt haben sollen.
Freilich, sich über dergleichen zu beklagen, scheint Jammern auf extrem hohem Niveau zu sein, doch gerade Personen mit tiefer gehendem Interesse sollten die Möglichkeit von kleineren Ungenauigkeiten und Auslassungen berücksichtigen. Stichwort "Quellenkritik".

Die vorliegende Ausgabe des Taschen Verlags misst enorme 36 x 36 cm, ist 448 Seiten stark und 7 kg schwer (zum Glück habe ich mein Bücherregal erst kürzlich umgebaut, um auch solche Ungetüme darin kommod unterbringen zu können). Einleitung wie auch Bildtexte sind dreisprachig (Englisch, Deutsch, Französisch). Die Erklärungen zu den einzelnen Abbildungen können meiner Ansicht nach zumeist als ausreichend bezeichnet werden. Z.B. erfährt der Leser hier Interessantes über die unterschiedlichen Spielarten spätmittelalterlicher Turniere. Wer weiß denn heute beispielsweise noch, was Begriffe wie "Ochs" und "Pflug" beim Schwertkampf bedeuten? Oder was eine "Mummerei" ist?
Das Buch enthält im Anhang ein kurzes Glossar und sogar eine Bibliographie, da in der für mich überaus nützlichen Einleitung auch sehr schöne Abbildungen aus anderen Turnierbüchern Verwendung fanden.

Fazit: Der Freydal ist eine wissenschaftlich wertvolle und optisch sehr schöne Primärquelle für die Zeit des späten Mittelalters und der frühen Renaissance. Wirklich zu bemängeln habe ich an dieser hochwertigen Ausgabe eigentlich nichts, allerhöchstens die Kleinigkeit, dass die Abbildungen nicht in jedem Fall eine volle Seite ausfüllen.
Der Kaufpreis beträgt 150 Euro, was den Kreis potentieller Käufer naturgemäß einengt. Meiner Beobachtung nach bleiben diese Art Bücher des Taschen Verlages zumeist auch recht preisstabil. 

Einleitung. Rechts: Sogenanntes "Anzogenrennen" (Vorbereitungszeichnung für den Freydal) | (C) Taschen Verlag
Sogenannte "Mummerei" bzw. ein Tanz in phantastischen Kostümen | (C) Taschen Verlag
Links: Sogenanntes "Geschifttartschen-Rennen" | (C) Taschen Verlag

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Mittwoch, 15. Mai 2019

Krimskrams: Der ORF zetert -- Der Sprachmüll des BDA -- Die ambitionierte Museumspädagogik des Campus Galli


Der ORF zetert: Ohne Geschichtsmatura zum Deppendasein verdammt

Ein paar Redakteure der Nachrichtensendung  ZiB 1 (12. Mai 2019) sprangen jüngst beschleunigt im Kreis, weil in Italien Geschichte als Maturafach gestrichen werden soll. Ganz schlimm wäre das, denn Geschichte sei schließlich die Grundlage für politische Entscheidungen. Die Vergangenheit solle hier "verdrängt werden", hyperventilierte man. Und mit 'Vergangenheit' ist - wie ein Einspieler rasch klar machte - ausschließlich die Zeit Mussolinis gemeint. Der große Rest der italienischen Geschichte dürfte dem ORF ziemlich wurscht sein (das passt freilich zum Geschichtsverständnis dieser öffentlich-rechtlichen Rundfunker; mehr dazu weiter unten).

Bei etwas näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass das Fach Geschichte wirklich nur aus der italienischen Reifeprüfung gestrichen werden soll, selbstverständlich aber als Unterrichtsfach erhalten bleibt und dementsprechend auch zukünftig einer Benotung unterliegt.
Des Weiteren wäre die Petitesse erwähnenswert, dass auch bisher schon sehr viele Italiener Geschichte nicht als Maturafach hatten, einfach weil sie erst gar keine Matura absolvierten! Und auch in Österreich maturiert die Bevölkerungsmehrheit nicht in Geschichte. Trotzdem wurde bisher nicht behauptet, dass solchen Personen die Fähigkeit abgeht, politische Entscheidungen zu treffen bzw. wählen zu gehen. Alle Kirschen scheinen die Krawall-Journalisten des ORF demnach nicht mehr auf der Torte zu haben, wenn hier plötzlich mit dem Finger auf Italien gezeigt wird.

