Donnerstag, 22. April 2021

📖 Buch-Empfehlung: Das fränkische Heer der Merowingerzeit - Teil III

Nach rund fünf Jahren Wartezeit ist nun der dritte und wohl letzte Teil der Reihe "Das Fränkische Heer der Merowingerzeit" vom Zeughaus Verlag veröffentlicht worden. Warum es so lange gedauert hat ist mir nicht bekannt, das Ergebnis entspricht jedoch meinen hohen Erwartungen.

Nach einer zweiseitigen Einleitung - mit einer ausführlichen Zeittafel sowie einer kurzen Einführung in die politische Situation im Frankenreich des 7. Jahrhunderts - geht der Autor Andreas Strassmeir sofort in medias res. So beschreibt er etwa anhand der schönen Rekonstruktionszeichnung eines berittenen Alamannenkriegers eine Kleider- und Waffenausstattung jener Tage. Das liest sich dann so: 
"Die Abbildung zeigt einen vornehmen jungen Alamannenkrieger (primus Alamannus) bei einem letzten Ausritt unter Waffen, bevor er sich dem Aufgebot seines Herzogs anschließt [...]. Der etwa 16jährige Jüngling, der im zweiten Viertel des 7. Jahrhunderts in Grab 8 von Niederstrotzingen beigesetzt wurde, gehört seiner Ausstattung nach einer Familie von adelsgleichem Rang innerhalb der alamannischen Gesellschaft an. Da einige seiner Beigaben aus dem langobardischen Italien stammen und andere zumindest nach langobardischem Vorbild gefertigt sind, ist er auch hier nach langobardischer Mode gekleidet abgebildet. Die reich verzierte Tunika, die weiten Hosen und die spitzen Stiefeln sind nach Darstellungen von Langobardenkriegern auf der Silberschale von Isola Rizza (I) gestaltet (Abb. Bd. 1/ S 17). Über der Tunika trägt der junge Alamanne einen sogenannten vierteiligen Gürtel, [...] Die wertvollste Waffe des Kriegers, seine Spatha, hängt an einem aus Haupt- und Schleppriemen bestehenden separaten Wehrgehänge vom Typ Civezzano, [...]."

Junger alamannische Krieger; links daneben der beschreibende Bildtext, aus dem ich oben zitiert habe. In dieser Form werden alle Komplettrekonstruktionen dargestellt und erläutert. | Buchinhalt: (C) Zeughaus Verlag | Foto: Hiltibold

Man sieht ganz klar an diesem Beispiel, dass hier vom Autor nicht wie in manch Konkurrenzpublikation nach dem Motto "Friss, Vogel, oder stirb!" verfahren wurde, sondern vielmehr aufgrund umfangreicher Quellenangaben der Leser in die Lage versetzt wird, die zeichnerischen Rekonstruktionen auf ihre Glaubwürdigkeit hin selbst zu überprüfen bzw. Zusatzinformationen dazu einzuholen. Gerade die Recherche im Internet wird ja sehr vereinfacht, wenn man die passenden Suchbegriffe bei der Hand hat.

Gesamtrekonstruktionen von Kriegerausstattungen sind aber nur einer kleiner Bestandteil des Inhalts (in den Vorgängerbänden, vor allem im ersten, gab es davon deutlich mehr). Stattdessen widmet sich der Autor primär den einzelnen Ausrüstungsbestandteilen in gesonderten, gut strukturierten Kapiteln. Im Vorliegenden Band liegt der Fokus auf Beilwaffen, Sax sowie Stangen und Bogenwaffen. Der abgedeckte Zeitrahmen erstreckt sich vom 5. bis zum 8. Jahrhundert und umfasst dabei nicht nur die Franken, sondern auch die von ihnen unterworfenen Germanenstämme der Alamannen, Burgunden, Thüringer und Bajuwaren.
Auf lokale Unterschiede und zeitlich bedingte Änderungen wird dabei immer wieder eingegangen. So weist man etwa darauf hin, dass im 6. Jahrhundert hölzerne Sax-Scheiden nach und nach durch Leder-Scheiden ersetzt wurden. Sogar die Holzarten, aus denen solche Scheiden gefertigt waren, werden anhand archäologischer Befunde aufgezählt. Der Autor geht also erfreulicherweise relativ weit in die Details hinein.

Auszug aus dem Kapitel über merowingerzeitliche Streit- bzw. Wurfäxte ('Franziska'). Man verwendet grundsätzlich keine Fotos, sondern stellt die Objekte in Form von aufwendigen farbigen Rekonstruktionszeichnungen dar. | Buchinhalt: (C) Zeughaus Verlag | Foto: Hiltibold

Neben den farbigen Rekonstruktionszeichnungen von Andreas Gagelmann und Sascha Lunyakov enthält das Buch auch einige interessante Diagramme, in denen die Entwicklung der Sax- Axt- und Lanzentypen übersichtlich dargestellt wird. Zu guter Letzt wurde ein Literaturverzeichnis angefügt.

Noch ein Wort zur zeichnerischen/künstlerischen Qualität der szenischen Darstellungen bzw. Gesamtrekonstruktionen von Kriegerausrüstungen: Diese kommt hier nicht an die Bücher eines Peter Connolly heran, ist aber absolut ausreichend und immer noch besser als in manch ähnlicher Publikation anderer Verlage. Außerdem sind die Quellenangaben wesentlich ausführlicher und naturgemäß auch aktueller, was ohnehin das bedeutendere Kriterium ist.


Fazit: Insgesamt ein sehr gutes und empfehlenswertes Buch. Der große Pluspunkt ist, dass man sich beispielsweise als Reenactor die für das Zusammenstellen einer merowingerzeitlichen Ausstattung benötigten Infos nicht mühsam aus archäologischen Grabungsberichten einzeln zusammenklauben muss, sondern sie mundgerecht serviert bekommt. So erspart man sich viel Zeit, Nerven und Geld; obschon einem nicht sämtliche weitere Recherche erspart bleibt - doch gerade dabei sind ja die vielen Quellenangaben, die vom Autor zur Verfügung gestellt werden, außerordentlich nützlich.
Aber auch für alle anderen Leser, die abseits von Reenactment am Frühmittelalter bzw. am Kriegswesen der Merowingerzeit interessiert sind, handelt es sich bei diesem Buch um ausgezeichneten Lesestoff, in dem Wissen unkompliziert und allgemein verständlich vermittelt wird.


