Montag, 16. April 2018

Das Blog muss pausieren



Das Blog muss leider pausieren. Vor allem weil mein rechtes Handgelenk etwas lädiert ist, nachdem ich einen Sandsack zu stark und zu lange 'verprügelt' habe 😊

In ein bis zwei Wochen geht es hier wohl wieder weiter.  Bis dahin!


Sonntag, 15. April 2018

Hörbares: Burg Guédelon -- Kochen mit den Römern -- Geheime Sprachen -- Archäologie -- Odysseus -- usw.



 Guédelon:  "Stell dir vor du baust im Mittelalter" | Spieldauer 28 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Mehr als zehntausend Besucher kommen an einem einzigen Tag zur burgundischen Burgenbaustelle Guédelon, heißt es hier. Das 'Imitat', die Klosterbaustelle Campus Galli in Baden-Württemberg, schafft in einer rund siebenmonatigen Saison nicht einmal 100000. Was läuft da falsch? Ob es unter anderem daran liegt, dass 'Kloster' für Ottonormalbesucher einfach langweiliger klingt als 'Ritterburg'? Ich meine: Ja.
 Kochen mit den Römern - Wissenswertes über antike Tafelfreuden | Spieldauer 25 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 "Dunkle Zungen" - auf den Spuren geheimer Sprachen | Spieldauer 6 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Experimentelle Archäologie: Bretter spalten mit Holzkeilen in der Jungsteinzeit | Spieldauer 6 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Odysseus | Spieldauer 4 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

➽ Archäologie - Weit mehr als Buddeln in der Erde | Spieldauer 52 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 25 Jahre "Les haulz et les bas": Freiburger Ensemble für Alte Musik | Spieldauer 6 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Sehr schöne Musik. Aber ob ein in Frankreich angesiedeltes Ensemble für sich einen deutschen oder englischen Namen wählen würde? Es ist schon merkwürdig, dass den Freiburger Musikern nichts Passenderes eingefallen ist, denn gerade im Bereich der alten Musik waren Künstler aus dem deutschen Sprachraum alles andere als eine Randerscheinung der Geschichte.

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 Mehr Hörbares


Videos: Richard Löwenherz -- Schatzsuche -- Nero -- Das Kolosseum -- Die Slawen




Löwenherzen im Trifelsland - Auf den Spuren eines englischen Königs | Spieldauer 45 Minuten | ARD/SWR | Stream & Info
Siehe dazu auch meine Rezension des neuen Löwenherz-Buchs von Schnell+Steiner.
➽ Auf Schatzsuche beim Archäologen | Spieldauer 5 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

 Nero: Plädoyer für eine Bestie  | Spieldauer 52 Minuten | Arte | Stream & Info
Nero war eigentlich nicht so böse, wie man bisher allgemein angenommen hat, lautet hier die These. Diese zunehmend in Mode kommende Brachial-Neuinterpretation der Geschichte auf Grundlage überwiegend vager Vermutungen könnte freilich auch nur ein Beschäftigungsprogramm für brotlose Historiker sein. Aber wer weiß ...  Mit Nero in enger Beziehung steht der Begriff 'Caesarenwahn'. Dazu habe ich im Vorjahr ein gleichnamiges Buch besprochen. Ein ganz anderes Thema noch: Wer, um Gottes Willen, war eigentlich für die Kostüme und Frisuren in dieser Dokumentation zuständig?
Wo Löwen Aufzug fahren: Das Kolosseum in Rom | Spieldauer 85 Minuten | Arte | Stream & Info
Auch zum Kolosseum habe ich schon ein entsprechendes Buch rezensiert. Es geht darin um die spannende Frage, ob der Bau nicht schon viel älter ist, als bisher angenommen wurde.
 Die Slawen - Unsere geheimnisvollen Vorfahren | Spieldauer 43 Minuten | ARD/MDR | Stream & Info

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  Mehr Videos


Samstag, 14. April 2018

Buch: Reisebericht / Itinerarium der Egeria

Vermutlich in den 80er-Jahren des 4. Jahrhunderts machte sich eine römische Christin namens Egeria auf, um die im Osten des Reichs liegenden heiligen Stätten des Christentums zu besuchen. Egeria beschreibt sich selbst als "ziemlich neugierig"; dementsprechend lange - nämlich vier Jahre - durchstreifte sie gemeinsam mit anderen Pilgern den Nahen Osten bis hinunter nach Ägypten. Der Nachwelt hinterließ sie einen interessanten Reisebericht in Form von Briefen, die später zu einem Buch gebündelt wurden.