Und überhaupt: Dass ausgerechnet der ORF sich über das angebliche "Verdrängen" von Geschichte aufpudelt, löst bei mir beinahe einen Lachkrampf aus. Schließlich kann der geneigte Seher die Geschichte Österreichs gerade im Programm der immerhin vier ORF-Kanäle nur in homöopathischen Dosen wahrnehmen. Zumindest wenn er an Ereignissen interessiert ist, die sich in den Jahrhunderten und Jahrtausenden vor 1918 abspielten. Hier bewegt sich der Österreichische Rundfunk, verglichen mit deutschen Sendern wie dem SWR, auf dem Niveau eines abgesandelten Teleshopping-Kanals. Erst vor wenigen Monaten hat mir eine Archäologin erzählt, dass der ORF ihre Anfragen, ob denn nicht Interesse bestünde, von archäologischen Grabungen zu berichten, im Verlauf von zwei Jahrzehnten fast immer abschlägig beschieden hat. Saftladen.

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Sprachmüll im Leitfaden des Bundesdenkmalamtes

In den aktuellen Richtlinien für Archäologische Maßnahmen des österreichischen Bundesdenkmalamtes heißt es gleich auf Seite 6 (zweiter Absatz): 

Seitens des/der ProjektleiterIn [...]

Was soll dieser Schmarrn? Die männliche Schreibweise muss lauten: des Projektleiters - und nicht des Projektleiter. Erstere Schreibweise, also die grammatikalisch richtige, ist in diesem verschachtelten Sprachmüll nicht enthalten. 
Ich bin schon gespannt, welche originell 'gegenderten' Formulierungen beim Lesen der noch folgenden rund 70 Seiten auf mich warten!

Übrigens, bevor jetzt jemand vor sich hin murmelt, dass meine Texte auch nicht fehlerfrei sind: Ja, aber die Verantwortlichen des BDA sind keine Hobby-Blogger wie ich, sondern werden für ihren Job bezahlt und verfügen über Zeit sowie Ressourcen, ihre amtlichen Veröffentlichungen vorab ausführlich gegenlesen zu lassen. Außerdem sind meine Fehler nicht ideologisch bedingt bzw. absichtlich.

PS: Wer meint, peinlicher als im Falle des obigen Beispiels gehts eigentlich in Sachen "Geschlechtergerechtigkeit" nicht mehr, werfe doch einen Blick nach Hannover: Klick mich
Wie man hier von "Gerechtigkeit" sprechen kann, obwohl doch in Wirklichkeit bloß die Verhältnisse umgedreht werden, dürfte für jeden Menschen, bei dem wenigstens zwei Gehirnzellen funktionstüchtig geblieben sind, ein Rätsel darstellen. Orwells 'Neusprech' lässt grüßen.

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Die ambitionierte Museumspädagogik des Campus Galli

Die von mir bekanntlich hochgeschätzte Mittelalterbaustelle Campus Galli ist für ihr museumspädagogisches Programm über die deutschen Landesgrenzen hinweg berühmt. Ein weiteres Highlight wurde nun auf der Facebook-Seite des Projekts angekündigt:

Gemeinsam mit dem Sensenverein Deutschland e.V. bieten wir auf unserem Gelände einen Dengel- und Sensenkurs an.

😃😂

Abschließend eine Info für jene, die es noch nicht mitbekommen haben: Beim Campus Galli wurde kürzlich eingebrochen. Nicht bekannt ist, ob dabei auch Sensen gestohlen wurden. Jedoch haben die Betreiber als Reaktion auf den Einbruch bei Facebook eine eindeutige Handgeste in Richtung der Diebe veröffentlicht. Dieses Posting wurde nach Beschwerden von Projekt-Fans ("unprofessionell") allerdings wieder gelöscht (normalerweise löschen und sperren sie ja nicht ihr eigenes Zeug, sondern das von Projekt-Kritiker). Näheres dazu findet man im Campus-Galli-Diskussionsforum dieses Blogs (dort etwas nach unten scrollen zu meinem Eintrag vom 23. April): Klick mich

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Weitere Themen auf diesem Blog: 

Dienstag, 14. Mai 2019

🎧 Hörbares: Die Geschichte der Müllabfuhr -- Gelehrte Frauen im Mittelalter -- Banausen -- usw.



 Die Geschichte der Müllabfuhr - Der Kampf gegen Abfall | Spieldauer 20 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Gelehrte Frauen im Mittelalter - Autorinnen und Dichterinnen | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Banausen - Die Helden der athenischen Demokratie | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Regensburg: Mittelalterliche Metropole der Juden | Spieldauer 19 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Hugo von Cluny, Abt und Heiliger | Spieldauer 15 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Die Borgia - Gewissenlos und kunstbeflissen | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Renaissance - Leonardo Da Vinci  | Spieldauer 30 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

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Sonntag, 12. Mai 2019

📽️ Videos: Schatzsuche beim Archäologen -- Campus Galli -- Das Wallerfanger Tintinabulum -- usw.


 Kelten und Römer: Schatzsuche beim Archäologen | Spieldauer 5 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

 Pliezhausen und die Römer | Spieldauer 4 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

 800 v. Chr.: Das Wallerfanger Tintinabulum | Spieldauer 3 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info
Ein antikes bzw. keltisches Musikinstrument? Na ich weiß nicht so recht. Das Geklimper hört sich für mich mehr zufällig als beabsichtigt an.

