Samstag, 31. Oktober 2026

🗞️ Was in der alten Zeitung steht: Bessere B(r)üste mit "Pilules Orientales" (1913) -- Schmuddelwitz aus der K&K-Monarchie (1913)

Ex oriente sinus: Besser B(r)üste mit "Pilules Orientales"?!

In einem der unterhaltsamen Uhtred-Romane von Bernard Cornwell habe ich vor Jahren folgende Formulierung gelesen, mit der das körperliche Detail einer bösen, aber äußerst attraktiven Wikingerin beschrieben wurde: "Feste, hohe Brüste". 
Nur drei Worte, doch jeder Kerl kann sich darunter etwas vorstellen. Entspricht es doch den männlichen Idealvorstellungen. Frauen wissen das natürlich auch und versuchen daher, diesem Ideal nachzueifern -  sofern sie die Natur nicht begünstigt hat. Eine beliebte Möglichkeit sind hier BHs, die formgebend wirken (man könnte diese Dinger durchaus als "Mogelpackungen" bezeichnen). Eine drastischere Option ist der chirurgische Eingriff (der freilich oft genug zu zweifelhaften Resultaten führt). Doch es gibt einen dritten Weg; zumindest wenn man dieser Anzeige glauben darf, die in der "Illustrierten Kronen-Zeitung" im Jahr 1913 erschien: "Pilules Orientales" - die orientalischen Pillen (doch gleich vorweg, entwickelt wurden sie nicht im Orient, sondern von einem Franzosen).


Um die Büste zu entwickeln, kommt nichts den "Pilules Orientales" gleich.

Eine schöne, feste, gut entwickelte Büste ist jederzeit der Wunsch einer eleganten Dame, weil sie zur Vervollständigung ihrer Schönheit unbedingt erforderlich ist.
    Es ist daher angebracht, jene, deren Büste nicht genügend entwickelt oder deren Busen nicht die gewollte Festigkeit besitzt daran zu erinnern, daß nur die "Pilules Orientales" in der Lage sind, ihnen eine ideale Büste zu entwickeln, die eine elegante Harmonie mit der Schlankheit ihrer Teille hervorruft.
    Viele andere Mittel und Behandlungen sind für den gleichen Zweck als gut geheißen worden, aber bis heute haben sie sich alle als unwirksam erwiesen und haben nach und nach den "Pilules Orientales" weichen müssen, welche heute in der ganzen Welt bekannt und geschätzt werden. Diese gemachten Erfahrungen scheinen jedoch gewisse Nachahmer nicht zu rühren, welche von Zeit zu Zeit mit großer Reklame inserieren, daß ihre gemachte Entdeckung wunderbar sei und Wunder vollbringe. Leider verwirklichen sich diese Versprechungen nicht und eine Anzahl von Leserinnen, welche diesen nachdrucksvollen, verführerischen Anoncen Glauben schenken, sind trotz der großen Auslagen enttäuscht. Diese Leserinnen hätten besser getan, bevor sie etwas anfangen, mit den "Pilules Orientales" zu beginnen, wodurch sie sich vieler Enttäuschungen entzogen hätten.
    Die Zahl der Damen jeden Alters, welche ihnen schöne Körperformen verdanken, mehrt sich täglich. Sie drücken uns ihre Anerkennung durch Dankschreiben aus, welche wir mit Rücksicht auf unser Berufsgeheimnis nicht vollständig veröffentlichen können. Trotzdem sind das aber nicht weniger herzliche und edle Beweise für die unvergleichliche Wirkung der "Pilules Orientales".
    Folgendes schreibt z.B. . Mme. de D...:
"Ich bin mit der Wirkung der Pilules Orientales außerordentlich zufrieden. Halten Sie sich überzeugt, daß ich Ihnen meine Dankbarkeit zeigen werde, indem ich Ihre Pillen nach Verdienst weiter empfehle. 
Mme. de D. ., rue Bayon, Paris."
    Und diese weitere:
                              "Mein  Herr!
   Die Pilules Orientales haben mir trefflich geholfen, und ich sehe mit Vergnügen, wie sich die Gruben an meinem Hals allmählich füllen. Ich zweifle jetzt nicht mehr daran, dass ich wieder eine schöne Büste bekomme, die ich vor mehreren Jahren verloren habe.
                                Louise M. ..., rue Franklin, Bassy."
    Die "Pilules Orientales" helfen den jungen Damen vortrefflich, ebenso Damen, deren Büste ungenügend entwickelt ist oder durch Anstrengungen und Krankheit gelitten hat.
    Sie können sogar von Personen mit zarter Gesundheit und Temperament genommen werden, wie dies aus den beiden folgenden Schreiben hervorgeht: 
                                "Mein Herr!
    Ich bin mit Ihren Pilules Orientales sehr zufrieden, die mir nicht nur zu einer stärkeren Büste, sondern auch zu besserer Gesundheit verholfen haben. Mit jetzt zwanzig Jahren war ich seit meiner frühesten Jugend blutarm. Diese Blutarmut hat sich erst verloren, seit ich Ihre Pillen nehme.     Mlle. G..., place St.-Pierre, Tonnains."
                                "Mein Herr!
    Meine Freundin, der ich die "Pilules Orientales" empfahl, ist sehr damit zufrieden. Sie hatte auch Magen leiden, welche jetzt verschwunden sind.
                                    L.B..., rue Courabe, Granville."
    Die "Pilules Orientales" schaden also der Gesundheit und dem Magen in keinem Falle. Übrigens enthalten sie nur harmlose und wohltuende Bestandteile, keine gefährlichen Drogen, wie Arsenit oder andere. Sie haben in den dreißig Jahren, die sie von Damen jeden Alters und in allen Ländern genommen werden, niemals zu einem Tadel Anlaß gegeben.
    Sogar die Ärzte haben ihre guten Eigenschaften erkannt und verordnen sie ihren Patienten, wie aus dem folgenden Brief hervorgeht:
                                    ,,Mein Herr!
    Ich verschreibe meinen Patienten immer noch Ihr ausgezeichnetes Präparat, Pilules Orientales, und freue mich, Ihnen mitteilen zu können, daß ich ihm viele Erfolge verdanke.
                                       Docteur G... in R... (Loire Inferieure)." 
    Die Wirkung des Präparates zeigt sich sofort und ist in den meisten Fällen in zwei Monaten abgeschlossen, oft sogar schon in mehreren Wochen, wie die beiden folgenden Briefe bezeugen:
                                        "Mein Herr!
Ich nehme ihre Pillen jetzt seit 14 Tagen und merke bereits jetzt eine tatsächliche überraschende Wirkung.
                                        Mme. L.H...,
                                    rue Condert, Marseille."
                                        „Mein Herr!
Ich beeile mich, Ihnen zu Ihren Pilules Orientales Glück zu wünschen, die man füglich Wunderpillen nennen könnte.
Ein einziger Flakon hat genügt, um 2 Salzfäßchen, die ich zu beiden Seiten des Halses hatte, verschwinden zu lassen. Meine früher schlaffe Büste ist schön und fest geworden. Ich bin entzückt über Ihre Pillen. 
Mlle. A.L..., Vevey (Schweiz)." 
    Wir wollen hier die Rezitationen beenden, welche die Wirkung der "Pilules Orientales" dartun, und welche nicht zulassen, daß man sie mit irgend einer mehr oder weniger phantastischen Nachahmung verwechselt, wie solche fortwährend auf den Markt gebracht werden.
    Deshalb mögen die Damen, welche die Schönheit ihrer Büste heben wollen oder deren Busen es an Entwicklung und Festigkeit fehlt, nicht zögern, ihre Zuflucht in den Pilules Orientales zu nehmen. In wenigen Wochen werden sie ihren innigsten Wunsch erfüllt sehen und brauchen bezüglich ihres Äußeren nicht vor den vom Glück begünstigten Freundinnen zurückstehen. Sie werden erstaunt und entzückt sein über die mit ihnen vorgegangene Veränderung.
    Der Preis einer Flasche "Pilules Orientales" mit Gebrauchsanweisung ist K 6.45 bei Einsendung des Betrages per Postanweisung oder K 6.75 bei Sendung unter Nachnahme.
    J. Ratié, Apotheker, 5, Passage Verdeau, Paris.
  Depots: Budapest: J. b. Török, Apotheker, Kirakyutcza 12: Wien: Bertrieb franz. kosmet. Artikel, Wien, XII., Teichackergasse 5.