Man weiß über die Autorin nicht viel - selbst ihr Name kann nicht als völlig gesichert gelten. Fest steht aber, dass es sich um eine Dame von einiger Bedeutung gehandelt haben muss, denn beispielsweise erhielt sie in gefährlichen Landstrichen Geleitschutz durch das Militär und durfte überdies in Militärstützpunkten übernachten.
Teile des antiken Reiseberichts fehlten, als er 1884 in einer mittelalterlichen Handschrift entdeckt wurde. Daher bleibt nicht nur bezüglich der Autorin mancherlei im Unklaren. Trotzdem wurde in dieser Ausgabe versucht, mittels anderer antiker Quellen die Überlieferungslücken zu füllen.

Der Text gliedert sich in zwei Teile: Der erste enthält den eigentlichen Reisebericht. Im zweiten wird die christliche Liturgie in Jerusalem beschrieben, wie sie Egeria beobachten konnte.
Die Autorin blendet bei ihren Beschreibungen von Bauwerken heidnische Tempel, die damals noch in relativ großer Zahl vorhanden waren, weitestgehend aus und konzentriert sich stattdessen auf christliche Kirchen und Pilgerstätten; sozusagen mit der Bibel in der Hand machte sie sich auf die Suche nach ihnen. Immer wieder traf sie dabei mit lokalen Bischöfen zusammen und wurde von diesen bereitwillig herumgeführt, wodurch ihr Einblicke ermöglicht wurden, die normale Pilger nicht gehabt haben dürften.

Die vorliegende (3. überarbeitete) Ausgabe des bei Herder erschienen Reiseberichts ist zweisprachig und verfügt über eine ausgezeichnete, rund 100 Seiten umfassende Einleitung. Der in ein leicht verständliches bzw. zeitgemäßes Deutsch übertragene lateinische Originaltext wurde mit vielen nützlichen Fußnoten versehen. Darüber hinaus findet sich am Ende des Buchs ein umfangreiches Register, ein Quellenverzeichnis sowie Landkarten.

Fazit: Der neugierigen und reiselustigen Dame Egeria verdanken wir hinsichtlich des antiken Christentums eine interessante Quelle, die hier für heutige Leser in gelungener Weise aufbereitet wurde. Der Kaufpreis beträgt 38 Euro.

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Weiterführende Informationen: 

Weitere interessante Themen: 


Freitag, 13. April 2018

Über Bullshit, private Nachrichten und unscharfe Ränder

(C) Hiltibold.Blogspot.com
Im nachfolgenden Text werde ich anhand eines mich persönlich betreffenden Beispiels aufzeigen, wie Buzzword-Bashing von Rabulisten verwendet wird, um am Ruf andersmeinender Menschen zu kratzen, gegen die man in einer inhaltsorientierten Debatte den Kürzeren ziehen würde.

Vor nicht allzu langer Zeit machten mich Leser darauf aufmerksam, dass ein kurzer Blogbeitrag über einen melaninbevorzugten Normannen von Mitgliedern der Facebook-Gruppe "Freunde des Mittelalters ohne Problem mit A" zum Anlass genommen wurde, um meinen Schreibstil zu bemängeln; der sei mitunter zu rabiat. Egal, dachte ich mir. Ich leide ja nicht an chronischer Gefallsucht. Spannend wurde die Sache allerdings, nachdem man mir Screenshots des inkriminierten Diskussionsfadens schickte, denn dieser enthielt mehr als nur stilistische Kritik. Zwei Nutzer stachen darin besonders hervor: Andrej Pfeiffer-Perkuhn und Benjamin Lammertz. Letzerer gibt Andersmeinenden gerne Spitznamen wie "Kind" oder "Herzchen". Tun wir es ihm deshalb gleich und nennen ihn hier zukünftig liebevoll 'Mondgesicht'. Unter anderem äußert sich der besagte Herr wie folgt über mich bzw. mein Geschichtsblog:

In anderen Beiträgen das konstante Gejammer über den bösen linken Mainstream, mit seinem Feminismus, seinem Gender-Mainstreaming, seinem Multikulti...
Ich halte Hiltibold *noch* nicht für braun, aber entschieden zu schwarz.

