Donnerstag, 13. Dezember 2018

⚒️ Von unseriöser Experimentalarchäologie bis Campus Galli - Ein Interview mit dem Archäologen Achim Werner


Schon seit einigen Jahren ist der Trend zu beobachten, dass Freilichtmuseen inflationär mit dem Begriff "Experimentelle Archäologie" werben, obwohl ihr tatsächliches Angebot zumeist nur aus einem museumspädagogischen Programm mit Erlebnischarakter besteht. Es geht dabei also nicht um ein ernsthaftes wissenschaftliches Erkenntnisinteresse, sondern - salopp formuliert - um bloße Publikumsbespaßung, die oft genug von bescheidener didaktischer Qualität ist. Darüber - sowie über einiges mehr - habe ich mich im folgenden Interview mit dem Buchautor und erfahrenen Experimentalarchäologen Achim Werner unterhalten.



Lieber Herr Werner, Sie betreiben seit vielen Jahren Experimentelle Archäologie. Wie kamen Sie dazu und was sind Ihre Forschungsschwerpunkte?
Seit Ende der 1970er Jahre wurden unter Leitung von Prof. Dr. Jens Lüning am Institut für Ur- und Frühgeschichte Köln archäologische Experimente zur Landwirtschaft im Neolithikum durchgeführt und entsprechende Seminare angeboten, an denen ich teilgenommen habe. Im Rahmen meiner Magisterarbeit „Experimentelle Untersuchungen zur Rekonstruktion neolithischer Kuppelbacköfen“ habe ich dann in der ersten Hälfte der 1980er Jahre umfangreiche eigene Experimente zu diesem Thema durchgeführt und mich intensiv mit den Möglichkeiten und Fragestellungen experimenteller Archäologie beschäftigt. Im Laufe der Folgejahre habe ich, teilweise zusammen mit Fachkollegen, Experimente zum prähistorischen Bronzeguss, zur frühen Eisenverhüttung, zu römischen Brandbestattungen, zu Herstellung und Brand neolithischer Keramik, zur Herstellung von Birkenpech, zur Kleidung und Ausrüstung der kupferzeitlichen Gletschermumie Ötzi und zu mittelalterlichen Getreidedarren durchgeführt und die Resultate in Fachzeitschriften oder Ausstellungskatalogen publiziert. Hinzu kamen archäologische Experimente von Kollegen zu unterschiedlichen Themen, an denen ich beteiligt war und Erfahrungen sammeln konnte. Vor etwa 20 Jahren habe ich dann begonnen, mich intensiv mit (prä)historischer Ernährung zu beschäftigen und später entsprechende Kochbücher zu veröffentlichen.

In einem Interview mit mir, hat der praktizierende Historiker Marcus Junkelmann einen Qualitätsverfall im Bereich des Reenactments bzw. der 'Lebendigen Geschichte' beklagt. Die Verantwortung dafür wurde von ihm nicht nur bei den Darstellern, sondern auch bei den als Veranstalter in Erscheinung tretenden Freilichtmuseen verortet. Sie haben nun der Experimentellen Archäologie in Ihrem letzten Buch einen ähnlichen Abwärtstrend attestiert und sprechen dabei von “selbsternannten Experimentalarchäologen” und "pseudowissenschaftlichen Auftritten". Können Sie uns die Problematik näher erläutern?
Das Statement des von mir sehr geschätzten Kollegen Marcus Junkelmann möchte ich ausdrücklich bestätigen und aus meiner Sicht folgendermaßen ergänzen: Im Gegensatz zu Großbritannien und einigen skandinavischen Ländern galt Experimentelle Archäologie in Deutschland lange Zeit als unwissenschaftlich und war, besonders bei älteren Fachkollegen (Professoren und Lehrstuhlinhabern) verpönt. Dies lag u.a. daran, dass während des Naziregimes im „Dritten Reich“ pseudowissenschaftliche archäologische Rekonstruktionsversuche für Propagandazwecke instrumentalisiert wurden. Ein weiterer, wesentlicher Grund für die Ablehnung bestand in der Ignoranz und Angst dieser Schreibtischtäter, dass ihre Lehrmeinungen durch experimentelle Forschungen widerlegt werden könnten. Der „Neustart“ Experimenteller Archäologie in Deutschland in den 1980er/1990er Jahre gestaltete sich deshalb äußerst schwierig. Bahnbrechend war sicherlich das Ausstellungsprojekt „Experimentelle Archäologie in Deutschland“, das u.a. von Prof. Dr. Mamoun Fansa (damals Landesmuseum Oldenburg) initiiert wurde und erfolgreich in vielen deutschen und europäischen Museen als Wanderausstellung präsentiert wurde. Im Rahmen und in Folge dieses Projektes wurde das wissenschaftliche und öffentliche Interesse geweckt, auch die Forschung intensiviert. Zahlreiche Museumspädagogen beschäftigten sich mit entsprechenden Themen, übernahmen für ihre Arbeit Ergebnisse experimentalarchäologischer Untersuchungen oder führten selbst Experimente oder Versuche durch. Letztlich entwickelte sich so im Laufe der Zeit ein, zunächst begrüßenswerter Trend zugunsten der Experimentellen Archäologie. Leider ist dieser Trend mittlerweile bedenklich „inflationär“ geworden, auf dem Markt der Anbieter für archäologische Replikate/Rekonstruktionen sowie für Vorführungen prähistorischer Techniken tummeln sich unzählige, unseriöse Dilettanten, die diesen Fachbereich in Misskredit bringen und nachhaltig schädigen. Maßgeblich daran beteiligt sind Veranstalter, vor allem aus dem Museumsbereich, die, teils aus Kostengründen, teils aus Unwissenheit, aber auch Ignoranz, derartige Anbieter beauftragen oder für Veranstaltungen engagieren. Ich habe überhaupt nichts gegen das Engagement interessierter Laien oder Quereinsteiger, die sich ernsthaft mit Experimenteller Archäologie beschäftigen, es gibt hervorragende Beispiele hierfür! Unqualifizierte Beiträge und Machenschaften „gelangweilter Hausfrauen und pensionierter Oberlehrer“ lehne ich aber strikt ab und fordere die Verantwortlichen im Museumsbereich und Publikationswesen an dieser Stelle auf, zukünftig verantwortungsvoller mit dieser Problematik umzugehen. Ausdrücklich ausnehmen von meiner Kritik möchte ich seriöse „Mitstreiter“ wie Harm Paulsen, Wulf Hein und viele andere, die zwar keine akademische Ausbildung im Fach Archäologie oder Ur- und Frühgeschichte haben, aber als „Archäotechniker“ hervorragende Arbeit leisten.

