Freitag, 15. Oktober 2021

📽️ Videos: Seltsame Waffen des Mittelalters -- Rekonstruktion eines römischen Schnellimbisslokals -- Adam Weishaupt und der Illuminatenorden -- Archäologie in Österreich -- usw.



 Weird Weapons: Swordhammer? Polesword? | Spieldauer 18 Minuten | Youtube | Stream & Info
Sicher eine der eigenartigsten mittelalerlichen Waffen, die ich je gesehen habe. Wie es um den praktischen Kampfwert dieses äußerst sonderbaren Dings bestellt ist, wird in diesem Video sehr gut ersichtlich 😄


 Rekonstruktion eines römischen Schnellimbisslokals in Pompeji | Spieldauer 1 Minuten | Youtube | Stream & Info |
Bei der Vorlage (Video hier) für diese schöne 3D-Rekonstruktion handelt es sich um ein relativ neue Entdeckung, die erst seit kurzem für Besucher zugänglich ist.


 Adam Weishaupt und der Illuminatenorden | Spieldauer 109 Minuten | Youtube | Stream & Info
Abseits des Illuminaten "Meme" hier etwas zu den tatsächlichen historischen Hintergründen. Zumindest soweit ich das beurteilen kann, wobei ich mit dem Thema nicht wirklich vertraut bin. Also am besten selber anschauen und sich eine Meinung bilden. Eines weiß ich allerdings seit Kurzem sicher: George Washington schreibt 1798 in einem Brief  von der Gefährlickeit des Illuminatenordens.

 Bauberufe des Mittelalters - Der Weg des Steins | Spieldauer 15 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk zieht dieses Guedelon-Thema  nun schon so lange durch die Büsche... erkennbar an den uralten Aufnahmen.

 Römer-Archäologie in Globaßnitz | Spieldauer 3 Minuten | Youtube | Stream & Info

 Archäologie in Hallstatt und in der Dachstein-Region | Spieldauer 4 Minuten | ORF | Stream & Info 
Wie bitte, Blauschimmelkäse gab es schon in der Hallstattzeit?! Ich dachte bisher, der sei erst im Mittelalter erfunden worden. Interessante Sache.

 Arne-Torben Voigts und das Steinzeitfrühstück | Spieldauer 4 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info

 Eines der größten Rätsel der bayerischen Geschichte | Spieldauer 7 Minuten | BR | Stream & Info
Spannend und interessant, aber: Gerade Medien zehren allenthalben an der Hitlerzeit. Was würden viele Deutsche - vor allem aber ihre Eliten - nur ohne den aspektreichen Negativkult rund um den gescheiterten Landschaftsmaler aus Braunau am Inn sein? Weniger neurotisch? Weniger gefallsüchtige? Weniger leicht manipulierbar? Fragen über Fragen, man kann nur spekulieren ... 


Dienstag, 12. Oktober 2021

Krimskrams: Ausgetrickster Plagiatsjäger? -- Monströser Sprach-Stuss -- Neue Romanreihe über Diadochenkriege -- usw.

Ausgetrickster Plagiatsjäger?

Ein neues Beispiel für die Abgesandeltheit des heimischen Hochschul-Systems: Wie verhindert man, dass die potentiell lausige oder eventuell gar plagiierte Diplomarbeit einer Frau, die laut Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft für Politiker Umfragen frisiert haben könnte und gerade wegen Verdunkelungsgefahr festgenommen wurde, von einem namhaften Plagiatsjäger begutachtet wird? Na, vielleicht so?
Bildzitat | Quelle: Twitter.com
Die FH Wiener Neustadt ist übrigens exakt jene schwindlige Location, in der schon eine ehemalige Ministerin trotz erwiesener Plagiatsvöllerei ihren Master-Grad nachgeschmissen bekommen hat. Alles (l)egal, laut unter Verschluss (!) gehaltenem 'Gefälligkeitsgutachten' eines "Bananenvereins", weil die arme Frau dazumal nicht so recht gewusst haben soll wie man in einer Master-Thesis korrekt zitiert. Vorsatz sei aus diesem Grund keiner nachzuweisen. Wie freilich ein Leser des Blogs anmerkte: "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht". Dummheit eigentlich auch nicht. Hier aber allem Anschein nach schon. 

Dass in beiden genannten Fällen die betroffenen Personen ein Naheverhältnis zur selben Partei haben und auch dieselbe FH betroffen ist, die sich überdies in einem Bundesland befindet, in dem besagte Partei seit Jahrzehnten politisch quasi allmächtig ist, kann nur ein Zufall sein. Die haben sich da in Wiener Neustadt niemals nicht eine parteinahe Titelmühle gebastelt... Keinesfalls! 

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Neue Romanreihe von Robert Fabbri über die Diadochenkriege: Kann das was werden?

Der Verlag Rowohlt hat mir geschrieben; so eine Massen-E-Mail für Blogger und Journalisten, um auf eine Neuerscheinung aufmerksam zu machen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,...

Ich werde nie verstehen, was mich zum Kollegen eines Verlags macht. Da müsste ich ja selber einen Verlag besitzen oder zumindest für einen arbeiten. Trotzdem werde ich ständig mit dieser Anrede angeschrieben ...
... mit «Alexanders Erbe: Die Macht dem Stärksten» erscheint im November der Auftaktband zur neuen Serie von Robert Fabbri. 

Hört sich prinzipiell nicht uninteressant an, aber:

Der englische Bestsellerautor, bekannt durch seine Vespasian-Romane,...

Genau diese an sich spannende Romanreihe rund um den späteren römischen Kaiser Vespasian habe ich bei Teil 5 abgebrochen, weil der Autor es nicht lassen konnte, immer größere Fantasy-Elemente in die vom Verlag als "Historische Romane" vermarkteten Bücher einzubauen (meine Rezension). Es stellt sich deshalb die für mich wichtige Frage: Treibt Herr Fabbri es in seiner neuen Serie wieder so bunt?

... erweckt eine der interessantesten Epochen der Geschichte wieder zum Leben - voller Schlachten, Machtkämpfen und Intrigen. Ausgangspunkt der neuen Reihe ist der Tod Alexanders des Großen, der bis heute Rätsel aufwirft.

Es soll also um die spannende Zeit der Diadochen-Kriege gehen. Weiter heißt es zur Handlung: 

Babylon, 323 v. Chr.: Nach dem Tod Alexanders des Großen ist das mächtigste Imperium, das die Welt je gekannt hat ohne Herrscher. Die Kunde vom unerwarteten Tod des jungen Herrschers jagt durch das Land, und ein skrupelloser Kampf um den Thron beginnt. Ein gefährliches Netz aus Intrigen und Lügen breitet sich aus. Allianzen werden geknüpft und gebrochen. Jeder Rivale verfolgt sein eigenes Ziel. Wer übernimmt nun die Macht, ohne einen rechtmäßigen Erben? Wer wird siegreich aus diesem Kampf mit ungleichen Mitteln hervorgehen? Am Ende wird nur ein Mann – oder eine Frau – übrig bleiben …

Ich frage mich, ob die Formulierung "Am Ende wird nur ein Mann – oder eine Frau – übrig bleiben …" bloß der feministisch-politischen Korrektheit geschuldet ist? Oder ob der Autor vor hat, sich nicht an die historischen Tatsachen zu halten (Frauen bzw. weibliche Herrscher spielten in den Diadochenkriegen nämlich keine wesentliche Rolle)? Oder wird hier auf DIE Kleopatra angespielt, also die letzte, aber umso berühmtere Herrscherin eines Diadochenreichs? In letzterem Fall müsste sich die Handlung der Romanreihe über mehrere Jahrhunderte erstrecken.
Ich denke, ich werde erst einmal abwarten. Für Interessierte gibt es nähere Infos bei Amazon.