Dienstag, 20. April 2021

🎧 Hörbares: Hobby-Archäologen finden mehr -- Die Schlacht bei Culloden -- Die Geschichte der Sklaverei -- Der Bart in der Geschichte -- Filippo Brunelleschi -- usw.




 Hobby-Archäologen finden während Corona mehr beim Buddeln | Spieldauer 5 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Die Schlacht bei Culloden | Spieldauer 34 Minuten | DF/ARD | Stream & InfoDirekter Download

 Der Bart in der Geschichte | Spieldauer 7 Minuten | RBB | Stream & Info | Direkter Download

 Andreas Eckert - Geschichte der Sklaverei. Von der Antike bis ins 21. Jahrhundert | Spieldauer  5 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Wetter und Klima in der Geschichte: Wenn ein Kälteeinbruch zur Revolution führt | Spieldauer 16 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download
"Warmzeiten historisch Phasen kultureller Blüte". Das sollte man sich gerade heutzutage einmal durch den Kopf gehen lassen und eventuell recherchieren, um wie viel wärmer als momentan es in der Menschheitsgeschichte schon mehrfach war - etwa während des thermischen Maximums des Holozän ...

 Filippo Brunelleschi: Der Architekt als Verkörperung des humanistischen Künstlerideals | Spieldauer 5 Minuten | DF | Stream & Info 

 Europas Großmächte - Der Siebenjährige Krieg 1756 - 1763 | Spieldauer 39 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download


Sonntag, 18. April 2021

📽️ Videos: 4.000 Jahre altes Boot entdeckt -- Erdstallforschung -- Ungehorsam in der Royal Navy um 1700 -- Mellers Himmelsscheibe von Nebra -- usw.



 4.000 Jahre altes Boot entdeckt | Spieldauer 3 Minuten | ARD/SWR | Stream & Info Direkter Download

 Seemännischer Ungehorsam in der Royal Navy um 1700 - Episode 7, Fallbeispiel 2: Kaplan Cruickshank | Spieldauer 5 Minuten | L.I.S.A. | Stream & Info 
Der Historiker Patrick Schmidt berichtet in dieser mehrteiligen Videoreihe von interessanten Begebenheiten aus dem Alltag der Royal Navy um 1700. Hier der Link zu allen Teilen der Video-Reihe

 Harald Meller / Kai Michel: Griff nach den Sternen | Spieldauer 2 Minuten | Youtube | Stream & Info
Ein neues Buch von Harald Meller und Kai Michel zur Himmelsscheibe vom Zebra (oder so ähnlich) ist erschienen; das Vorgängerbuch der beiden Herren habe ich im Blog bereits besprochen.
Dass man jetzt schon wieder etwas publiziert, könnte mit der Kritik an Mellers Himmelsscheiben-Thesen zu tun haben, die in letzter Zeit vermehrt in den Medien Erwähnung fand. Wie auch immer, ich werde mir "Griff nach den Sternen" nicht kaufen (auch das kostenlose Rezensionsexemplar, das mir der Verlag angeboten hat, werde ich nicht  beanspruchen), denn das Himmelsscheiben-Thema ist mir insgesamt zu ausgelutscht und zu sehr von Spekulationen geprägt. Ich traue der ganzen Sache mittlerweile kein Bisschen mehr über den Weg. Aber wen es immer noch interessiert, für den ist das Buch vielleicht etwas.


 Erdstall in Stamsried: Bewaffnet in die Unterwelt | Spieldauer 9 Minuten | BR/Youtube | Stream & Info 
Mit der im Video gezeigten Erdstallforscherin Birgit Symader habe ich bereits ein Interview gemacht.


 Das älteste Fachwerkhaus Bayerns: Das Templerhaus in Amorbach | Spieldauer 5 Minuten | BR/Youtube | Stream & Info



 Auf den Spuren eines Supervulkans | Spieldauer 6 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info 
"Nach rätselhaften Entdeckungen von Skeletten machen sich Forschende auf die Suche nach einem Supervulkan." Begreifen diese ideologisch versulzten TV-Schwachmaten nicht, dass "Forschende" im vorliegenden Kontext grammatikalisch falsch ist? Ein 'Forschender' ist eine Person, die gerade - also sozusagen in einem bestimmten Augenblick - forscht. 'Forscher' wäre demnach hier das zutreffende Wort, welches auch beide Geschlechter beinhaltet (Stichwort 'generisches Maskulinum'). Ein anderes Beispiel verdeutlicht es vielleicht besser: 'Schützen gehen durch den Wald' ist inhaltlich ungleich 'Schützende gehen durch den Wald' oder 'Schießende gehen durch den Wald'. Alles klar? Wer bewusst hochgradigen Sprach-Nonsens wie 'Forschende', 'Studierende' usw. verwendet, sollte sich ins Winkerl stellen, um sich dort für seinen dümmlichen Konformismus zu schämen.

 Wie hieß hierzulande das Mittelalter im Mittelalter? | Spieldauer 1 Minute | ARD | Stream & Info 

 Ein Skelett: Uralt und doch so spannend | Spieldauer 3 Minuten | HR/ARD | Stream & Info


Freitag, 16. April 2021

📖 Buch: Die Wikinger und ihre Schiffe

Informativ

Dem Titel "Die Wikinger und ihre Schiffe" entsprechend, beschäftigt sich die Autorin Sunhild Kleingärtner in dem vorliegenden Buch schwerpunktmäßig mit dem Wikingerschiff in so ziemlich all seinen Facetten. Welche Typen gab es? Welche Segeleigenschaft hatten sie? Wie lange dauerte der Bau? Wie viel Holz und Eisen wurde gebraucht? Wie viele Schafe benötigte man als Wollspender für ein Segel? Waren die Schiffskörper bemalt? Von was ernährte sich die Besatzung auf hoher See? Wo schlief sie? Wie und wo hat man an Bord seien Notdurft verrichtet? Usw. usf.