Täuscht mein Eindruck, dass eine gewisse Scheue unter Experimentalarchäologen vorhanden ist, schlecht arbeitende Kollegen oder mangelhafte Museumsveranstaltungen öffentlich zu kritisieren?
Ihr Eindruck täuscht keinesfalls! Das Fach Archäologie ist ein „Haifischbecken“, wie in den meisten Berufen fürchtet jeder, aufgrund von Kritik seinen Job zu verlieren bzw. überhaupt eine Stelle oder einen Auftrag zu bekommen. Dies gilt vor allem für die vielen, freischaffenden Kollegen, die auf die Gunst von Auftraggebern aus dem zumeist musealen Bereich angewiesen sind. Wer gegen das Prinzip „eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“ verstößt, indem er schlecht arbeitende Kollegen oder mangelhafte (museale) Veranstaltungen öffentlich kritisiert, hat negative Konsequenzen zu befürchten, bis hin zur kompletten Zerstörung seiner beruflichen wissenschaftlichen Karriere. Gerade im Zeitalter von Internet/Facebook & Co ist es gefährlich geworden, solche Kritik zu äußern, obwohl sie berechtigt ist.

Freilichtmuseen verfügen häufig über wissenschaftliche Beiräte, auf die - wie ich selbst schon erleben durfte - im Falle von Kritik gerne hingewiesen wird; so als ob mit diesem Autoritätsargument jede inhaltliche Kritik entkräftet werden kann. Wie bewerten Sie im Angesicht fragwürdiger Veranstaltungen den tatsächlichen Einfluss von solchen Expertengremien auf die Qualität? 
Expertengremien wie wissenschaftliche Beiräte sind enorm wichtig, leider können sie manchmal ihre eigentliche Kontrollfunktion nicht ausüben, dienen lediglich als Alibi. Ich war viele Jahre Mitglied in zwei wissenschaftlichen Beiräten und habe dort die leidvolle Erfahrung gemacht, dass Kritik und Anregungen seitens der Öffentlichkeit/Besucher nicht an den Beirat weitergeleitet, sondern geblockt oder verschwiegen wurde. Somit wird ein Beirat häufig umgangen und kann seine Funktion nicht ordnungsgemäß ausüben. In anderen Fällen kann es aber auch sein, dass der Beirat versucht, öffentliche Kritik zu vertuschen oder mit fadenscheinigen Argumenten abzuwiegeln, um die Projektbetreiber, evtl. auch sich selbst zu schützen. Ich sage nur „Haifischbecken“! Meine Empfehlung: Kritik direkt an alle Mitglieder eines wissenschaftlichen Beirates kommunizieren, Kopie des Schreibens an vertrauenswürdige Medienvertreter und zuständige Politiker.

Ich begleite und kommentiere die baden-württembergische Mittelalterbaustelle Campus Galli seit mehreren Jahren aus verschiedenen Gründen kritisch. Was halten Sie von dem Projekt, in dessen Rahmen man angeblich an der Errichtung eines karolingischen Großklosters mit rund 50 Gebäuden arbeitet?
Zusammen mit einem Kollegen habe ich am 14.09.2018 das Projekt Campus Galli besucht. Zuvor hatten wir uns im Internet ausführlich informiert und sind mit relativ hohen Erwartungen nach Meßkirch gefahren. Trotz guter Voraussetzungen (gutes Wetter, guter Besucherandrang) waren wir letztlich doch sehr enttäuscht, unsere Erwartungen wurden keinesfalls erfüllt. Projekte wie Guedelon in Frankreich bieten wesentlich mehr, Campus Galli kann da trotz vollmundiger Ankündigungen keinesfalls mithalten. Während unseres Besuches gab es keinerlei Bauaktivitäten, die meisten „Stationen“ oder Bauplätze waren nicht besetzt, es gab kaum Möglichkeiten, Fragen zu stellen oder seriöse Informationen zu bekommen. Auf dem Gelände liefen zwar einige kostümierte Personen herum, die waren aber hauptsächlich mit sich selbst oder dem Verkauf von Speisen und Souvenirs beschäftigt. Vielleicht hätten wir uns ja vorher als „Fachbesucher“ bei der Geschäftsleitung anmelden sollen, hätten dann vermutlich ein anderes, allerdings verfälschtes Bild präsentiert bekommen. Aus fachlicher Sicht kann ich unter den von uns gewonnenen Eindrücken einen Besuch im Campus Galli nicht empfehlen, hoffe aber, dass sich dieses Projekt zukünftig doch noch positiv entwickelt, ansonsten wäre es sehr schade um die finanziellen Mittel, die bisher investiert wurden.

Sie haben erst kürzlich ein archäologisch-historisches Kochbuch veröffentlicht, in dem Sie gemeinsam mit Jens Dummer eine bunte Auswahl von Backrezepten präsentieren, die zeitlich von der Steinzeit bis ins Mittelalter reicht. Nun sind uns aus dem Mittelalter bereits Kochbücher überliefert, sodass es nicht allzu schwierig ist, an entsprechende Rezepte aus dieser Epoche zu gelangen. Hingegen bei der noch schriftlosen Steinzeit stelle ich mir das wesentlich komplizierter vor. Wie gehen Sie da bei der Rezepterstellung vor? Und wie authentisch können solche Rezepte schlussendlich sein?
Die Rezepte unserer Kochbücher sind als nachempfundene Rezeptvorschläge/-ideen gedacht. Zur Rezeptentwicklung für „schriftlose Zeiten“ orientieren wir uns an mehreren Quellen: archäologische Funde und Befunde; naturwissenschaftliche Untersuchungen ernährungsrelevanter Funde, z.B. Reste von Flora und Fauna; klimaarchäologische Forschungen u.ä.. Letztlich entsteht so eine Art „Puzzle“, aus dem wir Ernährungsgrundlagen einer Epoche erschließen können. Es ist dadurch also ersichtlich, welche Lebensmittel und Zubereitungsmethoden zur Verfügung standen, mit etwas „Küchen-Know-How“ und (kontrollierter) Fantasie entwickele ich dann für die Leser möglichst einfach nachvollziehbare Rezeptideen. Hierbei ist es für uns wichtig, dass die Zutaten relativ einfach zu beschaffen sind, im Zweifelsfall weisen wir auf geeignete Alternativen hin. Bei der Rezeptentwicklung vermeiden wir prinzipiell die Verwendung von Zutaten, die unter Arten- oder Naturschutz stehen. Wir erheben keinen Anspruch auf Authentizität, zeigen aber auf, welche Gerichte zu der jeweiligen Zeit realisierbar waren und heute mit modernen Küchengeräten umsetzbar sind.