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Monströser Sprach-Stuss als Indikator für die intellektuelle Verwahrlosung der Journaille 
Bildzitat | Quelle: Twitter.com
Wehe, es schreibt noch mal einer, die FAZ wäre eine sogenannte "konservative" Zeitung. Sich diesen sprachlichen Nonsens zu eigen zu machen ist nämlich alles mögliche, aber etwas Konservatives (=Bewahrendes) vermag ich darin beim besten Willen nicht zu erkennen. Eher hat man es mit dem Heranschleimen an einen Zeitgeist zu tun, der sich in einer journalistisch-politisch-akademischen Blase breitgemacht hat. Im Alltag redet hingegen kein normaler Mensch so belämmert.

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Weil wir gerade beim Thema Sprache sind: Kürzlich stieß ich auf das mir bis dahin nicht geläufige englische Wort niggardly (warum es mir ins Auge gesprungen ist, dürfte nicht schwer zu erraten sein). Nachdem ich seine Bedeutung nachgeschlagen hatte, kam mir - da ich gerne mal als Hobby-Etymologe dilettiere - sofort folgende Frage in den Sinn: Könnte niggardly mit dem österreichisch-deutschen Negeranten sprachlich verwandt sein? Die Wortbedeutungen sind ja eigentlich nicht meilenweit voneinander entfernt: Einerseits der Pleitier und/oder Habenichts. Andererseits die Beschreibung als geizig oder kärglich.
Und tatsächlich besteht hier ein gemeinsamer Wort-Ursprung, wenn ich meinen eigenen Nachforschungen glauben darf.

PS: Ich empfehle - passend zu meinem obigen Geschreibe - dieses steirische Gasthaus 😉

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Wer von euch ohne Modesünde ist, der werfe den ersten Stein

Kürzlich habe ich mich wieder einmal über die originelle Kopfbedeckung eines Archäologen amüsiert. Dabei vergaß ich allerdings, dass auch in der Hinsicht bereits auffällig geworden bin. Nämlich als ich an meinen Buschhut einen Schirm aus leichtem Verpackungsmaterial geklemmt hatte.
Ursprünglich war das nur als Notbehelf gedacht, mittlerweile nutze ich ihn aber immer wieder einmal, da er sich bei tiefstehender Sonne als sehr nützlich erwiesen hat. Dass das gleichzeitig auch etwas blöd aussieht, ist mir schon klar. Aber: Form follows function! 😊


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Montag, 11. Oktober 2021

🎧 Hörbares: Stonehenge in Herne -- Die Deutschen und ihre Antike -- Wie der Pergamonaltar nach Berlin kam -- Packende Geschichte am Firmament -- usw.



 "Stonehenge" in Herne | Spieldauer 5 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 Archäologen belegen: Urwälder wurden schon immer bewirtschaftet | Spieldauer 10 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 Bernd Brunner: „Das Buch der Nacht“ - Die Kulturgeschichte der Nacht | Spieldauer 11 Minuten | DFK | Stream & Info | Direkter Download

 Wie der Pergamonaltar nach Berlin kam: Tricks, Intrigen und Bakschisch | Spieldauer 11 Minuten | DFK | Stream & Info Direkter Download

 Am Anfang war der Affe: Vor 25 Jahren akzeptierte Rom Darwins Evolutionstheorie | Spieldauer 20 Minuten | DR | Stream & Info

 Boden-Schätze im Westen - Dr. Erich Claßen, der Indiana Jones von NRW  | Spieldauer 23 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 Benvenuto Cellini - der feinsinnige Mörder | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Der Philosoph Thomas Hobbes (1588-1679): Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf | Spieldauer 20 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Packende Geschichte am Firmament: Fünf Sternbilder und ein Herbstdrama | Spieldauer 3 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 „Die Deutschen und ihre Antike“ - Ethos und Gemeinschaftsideal | Spieldauer 7 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download
Schrecklich, dieses bei jeder Gelegenheit eingestreute Feminismusgesabbel. Als ob es die Schuld der Männer ist, wenn Frauen im Schnitt andere Interessen verfolgen und weniger gerne in der für geisteswissenschaftliche Verhältnisse relativ schwierigen Altertumswissenschaft (Latinum und Graecum!) unterwegs sind? Es beklagt sich ja auch so gut wie niemand darüber, dass es nur wenige Männer in der Kleinkindpädagogik gibt (im Gegenteil, insgeheim neigen Eltern zu Misstrauen, sobald ein Mann sich um ihren Nachwuchs im Kindergarten kümmert). Davon abgesehen ist es anmaßend und unverschämt, Frauen (oder Männern) sagen zu wollen, für was sie sich zu interessieren haben. Alles bloß weil eine auf Gleichbürsterei ausgelegte Ideologie zweier charakterlich verkommener Rauschebärte aus dem 19. Jahrhundert sich heute in leicht modifizierter Form zunehmender Beliebtheit im Journalismus und im Uni-Umfeld erfreut.

Samstag, 9. Oktober 2021

📽️ Videos: Geheimnisvolle Mumien -- Archäo- und Paläogenetik -- Ältestes Römerlager in Haltern entdeckt -- Streit um das Erbe der antiken Stadt Salona -- usw.



 Geheimnisvolle Mumien 1 | Spieldauer 53 Minuten | Arte | Stream & Info 
Unter dem Video sind Teil 2 und 3 verlinkt. 

 Leipzig: 1.200 Jahre alte Handschrift entschlüsselt | Spieldauer 3 Minuten | MDR | Stream & Info

 Der Streit um das Erbe der antiken kroatischen Stadt Salona | Spieldauer 4 Minuten | BR/ORF | Stream & Info 

 Archäologen entdecken Beckenbauwerk in Wismar | Spieldauer 3 Minuten | NDR | Stream & Info 

  Interview mit Johannes Krause, Fachmann für Archäo- und Paläogenetik | Spieldauer 19 Minuten | ARD | Stream & Info
Sehr interessant und sehenswert! Besser wäre freilich gewesen, den Herrn gesondert zu interviewen, anstatt ihn neben irgendwelche Entertainment-Untoten und manch noch eigenartigere Gestalt zu setzen ...

 Interview mit Unterwasser-Archäologe Florian Huber | Spieldauer 38 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info

 Ältestes Römerlager in Haltern entdeckt | Spieldauer 2 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info 

 Jaques Martin: Comics und Archäologie | Spieldauer 3 Minuten | xxx | Stream & Info
Auf die Idee muss man erst einmal kommen, das antike Musikintrument Cornu mit "Cornü" zu übersetzen bzw direkt die französische Aussprache zu verwenden. Die Übersetzerin hatte offenbar überhaupt keinen Schimmer ... Dass der Comic die antike Welt "exakt" wiedergibt ist auch Unsinn. Vieles wirkt heute eher unfreiwillig komisch, etwa wenn der Autor römische Rüstungen zeichnet, in denen Elemente aus einem Zeitraum von mehreren Jahrhunderten zusammengewürfelt wurden. Legionäre der Republik mit spätantiken Kammhelmen ist nur ein Beispiel. Das soll übrigens kein Vorwurf in Richtung des Autors/Zeichners sein, Comic bleibt eben Comic, sondern ist vielmehr an jene gerichtet, die ihm heute authentische Darstellungen zuschreiben wollen und offenbar nicht wissen, was sie da überhaupt daherreden. 