 Lübecks Backsteingotik | Spieldauer 3 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info

Drei aktuelle Videos von der Mittelalterbaustelle Campus Galli | Youtube | Kanal-Übersicht
Der offizielle Youtube-Kanal des Campus Galli wird nicht gepflegt - ein weiteres Beispiel für die Antriebslosigkeit der Betreiber; ist doch gerade Youtube ein potentiell mächtiges Vermarktungswerkzeug. Allerdings gibt es Besucher, die durchaus interessante Videos vom Campus Galli produzieren, in denen dann z.B. Mitarbeiter vorgestellt werden. Gerade für den Korbflechter freut man sich, dass er nach einem schwierigen Lebensweg beim Campus Galli untergekommen ist, aber rechtfertigen solche Ausnahmen das Verheizen von Millionen Euro?






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Donnerstag, 9. Mai 2019

🎙️ Ohne 'Raubgräber' keine Sensationen? - Ein Interview mit dem Denkmalpfleger Harald Meller



Harald Meller ist seit 2001 Direktor des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle an der Saale und des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden ist er durch die Aufsehen erregende Rettung der Himmelsscheibe von Nebra im Zuge einer länderübergreifenden Polizeiaktion. Im folgenden Interview werde ich mich mit ihm über die Enteignung von Findern archäologischer 'Schätze', das mitunter problematische Sondengehen und einiges mehr unterhalten.

Hinweis: Bitte die Anmerkung am Ende des Interviews beachten.



Lieber Herr Meller, Sie haben kürzlich zusammen mit Kai Michel das bisher wohl ausführlichste Sachbuch zur sogenannten "Himmelsscheibe von Nebra" vorgelegt. Durchaus spannend und detailliert wird darin u.a. die jahrelange Odyssee dieses bemerkenswerten bronzezeitlichen Artefakts geschildert: Angefangen bei der Entdeckung durch zwei Metallsucher / Sondengänger bis hin zur Sicherstellung im Zuge einer Polizeiaktion, bei der Sie den Lockvogel spielten.
Ende gut, alles gut, könnte man sagen. Doch auch ein kritischeres Fazit ist möglich: Hätte man z.B. nicht einiges an Zeit, Aufwand und Nerven sparen können, wenn in Sachsen-Anhalt die Finder solcher 'Schätze' mit einer vollen finanziellen Entschädigung rechnen dürften, anstatt mittels Schatzregal quasi enteignet zu werden und lediglich einen vergleichsweise beschiedenen Finderlohn zu erhalten? Denn Sie dürften mir zustimmen, dass diese Regelung - wie sie auch in den meisten anderen deutschen Bundesländern anzutreffen ist - viele Bürger zögern lassen wird, augenscheinlich wertvolle Hortfunde zu melden. Und zwar unabhängig davon, ob diese bei einer gezielten Suche mittels Metallsonde oder zufällig beim Pflügen auf dem Acker entdeckt wurden. 
Dem deutschen Weg steht der britische gegenüber. Auch im Vereinigten Königreich gibt es zwar ein Schatzregal (Treasure Act von 1996), das jedoch (für England, Wales und Nordirland) vorsieht, Finder und Grundstückseigentümer finanziell voll bzw. dem Marktwert entsprechend zu entschädigen. Ein gutes Beispiel dafür ist der von einem Metallsucher im Jahr 2009 entdeckte und sofort gemeldete Staffordshire hoard, den ein britisches Museum für 3,285 Millionen Pfund Sterling ankaufte.
Der in Wales als Archäologieprofessor tätige Raimund Karl hält im Interesse der Wissenschaft das britische Denkmalschutzgesetzt für wesentlich klüger als seine deutschen Entsprechungen. Wenn er damit recht hat, dann stellt sich die Frage, warum in Deutschland Denkmalschutzgesetze beschlossen wurden, die offensichtlich dazu führen, dass viele Artefakte auf dem Schwarzmarkt landen und für die Wissenschaft verloren gehen? Wollte hier der Gesetzgeber Aktivität in Sachen Denkmalschutz signalisieren und gleichzeitig Geld sparen, ohne aber die negativen Konsequenzen zu bedenken?
Lieber Herr Hirtenfelder, es wäre eine verkehrte Sicht den Gesetzgebern in Sachsen-Anhalt oder den anderen deutschen Bundesländern zu unterstellen, dass sie ihren Denkmalschutzgesetzen vordergründig Geld sparen wollten. Der Hintergrund des Schatzregales in Deutschland reicht Jahrhunderte zurück und basiert auf zwei Rechtstraditionen. Zum einen geht das klassische Schatzregal auf die Hoheitsrechte der fränkischen Könige zurück. Durch Eike von Repgow wurde dieses alte germanische Recht spätestens mit dem Sachsenspiegel durchgesetzt. Eine zweite Rechtstradition, die in Deutschland, insbesondere im BGB 1900 gefasst wurde, reicht noch weiter zurück, nämlich bis zur Hadrianischen Teilung im frühen 2. Jahrhundert nach Christus. Hier werden herrenlose Schätze zwischen Entdecker und Eigentümer der Sache geteilt. Diese Rechtsregelung findet nur noch im Land Bayern Anwendung. Sie sehen also, dass es sich hier nicht um willkürliche Entscheidungen einzelner Behörden handelt, sondern um alte Rechtstraditionen, die für die entsprechende Region erprobt sind.
Das Vereinigte Königreich England steht da in einer anderen Tradition. Diese führt jedoch nicht, wie von dem von Ihnen zitierten Raimund Karl ausgeführt, zu einer besseren Situation – das Gegenteil ist der Fall. Dort werden in Sondengängerwettbewerben regelmäßig Hunderte von Metallfunden aus ihrem Zusammenhang gerissen. Damit wird es für spätere Forschungen oder Nachgrabungen äußerst schwierig, wenn nicht unmöglich sein, die archäologischen Strukturen, aus denen die Metallobjekte herausgerissen wurden, adäquat zu beurteilen. Dabei sind es oft die Metallfunde, die für Datierung und Charakterisierung der Befundsituation unerlässlich sind.
Im Grund verhält es sich wie mit dem verlorenen Geldbeutel. Ein aufgefundener Geldbeutel gehört nach deutschem Recht auch nicht automatisch dem Finder. Bei Ablieferung kann er zwar mit einem Finderlohn, aber nicht mit Entlohnung des gesamten Werts des Geldbeutels rechnen. Es ist natürlich verständlich, dass aus Sicht von Sondengängern ein vollständiger materieller Ersatz des Fundes gewünscht wird, schließlich ist die „Schatzsuche“ bzw. der „Schatzerwerb“ ja häufig eines der zentralen Motive. Da unkontrollierte Bodeneingriffe durch Sondengängerei jedoch eine der Hauptbeeinträchtigungen von Bodendenkmalen darstellen, kann dies staatlicherseits nicht durch entsprechende Gesetze belohnt werden.
Im Interesse der Wissenschaft liegt es, dass zufällig gemachte Hortfunde gemeldet werden. Wichtig ist dabei, dass Fundort und Zusammengehörigkeit des Fundes einwandfrei erwiesen sind bzw. durch Nachgrabung geklärt werden können.