Sie arbeiten bereits an einem neuen Buch. Können Sie uns schon etwas darüber verraten?
Seit einiger Zeit arbeiten wir an einem neuen Projekt mit dem Titel „Das Eiszeitjäger-Kochbuch“. Wir folgen damit dem Wunsch vieler Leser und Kollegen, auch unserem eigenen Interesse, die kulinarische Vergangenheit des frühen Homo sapiens in der Zeit von ca. 42000 bis 12000 Jahren vor heute darzustellen. Aufgrund der spärlichen Quellenlage gestaltet sich dieses Vorhaben sehr zeitaufwendig, wird sicherlich auch nur eine geringe Leserschaft interessieren, stellt für uns allerdings eine konsequente Fortsetzung unserer bisher erschienen archäologisch-historisch orientierter Kochbücher dar. 

Auf dieses Buch bin ich schon gespannt, denn es sind ja gerade Nischen, die noch Neues bieten. 
Und vielen Dank, Herr Werner, dass Sie sich für dieses Interview Zeit genommen haben.



Literatur / historisch-archäologische Kochbücher von Achim Werner:
  • Keltische Kochbarkeiten: Mit 60 Rezepten vom "Fünf-Steine-Koch" | Theiss Verlag | Stuttgart 2007 | Infos bei Amazon
  • Kochen durch die Epochen: Von der Steinzeit bis ins Mittelalter | Theiss Verlag | Stuttgart 2010 | Infos bei Amazon
  • Steinzeit-Mahlzeit: Von den ersten Bauern bis Ötzi. Mit 55 neuen Rezepten vom 5-Steine-Koch | Theiss Verlag|  Stuttgart 2013 | Infos bei Amazon
  • Kochschätze aus dem Kessel: Speisen mit Wikingern, Franken und Slawen. Mit 56 neuen Rezepten vom 5-Steine-Koch | Theiss Verlag/WBG | Darmstadt 2015 | Infos bei Amazon
  • Ahhh…Giersch! | Karfunkel Verlag | Wald-Michelbach 2016 | Infos bei Amazon
  • Kochen und Backen mit Ötzi: 35 leckere Rezepte vom 5-Steine-Koch | Regionalia Verlag |  Rheinbach 2016 | Infos bei Amazon
  • Backen von der Steinzeit bis ins Mittelalter: Brot, Gebäck und Kuchen aus 8000 Jahren | Ulmer Verlag | Stuttgart 2018 | Infos bei Amazon

Weitere interessante Themen:


Dienstag, 11. Dezember 2018

🎧 Hörbares: Cicero -- Der Teufel trägt Brüste -- Hetären -- Seltsamste Orte der Antike -- Medizin im Mittelalter -- usw.



 Der römische Politiker Marcus Tullius Cicero | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

Monster im Mittelalter: Der Teufel trägt Brüste | Spieldauer 9 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

Hetären im alten Griechenland - Geliebte mit Bildung und Geist | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Medizin im Mittelalter - Der Garten der Gesundheit | Spieldauer 18 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Die Seltsamsten Orte der Antike |  Spieldauer 5 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Von wegen Fantasiezeichnung: Der Mönch und die ersten Sonnenflecken | Spieldauer 2 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

Vom Wolf zum Haustier: Mensch und Hund – eine lange Beziehung | Spieldauer 16 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

Das assyrische Reich wird wieder lebendig | Spieldauer 3 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Via Claudia Augusta: Auf der Römerroute über die Alpen | Spieldauer 15 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Das literarische Plagiat - Kreativität second hand? | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Ehrgeizige Pläne für das Römisch-Germanische Zentralmuseum | Spieldauer 5 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

Das Ensemble Doulce Mémoire - Spezialisten für die italienische Musik der Renaissance | Spieldauer 88 Minuten | SWR | Stream & Info

 Retroland Mittelalter - Über die Faszination des Reisens in die Vergangenheit | Spieldauer 4 Minuten | SWR | Stream & Info

➽ Nikolauslegenden in der Musik des Mittelalters | Spieldauer 56 Minuten | SWR | Stream & Info


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Anmerkung: Die kürzlich komplett umgestaltete ARD-Mediathek ist eine Katastrophe allererster Ordnung!

Zitat: "Die neue ARD Mediathek beinhaltet tatsächlich keine Audios mehr. Wir haben gelernt, dass die meisten Nutzer die ARD Mediathek als Videoangebot verstehen und Audios nicht in einer Mediathek nutzen wollen, sondern ein eigenes Angebot nur für Audios bevorzugen (Anm.: Das liest sich wie eine Presseaussendung der Firma Apple, wenn die ihren Groupies wieder einmal eine Verschlimmbesserung schmackhaft machen will). Für das Smartphone haben wir daher die erfolgreiche App ARD Audiothek entwickelt, die bereits 500.000 Mal installiert wurde (Anm.: Und wie oft wurde sie bald wieder deinstalliert?). Für PC und Notebook haben wir gerade die browserbasierte Webversion der ARD Audiothek als Open Beta gestartet. Probieren Sie die Beta-Version aus unter https://beta.ardaudiothek.de."

Beta hin oder her - man kann in der neuen "ARD Audiothek" (ohne Bindestrich) mit ihrer kastrierten Benutzeroberfläche noch nicht einmal die Sendungen nach dem Veröffentlichungsdatum sortieren. Das gilt bezeichnenderweie auch für die Videos in der alten umgestalteten Mediathek, die scheinbar keine Beta, sondern bereits fertig ist.
Für mich ist dieser Krempel völlig unbrauchbar. Oder wie es eine Leserin kürzlich so zutreffend formuliert hat: Da wird man dermaßen sauer, dass man am liebsten eine gelbe Weste anziehen würde.

Witzigerweise hat man zur alten Suchfunktion und Oberfläche noch Zugang - und zwar über den Umweg alter Sendungs-Links wie diesem. Wobei es natürlich nur eine Frage der Zeit ist, bis auch das nicht mehr funktioniert.

