Mit der Rezension von diesem bereits im Frühherbst 2025 erschienen Heft aus der Reihe "Bayerische Archäologie" bin ich arg spät dran,... aber was will man machen!? Wie der Titel bereits klar und deutlich verkündet, geht es thematisch um die "RÖMER ZENTREN BAYERNS". Den Bindestrich hat man sich hier geschenkt. Der Verlag Pustet muss wahrscheinlich sparen ...
Exemplarisch werde ich aus der vorliegenden Zeitschrift einige Beiträge herausgreifen, die mir entweder gut gefallen oder die bei mir schlicht Mordlust hervorrufen (es kann sich fallweise auch irgendwo dazwischen bewegen 😉).
Modernes Museumsmarketing: Narzissmus und Ideologie
Die Entwicklung und den Aufbau der römischen Stadt Cambodunum (heute Kempten), beschreiben Maike Sieler und Salvatore Ortisi in einem längeren Beitrag (letzterer Herr ist quasi der italienische 'Austauscharchäologe', der als Ersatz für den nach Italien abgewanderten Gabriel Zuchtriegel nach Deutschland geschickt wurde 😄).
Der Text ist an sich ok, besonders gefallen haben mir die erhellenden Rekonstruktionsgrafiken wie etwa vom Forum der Stadt. Auch die Fotos von echten Rekonstruktionen römischer Bauten, die man heute im Archäologischen Park Cambodunum bestaunen kann, sind sehr schön.
Leider findet sich ganz am Ende des Beitrages (S. 19) ein Paradebeispiel für wokes Museums-Marketing: Die personell auffällige Zusammensetzung bzw. demographisch atypische Gewichtung im entsprechenden Foto wurde ja mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht rein zufällig so gewählt wie sie gewählt wurde: Ein blondes Mädchen und ein Mädchen sowie ein Bub von vielleicht nordafrikanischer bzw. sehr 'südländischer' Herkunft werden beim gemeinsamen Besuch des archäologischen Parks gezeigt. Auch die Geschlechterverteilung ist hier eher kein Zufall. Kaum etwas an dieser Bildkomposition dürfte spontan oder authentisch sein - das legt jedenfalls die jahrelange Beobachtung solcher Inszenierungen im weltanschaulich längst nicht mehr sehr diversen geschichtswissenschaftlich-archäologischen Milieu nahe. Wollte man hier also in der üblichen billig-narzisstischen Weise Tugend signalisieren, um Bonuspunkte in der eigenen sozialen Blase zu sammeln? Oder kommt in diesem Bild gar eine Art umgedrehter Rassismus zum Ausdruck, der einen totalen demographischen Wandel herbeisehnt? So oder so, diese Leute, die oft auf Steuerzahlerkosten an allen Ecken und Enden ihre Politik induzieren, sind schlicht unerträglich.
Anmerkung: Ich verzichte auf das Posten des gegenständlichen Bildes, weil die darauf abgebildeten Kinder in Ruhe gelassen werden sollen. Sie können nichts dafür, dass sie von Erwachsenen quasi instrumentalisiert werden.
"Aberglaube"
In einem interessanten Beitrag über die römische Stadt Sorviodurum (Straubing) wird am Rande ein (keramisches?) Zauberpüppchen erwähnt bzw. gezeigt. Man hat es in der Antike - vermutlich wie eine Voodoo-Puppe - mit Nadeln durchstochen. Im Inneren befindet sich ein kleiner Hohlraum, in den einst magische Stoffe gesteckt wurden (angeblich).
Interessanterweise wird das alles vom Autor mit dem Begriff "Aberglaube" punziert. Doch wieso eigentlich? Schließlich handelt es sich dabei um einen in unseren Breiten traditionell christlich geprägten Schmähbegriff. Hingegen für die Menschen dazumal war beispielsweise ein solches Püppchen völlig normal und Teil der alltäglichen Glaubenswelt.
Ich finde es erstaunlich, dass es immer noch Historiker und Archäologen gibt, die das nicht berücksichtigen; so als ob die Aufklärung nie stattgefunden hat und man Funde/Befunde immer noch durch die Brille des Christentums filtern muss.
Lametta und Hut
In der Heftmitte verschwendet man wieder einmal Platz für die "Mitteilungen" der Gesellschaft für Archäologie in Bayern. Lauter Blabla. Darunter befindet sich ein kurzer Bericht über die Verleihung der sogenannten "Christlein-Medaille" (immerhin fehlt der Bindestrich hier nicht 😆). Ich werde nie vollständig begreifen, warum sich Leute darüber freuen, wenn man sie - einem Weihnachtsbaum nicht unähnlich - mit Lametta behängt. Im gegenständlichen Fall handelt es sich beim Preisträger aber zumindest nicht um einen typischen Establishment-Hansel, der für Wohlverhalten belohnt wird, sondern um einen fleißigen Ehrenamtlichen.