Fragen über Fragen, die hier mehr oder weniger ausführlich beantwortet werden. Immer wieder Raum erhalten dabei auch Erläuterungen zu modernen archäologischen Methoden wie z.B. der für die Altersbestimmung von Holz so wichtigen Dendrochronologie. Aber auch der für die Forschung zunehmend wichtigen Experimentellen Archäologie wird Rechnung getragen. Viele  oft großformatige Abbildungen erleichtern dabei für den Leser das Verständnis.


Nicht immer optimal

Mitunter gleitet die Autorin allerdings zu sehr in gestelzten Akademiker-Sprech ab. Z.B. wenn sie wissenschaftliche Methoden wie die Experimentelle Archäologie erläutert. Teilweise liest sich das, als ob sie es aus einem Aufsatz oder Lehrbuch abgeschrieben hat. Die vorliegende Publikation kann ich daher Jugendlichen oder gar Kindern nur schwerlich empfehlen.
Darüber hinaus wirken die Erläuterungen in einigen wenigen Fällen etwas unausgegoren. So heißt es z.B. hinsichtlich der Segelherstellung: 

In der Regel können auf einem Vertikalwebstuhl 70 cm Stoff pro Tag hergestellt werden.

Nun kennt der geneigte Leser zwar die Länge, aber nicht die Breite! Sicher, ein paar Seiten davor findet sich das Foto einer Webstuhl-Rekonstruktion, aber dieses reicht kaum aus, um sich die Breite jener Textilstreifen auszuknobeln, aus denen das Segel schließlich zusammengenäht wurde. Woher soll schließlich der Leser wissen, ob die ganze Breite des Webstuhls ausgenutzt worden ist oder wesentlich weniger? Außerdem wird nicht jeder Webstuhl gleich groß gewesen sein. 


Ärgerlich 😠

So eine Auslassung wie die obige ist etwas ungeschickt. Richtig geärgert habe ich mich jedoch, als ich folgenden Satz lesen musste:

Reenactment bietet niederschwellige Anziehungspunkte für völkisches Gedankengut, das durch entsprechende Rockbands gesungen und hochgehalten wird.

Reenactment quasi als Einstiegsdroge zum Neonazismus? Ja hat die Frau noch alle Kirschen auf der Torte? Dieses lässig hingeschriebene Vermischen und Pauschalisieren ist schon mehr als nur fragwürdig! Damit verunglimpft sie die gesamte Reenactment- und Living-History-Szene (auch wenn es dort natürlich ein paar entsprechende Schwachmaten gibt, wobei das auch für die andere Seite des radikalen politischen Spektrums gilt - wie ich selbst schon auf Facebook-Auftritten von Darstellern gesehen habe). Man muss der Autorin allerdings zugutehalten, dass sie an anderer Stelle das Thema Reenactment wesentlich kompetenter betrachtet. 


Fazit

Ein an sich nicht uninteressantes Buch mit ein paar Fragwürdigkeiten. Obwohl ich über die Wikinger schon einige Bücher gelesen habe, konnte ich hier trotzdem noch mir bisher unbekannte Dinge erfahren. Geeignet für Einsteiger, aber nicht für Kinder und nur eingeschränkt für Jugendliche.

Tipp: Ich empfehle jenen, die an den Wikingern interessiert sind, sich die unten verlinkten Bücher/Rezensionen anzusehen. Besonders "Spurensuche Haithabu" und "Die Wikinger - Entdecker und Eroberer" sind einen näheren Blick wert.



Donnerstag, 15. April 2021

🎧 Hörbares: Das rätselhafte Ende der Bronzezeit -- Die Rätselhafte Herkunft der Bajuwaren -- Die Weisheit der Kabbala -- Die Gründung Venedigs -- usw.



 Das rätselhafte Ende der Bronzezeit - Klärung in Sicht? | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Herkunft der Bajuwaren - Neues zu einem alten Rätsel | Spieldauer 23 Minuten | xx | Stream & Info | Direkter Download

 Kraxenträger - Geschichte eines Kleinhandels über die Alpen | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Venedig - Gründung in der Lagune | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Fossilien - Stumme Zeitzeugen | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Die Weisheit der Kabbala - Zwischen Alltag und Ekstase | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download


Dienstag, 13. April 2021

📽️ Videos: Ein eisenzeitliches Gräberfeld -- Der größte eisenzeitliche Waffenhort in NRW -- Schatzregalfunde -- Ein Mittelalterliches Bootswrack aus der Lippe -- usw.



 Ein eisenzeitliches Gräberfeld in Lennestadt | Spieldauer 6 Minuten | Youtube | Stream & Info
Dieses und die nachfolgenden Videos von der LWL-Archäologie für Westfalen sind sehr gut gemacht. Genau diese Art der Vermittlung der archäologischen Forschung sollte eigentlich überall Standard sein, und nicht bloß die löbliche Ausnahme. Davon abgesehen sollten die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten dazu verpflichtet werden, dem einen fixen Platz in ihrem Programm einzuräumen. Die von der Archäologie selbst produzierten Filmdokumentationen sind dem oft unqualifizierten Geplapper und dem drittklassigen Reenactment-Radau der TV-Verantwortlichen in jedem Fall vorzuziehen. Zur Finanzierung: Einfach die nötigen Mittel dem mit Staatsknete bis zum Erbrechen vollgesogenen Rundfunk wegnehmen und zu den Archäologen umleiten.