So sehr illegales Sondengehen in Kombination mit Fundunterschlagung ein Problem darstellt, so unpassend will mir der von deutschsprachigen Archäologen dafür gerne verwendete Begriff "Raubgräber" erscheinen. Dieser ist nämlich wie der "Raubkopierer" ein Dysphemismus und besitzt keine juristische Grundlage. Wo bleibt hier die vielzitierte wissenschaftliche Sachlichkeit?
Muss man es darüberhinaus nicht als problematisch bezeichnen, wenn hier Menschen pauschal auf eine Stufe mit Gewalttätern gestellt werden, obwohl man ihnen in der Regel maximal vorwerfen kann, aus Sammellust - oder schlimmstenfalls aus Profitinteresse - eine Schädigung der Geschichtswissenschaft in Kauf zu nehmen? Wird hier nicht der als Gewaltverbrechen definierte Raub durch eine missbräuchliche Begriffsverwendung indirekt trivialisiert? 
Mit den in der Öffentlichkeit abkürzend verwendeten Begriffen ist das immer so eine Sache. In diesem Kontext kursiert beispielsweise der Begriff „Hobbyarchäologe“. Auch dieser Begriff ist problematisch. Der Beruf des Archäologen setzt ein komplexes Studium voraus, das eine mehrjährige praktische Ausbildung erfordert, ebenso wie etwa der Beruf des Arztes. Würden Sie sich von einem Hobbyarzt operieren lassen?

Das Gleiche gilt für die Bezeichnung von Funden. So müsste eigentlich „Ötzi“ korrekt als „kupferzeitliche Eismumie vom Similaungletscher“ bezeichnet werden. Es hat sich jedoch der in der Presse und Öffentlichkeit gestaltete Begriff „Ötzi“ so nachdrücklich durchgesetzt, dass er selbst in der populären archäologischen Literatur verwendet wird. Ähnlich verhält es sich mit dem Terminus „Raubgräber“. Er wird vorwiegend in der Presse, aber auch in populären archäologischen Darstellungen verwendet, selbst Museumsausstellungen verwenden ihn mittlerweile. Er hat sich also eingebürgert. Sicherlich auch deshalb, weil die Fundunterschlagung einen Straftatbestand nach Strafgesetzbuch darstellt. Und überhaupt wird ja nicht nur, wie Sie sagen, die „Geschichtswissenschaft“ geschädigt, sondern unser aller Geschichte. Insofern wäre ein verharmlosender Begriff unangebracht.