 Schmidt Max auf den Spuren der Römer | Spieldauer 25 Minuten | BR | Stream & Info

 Antike Materialien neu verbauen | Spieldauer 3 Minuten | ORF | Stream & Info
Die ORFler reden mal wieder einen totalen Topfen: "Historisch wertvolle Materialien". Wenn es historisch wertvoll wäre, dann würde es im Museum landen. Lediglich finanziell ist das alte Zeug offenbar etwas für den Verkäufer wert. Und natürlich ist Recycling meist eine gute Sache.

 Spezialist aus Bruchhausen-Vilsen recycelt antike Baustoffe | Spieldauer 3 Minuten | MDR | Stream & Info
Zufälle gibts: Der MDR berichtet quasi zeitglich mit dem ORF über dieses Orchideenthema.



Donnerstag, 7. Oktober 2021

⚔️ Der Mittelalter-Helm von der Stange: Authentische Patina statt Strahlemann oder Rosteimer!

Wer kennt sie nicht: Mittelalterhelme von der Stange, die vom Hersteller dermaßen aufpoliert wurden, dass sie mit der Sonne um die Wette strahlen. Übermäßig authentisch kommt das nicht daher - egal ob man mit so einem Helm an einem Reenactment teilnehmen möchte oder ihn sich wie in meinem Fall bloß als Deko ins Regal stellt.

Das Grundproblem: Hersteller verwenden moderne Stähle, die - selbst wenn sie niedriglegiert/unlegiert sind - immer noch eine wesentlich bessere Qualität aufweisen als der mittelalterliche Durchschnittsstahl. Das sieht man dem Helm mit seiner allzu sauberen bzw. homogenen Oberfläche einfach sofort an.

Manch Reenactor behilft sich nun damit, dass er die Helmoberfläche mit Wasser oder - besser noch - mit Salzwasser benetzt, um rasch Rost zu erzeugen. Dieser erste Schritt ist zwar nicht falsch, doch folgen keine weiteren, dann sieht das Endergebnis sogar wesentlich unauthentischer als die ursprüngliche Glanzpolitur aus. Man darf nämlich nicht glauben, dass im Mittelalter ein Kämpe seine teure Ausrüstung dermaßen hätte verkommen lassen. Genau den Eindruck erweckt man jedoch mit einem dicken Rostüberzug. Was also tun, um ein authentisches Erscheinungsbild zu erzeugen? Nun, bei meinen Helmen hat sich im Laufe der Jahre folgende Vorgehensweise als besonders zielführend herausgestellt:
  • In die Oberfläche des Helms stellenweise mit der flachen Seite eines Hammers wenige kleine Dellen schlagen. 
  • Mit Hammer und Nagel (oder einem Körner) in der Oberfläche ca. zwei Dutzend winzige Vertiefungen erzeugen (dabei entstehende Grate glatt feilen). Darin wird sich im Laufe der Zeit Rost sammeln. Zweck: Es werden Schlackeneinschlüsse nachgeahmt, was zu der fürs Mittelalter vergleichsweise dürftigen Stahlqualität passt (Prunkrüstungen, besonders spätmittelalterliche, einmal ausgenommen). 
  • Die Oberfläche mit einer Drahtbürste oder grobem Schmirgelpapier bearbeiten - er soll schließlich danach aussehen, als ob der Helm schon mehrfach im Kampfeinsatz war und danach immer wieder mit Sand oder ähnlichen Hilfsmitteln gereinigt wurde (man kann freilich auch direkt Sand verwenden, sofern man darüber verfügt).
  • In Salzwasser getränkte Tücher um den Helm wickeln, dann einen Tag warten.
  • Den entstandenen Rost mit Essig abwaschen - aber nicht allzu pingelig, ein Teil davon darf ruhig dran bleiben
  • Den Vorgang mit Salzwasser und Essig mehrfach wiederholen. Sobald man mit dem Ergebnis zufrieden ist, den Rost etwas besser entfernen - wenn nötig an unzugänglicheren Stellen (z.B. Nieten) mit einer kleinen weichen Drahtbürste (Borsten aus Bronze).
Das Ergebnis dieser eigentlich nicht sehr arbeitsaufwändigen, eventuell 10 Tage in Anspruch nehmenden Prozedur sieht man auf dem letzten Foto meiner Reproduktion eines Nasalhelms (ca. 11./12. Jahrhundert). Die Gegenüberstellung mit dem Ursprungszustand spricht sozusagen für sich selbst.

Links: Der Helm wurde mit in Salzwasser getränkten Taschentüchern bedeckt. | Rechts: Das Ergebnis dieser Prozedur nach 24 Stunden. Das Umlaufende Band ist hier deshalb nicht so rostig wie die Kalotte, weil ich dieses bereits mit Essig gesäubert hatte.

Links: Das ursprüngliche Aussehen des Helms nach dem Kauf | Rechts: Der Helm nach der oben beschriebenen Behandlung

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Dienstag, 5. Oktober 2021

🎧 Hörbares: Robin Hood, die Legende vom edlen Räuber -- Streit um ein Dino-Fossil -- Höhlenmalerei in Lascaux -- Die Bundeslade -- Megafauna der letzten Eiszeit -- usw.



 Robin Hood - Die Legende vom edlen Räuber | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Zu dem Thema habe auch ich schon mal etwas geschrieben: "Robin Hood der Normannen-Schreck: Sinn oder Unsinn einer Legende?"

 Streit um ein Dino-Fossil in Karlsruhe | Spieldauer 11 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download
Wieder einmal ein absolutes Paradebeispiel aus den Abgründen der Wissenschaft, die ihren hehren Ansprüchen, die so gerne in Sonntagsreden öffentlich kommuniziert werden, leider allzu oft nicht gerecht wird. Geradezu grotesk ist im konkreten Fall das Unterdrücken von wissenschaftlichen Erkenntnissen durch eine Fachzeitschrift auf bloßen Zuruf von ein paar beleidigten Leberwürsten, die sich einbilden, zu kurz gekommen zu sein. Freilich, dass sich Wissenschaftler gerade in sozialen Medien wie der letzte Charaktermüll gebärden, kann durchaus häufig beobachtet werden. 
 
 Höhlenmalerei in Lascaux | Spieldauer 6 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

 Was weiß man über den Verbleib der Bundeslade? | Spieldauer 2 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

 Hamelns verschwundene Kinder - Der Zauber des Rattenfängers | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Mammut & Co - Die Megafauna der letzten Eiszeit | Spieldauer 24 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Hier der kleine Hinweis: Wir befinden uns geologisch und erdgeschichtlich betrachtet nach wie vor in einer Eiszeit. Abzulesen an den vergletscherten Polregionen.

 Die kleine Eiszeit - Eine Kälteperiode und ihre Folgen | Spieldauer 19 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Ein spannendes Thema. Ich habe mir diese Sendung aber noch nicht angehört, durchaus möglich also, dass sie darin Unsinn verzapfen, indem sie  - wie so oft beim Klimathema - Koinzidenzen mit Korrelationen sowie Kausalitäten gleichsetzen. Mal sehen.