Nachtrag: Die alte bzw. bessere Mediathek ist auch noch regulär erreichbar - und zwar unter einer modifizierten URL, der das Wort "classic" hinzugefügt wurde: https://classic.ardmediathek.de

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Sonntag, 9. Dezember 2018

📖 Buch: Römer-Kochbuch

Antike Speisen zum (relativ) einfachen Nachkochen

Im Römer-Kochbuch, dessen Titel auf dem Cover ganz ohne Bindestrich auskommt 😃, präsentiert Edgar Comes laut Vorwort verschiedenste "Interpretationen ausgewählter Facetten römischer Küche". Das ist sehr schön formuliert, bedeutet aber übersetzt, dass die Rezepte nicht zwangsläufig bis ins allerletzte Detail authentisch sind. Geschenkt, denn hundertprozentige Authentizität ist aufgrund vieler Überlieferungslücken sowieso nicht erreichbar. Auch sind bei den Zutaten gewisse Kompromisse unvermeidbar, da z.B. die in der Antike gerne als Würzmittel genutzte Fischsauce Liquamen/Garum in heutigen Supermärkten nicht mehr erhältlich ist. Zwangsläufig muss man also auf 'Substitute' zurückgreifen (Liquamen selbst herzustellen, werden hingegen aufgrund des Aufwands und der Geruchsentwicklung wohl nur wenige Hobbyköche ernsthaft in Erwägung ziehen).

Die im Buch enthaltenen Rezepte decken Vorspeisen, Hauptgerichte, und Desserts ab. Der zeitliche Rahmen reicht von "archaischer Zeit" bis in die Tage des berühmten römischen Feinschmeckers Marcus Gavius Apicius (1. Jh. n. Chr.). Dessen berühmtes Werk De re coquinaria ("Über die Kochkunst") ist auch die Hauptquelle für das vorliegende Römer-Kochbuch. Wobei die entsprechenden Textstellen erfreulicherweise immer genau genannt werden, sodass der Interessierte zwischen dem Original und der Interpretation vergleichen kann (Hinweis: bei Reclam ist eine spottbillige kommentierte Übersetzung von De re coquinaria erhältlich).

Die optisch sehr schön präsentierten Rezepte bzw. Speisen sind nicht übermäßig schwer nachzukochen (ich habe u.a. den Braten auf Ostienser Art ausprobiert). Etwas problematisch ist manchmal, dass die eine oder andere Zutat nicht in typischen Supermärkten zu finden ist. Dazu zählt etwa die in mehreren Rezepten vorkommende Weinraute. Ebenso Rosinenwein (Passum) und Traubenmostsirup. Wobei der Autor auf mögliche Quellen (z.B. Türken-Laden) hinweist sowie Rezepte zum Selbermachen nennt.

Neben dem Rezeptteil enthält das Buch auch einen Sachteil. Darin findet man eine kurze Übersicht zu antiken Tischsitten, Küchenutensilien und Rohstoffen (Nahrungsmitteln).
Übrigens, es handelt sich hier um eine überarbeitete Neuauflage, die dieses Jahr im Zauberfeder Verlag erschien. Die vergriffene Originalausgabe stammt hingegen vom Verlag Fel!x AG.

Fazit: Ein nützliches Buch für experimentierfreudige Hobbyköche, das mit schönen Abbildungen zum Nachkochen animiert. Der Kaufpreis beträgt knapp 20 Euro.

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Zusatz 1: Der Experimentalarchäologe und Autor Achim Werner hat im Rahmen dieses Blogs einen kritischen Gastbeitrag über Qualitätskriterien für archäologisch-historische Kochbücher veröffentlicht. Seine Liste empfehlenswerter Kochbücher enthält auch das gegenständliche "Römer-Kochbuch".


Zusatz 2: Folgendes hatte keinen Einfluss auf meine Bewertung des Römer-Kochbuchs, scheint mir aber eine Erwähnung wert zu sein, denn jeder, der beabsichtigt Living History zu betreiben, darf sich - meiner mehrjährigen Erfahrung nach - im Laufe der Zeit auf ähnlich blutdrucksteigernde Erlebnisse gefasst machen. Es ist auch nicht das erste Mal, dass ich über dergleichen etwas schreibe.

Am Ende der Publikation gibt der Buchautor nicht nur seine eigenen Kontaktdaten an, sondern empfiehlt auch Handwerker, bei denen Replikate römischer Küchenutensilien erworben werden können. Das war zufällig genau das, was ich gerade brauchte; deshalb schrieb ich an einen davon folgende E-Mail:

Sehr geehrter XYZ,

kann man bei Ihnen die Anfertigung eines römischen Küchenmessers/Gebrauchsmessers mit geschwungener Klinge, Ringknauf, 10 cm Klingenlänge (C60-Stahl) und hölzernen Schalengriffen (evtl. Kirsche) in Auftrag geben? 

Die genauen archäolog. Befunde, die als Vorlage dienen sollen, würde ich noch nachreichen.

Vielleicht könnten Sie mir auch sagen, mit welcher Lieferzeit zu rechnen ist und in welchem Rahmen sich ca. die Kosten bewegen?

Beste Grüße

Drei Fragen, die eigentlich relativ einfach zu beantworten sind. Doch Pustekuchen, mir schlug wieder einmal die geballte 'Professionalität' eines Handwerkers der Living-History- und Reenactment-Szene entgegen.
In einem aus nur 22 Worten bestehenden Antwortschreiben  - das ist geradezu cäsarisch knapp - ließ mich der Absender wissen, dass er über keinen  "nNieoster" verfügt (seine E-Mail wurde offensichtlich auf dem Handy getippt ^^); vielmehr würde er seine Messer aus alten Küchenmessern herstellen. Und er erklärte noch, dass der Griff nur aus Knochen, Horn und Zwetschge möglich ist. Zur Lieferzeit kein Wort. Auch nichts zum ungefähren Kostenrahmen.
Ich kann gar nicht sagen, wie es mir auf den Keks geht, solchen Leuten immer wieder die Informationen aus der Nase ziehen zu müssen 😠. Und dann hält er einfachen C60-Stahl, also einen unlegierten Qualitätsstahl, auch noch für nichtrostenden Nirosta/Nieroster  ("nNieoster")! Wie ist es möglich, dass so jemand historische Replikate anfertigt?
Es ist mir überdies ein Rätsel, wie der durchaus kompetent wirkende Buchautor ausgerechnet diesen Handwerker empfehlen/bewerben konnte. Eine Antwort auf dessen unprofessionellen Schrieb habe ich mir jedenfalls verkniffen, denn die wäre ziemlich ätzend ausgefallen.