 Mittelalterliches Bootswrack aus der Lippe | Spieldauer 8 Minuten | Youtube | Stream & Info 



 Größter eisenzeitlicher Waffenhort in NRW auf der Wallburg Wilzenberg (Schmallenberg, HSK) | Spieldauer 6 Minuten | Youtube | Stream & Info



 Archäologischer Hotspot: Porta Westfalica | Spieldauer 8 Minuten | Youtube | Stream & Info 



 Schatzregalfunde aus NRW | Spieldauer 10 Minuten |Youtube | Stream & Info
Was sie natürlich verschweigen: Wegen dem Schatzregal, mit dem man den ehrlichen Finder in einem Akt des groben Undanks enteignen kann, werden massenhaft Funde unterschlagen. Der so entstehende Schaden für die Forschung ist immens. Es handelt sich beim Schatzregal bundesdeutscher Prägung also um den berühmten Trick 17 mit Selbstüberlistung


 Der römische Legionär (1. Jh n.Chr.) [Ausrüstung] | Spieldauer 3 Minuten | Youtube | Stream & Info
Die Ausstattung schaut mir schwer nach "Inder" aus. Auch ansonsten könnte man dazu die eine oder andere kritische Anmerkung machen (z.B. maschinengenähte Tunika). Trotzdem handelt es sich gerade für den absolut Unwissenden um ein nützliches Video von PLW Review (und immerhin, z.B. Wörter wie Caligae und Cingulum wurden richtig ausgesprochen - das schaffen selbst viele Historiker und Archäologen nicht).


 Was bewirken Kulturzerstörungen? Ein Gespräch mit Hermann Parzinger | Spieldauer 31 Minuten | Youtube | Stream & Info



 The mechanism of an ancient Egyptian lock | Spieldauer 21 Sekunden | Twitter | Stream & Info 


Sonntag, 11. April 2021

📚 Hiltibolds aktuelle Leseliste: Kleidung und Waffen der Dürerzeit (Teil I) -- Das Heer des Maximinus Thrax -- Das Fränkische Heer der Merowingerzeit (Teil III)



 Kleidung und Waffen der Dürerzeit -- 1480-1530 -- Band I: Landsknechte und Reisläufer, Ritter und Reisige | Ulrich Lehnart (Autor) | Zeughaus Verlag | 2021 | 264 Seiten | Preis: € 34,29 | Infos bei Amazon
Anhand vieler Illustrationen (Fotos von Exponaten, Handschriften und einigen Zeichnungen wie Schnittmustern) wird hier ein umfangreicher Überblick zu Kleidung, Rüstung und Bewaffnung im ausgehenden Mittelalter und der frühen Renaissance gegeben. Der Autor ist Historiker und selbst in der (seriösen) Mittelalterszenze aktiv - weiß also wohl, auf was es bei so einem Buch ankommt (habe es noch nicht gelesen, sondern vorerst nur überflogen).

 Das Heer des Maximinus Thrax: Die römische Armee im frühen 3. Jahrhundert n. Chr.  | Jan Eschbach (Autor), Stefano Borin (Illustrator) | Zeughaus Verlag | Jahr 2020 | 160 Seiten | Preis: € 39,95 | Infos bei Amazon
Das sogenannte "Harzhornereignis" (Harzhornschlacht zwischen Römern und Germanen) hat in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass das römische Heer des frühen 3. Jahrhunderts verstärkt auf Interesse stieß. Auch das vorliegende, reichhaltig illustrierte Buch mit vielen Zeichnungen von römischen Soldaten und verschiedensten Ausrüstungsgegenständen spiegelt das wieder. Das Konzept ist dasselbe wie schon bei den Varus-Bänden dieser Reihe (siehe meine Rezension). Die Zeichnungen sind ok, kommen aber nicht an die von z.B. Peter Connolly heran. Andererseits sind die Quellenangaben und Erläuterungen hier besser als in einigen von Connollys Büchern (die ich besitze). Und wesentlich aktueller sind sie naturgemäß auch. Überhaupt ist der Vorteil dieser Bücher des Zeughaus Verlags, dass man sich die Infos nicht mühsam aus Grabungsberichten einzeln zusammenklauben muss (das ist mitunter ein absoluter "pain in the ass", wie die Amis sagen würden), sondern sie mundgerecht serviert bekommt. So erspart sich gerade der angehende Reenactor viel Zeit, Nerven und Geld (Fehlkäufe), es ersetzt aber nicht vollständig die Recherche in anderen Quellen (das gilt auch fürs nachfolgende Buch).

 Das Fränkische Heer der Merowingerzeit: Franken, Alamannen, Burgunder, Thüringer und Bajuwaren. -- 5.- 8. Jahrhundert n. Chr. -- Teil 3: Beilwaffen, Sax, Stangen- und Bogenwaffen | Andreas Strassmeir (Autor), Andreas Gagelmann (Illustrator), Sascha Lunyakov (Illustrtor) | Zeughaus Verlag | 2021 | 80 Seiten | Preis: € 24,49 | Infos bei Amazon
ENDLICH! ENDLICH! ENDLICH! Seit über 5 Jahren habe ich darauf gewartet, dass der dritte Teil dieser wirklich gut gelungenen Reihe erscheint. Für jeden, der im Frühmittelalter als Living-History-Hobbyist unterwegs ist (nicht nur Merowingerzeit, sondern in gewissem Maße hinauf bis in zu den Ottonen), handelt es sicher hier um überaus nützlichen Lesestoff, der es einem ermöglicht, sich eine weitestgehend authentische Ausstattung zusammenzustellen. Mehr zum Buchkonzept siehe z.B. meiner Rezension des ersten Teils. Übrigens, besagter erster sowie auch der zweite Teil kosten knapp 20 Euro und sind noch (!!!) erhältlich. Ich würde daher lieber früher als später zugreifen.



Samstag, 10. April 2021

🎧 Hörbares: Der neue (ideologieschwangere) Blick auf die Völkerwanderung -- Hightech gegen den Verfall -- Die Rabbiner sind große und heilige Männer -- usw.



