Sonntag, 15. Juli 2018

Hörbares: Grönländische Wikinger -- Götz von Berlichingen -- Die Straßburger Tanzwut -- usw.




 Die grönländischen Wikinger - Vom Verschwinden einer Kultur | Spieldauer 23 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Götz von Berlichingen - Der Ritter mit der Eisernen Hand | Spieldauer 27 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Chris Wickham - "Das Mittelalter" | Spieldauer 8 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Sorge um das spätantike Bosra - Bomben auf Weltkulturerbe in Syrien? | Spieldauer 8 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Wieder mal ein Beispiel dafür, dass der Weltkulturerbe-Titel - sobald es hart auf hart kommt -  rein gar nichts bringt.

Mysteriöses Ereignis vor 500 Jahren: In Straßburg bricht eine Tanzwut aus | Spieldauer 5 Minuten | DF | Stream & Info

➽ Archäologen finden neue Grüfte unter Kasseler Karlskirche | Spieldauer 2 Minuten | HR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Schon wieder eine "archäologische Sensation" 😄

➽ Schätze aus Mittelamerika in New York - Alles Gold, was glänzt | Spieldauer 5 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download
"Die Konquistadores, die Eroberer Amerikas im Dienst der spanischen Krone, hatten nicht die Besiedelung der Neuen Welt, sondern deren Ausbeutung im Sinn. Es ging um Gold für Königin Isabella I. [...]", behauptet die 'Qualitätsjournalistin' in der Einleitung zu diesem Beitrag. Dabei handelt es sich freilich um eine Halbwahrheit, die ganz in der Tradition der Leyenda negra steht. Denn Amerika wurde nahezu unmittelbar nach der (Wieder-)Entdeckung durch Columbus von Spaniern besiedelt und intensiv landwirtschaftlich genutzt - mitnichten ging es hier also bloß um Gold!
Und dass die Kultur der Azteken damals ausgelöscht wurde, wie es später noch in dem Beitrag heißt, ist zwar zutreffend, allerdings sind daran wesentlich mehr einheimische Indianer anderer Stämme beteiligt gewesen, als Spanier. Die Azteken waren nämlich verhasste Unterdrücker, die Kriegsgefangene, vom Kind bis zum Greis, ihren Göttern opferten. Sympathieträger, denen man guten Gewissens uneingeschränkt nachtrauern kann, sehen anders aus. Aber dergleichen passte wohl nicht in die total undifferenzierte Schwarz-Weiß-Weltsicht der Sendungsverantwortlichen ...

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Samstag, 14. Juli 2018

Buch: Turnier - 1000 Jahre Ritterspiele

Das Turnierwesen: Vom Mittelalter bis in die Gegenwart

Turnier - 1000 Jahre Ritterspiele ist ein Sachbildband, in dem verschiedenen Autoren das facettenreiche Thema 'Ritterturnier' einer näheren Betrachtung unterziehen. 
Auf dem Klappentext des Buchs heißt es zwar, dass hier ein historischer Gesamtüberblick zum Turnierwesen geboten wird (11. Jahrhundert bis heute), der Schwerpunkt ist aber eindeutig im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert angesiedelt - also während des Übergangs vom Spätmittelalter zur Renaissance. Dieser Zeitraum mag z.B. hinsichtlich der im Buch besonder ausführlich betrachteten Plattenrüstungen einen handwerklichen Höhepunkt dargestellt haben, aber der mit dem Turnierwesen stark verknüpfte Ritterstand war damals längst obsolet geworden und nur mehr ein Schatten seiner selbst. Die im Buch getroffene Gewichtung finde ich daher in Anbetracht des Themas nicht ganz logisch.
Doch immerhin, die wunderschönen großformatigen Abbildungen entschädigen dafür weitestgehend (siehe unten). Darüberhinaus stellten die meisten der Beiträge für mich durchaus einen Gewinn dar. Etwa jener von Tobias Capwell, der aus eigener Erfahrung den langen Weg des Experimentierens beschreibt, um beim heutigen Nachstellen von Ritterturnieren in nahezu jedem Detail ein Höchstmaß an historischer Authentizität erreichen zu können. Ein Prozess, der nicht ohne das Vergießen des einen oder anderen Tropfen Bluts vonstatten ging ... Übrigens, Capwell wird einigen Lesern von seinen Gastauftritten im Youtubekanal scholagladiatoria her bekannt sein. 
Ebenfalls interessant ist der Beitrag von Matthias Pfaffenbichler, in dem es um das Plattner-Handwerk und die Herstellung von Turnierrüstungen geht, die aus bis zu 170 (!) Einzelteilen bestehen konnte. Plattner-Meister brachten es oft zu großem Wohlstand, besonders wenn sie sich auf hochwertige Harnische spezialisierten, für die der Adel bereit war, astronomische Preise zu bezahlen.
Ernst Pöschl wiederum schreibt über das Testen von Nachbauten solcher spätmittelalterlichen Rüstungen in einem TÜV-Labor. Unter anderem wurde hierbei ein Lanzentreffer mit 60 km/h auf den Sehschlitz eines Helmes nachgestellt, um herauszufinden, welche Gefahren hier für heutige Turnierkämpfer konkret bestehen. Eine der Folgen dieses Tests ist, dass über das Anbringen von (eher wenig authentischem) Spezialglas an der Innenseite der Turnierhelme nachgedacht wird, um die Augen des Trägers besser vor Holzsplittern zu schützen.
Usw. usf.