Grinsen musste ich freilich, als ich auf einem Foto - das sich neben dem Text über die Preisverleihung befand - ein weiteres Beispiel aus der Kategorie "lustiger Archäologenhut" entdeckte. 😁
Thomas Fischer
Gute gefallen hat mir das abgedruckte Interview mit dem Archäologen und Römer-Forscher Thomas Fischer, den sicher einige Blogleser kennen werden. Von ihm habe ich bereits mehrere Bücher im Rahmen des Blogs besprochen, z.B. "Die Armee der Caesaren". Mittlerweile gibt es eine weitere dicke Publikation von ihm: "Bayern zur Römerzeit." Vielleicht werde ich auch hier wieder zugreifen.
Fischer, der mittlerweile im Ruhestand ist, hat außerdem einen Science Fiction-Roman geschrieben und ist Donald-Duck-Fan. Ein Mann mit sehr unterschiedlichen Interessen!
Da sehe ich schwarz ... (schon wieder!)
Wie im Fall des eingangs erwähnten Archäologischen Parks Cambodunum, so ist man wohl auch im kleinen Römermuseum Bedaium (Seebruck) der Meinung gewesen, die Normalisierung der ethnischen Nicht-Norm sei geboten. Denn anders kann die sehr dunkelhäutige Schaufensterpuppe schwerlich erklärt werden, die Teil eines Dioramas ist, welches im Rahmen einer Sonderausstellung über römische Landwirtschaft präsentiert wird. Wer fühlt sich hier nicht an jene berüchtigte BBC-Cartoon-Dokumentation über das römische Britannien erinnert, die vor nicht allzu langer Zeit für Kopfschütteln sorgte?
Jeder ernstzunehmende Archäologe/Historiker weiß ganz genau: Gebiete, die in Subsahara-Afrika bzw. Schwarzafrika liegen, waren nie Teil des Römischen Reichs. Auch hatte Rom nur marginale Berührungspunkte mit dieser Weltgegend. Der Handel war sehr überschaubar (dann vor allem mit Äthiopiern, Nubiern) und große Kriege, die schwarzafrikanische Gefangene in nennenswertem Ausmaß ins Reich transferiert hätten, gab es praktisch nicht. Dementsprechend findet man in alten römischen Bildquellen Schwarzafrikaner (mitunter pauschal als Aethiopes bezeichnet) nur ganz selten. Sie waren, das bezeugt auch die Archäologie, nie ein alltäglicher Anblick. Ganz besonders nicht in einer nördlich gelegenen Provinz, die sich auf dem Gebiet des heutigen Bayern befand!
Den handelnden Personen im Römermuseum Bedaium ist dergleichen offenbar wurscht. Dementsprechend kommt hier der dringende Verdacht auf, dass sie keine stringent ernstzunehmende Wissensvermittlung betreiben wollen, sondern den Versuch unternehmen, Museumsbesucher mittels einer bewussten ethnisch-historischen Fehlgewichtung zu indoktrinieren. Oder anders formuliert: Man suggeriert, eine absolute Ausnahme sei dazumal die Regel gewesen. Und das ist gegebenenfalls noch viel schlimmer als das ganz oben beschriebene Werbesujet des Archäologischen Parks Cambodunum. Denn darin lässt man die ideologietriefenden Finger zumindest von den historischen Fakten.
Im Übrigen: Solche Dioramen sehen weniger billig und gruselig aus, wenn man die Köpfe und Hände entweder komplett weglässt oder die 'nackten' Körperteile verdeckt (dann auch gerne durchgehend mit dunklem Stoff, da hier niemand mit Verstand annehmen wird, es handle sich um eine ethnische Darstellung). Das erleichtert es den Betrachtern, sich auf das Wesentliche (die Kleidung und Ausrüstung) zu konzentrieren, anstatt sich von den toten Augen der Schaufensterpuppe ablenken zu lassen (was ansonsten fast zwangsläufig der Fall ist). Wie das kostengünstig mit ein paar Damenstrumpfhosen bewerkstelligt werden kann, habe ich bereits in einem Blogbeitrag gezeigt.
Fazit
Ein interessantes Heft, das u.a. offenbart, mit welchen intellektuellen und charakterlichen Unzulänglichkeiten man heutzutage im geschichtswissenschaftlichen Betrieb konfrontiert wird.
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