 Kein Kampf um Rom - Der neue Blick auf die Völkerwanderung | Spieldauer 44 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Man muss nicht Theodor Mommsen heißen, um zu erraten warum die spätantike /frühmittelalterliche Völkerwanderungszeit ausgerechnet jetzt stark uminterpretiert bzw. beschönigt werden soll. Ein Tipp: Es hat mit Entwicklungen in den letzten Jahren und diversen damit einhergehenden (zutreffenden und unzutreffenden) historischen Vergleichen zu tun. Dass hinter den aktuellen Aktivitäten von Buchautoren, Journalisten und Historikern natürlich ein gerüttelt Maß an Ideologie steck, sieht man an verräterisch autoritären Formulierungen wie DIE Forschung fordert ein radikales Umdenken. Semantisch wird hier unübersehbar bereits in der üblichen Manier darauf hingearbeitet, dass nur eine einzige Meinung zulässig ist und sich Andersmeinende zukünftig außerhalb des akzeptablen wissenschaftlichen Diskursraums begeben. Um eine differenzierte Betrachtung der Völkerwanderungszeit geht es demnach sicher nicht. Davon abgesehen ist vieles von dem Gesagten ein alter Hut, aber nicht radikal oder neu (selbst im 19. Jahrhundert war bereits völlig klar, dass es keinen scharfen Schnitt zwischen Antike und Frühmittelalter gab  - siehe das obige Gemälde von Alma Tadema aus dem Jahr 1861). Man gewichtet nun allerdings mittels selektiver Quellenauswahl in einer Weise, die mit dem Zeitgeist in akademisch-politischen Kreisen (Politik=Geldgeber) kompatibler ist: Z.B. die archäologisch nahezu überall anzutreffenden Zerstörungshorizonte (und der damit einhergehende Zusammenbruch der antiken urbanen Kultur in unseren Breiten) werden in den einschlägigen Thesen (mehr ist das Gelaber ja nicht) marginalisiert. Gleichzeitig überbetont man etwa, dass ein paar Merowinger-Herrscher den von dem Römern bekannten Bau mit Stein/Mörtel doch nicht völlig verlernt sowie manchmal noch eine Zeit lang geraubte römische Landgüter weiterbewirtschaftet haben. Diese partielle handwerkliche Traditionsverbundenheit und das 'nachhaltige' Wirtschaften durch die Eindringlinge wird den unzähligen drangsalierten, enteigneten, vertriebenen, versklavten und abgemurksten Römern gewiss ein Quell des Trostes gewesen sein.
Und eines noch: Wenn ausgerechnet heutige deutsche Geisteswissenschaftler sich an einer Definition des Begriffs "Volk" versuchen, dann ist das ungefähr so wie wenn ein Veganer über Fleischgerichte referiert: Will heißen, da ist fast immer von Vornherein ein neurotisch-ideologischer Wurm drinnen.

 Wie nannte man das "Mittelalter" im Mittelalter? | Spieldauer 3 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 "Die Rabbiner sind große und heilige Männer" - Die mittelalterliche jüdische Gemeinde von Regensburg | Spieldauer 23 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Hightech gegen den Verfall: So schützt Italien wertvolle Kulturstätten | Spieldauer 6 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Hans von Trotha: "Pollaks Arm" | Spieldauer 5 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download


Mittwoch, 7. April 2021

📽️ Videos: Neue Gips-Abgüssen der Vulkan-Opfer in Pompeji -- "Barbaren"-Faktencheck -- Burg Waxenberg -- Das Güstrower Schloss -- usw.


 Die Herstellung von Gips-Abgüssen der Vulkan-Opfer in Pompeji | Spieldauer 4 Minuten | Youtube/Pompeii Sites | Stream & Info 



 Zeitreise: Wasserversorgung | Spieldauer 3 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

 Kirchenglocken: Auf der Suche nach echten Raritäten | Spieldauer 3 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info 

 "Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht":  Wiedereröffnung im Landesmuseum Mainz | Spieldauer 2 Minuten | SW/ARDR | Direkter Download 

 Das Güstrower Schloss wird saniert | Spieldauer 3 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info

 Revitalisierung von Burg Waxenberg | Spieldauer 5 Minuten | ORF | Stream & Info

 "Barbaren"-Faktencheck - Teil 1: Thusnelda | Spieldauer 4 Minuten | Youtube | Stream & Info
An sich eine gute Idee, dieses Video. Masken-virtue-signalling war hier aber offensichtlich wichtiger als ein ordentlicher Ton (als ob man sich nicht etwas anderes hätte einfallen lassen können). Im Übrigen: Den Begriff "Faktencheck" versuche ich mittlerweile tunlichst zu vermeiden, da er wegen den schwer parteiischen Aktivitäten von mit Staatsknete gepäppelten Faktencheck-Organisationen völlig kontaminiert bzw. negativ konnotiert ist. "Faktencheck" bedeutet zu oft, dass man subjektive Meinungen als objektive Fakten ausgibt.


 "Barbaren"-Faktencheck - Teil 2: Arminius & Folkwin | Spieldauer 3 Minuten | Youtube | Stream & Info


Sonntag, 4. April 2021

📖 Zeitschrift Bayerische Archäologie: Die Etrusker und ihre Ausstrahlung nördlich der Alpen (Uijegerl!)

Themenschwerpunkt in Heft 1/2021 der vom Verlag Friedrich Pustet herausgegebenen Zeitschrift "Bayerische Archäologie" ist das immer noch etwas mysteriöse Volk der Etrusker. Als Nachbarn der frühen Römer übten sie einen starken Einfluss auf deren Kultur aus. Aber auch im Norden, nämlich bei den Kelten und besonders bei den Rätern in den Alpen sind mitunter sehr deutliche Hinweise auf die Etrusker zu finden.