 Vulkane in Deutschland - schlafende Riesen | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Dante Alighieri - Die Göttliche Komödie | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Johann Sebastian Bach Genie mit Langzeitwirkung | Spieldauer 20 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Die Orgel - Die Königin der Instrumente | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download


Samstag, 2. Oktober 2021

📽️ Videos: Deckt der "Bananenverein" ÖAWI akademischen "Beschiss"? -- Goldschatz und 3.000 Jahre alte Siedlung -- Germanen im Südwesten -- usw.



 Deckt der "Bananenverein" ÖAWI akademischen "Beschiss"? | Spieldauer 9 Minuten | Puls4 | Stream & Info
Da in diesem Blog ja immer wieder auch ein Blick auf die moralischen Abgründe des Wissenschaftsbetriebs geworfen werden soll, hier ein aktuelles Beispiel: Der von der Politik installierte Alibi- und "Bananenverein" ÖAWI ("Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität" 😂) erteilt einer geschassten Spitzenpolitikerin für ihren akademischen "Beschiss" die Absolution. Der Aufdecker und Plagiatsgutachter Stefan Weber ist in seinem Interview mit Puls 4 hörbar 'not amused' darüber und teilt kräftig aus (hier außerdem eine schriftliche Stellungnahme auf seiner Website sowie ein leider nur noch im Google-Cache vorhandener Medienbericht, der die Hintergründe beleuchtet). Überraschen tut mich diese Entwicklung freilich nicht. Warum? Ganz einfach: Uni-Arbeiten von Parteipolitikern werden aus nachvollziehbaren Gründen besonders gerne auf Plagiate überprüft. Dementsprechend dürfte die Motivation genau solcher Parteipolitiker beträchtlich gewesen sein, die ÖAWI direkt oder indirekt mit Gutachtern zu betanken, die hinsichtlich des zunehmenden Plagiatsunwesens für eine Laissez-faire-Haltung eintreten. Letztendlich bleibt also wieder einmal nur die Erkenntnis, dass das Hochschulsystem, mit seinen massiven politischen Abhängigkeiten bzw. Verflechtungen, immer stärker zu einer Titelmühle für Poser und Kompetenz-Attrappen verkommt. Mit ihren Bullshit-Graden erhalten die Absolventen Zugang zu 'Jobs' in der Politik, der Politik-Beratung und im qualitativ längst schwer abgesandelten Journalismus. Lauter Branchen, in denen man tendenziell nicht viel können muss, die aber mit massig Steuergeld geflutet werden, das ehrlich arbeitende Menschen erwirtschaftet haben. Der Begriff 'parasitär' liegt einem hier auf der Zunge. Diese Situation dürfte bei der zunehmenden Deindustrialisierung Westeuropas freilich nicht besser werden. Im Gegenteil, aufgrund abnehmender Stellenangebote im Bereich der manuellen Arbeit wird man immer mehr unbegabte Menschen in Universitäten bzw. Laberfächer drücken (MINT-Fächer überfordern ja viele) und als Folge daraus für sie staatlich finanzierte Versorgungsposten schaffen müssen. Anders kann die Politik die Misere, in die sie die Gesellschaft hineinmanövriert hat, mittelfristig nicht übertünchen. Irgendwann wird der ganze Krempel freilich mit Getöse zusammenbrechen. Jene Parteipolitiker, welche - in ihrer insgeheimen Verachtung für manuelle Arbeit - die Dienstleistungsgesellschaft samt Massen-Akademisierung gepredigt haben, werden dann hoffentlich mit nassen Fetzen davongejagt. 
 
 Archäologie in Österreich: Goldschatz und 3.000 Jahre alte Siedlung | Spieldauer 1 Minuten | ORF | Stream & Info

 Germanen im Südwesten - Woran glaubten sie? | Spieldauer 15 Minuten | SWR | Stream & Info
In dieser Reihe findet man zur Abwechslung relativ brauchbare Living-History- bzw. Reenactment-Elemente.

 Germanen im Südwesten - Woher kamen sie? | Spieldauer 15 Minuten | SWR | Stream & Info 

 Germanen im Südwesten - Wie siedelten sie? | Spieldauer 15 Minuten | SWR | Stream & Info 

 Germanen im Südwesten - Wie kämpften und wie jagten sie? | Spieldauer 15 Minuten | SWR | Stream & Info

 Germanen im Südwesten - Wie stylten sie sich? | Spieldauer 15 Minuten | SWR | Stream & Info

 Germanen im Südwesten - Wie ernährten sie sich? | Spieldauer 15 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

 Canon Rock | Spieldauer 6 Minuten | Youtube | Stream & Info
Der rund 300 Jahre alte Kanon in D-Dur von Johann Pachelbel ist von Namen her vielen kein Begriff. Das wunderschöne Stück bzw. Thema wurde allerdings im Laufe der Jahre zigfach widerverwendet, teils in stark abgewandelter Form. Ich selbst spiele es immer wieder mit der Trompete (wenn auch nicht so gut wie er). Hier nun eine fetzige E-Gitarren-Version, die zurecht über 116 Millionen Aufrufe hat. Freilich, das Erscheinungsbild der Gitarristin wird zur Popularität auch etwas beigetragen haben. Ich selbst habe ja vor allem deshalb auf das Video geklickt - bin halt auch nur ein Mann! 😄


Freitag, 1. Oktober 2021

😃 Witziges (und Informatives) aus der Antike: Darüber haben schon die Caesaren gelacht!



Schriftliche Überlieferungen aus der Antike stehen nicht ganz grundlos in dem Ruf so staubtrocken zu sein wie der aus Afrika importierte Sand für die Pferderennbahn des Circus Maximus. Und doch findet man in alten Texten manch humorvolle Passage, die uns heute noch zum Schmunzeln oder gar zum Lachen bringt. Im Folgenden habe ich einige Beispiele herausgesucht, die mir besonders gut gefallen. 


Eine Gebiss-Ruine 

Vor ca zwei Jahren beleuchtete ich in einem Blogbeitrag die z.T. relativ fortschrittliche antike Zahnhygiene. Freilich, selbst die besten zahnhygienischen Methoden helfen nichts, wenn man sie nicht frühzeitig anwendet...

Wenn ich mich recht entsinne, Aelia, hattest du einst vier Zähne.
Zwei stieß ein Husten aus, dann weit're zwei Husten zwei. 
Schon kannst sorglos du an allen Tagen nun husten,
nichts mehr kann anrichten dort Husten Numero drei.  
Martial, Epigramme 1,19


Geplagte Ehemänner

Schon in der Antike hatte man es als Ehemann (oder Ehefrau) nicht immer leicht. Da muss man nur den Philosophen Sokrates fragen, der mit der ständig nörgelnden Xanthippe gestraft war. König Agamemnon wurde von seiner Frau Klytaimnestra sogar um die Ecke gebracht. Obschon letzterer Fall nur Teil eines Mythos ist, so werden auch in manch echter Ehe ordentlich die Funken geflogen sein. Wurden diese Verbindungen doch meist aus finanziellen oder anderen unromantischen Gründen arrangiert. Auch der oft relativ hohe Altersunterschied zwischen Bräutigam und Braut dürfte nicht dazu beigetragen haben, das sich immer eine besonders glückliche Partnerschaft entwickeln konnte (griechische und römische Mädchen heirateten in einem Alter zwischen 12 und 16 Jahren - ausgenommen die Spartanerinnen, die wohl meist 'erst' ab 18 vermählt wurden; die Ehemänner auf der anderen Seite dürften im Schnitt 10 bis 15 Jahre älter als ihre Frauen gewesen sein). 
Bei dieser eher ungünstigen Gemengelage kann davon ausgegangen werden, dass dazumal über unglückliche Ehen reichlich getratscht wurde. Es verwundert daher auch nicht, dass Philogelos dieses Thema in seiner bekannten Witzesammlung gleich mehrfach verwendet hat. Hier drei schöne Beispiele.