Im Englischen gibt es den Begriff "snake oil", der u.a. für Betrugsmaschen mit unseriösen Produkten und Dienstleistungen verwendet wird (siehe auch "snake oil salesman"). Der Wortursprung geht auf wirkungslose Pseudomedikamente bzw. Wundermittelchen zurück, die das Versprochene nicht halten können.
Und offen gestanden halte ich diese "orientalischen Pillen" für genau das. Doch andererseits gab es sie von den 1880er- bis möglicherweise in die 1980er-Jahre auf dem internationalen Markt (gesicherte Originalquellen konnte ich bis in die 1930er-Jahre finden). Auch wenn man die Echtheit der Erfahrungsberichte von Kunden anzweifeln mag, kann ein Produkt, das niemals die versprochene Wirkung zeigt, so eine lange Marktpräsenz erreichen?
Und falls die Pillen doch funktioniert haben - und sei es nur in einem Teil der Anwendungsfälle - wie war das möglich? Enthielten sie vielleicht östrogenähnliche Stoffe (Phytoöstrogene), die das Brustwachstum anregten? Das war zumindest mein erster Gedanke. Der von mir befragte Chatbot orakelte freilich, die Wirkung auf das Busenwachstum könne ebenso durch Wassereinlagerungen oder eine Gewichtszunahme erfolgt sein - direkt oder indirekt ausgelöst von diesem Mittelchen. Die Recherche ergab allerdings zu all dem nichts wirklich Greifbares. Weder konnte ich ein Patent noch eine Angabe der Inhaltsstoffe für die "Pilules Orientales" finden. 
Es bleibt hier deshalb vor allem die Erkenntnis, dass Frauen auch schon lange vor den in Fernsehen und Internet transportierten Schönheitsidealen nach perfekten Möpsen strebten. 😀

Und zum Abschluss noch ein geschmackvolles Lied, das dieses Hochdenker-Thema in hervorragender Weise abrundet.

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Schmuddelwitz aus der K&K-Monarchie

Auch zu Zeiten von Kaiser Franz-Josef gabs schon Schmuddel- bzw. 'Herrenwitze'. Den folgenden fand ich im Witzblatt "Die Bombe". Heutige Feministinnen dürfte das zum Schäumen bringen 😉😝.

Erfahrungen

- Die Knaben können, wie ich höre, schon mit siebzehn Jahren zu den Soldaten kommen.
- Die Mädchen, höre ich, noch früher.

Wer sich nun fragt, was dieses Witzchen im Erscheinungsjahr 1913 konkret hätte bedeuten können: Laut meiner Recherche war das sogenannte Schutzalter bereits im 19. Jahrhundert auf 14 Jahre festgelegt worden - das hat sich bis heute nicht geändert (von kleinen Ausnahmeregelungen abgesehen). Der österreichische Gesetzgeber bewies damit schon früh Realitätssinn - könnte man meinen. Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass die Pubertät bzw. der körperliche Reifeprozess damals wesentlich später einsetzte als in unserer Gegenwart - hauptsächlich wegen der Ernährung, aber auch aufgrund von Hygieneunterschieden und modernen Umweltgiften wie dem berüchtigten BPA (es gilt u.a. als potentieller Pubertätstreiber bei Mädchen). Man spricht hier von einer Entwicklungsdifferenz - die abhängig vom betrachteten Einzelaspekt - ca. zwei bis vier Jahre betragen konnte! 

Das bedeutet: In unserer Gegenwart ist eine 14jährige optisch mehr oder weniger eine junge Frau, dazumal befand sie sich noch eher auf dem Niveau einer heutigen 12jährigen (die Menstruation setzte sogar oft erst mit 16 oder noch später ein, gegenwärtig eher mit 12). 
Zwar gilt man streng medizinisch auch mit 12 nicht mehr als Kind, sondern bereits als Jugendlicher, aber wir räumen Menschen in diesem Alter trotzdem nicht den nötigen Verstand ein, die eigene Sexualität bereits völlig frei auszuleben (hingegen an sich selbst herummanipulieren darf man in dem Alter natürlich schon; und es wird in der Praxis ausgiebig getan - jeder Erwachsene kann sich entsprechend daran zurückerinnern, sofern er nicht an gewaltigen Erinnerungslücken leidet, ähnlich den Auskunftspersonen in parlamentarischen Untersuchungsausschüssen...). 

Doch apropos "nötiger Verstand": Das Grundlagenwissen rund um das Thema "Sex" dürfte damals bei Heranwachsenden grundsätzlich geringer ausgeprägt gewesen sein als heute; könnte man zumindest vermuten, besonders weil es noch kein Internet mit dem einschlägigen "Unterhaltungsmaterial" gab und auch keinen Aufklärungsunterricht im Fach Biologie. Aber stimmt diese Grundannahme vollumfänglich? Denn zu bedenken ist, dass in dieser Zeit noch ein erheblicher Teil der Menschen auf dem Land wohnte und quasi tagtäglich den unterschiedlichen Nutztieren beim Geschlechtsverkehr zusehen konnte. Hier die entsprechenden Erkenntnisse auf die menschliche Sexualität zu übertragen, setzte keinen hohen IQ voraus. Hier übernahm sozusagen die Natur die 'Aufklärung'.

Das Schutzalter von 14 Jahren war zur damaligen Zeit also vielleicht noch etwas grenzwertig. Wobei wir nicht unbedingt wissen, wie sich das Thema in der Praxis gestaltet hat. Sex vor der Ehe war dazumal ja nicht gerade ein sozial akzeptables Verhalten - vor allem nicht bei Frauen. Das berühmte "erste Mal" könnte daher üblicherweise erst deutlich nach dem 14 Lebensjahr stattgefunden haben. Wobei zeitlich auch nicht zu weit danach, den gerade Frauen haben relativ jung geheiratet (spätes Teenager-Alter), während der Mann tendenziell zumindest einige Jahre älter war, da man von ihm erwartete, dass er bereits genügend verdient, um seine Familie versorgen zu können.




Dienstag, 27. Oktober 2026

📽️ Videos: Harm Paulsen gründet experimentelle Archäologie -- Spannende Ausgrabungen zur Pfalz Otto des Großen in Helfta -- Social-Media-Geplänkel mit dem Blogger -- Aqueduct of Jerusalem uncovered -- usw.