Archäologisches Krawallvokabular: Vulci - Anatomie einer "geplünderten" etruskischen Stadt

Die ungefähr 100 km nordwestlich von Rom gelegene etruskische Stadt Vulci ist für die archäologische Forschung bis heute eine echte Fundgrube. Besonders die mitunter prächtig ausgemalten etruskischen Grabbauten wie etwa die Tomba François können als absolute Highlights bezeichnet werden. 
Leider sind jedoch viele der schon früh entdeckten Gräber entweder zwischenzeitlich zerstört worden oder verschollen. Ein erklecklicher, nicht uninteressanter Teil des Textes über Vulci beschäftigt sich dann auch mit der in der Renaissance einsetzenden Forschungsgeschichte, die bis ins 20. Jahrhundert hinein vor allem von Sammlern, schlampigen 'Archäologen' und Schatzsuchern geprägt war. 
Dass durch deren Aktivitäten für die Forschung ein enormer Schaden entstand ist überaus tragisch. Trotzdem wäre es schön gewesen, wenn sich die beiden verantwortlichen Autoren diesbezüglich eines sachlich richtigen Vokabulars bedient hätte, anstatt in typischer Archäologenmanier in sprachlichen Übertreibungen zu schwelgen und etwa von "Plünderungen" zu fabulieren. Denn Plünderung ist ein Eigentumsdelikt, das an natürlichen und juristischen Personen begangen wird. Hinsichtlich der über 2000 Jahre alten etruskischen Gräber, die Jahrhunderte lang mit Duldung oder oft sogar im Auftrag der lokalen bzw. staatlichen Autoritäten nach verwertbaren Dingen durchwühlt wurden, ist das unzutreffend.
Lob verdient der Beitrag dann allerdings wieder für die vielen schönen und für das Verständnis oft hilfreichen Illustrationen; darunter z.B. die Rekonstruktion eines Teils der Stadtmauer von Vulci und eines etruskischen Tempels.


Etwas langweilig: Aus Etrurien ins Nördlinger Ries

In diesem Text geht es vor allem um in der Keltenzeit importierte etruskische Objekte, die im Boden des heutigen Bayerns entdeckt wurden. Darunter ein kostbares Kurzschwert, Kochutensilien und eine bronzene Statuette. Sie zeugen von regen Handelsbeziehungen zwischen den etruskischen Gebieten Italiens und beispielsweise den keltisch besiedelten Regionen Süddeutschlands. 
Leider besteht der Beitrag für meinen Geschmack zu oft aus eher langweiligen Aneinanderreihung archäologischer Befunde. Weniger wäre hier mehr gewesen, dementsprechend hätte meiner Meinung nach auch die Hälfte des Textes ausgereicht.


Uijegerl, peinliches 'virtue signalling' fürs Foto!

Die in der Heftmitte abgedruckten Mitteilungen der Gesellschaft für Archäologie in Bayern e.V. enthalten ein Paradebeispiel für peinliches 'virtue signalling': Auf einem Foto ist die im Rahmen einer Buchvorstellung vollzogene Übergabe (?) des aktuellen Bandes der Reihe "Arbeiten zur Archäologie Süddeutschlands" zu sehen. Die beiden involvierten Personen stehen dabei dermaßen weit voneinander entfernt, dass sie das Buch gerade noch mit jeweils einer ihrer ausgestreckten Hände berühren können. Auch die anderen Anwesenden haben sich demonstrativ in einer mitunter noch größeren Entfernung positioniert🙄. Das Ergebnis ist eine Szene, die auch gut in den Film Idiocracy gepasst hätte. 


Es ist wirklich zum Fremdschämen, wenn Opportunisten offenbar krampfhaft versuchen, sich öffentlich als mustergültige Untertanen zu inszenieren; die harmloseste Analogie, welche mir dazu einfällt sind die Anwandlungen von Teilen des Bürgertums im wilhelminischen Deutschland. 

Wenn diese Herrschaften ernsthaft Angst vor dem Virus haben, und das steht ihnen natürlich frei, dann hätten sie gleich zuhause bleiben bzw. alles virtuell übers Internet veranstalten sollen. Diese Art Zirkus interessiert ja in der Regel sowieso niemanden so richtig. Man geht halt hin, weil es von einem erwartet wird.
Aufgrund der eigenen Lebens- und Alltagserfahrung kann man freilich mit nahezu absoluter Sicherheit davon ausgehen, dass die Versammelten bei der Buchvorstellung (und auch ansonsten) nicht ständig dermaßen große Abstände hielten, sondern hier nur fürs Foto Laientheater gespielt haben und dabei mit ihrer Darbietung ins 'overacting' abgeglitten sind. Allem Anschein nach hält man den Leser für ziemlich naiv, um nicht zu sagen für total gaga - anderenfalls hätte man gar nicht erst versucht, ihm einen solchen Bären aufzubinden. Letztendlich ist dieses heuchlerische Zurschaustellen der eigenen 'Tugend' unterm Strich nicht nur peinlich, sondern aufgrund der offenkundigen Täuschungsabsicht geradezu ärgerlich.


Eine Zumutung: Das Verhältnis der rätischen Sprache zum Etruskischen

In welcher verwandtschaftlichen Beziehung stand das in den Alpen lebenden Volk der Räter mit den in Italien lebenden Etruskern? Diese Frage bewegte schon antike Autoren, denen sprachliche Gemeinsamkeiten aufgefallen sind. Waren die auch auf deutschem und österreichischem Boden siedelnden Räter gar 'verwilderte' Etrusker - wie gemutmaßt wurde? Über Erkenntnisse, die diesbezüglich sprachwissenschaftliche Untersuchungen von ca 330 überlieferten rätischen Inschriften ergaben, geht es in einem Beitrag der Epigrafikerin Corinna Salomon. 