Immerhin, nach vier (!) Anläufen habe ich zwischenzeitlich jemanden Gefunden, der mir das römische Messerchen mit geschwungener Klinge anfertigt. Und es eilt mittlerweile auch, denn ich brauche es, neben allerlei anderen Replikaten aus meinem Fundus, für ein recht ambitioniertes Buchprojekt, an dem ich als "Requisiteur" mitarbeite.

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Weiterführende Informationen:


Samstag, 8. Dezember 2018

📽️ Videos: Frühmittelalterlicher Krieger -- Mykene -- Schatzräuber auf dem Vormarsch -- usw.


 Der frühmittelalterliche Krieger von Boilstädt | Spieldauer 2 Minuten | RBB/ARD | Stream & Info

 Unter Tage mit dem Stollenforscher | Spieldauer 5 Minuten | SR/ARD | Stream & Info

➽ Das antike "Mykene" im Badischen Landesmuseum Karlsruhe | Spieldauer 4 Minuten | SR/ARD | Stream & Info
Wäre die Ausstellung von meinem Wohnort nicht so weit entfernt, würde ich sie mir gerne ansehen.

 Valentinian-Ausstellung in Speyer | Spieldauer 2 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

 Winckelmann-Museum in Stendal wiedereröffnet | Spieldauer 3 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info

➽ Schatzräuber in Deutschland auf dem Vormarsch | Spieldauer 2 Minuten | DW/Youtube | Stream & Info
Was ich von manch einer dieser Heulsusen im deutschen Denkmalschutz halte, dürfte bekannt sein: Zuerst lobbyieren sie für strohdumme Gesetze, mit denen Finder von Schätzen vollautomatisch enteignet werden, und dann wundern sich diese "Experten", wenn vieles nur noch hinter ihrem Rücken stattfindet und kaum ein Mensch Funde meldet. Experte zu sein belegt demnach erkennbar wenig. Vor allem nicht das Vorhandensein einer auch nur durchschnittlich ausgeprägten Problemlösungskompetenz.
Ein anderer, von mir auch schon lange kritisch betrachteter Punkt, ist die Bezeichnung "Raubgräber". Der Begriff ist ein Dysphemismus. Interessengeleitete Rabulistik. Eine semantischer Manipulationsversuch, um im öffentlichen Diskurs die moralische Oberhand zu erlangen. Aber schlimmer noch, hier wird ein Gewaltverbrechen trivialisiert, indem man den Begriff Räuber inflationär und pauschal auf Personen anwendet, die alles mögliche sind, nur eben keine Räuber. Denn weder wird bei den von ihnen begangenen Gesetzesverstößen in der Regel jemandem Gewalt angetan noch wird jemand mit Gewaltanwendung bedroht. Genau so - und nicht anders - wurde allerdings Raub gesetzlich definiert. Es ist schon peinlich und ein Armutszeugnis, wenn Wissenschaftler, die ihren Sachlichkeitsanspruch gerne wie eine Monstranz vor sich hertragen, reichlich unsachlich mit missbräuchlich verwendeten Begriffen hantieren. Mich nervt das - und zwar ohne gleichzeitig die Aktivitäten von illegalen Metalllsuchern gutheißen zu wollen.
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Donnerstag, 6. Dezember 2018

Krimskrams: Ein provokanter Archäologe -- Aus dem Wolkenkuckucksheim -- Campus Galli -- usw.

Ein provokanter Archäologe

Der in mancherlei Hinsicht nonkonforme Archäologie-Professor Raimund Karl schreibt auf seinem Blog hinsichtlich des "immateriellen Kulturerbes Schatzsuche" (!!!) folgendes:

Ein System, wie wir es derzeit nahezu im ganzen deutschen Sprachraum haben, bei dem die von uns als ‚böse‘ betrachteten Schatzsucher und Privatsammler zur Achtung unserer Werte und unseres kulturellen Erbes verpflichtet sind, während wir sie, ihre Werte und ihr kulturelles Erbe mit absoluter Verachtung strafen dürfen, mag uns zwar gefallen und uns nutzen, aber hat in den Gesellschaften, in denen wir leben, und deren Verfassungsordnung, die sie sich selbst gegeben haben, keinen Platz. Es ist ein solches System nicht mehr und nicht weniger als ein Missbrauch der Idee des Kulturgüterschutzes zur Förderung unserer eigenen kulturellen Interessen und Werte auf Kosten derer (wenigstens mancher) unserer MitbürgerInnen, und das ist im höchsten Grade unethisch; selbst für ArchäologInnen, denen der Staat keine denkmalpflegerischen Machtbefugnisse eingeräumt hat; und noch viel mehr für staatliche DenkmalpflegerInnen, die vom Staat mit Machtbefugnissen betraut wurden, um die vom Staat verfolgten Ziele – dem gerechten und ausgewogenen Schutz der Interessen aller seiner BürgerInnen – zum Wohle aller zu verwirklichen.

Huiuiui, dieser Text dürfte wieder einmal bei einigen seiner Berufskollegen - die hinsichtlich des Sondengehens bzw. Schatzsuchens eine Schwarz-Weiß-Sicht bevorzugen - die Hutschnur reißen lassen. Oder wie man hier auch sagt: Da geht der Feitl im Hosensack auf! 😄

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Aus dem Wolkenkuckucksheim: Archäologische Rekonstruktion im Industriegebiet

Die deutsche Gemeinde Herxheim - die als Fundort unzähliger grausig zu Tode gekommener Menschen der Jungsteinzeit von sich Reden machte - hat eine Art Rekonstruktion eines jungsteinzeitlichen Hauses spendiert bekommen. Errichtet wurde der Holzpfosten-Bau direkt an einer stark befahrenen Straße neben einem Industriegebiet - wie u.a. dieses Video eindrücklich dokumentiert.

Wer wählt denn bitteschön so einen Standort aus? Schließlich ist es doch nicht dermaßen wichtig, dass eine Rekonstruktion genau an dem Platz errichtet wird, wo die Archäologen ursprünglich gegraben haben. Praktischen keinen Besucher stört es, wenn man den Bau in einer ruhigeren Ecke in z.B. 500 oder 1000 m Entfernung ansiedelt. Ganz im Gegenteil, das Ambiente ist schließlich von zentraler Bedeutung für den Gesamteindruck. Wie soll man sich denn bei all dem Straßenlärm, der mit Abgasen verpesten Luft und dieser hässlichen Kulisse gedanklich in die Jungsteinzeit zurückversetzen? Wer bleibt denn freiwillig länger als ein paar Minuten an so einem Ort? 