Fazit: Unterm Strich ein schön gestaltetes, interessantes Buch. Etwas mehr Hochmittelalter hätte meiner meiner Meinung nach allerdings nicht geschadet. Der Kaufpreis beträgt knapp 50 Einheiten europäisches Fiatgeld.

Franz Großschedel: Sogenannte Rosenblattgarnitur des Kaisers Maximilian II. | aus: Turnier - 1000 Jahre Ritterspiele

Anton Pfefferhausen:  Harnisch zum Plankenstechen des Kurfürsten Christian I. von Sachsen | aus: Turnier - 1000 Jahre Ritterspiele

Lorenz Helmschmid: Mechanisches Bruststück einer Rüstung, wie es zur Zeit des Kaisers Maximilian I. verwendet wurde | aus: Turnier - 1000 Jahre Ritterspiele

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Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen: 


Donnerstag, 12. Juli 2018

Hiltibolds aktuelle Leseliste: Lexikon der antiken Literatur -- Die Bibel -- Päpste und Papsttum -- Sklaverei und Freilassung in der griechisch-römischen Welt




Lexikon der antiken Literatur | von Rainer Nickel | Tectum Verlag | 2014 | Preis: 50 Euro | Infos bei Amazon
Eine richtig dicke Schwarte (8 cm) in der über 2300 Werktitel griechischer und römischer Autoren nachgeschlagen werden können. Sehr nützlich, um neue interessante antike Quellen und Übersetzungen davon zu finden.

 Die Bibel von Gott et al. | Katholische Bibelanstalt | 2017 | Preis: 50 Euro | Infos bei Amazon
Ich benötigte eine aktuelle Bibelausgabe der Katholischen Kirche als verlässliches Nachschlagewerk. Bekommen habe ich allerdings - nun ja - etwas, dass ich mir eher noch von der Evangelischen Kirche erwartet hätte ... Mehr dazu, wenn ich das Buch der Bücher hier ausführlicher bespreche.

Herder Lexikon: Päpste und Papsttum | von Bruno Steimer (Redaktion) | Herder | 2010/2016 | Preis: 25 Euro | Infos bei Amazon
Ein gutes und vor allem zitierfähiges Nachschlagewerk, das aus zwei Teilen besteht: 1. Personenteil (alphabetisch geordnete Artikel zu allen Päpsten); 2. Ein Sachteil (alphabetisch geordnete Artikel zu Begriffen wie "Goldene Rose" oder "Finanzwesen des Vatikan"). Auch ein kurzer chronologischer Überblick zu allen Päpsten ist im Lexikon enthalten.
Die Autoren stehen für jeden Artikel "mit ihrem guten Namen", wird im Vorwort betont. Und zwar "... im Unterschied zu manch anderer Informationsressource". Welche Quelle man damit wohl hauptsächlich gemeint hat? Hmmm... 😄

 Sklaverei und Freilassung in der griechisch-römischen Welt | von Elisabeth Herrmann-Otto | Olms | 2017 | Preis: 25 Euro | Infos bei Amazon
Entgegen dem ersten Eindruck, den das fade Pissoir-gelbe Cover vermittelt, handelt es sich hier um ein sehr gutes Studienbuch, in dem viele antike Primärquellen genannt und zitiert werden. Der Autorin mit dem doppelt maskulinen Nachnamen gelingt es, dem Leser einen der wichtigsten Aspekte der Klassischen Antike näherzubringen. Daran könnte sich ihre Kolleginnen und Kollegen, die für die wesentlich bekanntere Reihe Uni Taschenbuch (UTB) schreiben, ein Beispiel nehmen. Alleine wenn ich an die Einführung in die Klassische Archäologie von Franziska Lang denke, stehen mir noch jetzt, Jahre später, die Haare zu Berge ...

Ausführlichere Rezensionen zu den obigen Büchern folgen hier in den kommenden Wochen und Monaten.

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Mittwoch, 11. Juli 2018

Krimskrams: Die archäologische Datierung mittels Rehydroxylation -- Karlsgraben vs. Campus Galli -- Junk-Journalismus, Homer und Geläster über Blogger



Die archäologische Datierung mittels Rehydroxylation

Rehydrox... was?! Ja, das ist eine verständliche Reaktion. Von dieser vergleichsweise neuen, noch nicht sehr verbreiteten Datierungsmethode werden nämlich die wenigsten Menschen je etwas gehört haben - auch einige Archäologen nicht.
C14 und Dendrochronologie kennt mittlerweile hingegen fast jeder Geschichtsinteressierte - schließlich werden diese naturwissenschaftlichen Datierungsmethoden für organische Funde auch in populärwissenschaftlichen Büchern und TV-Dokumentationen gerne erwähnt. Im Fall der Thermolumineszenz-Datierung - bei der man in keramischen Objekten die verbliebene elektromagnetische oder ionisierende Strahlung misst -  schaut es hinsichtlich des Bekanntheitsgrades hingegen schon wesentlich schlechter aus. Die Methode der Rehydroxylation funktioniert jedenfalls so ähnlich, nur dass hier der Wassergehalt der Keramik gemessen wird. Es ist nämlich so, dass beim Brennen im Ofen erst einmal sämtliches Wasser im Ton verdunstet; nach dem Abkühlen nimmt die Keramik allerdings wieder langsam, aber sehr konstant Wasser aus der Atmosphäre auf. Misst man nun die eingelagerte Wassermenge, dann lässt sich daraus das Alter bzw. Brenndatum ableiten.

So viel zur Theorie, die Praxis ist freilich nicht ganz so einfach: So wurde testweise mit dieser Methode ein unzweifelhaft mittelalterlicher Ziegelstein datiert. Das Ergebnis lautete, er sei zwischen sechs und sieben Jahrzehnten alt. Was war da schiefgegangen? Ganz einfach: Besagter Ziegelstein war im 2. Weltkrieg nach Bombenangriffen einem Feuer ausgesetzt gewesen. Dabei verdunstete in ihm sämtliches Wasser und er wurde sozusagen auf "Null" zurückgesetzt. 

Näheres zu dem Thema werde ich im Rahmen einer Buchbesprechung im kommenden Herbst schreiben.

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Karlsgraben vs. Campus Galli

Die Tageszeitung "Der Standard" berichtet in einem Artikel, dass man vor rund 1200 Jahren bei der Planung des berühmte Karlsgrabens (Fossa Carolina) mit Bedacht zu Werke ging. Nicht eine gerade Streckenführung, sondern eine s-förmige bedeutete für die Arbeiter den geringsten Aufwand bei den schweißtreibenden Aushubarbeiten. Was auf den ersten Blick widersinnig erscheint, ergibt bei näherer Betrachtung des Geländes Sinn: Klick mich

Die *hust* 'Experimentalarchäologen' der Mittelalterbaustelle Campus Galli, die nach eigenem Bekunden "ohne Maschinen" und "ohne modernes Werkzeug" ein karolingisches Groß-Kloster errichten wollen, gehen sogar mit noch mehr Schläue als ihre mittelalterlichen Vorgänger ans Werk: Das Ausheben ihres Klosterteichs ließen sie nämlich kurzerhand von einem Bagger erledigen 😃. Außerhalb des regulären Betriebs, versteht sich. Denn schließlich sollen Besucher nichts vom eher unmittelalterlichen Bagger zu sehen bekommen oder gar Fotos von ihm machen und ins Internet stellen. Das wäre ganz schlecht für die PR, da es der öffentlichen Darstellung des Projekts krass widerspricht.

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Geläster über Blogger, Homer und Junk-Journalismus

Da war jemand auf einer Konferenz des "Netzwerks Recherche" in Hamburg und berichtet u.a. von einer Veranstaltung, bei der anwesende Journalisten über Blogger lästerten. Letztere würden gar nicht oder nur online recherchieren.
Was für ein pauschalisierender Nonsens. Oder anders gesagt: Was für primitive Fake-News von Vertretern einer zunehmend abgewirtschafteten Branche. Gerade die haben es nötig. Schließlich sind sie es, die inflationär bei einigen wenigen Presseagenturen wie der DPA, AP, APA oder Reuters abschreiben und dann oft nicht einmal die Quelle angeben.
Ich habe mal irgendwo gelesen, dass mittlerweile die große Mehrzahl der Artikel von diesen wenigen Agenturen produziert wird und Eigenrecherche nur noch eine völlig untergeordnete Rolle bei Zeitungen spielt. Kein Wunder also, dass die Meinungsvielfalt in den Dinosauriermedien gegen Null tendiert.

Sehr schön ersichtlich wird dieser obsolete Copy&Paste-Journalismus anhand eines aktuellen Beispiels: In Olympia wurden ca. 2200 Jahre alte Textfragmente von Homers "Odyssee" entdeckt. Mehrere österreichische Zeitungen und Online-Magazine enthalten in ihrer Berichterstattung darüber ein und denselben absurden Fehler:
"Vorläufig wird das Entstehungsdatum der Tafel auf die romanische Ära geschätzt." Siehe: Die Presse, Kronenzeitung, ORF
Es kommt aber noch besser: Der ursprüngliche Urheber - offensichtlich ein veritabler Dolm - hat auch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bei Wikipedia abgeschrieben. Darauf deutet die Wortwahl im letzten Absatz hin, die auffällige Ähnlichkeiten mit der Einleitung des Wikipediartikels über Homers "Odyssee" aufweist.

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Weitere interessante Themen: 


Dienstag, 10. Juli 2018

Hörbares: Schliemann -- Antike Orgeln -- Archäologische Fälschungen -- Hildegard von Bingen -- Steinzeitkunst -- usw.



 Heinrich Schliemanns Spuren in Athen - Der Entdecker von Troja | Spieldauer 9 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Wusste ich nicht: In Athen gibt es heute noch ein luxuriöses Anwesen, das Heinrich Schliemann für sich und seine Frau hat errichten lassen. Der Name der Villa lautet: "Haus des Priamos" (ich hätte ja "Haus des Priapos" origineller gefunden 😁)

 Antike Orgeln: Klang der Arena | Spieldauer 5 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Judentum: Die fürchterlichen Folgen der Ritualmordlegende | Spieldauer 8 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download
"Die Ritualmordlegende stammt aus dem Mittelalter." Stimmt nicht, die gab es schon wesentlich früher. Nur dass sie im antiken Rom den Urchristen angedichtet wurde. Und diese Urchristen waren von den Römern lange Zeit richtigerweise als jüdische Splittergruppe eingestuft worden.
Einen ihrer Ursprünge könnte die Legende von Ritualmorden an Kindern in der Auseinandersetzuing zwischen Rom und Karthago gehabt haben. Die Römer unterstellten ihren Gegnern damals Opferungen von Kindern. In diesem Fall möglicherweise nicht ganz zu Unrecht. Im Übrigen: Juden haben selbst im Alten Testament von Kinderopferungen geschrieben - nur eben bezogen auf ihre eigenen Feinde. Ist ihnen das womöglich später auf den Kopf gefallen, als sich Christen im Mittelalter zunehmend an diese Stellen erinnerten und sie umzumünzen begannen?

 Archäologische Fälschungen entlarven | Spieldauer 11 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

➽ Tote Katzen als Schutzzauber | Spieldauer 9 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Was die Kunst der Steinzeit über Hirnleistungen und Gefühle verrät | Spieldauer 41 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Hildegard von Bingen - Wer hat je Ähnliches von einer Frau gehört? | Spieldauer 19 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Die römische Geschichte des südfranzösischen Nîmes | Spieldauer 10 Minuten | DF | Direkter Download

 Historisch betrachtet: Bayerns Eigensinn | Spieldauer 4 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download
Bismarck meinte übrigens: "Bayern ist vielleicht das einzige deutsche Land, dem es durch materielle Bedeutung, durch die bestimmt ausgeprägten Stammeseigentümlichkeiten und durch die Begabung seiner Herrscher gelungen ist, ein wirkliches und in sich selbst befriedigtes Nationalgefühl auszubilden." 

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Sonntag, 8. Juli 2018

Buch: Egyptian Art / Ägyptische Kunst

Eine nützliche und kostengünstige Quelle

Der französische Gelehrte und Künstler Achille Constant Théodore Émile Prisse d’Avesnes (1807-1879) bereiste schon in jungen Jahren aus Neugierde die Welt, kämpfte quasi 'en passant' im griechischen Unabhängigkeitskrieg mit und landete schließlich in Ägypten. Dessen historische Monumente wurden von ihm im Laufe vieler Jahre erforscht und vor allem dokumentiert, lange bevor die moderne Ägyptologie existierte.
Bis heute wird Prisse für seine meist ziemlich originalgetreuen Wiedergaben altägyptischer Reliefs, Wandmalereien usw. gelobt; im Gegensatz zu manch Zeitgenossen hatte er sich nämlich nur vergleichsweise wenig zu idealisierenden Verfälschungen hinreißen lassen. Prisse war auch der erste Gelehrte, der jenes Gittersystem bzw. Hilfsliniensystem erkannte, auf dem die gesamte altägyptische Kunst mit ihren kanonischen Proportionen basierte.
Die akribisch durchgeführte Arbeit von Prisse ist bis heute von unschätzbarem Wert für die Ägyptologie, da viele der von ihm dokumentierten Bauwerke nicht mehr existieren. So manch Jahrtausende altes Zeugnis war bis in die jüngere Vergangenheit abgerissen worden, um beispielsweise aus dem gewonnen Steinmaterial Kalk zu brennen ...

Die vorliegende, rund 600seitige Ausgabe des Taschen Verlags enthält unzählige, oft bunt kolorierte Zeichnungen/Drucke, die aus Prisses beiden Werken Monuments égyptiens (1847) und Histoire de l’art égyptien (1868–1877) stammen. Laut Klappentext handelt es sich dabei um sämtliche der darin publizierten Abbildungen - also nicht nur um eine Auswahl.
Die Einleitung und die Bildtexte sind dreisprachig (Deutsch, Englisch, Französisch). Während die Einleitung von der Ägyptologin Salima Ikram (Amerikanischen Universität in Kairo) stammt, so scheinen die Bildtexte - zumindest teilweise - von Prisse selbst zu sein.

Der Taschen Verlag verkauft auch eine XXL-Variante dieses Buchs, die zwar optisch sehr viel her macht, mir aber für die Recherche - und selbst zum Schmökern - zu unhandlich erscheint. Wobei man allerdings einräumen muss, dass für ein paar der Abbildungen das vorliegende reduzierte "Klotz-Format" dann doch zu klein ist - siehe etwa das erste der unten angefügten Beispielfotos. Der Preis des Buchs ist mit läppischen 15 Euro freilich unschlagbar.

Fazit: Ich finde Bücher wie dieses sehr nützlich. Sicher, einschlägige Bilder gibts auch im Netz zuhauf. Nur werden dazu überwiegend keine verlässlichen Detailinformationen mitgeliefert. Und ohne den entsprechenden Kontext sind sie für die Recherche oft wenig bis gar nicht brauchbar.  

Tell El Amarna, Psinaula | In einen Felsen eingearbeitetes Proskynema; Echnaton, seine Ehefrau Nofretete und ihre beiden Töchter bei der Opferung an die strahlende Sonnenscheibe.
Altägyptische Vasen und Spiele
Theben, Ramesseum | Ramses [II.] Meriamun kämpft im Streitwagen gegen die Hethiter
Bildhauerwerkstatt, abgebildet im Grab des Wesirs Rechmire (15. Jh. v. Chr.)

Abschließend noch folgendes: Es wäre wünschenswert, wenn sich Dampfplauderer wie der auf Youtube omnipräsente Bauingenieur Axel Klitzke näher mit dem Werk von Prisse vertraut machen würden. Das würde der Welt manch unsinnige Überlegung hinsichtlich alter ägyptischer Handwerkstechniken ersparen. Herr Klitzke glaubt nämlich unter anderem, die Ägypter wären ohne Hilfe (von wem auch immer ^^) nicht in der Lage gewesen, die Oberflächen von steinernen Statuen in dem Maße perfekt zu polieren, wie sie sich uns z.T. heute noch präsentieren. Siehe jedoch dazu das letzte der vier obigen Bilder. Ich entdecke hier keine fremden Helfer oder ausgefuchsten Werkzeuge, die es damals noch nicht hätte geben dürfen ...

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Samstag, 7. Juli 2018

Videos: Wikinger-Trash -- Historische Schätze aus Stein -- Überraschungsfund im Museumsdepot

➽ Wikinger-Trash: TV Show Viking Fashion Guide - Top 5 Tips | Spieldauer 5 Minuten | Youtube/Schola Gladiatoria | Stream & Info
Matt Easton von Schoola Gladiatoria macht sich in diesem Video über die ahistorische Ausstattung der TV-Serien "Vikings" und "The Last Kingdom" lustig.



 Historische Schätze aus Stein in Rheinland-Pfalz | Spieldauer 2 Minuten | ARD | Stream & Info
Ein Beitrag über die lausig sanierten römischen Kaiserthermen in Trier. Dabei wurde aber auch Kurioses entdeckt!

Überraschungsfund im Museumsdepot | Spieldauer 2 Minuten | ARD | Stream & Info
Wieder einmal ein Beispiel dafür, dass vielen Museumsbetreibern längst der Überblick über ihre Depots entglitten ist. Statt endlich zu "entsammeln", wie es der österreichische Archäologe Raimund Karl forderte, häuft man immer mehr 'Ramsch' an. Das Messie-Syndrom lässt grüßen.
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Donnerstag, 5. Juli 2018

Krimskrams: Irreal teure Billigkeit -- Absurde Archäologie in Woodstock -- usw.

Das Reallexikon der Germanischen Altertumskunde: Irreal teure Billigkeit

Die haben hinsichtlich ihrer Preisgestaltung definitiv nicht mehr alle Kirschen auf der Torte: Klick mich
Für nur ein bisschen mehr Geld gabs vor wenigen Jahren den kompletten Neuen Pauly als Sonderangebot - und das waren 19 Bände, nicht bloß einer wie hier!

Ich habe übrigens vier Bände des Reallexikons (darunter auch den gegenständlichen) vor einiger Zeit für insgesamt nur 400 Schwedische Kronen (das entspricht rund 40 Euro) auf einem Bücherflohmarkt in Gävle erstanden (keine Ahnung, wie sich diese Bücher nach Schweden verirren konnten). Die Verkäuferin hat damals die Bibliothek ihres frisch von ihr geschiedenen Ehemanns verhökert, wie sie mir ungefragt, aber fröhlich erklärte 😄.

Doch leider, so erstklassige Schnäppchen macht man nicht alle Tage. Wahrscheinlich bin ich schon im Pensionsalter, bis ich auf diesem Weg das ganze Reallexikon zusammen habe. Andererseits weigere ich mich aus Prinzip, Wucherpreise zu bezahlen.

Da fällt mir noch ein Zitat von Cato dem Älteren ein, das irgendwie zur oben beschriebenen Preispolitik zu passen scheint 😉

"[...] und so hat man in Gesetzen festgelegt, dass ein Dieb zur Zahlung des Doppelten, ein Wucherer aber zur Zahlung des Vierfachen verurteilt werde. Daran kann man erkennen, als einen wie viel schlechteren Mitbürger man einen Wucherer ansah als einen Dieb. 
(Cato d. Ä. | Vorwort zu seinem Werk De agri cultura / Über die Landwirtschaft)

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"Woodstock: Archäologische Ausgrabung der Stätte von "Love, Peace and Rock'n'Roll" ...

... titelt die Tageszeitung Die Presse. Neben einer Hippie-Kommune und einem Anti-AKW-Lager in Deutschland ist das ein weiteres auffälliges Objekt, dem sich die "moderne" Archäologie widmet - obwohl auch hier längst eine umfangreiche Dokumentation in Form von Augenzeugenberichten, Fotos und Filmaufnahmen existiert. Womit diese Grabung eine eher überflüssige Fleißaufgabe sein dürfte.

Aber vielleicht fällt dem geneigten Leser bei den genannten Grabungsplätzen ja eine Gemeinsamkeit auf? Z.B. in politisch-weltanschaulicher Hinsicht? Zufall? Oder begeben sich hier Archäologen, persönlichen Interessen folgend, wieder einmal auf die Suche nach ihren Idolen? So wie sie bis vor einigen Jahrzehnten ja noch sehr bemüht waren, überall im Boden nach Germanen zu stöbern ...

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Die Rückkehr von Captain Picard?

Total Off-Topic: Im Internet überschlagen sich gerade die Gerüchte, dass Patrick Stewart als Captain Picard ins Fernsehen zurückkehren könnte. In diesem kurzen Video werden die derzeitigen Informationen dazu sehr gut zusammengefasst: Klick mich

Ich fände es grundsätzlich spannend, wenn sich das bewahrheitet, denn die TNG-Serie mit Picard ist für mich neben den alten Kinofilmen mit der TOS-Crew eigentlich das einzige Star Trek, für das ich mich bis heute nahezu uneingeschränkt begeistern kann - obschon mein Blick auf die Serie aus Sicht eines mittlerweile Erwachsenen ein etwas anderer ist als noch vor 25 Jahren. 

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Dienstag, 3. Juli 2018

Videos: Besuch in Gladiatorenschule -- Archäologischer "Sensationsfund" -- Weltkulturerbe-Titel für Haithabu -- usw.

➽ Besuch in der Hamburger Gladiatorenschule | Spieldauer 2 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info

 Sensationsfund in Weeze: Archäologen entdecken römisches Gräberfeld | Spieldauer 2 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info
Irgendwie hat man den Eindruck, dass mittlerweile jeder zweite archäologische Fund von den Ausgräbern und den Medien als "Sensation" bezeichnet wird. Bloß Marktschreierei?Zumindest ich bin nicht so leicht zu beeindrucken. Die sollen von mir aus wiederkommen, wenn sie das Grab des Arminius oder seines Vaters Sigimer entdeckt haben 😉

Haithabu, Danewerk und Co: Weltkulturerbe-Titel bringt Hoffnung auf mehr Touristen | Spieldauer 2 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info
Der Weltkulturerbe-Titel scheint vor allem als profanes Vermarktungs-Instrument für Touristiker gedacht zu sein (auch wenn man das niemals zugeben würde). Auf jeden Fall dürfte sich noch kein mit Dynamit bewaffneter Bilderstürmer je davon beeindruckt gezeigt habe. Ähnliches gilt für manch baubegeisterten Politiker. Siehe auch den folgenden Beitrag und diese Groteske in Wien, wo man drauf und dran ist, den Welterbe-Status zu opfern. Was ebenfalls veranschaulicht, wie es in der Realität, abseits von blumigen Reden, um dessen Wert bestellt ist.

 Wie steht es um Erfurts Welterbe-Bewerbung? | Spieldauer 3 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info

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Sonntag, 1. Juli 2018

Hörbares: Mythos Medea -- Seneca -- Die Geschichte des Erbens -- Riesige Dinosaurier-Spuren -- usw.



➽ Mythos Medea - Die mörderisch Liebende | Spieldauer 23 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

➽ Seneca - Der stilbildende Stoiker | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

➽ Streit ums Erbe - Ein Blick in die Geschichte | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

➽ Riesige Dinosaurier-Spuren | Spieldauer 4 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

➽ Gibbon-Schädel in 2500 Jahre altem Königsgrab | Spieldauer 4 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Chris Wickham: "Das Mittelalter" | Spieldauer 4 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

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