Nun mag Frau Salomon in fachlicher Hinsicht eine Kennerin dieser durchaus interessanten Materie sein. Anders als ihr Nachname suggeriert, besaß sie hier jedoch nicht die Weisheit, sich einer allgemein verständlichen Sprache zu bedienen. Ganz im Gegenteil, ihre Fremdwortvöllerei geht phasenweise wirklich auf keine Kuhhaut mehr. Hier ein Beispiel von vielen:

Zum gegebenen Zeitpunkt ist nicht klar, wie nah verwandt Rätisch und Etruskisch sind. Die Ähnlichkeit der Phonemsysteme, der bemerkenswerten formalen Übereinstimmungen in Flexionsbereich mit Durchführung der von Rix angesetzten prähistorischen Apokope und den vollen Wortgleichungen stehen semantische Widersprüche in Wortbedeutungen, Allomorphenverteilung und Kasusfunktionen gegenüber. Ebenfalls auffallend sind die Abweichungen in den Patronymsuffixen und generell die Magerkeit gemeinsamen ererbten onomastischen Materials.

WTF?! Wer soll denn dieses Fach-Kauderwelsch bitteschön durchgehend verstehen? Gerne kann man dergleichen in einem Blatt für Linguistik veröffentlichen, aber doch nicht in einer Archäologiezeitschrift, deren Leserschaft sich fast ausschließlich aus sprachwissenschaftlich nicht Vorgebildeten zusammensetzt.
Was denken sich die Verantwortlichen wohl dabei, so etwas in ihr Heft aufzunehmen ohne zuvor eine Überarbeitung zu veranlassen? Konnte man die offenbar etwas merkbefreite* Autorin nicht in ihrem akademischen Wolkenkuckucksheim kontaktieren und sie bitten, die unleserlichen Passagen halbwegs zu entschärfen oder zumindest Fußnoten mit Erläuterungen einzubinden? 

* Merkbefreit ist die Autorin dann, wenn sie den Text speziell für die Zeitschrift "Bayerische Archäologie" verfasst hat. Sollte man sich ihn jedoch nur 'ausgeborgt' haben, da er ursprünglich ganz woanders erschienen ist (etwa in einem Fachblatt), dann liegt die Schuld ausschließlich beim Herausgeber. Er hätte auf den ersten Blick realisieren müssen, dass hier die meisten Leser überfordert werden und der Text daher ungeeignet ist. Jede Wette, dass auch er selbst vieles nicht verstanden hat!


Die Krieger von Rain am Lech: Einblicke in die Bilderwelt des 6. und 7. Jahrhunderts

Merowingerzeitliche Riemenzungen einer Wadenbindengarnitur, die man in Rain am Lech entdeckt hat, werden in diesem durchaus interessanten Beitrag zum Anlass genommen, um die darauf dargestellten Krieger mit ähnlichen frühmittelalterlichen Motiven auf anderen archäologischen Funden zu vergleichen und die dahinterstehende Bedeutung zu beleuchten. Unter den Objekten befindet sich etwa die bedeutende Leier von Trossingen, die Schwerscheide von Gutenstein, der Helm aus dem Grab Valsgärde 8 usw.
Die Autorin vermutet, dass einige dieser frühmittelalterlichen Kriegerdarstellungen - und zwar speziell jene, die einen Krieger zeigen, der zu Pferde gerade einen Feind über den Haufen reitet - ursprünglich Grabsteine römischer Kavalleristen zum Vorbild gehabt haben könnten. Dementsprechend müssten einige der besagten Grabsteine noch zur Merowingerzeit sichtbar gewesen sein. Eine durchaus interessante Vorstellung. 
Mir persönlich fallen im Zusammenhang mit dem Bildmotiv des Reiterkriegers freilich auch noch römische Münzen ein, die als Quellen gedient haben könnten. Einige enthielten nämlich ebenfalls die entsprechenden Darstellungen und sie waren z.T. auch in der Merowingerzeit immer noch als Zahlungsmittel im Umlauf.


Steinhämmer oder Keulenköpfe?

Bedingt durch Material und Form werden auf unseren Äckern steinzeitliche Objekte oft übersehen. Darunter befinden sich z.B. Steinhämmer/Keulenköpfe mit sanduhrförmiger Durchbohrung. Über entsprechende Funde in Bayern schreib Karl Heinz Rieder, der sich auch daran gemacht hat, selbst ein solches Werkzeug zu rekonstruieren. Oder war es doch eine Waffe? Die Forschung weiß es nicht und schwankt bei der Beurteilung des Verwendungszwecks irgendwo zwischen Fellklopfer, Nussknacker und Totschläger. Für mich ein überraschend interessantes Thema.


Sonstige Beiträge
  • 1000 Jahre alte (ottonische) Wandmalereien im Augsburger Dom
  • Etruskische Schätze in München
  • Sonderausstellung: Die ersten Franken
  • Leserbriefe zum Thema Abrisse alter Häuser
  • Ein Forscherleben für das bayerische Paläolithikum - Gisela Freund zum  100 Geburtstag
  • Erforscher der frühen Römerzeit - Zum 90. Geurtstag von Günter Ulbert
  • Neue Bücher (⚠ Achtung, darunter befindet sich ein für einige Leser des Blogs wohl interessantes Buch mit dem Titel: "Wurmbuntschmiedetechnik - von den Anfängen bis zur Blütezeit im Frühmittelalter". Bei Amazon ist es zurzeit nicht erhältlich, aber direkt beim Verlag - was eventuell Absicht ist)


Fazit

Der eigentlich spannende Themenschwerpunkt Etrusker wurde hier nicht meinen Erwartungen entsprechend behandelt. Experte zu sein bedeutet eben noch lange nicht, dass man auch die Fähigkeit besitzt allgemein verständliche und interessante Texte zu schreiben. Davon abgesehen enthält das Heft durchaus einige gelungene Beiträge. Mehr als 3 Sterne gehen sich diesmal aber leider bei der Gesamtbewertung nicht aus.




Donnerstag, 25. März 2021

Das Blog schließt seine Tore ...