Illegal agierenden Metallsuchern wird zurecht vorgeworfen, dass bei ihren unsachgemäßen Grabungen Informationen für die Wissenschaft verloren gehen. Deshalb, so heißt es, hätte man gar nicht erst suchen und das archäologische Objekt lieber im Boden lassen sollen (wo es freilich auch nicht in jedem Fall besser wird).
Gleichzeitig ist es evident, dass die Forschung gerade den oft illegalen Aktivitäten von Metallsuchern einige Sensationen verdankt. Bestes Beispiel: Die Himmelsscheibe von Nebra. Ebenso das Harzhorn-Schlachtfeld fällt in diese Kategorie. Und der „Barbarenschatz von Rülzheim“ dürfte sich auf das Museum, in dem er mittlerweile ausgestellt wird, auch nicht gerade nachteilig auswirken.
Sind in Anbetracht der Sachlage Wissenschaftler und Museumsbetreiber einigen Schatzsuchern nicht insgeheim mehr dankbar als böse?
Gerade die Himmelsscheibe von Nebra zeigt die Gefahren. Der Fundkontext wurde wissenschaftlich undokumentiert zerstört und der Fundort bewusst „verlegt“. Nur durch Glück und kriminalistisches Geschick gelang es den Polizeibehörden die Kette von Hehlern bis zu den Findern zurück aufzudecken und den konkreten Fundort aufzuklären. Zum Nachweis, dass die Angaben des Finders stimmen, war erheblicher forensischer Aufwand seitens der Kriminalbehörden, aber auch der Archäometallurgie und anderer Disziplinen notwendig. Das haben wir ja alles in unserem Buch beschrieben.

Dabei ist zu beachten, dass die Himmelsscheibe von Nebra eine Ausnahme darstellt, weil es leider eher die Ausnahme ist, dass die Fundgeschichte rekonstruiert werden kann. Bei anderen herausragenden Funden dagegen, wie etwa dem Berliner Goldhut, handelt es sich vermutlich auch um illegal gemachte Funde, obwohl die „offizielle“ Herkunftsangabe dann zum Beispiel wie beim Goldhut „aus Schweizer Privatsammlung“ lautet. Da wissen wir leider nichts über Fundort und Fundzusammenhang.

Durch den Verzicht auf intensive polizeiliche Ermittlungen und den Ankauf durch das Museum wird letztlich auf die entsprechende Aufklärung verzichtet. Damit entgeht der Wissenschaft nicht nur die entscheidenden Datierungsmöglichkeit. Durch mögliche Beifunde, naturwissenschaftliche Proben aus der Befundsituation und deren Lage in Beziehung zu anderen Fundstellen lässt sich ja erst der kulturgeschichtliche Kontext erschließen. Letztlich bleibt durch die illegale Aktivität am Ende meist ein isolierter Fund zurück, der nur noch in Teilen verstanden wird. Das ist wie bei einem Buch, dem Anfang und Ende fehlen.

Wie binden Sie in Sachsen-Anhalt ehrenamtliche Metallsucher in die wissenschaftliche Arbeit ein? Diesbezüglich tut sich in Deutschland seit einigen Jahren ja durchaus manch Positives (während man hier in Österreich diesen Trend - sehr zum Schaden der Wissenschaft - ziemlich verschlafen hat).
In Sachsen-Anhalt sind mit Billigung der Landesarchäologie ausgezeichnete Sondengänger für die wissenschaftliche Forschung tätig. Diese Ehrenamtlichen waren in der Regel bereits lange vorher auf Ausgrabungen oder im Rahmen von Feldbegehungen tätig. Zudem werden seitens des Landesdenkmalamtes regelmäßig Fortbildungen für ehrenamtliche Mitarbeiter angeboten. Aus langer Tradition verfügt Sachsen-Anhalt über mehr als 350 Ehrenamtliche, von denen allerdings nur ein kleiner Teil mit Metallsonden aktiv ist.

Es handelt sich hier durchweg um äußerst vertrauenswürdige Kollegen mit in der Regel sehr guten archäologischen und topografischen Kenntnissen. Jeder Fund wird exakt eingemessen und, sollte es sich um einen relativ oberflächlichen Fund etwa in der Schwarzerde handeln, geborgen und anschließend mit den jeweils zuständigen Wissenschaftlern des Landesmuseums besprochen und gegebenenfalls auch publiziert.

Sollte es sich um einen zusammenhängenden Fundkomplex oder tiefergelegenen Fund handeln, bei dem mit Befunderhaltung zu rechnen ist, werden die Kollegen des Landesamtes seitens der Ehrenamtlichen informiert, so dass anschließend eine gemeinsame Ausgrabung stattfinden kann. So werden zum einen die Wissenschaft und der gesetzliche Auftrag gewahrt, zum anderen werden die kompetenten Sondengänger als Ehrenamtliche eingebunden. Mit diesem System sind wir sehr erfolgreich.