Um ihn zu ärgern, sagte jemand zu einem Witzbold: "Ich habe deine Frau umsonst gehabt." Der antwortete nur: "Ich bin freilich gezwungen, dieses Übel zu ertragen - aber du? Wer zwingt dich?"
Philogelos, Antike Witze, Nr. 263

Ein Frauenfeind stellt sich auf den Marktplatz und sagt: "Ich verkaufe meine Frau unverzollt." Als sich Passanten nach dem Grund dafür erkundigen, antwortet er: "Damit sie beschlagnahmt wird."
Philogelos, Antike Witze, Nr. 246

Ein Frauenhasser bestattete seine Frau. Als jemand fragte: "Wer hat da ausgelitten?", antwortete er: "Ich, der Witwer!"
Philogelos, Antike Witze, Nr. 247


Vorsicht ist die Mutter der Weinkiste

Diebische oder verschlagene Sklaven begegnen uns in antiken Theaterstücken immer wieder. Philogelos greift auch diesen 'Topos' in seiner Witzesammlung auf.

Ein Scholastikos besaß ein Fässchen kostbaren Aminaia-Wein und versiegelte es. Sein Sklave aber bohrte unten ein Loch hinein und nahm sich ab und zu Wein. Der Scholastikos wunderte sich, dass der Wein immer weniger wurde, obwohl das Sigel unversehrt war. Ein anderer sagte zu ihm: "Schau mal nach, ob nicht unten angezapft worden ist." "Dummkopf", entgegnete der Scholastikos, "nicht unten fehlt ein Teil, sondern oben!"
Philogelos, Antike Witze, Nr. 254

Ein guter Witz! Aber gleichzeitig ein etwas verwirrender. Denn wie konnte der Scholastikos (Lehrer) feststellen, dass der Wein im Fass (mitunter auch als 'Krug' aus dem Griechischen übersetzt) weniger wurde, wenn es doch aufgrund des Sigels nicht möglich war, einen Blick hineinzuwerfen? Oder hat der gute Mann das Gefäß womöglich immer wieder neu versiegelt (üblicherweise wurden - zumindest Amphoren - in der Antike mit Pech oder Gips verschlossen)? War diese Vorsichtsmaßnahme dazumal möglicherweise eine gängige Praxis, um es dem trunksüchtigen Personal oder dem ähnlich gearteten Nachwuchs möglichst schwer zu machen, sich am teuren Rebensaft zu vergreifen? Möglicherweise, denn wohl nicht ganz zufällig schreibt der römische Komödiendichter Plautus von Sklaven, die sich im Weinkeller ihres Herren gehörig die Kante geben. Die Versuchung war wohl groß, bekamen doch Sklaven mitunter nur minderwertige Nachpressungen der Trauben - sogenannten Trester - zu trinken. Außerdem war der Weinkonsum, zumindest in der Zeit der Römischen Republik, Frauen (theoretisch) untersagt, da man diesen Maßlosigkeit attestierte (kurioserweise war damals ausgerechnet der angeblich so sittenstränge Cato der Ältere - der als Censor eine Zeit lang das Benehmen (auch der weiblichen) Römer bewertete und überwachte - als Schluckspecht stadtbekannt). Auch Ehefrauen hätten demnach ein Motiv gehabt, in Abwesenheit des Mannes dem hauseigenen Weinkeller einen Besuch abzustatten ...
Apropos Wein: Er dürfte in der Antike relativ häufig nicht nur mir Kräutern und Gewürzen, sondern auch mit zum Teil sehr kräftigen Drogen angereichert worden sein - wie der Forscher und Autor Brian Muraresku erläutert: Video


Alles Diebe

Vom angeblich in einem tönernen Faß (dolium) hausenden Kyniker Diogenes von Sinope ist uns mancherlei Humorvolles überliefert; man denke etwa nur an seine berühmte Begegnung mit Alexander dem Großen. Gleichzeitig regen die Anekdoten rund um Diogenes - deren Wahrheitsgehalt heute nicht mehr feststellbar ist - auch immer zu einem tieferen Nachdenken an. Was freilich nur folgerichtig ist, schließlich haben wir es hier mit einem waschechten Philosophen zu tun.

Als Diogenes einmal sah, wie einige hohe Priester einen Mann abführten, der eine Schale aus dem Tempelschatz gestohlen hatte, kommentierte er: Die großen Diebe führen den kleinen ab.
Ebd. 6,45

Das erinnert ein wenig an Berthold Brechts Frage: "Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?"


Wer kennt es nicht?

Aus meiner Sicht darf man daran zweifeln, dass die folgende Episode - in der wieder Diogenes im Mittelpunkt steht - sich tatsächlich so zugetragen hat. Immerhin ist sie witzig. Und wer kann außerdem nicht die eine oder andere Person aus z.B. Wirtschaft oder Politik nennen, mit der er insgeheim gerne ähnlich verfahren würde? 😉

Diogenes besuchte einen reichen Mann in dessen prächtiger Villa. Der Hausherr bat ihn, in seinem luxuriösen Haus nicht zu spucken. Diogenes räusperte sich kurz und schleuderte dann seinem Gegenüber eine ganze Ladung Speichel ins Gesicht. "Einen passenderen Ort habe ich hier nicht gefunden", meinte er.
Ebd. 6,32


Spott, Kritik und Ansichtssache

In unserem postaufgeklärten Zeitalter gehen die meinungsprägenden Kreise (Unis, Massenmedien, politische Parteien, Silicon Valley) immer stärker dazu über, das Verspotten von religiösen Vorstellungen per se als pfui zu Brandmarken. Dahinter steckt die Angst vor den überdurchschnittlich rabiaten und mittlerweile auch im sogenannten "Westen" zahlreich präsenten Anhängern einer bestimmten Religion. Weil nun aber unsere Zensoren und Benimm-Linienrichter insgeheim wissen, dass ihr Verhalten nichts anderes als ein erbärmlicher Kotau sowie einen Verrat an den schwer erkämpften Errungenschaften der Aufklärung ist, verkaufen sie ihr Gebaren der Öffentlichkeit kurzerhand als Tugend. "1984" und "Newspeak" lassen grüßen. 
Doch wie war die Situation in der Antike? Durfte man sich dazumal über religiöse Vorstellungen lustig machen? Ja. Hier zwei Beispiele.