Die bei diesem Fall zutage tretende Ignoranz der Verantwortlichen ist nach meinem Dafürhalten beachtlich. Aber jede Wette, es mangelt wie üblich nicht an blumigen Ausreden Begründungen. Ich höre schon förmlich, wie diese Schlauberger aus ihrem Wolkenkuckucksheim heraus irgendwas von "Sichtbarmachen im öffentlichen Raum" oder einen ähnlichen Unsinn verzapfen.

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Campus Galli: Im Dunkeln ist gut munkeln

Auf der Schweizer Website Baublatt.ch fühlte sich jemand bemüßigt, der Mittelalterbaustelle Campus Galli eine unkritische 'Apologie' zu widmen. Darin heißt es:

So gesehen sind beim Campus Galli nicht nur historische Quellen sondern immer wieder Improvisationstalent gefragt. Das kommt in der Mittelalterszene nicht bei allen gut an. So hat sich beispielsweise der österreichische Blogger und selbsternannte Wanderer zwischen Antike und Mittelalter «Hiltibold» regelrecht auf den Campus eingeschossen und bezeichnet ihn gerne mal als «verkapptes Disneyland».

Wer sonst, außer ich selbst, sollte das Blog - dem Inhalt entsprechend - benennen? Oder gibt es neuerdings auch externe Stellen, die das für einen übernehmen? 😊

Freilich, mit dem Wort "selbsternannt" soll hier wenig subtil angedeutet werden, dass dieser Hiltibold wahrscheinlich nicht über die nötige Bescheidwisserschaft verfügt. Und der vage Hinweis auf die doch recht bunte Mittelalterszene - anstatt in meinem Fall korrekt von 'Living History' zu sprechen - dient dem Zweck, mich in die Nähe schräger Vögel zu rücken, die nicht ernst genommen werden müssen. Gleichzeitige wurde auf die von mir am Campus Galli geäußerte Kritik nicht ein einziges Mal konkret eingegangen. Ganz schön schwach. 

Apropos "Campus Galli" und "schwach": Den Betreibern dieser experimentalarchäologischen Gehschule ist es in der Saison 2018 trotz üppiger Fördergelder nicht einmal mehr dem Anschein nach gelungen, 'positiv' zu bilanzieren. Vielmehr fehlen satte 170.000 Euro in der Kasse. Selbst der Südkurier - seit jeher ein medialer Cheerleader des Projekts - tut sich trotz augenscheinlichem Bemühen schwer, diesen unguten Sachverhalt in einem aktuellen Artikel schönzuschreiben.

Man beachte auch, mit welcher frechen Selbstverständlichkeit der verantwortliche Geschäftsführer des Campus Galli - laut einem Bericht der Schwäbischen Zeitung - verlangt, die Standortgemeinde Meßkirch solle nicht nur für den oben erwähnten Fehlbetrag mit Steuergeld gerade stehen, sondern zukünftig gleich gar keine konkreten Erwartungen mehr an das massiv defizitäre Bauprojekt stellen.
Der wahre Grund für dieses Ansinnen ist nicht schwer zu erraten: Werden keine klaren wirtschaftlichen Ziele definiert, so können diese auch nicht verfehlt werden. Will heißen, man nimmt Kritikern des Projekts einen legitimen Angriffspunkt, ohne jedoch die ursächlichen Probleme zu beheben.

Die bisher schon nicht gerade um echte Transparenz bemühten Verantwortlichen des Campus Galli agieren immer offensichtlicher wie ein Obskurantenzirkel. 

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Fake-Rezensionen

Viel halte ich von Fake-Rezensionen bei Amazon ja nicht. Wenn sie aber lustig sind, dann will ich ein Auge zudrücken. So etwa im Fall eines Champagners, der mit wohlfeilen 2.414 Euro zu Buche schlägt. Da haben sich im Rezensionsbereich einige Spaßvögel geradezu einen Wettbewerb geliefert 😃  Klick mich

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Weitere interessante Themen:



Dienstag, 4. Dezember 2018

🎧 Hörbares: Hochkultur Mykene -- Historische Geheimnisse im Zahnstein -- Marco Polo -- Sappho -- usw.




 Mykene - Glanz und Untergang einer Hochkultur | Spieldauer 44 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download
Zu diesem spannenden Thema, das ich noch vor ein paar Jahren total langweilig fand,  lese ich seit heute ein nigelnagelneues Buch: Klick mich

Geheimnisse im Zahnstein - Was Bakterien im Mund unserer Vorfahren verraten | Spieldauer 8 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Zahnstein mit Geschichte - Welche Bakterien waren im Mittelalter in aller Munde? | Spieldauer 8 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Marco Polo - Der Abenteurer und sein Mythos | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 26.11.1922: Archäologen betreten das Grab des Pharaos Tutanchamun | Spieldauer 4 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Die antiken Gedichte der Sappho | Spieldauer 4 Minuten | DF/ARD | Stream & Info

 Entdecker ohne Ruhm - Indigene Helfer auf Forschungsreisen | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Die Geschichte des Mikroskops - Als die Welt vergrößert wurde | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

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Montag, 3. Dezember 2018

👨‍🍳 Hiltibold bäckt: Langobardische Olivenröllchen

Vorbemerkung zur historischen Authentizität des Rezepts

Das Rezept für "Langobardische Olivenröllchen" habe ich überwiegend aus dem Buch "Backen - Von der Steinzeit bis ins Mittelalter" übernommen (siehe Link am Ende des Beitrages). Es beruht zwar auf antiken/spätantiken Backtraditionen, ist aber so wie hier beschrieben nicht exakt überliefert. Für Living History muss man die Röllchen deshalb als "eingeschränkt empfehlenswert" bezeichnen. Will heißen, wer so etwas im Lager zubereitet, wird in historischer Hinsicht zwar kaum völlig verkehrt liegen, denn Zutaten, Zubereitungsformen und ähnliche Rezepte sind für die Antike durchaus belegt; andererseits aber den Eindruck zu erwecken, es ginge hierbei total authentisch zu, wäre nicht gerade seriös.