Die Depots etlicher archäologischer Museen quellen über. Nur noch ein Bruchteil der Objekte kann der Öffentlichkeit aufgrund viel zu kleiner Ausstellungsflächen zugänglich gemacht werden. Eine Fachfrau sprach im Radio - bezogen auf ganz Deutschland - von weniger als 10% des Materials. Zu besagten Depots bekommen selbst Fachwissenschaftler oft genug keinen richtigen Zugang - oder erst nach längeren Wartezeiten. Und als interessierter Laie hat man praktisch gar keine Chance.
Der oben schon erwähnte Archäologe Raimund Karl forderte deshalb seine Kollegen in den Museen zum "Entsammeln" auf - wobei er auch einen Verkauf nicht explizit ausschloss. Ein Tabu in Fachkreisen, wo der Antikenhandel gerne als Übel schlechthin betrachtet wird. Archäologische Objekte gehören der Allgemeinheit in Museen zugänglich gemacht und dürfen nicht in privaten Sammlungen verschwinden, wird in manchmal schon etwas schrillem Tonfall erklärt. Was allerdings in Anbetracht all der unzähligen in Depots verstaubenden Funde, die nie ihren Weg in eine Vitrine finden werden, kein besonders starkes Argument zu sein scheint.
Wie sehen Sie - als Direktor eines renommierten Museums - diese Frage? Ist das Entsammeln eine Option? Vielleicht um ein Schatzregal nach britischem Vorbild zu finanzieren, ohne zusätzliches Steuergeld in die Hand nehmen zu müssen?
Lieber Herr Hirtenfelder, bitte verzeihen Sie, aber die Vorschläge von Raimund Karl wie auch die Fragestellung deuten auf wissenschaftliche Unkenntnis hin oder lassen besondere Interessen vermuten. Denn es ist völlig irrelevant, wie viele archäologische Funde in Ausstellungen gezeigt und zugänglich gemacht werden. Eine Ausstellung kann immer nur einen Ausschnitt aus allen Funden zeigen.

Wichtiger noch: Die Entdeckung ausstellbarer Funde ist gar nicht das primäre Ziel der Archäologie. Der geht es in erster Linie um jene 99 Prozent Menschheitsgeschichte, für die wir keine Schriftquellen besitzen. Zur Aufklärung dieser Menschheitsgeschichte dienen in der Regel Funde, die für Ausstellungen von nachrangigem, für die Wissenschaft aber von herausragendem Interesse sind. Beispielsweise die zahlreichen Tierknochen eines paläolithischen Lagerplatzes, die uns über die Subsistenzstrategie von Jägern und Sammlern genauso Auskunft geben wie die Tierknochen einer neolithischen Siedlung, die den Ernährungswandel zu bäuerlichen Lebensumständen wie auch die Domestizierung von Tieren dokumentieren. Gerade für quantitative Analysen sind wir auf große Fundzahlen angewiesen.

Vor allem aber: Für viele Funde und Fundkategorien existieren zum Zeitpunkt der Ausgrabung noch gar nicht die Analysemethoden, mit denen sich alle ihrer Informationen gewinnen lassen. Ein faszinierendes Beispiel sind die Skelettreste von Menschen und Tieren. Während der letzten 200 Jahre Archäologiegeschichte konnte man hier im Wesentlichen nur taxonomische Untersuchungen durchführen. Seit etwa zehn Jahren ermöglichen uns die revolutionären Fortschritte in den Methoden, alte DNA zu entschlüsseln, fundamentalste historische Fragen aufzuklären: etwa die von Wanderungsbewegungen, Ernährungsgewohnheiten, die Krankheitsgeschichte einzelner Individuen, aber auch die Evolution und Verbreitung von Seuchen wie der Pest.

Die riesigen Mengen „verstaubter“ Knochenfunde schreiben nun eine völlig neue Geschichte! Sie lösen Rätsel, an denen sich frühere Forschergenerationen die Zähne ausgebissen haben. Der Erfolg der jüngsten populärwissenschaftlichen Literatur dazu (Johannes Krause/Thomas Trappe: Die Reise unserer Gene, 2019) zeigt die außerordentliche Relevanz bis hin zu aktuellen Diskussionen über rezente Wanderungsbewegungen, etwa in und nach Europa.

Oder nehmen Sie den bronzezeitlichen Fürsten von Helmsdorf: Fast 100 Jahre ruhten die Reste seines Skeletts im Magazin. Dank Isotopenanalyse wissen wir nun: Dieser vor 3800 Jahren gestorbene Herrscher ernährte sich genauso gut wie Könige des Mittelalters. Und wie wir im Himmelsscheibenbuch schildern, ergab ein Mikro-CT der Knochen nun: Der Mann ist ermordet worden. Die Ausgräber vor hundert Jahren hätten sich das niemals träumen lassen, dass sie den ältesten bisher nachweisbaren Fürstenmord gefunden hatten.