Der im späten 5. Jahrhundert vor Christus lebende Diagoras von Melos galt als geradezu hartgesottener Atheist. Eines Tages wies in ein Freund auf Votivtafeln geretteter Schiffbrüchiger hin und fragte ihn: "Wie kannst du angesichts dieser Indizien daran zweifeln dass es Götter gibt, die diese Menschen aus höchster Seenot wohlbehalten in den Hafen zurückgebracht haben?"
Diagoras nahm nur einen Perspektivwechsel vor: "Was ist mit denen", fragte er seinen Kritiker, "die hier auf keinen Weihgaben abgebildet sind, weil sie Schiffbruch erlitten und im Meer ertrunken sind?"
Cicero, De natura deorum 4,89

Als der Philosoph Antisthenes in die orphischen Mysterien eingeführt wurde, die ihren Anhängern im Unterschied zur Staatsreligion ein Weiterleben nach dem Tod versprachen, stellte ihm der Priester mit überschwänglichen Worten die Annehmlichkeiten und Wonnen vor Augen, die ihn in der Unterwelt erwarten.
"Und warum stirbst du dann nicht?", erwiderte der Philosoph mit skeptischer Ironie.
Diogenes Laertios, Leben und Meinungen berühmter Philosophen 6.2

Auch in der Antike war das Verspotten bzw. Bloßstellen von Religionen und damit verknüpften Werten nicht immer risikofrei, man denke etwa an den finalen Prozess gegen Sokrates. Insgesamt gewinnt man jedoch den Eindruck, dass die Situation spätestens seit dem Hellenismus liberaler gewesen ist (siehe dieses Beispiel mit Jesus als Esel). Überhaupt war es um die Gedanken- und Redefreiheit dazumal unterm Strich besser bestellt als heute. Was durchaus beredt ist.
Beim Kritisieren herrschender Monarchen (und ihren Familien) musste man allerdings erhöhte Vorsicht walten lassen. Wobei couragierte Kritiker sich anscheinend auch von diesem 'Mienenfeld' nicht abschrecken ließen - sofern wir den mitunter recht skurrilen Überlieferungen immer vollständig glauben wollen...

Der Tyrann Dionys von Syrakus las einmal Auszüge aus eigenen Tragödien vor. Die Tafelrunde klatschte pflichtschuldig Beifall, nur der Dichter Philoxenos rührte keine Hand. "Wie gefallen dir meine Verse?", fragte Dionys ihn deshalb direkt. Er erhielt eine ehrliche Antwort: "Überhaupt nicht." Solch Freimut schien dem Tyrannen dann doch als strafwürdige Majestätsbeleidigung. Er verurteilte den Dichter für eine Zeit lang zu Schwerstarbeit in den Steinbrüchen. 
Einige Monate später wurde Philoxenos begnadigt. Er wurde sogar wieder zu den Abendgesellschaften im Palast eingeladen. Bei einer dieser Gelegenheiten trug Dionys wieder einmal eine seiner eigenen Dichtungen vor. Philoxenos hörte eine Weile zum stand dann auf und wandte sich zur Tür. "Wohin gehst du?", rief Dionys ihm nach. "Zurück in die Steinbrüche", erhielt er zur Antwort.
Stobaios, Anthologium 3,13,31


Who's your daddy?

Der römische Politiker Marcus Tullius Cicero war bekannt für seine scharfe Zunge und gilt bis heute als einer der größten Rhetoriker der Geschichte. Deshalb ist es sicher angemessen, ihm hier das Schlusswort zu überlassen.

Metellus Nepos hörte nicht auf, den aufsteigenden Cicero mit der Frage zu löchern, wer denn eigentlich sein Vater sei. Endlich riss Cicero der Geduldsfaden, und konterte, auf den lockeren Lebenswandel der Mutter des Metellus anspielend: "Was dich angeht, so hat deine Mutter die Beantwortung dieser Frage für dich ausgesprochen schwierig gemacht!"
Plutarch, Moralis 205 A

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Quelle der zitierten Witze und Anekdoten: 

Weiterführende Literatur / Buch-Tipps:

Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Dienstag, 28. September 2021

📽️ Videos: Origineller Archäologen-Kopfputz -- Keltenfest auf der Heuneburg -- Hildegard von Bingen -- Soldat der Kaiserlichen Armee -- usw.



 Archäologen auf den Spuren der Römer im Burgenland | Spieldauer 2 Minuten | ORF | Stream & Info
Ein aktuelles Beispiel aus der niemals endenden Reihe 'origineller Archäologen-Kopfputz' (siehe auch hier, hier, und hier). Man erwartet fast, dass der Herr nach dem Interview sein Dromedar besteigt und sich auf die Suche nach dem Schatz von Alibaba und den vierzig Räubern macht 😉

 Keltenfest auf der Heuneburg: Das Erbe der Vorzeit erleben | Spieldauer 2 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info
Sich im Sommer - in einen mehr oder weniger geschlossenen Raum - mit einer FFP2-Maske an eine Schmiede-Esse zu stellen, grenzt schon an Masochismus. So ein Verhalten erinnert an die  Flagellanten des Mittelalters, die mit ihrer ebenfalls öffentlich zur Schau gestellten Selbstgeißelung hofften, eine Seuche zu vertreiben ...  Wieso begibt sich der Herr mit seiner Esse nicht ins Freie? Ist man da so unflexibel? Auch interessant, dass man nach den Griechen und Etruskern auf der keltischen Heuneburg mittlerweile auch Ägypter aufmarschieren lässt... Naja, ich verstehe schon, dass man ein bisschen Abwechslung haben möchte. Solange die Gruppen qualitätvoll sind, ist das ok (was ich bei den Ägyptern allerdings nicht einzuschätzen vermag).

 Mesopotamien - Archäologen retten, was zu retten ist | Spieldauer 95 Minuten | Arte | Stream & Info
Jene Kreise, und dazu zählt der öffentlich-rechtliche Rundfunk besonders, die Grenzen immer so betont doof finden, ziehen sofort Grenzen hoch, wenn es um ihre eigenen finanziellen Interessen geht. Dementsprechend ist dieses Video für Seher außerhalb Deutschlands nur mit entsprechenden Hilfsmitteln abrufbar. Ich empfehle z.B. den Browser Epic, bei dem man nach der Installation gleich eine praktische VPN-Funktion nachladen kann.

 Wo Hildegard von Bingen lebte und wirkte - Auf den Spuren einer starken Frau des Mittelalters | Spieldauer 45 Minuten | SWR | Stream & Info 
"Starke Frau" - wieder mal so ein feministisch geprägter Modebegriff, der einem seit einigen Jahren ständig um die Ohren gehauen wird. Diese inflationäre Überbetonung führt freilich indirekt dazu, die alltäglichen Leistungen 'normaler' Frauen herabzusetzen. Nur wer Leistungen innerhalb eines bestimmten Rahmens erbringt, der zählt offensichtlich. Erinnert mich an den Begriff "Leistungsträger", wenn dieser primär auf jene Personen angewendet wird, die den Spitzensteuersatz zahlen. So als ob alle anderen Arbeitnehmer nur in der Nase bohren und sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Im Gegenteil, die arbeiten/leisten oft genug viel mehr als manch 'Großkopferter' mit Bullshit-Uni-Diplom.

 Archäologie: Neue Funde in Ausgrabungsstätte im Benediktinerkloster Posa | Spieldauer 2 Minuten | MDR | Stream & Info

 Vortrag: Die römischen Katakomben. Neue Forschungen zur römischen Unterwelt | Spieldauer 97 Minuten | DAI/Youtube | Stream & Info
Ich weiß leider nicht wie lange diese Vortrag abrufbar ist, da das Deutsche Archäologische Institut die Angewohnheit hat, einige seiner Videos urplötzlich auf "privat" zu schalten. Als ob sie einen auf Mediathek des öffentlich-rechtlicher Rundfunk machen wollen...