➽ Zeitreise: Harm Paulsen gründet experimentelle Archäologie | Spieldauer 5 Minuten | NDR | Stream & Info

➽ Spannende Ausgrabungen zur Pfalz Otto des Großen in Helfta | Spieldauer 2 Minuten | MDR | Stream & Info

➽ Markus - Ritter aus Leidenschaft | Spieldauer 24 Minuten | RBB | Stream & Info 
"Mittelalter"... Der Bub ist erst 13, deshalb erspare ich mir hier einen beißenden Kommentar. Ohnehin wäre hier primär der RBB zu kritisieren, der lieber über so etwas eine Reportage bringt, anstatt über Living History.

➽ A Long Section of Jerusalem's 2,000-Year-Old Lower Aqueduct of Jerusalem Uncovered | Spieldauer 2 Minuten | Israel Antiquities Authority | Stream & Info
Apropos Israel - neulich auf einer Social-Media-Plattform: Ein ehemaliger österreichischer 'Mittelaltermarkt-Reporter' und nunmehriger 'Alternativmedien'-Journo mit 'Klobrillenbärtchen' wurde grantig, weil ich ihm aufgrund einschlägiger Erfahrungen attestiert habe, dass er unprofessionell auf sachliche Kritik reagiert und mit doppelten Maßstäben misst (er blockiert gerne Kritiker, während er sich öffentlich als großer Fan der Redefreiheit geriert). Daraufhin entwickelte sich eine dieser typischen Social-Media-Plänkeleien, in deren Rahmen man sich gegenseitig 'Freundlichkeiten' ausrichtete. Wobei dieser Herr - was seit vielen Jahren typisch für ihn ist - weit unter die Gürtellinie schlug: Da er argumentativ nichts von Substanz zu bieten hatte, und seine rhetorischen Fähigkeiten eher reduziert sind, durchschnüffelte er hastig mein Blog nach Material, das er im Schlagabtausch gegen mich verwenden konnte. 'Fündig' wurde er schließlich in einem meiner "Hörbares"-Beiträge, in dem u.a. auf eine Sendung des Deutschlandfunks verlinkt ist; Thema ist die mutmaßliche Instrumentalisierung der Archäologie durch den Staat Israel. Herr Schlauberger meinte, die verantwortliche Redaktion wäre "linksextrem" und "antisemitisch"; und er insinuierte, ich, der böse Hiltibold, würde mich mit denen gemein machen, wenn ich da nichts kontextualisiere oder mich aktiv distanziere. Einen Schmarrn muss ich das bei solchen Linksammlungen machen. Ich betreibe hier kein betreutes Bloggen. Dementsprechend - und weil ich nicht unendlich viel Zeit habe - kommentiere ich sicher nicht jeden der hunderten Medienlinks, die ich poste. Ich höre und schaue mir die Inhalte deshalb auch bei weitem nicht alle an; zentrales Kriterium fürs Verlinken ist, dass anhand der Quelle meinerseits mit gutem Glauben von einer inhaltlichen Rechtskonformität ausgegangen werden kann (ich verlinke - siehe dieses Video oben - ja auch immer wieder auf offizielle Quellen des Staates Israel, ohne meinen Senf zum Inhalt dazuzugeben!). Davon abgesehen pflege ich natürlich eine allgemein kritische Distanz zu sämtlichen Religionen und ihren allzu begeisterten Anhängern; Juden inklusive, da gibt es von mir keinen immerwährenden Bonus wegen den NS-Schweinereien vor rund 80 Jahren. 
Die große Ironie an der ganzen Angelegenheit ist freilich, dass ausgerechnet dieses Rumpelstilzchen, das mir hier sinistre Dinge (im doppelten Wortsinn!) unterjubeln möchte und auf Basis seiner persönlichen Einschätzung einer öffentlich-rechtlichen Redaktion eine Distanzierung einfordert, unzählige Male im Netz mit Rechtsextremismus in Verbindung gebracht wird; sogar im Rechtsextremismusbericht, der auf der Homepage des österreichischen Parlaments abrufbar ist. Nun halte ich persönlich dieses Individuum nicht für rechtsextrem (weil politischer Extremismus aktive Gewalt oder das Befürworten von Gewalt voraussetzt - und das trifft, meines Wissens, auf diesen Mann nicht zu; im besagten Rechtsextremismusbericht wurden diese politikwissenschaftlich seit langer Zeit etablierten Maßstäbe negiert bzw. einer 'zweckdienlichen' Neudefinition unterzogen). Umso erstaunlicher ist es, wenn nun ausgerechnet das Ziel dieser pseudowissenschaftlichen Unflat ähnlich hinterfotzige Totschlagargumente bei mir zur Anwendung bringen möchte. Und er macht das - wohl aufgrund charakterlicher Unzulänglichkeiten - bereits seit vielen Jahren so: Eine seiner letzten 'Großtaten' als aktiver Mittelalterblogger war es schon vor über einem Jahrzehnt, einer Frühmittelaltergruppe, mit der er sich öffentlich verkracht hatte, aus wohl eher niederen Rachemotiven zu unterstellen, ihre Schildbemalungen seien irgendwie verdächtig bzw. 'Nazi'. Festgemacht hat er das - soweit ich mich erinnern kann - u.a. an der Verwendung von Triskelen. Solche weitreichenden Schlüsse sind natürlich völliger Nonsens und geschichtswissenschaftlich nicht haltbar. Aber mit genügend Boshaftigkeit und intellektueller Unehrlichkeit lässt sich etwas draus zusammenschustern. Wie eben auch in meinem Fall. Wobei er sein kräuterfrauhaftes Unwissen hier besonders schön offenbart hat. Indem er nämlich behauptete, Juden würden auf dem Gebiet des heutigen Israels seit rund "5000" Jahren leben. Ich musste fast lachen, als ich das las. Denn in der Realität identifiziert die seriöse Geschichtsforschung - auch die israelische - ein  jüdisches 'Volk' zeitlich allerfrühestens in der lokalen Übergangsphase von der Bronze- zur Eisenzeit; will heißen, aus heutiger Perspektive gibt es so etwas wie Juden maximal seit 3200 Jahren, nicht seit 5000. Übrigens: Ein sehr erhellendes Archäologie- und Ikonographie-Buch zu diesem Thema habe ich vor einigen Jahren hier im Blog besprochen. 
Zurück zum Ursprung und meinem Fazit: Alternativmedien-Journalisten mögen hinsichtlich ihrer Meinungen, ihrer Themenauswahl und ihren Einordnungen eine Alternative zu den Altmedien darstellen. In charakterlicher und professioneller Hinsicht sind sie es aber nicht; denn der hier besprochene Stusstexter ist meiner langjährigen Beobachtung nach keine Ausnahmen, sondern leider die Regel. Journalisten der verschiedensten weltanschaulichen Färbungen haben zu allen möglichen Themen eine öffentlich mit Inbrunst rausposaunte Meinung, aber von fast nichts eine fundierte Ahnung. Eine äußerst unglückliche Kombination.
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➽ Pompeji: Apokalypse und antike Lust | Spieldauer 44 Minuten | arte | Stream & Info 

➽ Der Drachenritter: Einer Legende auf der Spur | Spieldauer 90 Minuten | arte | Stream & Info

➽ Interview mit dem Experimentalarchäologen Dominique Görlitz: Stehen wir kurz vor einem archäologischen Wissensdurchbruch? | Spieldauer 32 Minuten | Youtube | Stream & Info


Samstag, 24. Oktober 2026

🎧 Hörbares: Bolesław I. wird im Jahr 1000 erster König von Polen -- Erleben wir 2028 das Comeback der Mammuts? -- "Barbaren" überqueren den Rhein -- Spuren des Landjudentums in Südthüringen -- Dschingis-Khan -- usw.


➽ Bolesław I. wird erster König von Polen | Spieldauer 44 Minuten | DF | Stream & Info 

➽ Nationalheiliger und brutaler Eroberer – Dschingis-Khan-Ausstellung in Berlin | Spieldauer 8 Minuten | DF | Stream & Info 

➽ Prometheus – Mythos der Menschheit | Spieldauer 55 Minuten | DF | Stream & Info 

➽ Weströmisches Reich in Gefahr: "Barbaren" überqueren den Rhein | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

➽ Ihr Tod macht sie praktisch unsterblich: Schutzpatronin Barbara | Spieldauer 15 Minuten | WDR  | Direkter Download

➽ Wie Heinrich Schliemann Troja ausgegraben hat | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

➽ Wurden vor 30.000 Jahren in Sachsen-Anhalt Mammuts gejagt? | Spieldauer 17 Minuten | WDR | Direkter Download

➽ Erleben wir 2028 das Comeback der Mammuts? | Spieldauer 11 Minuten | WDR | Stream & Info 

➽ Spuren des Landjudentums in Südthüringen | Spieldauer 17 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download


Donnerstag, 22. Oktober 2026

🔥 Die Mittelalter-Baustelle Campus Galli - benannt nach einem gewalttätigen Religionsfanatiker


Wir leben in Zeiten, in denen es politisch sehr korrekt zugeht. Das gilt besonders für jene, die in der Öffentlichkeit stehen - sei es als Privatperson oder als Organisation/Unternehmen. Auch Freilichtmuseen zählen zu dieser Kategorie. Nun habe ich kürzlich in Karlheinz Deschners bekanntem Werk "Kriminalgeschichte des Christentums" etwas über den Namensgeber der von mir wenig geschätzten Mittelalter- bzw. Klosterbaustelle Campus Galli gelesen - den heiligen Gallus, der im merowingischen Frühmittelalter als sogenannter Missionar und Klostergründer u. a. die süddeutschen Lande 'beglückt' hatte.
Zwar war mir seine Biographie im Kern schon bekannt, aber Deschners direkter (polemischer) Schreibstil hat mich dann mehrmals schmunzeln lassen und in mir die Erkenntnis hervorgerufen, dass die heutigen Möchtegern-Klosterbauer in Meßkirch ihr Projekt eigentlich politisch höchst unkorrekt nach einem äußerst intoleranten Spinner benannt haben, den man heute für seine Taten kaum heiligsprechen, sondern eher in die geschlossene Anstalt oder gleich in den Häfn (Knast) stecken würde. Nachdem Deschner sich zuerst am heiligen Columban abgearbeitet hat, schreibt er:

Einer seiner Schüler, der hl. Gallus, assistierte ihm und brannte, aus Burgund vertrieben, am Zürichsee und Bodensee Tempel nieder, heilige Haine, kurz, er machte Jagd auf Götzenbilder, um dem «in Schmutz versunkenen» Heidengeschlecht durch Jesus Christus «den Weg zum Himmelreich» zu erschließen. 
Seinerseits hatte er sich noch kräftig und für immer - Heilige unter sich - mit Kolumban zerstritten und von ihm getrennt. Und lange nachdem sein Grab wiederholt geschändet worden und manch Mirakulöses dort geschehen war, stieg der Tempelschänder zum «Volksheiligen» auf, auch zum Patron von St. Gallen, auch der Fieberkranken, auch zum Schutzheiligen der Gänse und Hühner.

Was für tolles Vorbild dieser Wüterich doch war... Wer jetzt einwendet, man dürfe Personen der weiter zurückliegenden Vergangenheit halt nicht nach heutigen Maßstäben beurteilen, dem sei gesagt: Jain. 
Natürlich muss immer der zeitliche Kontext beachtet werden. Aber nicht nur der damalige, sondern auch der heutige. Ein Individuum, dessen Wertvorstellungen in vielerlei Hinsicht nicht in die Gegenwart passen, und der als Zerstörer von unzähligen Kulturgütern in die Geschichte einging, taugt schlecht als Namensgeber für ein modernes Freilichtmuseum. 
Wie kann es sein, dass einerseits das Umbenennen von alten Straßen und Plätzen ok ist, obwohl die ihre Bezeichnungen tatsächlich in Zeiten mit anderen Wertvorstellungen erhielten, während gleichzeitig bei etwas ganz Neuem ein solcher Rückgriff (Klogriff) auf jemanden wie den gewalttätigen Fanatiker Gallus als akzeptabel durchgeht?  
Freilich, der Campus Galli ist diesbezüglich kein Solitär. Man denke nur an den ebenfalls im Frühmittelalter beheimateten "Sachsenschlächter" Karl den Großen, nach dem man den "Karlspreis" benannt hat. Wobei, wenn ich es mir genauer überlege, dieses Beispiel vielleicht nicht das allerbeste ist. Denn der nach dem Despoten Karl benannte Preis geht ja häufig an Pseudodemokraten und sonst wie charakterlich fragwürdige Individuen. Von daher passt das hier sogar auf verquerte Weise...

Ich möchte meine Kritik übrigens nicht als Aufforderung nach einer Umbenennung des Campus Galli verstanden wissen. Von mir aus können die als Namenspatron für ihr prekäres Projekt auch auf des Teufels Großmutter zurückgreifen (davon abgesehen dürften hier die meisten Leute sowieso eher an die beiden Gallier Asterix und Obelix denken 😆). Was mir auf den Zeiger geht und was dieses Beispiel klar verdeutlicht, sind deshalb primär die massiven doppelten Moral-Maßstäbe des polit-medialen Komplexes und der staatlichen Institutionen. 

Hinweis: Bevor mir jemand ebenfalls mit dem Vorwurf "doppelte Maßstäbe" kommt, hier mein selbstausgestellter Persilschein: Der Blogname ist keinesfalls eine Hommage an den Gallus-Schüler Hiltibold - auch wenn mir der Name im Zusammenhang mit Gallus das erste Mal untergekommen ist. Ich fand ihn einfach lustig, deshalb habe ich ihn gewählt (ich freue mich außerdem jedes Mal, wenn sich jemand davon getriggert fühlt und daran abarbeitet - wie kürzlich der unfreiwillig zölibatär lebende "Informatiker"). Der althochdeutsche Vorname Hiltibold (= "mutiger Kämpfer" - siehe auch das englische Wort "bold"), kommt übrigens in mittelalterlichen Quellen - z.T. leicht unterschiedlich geschrieben - ebenso im Zusammenhang mit ganz anderen Personen vor. Notiz am Rande: Als ich das Blog vor gut 14 Jahren startete, habe ich neben "Hiltibold" noch ein anderer mittelalterlichen Vornamen dafür in Erwägung gezogen: "Hugibert" 😄.




Montag, 19. Oktober 2026

📽️ Videos: Das Glockenbechergrab aus Halberstadt -- Römische Stadt in Niederösterreich entdeckt -- Feministischer Gladiatorinnen-Nonsens -- Wenn Archäologen ihre Funde missdeuten -- usw.