Mit der halben Wahrheit behumpst man bekanntlich am besten: Dieser Maxime folgend, saugt sich Mondgesicht hier einiges aus seinen Wurstfingern. Beispielsweise jubelt er mir politische Kampfbegriffe wie "linker Mainstream" und "Gender-Mainstreaming" unter. In der Realität habe ich diese Begriffe in keinem einzigen meiner bisher rund 1400 Blogbeiträge verwendet; ganz im Gegenteil, simplifizierende politische Zuordnungen wie "links" und "rechts" werden von mir grundsätzlich vermieden. Jeder Interessierte kann das kinderleicht überprüfen. Auch über "Multikulti" wurde hier nicht "gejammert". Weder "konstant" noch vereinzelt. Das herbeihalluzinierte Gefasel dieses schwindligen Schmiergriffels sagt deshalb herzlich wenig über mich aus, aber viel über sein entspanntes Verhältnis zur Wahrheit.
Was ich in diesem Blog hingegen selten, aber doch kritisiert habe, sind Skurrilitäten wie die Feministische Archäologie sowie die damit verbundenen Auswirkungen auf Archäologie und Geschichtsforschung - siehe etwa den Trend, unbedingt 'weibliche Krieger im europäischen Frühmittelalter' finden zu wollen; oder den Umstand, dass bei Reenactments vermehrt Frauen völlig anachronistisch in Rüstungen auftreten (eine Entwicklung, die z.B. auch der Living-History-Veteran Marcus Junkelmann ablehnt).
Leider basieren Mondgesichts Einlassungen ausschließlich auf inhaltsleeren Pejorativen. Er ist demnach nicht fähig oder willens, meine Kritik zu entkräften. Überprüfung, Nachweis, Verifikation und Falsifikation kennt dieser Anwärter auf den Münchhausen-Gedächtnispreis nicht. Es heißt stattdessen, 'ich sehe das so, und damit basta'. 
Mein Ankläger besitzt zwar die Güte, mich ausdrücklich als 'noch nicht braun' einzustufen, sondern nur als für seinen Geschmack "zu schwarz", allerdings relativiert er diese Einschätzung augenscheinlich mit dem Wort "noch". Er scheint demnach andeuten zu wollen, ich sei eigentlich nicht mehr weit davon entfernt, meine Garderobe mit Accessoires wie weißgeschnürten Springerstiefeln und einer Bomberjacke aufzupeppen.
Aber es kommt noch besser: Nachdem ich diesen Menschen in einer privaten (!) Facebook-Nachricht höflich darauf aufmerksam gemacht habe, dass sein Gesudel Folgen haben wird (nämlich in Form dieses Textes), hielt er es offenbar für angebracht, nach kurzem Wortgeplänkel mit mir, besagte Nachricht in seiner Facebook-Gruppe zu veröffentlichen und wie ein Pubertierender über einen darin enthaltenen Tippfehler zu lästern (es hat keine halbe Stunde gedauert, bis mich eine Nutzerin dieser Gruppe mittels Screenshot darüber informierte). Der gute Mann weiß offensichtlich nicht, dass diese Veröffentlichung laut Judikatur seines Heimatlandes mein Persönlichkeitsrecht verletzt bzw. justiziabel ist. Und das ist jetzt natürlich ganz schön blöd für ihn, denn er hatte bereits voreilig gehöhnt, ich könne ihm juristisch ja eh nicht ans Leder, weil die von ihm gewählten Formulierungen das nicht hergeben würden ...

Kommen wir zum zweiten Protagonisten: Andrej (mit 'j') packt wie sein Kollege sofort die ganz große Keule aus - oder um ein bisschen im Szenejargon zu bleiben, er zückt das Breitschwert

Sätze wie "Getrost kann man übrigens davon ausgehen, dass jene, die hauptberuflich im Geschichtsbetrieb arbeiten, zu historischen Fantasiegebilden wie diesem schweigen. Bloß nicht den inoffiziellen Meinungskorridor verlassen und sich in den als maßgeblich empfundenen Kreisen verdächtig machen." sind nunmal schwer verdaulich, da sie genausogut aus aus der Aluhut- oder Neurechten Szene stammen könnte. Das ist schlichtweg unsinniges Wissenschaftsbashing.
[...] 
In obrigem Beitrag die Verunglimpfung von offentlich rechtlichen Medien (Anm.: die BBC) (Bullshit darf man doch als verunglimpfung zählen, oder?) und die wissenschaftsfeindlichen Zitate die ich gerade wiedergegeben habe. Das ist durchaus genauso im Arsenal des rechten Randes zu finden. Mehr hat Benjamin Lammertz nicht behauptet.

Auch Andrej geht inhaltlich nicht auf meine Kritik ein, sondern versucht außerhalb des Themas bzw. von oben herab zu invalidieren; Schmähworte wie "Aluhut-Szene" sollen bei Dritten entsprechende Bäh-Reaktionen auslösen. Und er tut so, als ob er genau wüsste, wo die Grenze zwischen 'Gut' und 'Böse' bzw. gerechtfertigter und nicht gerechtfertigter Kritik verläuft. Wahrscheinlich hat er sich vor dem Verfassen seines Ergusses extra ein Moral-Viagra eingeworfen und läuft seitdem mit einer entsprechenden Dauererektion durch die Gegend. Autsch!
Doch sehen wir uns seinen grenzintelligenten Versuch, mich in die Nähe von verfemten Personengruppen zu rücken, ein wenig genauer an. Offensichtlich ist er ja der Meinung, meine zitierten Aussagen würden ganz klare Indikatoren sein, die eine Zuordnung zum "rechten Rand" nahelegen (wobei später noch zu klären ist, was überhaupt dieser "rechte Rand" sein soll).

- Stichwort "Bullshit": Das bedeutet sinngemäß übersetzt so viel wie Quatsch oder Blödsinn. Dass die Kritik an diesem harmlosen, zunehmend weit verbreiteten Vokabel ausgerechnet von jemanden kommt, der anderen Leuten öffentlich eine leicht abgeschwächte Variante des rufschädigenden Nazi-Knüppels überzieht (mehr dazu weiter unten), ist einfach nur lächerlich. Moral und Benimmregeln unterliegen hier offensichtlich stark dem Opportunitätsprinzip.

- Stichwort 'Meinungskorridor und Kritik an den Medien': Dazu sagte der deutsche SPD(!)-Politiker Frank Walter Steinmeier: "Der Meinungskorridor war schon mal breiter. Es gibt eine erstaunliche Homogenität in deutschen Redaktionen, wenn sie Informationen gewichten und einordnen. Der Konformitätsdruck in den Köpfen der Journalisten scheint mir ziemlich hoch."
Jede Wette, würde Andrej eine solche Aussage lesen, ohne den Urheber zu kennen, dann würde er diesen vorzugsweise dem "rechten Rand" zuordnen. So schlicht ist Andrej nämlich konditioniert. Der Pawlowsche Hund lässt grüßen.
Besonders hervorgehoben sei an dieser Stelle noch der Umstand, dass ausgerechnet hinsichtlich der von mir kritisierten BBC ein ellenlanger Wikipedia-Eintrag existiert, in dem man sich ausschließlich mit Kritik an diesem öffentlich-rechtlichen Medienunternehmen auseinandersetzt; darunter befindet sich der spannende Punkt "Political correctness". Aber höchstwahrscheinlich handelt es sich bei dieser umfangreichen Auflistung auch wieder nur um ein typisches Konstrukt randständiger "Neurechter", die Wikipedia ja bekanntlich total dominieren ...

- Stichwort "Wissenschaftsbashing / Wissenschaftsfeindlichkeit": Dass ausgerechnet meine Kritik am teilweisen Ausklinken der Wissenschaft bei durchaus relevanten Themen - wie etwa dem Massenmedium Fernsehen - "wissenschaftsfeindlich" sein soll, ist allerdümmste Rabulistik, die ein gerüttelt Maß an Vernageltheit voraussetzt. Das Motto lautete hier offensichtlich: 'Swap the real for the false, and vice versa'. 
Zu glauben, Wissenschaftler seien bei uns lediglich ihrem Gewissen verpflichtet und könnten sich deshalb unbeeinträchtigt zu jedem Thema frei äußern, ist aufgrund des zunehmend rauer werdenden Klimas an immer mehr Universitäten als naive Vorstellung zu bezeichnen. Es zeugt von großem Realitätsverlust oder Uninformiertheit, hier die entsprechende Kritik per se als politisch verdächtig beiseite zu schieben.
Im Rahmen dieses Blogs wurden von mir ausführliche Interviews mit Forschern wie dem engagierten Archäologen Raimund Karl und seinem Berufskollegen Stefan Wolters vom Geschichtspark Bärnau-Tachov geführt. Ein zu Wissenschaftsfeindlichkeit neigender Mensch würde sich den damit verbundenen Aufwand schenken und stattdessen einem anderen Zeitvertreib nachgehen - z.B. eindeutig rechtsbrüchige Facebook-Nutzer juristisch in die Mangel nehmen ... ^^

Andrej und sein Bruder im Geiste spalten Haare, indem sie den verwendeten Begriff "rechter Rand" nachträglich zu relativeren versuchen. "Am rechten Rand liegt auch der rechte Flügel der CDU, sowie die CSU als ganzes", heißt es etwa.
Diese Definition ist prinzipiell möglich, sofern man ein Anhänger des primitiven Rechts-Links-Schemas ist. Aber wer zuerst nur unscharf etwas vom "rechten Rand" daherschwurbelt, ohne gleichzeitig einen Bezugsrahmen zu definieren, nimmt billigend in Kauf, dass Rezipienten keine Einordnung in den legitimen rechtskonservativen Bereich vornehmen, sondern eine, die bereits außerhalb des demokratischen Spektrums liegt. Nicht von ungefähr lautet die Bezeichnung einer langjährigen Zeitschrift, in der man sich schwerpunktmäßig mit dem rechtsradikalen (!) Milieu auseinandersetzt, "Der Rechte Rand". Somit darf es als erwiesen gelten, dass dieser Begriff nicht dermaßen harmlos konnotiert ist, wie die beiden Gesinnungsschnüffler scheinheilig oder aufgrund von schlichter Dummheit behaupten.

PS: Für jene, denen so etwas gefällt, ein interessanter Vergleich als Zusatzinformation 😉

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Dienstag, 10. April 2018

Buch-Empfehlung: Der Teppich von Bayeux - Ein mittelalterliches Meisterwerk



Der im späten 11. Jh. angefertigte, 68 Meter (!) lange Teppich von Bayeux ist eine faszinierende Stickarbeit, auf der - einem modernen Comic nicht unähnlich - die Eroberung Englands durch ein normannisch-französisches Heer geschildert wird. Neben der im Zentrum der bildlichen Erzählung stehenden Entscheidungsschlacht bei Hastings im Jahr 1066, wurde auch die heute zum Teil rätselhaft anmutende Vorgeschichte dieses dramatischen Ereignisses verarbeitet. 