 2000 Jahre alt! Der vergessene Staudamm der Römer in der Türkei, der noch immer funktioniert | Spieldauer 7 Minuten | Youtube | Stream & Info 

 Frisch saniert: Die Stiftskirche St. Peter und Paul vom Kloster Beuerberg | Spieldauer 5 Minuten | Youtube/BR | Stream & Info 

 Soldat der deutschen Kaiserlichen Armee (August 1914) | Spieldauer 6 Minuten | Youtube/PLW Review | Stream & Info 
Die Jungs von PLW nehmen sich in diesem Video die Uniform eines Infanteristen des 1. Weltkriegs vor. Schön in Szene gesetzt und interessant für Reenactors.



Samstag, 25. September 2021

🎧 Hörbares: Antike Snackbar in Pompeji -- Grammatik und die Geschichte der Menschheit -- Die Entdeckung der Medizin in der Antike -- Christliche Arbeitsmoral -- usw.



 Antike Snackbar in Pompeji – wir kochen die Rezepte nach | Spieldauer 8 Minuten | DF | Direkter Download

 Forschungsprojekt: Wie Grammatik auch die Geschichte der Menschheit widerspiegelt | Spieldauer 8 Minuten | DF | Direkter Download

 Beinahe-Sensation 1613: Galilei und die verpasste Neptun-Entdeckung | Spieldauer 2 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Planeten-Entdeckung vor 175 Jahren: Als Neptun das Sonnensystem sprengte | Spieldauer 5 Minuten | DF | Stream & Info

 Zentralarchiv zur Geschichte der Juden in Deutschland eröffnet | Spieldauer 3 Minuten | DF | Direkter Download

 Christliche Arbeitsmoral: „Im Schweiße deines Angesichts“ | Spieldauer 8 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Philosophische Orte: Epimenides unter Lügnern auf Kreta | Spieldauer 4 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Kirchliche Widerstände gegen Blitzableiter: Ein Misstrauensvotum gegen Gott | Spieldauer 8 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

  Antike: „Die Entdeckung der Medizin“ - Krankheit ohne Götter | Spieldauer 6 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download


Donnerstag, 23. September 2021

Zeitschrift "Bayerische Archäologie" - Heft 3.21: Hightech-Archäologie, frühmittelalterlicher Goldfaden-Pfusch und bajuwarische Archäoeunuchen

Hightech in der Archäologie

Themenschwerpunkt im aktuellen Heft der Zeitschrift "Bayerische Archäologie" sind die bei der modernen archäologischen Arbeit zum Einsatz kommenden technischen Hilfsmittel wie das Laser-Scannen aus der Luft (Airborne Laserscanning) mittels Drohne, Flugzeug, Hubschrauber und motorisiertem Gleitschirm als Instrumententräger. Auch das stationäre Scannen und Fotografieren von archäologischen Funden in hoher Auflösung wird näher betrachtet; dazu zählen u.a. Rasterelektronenmikroskop und SfM (Structure from Motion). Zusätzlich wirft man einen Blick auf Magnetometer, Bodenradar, Geoelektrik, Tachymetrie, Röntgenspektroskopie usw. Kurz gesagt, es wird ein relativ umfangreicher Überblick zu den vor allem bildgebenden Hightech-Methoden der modernen Archäologie gegeben. Darunter besonders gelungen ist Roland Lincks Beitrag "Mit dem Magnetometer durch Feld und Wiesen".

Wie aber auch betont wird, würden diese mehr oder weniger neuen technischen Methoden nicht unbedingt zu einer Verringerung des Arbeitsaufwandes führen, sondern zu einer Verlagerung vom Grabungsplatz ins Büro oder Labor. Was immerhin für den Auftraggeber von Vorteil sei, da dieser z.B. schneller mit seinen Baumaßnahmen fortfahren könne. Die Anschaffungskosten von einigen der Gerätschaften seien jedoch hoch, so dass sie nicht von allen archäologischen Grabungsfirmen verwendet werden.
Gut, ob es wirklich immer so ist, dass bloß eine Verlagerung der Arbeiten stattfindet, aber unterm Strich der Zeitaufwand gleich bleibt, wage ich aufgrund eigener praktischer Erfahrungen stark zu bezweifeln. Etwa im Fall der geophysikalischen Prospektion, die es einem erlaubt, wesentlich gezielter und somit zeitsparender zu graben. Blindflüge, wie sie früher die Regel waren, können somit minimiert werden.

Von immensem Vorteil für die Forschung ist zweifellos der Umstand, dass die immer genaueren, umfangreicheren und anschaulicheren Daten, die die moderne Hightech-Archäologie liefert, in frei zugängliche Datenbanken eingespeist und von überall auf der Welt abgerufen werden können. Nicht nur Wissenschaftler, sondern auch interessierte Laien profitieren davon.

Und eine Anmerkung noch: Der Autor eines Beitrages hat einige seiner Heft-Illustrationen mit QR-Codes versehen, um auf diesem Weg zu den entsprechenden 3D-Scans zu verlinken; darunter etwa der Ipf in Bopfingen (😄), dem man in gefühlt jeder zweiten süddeutschen Archäologiepublikation begegnet. Doch leider, diese QR-Codes bringen dem Leser nichts, wenn er sich die hochauflösenden Scans auf seinem Desktop-Rechner ansehen möchte, was wesentlich sinnvoller sein dürfte, als auf dem vergleichsweise winzigen Handybildschirm. Deshalb hätte es nicht geschadet, auch kurze Textlinks anzufügen. Nur weil etwas modern ist, heißt es nicht, dass es auch immer besser ist (erinnert mich an Apple, wo man im Namen der Simplizität Ports an den Notebooks einspart und so viele Nutzer zum Kauf von Hubs, Adaptern und ähnlichem Krempel nötigt).


Kontrastprogramm: Rückblick auf die archäologische Arbeit

Für mich fast noch interessanter als Gegenwart und Zukunft der Archäologie ist ihre Vergangenheit. Genau davon erzählt der Archäologe Friedrich Loré, indem er die Entwicklung der letzten 40 Jahre im Bereich der technischen Hilfsmittel in der Archäologie Revue passieren lässt. Darunter befindet sich etwa "der berüchtigte Feldpantograph". Diese mit einem Seilzugsystem arbeitende Gerät wurde dafür verwendet, um beispielsweise Konturen von Steinpackungen mittels Metallstift abzugreifen und auf Papier zu übertragen. Ein komplizierter Apparat, der aufwendig justiert werden musste, immer wieder fehlerhaft arbeitete und den wohl nur wenige Archäologen vermissen werden (ich kenne jemanden, der hat so ein Gerät bei sich zuhause in der Vitrine stehen, direkt neben einem Indiana-Jones-Hut und einem Häufchen Vulkanasche aus Pompeji).

Ein deutlicher Innovationsschub in der deutschen Archäologie kam dann um das Jahr 2000, als nach und nach die private Firmenarchäologie in Deutschland Einzug hielt. Staatliche oder halbstaatliche Stellen hatten bis dahin den technischen und methodischen Fortschritt mit ihren verkrusteten Strukturen sowie trägen Genehmigungsverfahren für neue Geräte ausgebremst, heißt es. Ich glaube dem Autor das aufs Wort, möchte aber hinzufügen, dass diese Akteure aus dem staatlichen Umfeld auch heute noch manch Unwesen treiben. 