... und zwar bis zum 5. 4. April (ja, das war jetzt Clickbait 😄). Bis dahin werde ich Kommentare nur mit größerer Verzögerung freischalten können, da ich nicht die Zeit habe, täglich ins Blog reinzuschauen. Beim Beantworten von E-Mails sieht es leider ähnlich aus. Grund: Ich arbeite nebenher an einem Buchprojekt mit, das nach mehreren Verzögerungen (die nicht auf meine Kappe gehen) nun in die abschließende Phase eintritt - zumindest was den Hauptautor und meinen Aufgabenbereich betrifft. Nach dem Motto "am Abend wird der Faule fleißig" muss nun alles ganz schnell gehen. 


Mittwoch, 24. März 2021

🎧 Hörbares: Die Orestie des Euripides -- Interview mit Hannes Napierala vom Campus Galli -- Der älteste Nachweis jüdischen Lebens in Bayern -- usw.




 Euripides: Die Orestie (1/2) - Hörspiel nach Euripides von Raoul Schrott | Spieldauer 88 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download
Die Neuübersetzung eines antiken Dramas ins Deutsche. Weil das alles ohne übertriebenen Schwulst auskommt ist es leichter verdauliche Kost als die älteren Übersetzungen. 

 Euripides: Die Orestie (2/2) - Hörspiel nach Euripides von Raoul Schrott | Spieldauer 88 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Die böse Geschichte der Kulturzerstörungen "Gerechte Zerstörung kann es nicht geben" | Spieldauer 7 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info Direkter Download

 17. 03. 461 n. Chr. - Todestag vom irischen Nationalheiligen Saint Patrick | Spieldauer 4 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
War derjenige, der diesen konfusen Beitrag geschnitten hat, möglicherweise besoffen oder hat er zu lange an einem Fliegenpilz gelutscht?

 Der älteste Nachweis jüdischen Lebens in Bayern - Eine 1500 Jahre alte Tonscherbe mit einer "Menoráh" | Spieldauer 17 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
"Der sechste Nissan". Ich bin in meinem bisherigen Leben nur einmal einen Nissan gefahren 😄😉

 Wie ein Stück Mittelalter auf der Klosterbaustelle “Campus Galli” entsteht - Interview mit Hannes Napierala | Spieldauer 9 Minuten | Domradio | Stream & Info 
Dem Interviewten hilft die Ahnungslosigkeit der Interviewerin. Entsprechend lässt sie sich z.B. den alten Bären von der authentischen Kleidung aufbinden, obwohl Mitarbeiter auch abseits des Baubetriebs mit seinen arbeitsrechtlichen Einschränkungen immer noch unnötigerweise modernes Schuhwerk tragen. Geschichtsdidaktisch ist das unseriös und als 'Living History', wie der Herr das in der Vergangenheit schon mal bezeichnet hat, geht das sicher nicht durch. Den Einsatz des Traktors verschweigt dieser Schmähtandler auch, als er ausgerechnet die Gärtnerei als Beispiel für authentisch mittelalterliches Arbeiten ohne Maschinen nennt. Also alles wie gehabt. Es wird wirklich Zeit, dass ich Napieralas 'Führer' rezensiere ... Interessant ist übrigens, dass der gute Mann zwar hörbar unglücklich über das absurde Öffnungsverbot seines extrem weitläufigen Freilichtmuseums ist, aber sich nicht dazu aufraffen kann, die Politik dafür zu kritisieren. Diese ganzen staatsnahen Museumsheinis haben aufgrund von Karriereangst das Rückgrat einer Gummiente. Und sie wissen, dass ihre Betriebe schlussendlich sowieso mit Steuergeld gerettet werden. Anders sieht das allem Anschein nach eine von Napieralas Angestellten, die sich in der Campus-Galli-Rubrik dieses Blogs unmissverständlich kritisch zum Öffnungsverbot geäußert hat und mehr Einsatz ihres Chefs befürworten würde.



Sonntag, 21. März 2021

📽️ Videos: Römisches Grab entdeckt -- Spektakulärer archäologischer Fund in der "Höhle des Grauens" -- Seltsame Unterwelten -- usw.



 Römisches Grab in Niederösterreich auf Acker entdeckt | Spieldauer 3 Minuten | ORF | Stream & Info

 Israel: Spektakulärer archäologischer Fund in der "Höhle des Grauens" | Spieldauer 2 Minuten | Youtube/OE24 | Stream & Info
Ich schäme mich ein bisschen dafür, dass ich mir immer wieder einmal auf dem Nachrichtensender OE24 diverse proletoide Politstreitereien mit dem rundlich-jovialen Ungustl (aka "Schneebrunzer") anschaue 😄. Andererseits stoße ich beim Durchstöbern des Youtubekanals von OE24 mitunter auf tatsächlich Sehenswertes, so wie in diesem Fall.
 


 Gänge, Tunnel, Städte? Seltsame Unterwelten | Spieldauer 71 Minuten | Youtube/Stoner frank&frei | Stream & Info 
Ein studierter Archäologe mit Hang zum 'Unorthodoxen' spricht hier über Erdställe und Co. Aus dem Infotext zum Video: Der Boden vieler Städte ist durchlöchert, wie ein Schweizer Käse. Ein Netz von Gängen, Tunneln und Schächten durchdringt wie ein Mycel die Erde. Meist werden dafür einfache Erklärungen gegeben, es handele sich um Lagerräume oder historische Fluchtorte. Doch lässt schon das schiere Ausmaß der Anlagen an diesen Thesen zweifeln. 
Wer hat wann und warum diese aufwändigen Arbeiten durchgeführt? Was hat es mit den Tunneln auf sich, die in dünn besiedelten Gebieten entdeckt wurden? Tatsächlich handelt es sich wohl um ein weltweites Phänomen. Dazu gibt es zahlreiche Mythen, Sagen und Legenden, von Zwergenwelten bis zu unterirdischen Städten und Reichen wie Shambala oder Agarthi. 
Ein Thema zwischen Mythos und Wirklichkeit, welches mehr Fragen aufwirft, als Antworten bietet.


 Das größte Katapult Deutschlands in Wunsiedel in Oberfranken | Spieldauer 7 Minuten | Youtube/BR | Stream & Info