➽ Das Glockenbechergrab aus Halberstadt  | Spieldauer 6 Minuten | Landesmuseum für Vorgeschichte Halle | Stream & Info 



➽ Ancient Fast Food Empire: How Romans Ate on the Go | Spieldauer 11 Minuten | Ancient Rome Live | Stream & Info 



➽ Niederösterreich: Antike römische Stadt entdeckt | Spieldauer 3 Minuten | ORF | Stream & Info
Diese ORF-Moderatorin gibts - wie viele Kollegen - gefühlt auch schon seit der Antike. Immer die gleichen Gesichter im ORF - teilweise seit meiner Kindheit (der Volksmund redet mitunter von "Gfrießern" - eine uncharmante Formulierung, die ich mir natürlich niemals nie zu eigen machen würde). Möglicherweise sind diese Leute noch mit fetten Verträgen ausgestattet, die dem Beamtendienstrecht ähneln (ich kannte mal einen langjährigen ORF-'Oberkameramann', der war nahezu unkündbar und bezog ein Gehalt wie der Leiter eines mittelständischen Industriebetriebs). Aber Hauptsache man betreibt dann im Beitrag wieder die übliche 'geschlechtergerechte' Sprachpanscherei. Jedoch nicht konsequent. Zuerst heißt es "die Forschenden", später "die Archäologen". Unnötiges Bananenmedium.
 
➽ Kindermuseum: Kleine Forscher auf den Spuren der Geschichte | Spieldauer 2 Minuten | ARD | Stream & Info 
An sich ist das gute museumspädagogische Arbeit. Aber wieder einmal ist eine "Gladiatorin" Teil der 'performativen Geschichtsdarstellung' (wie man auf Schlaudeutsch sagen würde). Obwohl es aus der Antike dafür so gut wie keine Belege gibt. Wenn überhaupt, dann handelt es sich dabei um eine ganz seltene Ausnahme; dieser Schluss ist aufgrund der Quellenlage zwingend. Indem man jedoch neuerdings bei solchen Veranstaltungen nahezu regelmäßig Gladiatorinnen einbaut, verzerrt man die Proportionen der historischen Realität komplett. Und das perfide dabei ist, dass das Publikum fast nie explizit darauf aufmerksam gemacht werden dürfte (meine persönlichen Erfahrungen und Berichte Dritter lassen mich das annehmen). Auch der Militärhistoriker Marcus Junkelmann hat sich im Interview mit mir über diese (ideologisch/feministisch intendierte) Volksverblödung geärgert.

➽ Wenn Archäologen ihre Funde missdeuten | Spieldauer 3 Minuten | MDR | Stream & Info 
Zitat: "Auf dem Archäologentag in Halle lag der Fokus auf gefälschten Geschichten, die aus archäologischen Funden abgeleitet wurden. Denn auch in Deutschland wurde die Wissenschaft genutzt, um politische Narrative zu begründen." Köstlich, dass sie hier die Vergangenheitsform nutzen! Als ob Weltanschauung und Zeitgeist heute keinen Einfluss bei der Interpretation von Funden in der arrivierten Archäologie mehr haben. Es ist für jeden, der diesen Betrieb gut genug kennt, völlig lächerlich und durchschaubar, was die hier für eine Selbstbeweihräucherung betreiben (man denke beispielsweise nur an die sogenannte 'feministische Archäologie', die pure Ideologie ist und in allen möglichen Zeiten der Menschheitsgeschichte krampfhaft irgendwelche matriarchalen Spuren finden möchte, am liebsten ein weibliches Kriegertum - wenn also Frauen in der angeblich so "toxischen Männlichkeit" schwelgten ^^). Klassische 'Haltet den Dieb'-Rhetorik, bei dieser schwindligen Veranstaltung - mit dem Subtext: 'Es gibt bei uns nichts zu sehen, bitte gehen Sie weiter'. 

➽ Welterbe Danewerk: Archäologischer Park eröffnet | Spieldauer 1 Minuten | NDR | Stream & Info 
Wieder einmal diese Unsitte, rostende Stahlelemente in Freilichtmuseen zu verwenden. Eine Ode an die Hässlichkeit.

➽ Neuwerker Turm: Archäologische Grabungen sind abgeschlossen | Spieldauer 3 Minuten | NDR | Stream & Info 

➽ Schattenburg: Einblicke in mittelalterliches Leben | Spieldauer 2 Minuten | ORF | Stream & Info 

➽ Die vergessene Seemacht - jetzt sollen Beweise folgen | Spieldauer 12 Minuten | Abora TV | Stream & Info 



➽ Hohenecks unterirdisches Rätsel - eine Kamera soll nun Klarheit bringen | Spieldauer 12 Minuten | Abora TV | Stream & Info 



Sonntag, 18. Oktober 2026

🎧 Hörbares: Die schmutzige Seite der Antike -- 15-Jährige als letzte Hexe Bayerns hingerichtet -- Kaiser Otto I. und das Heilige Römische Reich -- Störtebeker und Co -- usw.


➽ Buchkritik – „Dirty Rome. Die schmutzige Seite der Antike“ von Michael Sommer | Spieldauer 6 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download
Wer denkt da nicht sofort an die Serie "Rome" zurück?! Etliches haben die Macher aus historischer Sicht nicht richtig gemacht - so bekomme ich bei vielen der Kostüme selbst heute noch eine Gänsehaut (etwa diese Unsitte, die Nähte mitunter extrem grob und außen liegend auszuführen oder Säume nicht zu vernähen). Aber der Dreck, der Rom überzog, wirkte authentisch!

➽ Als eine 15-Jährige als letzte Hexe Bayerns hingerichtet wurde | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info 

➽ Der Thinktank von Ludwig dem Bayern - Philosophen gegen den Papst | Spieldauer 24 Minuten | BR | Stream & Info

➽ 962 – Kaiser Otto I. und das Heilige Römische Reich | Spieldauer 52 Minuten | DF | Stream & Info 

➽ Die Kogi in Kolumbien -  letztes Relikt der alten südamerikanischen Hochkulturen | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info 

➽ Simon Marius - Der fränkische Galilei | Spieldauer 24 Minuten | BR | Stream & Info 

➽ Reformator Philipp Melanchthon – Sprachen als Schlüssel zur Welt | Spieldauer 24 Minuten | BR | Stream & Info 

➽ Störtebeker und Co - Eine wahre Piraten-Geschichte? | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info

➽ John Flamsteed - Der königliche Astronom, der in Greenwich wirkte | Spieldauer 3 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

➽ Audimax: Gerd Ganteför – Die Probleme der Urknalltheorie | Spieldauer 56 Minuten | Kontrafunk | Stream & Info | Direkter Download


Dienstag, 13. Oktober 2026

🔥 Das P.M. Magazin ist jetzt dort, wo es hingehört - im Warteraum zur Hölle 😈

P.M. ("Peter Moosleitners interessantes Magazin") ist mir zum ersten Mal in den 1990ern untergekommen. Mein Onkel hat die Hefte dieser Zeitschrift regelmäßig gekauft und ich habe mir bei passender Gelegenheit immer wieder eines davon geschnappt und gelesen. Mein Interesse an Geschichte war ja auch schon im Teenager-Alter vorhanden, entsprechend haben die Heft-Cover mit großformatigen Abbildungen von den Altertümern Ägyptens, Lateinamerikas usw. natürlich mein Interesse geweckt. Aber auch die technisch-naturwissenschaftlichen Artikeln gefielen mir.
Irgendwann, so um das Jahr 2000 herum, habe ich P.M. allerdings wieder aus den Augen verloren. Vor ein paar Jahren meinte dann ein Freund, er würde eigentlich gerne wieder einmal ein gutes gedrucktes Wissensmagazin lesen, aber er wusste nicht so recht, was für ihn geeignet ist. Da ich die P.M.-Hefte aus meiner Jugend noch in positiver Erinnerung hatte, empfahl ich ihm diese. Doch ich hatte ja keine Ahnung... (wie mir sein Feedback klarmachte).

Ab Mitte der 2000er war es mit der Auflage von P.M. zusehends nach unten gegangen. Ein Effekt, der praktisch alle Print-Produkte betraf und bis heute betrifft. Das Internet ist einfach eine praktischere Informationsquelle, die noch dazu für den Nutzer weitestgehend 'kostenneutral' ist.
Die 'Genies' des Verlags "Gruner + Jahr" - wo P.M. lange erschien - waren freilich der Meinung, man könne das Ruder herumreißen, indem man den Inhalt auf progressiv umbügelt. Konkret bedeutete das beispielsweise: Sprachliches Gendern und das Erörtern von sogenannten Geschlechter-Identitäten - also Soziogeschwafel statt harter Wissenschaft; hinzu kamen Klimakatastrophismus, Rassismus- und Postkolonial...irgendwas-Gesabbel. Das Thema UFO/UAP, das bis dahin immer wieder in den Heften vorkam, hat man damals auf den Index gesetzt. Offenbar weil es von den Magazin-Machern nun per se als viiiiel zu unseriös wahrgenommen wurde (derweil hat man in Deutschland zu diesem Themenkomplex sogar einen eigenen Hochschul-Lehrstuhl eingerichtet...). 

2018 äußerte sich zum inhaltlichen Umbau in einem Interview der damals neue Chefredakteur Jens Schröder - der auch der Redaktion von National Geographic vorstand (mittlerweile ist auch das ein Ideologie-Schrott-Blatt mit jupitergroßem Bias): 

Herr Schröder, auch das PM-Magazin hat im 1. Quartal 2018 gegenüber dem Vorjahreszeitraum bei der Auflage Federn gelassen. Sie sank um knapp 7 Prozent. Haben Sie hier auch einige Veränderungen im Visier?

Schröder: Nein, wir haben ja vor nicht allzu langer Zeit einen Relaunch vorgenommen und brauchen das Heft jetzt nicht erneut umzubauen. Wir bekommen viel positives Feedback, auch von Lesern, die mit P.M. aufgewachsen sind, sich irgendwann mal abgewendet haben, und jetzt entdecken: Da ist ja wieder mein altes P.M.! Ich bin guten Mutes, dass wir hier die Auflage nicht nur stabilisieren, sondern vielleicht sogar ein wenig steigern werden.

Und Schröders Vorgänger, Florian Gless, ergänzt im selben Interview:

Gless: Der Relaunch war sehr erfolgreich. Wir haben uns hier komplett von der Esoterik verabschiedet. Es gibt in P.M. keine Berichte mehr über das Leben nach dem Tod oder über die Anwesenheit von Aliens. Das war in den 90er Jahren beliebt und ist jetzt vorbei. Heute ist P.M. eine modern gemachte Wissenschafts-Illustrierte, für die viele renommierte Wissenschafts-Autoren wie Stefan Klein, Alexander Stirn oder Christoph Drösser schreiben. Das kommt bei den Lesern an.

Ein sehr erfolgreicher Relaunch - soso. Dann schauen wir uns einmal an, wie erfolgreich die Sache wirklich war (Quelle: Wikimedia.org):



😂

Zurzeit siecht man auflagenmäßig auf immer niedrigem Niveau vor sich hin. Doch ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis man unternehmerisch den Löffel endgültig abgibt und zur Hölle fährt. Der Philosoph Friedrich Nietzsche meinte in seinem Werk "Also sprach Zarathustra": "Was fällt, das soll man auch noch stoßen!" In diesem Sinn möchte ich hier P.M. virtuell in den Hintern treten.

Man braucht eigentlich keine Magazine wie P.M. mehr. Die journalistischen "Follow the science"-Lemminge, die innerhalb ihrer sozialen Blase solche Medien zum Signalisieren von vermeintlicher Tugend missbrauchen, sollen sich einen neuen Job suchen. Diese Leute, die immer so großzügig sind, Andersmeinende mit Etiketten wie "Pseudowissenschaft" und "Esoterik" vollzukleben, sind meiner Beobachtung nach selber oft die größten Verächter empirischer Wissenschaft, wie etwa ihre Vorliebe für das 'Gender'-Thema belegt.

Es gibt heute längst viele Blogs und Youtube-Kanäle, welche die von P.M. so verachteten Wissensgebiete behandeln. Etliche davon machen das seriöser, viel detaillierter und insgesamt besser als P.M. zu seinen allerbesten Zeiten. Beispielsweise habe ich mir kürzlich ein ausführliches Interview mit dem pensionierten US-Konteradmiral und Wissenschaftler Tim Gallaudet angesehen, der sich über das UFO/UAP-Phänomen aus Navy-Sicht äußert. Interessant, faktenbasiert und erhellend. 

Zwischenzeitlich soll man bei P.M. den inhaltlichen Irrweg zum Teil zwar wieder verlassen haben, aber wie heißt es im Englischen so schön: Too little too late!



Samstag, 10. Oktober 2026

Besser als Gold! Verrückter Preissprung bei der deutschen Übersetzung eines antiken Buchs.

Vor ziemlich genau neun Jahren, habe ich hier im Blog die deutsche Übersetzung des antiken Werks  Taktiken / Taktika besprochen. Das bei Marix (Verlagshaus Römerweg) erschienene Buch hat damals um die 15 Euro gekostet (ich persönlich habe gar nichts dafür bezahlt, weil es ein Rezensionsexemplar gewesen ist).
Zufälligerweise bin ich dann kürzlich bei Amazon über dieses mittlerweile vergriffene Buch gestolpert und konnte meinen Augen nicht trauen. Gebraucht kostet das Ding dort 104,30 Euro! Das Siebenfache!

Quelle: Amazon.com 

Hmm, dachte ich mir, ist das ein preislicher Ausreißer? Also ging ich auf die Website ZVAB.com (Zentralverzeichnis antiquarischer Bücher) und siehe da, auch dort ist es nur unwesentlich günstiger zu haben, nämlich für 94,90 Euro - plus den hohen Versandkosten von 9 Euro (vielleicht ist das sogar der selbe Verkäufer, ich habe es  nicht nachgeprüft).

Quelle: zvab.com

Dieses Phänomen, dass gerade Übersetzungen von eher weniger bekannten antiken Texten im Antiquariat preislich enorm steigen können, ist mir freilich schon lange bekannt. Ich habe damit auch schon selbst den einen oder anderen Euro verdient. Wenn ich allerdings geahnt hätte, was in diesem konkreten Fall für Gewinnmargen vorhanden sind, dann hätte ich in den letzten Jahren statt in ein paar "Philharmoniker" lieber in einen Karton voll mit Exemplaren dieses Buchs investiert 😉.

Wobei solche Spekulationen nicht ohne Risiko sind. Entscheidet sich beispielsweise der Verlag plötzlich, eine Neuauflage herauszubringen, dann schaut man in die Röhre. Mehr noch, man könnte kräftige Verluste machen, vor allem wenn es eine sogenannte verbesserte Neuauflage ist, die dann von vielen Käufern bevorzugt wird. Also sollte man nicht zu gierig sein und lieber versuchen, das Ding für weniger Gewinn etwas rascher zu verkaufen. 
Im konkreten Fall gibt es auf der Verlagsseite tatsächlich die Möglichkeit, das Buch für vergleichsweise moderate 20 Euro "vorzubestellen". Das heißt, eine Neuauflage ist geplant. Irgendwann werden hier die Preise im Antiquariat also tatsächlich einbrechen. Allerdings ist dieser spezielle Verlag nicht bekannt dafür, Ankündigungen besonders schnell umzusetzen, wie ich feststellen musste, nachdem es etliche Jahre gedauert hat, Gregor von Tours' "Zehn Bücher Geschichten" (ein selten blöder Titel) zu veröffentlichen. 
Da fällt mir ein, dass ich dieses extrem bedeutsame Quelle des Frühmittelalters eigentlich schon längst hier im Blog besprechen wollte...


Donnerstag, 8. Oktober 2026

📽️ Videos: Der letzte Neandertaler -- Archäologen finden römischen Tempel im Taunus -- Pyramiden, Sterne und Milchstraße -- 7000 Jahre altes Grab entdeckt -- usw.


➽ Thorin - Der letzte Neandertaler | Spieldauer 53 Minuten | arte | Stream & Info 

➽ Archäologische Staatssammlung | Spieldauer 29 Minuten | BR | Stream & Info 

➽ Archäologen finden römischen Tempel im Taunus | Spieldauer 4 Minuten | HR | Stream & Info 

➽ Sensation auf Teneriffa? Neue Daten zu den rätselhaften Pyramiden – Teil 1 | Spieldauer 55 Minuten | Abora TV | Stream & Info 



➽ Sensation auf Teneriffa? Pyramiden, Sterne und Milchstraße – Teil 2 | Spieldauer 50 Minuten | Abora TV | Stream & Info 



➽ Tor zur Antike – Folge 16: Die Iberer Ausstellung im MAMUZ Mistelbach | Spieldauer 27 Minuten | Römerstadt Carnuntum | Stream & Info



➽ 7000 Jahre altes Grab in Leipzig entdeckt | Spieldauer 5 Minuten | Sachsen Fernsehen | Stream & Info



➽ Eine Seemacht in der Steinzeit? Die Spur der Horus-Gefolgschaft – Teil 1 | Spieldauer 42 Minuten | Abora TV | Stream & Info 



➽ Eine Seemacht in der Steinzeit? Von Ägypten bis Teneriffa? - Teil 2  | Spieldauer 58 Minuten | Abora TV | Stream & Info 



Mittwoch, 7. Oktober 2026

🎧 Hörbares: Archäoaktivismus aus der alleruntersten Schublade -- Karl der Große und das Fränkische Reich -- Kaiser Justinian und die Vereinheitlichung des römischen Rechts -- Wie starb der Steinzeit-Mann Ötzi? -- usw


➽ Karl der Große und das Fränkische Reich | Spieldauer 44 Minuten | DF | Stream & Info 

➽ Kaiser Justinian und die Vereinheitlichung des römischen Rechts | Spieldauer 49 Minuten | DF | Stream & Info

➽ Archäologen-Treffen: Fake News über die Antike | Spieldauer 5 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download
Projektion wie aus dem Psychologielehrbuch! Daneben Strohmannargumente, die man aufstellt, damit man sie selber umhauen kann. Z.B. hat der von mir nicht übermäßig geschätzte Elon Musk selbst nie seine umstrittene erhobene Hand ("Hitler-Gruß") damit gerechtfertigt, das sei der antike saluto romano gewesen; trotzdem versucht man ihm hier indirekt umzuhängen, was irgend ein Hansel auf X oder sonst wo da reininterpretiert hat. Dass Musks Geste (my heart goes out to you bzw. ich werfe euch mein Herz zu) kein Hitler-Gruß war, hat selbst die große jüdische Organisation ADL, die eigentlich kein Riesenfreund von Musk ist (und umgekehrt), unmissverständlich festgestellt. Aber dergestalt Entlastendes wird hier völlig weggelassen. Entweder aufgrund von Manipulationsabsicht oder weil man von all dem in der eigenen Blase nichts mitbekommen hat. Was für eine intellektuell unterirdische und zutiefst verachtenswerte 'Agitprop'-Truppe. Auch der Rest, den diese Individuen gemeinsam mit dem öffentlich-schlechtlichen Schwätzer von sich geben ist nahezu ausschließlich mittels Halbwahrheiten oder unbewiesenen Pauschalbehauptungen kreierter Nonsens, den ich hier nicht im Einzelnen zerlegen werde, der mich aber schwer an ein Buch erinnert, das ich vor einiger Zeit besprochen habe. Diese Leute haben eigentlich keine rechte Ahnung, von was sie da reden und schreiben. Sie sind unbelesen oder einseitig belesen und kennen daher die relevanten Quellen schlecht oder gar nicht. Freilich, sie sind wohl ohnehin nicht an den Tatsachen interessiert, sondern eher am Erschaffen von Narrativen, die ihrem Bias zupass kommen. Siehe in diesem Zusammenhang auch so Online-Akteure wie  "Buddler", Anarchäologie, Flint Dibble etc. Dieses Soziobiotop priorisiert Ideologie vor Wissenschaft.

➽ William Tyndale gegen die Kirche: Der Kampf um das Wort Gottes | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info 

➽ 1661: Krieg der Kutschen - Ein Kampf um Prestige und Macht | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info 

➽ Die Akte Ötzi: Wie starb der Steinzeit-Mann? | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info

➽ Dante Alighieri: Wie die Hölle den Dichter unsterblich macht | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info 

➽ Die Schlacht bei Marathon und die Legende vom Läufer | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info 

➽ Paracelsus: Wie der "Luther der Medizin" das Heilen reformiert | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info 

Samstag, 3. Oktober 2026

📖 Zeitschrift Bayerische Archäologie - Heft 2.26: Votivfiguren (meine Kritik: KI ist keine Lösung -- suboptimale Museumsarbeit -- eigenartiger "ASTRAcker" -- die Luxusbusreise der "Gesellschaft für Archäologie in Bayern")


Eigentlich ist ja schon das dritte der vier jährlichen Hefte aus der Reihe Bayerische Archäologie erschienen. Aber ich hinke mit meinen Besprechungen wieder einmal hinterher. Daher werfe ich heute erst mal einen Blick in Ausgabe Nummer zwei, die wieder einige Diskussionspunkte liefert. Und gleich vorweg: Über den Heftschwerpunkt - die Votivfiguren - werde ich nichts schreiben, weil mich dieses Thema nicht einmal am Rande interessiert ... (die nächste Ausgabe ist aus meiner Sicht interessanter, denn darin geht es um Karl den Großen).


Mithrastempel in Regensburg entdeckt - und warum 'KI' keine Lösung ist

Wie es heißt, wurde in Regensburg bei Grabungen ein Tempel des im kaiserzeitlichen Rom sehr beliebten Gottes Mithras entdeckt (dessen mysteriöser Kult in der älteren Forschung immer wieder mit der Entwicklung des frühen Christentums in Verbindung gebracht wurde, wobei solche Einflussannahmen in der heutigen Forschung vorsichtiger beurteilt werden). 
Besonders gut gefallen hat mir in dem Artikel eine Rekonstruktionszeichnung, in der ein Teil des Inneren eines Mithrastempels gezeigt wird, dessen Reste man in Künzing dokumentieren konnte. Auch wenn man solche Rekonstruktionen grundsätzlich nur mit Vorsicht genießen sollte, so können sie doch das Verständnis einer Sache immens verbessern. Daher sollte man meiner Meinung nach gerade in der Wissensvermittlung großzügig davon Gebrauch machen. An Hochschulen bildet man sich freilich neuerdings ein, zu diesem Zweck den Studenten KIs ans Herz legen zu müssen, wie ich mitbekommen habe. 

Leider sind diese sogenannten KIs - die uns als Problemlöser für alles verkauft werden -  nicht in der Lage, das in ausreichender Weise zu bewerkstelligen. Bild-KIs (wie Midjourney oder DALL-E) verstehen keine Geschichte und keine Archäologie. Sie würfeln vielmehr Pixel basierend auf Wahrscheinlichkeiten zusammen. Selbst wirklich bemühte Projekte (z.B. auf der Plattform YouTube) leiden deshalb unter unzähligen darstellerischen Mängeln, die Fachleuten - oder selbst nur ambitionierten Hobbyisten aus dem Bereich der Lebendigen Geschichte - kaum passieren würden. 

Ob KIs in absehbarer Zeit oder auch nur irgendwann in der Lage sein werden, einen qualitativ hochwertigen Output zu liefern, bleibt bei der Technik, auf die man heute setzt, äußerst fraglich. Werden doch diese KI-Modelle primär mit Daten aus dem Internet trainiert/gefüttert; da dieses Internet aber mittlerweile selbst zu immer größeren Teilen aus "AI slop" besteht - also aus minderwertigen KI-Inhalten -, baut sich eine negative Feedbackschleife auf, durch die sich die KI-Systeme zunehmend selbst verschlechtern. In der Fachwelt spricht man von "model collapse". Dieser Kollaps wird mittlerweile als immenses Problem betrachtet, das erheblichen Teilen der Branche in technischer Hinsicht das Genick brechen könnte (abseits der großangelegten Investorentäuschung, die zur größten Finanzmarkt-Blase in der bisherigen Menschheitsgeschichte geführt hat).
Geradezu verzweifelt wirkt hier die Gegenmaßnahme, dass man seit einiger Zeit massenhaft Offline-Medien - sprich Bücher - scannt (oft zerstörerisch!). Allerdings vorzugsweise solche, die vor dem KI-Boom veröffentlicht wurden - da man hier davon ausgehen kann, dass nicht auch die gescannten Bücher bereits ganz oder teilweise aus KI-Inhalten bestehen. Ironie-Alarm! Entlarvt dieser Vorgang doch ganz nebenbei, was KI-Firmen vom Output ihrer eigenen Produkte halten dürften.


Weniger ist mehr!

Ich habe es schon einmal kritisiert und ich muss es hier wieder kritisieren, weil mich das einfach stört: Wenn in einer Ausstellung historische Kleidungsstücke bzw. Rekonstruktionen von historischen Kleidungsstücken präsentiert werden, dann wirkt es billig und ablenkend, wenn man als Besucher in diese kalten, leblosen Schaufensterpuppen-Augen blicken muss.
Also entweder man lässt den Kopf komplett weg, oder man hüllt ihn - so wie ich das bei mir zu Hause gemacht habe - in schwarzen Stoff (Damenstrumpfhosen eignen sich hervorragend dafür).

Freilich, jetzt könnte man einwenden, dass in dieser aktuellen Ausstellung des Römermuseums Seebruck am Chiemsee offenbar auch historische Frisuren gezeigt werden sollen. Mag sein, trotzdem müsste mMn das Gesicht verhüllt werden. Ich habe schon bei anderen Museen gesehen, dass das auch beim Präsentieren von Frisuren sehr gut funktioniert (teilweise haben die auch Schaufensterpuppen mit unbemalten, sehr stark vereinfachten Gesichtern verwendet). Der Besucher kann sich dann viel besser auf das Wesentliche konzentrieren und insgesamt ist der Eindruck ein wertigerer.


Nonsens? Der sogenannte "ASTRAcker". 

Wie es heißt, wurde in Bayern für Interessierte Hobbyisten/Ehrenamtliche eine archäologische Fundmelde-App eingeführt - der sogenannte ASTRAcker (ArchaeoSurveyTracker). Ob das Ding in funktioneller Hinsicht so schleißig ist wie das Gegenstück aus Österreich, nämlich die berüchtigte IceWatcher-App des hiesigen Bananenvereins Bundesdenkmalamt (BDA)? 

Im Android-Play-Store kann der Interessierte die App erstaunlicherweise nicht finden. Kein Wunder, man muss sich bei den Behörden registrieren, um Zugang zu erhalten. Was für ein bürokratischer Kontrollfreak-Schwachsinn diese Einstiegshürde doch ist; so, als ob man den Kreis freiwilliger Helfer klein halten möchte, anstatt jede Unterstützung wertzuschätzen (weder im Heftartikel noch sonst wo habe ich für den Registrierungszwang eine Begründung gefunden). Die Benutzerzahlen dürften daher noch bescheidener ausfallen als jene der IceWatcher-App. Und wetten, dass die Bayern genau deshalb nicht mit den konkreten Zahlen herausrücken, weil sie ihnen nämlich allzu peinlich sind?! Auf Kosten-Nutzen-Rechnungen (Entwicklungskosten vs. Nutzerzahlen) dürfte dementsprechend auch gepfiffen werden, es muss ja ohnehin der Bürger für alles blechen.
Ergänzend noch: IceWatcher ist nicht für planmäßige archäologische Surveys (vor allem Feldbegehungen) ausgelegt, sondern eher für Einzelfunde/Zufallsfunde. Die App aus Bayern setzt - was man dem Eigenlob der Betreiber entnehmen kann - eher umgekehrt an; aber genau hierin liegt meiner Meinung nach ein weiterer Hund begraben. Denn man hätte durchaus die Funktionalität so erweitern können, dass auch klassische Zufallsfunde in adäquater Weise abgedeckt werden.


Ein Elitistenverein? 

In der Heftmitte gibt wie immer die Gesellschaft für Archäologie in Bayern ihre Aktivitäten bekannt. Unter anderem wird mittels inkohärentem Gendergaga ("KollegInnen", "Teilnehmenden") eine viertägige Busexkursion ins Inn- und Etschtal angekündigt: Kosten pro Person zwischen 640 und 780 Euro. Hier sei angemerkt, dass man für diese Summe bereits einwöchige Pauschalreisen nach Ägypten unternehmen kann - z.B. Hurghada, inklusive Tagestrip nach Gizeh. 
Die kostspielige Busreise der Gesellschaft für Archäologie in Bayern darf daher entweder als Indikator dafür gesehen werden, was für ein saturiertes Milieu in diesem Verein anzutreffen ist (sicher kein gesellschaftlicher Querschnitt). Oder aber wir haben es hier mit der Weltfremdheit einer abgehobenen Vereinsleitung zu tun, die so einen vergleichsweisen Luxusausflug aufs Programm setzt. Ich persönlich tippe auf eine Mischung aus beiden Faktoren.

Man kann aus der milieutypischen Sprachpanscherei sowie der nicht sehr günstigen Reise auch folgendes schließen: Archäologie ist - abseits des  professionellen Bereichs - immer noch ein primär elitäres 'White-collar'-Hobby. Es hat sich wohl nicht viel seit dem 19. Jahrhundert verändert, als Lehrer, Pfarrer, Adelige und Offiziere in ihrer Freizeit oder nach der Pensionierung Altertümer im Boden suchten. 


Hinweis: Ich werde in meinen Rezensionen keine Sternchenbewertungen mehr vornehmen. Das bringt schlicht keinen Mehrwert, vor allem nicht hinsichtlich der Hefte "Bayerische Archäologie", die ich ja gerne dazu hernehme, um auf den galoppierenden Wahnsinn in der staatlichen und staatsnahen Archäologie hinzuweisen. Die von mir vorgenommene Auswahl an Negativbeispielen steht dann oft im Widerspruch zur Qualität der Hefte insgesamt.  

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