Ähnliches gilt für nahezu jede Fundgattung. So ist es seit einiger Zeit möglich, durch Residuenanalysen scheinbar langweiliger Keramikfunde herauszufinden, was in einem Topf aufbewahrt oder zubereitet wurde. Archäologische Funde sind also nicht immer ansehnlich, aber stets Dokumente der Menschheitsgeschichte und zumeist die einzige Hinterlassenschaft derjenigen Menschen, die vor der Schriftlichkeit auf unserem Planeten existierten. Diese Funde zu verkaufen, zu verstreuen, ihrem Kontext zu entreißen oder sie gar zu vernichten, wäre unvertretbar. Wir tragen eine große Verantwortung für unsere Vergangenheit. 

Vielen lieben Dank, dass Sie sich - trotz eines vollen Terminkalenders - für die Beantwortung der Fragen Zeit genommen haben.

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Anmerkung: Mein - von Herrn Meller in der letzten Antwort angedeutetes "besonderes Interesse" gilt dem Gedeihen der Wissenschaft und dem Wohl des Steuerzahlers. Ich gehe davon aus, dass sich das bei Raimund Karl sehr ähnlich verhält. Er wird in diesem Blog Harald Meller demnächst noch mit einem Gastbeitrag antworten.



Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen:


Mittwoch, 8. Mai 2019

🎧 Hörbares: Die römische Legion -- Römerlager in Bielefeld entdeckt -- Zaubersprüche und Minnesang -- usw.



 Die römische Legion - Waffe und Integrationsmaschine | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Literatur des Mittelalters - Zaubersprüche und Minnesang | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Römerlager in Bielefeld entdeckt | Spieldauer 4 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

Neue Erkenntnisse über Römerlager in Norddeutschland | Spieldauer 6 Minuten | NDR | Stream & Info

 Leonardo da Vinci - Das Universalgenie der Renaissance | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Die Zünfte - Von der Ächtung zur Achtung der Arbeit | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

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Montag, 6. Mai 2019

🏺 Über archäologische Hinterlassenschaften gestolpert

Ich habe es mir angewöhnt, bei meinen sportlichen Outdoor-Aktivitäten immer die Natur und besonders den vom Pflug aufgewühlten Ackerboden im Auge zu behalten, um eventuell Interessantes zu erspähen. So auch kürzlich, als ich in einem Bereich unterwegs war, in dem ich schon länger aufgrund von Luftaufnahmen die Überreste eines kleinen römischen Landgutes vermute. Dort entdeckte ich nun zum wiederholten Mal einige interessante Objekte, von denen zumindest das erste römisch zu sein scheint. Wer dazu eine konträre Meinung hat bzw. mehr zu wissen meint, der ist herzlich eingeladen, einen Kommentar abzugeben.

Alle meine Funde - bisher ohnehin nur ein paar kleine Keramikscherben, Ziegelstücke und Brandlehm - werden mit GPS eingemessen, mit einer Fundnummer versehen, auf einer Karte eingetragen (um die Fundstreuung im Laufe der Zeit sichtbar zu machen), vorsichtig gewaschen, fotografiert, eingetütet und in eine Schachtel gepackt.

Die von verschiedenen Seiten fotografierte Scherbe eines römischen (?) Keramikgefäßes. Die Länge beträgt rund 2,5 cm. Von welcher Magerung des Tons (oder Engobe?) stammen wohl diese Flecken an der glatten Innenseite (mittleres Bild)?

Die Länge dieses aus zwei Teilen bestehenden Scherbe beträgt ca. 6 cm. Auf der einen Seite (mittleres Bild) lässt sich eine leichte Wölbung erfühlen. Allerdings ergäbe diese Wölbung ein Gefäß von ziemlich großem Durchmesser, wofür mir die Wandstärke dann doch zu dünn erscheint (kann mich aber auch täuschen). Vielleicht handelt es sich daher um einen Ziegel. Diese wurden hergestellt, indem man den Ton in einen rechteckigen Holzrahmen drückte. Der Überschuss wurde in mit einem Brett abgestrichen - was Spuren wie die zu erkennenden Linien hinterlassen kann, die wiederum jenen ähneln, die beim Töpfern entstehen. Doch wie gesagt, ich fische hier mit meinen Vermutungen ein wenig im Trüben und wäre deshalb für weitere Vorschläge sehr dankbar. 
Übrigens, die beiden zusammenpassenden Stücke habe ich am Ackerrand in einem Abstand von gut 20 Metern gefunden - der Pflug leistet hier offensichtlich ganze Arbeit. Weshalb es auch unsinnig ist, wenn solche massiv gestörten Flächen in Österreich nicht per se für die Laienforschung bis zu einer bestimmten Tiefe freigegeben werden, wie es beispielsweise der Archäologe Raimund Karl in seinem Interview mit mir vorgeschlagen hat. 
Ein Stück von einem Ziegel; die Länge beträgt ca. 15 cm. Hinsichtlich der Zeitstellung fällt mir hier nicht viel ein. Nur allzu jung wird das Stück aufgrund der Form und etlicher Einschlüsse größerer Steinchen und verkohlter organischer Beimengungen nicht sein. Bei modernen Ziegeln ist die verarbeitete 'Rohmasse' wesentlich homogener. 
Nützlich für eine genauere Untersuchung von Keramik - aber auch allerlei anderer Dinge - kann so ein Taschenmikroskop mit integrierter Beleuchtung sein. Z.B. bei Amazon kann man dergleichen in verschiedenen Ausführungen für wenige Euro kaufen. Sogar diverse Mikroskop-Aufsätze für Smartphone-Kameras gibt es, mit denen Fotos gemacht werden können.

Fazit: Man sieht anhand der obigen Beispiele, dass es nie schadet, die Augen ein wenig offen zu halten. Über Zeugnisse der Vergangenheit stolpert man leichter als man denkt - und plötzlich ist man dadurch in der Lage, der Geschichte eines Ortes einen bisher unbekannten Aspekt hinzuzufügen.
Natürlich ließe sich - im konkreten Fall - noch mehr entdecken, wenn man kreuz und quer über den Acker laufen würde, anstatt sich nur an seinem Rand zu bewegen wie ich es gemacht habe. Allerdings wäre der Bauer kaum begeistert, wenn jemand seine Pflanzen niedertrampeln würde. 

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Weitere interessante Themen:


Samstag, 4. Mai 2019

📖 Hiltibolds aktuelle Leseliste: Von Carnuntum zum Christentum -- Kaiser Traian -- Eine kurze Geschichte der Trunkenheit -- Das Tagebuch der Menschheit




A.D. 313: Von Carnuntum zum Christentum | Franz Humer u.a. | Verlag Nünnerich-Asmus | 2017 | 275 Seiten | Preis: 29,90 Euro | Infos bei Amazon
Das Buch enthält u.a. zahlreiche gut beschriebene Abbildungen von zivilen sowie militärischen Gegenständen der Spätantike und Antike, die in und um die Römerstadt Carnuntum gefunden wurden. Damit ist es als Bildquelle recht interessant - z.B. für Living-History-Darsteller, die sich in der entsprechenden Zeit bewegen. Allerdings für das grauslich-lieblose Cover, das den Eindruck erweckt, als ob man das Buch auf gar keinen Fall verkaufen möchte, sollte sich der Verantwortliche ins Winkerl stellen und eine Runde schämen. 

 Kaiser Traian - Eine Epoche der Weltgeschichte (überarbeitete Auflage) | Karl Strobel | Verlag Friedrich Pustet | 2019 | 576 Seiten | Preis: 50 Euro | Infos bei Amazon
Man kann hier wohl von einem deutschsprachigen  Standardwerk zu Kaiser Traian  und seiner Zeit sprechen. Das Buch enthält viele Quellenangaben und sehr nützliche Zusatzinformationen in den Endnoten. Der Preis ist ein bisschen happig. 

 Eine kurze Geschichte der Trunkenheit: Der Homo alcoholicus von der Steinzeit bis heute Mark Forsyth | Verlag Klett-Cotta | 2019 | 271 Seiten | Preis: 20 Euro | Infos bei Amazon
Diese interessante Geschichte des Alkoholgenusses und Alkoholmissbrauchs ist launig geschrieben. Manchmal allerdings für meinen Geschmack zu 'launig'. Formulierungen wie "auf die Kacke hauen" und "Scheiße" wirken  mitunter krampfhaft bemüht und daher deplatziert. Übrigens, der Leineneinband ist hier sehr schön gestaltet.

 Das Tagebuch der Menschheit: Was die Bibel über unsere Evolution verrät (5. Auflage) | Carel van Schaik, Kai Michel | Verlag Rowohlt | 2017 | 576 Seiten | Preis: 15 Euro | Infos bei Amazon
Dieses Buch hat mir einer der beiden Autoren freundlicherweise kostenlos zukommen lassen, nachdem ich wegen einer anderen Angelegenheit mit ihm seit einiger Zeit in E-Mail-Kontakt stehe. Es handelt sich bei dieser Ausgabe bereits um die 5. Auflage und ein Leser meinte, das Buch sei wirklich sehr gut. Ich bin daher schon gespannt. 

Ausführlichere Rezensionen zu den obigen Büchern folgen hier in den kommenden Wochen.

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