Pierre Bouet und François Neveux beschäftigen sich seit vielen Jahren mit dem berühmten Teppich und präsentieren in der vorliegenden, 236-seitigen Publikation den aktuellen Forschungsstand dazu.
Im ersten Hauptkapitel, das ca. ein Drittel des gesamten Buchs einnimmt, werden die einzelnen Szenen des mittelalterlichen 'Comicstrips' großformatig abgebildet und in chronologischer Reihenfolge hinsichtlich ihres Inhalts kurz erläutert. 
Im zweiten Hauptkapitel geht man auf die erzählte Geschichte - also die Eroberung Englands - punktuell genauer ein und gleicht die Darstellungen auf dem Teppich mit der schriftlichen Überlieferung ab. Hier findet sich manch Widerspruch, denn einerseits verschweigt uns der Teppich einiges, andererseits enthält er aber auch Details, die sich in keiner sonstigen Quelle finden.
Das dritte Hauptkapitel beinhaltet zum einen Fragestellungen hinsichtlich der Anfertigung des Teppichs; dazu zählen etwa der Arbeitsaufwand bzw. die benötigte Zeit, die verwendeten Materialien, die Sticktechnik und die durchgeführten Reparaturen bzw. Restaurierungen. Zum anderen erörtert man die ikonographischen Besonderheiten der Darstellungen, die lateinischen Inschriften (Bildtexte) usw.
Im vierten und letzten Hauptkapitel geht es unter anderem um die Urheberschaft des Teppichs von Bayeux, um seine bemerkenswerte Überlieferungsgeschichte sowie um die Frage, welche (Propaganda-)Botschaften er enthält. Beispielsweise ist es interessant, dass hier der in der Schlacht von Hastings gefallene englische König Harold Godwinson erstaunlich gut wegkommt, obwohl doch die Stickerei von seinen siegreichen Gegnern in Auftrag gegeben wurde und überdies in schriftlichen Quellen behauptet wird, er habe sich den Thron widerrechtlich angeeignet. War der Teppich demnach auch der Versuch einer Aussöhnung zwischen den normannisch-französischen Eroberern und den besiegten Engländern/Angelsachsen?

Zu kritisieren habe ich an diesem Buch nur Kleinigkeiten: Dazu zählt der Umstand, dass einige auf dem Teppich dargestellte Objekte von den Autoren mit aus meiner Sicht unpassenden Begriffen versehen wurden. Beispielsweise bezeichnete man eine einschneidige Stichwaffe - die stark an einen Sax erinnernt - als "Entermesser"; wohl weil hier angenommen wurde, die Person, die diese Waffe trägt, sei ein Seemann ...
Etwas ungeschickt will mir außerdem erscheinen, dass im ersten Hauptkapitel die Abbildungen der einzelnen Szenen des Teppichs  immer komplett über eine Doppelseite laufen; dieser Umstand führt dazu, dass der Leser jene Details, die sich in der Buch-Mitte befinden - also dort wo die Seiten zusammenstoßen - nur schlecht oder gar nicht erkennen kann. Siehe z.B. die erste der nachfolgenden Abbildungen.

Szene für Szene wird der Teppich im ersten Hauptkapitel erläutert. Hier kehrt beispielsweise der zukünftige englische Kurzzeit-König Harold von seiner möglicherweise ungeplanten, auf jeden Fall aber folgenschweren Normandie-Reise zurück. Hinsichtlich der dargestellten Kleidung ist der Teppich von Bayeux eine wahre Fundgrube und taugt weitestgehend auch noch als Quelle für meine ottonische Living-History-Darstellung, da sich in modischer Hinsicht vom 10. auf das 11 Jahrhundert nur relativ wenig verändert hat.

Ein Überblick hinsichtlich der unterschiedlichen Tierdarstellungen auf dem Teppich. Ähnliches findet man auch für andere Bereiche der Ikonographie.

Ein Kleriker mit Tonsur ohrfeigt eine Frau namens Aelfgyva. Es ist überaus rätselhaft, was diese außergewöhnliche Szene zu bedeuten hat. Freilich, einige Forscher mutmaßen, der unter dieser Szene im Zierrand abgebildete nackte Mann sei eine verborgene Anspielung auf eine damals vielleicht allgemein bekannte sexuelle Verfehlung dieser wohl bedeutenden Dame. Die Buchautoren weisen andererseits u.a. darauf hin, dass das (leichte) Ohrfeigen im Mittelalter auch eine verbreitete Vorgehensweise war, um bei Zeugen eines Rechtsaktes für die nötige Aufmerksamkeit zu sorgen (vergleichbar damit ist das in der frühmittelalterlichen Lex Baiovariorum erwähnte "Ohrenzupfen" - siehe dazu meine Buchbesprechung der Lex). Im konkreten Fall könnte es sich um ein Ehegelöbnis handeln.


Fazit: Der Teppich von Bayeux ist ein einzigartiges historisches Zeugnis und stellt aufgrund seiner detailreichen Abbildungen ein hervorragende Quelle mittelalterlichen Alltagslebens dar. Dem wird das vorliegende, im Theiss-Verlag erschienene Buch unterm Strich absolut gerecht: Es ist übersichtlich, optisch schön gestaltet und so geschrieben, dass auch völlige Laien keine gröberen Verständnisprobleme haben dürften. Der Kaufpreis beträgt knapp 50 Euro.


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Sonntag, 8. April 2018

Krimskrams: "1066" und die Idiotie der BBC -- Das 10.000-Euro-Luxus-Buch

Bildzitat aus 1066: A year to conquer England | Urheber: BBC

Geschichtsverfälschung im Namen der Politischen Korrektheit: "1066" und die Idiotie der BBC

So wie auf dem obigen Bild stellt sich die BBC einen Boten vor, der im Jahr 1066 eine Nachricht des normannischen Herzogs Wilhelm an den englischen König Harold überbringt. 😂

Freilich, bei der BBC (= British Bullshit Corporation ?) hat dergleichen mittlerweile System. Unpassende Kostümierungen (man beachte z.B. das Wehrgehänge des Boten) stellen immer öfter den geringsten der eingebauten Anachronismen in Geschichtsdokumentationen und in Historienfilmen dar. Während man aber bei der Ausstattung einfach 'nur' geizt und schlampt, sind die historischen Fehler bei der Rollenbesetzung ideologiebedingte Absicht.

Getrost kann man übrigens davon ausgehen, dass jene, die hauptberuflich im Geschichtsbetrieb arbeiten, zu historischen Fantasiegebilden wie diesem schweigen. Bloß nicht den inoffiziellen Meinungskorridor verlassen und sich in den als maßgeblich empfundenen Kreisen verdächtig machen. Mit dem Kritisieren einer TV-Dokumention lassen sich ohnehin keine akademischen Meriten gewinnen. Vielmehr ist die Wahrscheinlichkeit hoch, als "Pedant" abgestempelt zu werden.

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Das 10.000-Euro-Luxus-Buch

Beim Taschen-Verlag habe ich schon einige schöne Bücher entdeckt ... und diesmal auch ein sehr großes und sehr teures! Klick mich

Aber immerhin, es wurde von einem waschechten Lama signiert. Den Religionsführer meine ich damit freilich, nicht den spuckenden Paarhufer 😉
Bleibt die Frage: Wer kauft sich so etwas? Vermutlich Leute wie der Sitcom-Charakter Frasier oder Schauspieler wie Richard Gere 😊

In einem knapp vierminütigen Youtube-Video wird die aufwendige Herstellung des limitierten Luxus-Wälzers gezeigt.


Übrigens, der Verlag hat für Buchliebhaber selbstverständlich auch Günstigeres im Angebot ... 😁

Samstag, 7. April 2018

Der überraschend komplexe Aufbau frühmittelalterlicher Schwertklingen

Da ich vorhabe, mir in näherer Zukunft ein weiteres frühmittelalterliches Schwert anzuschaffen - genauer gesagt eine merowingerzeitliche Spatha - war es nötig, mich mit diesem Thema wieder einmal näher auseinanderzusetzen; schließlich soll der ausführende Schmied keine Vorgaben von mir erhalten, die zu einem schwer ahistorischen Endprodukt führen (ein bisschen ahistorisch wird es trotzdem werden, da ich nicht bereit bin, sündteuren Rennofen-Stahl zu finanzieren).

Die drei großen Teilaspekte einer frühmittelalterlichen Schwertes sind: SchwertscheideKlinge und Gefäß (bestehend aus Parierplatte/Parierstange, Heft bzw. Hilze und Knaufplatte plus ggf. Knaufkrone).
Zurzeit beschäftige ich mich speziell mit dem Aufbau der Klinge, deren Kern in merowingischer und karolingischer Zeit (ca. 450 - 900 n. Chr.) typischerweise aus ganz oder teilweise tordierten (=verdrehten) Metallstäben bestand. Diesen vergleichsweise 'weichen' Kern feuerverschweißte man mit der gehärteten, separat gefertigten Schneide. Später, beim Polieren und Ätzen der Klinge, zeigte sich im Bereich des tordierten Materials das so typische 'wurmbunte' Muster an der Oberfläche.