Die Zutaten

Die folgenden Zutaten sind einfach zu bekommen und auch nicht teuer. Man kann sie bei Bedarf dem eigenen Geschmack anpassen. So wäre es beispielsweise eine Überlegung wert, der Olivenpaste kleine gebratene Speckwürfel hinzuzufügen; ein Nahrungsmittel, das selbstverständlich auch die alten Langobarden kannten.
1. Olivenpaste - 2. Lauwarmes Wasser mit aufgelöster Hefe und Olivenöl - 3. Salz - 4. Weizenvollkornmehl

Olivenpaste:
  • 200 g schwarze Oliven (ohne das dabei befindliche Wasser)
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Teelöffel italienische Kräuter
  • einen gestrichenen Teelöffel frischen Pfeffer aus der Mühle (Achtung, bei fertig gemahlenem Pfeffer weniger nehmen, weil der oft feiner und entsprechen dichter gepackt ist)
  • gut 2 Esslöffel Olivenöl

Teig:
  • 400 g Weizenvollkornmehl
  • 3 Esslöffel Olivenöl
  • 21 g Frischhefe (ein halber Würfel)
  • Gut 1 Teelöffel Salz 
  • 1/4 Liter lauwarmes Wasser


Zubereitung

Olivenpaste:
- Die Zutaten für die Olivenpaste mit einem entsprechenden Küchengerät (nicht zu fein) häckseln. Wer es authentischer mag und über die nötige Muße verfügt, kann auch einen Mörser verwenden. 
Teig: 
- Damit der Teig lockerer wird, sollte das Mehl vorab gesiebt werden. Ich war selbst erstaunt, wie viele Rückstände bei Vollkornmehl im Sieb hängen blieben.
- Die Frischhefe im lauwarmen Wasser auflösen und samt Olivenöl sowie Salz zum Mehl geben.
- Nun die klebrige Pampe so lange zu einem Teig kneten, bis dieser nicht mehr an der Schüssel (und den Fingern) haften bleibt. Bei mir funktionierte das nicht so ganz, daher musste ich nachträglich etwas mehr Mehl dazugeben. Insgesamt hat dieser Arbeitsschritt gut 20 Minuten gedauert. Glücklich ist daher, wer eine entsprechende Küchenmaschine hat, welche die Arbeit übernimmt.
- Der Teig wird zum Schluss gut abgedeckt (ich habe einen Teller verwendet) und man lässt ihn für eine Stunde in einem eher wärmeren Raum ruhen. Das folgende Bild zeigt schön, wie stark er dabei aufgegangen ist.


Röllchen:
- Den aufgegangenen Teig noch einmal auf einer gemehlten Arbeitsfläche gut durchkneten, in neun gleich große Portionen unterteilen und diese dünn auf ca. 10 x 30 cm ausrollen.
- Die Streifen mit Olivenpaste gleichmäßig dünn bestreichen, dabei aber ca 1. cm des Randes unbedeckt lassen.
- Die fertigen Streifen ohne Druck vorsichtig zusammenrollen.
- Die Röllchen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech geben und auf mittlerer Schiene bei 220°C (Ober- und Unterhitze) für ca. 30 Minuten backen (bzw. so lange, bis sie hellbraun sind).

Fazit und Fehleranalyse


Bei meinem ersten von zwei Back-Versuchen nach dem obigen Rezept habe ich ein paar kleine Fehler gemacht: Erstens hätte ich die Röllchen etwas länger im Rohr lassen sollen, damit die Kruste noch knuspriger wird (die Oberfläche vorher mit Wasser oder Ei bestreichen soll auch helfen). Zweitens habe ich die Röllchen, nachdem sie drei Stunden auf einem Rost zum Auskühlen lagen, gleich in eine Kunststoffschüssel gepackt. Weil aber das Gebäck zu diesem Zeitpunkt im Inneren immer noch minimal warm war, dunstete es in der mit einem Deckel verschlossenen Schüssel Feuchtigkeit aus, was wiederum die ohnehin nur unterentwickelt knusprige Außenhülle völlig weich machte. Im Zuge des zweiten Versuchs habe ich deshalb aufgepasst, diese Fehler zu vermeiden. Das Endergebnis war nun für mich ohne jeden Zweifel zufriedenstellend. Lediglich das seitliche Aufplatzen und teilweise Entrollen der Röllchen trat wieder auf - siehe Bild. Was freilich vor allem optisch, aber kaum geschmacklich ein Problem darstellt. Mit etwas Übung kann man auch das bestimmt vermeiden.

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Weiterführende Literatur: 

Weitere interessante Themen: 


Sonntag, 2. Dezember 2018

🎁 Ankündigung: Hiltibolds Advent-Buchverlosung 2018

Die jährliche Advent-Buchverlosung, die ich über die im Blog eingebundenen Amazon-Partnerlinks finanziere, findet am Sonntag, dem 23. Dezember 2018 statt. Wer teilnehmen möchte, schicke mir einen Weihnachtsgruß per E-Mail (hiltibold (@) gmail.com), Facebook oder Twitter. Der Betreff lautet: "Buchverlosung 2018"

Wer mag, darf bei seiner Anmeldung auch dazuschreiben, welches der Bücher er bevorzugt. Falls mehrere der drei gezogenen Gewinner dasselbe Buch gewählt haben, entscheidet nochmals das Zufallsprinzip bzw. mein steinalter, von mir selbst in Turbo Pascal programmierter Zufallsgenerator (der eigentlich nicht völlig zufällig agiert - aber keine Angst, das ist Haarspalterei, denn für diesen Zweck reicht es allemal).

Lieferadresse muss bei der Anmeldung für die Verlosung keine genannt werden. Das wird erst nötig, wenn ich die Gewinner persönlich angeschrieben habe. Öffentlich werden die Gewinner nur mit ihrem Vornamen bekanntgegeben. Teilnahmeschluss ist der 22. Dezember.


Folgende drei Buchpreise stehen dieses Jahr zur Verlosung:


Der Teppich von Bayeux | Nähere Infos
Dieses vor einigen Monaten erschienene Buch über den berühmten Teppich von Bayeux ist wärmstens all jenen als zu Quelle empfehlen, die sich fürs späte Frühmittelalter und Hochmittelalter interessieren. 

Wurmbunte Klingen | Nähere Infos
Dieses ausgezeichnete Buch über frühmittelalterliche / merowingerzeitliche Schwerter ist im Handel ziemlich vergriffen. Beim zur Verlosung stehenden neuwertigen Exemplar handelt es sich um einen glücklichen Fund auf einem Online-Portal. Der Verkäuferin war erfreulicherweise nicht klar, wie viel sie eigentlich dafür hätte verlangen können 😊

Das Heer des Varus Teil 1 und Teil 2 | Nähere Infos
Die Bücher des Zeughaus-Verlages sind aufgrund vieler schöner Abbildungen und nützlichen Quellenangaben z.B. für Einsteiger in die Living-History-Thematik eine große Hilfe.