Frühmittelalterlicher Goldfaden-Pfusch

In gleich zwei sehr informativen Beiträgen setzt man sich mit Goldfäden auseinander, die als Reste eines Kleidungsstücks in einem frühmittelalterlichen Grab bei Regensburg entdeckt wurden. Dass der Fundort als "Großes Gräberfeld" bezeichnet wird, hat einen guten Grund, denn auf dem vom 2. bis ins 7. Jahrhundert genutzten Bestattungsplatz sollen unglaubliche 30 000 bis 40 000 Personen ihre letzte Ruhestätte gefunden haben! 3000 Bestattungen davon wurden bisher archäologisch untersucht. Darunter auch jenes in die Zeit um 600 datierte Grab mit der Nummer 1032, in dem sich neben besagten Goldfäden auch weitere textile Fragmente befanden.
Die Autoren erläutern anhand dieses Beispiels u.a. wie es möglich ist, dass sich Reste von Kleidung im Boden erhalten können; etwa durch Anhaftung an Metall, welches entweder das organische Textilmaterial mineralisiert und/oder antimikrobakteriell wirkt, was eine Zersetzung verhindert bzw. diese stark verzögert. Auch das Bodenmilieu, welches idealerweise durch einen hohen Grundwasserspiegel dauerhaft durchfeuchtet ist, spielt dabei eine wichtige Rolle.

Die Goldfäden - so wird erklärt - bestehen im Kern aus einem organischen Faden (Seele), um den schmale Streifen aus hauchdünner Goldfolie (Lahnen) gewickelt wurden (Anmerkung: Ich frage mich, wie man es dazumal geschafft hat, dass sich die Goldfolie beim Verarbeiten nicht immer wieder gelöst hat; schließlich scheinen sie nicht fest mit dem organischen Faden verbunden gewesen zu sein. Oder ist hier auch Kleber mit im Spiel gewesen? Wer weiß mehr?).
Interessanterweise wurde bei der Analyse der Goldfolie festgestellt, dass sie aus sehr reinem Gold besteht und nur niedrig mit Silber und Kupfer legiert worden ist. Damit war sie eigentlich zu weich/brüchig, um verarbeitet zu werden, meinen die Forscher. Sie folgern daraus, dass aus diesem Grund der Goldfaden bereits sehr Fragmentiert war, als man ihn entdeckte. Will heißen, auch schon zu Lebzeiten des Besitzers könnte das Golddurchwirkte Kleidungsstück etwas lädiert ausgesehen haben.


Ein bronzenes Tüllenbeil: Verwurschtelt und vergessen

Der folgende Fall ist leider ein besonders krasses Beispiel für jene Trägheit, mit der immer noch zu oft in der archäologischen Wissenschaft publiziert wird. Ganz davon abgesehen, dass hier wieder einmal ein Fund lange Zeit verschwunden ist bzw. der Forschung vorenthalten wurde. Doch worum geht es konkret? Nun, in der Rubrik "Archäologie in den Bezirken" heißt es, dass 1999 das sogenannte "bronzene Tüllenbeil von Grünsbergvon einer Familie entdeckt und brav der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg übergeben wurde; vermutlich in der Annahme, dass man dort sowohl das späturnenfelderzeitliche Beil wie auch die bereitwillige Zusammenarbeit zu würdigen weiß. Doch Pustekuchen, erst jetzt, über zwei Jahrzehnte (!) später, erfolgte die Publikation.

Man mag einwenden, dass ein Tüllenbeil kein aufregender bzw. wissenschaftlich seltener/wertvoller Fund ist, doch es geht hier vor allem ums Prinzip. Wie kann man Metallsuchern, die einen Fund nicht zeitnah abgeben, sofort wegen Fundunterschlagung die Bude stürmen lassen, wenn gleichzeitig in den eigenen Reihen der Archäologie immer wieder so unerträglich lahm gearbeitet wird? Quod licet iovi, non licet bovi?
Wenn nun jemand meint, die beiden Dinge könne man doch nicht vergleichen: Doch, kann man. Denn ein Vergleich ist keine Gleichsetzung 😊. 


Die Proskynese bajuwarischer Archäoeunuchen
Falls sich jemand fragt, ob ich denn nicht wieder etwas Ärgerliches in den im Heft abgedruckten Mitteillungen der Gesellschaft für Archäologie in Bayern e.V. gefunden habe: Ja, leider. Aber ich erspare es mir diesmal, darauf ähnlich detailliert wie schon einmal in der Vergangenheit einzugehen. 
Was nämlich soll man zu diesen erbärmlichen Jammergestalten noch viel schreiben, die eine im Freien (!) stattfindende Lehrgrabung (und zwar ironischerweise genau jene, bei der sie keine wissenschaftlich interessierten Metallsucher dabei haben wollten) lapidar mit der Begründung 'Corona' absagen? Viel schlimmer noch, die Herrschaften fühlten sich sogar bemüßigt, die oktroyierten Maßnahmen der Politik zu rechtfertigen. Leiden die Verantwortlichen womöglich unter dem Stockholmsyndrom oder sind sie einfach nur  'notgeile Masochisten' ?
Zumindest handelt es sich um obrigkeitsgläubige Untertanen, deren gebückt-servile Haltung aus einem anderen Zeitalter zu stammen scheint. Wie meinte etwa der preußische Innen- und Staatsminister Gustav von Rochow (1792-1847): "Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen."

An dieser Stelle ist es freilich interessant zu wissen, dass man anderenorts - nämlich  bei der eigentlich staatsnahen (!) Mittelalterbaustelle Campus Galli - genügend cojones in der Hose hatte, um sich sogar von einem Öffnungsverbot freizuklagen; mit dem nachweislich zutreffenden Hauptargument, dass im Freien so gut wie keine Ansteckungsgefahr besteht (siehe die nachfolgenden Links).
Im Übrigen gilt: Gut informiert zu sein - um sich dann darauf basierend eine qualifizierte und differenzierte Meinung bilden zu können - ist eine 'Holschuld'. Das gilt auch für archäologische Vereine, sofern man dort das Vereinsleben nicht leichtfertig auf dem Altar eines kleingeistigen Konformismus und primitiver Gefallsucht opfern möchte: Link 1, Link 2


Weitere Heft-Beiträge (Auswahl)
  • Gefährdete Häuser: Blockbauten in großer Not
  • Mit dem Magnetometer durch Feld und Wiese
  • Grabungstechnik goes Future
  • Römerboot im Altmühlsee unterwegs (Achtung, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sucht Interessierte, die am Bau einer neuen, besonders authentischen Römerboot-Rekonstruktion mitwirken wollen!)


FAZIT

Eine gutes Heft. Ich sehe den beschriebenen Einsatz von modernen technischen Hilfsmitteln positiv. Sie können unter bestimmten Voraussetzungen Zeit und Geld sparen. Vor allem aber führen sie zu präziseren Ergebnissen. Denn wir wollen nicht vergessen, dass die Archäologie zu den Geisteswissenschaften zählt und es insgesamt nicht so sehr mit Präzision hat, sondern mehr mit subjektiver Interpretation. Man denke etwa nur an die Himmelsscheibe von Nebra und die nicht gerade gut belegten Geschichten, die sich selbst anerkannte Experten zu diesem Artefakt zusammengebastelt haben. 
Auch vom Themenschwerpunkt abgesehen, enthält das vorliegende Heft jede Menge abwechslungsreiche und interessante Informationen. 

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