Freilich, der Aufbau einer solchen Schweißmusterklinge (irrtümlich oft als Damaszenerklingen bezeichnet)  konnte in seiner Komplexität stark variieren, wie die nachfolgenden Querschnitte zeigen. Während der Klingenkern beim ersten Beispiel aus lediglich drei verdrehten Metallstäben bestand, so wurden beim mittleren bereits sechs verwendet. Und im Falle der dritten Klinge war zusätzlich zu den sechs Metallstäben in den Kern ein weiterer, nicht verdrehter Metallstreifen eingesetzt worden (eventuell um die mechanischen Eigenschaften der Klinge zu verbessern).

Keine Rechte vorbehalten, aber um die Nennung der Quelle wird gebeten: HILTIBOLD.Blogspot.com

Dass der Aufbau einer frühmittelalterlichen Klinge noch weitaus komplizierter als die obigen Beispiele ausfallen konnte, bezeugt jenes Schwert eindrucksvoll, das Archäologen im Grab 85/77 in Schlotheim (Thüringen) entdeckten - siehe die nachfolgende Grafik. Die aus dem 6. Jahrhundert stammende Spatha-Klinge ist nämlich nicht über ihre gesamte Länge identisch aufgebaut. Erst ab dem mittleren Bereich bis zum Ort (= die Spitze) wurden besonders kohlenstoffhaltige bzw. härtbare Stahlstreifen eingesetzt. Interessanterweise weist aber auch der innere Klingenkern im unteren Bereich einen hohen Kohlenstoffgehalt auf.
Hier wird deutlich, dass es sehr problematisch ist, eine Schwertklinge lediglich anhand von Untersuchungen an einer einzigen Stelle zu rekonstruieren. Vielmehr muss die gesamte Klinge genau in Augenschein genommen werden - sofern ihr Erhaltungszustand das zulässt.
Keine Rechte vorbehalten, aber um die Nennung der Quelle wird gebeten: HILTIBOLD.Blogspot.com

Die frühmittelalterliche Spatha steht im Verdacht, durch mehrere Hände gegangen zu sein, bevor sie als Beigabe in einem Grab landete (aufgrund von Korrosion lassen sich davon herrührende Gebrauchsspuren allerdings nur sehr selten feststellen).  Darüber hinaus weiß man z.B. anhand eines Fundes in Warburg-Ossendorf (Westfalen), dass ausrangierte Schwerter unter anderem zu Webschwertern für Frauen umgearbeitet worden waren. 
Das alles könnte bedeuten: Viele Verstorbene, die ursprünglich ein Schwert trugen, wurden ohne dieses bestattet. Die Spatha wäre demzufolge in der männlichen Bevölkerung weitaus stärker verbreitet gewesen, als man gemeinhin annimmt.
 !  Unter bestimmten Umständen wurde das zweischneidige Langschwert (=Spatha) auch Personen ins Grab mitgegeben, die zu Lebzeiten körperlich kaum in der Lage waren, dieses im Kampf zu handhaben. Beispielsweise fand man im Gräberfeld am Lübecker Ring (Soest, Westfalen) eine entsprechende Waffe, die neben einem Buben niedergelegt worden war. Dergleichen sollte man unbedingt hinsichtlich jener Fälle im Hinterkopf behalten, wenn feministische Ideologinnen Archäologinnen wieder einmal übereifrig versuchen, sehr seltene Waffenbeigaben in Frauengräbern vorschnell als Beleg für ein weibliches Kriegertum im europäischen Frühmittelalter zu interpretieren.

Hinweis: Selbstverständlich dürfen meine obigen Grafiken kopiert und geteilt werden. Sie finden sich in höherer Auflösung bei Flickr. Außerdem sind sie bei Pinterest verfügbar (allerdings weiß ich nicht, ob das bei Pinterest mit der höheren Auflösung funktioniert). 

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Die Vorlagen für die von mir angefertigten Zeichnungen fand ich in folgendem Buch:

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