Freitag, 30. November 2018

📖 Hiltibolds aktuelle Leseliste: Römer-Kochbuch -- Gladiatoren-Kochbuch -- De re coquinaria -- Benediktsregeln -- Der gute Arzt




➽ Römer-Kochbuch | von Edgar Comes | Zauberfeder Verlag | 2018 | 128 Seiten | Preis: 19,50 Euro | Infos bei Amazon
Es hat sich so ergeben, dass ich zurzeit ziemlich viele historisch-archäologische Kochbücher lese. Das "Römer-Kochbuch" (auf dem Cover ohne Bindestrich ^^) möchte ich dabei als durchaus gelungen bezeichnen. Gleichzeitig hat eine darin enthaltene Information bei mir für Unmut gesorgt. Doch dazu mehr, wenn ich das Buch in ca. zwei Wochen hier bespreche.

 Gladiatoren-Kochbuch | von Christian Eckert | Verlag Neumann-Neudamm | 2014 | 120 Seiten | Preis: 16,95 Euro | Infos bei Amazon
Im Gegensatz zum "Römer-Kochbuch", dessen Rezepte überwiegend auf dem antiken Feinschmecker-Kochbuch des Apicius basieren, sind die Rezepte hier unterm Strich simpler - vor allem hinsichtlich der Zutaten - und dadurch auch einfacher nachzukochen. Unter anderem enthält das Buch viele schmackhafte Variationen des berühmten römischen Puls. Notiz am Rande: Auch hier fehlt im Titel der Bindestrich ...

De re coquinaria / Über die Kochkunst | von Apicius (Autor) / Robert Maier (Übers.) | Reclam Verlag | 2018 | 295 Seiten | Preis: 8 Euro | Infos bei Amazon
Hierbei handelt es sich um eine kommentierte deutsche Übersetzung jenes antiken Kochbuchs, auf dem viele Rezepte des ganz oben erwähnten "Römer-Kochbuchs" basieren. 

Benediktsregel | von Benedikt von Nursia / Gernot Krapinger (Übers.) | Reclam Verlag | 2018 | 203 Seiten | Preis: 6,80 Euro | Infos bei Amazon
Ich zitiere hier mal einfach den Klappentext dieser deutsch-lateinischen Übersetzung: Die Regel des Heiligen Benedikt von Nursia umfasst Vorschriften für das Zusammenleben der Mönche. Vor der Mitte des 6. Jahrhunderts verfasst, ist sie eine der ältesten und gewiss die folgenreichste religiöse Lebensregel der lateinischen Kirche.
Das Buch ist besonders interessant für Leute, die mit dem Gedanken spielen, in ein Kloster einzutreten. Oder für Autoren, die einen historischen Roman im Stiel von "Der Name der Rose" schreiben möchten. Oder aber auch für jemanden wie mich, der ein pseudomittelalterliches Kloster-Bauprojekt in Baden-Württemberg auf dem Kieker hat 😄

 Der gute Arzt / Compositiones | von Scribonius Largus / Kai Brodersen (Übers.) | Marix Verlag | 2018 | 352 Seiten | Preis: 20 Euro | Infos bei Amazon
Beachtlich, wie viele Übersetzungen bei unterschiedlichen Verlagen Kai Brodersen - den ich hier schon einmal interviewt habe - pro Jahr raushaut! "Der gute Arzt" - eine antike Sammlung medizinischer Rezepte und Ratschläge - ist als Primärquelle wirklich sehr interessant. Unter anderem wird darin genau beschrieben, wie man im Alten Rom Zähne gebleicht hat.


Ausführlichere Rezensionen zu den obigen Büchern folgen hier in den kommenden Wochen.

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Donnerstag, 29. November 2018

📖 Buch: Geschichte - Von den Ursprüngen der Menschheit bis heute

Ein farbenfrohes Geschichtsbuch (mit Lücken) für die Familienbibliothek

In "Geschichte - Von den Ursprüngen der Menschheit bis heute" spannen verschiedene Fachwissenschaftler auf rund 600 Seiten einen Bogen von den allerersten Menschen bis in die Gegenwart.
Die Qualität der von mir gelesenen Texte bewerte ich überwiegend als gut; dazu zählen jene über Caesar, die Römische Republik und der Entstehung des Homo sapiens. Andere Beiträge wiederum sind weniger sauber recherchiert/formuliert. Dazu zählt jener über den derzeitigen Klimawandel, in dem man wieder einmal die Mär vom aussterbenden Eisbären bemüht, obwohl  dessen Population seit den 1960ern - parallel zur Erwärmung der Erde! - von 5000 auf über 25000 angewachsen ist. Noch weniger hat mir der Text zum Vietnamkrieg bzw. dessen scheinbaren Auslöser - nämlich dem berüchtigte Golf-von-Tonkin-Zwischenfall - zugesagt. Es wurde dabei nämlich völlig verschwiegen, dass die damalige US-Regierung die Öffentlichkeit massiv behumpst hatte - wie aus längst veröffentlichten Dokumenten des Pentagon zweifelsfrei hervorgeht.
Nun ist es sicher so, dass das Buchkonzept keine allzu weitschweifigen Ausführungen erlaubt. Allerdings entschuldigt dieser Umstand nicht das Weglassen von essenziellen Informationen, durch deren Fehlen ein historisches Ereignis für den Leser einen anderen 'Twist' erhält. Ob es sich dabei um Absicht oder Schludrigkeit handelt, kann ich nicht beurteilen.  Bei hochpolitischen Themen können unlautere Motive allerdings nicht ausgeschlossen werden.

Das Layout des Buchs ist schön gestaltet. Die einzelnen Beiträge enthalten viele großformatige Fotos, nützliche Grafiken und Landkarten. Besonders von Zeitstrahlen und Infokästchen wurde ausgiebig Gebrauch gemacht, sodass es dem Leser möglich ist, sich leichter einen Überblick zu wichtigen Daten und Fakten zu verschaffen. Insgesamt errinnter mich die Gestaltung an populärwissenschaftliche Geschichtszeitschriften.

Fazit: Die Menschheitsgeschichte ist viel zu umfangreich, um sie in einer einzigen Publikation erschöpfend zu behandeln. Allerdings bietet das vorliegende, im Verlag Dorling Kindersley erschienene Buch eine passable Übersicht - trotz gelegentlich fragwürdiger Auslassungen. In Zeiten des Internets wird man es freilich weniger als Nachschlagewerk verwenden, sonder vielmehr zum darin Schmökern. Wer dann hinsichtlich eines bestimmten Themas Lust auf mehr bekommt - beispielsweise zum "Aufstieg der Samurai" - googelt danach oder er besorgt sich gleich eine passende Monographie.

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Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen: