Sonntag, 12. Juli 2020

🎧 Hörbares: Rom in der Spätantike -- Die Erfindung der Schrift -- Sonnensturm im Frühmittelalter -- usw.



 Rom in der Spätantike: Der Untergang einer Supermacht | Spieldauer 30 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Spuren aus dem frühen Mittelalter: Sonnensturm in Baumringen | Spieldauer 4 Minuten | DF Direkter Download

 Einziges Sternbild mit zwei Teilen: Äskulap und die geteilte Himmelsschlange | Spieldauer 2 Minuten | DF | Stream & Info Direkter Download

 Vinland und die Grönland-Mission des Leif Eriksson | Spieldauer 7 Minuten | DF | Stream & Info Direkter Download

 Jesus war Jude: Wie und warum beschäftigen sich Juden mit Jesus? | Spieldauer 22 Minuten | DF | Stream & Info Direkter Download

 Falsche Deutungen der Bibel: „Manche Stellen muss man mit Warnhinweisen kennzeichnen“| Spieldauer 24 Minuten | DF | Stream & Info Direkter Download
Falsch oder richtig - das ist gerade bei teilfiktionalen Werken oft reine Ansichtssache. Im Gegensatz zu anderen religiösen Büchern - ich denke da zuvörderst an eine ganz bestimmtes - sind die 'problematischen' Stellen in der Bibel allerdings meines Wissens überwiegend 'narrativ' (erzählend) formuliert, nicht appellativ (auffordernd). Auf die Glaubenspraxis kann dieser Unterschied einen erheblichen Einfluss haben. Während man einem Narrativ nacheifern kann oder auch nicht, fehlt dem Gläubigen dieser Spielraum bei einer klaren Aufforderung. Solche 'Gesetzesreligionen' sind deshalb meiner Ansicht nach auch nicht wirklich reformierbar, man kann sich höchstens die nach subjektiver Einschätzung unproblematischen Aspekte herausgreifen und sich daraus eine neue Religion basteln, der man aber weiterhin das Label der alten gibt. Stichwort "Mogelpackung".

 Die Zünfte - Von der Ächtung zur Achtung der Arbeit | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info Direkter Download

 Städte im Mittelalter - Öffentlichkeit als Chance und Risiko | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info Direkter Download

 Die Erfindung der Schrift - Vom Bild zum Symbol | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info Direkter Download

—————–

Donnerstag, 9. Juli 2020

Krimskrams: Beleidigte Leserwürste -- Die Uni als abgesandelte Titelmühle -- Museale Schlampereien -- usw


Beleidigte Leserwürste

Sobald hier über ein Reizthema geschrieben wird (siehe etwa die diskriminierende Twitterei des Komisch-Germanischen Zentralmuseums), steigt die durchschnittliche Zugriffszahl des Blogs für mehrere Tage um ca 25 Prozent an. Das ist erfreulich - nicht zuletzt weil ich weiß, dass ich hier wieder einmal genau die richtigen Leute geärgert habe. 😄
Andererseits befindet sich unter den Angesäuerten auch der eine oder andere Leser, der mir eigentlich bisher gewogen war, es jedoch nicht akzeptieren kann, wenn unter mittlerweile über 1700 Blogbeiträgen mal einer vorkommt, der nicht mit seinen Überzeugungen kompatibel ist; so jemand verabschiedet sich dann schon mal auf Nimmerwiedersehen. Meiner Ansicht nach ist das zwar ein ziemlich unreifes Verhalten, aber Reisende soll man bekanntlich nicht aufhalten.

Freilich, nicht jeder verschwindet geräuschlos. Vielmehr verfällt manch beleidigte Leserwurst ins Gegenteil und verlegt sich aufs Motzen um des Motzens willen. Zwar kommt das sehr selten vor, aber ein wenig nervig kann es trotzdem werden. Z.B. als da kürzlich jemand gemeint hat, ich würde ja nicht nur auf auf Videos und Podcasts verlinken, die sich thematisch um Antike und Mittelalter drehen; das wiederum widerspräche meiner Blogbezeichnung "Wanderer zwischen Antike und Mittelalter". Ja und? Ist das ernsthaft kritikwürdig? 🙄
Eventuell weil ich mit zunehmendem Alter die Geduld rascher verliere, lege ich keinen rechten Wert mehr darauf, mich so jemandem gegenüber 'konziliant' zu zeigen. Wobei ich besonders übellaunig und kratzbürstig werde, wenn bloß mit Schlagworten kritisiert wird, ohne eine Beweisführung auch nur zu versuchen. Das erfüllt klar den Tatbestand des Trollens. Dergleichen kann man ja gerne in einer der Social-Media-Klapsmühlen mit scharfer Zeichenbegrenzung machen, aber bitte nicht hier.

—————–

Die "Blockchain-Queen" und die Uni als abgesandelte Titelmühle 

Die FAZ berichtet über einen eindrücklichen Fall von mutmaßlicher Dissertationsbehumpserei.

Doktortitel der Berliner „Blockchain Queen“ widerrufen

Vor zwei Jahren ließ die „Zeit“ über 25 Frauen abstimmen, die „unsere Wirtschaft revolutionieren“. Darunter war auch die in den Medien gelegentlich als „Blockchain Queen“ bezeichnete Shermin Voshmgir als Gründerin des „Blockchain-Hubs“ zu finden. Das, so erklärte die Zeitung, sei ein Informations-Hub und Thinktank in Berlin, der die weltweite Entwicklung der Blockchain-Technologie vorantreibt, kommuniziert und diskutiert. „Auch als Direktorin des Instituts für Kyptoökonomie an der Wirtschaftsuniversität Wien möchte sie ihr Wissen weitergeben. Außerdem unterstützt sie Start-ups mit dem Schwerpunkt Blockchain“, hieß es damals.

Nun hat die Wissenschaftsplattform „VroniPlag Wiki“ ihre Doktorarbeit „Assessing the Impact of XML/EDI with Real Option Valuation“ analysiert und nach eigenen Angaben auf 90 Prozent der Textseiten Plagiate gefunden. Das ist ein sehr hoher Wert, der sich in Dimensionen eines Karl-Theodor zu Guttenberg bewegt. 


Wieder einmal muss ich an die Worte des Militärhistorikers Marcus Junkelmann denken, der in seinem Interveiw mit mir sagte: "Was wir mit dem akademischen Schrott anfangen sollen, der da in wachsender Menge produziert wird, ist mir schleierhaft."

Wen wundert diese Entwicklung? Qualitätskriterien werden doch schon im Bereich der grundlegenden Schulbildung zurückgebaut, mit dem ideologischen Fernziel, die sogenannte Akademikerquote auf Teufel komm raus zu steigern.
Apropos "Quote: Seit einiger Zeit sind Geschlecht und Hautfarbe erstaunlicherweise wieder Kriterien für die Aufnahme an Universitäten und berufliche Anstellungen. Man nennt diese oft staatlich verordneten Diskriminierungsprogramme dann euphemistisch "Förderungen". Jedoch ein Wissenschaftsbetrieb, der auf Verlangen radikaler Ideologen keine farbenblinde Meritokratie mehr sein darf - die, nebenbei bemerkt, eine der größten Errungenschaften der modernen westlichen Welt darstellt - kann langfristig nur zum Scheitern verurteilt sein. Beispiele wie das obige sind Indikatoren für einen moralischen und wissenschaftlichen Verfall. Unsere Universitäten sind längst zu Titelmühlen für Personen mit Minderwertigkeitskomplexen verkommen. Wichtig ist heutzutage offenbar vor allem der Schein, nicht mehr das Sein.

Übrigens: Die ertappte "Blockchain-Queen" hat zwischenzeitlich auf die Vorwürfe geantwortet: Jene ihr massenhaft nachgewiesenen Stellen mit 'Plagiaten' seien keine Absicht gewesen. Sie habe anno dazumal als Doktorandin halt leider nicht so recht gewusst wie man wissenschaftlich korrekt zitiert ("Habe ich vielleicht schlampig gearbeitet? Ja"). Kurios, als ob Unwissenheit und vor allem Schlamperei den Fall wesentlich besser machen bzw. vor Strafe schützen würden.
Sie mutmaßt außerdem, dass jene Menschen, die Ihre Doktorarbeit abgeklopft haben, eventuell von finsteren Motiven getrieben sind ("War das jemand, der frauenfeindlich ist? War das jemand, der ausländerfeindlich ist? [...]). Spätestens hier ist schallendes Gelächter angebracht. Wirft man doch gerade der betreffenden Website VroniPlag schon seit Jahren vor, es würden dort vor allem die Arbeiten von 'Konservativen' untersucht werden - dass also VroniPlag von deren politischen Gegnern betrieben wird (und die sind nicht gerade für ihre Frauen- und Ausländerfeindlichkeit bekannt). Ganz davon abgesehen: Die vermutete Motivation der Plagiatsjäger ändert nichts an den nachgewiesenen Verfehlungen der Frau. Offenbar möchte sie nicht nur ihre Kritiker in ein schiefes Licht rücken, um deren Glaubwürdigkeit zu untergraben, sondern es soll vor allem auch verhindert werden, dass weitere Medien den Fall aufgreifen. Denn welcher Journalist hat schon das Verlangen, sich an die Seite von bösen Ausländer- und Frauenfeinden zu stellen? Alleine die in den Raum gestellte Möglichkeit reicht oft schon aus, um die Finger von so einer Story zu lassen. Hinzu kommt, dass es sich hierbei möglicherweise auch um eine Art moralischen Erpressungsversuch in Richtung ihres Arbeitgebers - der WU Wien - handelt. Der hat die "Blockchain-Queen" nämlich konsequenterweise schon vor Monaten "dienstfrei gestellt".

You can't make this up - würden die Amis sagen.

—————–

Museale und ähnliche Schlampereien

Eine bedeutende Kaiserurkunde* aus dem frühen Mittelalter galt im Stadt- und Stiftsarchiv von Aschaffenburg als verschollen, ist nun aber - schwuppdiwupp - plötzlich wieder da! Klick mich

Hierbei handelt es sich um ein weiteres Beispiel dafür, wie sehr Museen und Archive längst den Überblick über ihre stetig anwachsenden Bestände verloren haben (sofern sie ihn überhaupt je hatten). Objekte verschwinden oder tauchen Jahrzehnte später aus dem Nichts wieder auf. Dieser schlampige Umgang mit öffentlichem Eigentum ist schon eine Frechheit.

Wenn man freilich - wie es manch wissenschaftlicher Mitarbeiter tut - ständig auf Twitter herumlungert, um dort rauf und runter zu politisieren, dann kann es natürlich leicht vorkommen, dass der eigentliche Job vernachlässigt wird. Genau diese Leute sind es in der Regel auch, die gegen den privaten Antikenhandel wettern und sich empört gegen Reform-Ideen wie das 'Entsammeln' verwehren, obschon sie selbst immer und immer wieder Inkompetenz zur Schau stellen, wenn es um die Bewahrung unserer materiellen Geschichte geht.

* Ob die wiederentdeckte Urkunde in Aschaffenburg überhaupt echt ist, ist eine ganz andere Frage. Denn gerade kaiserliche und königliche Urkunden wurden im Mittelalter massenhaft gefälscht. Das im deutschen Sprachraum vielleicht bekannteste Beispiel ist das Privilegium maius.

—————–

Der unzeitgemäße Rechtevorbehalt des DAI

Archäologische 3D-Modelle zum Anschauen gibt es im Online-Archiv Arachne : Klick mich

Einfach auf die gewünschte Modell-Bezeichnung draufklicken, dann öffnet sich eine weitere Seite, auf der man links noch "3D-Modell-Viewer" auswählen muss und es geht los.

Doch was muss ich da lesen? "License: Alle Rechte vorbehalten"?! Erst mal mutet diese Mischung aus Englisch und Deutsch eigenartig an; warum konnte man sich bei dem Hinweis nicht für eine Sprache entscheiden?
Nicht bloß eigenartig, sondern eigentlich schon ein wenig ärgerlich ist aber, dass das Deutsche Archäologische Institut als Kostgänger des Steuerzahlers die Modelle nicht komplett frei zugänglich macht, sodass Interessierte sie z.B. auf dem eigenen 3D-Drucker ausdrucken oder auf andere Art und Weise nutzen könnten. Auf meine Nachfrage "Das ist sehr schön. Sind die Dateien der Modelle gemeinfrei/kostenlos herunterladbar?" erhielt ich die Antwort: "Urheber, Lizenzen und Nutzungsrechte sind jeweils individuell geregelt und in der Beschreibung der einzelnen Modelle ausgewiesen."
Na toll. Diese individuelle Regelung sieht in der Realität so aus, dass nahezu überall der obige Lizenz-Hinweis steht. Download-Link konnte ich nirgendwo entdecken; meine diesbezügliche Nachfrage blieb unbeantwortet.

Ich erinnere an dieser Stelle an den Fall des Ägyptischen Museums Berlin und den 3D-Scan der berühmten Nofretete Büste, der wegen eines ähnlichen Verhaltens der staatsnahen Rechteinhaber sogar bei der Justiz gelandet ist.
Es mag sein, dass die Rechtesituation bei den Modellen in der Arachne-Bibliothek etwas komplizierter ist, aber wenn das DAI nur wollte, dann könnte es bestimmt eine Lösung finden. Der jetzige Zustand minimiert hingegen den Nutzen für die Allgemeinheit und ist nicht zeitgemäß. Wobei das Problem ja nicht auf das DAI beschränkt ist. Die Unsitte, dass staatliche und staatsnahe Institutionen Unmengen an Datenmaterial nicht herausrücken wollen - für das der Steuerzahler bereits gelöhnt hat - ist immer noch weit verbreitet. Hinzu kommt, dass der Krempel sich oft genug nicht einmal von den Rechteinhabern in einem nennenswerten Ausmaß finanziell verwerten lässt. Es ist demnach wohl oft pure Borniertheit, wenn man den Zugang für die Öffentlichkeit einschränkt.

Neulich habe ich den Weiten des Internets einen Kommentar gelesen, in dem es hieß, Gemeinfreiheit und ähnliche Konzepte riechen nach "Sozialismus" und "free stuff for all". Diese Aussage ist freilich aufgrund ihrer Pauschalisierung kompletter Blödsinn, weil die Allgemeinheit, wie schon oben gesagt, die Inhalte oft ganz oder zumindest teilweise finanziert hat. Entsprechend sollte sie auch ein Nutzungsrecht eingeräumt bekommen. Wer das als nicht-staatlicher Urheber vermeiden möchte, der hat die Möglichkeit, sich rein privat zu finanzieren - das sei besonders der Archäologie ins Stammbuch geschrieben, die ständig über zu geringe Mittel raunzt.

—————–

Kostenloses, gut illustriertes Römer-Buch

Auf Academia.edu findet man ein interessantes, gut illustriertes Römer-Buch. Der Titel lautet: "Ad arma!: Römisches Militär des 1. Jahrhunderts n. Chr. In Augusta Raurica"

Ich hatte vor Jahren schon einmal darauf hingewiesen, irgendwann war aber Link unbrauchbar geworden. Das ist hier nun eine andere, erfreulicherweise funktionierende Quelle (danke für den Hinweis).

—————–

Weitere interessante Themen: 


Mittwoch, 8. Juli 2020

📽️ Videos: Spannende Archäologie im Wareswald -- Gräber aus der Merowinger- und Jungsteinzeit -- Der Limes -- usw.



 Spannende Archäologie im Wareswald | Spieldauer 9 Minute | SR/ARD | Stream & Info

 Gräber aus der Merowinger- und Jungsteinzeit in Ingelheim entdeckt | Spieldauer 2 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

 Mythen im Grenzland | Spieldauer xxx Minuten | BR/ARD | Stream & Info
"Überall im Grenzland zwischen Bayern und Österreich gibt es Menschen, die begeistert versuchen, Rätsel und Mythen zu entschlüsseln - teilweise unter dem Einsatz ihres Lebens." 

 (Früh-)Mittelalterfans reisen in die Vergangenheit | Spieldauer 3 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info

 Ausstellung in der Münchner Antikensammlung | Spieldauer 2 Minuten | BR/ARD | Stream & Info

 Der Limes - Grenzwall des Römischen Reiches | Spieldauer 15 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

 A Bronze Age Mistery | Spieldauer 49 Minute | Youtube | Stream & Info
Auf dem offiziellen Youtube-Kanal der beliebten Archäologie-Fernsehserie "Time Team" werden seit einiger Zeit alte Folgen hochgeladen. In dieser wird eine bronzezeitliche Anlage ausgegraben.

 An "unprecedented find" from the Bronze Age | Spieldauer 2 Minuten | Express | Stream & Info

➽ Stonehenge: Archaeologist makes 'very rare' discovery | Spieldauer 1 Minute | Express | Stream & Info

 Medieval saddle: How did they measure the shape of a medieval war horses back? | Spieldauer xxx Minute | Youtube | Stream & Info
Als jemand, der mit Reittieren rein gar nichts zu tun hat, finde ich die Ausführungen zu Pferden auf diesem Kanal immer sehr erhellend. Es ist übrigens ein sehr eigenwilliges Maultier, das in diesem Video seinen Auftritt hat 😃


—————–




Samstag, 4. Juli 2020

🎧 Hörbares: Wikinger brandschatzen Paris -- Eine Giftmischerin und Wahrsagerin -- Colonia Claudia von Römern gegründet -- Die Schlacht bei Rudau -- usw.





 28. 3. 845: Die Wikinger brandschatzen Paris | Spieldauer 14 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 25. 2. 50: Colonia Claudia Ara Agrippinensium von Römern gegründet | Spieldauer 14 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 14. 3. 840: Einhard, fränkischer Geschichtsschreiber | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 17. 2. 1370: Die Schlacht bei Rudau - Der Deutsche Orden siegt über die Litauer | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 22. 2. 1680: Todestag von "La Voisin", Giftmischerin und Wahrsagerin | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 6. 3. 1475: Der Geburtstag von Michelangelo Buonarroti | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 Ivan III., russischer Zar | Spieldauer 14 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 Um 695: Der Heilige Suitbert gründet Kloster Kaiserswerth | Spieldauer 15 Minuten | WDR  | Stream & Info | Direkter Download

 20. 12. 1679: Todestag von Fürst Johann Moritz von Nassau-Siegen - genannt: "Der Brasilianer" | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 1164: Todesjahr der berühmten Äbtissin Héloïse | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

—————–



Dienstag, 30. Juni 2020

♀️ Kuriosität der Antike: Herodot und die Vagina des Pharao



Bekanntlich erfreut sich die bildliche Darstellung des primären weiblichen Geschlechtsorgans neuerdings in der evangelischen Kirche einiger Beliebtheit. Außerdem wird darüber spekuliert, ob die in der christlichen Ikonographie gerne verwendete Mandorla (hat nichts mit dem Mandalorian zu tun) möglicherweise ebenfalls eine stilisierte 'Mumu' ist und auf eine alte, längst vergessene Muttergöttin anspielt (daran habe ich meine Zweifel).

In alter Zeit wurde speziell die Vagina der Frau freilich in einem besonderen Zusammenhang dargestellt, der heute eher komisch anmutet, wahrscheinlich aber auch schon dazumal manch Schmunzeln hervorgerufen hat. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot von Halikarnassos erzählt im 5. Jahrhundert nämlich folgendes über die Feldzüge des militärisch sehr erfolgreichen altägyptischen Königs bzw. Pharaos Sesostris III., der bis zum legendären Kolchis am Schwarzen Meer und nach Thrakien auf dem Balkan vorgestoßen sein soll:

Und wenn er dabei auf wehrhafte Völkerschaften traf, die zäh an ihrer Freiheit festhielten, errichtete er Säulen in ihrem Land, die in Schriftzeichen seinen eigenen Namen und den seiner Heimat nannten - und dass er sie mit seiner Macht unterworfen habe. Bei denen, deren Städte er ohne Kampf und Aufwand einnahm, zeichnete er es ebenso wie bei den mannhaften Völkern auf Säulen auf, fügte aber noch die Vagina einer Frau dazu, womit er offenkundig machen wollte, dass sie feige waren.

[...]

Von den Säulen aber, die Sesostris, der König Ägyptens aufrichtete, sind offenbar die meisten nicht mehr vorhanden, im palästinischen Syrien aber habe ich selbst bestehende Säulen gesehen und darauf die besagten Schriftzeichen und auch die Vagina.

Herodot, Historien, 2. Buch, 102,4-5 und 106,1

Das Errichten solcher Siegesdenkmäler bzw. Siegessäulen (Tropaia) entwickelte sich viele Jahrhunderte später besonders bei den Römern zu einem gerne gepflegten Brauch. Wobei freilich bei ihnen die Ikonographie in der Regel weniger anzüglich ausfiel als im Falle der Säulen des Sesostris, der offenbar über einen eher rustikalen Humor verfügte 😄

Hinsichtlich der Überlieferung ist natürlich bis zu einem gewissen Grad Vorsicht geboten, denn Herodot ist nachweislich nicht immer verlässlich, da er oft nur nach Hörensagen schreibt. Andererseits betont er im konkreten Fall, dass er die besagten Säulen höchstselbst gesehen hat, was den Bericht dann doch verhältnismäßig glaubwürdig erscheinen lässt. Es ist schließlich nicht ersichtlich, warum er sich das hätte ausdenken sollen.

Ganz grundsätzlich ist das 2. Buch aus Herodots Historien, aus dem die obigen Zitate stammen, sehr jenen zu empfehlen, die sich für die altägyptische Geschichte interessieren, weil darin Ägypten nahezu das alleinige Thema ist und unzählige damit im Zusammenhang stehende Aspekte berücksichtigt werden.

—————–

Weiterführende Informationen:
  • Herodot (Autor) / Kai Brodersen (Übersetzer) | Historien, 2. Buch | Reclam Verlag | 2005 | Infos bei Amazon



Samstag, 27. Juni 2020

🎧 Hörbares: Archäologie-Buch-Lesung -- Unterwasserarchäologie -- Ausgrabungen in Knossos -- Lust und Liebe in den Weltreligionen -- usw.



 Archäologie: Lesung aus "Verborgene Schätze, verwunschene Welten" | Spieldauer 67 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

 Interview: Der Unterwasserarchäologe Florian Huber | Spieldauer 71 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Erotik und Glauben? - Lust und Liebe in den Weltreligionen | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Versteck der Steinzeit-Menschen: Die "Abris" im Leinebergland | Spieldauer 7 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 23. 3. 1900: Arthur Evans beginnt die Ausgrabungen in Knossos | Spieldauer 15 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Mit dem Archäologen Andreas Stinsky über den Bliesgau | Spieldauer 44 Minuten | SR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Der Archäologe Vinzenz Brinkmann spricht über "bunte Götter" und die Wahrnehmung seines Fachgebiets | Spieldauer  42 Minuten | HR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Neues römisches Museum in Boppard | Spieldauer 4 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

—————–



Donnerstag, 25. Juni 2020

📽️ Videos: Römer-Boot gefunden -- Königreich der Mumien -- Archäologische Holzfunde -- usw.



 Römer-Boot aus der Antike in Serbien gefunden | Spieldauer 1 Minute | RND | Stream & Info

 Archäologischer Sensationsfund in Erbes-Büdesheim | Spieldauer 4 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info
Die immer mit ihren marktschreierischen "Sensationsfunden"... 🙄

 Archäologische Holzfunde als Blaupausen für Waldumbau | Spieldauer 3 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info

 Die 1.000 Frauen des Pharao | Spieldauer 95 Minuten | Arte | Stream & Info

 Königreich der Mumien | Spieldauer 7 Minuten | Focus | Stream & Info

 Archäologische Ausgrabungen in Mannheim | Spieldauer 2 Minuten | RNF | Stream & Info

 Holz ganz filigran: Der Nachbau einer spätgotischen Monstranz | Spieldauer 10 Minuten | BR/Youtube | Stream & Info


—————–



Dienstag, 23. Juni 2020

Krimskrams: Des Rätsels Lösung! -- Verschlimmbesserung

Des Rätsels Lösung! 

Es hat mir zwar keine schlaflosen Nächte bereitet, aber ich wundere mich schon seit einiger Zeit ein bisschen darüber, warum mein uralter Blogbeitrag über die durchschnittliche Körpergröße und die dominierende Haarfarbe der Germanen so oft aufgerufen wird, gleichzeitig aber in den (leider nur rudimentären) Logfiles des Blogs keine konkrete Ursprungs-Url aufscheint, sondern bloß Google.com oder Google.de.

Nun habe ich kürzlich bei Google folgendes eingegeben: germanen größe. Und siehe da, mein Blogbeitrag ist nicht bloß der erste in den Suchergebnissen, er ist auch optisch hervorgehoben worden: 




Laut Google handelt es sich dabei um ein "hervorgehobenes Snippet" (=Info-Schnipsel): Allgemeine Informationen dazu findet man hier. Ob das Snippet, wie sie behaupten, wirklich vor allem automatisiert erstellt worden ist (beruhend auf der Popularität des Beitrags), ist schwer zu sagen. Google ist hinsichtlich des Rankings nämlich nicht zu trauen (sagt u.a. ein ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter des Konzerns). 
Jedenfalls ist mir nun klar, warum ausgerechnet dieser Blogbeitrag vergleichsweise oft aufgerufen wird. Interessanterweise wurde er sogar Wikipedia vorgezogen, die man besonders oft für Snippets heranzieht.

Würde man dieses Beispiel eingehend analysieren, dann ließen sich daraus eventuell Erkenntnisse gewinnen, wie man bei Google die Reihung seiner Blog-Texte in den Suchtreffern allgemein verbessern kann: Z.B. steht sowohl in der URL des Blogbeitrags wie auch in der Überschrift ganz klar um was es geht - das ist angeblich relativ wichtig fürs 'Ranking'. Aber ansonsten fällt mir hier nichts auf. Die Kerninformationen stehen sogar erst relativ weit unten auf der Seite...

Nachtrag: Weil ich aus obigem Anlass gerade wieder einmal genauer in die Logfiles des Blogs geschaut habe: Ich sehe darin in den letzten 12 Stunden das gehäufte Zugreifen - aus Facebook heraus - auf ein älteres Blogposting, in dem ich zwei Schmiergriffel aus der LH-Szene für das Verbreiten von Halbwahrheiten und astreinen Lügen kritisiert habe. Mit einiger Wahrscheinlichkeit sind diese Individuen oder Gleichgesinnte gerade damit beschäftigt, so richtig über mich wegen meinem gestrigen Blogposting abzulästern. Fast höre ich sie hochtourig in ihrer Klapsmühle rotieren ...

—————–

Verschlimmbesserung

Google hat die Management-Oberfläche der von mir hier verwendeten Bloggerplattform erneuert - nachdem man diesbezüglich jahrelang rein gar nichts getan hat. Nun war die alte Variante nicht gerade schlecht, die neue hingegen ist für mobile Endgeräte optimiert. Muss ich mehr sagen? Genau, für 'Desktop-Blogger' wie mich stellt das unterm Strich keine Verbesserung dar, eher im Gegenteil. Doch zum Glück kann man auch die alte Variante weiterhin benutzen. Hoffentlich möglichst lange.

—————–

Weitere interessante Themen auf diesem Blog:


Montag, 22. Juni 2020

Nachschlag: Das Komisch-Germanische Zentralmuseum bleibt uneinsichtig

Eine E-Mail hat mich als Reaktion auf meinen kritischen Beitrag zur Twitterei der sogenannten "Freunde des Römisch-Germanischen Zentralmuseums" (RGZM) erreicht. Ich möchte sie - sowie meine Antwort darauf - den Lesern natürlich nicht vorenthalten.

Eines vorweg: Der Absender - das RGZM höchstselbst - geht nicht wirklich auf den Kern der Kritik ein, sondern wirft dicke Nebelgranaten. Die ersten beiden Absätze bestehen vor allem aus Selbstbeweihräucherung und schimmelbriefartigem Schwafeltext, der z.T. einfach irgendwo rauskopiert wurde. Damit versucht man die glasklare Tatsache zu umschiffen, dass der eigene Förderverein einen rassendiskriminierenden Text 'retweetet' hat und es dabei kaum zufällig unterließ, sich explizit vom Inhalt zu distanzieren ("Wer schweigt, stimmt zu." -Cicero). Deshalb noch einmal zur eindringlichen Erinnerung - gleich zu Beginn des inkriminierten Tweets wird gefordert: ⚠️"Recruit nonwhite trustees, artists included. Hire nonwhite curators."⚠️ (siehe dazu auch meinen oben verlinkten Blogbeitrag mit beweiskräftigem Screenshot)
Richtigen Eifer entfaltete das RGZM erst am Schluss der E-Mail bzw. beim Kritisieren meiner Wortwahl. Die wäre zu garstig gewesen. Nun, ganz davon abgesehen, dass natürlich auch dieses Geseier von den eigenen Verfehlungen ablenken soll, sei hier folgendes klargestellt: Ich drücke mich generell den Umständen entsprechend aus.

Sehr geehrter Herr ABC,

das RGZM ist ein Forschungsinstitut und -museum der international tätigen Leibniz-Gemeinschaft. Als solches sind wir den Zielen wissenschaftlicher Exzellenz und gesellschaftlicher Relevanz verpflichtet. Leitend und prägend für die Arbeit aller Leibniz-Einrichtungen ist Gottfried Wilhelm Leibniz Losung „theoria cum praxi“. Die Untersuchung gesellschaftlich relevanter Fragestellungen ist damit ein Kernanliegen aller Leibniz-Einrichtungen. Die Leibniz-Forschungsmuseen forschen zu grundlegenden kulturellen, gesellschaftlichen und naturwissenschaftlichen Themen. Sie zielen darauf ab, einen substantiellen Beitrag zur Schaffung der wissenschaftlichen Grundlagen zu leisten, die nötig sind, um gesellschaftlichen Herausforderungen verstehen, ihnen in angemessener Weise begegnen und diese meistern zu können. Vor diesem Hintergrund beteiligen wir uns auch an aktuellen gesellschaftlichen Debatten.

Wir sind offen für den Dialog. Eine Diskussion ist uns willkommen, solange sie sachlich, faktenbasiert und mit dem gebotenen zwischenmenschlichen Respekt stattfindet. Dieser Haltung ist der twitter account der „Freunde des RGZM“ ebenfalls verpflichtet. Was Sie auf Ihrem blog effektheischend und fälschlicherweise als „haarsträubenden Twitter-Müll des RGZMs“ titulieren, war ein retweet der „Freunde des RGZMs“ eines NY Times Artikels, der sich mit der aktuellen Haltung der amerikanischen Museen in der #BLM Frage befasst. Auch die Haltung des RGZM ist hier ganz klar und unmissverständlich: „Wir respektieren, schätzen und fördern Vielfalt von Menschen und Ideen. Im Umgang miteinander gehört hierzu auch die Offenheit, eigene Überzeugungen und Erwartungen in Frage zu stellen. Wir setzen uns aktiv für Gleichstellung und gegen jede Form der Diskriminierung ein. Jeglicher Form der Belästigung oder des Mobbings treten wir entschieden entgegen.“ (aus: Leitsätze unseres Handelns in der Leibniz-Gemeinschaft, 2019)

Ihre gehäuften allgemeinen Mutmaßungen und persönlich diskriminierenden Unterstellungen können wir nicht nachvollziehen, denn sie entbehren jeglicher Grundlage. Daher werden wir sie auch nicht kommentieren. Sie bemühen zwar Artikel 3 des Grundgesetzes für Ihren eigenen „weltanschaulich motivierten Ausritt“ (diese Formulierung geben wir gerne zurück), zögern aber nicht, im gleichen Atemzug frauenfeindliche, diskriminierende und wissenschaftsfeindliche Äußerungen zu produzieren, oder, um bei ihrer eigenen Wortwahl zu bleiben - „hohles Geschwurbel“ zu verbreiten. Dagegen verwahren wir uns entschieden. Wenn sich jemand vordergründig über Rassismus beklagt, um dann Vokabeln wie „Negativauslese“ in den Mund zu nehmen, dann entlarvt sich das ganze Gezeter über „Messen mit zweierlei Maß“ eigentlich von selbst.

Mit besten Grüßen
XYZ

Bemerkenswert, wie dieser Text zwischen Dreistigkeit und Dummheit oszilliert. Aber dergleichen ist mir ja nicht neu. Leute wie die E-Mail-Verfasserin eignen sich zum evidenzbasierten Argumentieren ungefähr so gut wie ein Igel zum Hinternputzen. Daher hätte ich mir eigentlich eine Antwort ersparen sollen, doch man will ja nicht komplett unhöflich sein.

Werte Frau XYZ

Ihre “Leitsätze” in allen Ehren, doch diese bleiben nur wohlfeiles Wortgeknatter, solange aus dem Dunstkreis des RGZM das Befürworten beruflicher Rassendiskriminierung mittels Retweets unter die Bevölkerung gestreut wird. Auch Ihr rhetorischer Eiertanz ändert daran nichts. 

Sie können sich gerne über meine zugespitzten Formulierungen und meinen angeblich mangelnden Respekt echauffieren, das ist Ihr gutes Recht. 
Andererseits: Respekt gibt es bei mir nicht gratis, den muss man sich schon verdienen. Ich bin nämlich kein Respektspender, bei dem Sie einfach mal eine Portion rausdrücken können. 

Dass freilich die “Freunde des RGZM” und Sie persönlich meinen Respekt eher nicht verdienen, untermauern Sie wiederholt mit einer intellektuell durchgehend unredlichen Argumentation. Etwa wenn Sie nach dem Motto ‘Angriff ist die beste Verteidigung’ meine Formulierung von der (charakterlichen) “Negativauslese” aus dem Zusammenhang reißen, um daraus irgend etwas “Rassistisches” bzw. böse Biologistisches fabrizieren zu können. 
Sie sind wohl kaum so dumm, um ernsthaft zu glauben, meine Kritik am Kooptieren von Gleichgesinnten im akademisch-wissenschaftlichen Bereich habe etwas mit dem ‘Rasse’-Begriff zu tun. Vielmehr sind Sie verzweifelt darum bemüht, von Ihrer eigenen Heuchelei abzulenken. Das ist durchaus menschlich - so wie auch Harndrang. 

Ihr restliches, ebenfalls im Fantasiemodus verfasstes Buzzword-Potpourri (“frauenfeindlich”, “wissenschaftsfeindlich", "diskriminierend") mit einer Erwiderung zu würdigen, möchte ich mir schenken, wenn Sie gestatten. 

Grüße, 
ABC

PS: Als letzten Akt des Dramas habe ich vor, auch Ihre E-Mail ungekürzt (und anonymisiert) auf meiner Website zu veröffentlichen. Es ist ja vermutlich im Interesse des RGZM, wenn seine offizielle Sichtweise Berücksichtigung findet. Falls Sie dagegen keine Einwände vorbringen, dann erfolgt die Veröffentlichung in den kommenden Tagen. 

Ich plane nicht, dieses unerfreuliche Thema weiter zu verfolgen. Allerdings haben mir zwei Blogleser - darunter ein ehemaliges Mitglied vom Freundeskreis des Römisch-Germanischen Zentralmuseums - zusätzliche Screenshots geschickt, die dokumentieren, dass der von mir zurecht kritisierte Tweet kein auf vorübergehende Unzurechnungsfähigkeit zurückzuführender Einzelfall ist. Der Wahnsinn scheint vielmehr Methode zu haben - auch außerhalb von Twitter.

Einer der Hauptgründe, warum mir kleinere archäologische Museen - wie etwa das Alamannenmuseum Ellwangen oder das Archäologiemuseum Schloss Eggenberg - in der Regel sympathischer sind als 'Ungetüme' aus der Kategorie eines Römisch-Germanischen Zentralmuseums: Ihre Mittel sind vergleichsweise bescheiden, so dass sie sich auf ihre Kernaufgaben beschränken müssen (=forschen, konservieren und präsentieren). Zwar werden z.T. auch dort aktivistisch-ideologische 'Irrlichter' herumkrebsen, doch fehlt diesen die Grundlage, um sich auf Kosten der Steuerzahler in der Öffentlichkeit politisch immer wieder einen herunterholen zu können.

—————–

Weitere interessante Themen:

Sonntag, 21. Juni 2020

📽️ Videos: Grausiger archäologischer Fund -- Luxus im Mittelalter -- Das versunkene Heiligtum -- usw.







 Grausiger Fund: Hinrichtungsstätte in Allensbach entdeckt | Spieldauer 3 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

 Luxus im Mittelalter | Spieldauer 44 Minuten | BR/ARD | Stream & Info

 Meet the Jousters: Marie Baron | Spieldauer 3 Minuten | Youtube | Stream & Info
Zu diesem Video des britischen Museums Royal Armouries hier ein paar Fragen und Gedanken, die mir so durch den Kopf gehen: 1. Warum hat man diese Person eingeladen? War etwa (wie man in Kenntnis der einschlägigen Kreise durchaus mutmaßen darf) das Geschlecht ausschlaggebend? Dann wäre die Motivation in geschichtsdidaktischer Hinsicht unseriös (siehe dazu den nächsten Punkt). 2. Gehört die angesprochene Turnier-Veranstaltung in die Kategorie Living History? Irgendwie schon, da man in dem Video über historische Authentizität sinniert. In diesem Fall wäre eine Frau in Ritterrüstung bei einem Turnier - das  in der Tudor-Zeit angesiedelt ist - ziemlich fehl am Platz (nicht einmal der legendenverschleierten Jeanne d'Arc hat man so eine Aktivität angedichtet). Privat oder auf Mittelaltermärkten könnte sie ihr Hobby ja ausleben so viel sie möchte; im Living-History-Umfeld führt ihre Betätigung allerdings sämtliche sonstigen Authentizitätsbestrebungen ad absurdum. Brachiale Selbstverwirklichungsallüren sind hier nicht mit dem Anspruch seriöser Wissensvermittlung vereinbar (Frage: "Warum tjosten Sie?" AW: "Weil mir gesagt wurde, Frauen können das nicht?" *grins*). Notiz am Rande: Im Gegensatz zu obigem Video wurde auf dem selben Kanal beim Vorstellungsvideo dieses (männlichen) Turnierteilnehmers die Kommentarfunktion nicht deaktiviert. Was mir durchaus beredt erscheinen will.


 Das versunkene Heiligtum: Der Orakelfelsen | Spieldauer 5 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info

 UNESCO-Welterbetag findet digital statt | Spieldauer 2 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info
Gut gemeint, aber braucht das wer? Bereits die Pandemie-bedingten digitalen Museumsführungen waren - nach allem was ich gehört und gelesen habe - ein ziemlicher Reinfall. Apropos "digital" hier, "Digitalisierung" da. Das sind lauter typische Mode- und Plapperbegriffe von fachlich meist ahnungslosen Journalisten, Politikern und Marketing-Menschen. Ich erinnere mich noch an die 1990er, da haben sie lange Zeit inflationär von "Multimedia" geschwafelt, selbst als es schon seit Jahren gar nichts anderes mehr als PCs mit CD/DVD-Laufwerk, Grafikkarte und Soundkarte (=Multimedia) gab. Nur wenig später hat man auch damit begonnen, den Begriff "Cyberspace" wie die sprichwörtliche Sau durchs Dorf zu treiben. 

 Raffael - es kann nur einen geben | Spieldauer 5 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info

—————–



Freitag, 19. Juni 2020

🎧 Hörbares: Graben nach Gott in Israel -- Eiszeitkunst auch in China -- Kulturgeschichte der Hostie -- usw.

 Graben nach Gott - Bibel und Politik in Israel | Spieldauer 54 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Der Engel Speise. Kulturgeschichte der Hostie | Spieldauer 7 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Ich erinnere mich noch sehr gut an meine erste Begegnung mit der Hostie. Ich war ca sechs Jahre alt und besuchte einen Schulgottesdienst. Plötzlich stand ein Teil der Leute von den Kirchenbänken auf, ging nach vorne zum Pfarrer und bekam etwas in den Mund gesteckt oder in die Hände gelegt. Ich dachte, das wären Kartoffelchips und war erbost darüber, dass ich leer ausging 😃. Meine Mutter erklärte mir dann zuhause, dass ich erst nach der Erstkommunion auch etwas davon abbekommen würde, ich geschmacklich aber sowieso nichts verpasst habe, da es sich um Oblaten handelt, die wie Papier schmecken. Wie wahr! Bis heute denke ich mir, dass man den Kirchenbesuchern ruhig etwas Besseres bieten könnte, den 'himmlisch' schmeckt die allgemein gebräuchliche Hostie wirklich nicht.

 Vogelskulptur: Es gab Eiszeitkunst auch in China | Spieldauer 4 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Glorious Revolution - Die Schlacht am Boyne | Spieldauer 41 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 12. 4. 1555: Todestag von Johanna der Wahnsinnigen, span. Infantin) | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 18. 4. 1605: Geburtstag von Giacomo Carissimi, ital. Komponist | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 April 1770: Todestag von La Camargo, frz. Tänzerin | Spieldauer 14 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 25. 4. 1595: Todestag von Torquato Tasso, ital. Schriftsteller | Spieldauer 15 Minuten | WDR  | Stream & Info | Direkter Download

 23. 4. 1775: Geburtstag von William Turner. englischer Maler | Spieldauer 13 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download
Einer meiner Lieblingsmaler! Wobei gleichzeitig meine Akzeptanz für abstrakte Malereien mit Turner auch an ihre Grenzen erreicht stößt.
—————–



Mittwoch, 17. Juni 2020

Krimskrams: Rüge für Wikipedia wegen mangelnder Transparenz -- Der Twitter-Müll des RGZM





Rüge für Wikipedia wegen mangelnder Transparenz

Dass die Autoren- und Admistratorenschaft des durchaus umstrittenen Online-Nachschlagewerks Wikipedia überwiegend aus Personen besteht, die, frei nach dem Motto "Im Dunklen ist gut munkeln", von Transparenz nur bedingt viel halten, wird dem Kenner der Thematik nicht neu sein. Nun musste das aber auch der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) zur Kenntnis nehmen. Das Wiki-Watch-Blog berichtet ausführlich über diesen Fall.

Die Wikipedia ist oftmals intransparent und unfähig zur Veränderung. Diese bittere Wahrheit hat jetzt auch der Deutsche Rat für Public Relations erlebt.

Eine Einrichtung der freiwilligen Selbstkontrolle fordert die Wikipedia auf, größere Transparenz für Beiträge aus der Feder bezahlter Schreiber zu schaffen, wird zunächst von Ansprechpartner zu Ansprechpartner verwiesen, nur um dann zu erfahren, dass die Wikipedia Community mit Paid-Editing so umgeht, wie sie es für richtig hält. Daraufhin spricht diese Selbstkontrolleinrichtung eine Rüge gegen Wikipedia aus und veröffentlicht sie.


Ein weiterer Beleg dafür, dass Wikipedia keine reputable Quelle ist und wohl auch nie wird sein können.

—————–

Der haarsträubende Twitter-Müll des Römisch-Germanischen Zentralmuseums

Ende des vergangenen Jahres habe ich mich im Rahmen des Blogs kurz darüber geärgert, dass Twitter-Konten von Museen etc., die sich vorgeblich mit Geschichte beschäftigen, ständig brachial politisieren; wodurch Geschichtsinteressierte bzw. zahlende Kunden vergrault werden.
An dieser Stelle möchte ich nun ein aktuelles Beispiel für dieses Gebaren nachreichen, aber auch gleich eingangs versichern, dass dies eine Ausnahme meinerseits sein wird. Ich kann nämlich durchaus verstehen, dass gerade jenes spezielle Thema, welches hier gleich behandelt wird, vielen Menschen längst zum Halse heraushängt. Mir selbst geht es nicht anders, doch manchmal ist es leider nötig, in den sauren Apfel zu beißen.

Das Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) ist meiner Einschätzung nach ein sehr gutes Museum. Gleichzeitig wird es aber auch immer wieder in negativer Weise auffällig. Ich erinnere etwa an ein wissenschaftlich mehr als nur fragwürdiges Gutachten, das vor einigen Jahren wohl primär zu Propagandazwecken fabriziert wurde. Dieser Tage dann ein weiterer 'Ausrutscher': Ein Leser dieses Blogs wies mich auf folgenden Tweet hin, der von den "Freunden des RGZM" (@RGZM_Freunde) geteilt wurde - einem Account, der laut Auskunft des RGZM vom Förderverein des Museums betrieben wird.


Der Vorgang des unkommentierten 'Retweetens' lässt hier den Eindruck entstehen, dass die "Freunde des RGZM" es begrüßen, wenn Menschen bzw. große Menschengruppen im Museumsbetrieb aufgrund Ihrer Hautfarbe bzw. ethnisch-biologischer Distinktionsmerkmale beruflich diskriminiert werden. Nicht mehr die fachliche Qualifikation soll das Einstellungskriterium schlechthin sein, sondern vielmehr der Melanin-Anteil in der Haut.
Wie nennt man dergleichen? Nun, jeder zumindest halbwegs wache Geist würden sagen, dass es sich dabei klar um einen Aspekt des Rassismus handelt. Nicht zufällig heißt es im Artikel 3 des deutschen Grundgesetzes:

Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.

Es ist schon eine Zumutung, dass das Gutheißen von Rassendiskriminierung von einem massiv mit Staatsknete alimentierten Museum öffentlich verbreitet wird - und sei es 'nur' indirekt über einen subalternen 'Geldbeschaffungsverein' bzw. dessen Twitter-Beauftragten. Wobei sich freilich jedermann genau überlegen sollte, ob er überhaupt ein Museum finanziell unterstützen möchte, in dessen Dunstkreis Gedankengut wie das obige zirkuliert.

Man hat mir übrigens seitens der Pressestelle des RGZM eine Stellungnahme zugesagt. Da allerdings bisher noch keinerlei Reaktion aus dieser Richtung eingelangt ist, gehe ich davon aus, dass man es sich anders überlegt hat. Was mir durchaus bezeichnend erscheinen will. Hingegen war der für das Getwitter Verantwortliche etwas weniger redefaul. Dieser schrieb mir nämlich als Reaktion auf meine auch direkt bei Twitter geäußerte Kritik folgendes:

Neben Infos rund ums RGZM und anderen Beiträgen zu Archäologie und Restaurierung teile ich auf diesem Account viele Beiträge rund um die Rolle und das Selbstverständnis von Museen. Diesen NYT-Artikel zur Diversität und Inklusion halte ich für wertvoll in diesem Diskurs. 

Im Englischen bezeichnet man einen derartigen Versuch, mit blumigen Worten nichts zu sagen als Bullshit. Absurder geht es ja wirklich kaum noch, wenn hier mittels hohlem Geschwurbel der Forderung nach beruflicher Rassendiskriminierung das Prädikat 'wertvoller Diskussionsbeitrag' verliehen werden soll. Aus welcher Ideologie-Klapsmühle mag der Urheber des Textes wohl entsprungen sein?

Unter Ideologen im Wissenschaftlerkittel ist das ja grundsätzlich eine sehr beliebte Masche: Sobald man ertappt worden ist, zieht man sich hurtig auf eine vermeintlich neutrale, deskriptive Position zurück und tut ganz unschuldig so, als sei doch bloß etwas zur Diskussion gestellt worden (mit dem man sich auch gar nicht gemein machen wolle).
Die halten wirklich jeden für intellektuell ähnlich schlicht formatiert wie sie es selber sind. Deshalb glauben sie auch, dass man ihre fadenscheinigen Absichten nicht durchschaut. Und das obwohl doch hinlänglich bekannt ist, dass ähnliches wie im gegenständlichen Fall schon seit Jahren mit Quotenfrauen betrieben wird. Will heißen: Diskriminierung am Jobmarkt - besonders im akademischen Umfeld - aufgrund des Geschlechts. Gleichzeitig stellen sich die dafür verantwortlichen Institutionen und Personen gerne öffentlich als Kämpfer gegen Sexismus dar.

All diese Heucheleien, dieses Messen mit zweierlei Maß und dieser orwellsche Neusprech sind dermaßen ekelerregend, dass man am liebsten den Brechbeutel hervorholen möchte. Gerade die Geisteswissenschaften stellen - ähnlich den politischen Parteien und den Alt-Medien - nach Jahrzehnten der Inzucht eine meinungsmäßig weitestgehend homogenisierte Masse sowie eine charakterliche Negativauslese dar. Schamgefühl kennen die Akteure nicht, wenn es darum geht, den Wissenschaftsbetrieb nach ihrem Gusto umzubauen. Zwingend auf der Strecke bleibt die wissenschaftliche Qualität, nachdem Geschlecht und Hautfarbe im 21. Jahrhundert plötzlich wieder zu Karrierekriterien geworden sind.

Aber von all dem abgesehen wird der hier verantwortliche Twitterant sich die Frage gefallen lassen müssen, wie er dazu kommt, den Account des Fördervereins für seine persönlichen, weltanschaulich motivierten Ausritte zu verwenden. Sind denn alle Mitglieder mit seinem ruf- und geschäftsschädigenden Megastuss einverstanden? Sehr unwahrscheinlich.

Spaßnotiz am Rande: Jene Quelle, von der die "Freunde des RGZM" den rassendiskriminierenden Unfug übernommen haben, leidet allem Anschein nach unter schweren Minderwertigkeitskomplexen - hält die Person es doch für nötig, in ihrem Twitter-Profil gleich an erste Stelle zu erwähnen: "PhD candidate"
Wie hat es ein kluger Mann so schön überspitzt ausgedrückt: Der geisteswissenschaftliche Doktorgrad hat mittlerweile einen ähnlichen Stellenwert wie das Arschgeweih; er ist eine Art 'Deppenstempel' für Personen, die oft genug nichts Vernünftiges gelernt haben und nichts können (dank Bologna-Prozess heute weniger denn je). Wobei mir im Fall eines "PhD candidate" freilich 'antizipierendes Arschgeweih' der passendere Ausdruck zu sein scheint 😀😉.

➨ FORTSETZUNG!

—————–

Weitere interessante Themen: