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Sonntag, 4. Januar 2026

📽️ Videos: Ein Museum ohne seinen Goldschatz (haha!) -- Sie wollen ein baufälliges Märchenschloss sanieren -- Ein Vortrag von Heinrich Kusch in Graz über uralte unterirdische Gänge und ihre Erbauer -- usw.


➽ Manching: Ein Museum ohne seinen Goldschatz | Spieldauer 3 Minuten | BR | Stream & Info
Nichts entlarvt die totale Heuchelei der staatlichen und staatsnahen Archäologie mehr, als das Herumgeheule wegen dem verlustig gegangenen Keltenschatz von Manching. Da geht es offensichtlich einen feuchten Kehricht um den sonst immer so gerne betonten wissenschaftlichen Wert (denn das Zeug wurde ja bereits vor dem Diebstahl bestens erforscht und dokumentiert), sondern primär um die Monetarisierung in einem Museum. Woran ja ein ganzer Rattenschwanz an Personal hängt, das aufgrund der studierten Orchideenfächer anderenorts kaum am Arbeitsmarkt vermittelbar ist. Wir haben es hier - meiner bescheidenen Meinung nach - also wieder einmal zu guten Teilen mit Egoismus zu tun, dem man zwecks Tarnung ein altruistisches Mäntelchen übergeworfen hat. Im Übrigen sind - wie in dem Video zu sehen ist - interaktive Elemente didaktisch bzw. museumspädagogisch wertvoller für Besucher, als das bloße Zeigen eines Goldhaufens.

➽ Festung Würzburg - Herzschlag einer Baustelle | Spieldauer 44 Minuten | BR | Stream & Info



➽ Rettung möglich? Sie wollen das baufällige Märchenschloss sanieren  | Spieldauer 9 Minuten | BR | Stream & Info



➽ Von uralten Unterirdischen Völkern & einer über 60 000 Jahre alten Fremdkultur auf unserem Planeten | Spieldauer 183 Minuten | ChangeMedia | Direkter Download
Greyhunter vom Blog "UFOs Ante Portas" hat mich auf einen sehr ausführlichen Vortrag von Heinrich (und Ingrid) Kusch aufmerksam gemacht, der erst kürzlich vor einem zahlreichen Publikum in Graz stattfand (der Veranstaltungsort schaut mir nach dem "Congress"-Saal aus).
In diesem Vortrag erörtert der Höhlenforscher und Urgeschichtler Kusch seine zum Teil sehr gewagte Theorie über künstliche unterirdische Höhlenanlagen und deren Verwendungszweck. Meine Meinung dazu habe ich bereits in der Rezension seines letzten Buchs kundgetan (wobei ich Herrn Kusch damals im Anschluss auch schriftlich ein paar Fragen gestellt habe, die er so freundlich war, zu beantworten)

Sonntag, 13. Februar 2022

📽️ Videos: Archäologiestudium boomt -- Vortrag von Heinrich Kusch -- Waffen & Ausrüstung eines Hopliten -- Randall Carlson bei Joe Rogan -- usw.


➽ Archäologiestudium boomt | Spieldauer 5 Minuten | MDR | Stream & Info

➽ Welche Waffen & Ausrüstung benutzt ein Hoplit? | Spieldauer 3 Minuten | Youtube | Stream & Info



➽ Heinrich Kusch: "Geheime Unterwelt" - Außerirdische und fremde Kulturen vor 60.000 Jahren? (Vortrag) | Spieldauer 65 Minuten | Youtube | Stream & Info
Der passende Vortrag zum von mir besprochenen Buch. Hier kann man sich mehr oder weniger eine eigene Meinung zu Herrn Kuschs unorthodoxer These bilden, ohne gleich das aktuelle Buch kaufen zu müssen (das momentan ohnehin weitestgehend vergriffen zu sein scheint).


➽ Ausstellung zum 200. Geburtstag von Heinrich Schliemann | Spieldauer 2 Minuten | SWR | Stream & Info 

➽ Wer ist eigentlich Widukind? | Spieldauer 4 Minuten | NDR | Stream & Info 

➽ Bardewickscher Kodex: Ein Lübecker Schatz kehrt heim | Spieldauer 3 Minuten | NDR | Stream & Info
Der Sendungstitel ist eine dreiste Lüge bzw. 'Clickbaiting' der übelsten Sorte, denn:  "abgelichtet vom Original, das heute in Russland liegt." Na toll, und wie ist es dorthin gekommen? Als Leihgabe? Über eine Auktion? Wie armselig muss man eigentlich sein, um die essentielle Information zu verschweigen, dass die Rote Armee des Diktators Stalin den Kodex 1945 aus Deutschland geraubt hat? Aber gleichzeitig raunzen dieselben deutschen Medien seit Jahren herum, dass die Briten doch gefälligst die "Elgin Marbles" an die Griechen zurückgeben mögen. Es ist schon seit langer Zeit beobachtbar, wie der kollektive deutsche Hitler-Dachschaden dazu führt, dass man sogar die kriminellen Taten eines Stalin unter den Teppich kehrt, solange diese sich gegen Deutschland unter der NS-Herrschaft gerichtet haben. Gegen Hitler gewesen zu sein, setzt quasi jeder Sauerei den Heiligenschein auf. ^^

➽ Randall Carlson's Take on Atlantis | Spieldauer 14 Minuten | Youtube | Stream & Info
Immer wenn der Geologe Randall Carlson bei Joe Rogan zu Gast ist, wird es spannend. Die komplette Folge findet man kostenlos auf Spotify.


➽ Two Civil War Veterans (94 and 84 years old) Talking About Fighting in the Civil War | Spieldauer 2 Minuten | Youtube | Stream & Info
Keine Gefangenen wurden genommen... Es ist schon bemerkenswert, wenn man heute noch Menschen sehen und hören kann, die vor ca 180 Jahren geboren worden sind! Ich frage mich allerdings wen er mit "Dutch" meint? Niederländer? Kann ich mir nicht vorstellen. Vielleicht aber ein Regiment im Sinne von deutschstämmigen und damals auch noch  deutschsprachigen Amerikanern - Stichwort "Pennsylvania Dutch"? Viele dieser deutschen Einwanderer haben ja für den Norden wie auch für den Süden gekämpft.


Dienstag, 25. Januar 2022

📖 Buch-Empfehlung: Geheime Unterwelt - Auf den Spuren von Jahrtausende alten Völkern

Einleitung

Wer meine Rezensionen kennt, der weiß, dass mir nur selten ein Buch ausreichend gut gefällt, um dafür klar eine Empfehlung aussprechen zu können. "Geheime Unterwelt" ist nun aber ein bisher einzigartiger Sonderfall. Ich empfehle es trotz gewisser Unzulänglichkeiten: 1. Die darin vertreten Theorien sind teilweise noch zu dürftig belegt (die Autoren selbst räumen ein, dass sie nicht alle bisherigen Erkenntnisse veröffentlicht haben und es noch viel zu erforschen und zu überprüfen gibt). 2. Das Vertrauen der Autoren in alte Schriftquellen und Augenzeugenberichte scheint mir oftmals zu groß zu sein. 3. Vereinzelt kommen kleinere Fehler vor, die meiner Ansicht nach unnötig sind und relativ leicht zu vermeiden gewesen wären (wie die Fehldatierung einer Freskenmalerei aus Klosterneuburg ins 11. Jahrhundert, obwohl etwa anhand der dargestellten Personen bzw. deren Kleidung klar ersichtlich ist, dass das Kunstwerk aus dem Spätmittelalter stammen muss). 
Warum ich hier trotzdem 'ein Auge zudrücke'? 1. Weil das Buch mit unzähligen naturwissenschaftlich bestens belegten Forschungsergebnissen aufwartet. 2. Weil beim Generieren dieser Forschungsergebnisse nicht nur ein großer finanzieller Aufwand betrieben wurde (getragen u.a. von Hans-Adam II. von Lichtenstein), sondern auch ein erheblicher technischer (zwischen 2008 und 2021 über 50 Geo-Bodenradar-Untersuchungen, mehr als 20 Bohrungen in z.T. über 50 Meter Tiefe, 4 TCN-Datierungsserien usw.). Darüber hinaus waren mehrere Universitäten (TU Graz, Montanuniversität Leoben,...) bzw. renommierte Experten aus verschiedener Fachbereiche beteiligt. Die Autoren Heinrich und Ingrid Kusch selbst sind ausgebildete Wissenschaftler mit jahrzehntelanger Berufserfahrung; beispielsweise haben sie weltweit über 2000 Höhlen 'befahren'. Will heißen: Es waren hier keine Dilettanten und Hobbyforscher am Werk.

Formulieren wir es am besten so: Die vielen faktenbasierenden Erkenntnisse sind die eine Sache, deren Einfließen in die unorthodoxe These der beiden Autoren eine andere. Ich werde in der folgenden Rezension versuchen, eine in alle Richtungen kritische, aber auch faire Bewertung vorzunehmen.


Ein verbranntes Thema

"Prä-Astronautik" - ich glaube, diesen Begriff habe ich im gesamten Buch kein einziges Mal gelesen; falls er doch vorkommt, dann muss er ziemlich versteckt gewesen sein, sodass ich ihn übersehen habe. Und doch läuft alles genau auf dieses 'verbrannte' Thema hinaus, das der Schweizer Sachbuchautor und Privatforscher Erich von Däniken Ende der 1960er-Jahre mit seinem millionenfach verkauften Bestseller "Erinnerungen an die Zukunft" weltweit populär gemacht hat. Im Kern geht es bei der Prä-Astronautik um die Frage, ob in der weiter zurückliegenden Vergangenheit bereits intelligente außerirdische Lebensformen die Erde besucht und entsprechende Spuren hinterlassen haben - materielle wie auch immaterielle, etwa in Form von religiösen Vorstellungen (da nämlich unsere einfach gestrickten Vorfahren die fremden Besucher für Götter gehalten haben könnten). Viel Fragwürdiges wurde dazu im Laufe der Zeit publiziert, etwa in der Form, dass religiöse Texte maximal schräg im Sinne der Prä-Astronautik uminterpretiert wurden (was nicht automatisch im Umkehrschluss bedeutet, dass beispielsweise die offizielle Exegese richtig ist).
Es gab und gibt jedoch vereinzelt Forscher, die sich der Thematik durchaus ernsthaft genähert haben. Deren Arbeit gewinnt zunehmend an Bedeutung - und zwar im Angesicht der Tatsache, dass etwa in den USA seit wenigen Jahren von Politik und Leitmedien (NYT, WaPo),...) das UFO-Phänomen als real anerkannt wird ("UFO" im Sinne von: ein verlässlich dokumentiertes unbekanntes Flugobjekt zeigt Eigenschaften, die auf Grundlage der gegenwärtigen menschlichen Technik mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht reproduzierbar sind - siehe dazu etwa ein außerordentlich interessantes Youtube-Interview des Computerwissenschaftlers und Podcasters Lex Friedman mit dem ehemaligen Militärpiloten David Fravor zum Thema "Tic-Tac-UFO"). Auch innerhalb der Wissenschaft wird das Thema immer öfter ohne überzogene Vorbehalte betrachtet. Dies geht beispielsweise aus internen E-Mails der NASA hervor, deren Veröffentlichung kürzlich im Rahmen des US-Informationsfreiheitsgesetzes erwirkt wurde.

Wie fügt sich nun "Geheime Unterwelt" in die UFO- und Prä-Astronautik-Forschung ein? Ist das Buch der großen unseriösen oder der winzigen seriösen Sparte zuzuordnen? Unterm Strich letzterer, trotz der in der Einleitung genannten Kritikpunkte. Freilich, die Theorie, welche die Autoren auf Grundlage mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Texte sowie archäologischer und naturwissenschaftlicher Erkenntnisse entwickelt haben ist nichtsdestotrotz starker Tobak! Werfen wir daher einen näheren Blick darauf, um zu einer probaten Einschätzung kommen zu können.


Himmelserscheinungen und die mysteriöse 12-Apostel-Zeche in Klosterneuburg 
12-Apostel-Zeche in Klosterneuburg
Ein Blick in einen 40 Meter langen Gangabschnitt der 12-Apostel-Zeche in Klosterneuburg. Der ursprünglich bis an die Decke verfüllte Gang wurde vom Besitzer in jahrelanger Arbeit mühevoll freigelegt. | Quelle: "Geheime Unterwelt", Seite 144, Abb. 192 | (C) Heinrich und Ingrid Kusch

Zentraler Dreh- und Angelpunkt des Buchs ist die in vielerlei Hinsicht äußerst bemerkenswerte 12-Apostel-Zeche in Klosterneuburg (Niederösterreich). Diese unterirdische, in den Felsen gegrabene Anlage erstreckte sich ursprünglich mehrere Hundert Meter unter der Stadt, wurde jedoch ab dem 16. Jahrhundert mit ungewöhnlich großem Aufwand komplett verfüllt. Lediglich ein Zehntel jener drei bis fünf Meter unter der Erde liegenden Gänge haben engagierte Privatpersonen bisher wieder freigelegen können. Archäologisch begleitet wurde das Vorhaben zeitweise von Heinrich und Ingrid Kusch. Zu ihren ungewöhnlichen Grabungsbefunden später mehr.

Interessanterweise war nicht alleine die 12-Apostel-Zeche vor rund 500 Jahren vom systematischen Zuschütten betroffen; unzähligen anderen menschgemachten europäischen Gangsystemen erging es vielmehr ebenso. Wie die Autoren ausführen, war dafür in erster Linie die Katholische Kirche verantwortlich: Die "Zugänge zur Erde und somit zur Hölle" sollten verschlossen werden, ließ etwa schon 1447 der Diözesan- und Fürstbischof  Johann III. von Eych laut überlieferter Synodalakten verkünden. Möglicherweise war die Idee dafür auf dem Konzil von Basel entstanden, das 1431-1449 tagte. Da jedoch der Anweisung anscheinend nicht in ausreichendem Maß Folge geleistet wurde, kam es rund 100 Jahre später auf dem großen Konzil von Trient (1543-1554) zu einer Bekräftigung des Ansinnens. 1550 forderte man wieder, alle Zugänge zu den "Völkern der Unterwelt" zu verschließen.
War dies lediglich ein Randaspekt der damals aufkommenden Hexen- und Zauberer-Hysterie? Vielleicht. Bemerkenswerterweise wurden allerdings als Anlass "Himmelserscheinungen" genannt, welche in Verbindung zu ominösen Wesen gestanden haben sollen, die unter der Erde hausten. Die entsprechenden Beschreibungen in den alten Quellen deuten auf Phänomene hin, welche man heute schlicht als UFOs (Unidentifizierte Flugobjekte) bezeichnen würde und die dazumal von unzähligen Menschen beobachtet worden sein sollen. Beispielsweise ist überliefert, dass im Jänner 1520 über Wien angeblich ein großes stabförmiges Objekt mit leuchtender Spitze sowie diverse kugelförmige Flugkörper zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu sehen waren. Ähnliches wird auch aus den Jahren 1551 (Schwaben, Lothringen), 1561 (Nürnberg) und 1566 (Basel) berichtet - siehe Bild.

Auch wenn es im Buch keine Erwähnung findet, so sei an dieser Stelle auf ein weiteres bemerkenswertes Ereignis hingewiesen, das 1680 der Gelehrte Erasmus Francisci beschreibt: 1656 soll über Stralsund ein Objekt aufgetaucht sein, das die Form eines Männerhutes hatte - Stichwort 'Untertasse mit Kuppel'! Sechs in der Nähe befindlichen Fischer erkrankten daraufhin, heißt es. Heutige Forscher sprechen von Symptomen, die an eine Strahlenkrankheit erinnern. 
Man sieht hieran: Das Klischee-UFO schlechthin, dessen Herkunft gerne Hollywood und der in den späten 1940ern aufkommenden  Science-Fiction-Begeisterung zugeschrieben wird, ist in Wirklichkeit wesentlich älter. Anzumerken ist, dass sogar schon antike Autor wie Titus Livius dergleichen beschreiben. In seinem umfangreichen Geschichtswerk über Rom - "Ab urbe condita" - zählt er etliche  'Himmelserscheinungen' auf, darunter durch die Luft fliegende Objekte, welche die Form von Rundschilden gehabt haben sollen ("parma" = Scheibe mit Schildbuckel = Untertassen mit Kuppel); die damaligen Menschen interpretierten derlei durch die Bank als göttliche Vorzeichen bzw. "Prodigien".

Nun ist Papier bekanntlich geduldig. Zurecht muss man hier deshalb vorsichtig sein und darf keinesfalls alles automatisch für bare Münze nehmen. Selbst der besagte Livius räumte ein, dass er den von ihm weitergereichten Berichten über Prodigien nicht vorbehaltslos traut. Doch egal wie man die Glaubwürdigkeit der Schilderungen im Einzelnen bewertet, so wird doch klar, dass das UFO-Phänomen mitnichten erst im mittleren 20. Jahrhundert als Reaktion auf die Populärkultur rund um die aufkommenden Raumfahrt und den damaligen Science-Fiction-Hype entstand - wie von notorischen Skeptikern immer noch fälschlicherweise verbreitet wird. Heinrich und Ingrid Kusch zitieren hierzu den bekannten Psychiater C. G. Jung, den diese Thematik in seinen späten Lebensjahren umtrieb: 

"Die Publizität des Ufos hat zwar erst gegen das Ende des Zweiten Weltkrieges eingesetzt, aber das Phänomen war schon vorher bekannt und ist nicht erst in der ersten Hälfte des XX. Jahrhunderts beobachtet worden, sondern schon in früheren Jahrhunderten und vielleicht auch schon zur Zeit der Antike gesichtet und beschrieben worden." 
S 68

Es verlangt nun die intellektuelle und wissenschaftliche Redlichkeit, dass im Angesicht der großen Anzahl solcher Überlieferungen die ernsthafte Frage gestellt wird: Verbirgt sich darin ein wahrer Kern? Umso drängender ist diese Frage, da wir ähnliche Beobachtungen auch heute machen und zunehmend verlässlich dokumentieren (siehe oben). Die Prä-Astronautik-Theorie - bei aller gerechtfertigter Kritik daran - undifferenziert als pseudowissenschaftliche Geldmacherei und Bullshit abzutun ist längst nicht mehr haltbar. 

Zurück zur 12-Apostel-Zeche. Diese wurde, wie wir jetzt wissen, im 16. Jahrhundert vermutlich aus Angst vor damals vermehrt auftretenden Himmelsphänomenen verfüllt. Doch wie lange existierte die unterirdische Anlage zu diesem Zeitpunkt schon? Betrachtet man die archäologischen Grabungsergebnisse, dann fällt die Antwort darauf bemerkenswert aus!
Das Mauerwerk scheint auf den ersten Blick wenig aufregend zu sein, ist es doch 'nur' römischen Ursprungs, mit Ergänzungen aus dem Mittelalter. Doch unter den römerzeitlichen Einbauten - etwa unter einem Hypocaustum (=Fußbodenheizung) - findet sich ein mit etlichen spannenden Funden gefüllter vorgeschichtlicher Bereich, der zehntausende Jahre weit in die Altsteinzeit zurückreicht! Siehe die nachfolgende Abbildung.
Lochbeile und Gefäße in der12-Apostel-Zeche
Prähistorische Fundstelle in der 12-Apostel-Zeche, deren Objekte pfeilartig in Richtung Norden ausgerichtet sind. Das Alter wurde mittels C14 auf über 56000 (sic!) Jahren datiert; Grundlage dafür waren fünf Hölzer, die aus einem verschlossenen Gefäß (links oben) geborgen wurden. | Quelle: "Geheime Unterwelt", Seite 122,  Abb. 159 | (C) Heinrich und Ingrid Kusch

Der Kenner wird an dieser Stelle sofort einwenden, dass zumindest einige der Objekte in typologischer Hinsicht keinesfalls aus der Altsteinzeit stammen bzw. zehntausende Jahre alt sein können. Trotzdem steht dem gegenüber die im Bildtext genannte naturwissenschaftliche Datierung (zu der sich noch weitere, hier nicht extra angeführte, gesellen). Und das wirft Fragen auf. Etwa: Wurde die Höhlenanlage schon vor rund 56000 Jahren aus dem Felskörper gegraben? Oder zumindest Teile davon, die man viel später - vor allem in der Römerzeit - im Rahmen einer Sekundärnutzung erweitert hatte? Interessanterweise setzen die ins 3./4. Jahrhundert nach Christus datierten römischen Mauern tatsächlich auf vorgeschichtlichen Trockenmauern auf. Hinter diesen liegen wiederum megalithische Blöcke, die wohl Teil der ursprünglichen Höhlenanlage gewesen sind.

Werfen wir noch einmal einen Blick auf die oben abgebildete Fundstelle. Heinrich und Ingrid Kusch glauben, dass besonders die anthropomorphen Objekte nicht bloße Produkte steinzeitmenschlicher Fantasie sind, sondern - vermutlich in abstrahierter Form - tatsächliche Lebensformen darstellen. Nämlich jene, die noch in verschiedenen schriftlichen Quellen des Spätmittelalters sowie der Frühen Neuzeit als Bewohner der Unterwelt beschrieben werden und die über sehr fortgeschrittene technologische Fertigkeiten verfügt haben sollen - wie z.B. den Materie-Transport mittels bestimmter Schallfrequenzen innerhalb von dafür speziell dimensionierten Höhlen. Ihr Herkunftsort könnte - so wird von den Autoren gemutmaßt - außerhalb der Erde liegen. Und weiter heißt es, dass sie möglicherweise in grauer Vorzeit auf der Erde gestrandet sind; ihre Nachfahren mussten dann, nachdem das gerettete technisches Equipment im Laufe der Jahrhunderte sukzessive den Geist aufgab, eine primitivere Lebensweise annehmen, welche aber immer noch über jener der steinzeitlichen Menschen lag. Diese Menschen hätten die Fremden deshalb wie Götter verehrt ... womit wir voll in der Prä-Astronautik-Theorie stecken.
Und ja, ich sehe schon, wie der eine oder andere Leser spätestens hier wild die Augen verdreht. Und auch ich tue mir äußerst schwer, solchen Überlegungen beizupflichten. Es kommt aber noch heftiger, wie der folgende Fund zeigt:
12-Apostel-Zeche: Steinplatte mit fliegenden Untertassen / UFOs?
Eine von mehreren, mit Gravuren versehenes Steinplattenfragment aus dem prähistorischen Horizont der 12-Apostel-Zeche. Die Autoren interpretieren die Darstellungen folgendermaßen: "... zeigt zwei Fluggeräte in Bewegung, und ein Flugobjekt, das sich in drei Sektoren aufteilt. Rechts davon sind Diagramm- und Inschriftenreste zu sehen."  | Quelle: "Geheime Unterwelt", Seite 162,  Abb. 226 | (C) Heinrich und Ingrid Kusch

Manch einer wird nun einwenden, dass es sich bei dem obigen Objekt bestimmt um eine Fälschung handelt. Und in der Tat ist zu bedenken, dass die mit bemerkenswerten Gravuren versehene Steinplatte (eine von mehreren) nicht von den Kuschs selbst im Zuge ihrer professionellen archäologischen Grabungen entdeckt worden ist, sondern vom Besitzer der 12-Apostel-Zeche, und zwar während seinen langjährigen Freilegungs- und Restaurierungsarbeiten. Ich unterstelle dem Mann nichts, aber ich würde ihm auch nicht blind vertrauen. Andererseits weisen die Autoren - nach entsprechenden Laboruntersuchungen - auf Indizien hin, welche die Steingravuren in ihren Augen sehr authentisch erscheinen lassen. 


Die ungewöhnlichen Phänomene im steirischen "Streblgang"
Sogenannter "Streblgang" (Oststeiermark), der von den Autoren in die Steinzeit datiert wird. Trotz der stark fortgeschrittenen Verwitterung ist immer noch die große Sorgfalt zu erkennen, mit der hier einst gearbeitet wurde. Bergwerksstollen aus der Römerzeit oder dem Mittelalter weisen eine weitaus gröbere Oberfläche, mit unzähligen größeren und kleineren Ausbrüchen auf. In alten kirchlichen Aufzeichnungen werden solche in den Felsen gegrabene Gänge als "Steinschratteln" bezeichnet. Teilweise fand in deutlich späterer Zeit eine Sekundärnutzung als "Wassergang" statt.  | Quelle: "Tore zur Unterwelt", S 47,  Abb. 32 | (C) Heinrich und Ingrid Kusch

Spätestens bei dem im Buch behandelten "Streblgang" muss auch der eine oder andere Skeptiker einräumen, dass meine steirischen Landsleute Heinrich und Ingrid Kusch wohl einem Phänomen auf der Spur sind, das sich hinter unserem üblichen Denkhorizont befindet. Zu diesem Schluss kann man hier nämlich unabhängig davon kommen, ob man nun jedem ihrer archäologischen Befunde trauen oder gar ihrer Theorie von den einst unterirdisch lebenden Wesen extraterrestrischen Ursprungs folgen möchte. Wie schon ganz oben von mir erklärt wurde, macht es unbedingt Sinn, die naturwissenschaftlichen Fakten von der Theorie zu trennen, um nicht voreilig das Kind mit dem Bade auszuschütten. 
Beim besagten "Streblgang" handelt es sich um eine unterirdische, in der Oststeiermark befindliche Anlage, welche von den Kuschs aufgrund von TCN-datierten Trockenmauern als steinzeitlich betrachtet wird (siehe dazu auch das Vorgängerbuch "Tore zur Unterwelt"). Dieser Gang wurde und wird zwischenzeitlich von Spezialisten genauestens unter die Lupe genommen. Nicht nur sind die dabei gewonnenen Messergebnisse hochinteressant, sondern es konnten auch Phänomene von den Beteiligten beobachtet werden, welche die Bezeichnung "extrem ungewöhnlich" verdienen. Aus diesem Grund ist es lohnenswert, hier einige der betreffenden Textstellen zu zitieren: 

Unsere wissenschaftlichen Untersuchungen im Streblgang in Puchegg sind bis heute noch nicht abgeschlossen und erfolgen nach ausgesuchten Kriterien seit mehr als sechs Jahren durch viele anerkannte Wissenschaftler. Auffallend sind bei den Resultaten Anomalien, die es eigentlich nicht geben dürfte. So konnten wir in der Winterzeit Dampfwolken beobachten, die Stoßweise aus der Eingangsöffnung kamen, als ob es eine Wetterführung im Gang gäbe. Jedoch ist die Bewetterung des Feldganges nicht möglich, weil er blind ohne Fortsetzung endet und kaum eine Niveaudifferenz aufweist. Das heißt, dass die Luft im Gang kaum in Bewegung sein sollte. Aber das ist nicht der Fall, denn periodisch entsteht ein kühler Luftstrom, der aus dem Nichts zu kommen scheint. Dies konnten fünf Wissenschaftler von verschiedenen österreichischen Universitäten beobachten, die auch keine Antwort auf diese Anomalien hatten. Die besagte Stelle, wo der Luftstrom im Gang entsteht, liegt 72 Meter vom Eingang entfernt im Berginneren und es konnte bei Untersuchungen von einer Messgruppe dort an den Wänden unter bestimmten Frequenzbeschallungen der verstärkte Aufbau eines ringförmigen elektrischen Magnetfeldes festgestellt werden. Experten der Technischen Universität Graz führten zu unterschiedlichen Zeiten verschiedene Langzeitmessungen, wie Radon-, Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsmessungen sowie der Gammastrahlung, im Gang durch, bei denen sich in einigen Fällen die neuen Batterien in den Messgeräten schlagartig entleerten und versagten, obwohl diese eine Laufzeit von mindestens einem Jahr hätten haben sollen. Dies passierte uns auch mit Filmteams, bei denen die frisch geladenen Akkus der Kameras und der Beleuchtung auf einmal ohne ersichtlichen Grund entleert waren. Hat man die Batterien jedoch aus dem Gang wieder ins Freie gebracht, so funktionierten sie nach kurzer Zeit mit voller Ladung wieder einwandfrei.
[...]
Noch mysteriöser war ein Vorfall, der eine der Langzeitmessungen plötzlich beendete. Es war am 23. Mai 2017, als es am sonnigen Nachmittag um 16:46 Uhr einen heftigen Knall gab, der in der Folge beide Fernsehgeräte im benachbarten Bauernhof unbrauchbar machte, und auch unsere zehn Temperatur-Logger nahmen daraufhin keine Messungen mehr vor. Auf der Speicherkarte der Videokamera, welche im Gang installiert war, um eventuelle Veränderungen zu dokumentieren, waren alle Dateien komplett gelöscht und die Karte danach unbrauchbar. Laut der Wetterstation am Masenberg gab es in diesem Zeitraum weder ein Gewitter noch sonstige auffallende Ereignisse. Stellt sich die Frage: Was war der Auslöser für dieses Geschehen?
Noch interessanter waren chemische Untersuchungen, bei denen die Schwefeldetektion [...]

S 99-101

Als schwerer Skeptiker mag man nun einwenden, dass ja beispielsweise die Akkus eventuell gar nicht vorübergehend geleert waren, sondern genauso gut die Elektronik der Geräte gestört gewesen sein könnte, weshalb diese fälschlicherweise annahmen, die Akkus seien komplett entladen. Doch letztendlich ist dergleichen 'Jacke wie Hose' bzw. 'ghupft wie gsprungen', da in beiden Fällen die Ursache für das extrem ungewöhnliche geräteübergreifende (!) Fehlverhalten nicht klar benannt werden kann. Will heißen: Eine technisch-naturwissenschaftlich plausible Erklärung fehlt. Selbiges gilt für zig weitere im Buch dokumentierte Anomalien, welche den Autoren Heinrich und Ingrid Kusch im Zuge ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit untergekommen sind. Doch kann ich im Rahmen dieser Buchbesprechung leider nicht einmal ansatzweise alle aufzählen.


Mein Fazit

Es war nicht einfach, diese Rezension zu schreiben. Hauptsächlich deshalb, weil das vorliegende Buch dermaßen mit z.T. ungewöhnlichen Informationen und hervorragenden Abbildungen vollgestopft ist, dass es schwer fällt, eine gute Auswahl zu treffen. Hier nicht näher eingehen konnte ich beispielsweise auf das auffällige Kaufinteresse, welches die Katholische Kirche und andere internationale Player an der 12-Apostel-Zeche entwickelten; sogar einen Mordanschlag auf den verkaufsunwilligen Besitzer soll es gegeben haben. Und schließlich wurden auch Heinrich und Ingrid Kusch nach eigenem Bekunden aufgrund ihres Forschungsinteresses bedroht.
Dem einen oder anderen Leser wird das alles zu sehr nach 'Räuberpistole' klingen. Vor allem aber mit der Theorie von den außerirdischen Besuchern, die sich in der irdischen Unterwelt einquartiert hatten, dürfte nicht jeder warm werden. Und ich sage es ganz offen: Mir geht es da mitunter ähnlich. Aber kann ich zumindest Indizien vorlegen, dass es nicht stimmt? Nein. Im Gegenteil, die unzähligen gut dokumentierten Anomalien und naturwissenschaftlichen Analyseergebnisse lassen mich an meinem eigenen Zweifel zweifeln; zumindest was Teilaspekte der Theorie betrifft.
Vom wissenschaftlichen Niveau her dürfte das vorliegende Buch meiner Einschätzung nach weit über allem angesiedelt sein, was zum Themenkomplex der Prä-Astronautik bisher publiziert wurde. Kein Wunder, bei dem von Heinrich und Ingrid Kusch betriebenen Forschungsaufwand. "Geheime Unterwelt" ist freilich nicht perfekt - z.B. sind Formulierung vereinzelt missverständlich bzw. etwas ungeschickt gewählt; auch wenige kleine Fehler haben sich eingeschlichen. Aber unterm Strich gibt es von mir eine klare Kaufempfehlung. Der Leser sollte freilich - um es ein drittes und letztes Mal zu betonen - in der Lage sein, die harten Fakten von der 'mutigen' Theorie getrennt zu bewerten. Wer sich allerdings von der Prä-Astronautik per se 'getriggert' fühlt, dem sei empfohlen, lieber weiterhin 'allwissenden' TV-Professoren wie Harald Lesch zu lauschen. 😉


⚠ HINWEIS! Nachdem mittlerweile eine aktualisierte Ausgabe des Buchs erschienen ist, habe ich eine ebenfalls aktualisierte Rezension dazu veröffentlicht, die überdies am Ende ein Interview mit Heinrich Kusch enthält: Klick mich

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Weitereführende Informationen:


Mittwoch, 10. November 2021

🎧 Hörbares: Heinrich Kusch und die verblüffende "Geheime Unterwelt" (Tipp!) -- Die Schlacht bei Hastings im Jahr 1066 -- Kulturgeschichte des Vampirismus -- usw.



➽ Tipp: Heinrich Kusch und die verblüffende "Geheime Unterwelt" | Spieldauer 195 Minuten | CROPfm | Direkter Download
Der Grazer Podcaster Tarek Al-Ubaidi sprach dieser Tage mit dem Grazer Höhlenforscher, Archäologen und Urgeschichtler Heinrich Kusch - und ich, der Geschichtsblogger aus Graz (alle guten Dinge sind bekanntlich drei 😄), möchte an dieser Stelle die spannende Sendung den Lesern wärmstens ans Herz legen (bei 06:35 geht es los).
Gleich vorweg: Heinrich und seine Frau Ingrid haben im Vergleich zu ihren Vorgängerbüchern (siehe meine verlinkte Rezension unten) in ihrer aktuellen Publikation noch gehörig eins draufgelegt. Und zwar so sehr, dass ich Schwierigkeiten habe, mich ihrer Meinung immer anzuschließen. Doch Meinungen sind eine Sache, empirische bzw. naturwissenschaftlich belegte Tatsachen eine völlig andere. Genau davon präsentieren sie erstaunlich viele, die in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Institutionen wie z.B. der Grazer Karl-Franzens Universität und der Montanuniversität Leoben generiert wurden. Finanziell unterstützt wird die technisch aufwendige Höhlen-Forschung der Kuschs u.a. vom Fürsten von Liechtenstein, Hans-Adam II.
Das alles behalte man im Hinterkopf, wenn man im Podcast bzw. dem Buch auf einschlägige 'Reizwörter' stößt, die ich hier nicht wiedergeben möchte, um potentiell Interessierte nicht vorab zu vergraulen. Denn es ist wichtig, sich alles anzuhören. Und völlig unabhängig, ob man sich der großen, übergeordneten These der beiden Autoren anschließt (wie gesagt, ich kann das zum jetzigen Zeitpunkt nicht), so sollte man doch getrennt davon zumindest die nackten Zahlen - besonders jene in Form von naturwissenschaftlichen Datierungen und Materialanalysen - unbedingt als das würdigen, was sie sind. Absolut außergewöhnlich und wissenschaftlich brisant. Darunter etwa ein tief in einer prähistorischen Schicht entdecktes Buntmetallobjekt, das zu rund 40 Prozent aus Aluminium (!) besteht. 
Ich werde das hochinteressante Buch "Geheime Unterwelt" noch ausführlich hier im Blog besprechen, dann aber auch auf punktuelle Kritik und Zweifel meinerseits näher eingehen.

➽ Das antike Rom im italienischen Faschismus – Historiker Filippo Carlà-Uhink | Spieldauer 66 Minuten | DR | Direkter Download

➽ Kulturgeschichte des Vampirismus - Untote, die an den Tod erinnern | Spieldauer 6 Minuten | DR | Stream & Info | Direkter Download

➽ Die fünf besten Ritterfilme: Zwischen Utopie und bitterer Realität | Spieldauer 6 Minuten | DR | Stream & Info | Direkter Download

➽Die Schlacht bei Hastings im Jahr 1066 | Spieldauer 47 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

➽ Dschingis Khan wird Großkahn | Spieldauer 40 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

➽ Uranus, der neue Planet und das Haarpuder | Spieldauer 3 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

➽ Archäologie: Skelett-Funde von Lepra-Toten verzögern Neubau | Spieldauer 3 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download


Donnerstag, 16. September 2021

Ein rätselhaftes Messer -- Schöne Burgenrekonstruktionen -- Twitter nervt -- Sinnfreies 'virtue signalling' des LWL-Archäologie Westfalen -- usw.

Ein rätselhaftes Messer

Das unten abgebildete Taschenmesser habe ich vor einigen Jahren beim Ausräumen der häuslichen Werkstatt meines Großvaters entdeckt - er lebte damals schon seit über zehn Jahren nicht mehr. Geraume Zeit lag es danach bei mir in einer Kassette, unbeachtet und vergessen. Kürzlich kam es mir aber wieder unter und ich beschloss spontan es ein wenig zu 'restaurieren' und zukünftig als Paketöffner zu nutzen. 

Ich hatte den Verdacht, dass das Messer relativ alt ist. Also googelte ich u.a. nach "Taschenmesser" + "2. Weltkrieg". Das exakt gleiche Modell konnte ich aber nirgendwo finden. Ziemlich überrascht war ich freilich, dass es recht ähnliche Messer auch schon zur Zeit des 1. Weltkriegs gab. Ist es möglicherweise schon so lange im Besitz meiner Familie? War gar mein Urgroßvater der Käufer? Oder ist das Ding 'erst' aus den 50er- oder 60er-Jahren; ein Freund von mir hielt das jedenfalls für möglich, nachdem er Bilder davon in einem Forum herumgezeigt hat. Er meinte auch, dass es sich um ein Kellner-Taschenmesser handelt. Die erstaunlich kleine Klinge soll dazu verwendet worden sein, um von Weinflaschen die Versiegelung abzuschneiden.

Auf der Messerklinge ist der Schriftzug "Solingen" zu lesen. Nun gab und gibt es dort aber verschiedene Messer-Hersteller. Ich weiß auch nicht, ob nur die Klinge in Solingen gefertigt wurde oder das gesamte Stück.

Vielleicht hat von den Lesern jemand eine Vorstellung davon wie alt dieses Taschenmesser tatsächlich sein könnte? Zurzeit ist aufgrund des Fundkontextes, auf den ich hier nicht im Detail eingehen möchte, zwischen ca 1. Weltkrieg und späte 1960er-Jahre alles möglich.



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Schöne Burgenrekonstruktionen

Auf der Seite Burgrekonstruktion.de findet man viele schöne Rekonstruktionen mittelalterlicher Burgen. Alles wurde mit der Hand gezeichnet, was manch Detail besonders gut hervorstreicht. Geordnet ist das Anschauungsmaterial nach deutschen Bundesländern, die oben im Menü ausgewählt werden können. Hier etwa das Beispiel Bayern.

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Sinnfreies 'virtue signalling' des LWL
Bildzitat | Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=c3R4W-qDzF4

Dafür gibt es einen Daumen nach unten. Denn wozu soll das gut sein? Gehörlose können doch lesen - warum reicht also ein geschriebener Willkommenstext auf der Homepage des LWL nicht aus? Noch dazu wo doch Gebärdensprache eine Art 'Steno' ist, die in der Regel verkürzt und daher weniger Inhalt transportiert als gesprochene Sprache oder geschriebener Text. Im konkreten Fall haben Gehörlose also keinen Vorteil, sondern höchstens Nachteile.

Mit dieser Nummer wollten wohl ein paar Archäologen auf Teufel komm raus - und selbstverständlich auch auf Steuerzahlerkosten - ihre vermeintliche Tugend zur Schau stellen. So ähnlich wie viele Vögel auf  Twitter, die - je nach weltanschaulicher Ausrichtung - mit unterschiedlichen Fahnen und sonstigen Symbolen im Profil hausieren gehen (freilich, oft genug lässt sich gerade daran eher der Grad des jeweiligen politischen Dachschadens frühzeitig erkennen).


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Twitter nervt 

Apropos Twitter: Dieser Dienst geht mir seit einigen Monaten zunehmend auf den Wecker, da man in meinen Feed unaufgefordert immer öfter parteipolitischen und teilweise sogar extremistischen Krempel reindrückt (ich hatte solche Phasen in der Vergangenheit schon mehrfach erlebt). Das alles obwohl ich doch nur solche Twitter-Accounts abonniert habe, die sich ausschließlich mit Mittelalter, Antike und ähnlichen Dingen beschäftigen. Ich habe sogar die Twitter-Trends für mein Konto auf Korea umgestellt, um nicht täglich mit dem Topfen behelligt zu werden, denn irgendwelche Hanseln hierzulande in ihren urbanen Bobo-Blasen für wichtig halten. Hilft aber offenbar alles nichts.

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Ein neues Buch, ....

... bei dem eventuell wieder einige Erdstall-'Experten' mit flockigem Schaum vor dem Mund beschleunigt im Kreis springen werden, erscheint demnächst.

Selbstverständlich werde ich dieses Buch hier noch vor Weihnachten besprechen, so wie bereits die drei Vorgängerpublikationen meiner steirischen Landsleute Heinrich und Ingrid Kusch (Link 1, Link 2).

Außerdem weiß ich, dass ein Grazer Podcaster in naher Zukunft ein längeres Interview mit Heinrich Kusch führen wird. Auf diese sicher spannende Sendung werde ich, wenn es soweit ist, zeitnah im Rahmen des Blogs verlinken.

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Sonntag, 21. März 2021

📽️ Videos: Römisches Grab entdeckt -- Spektakulärer archäologischer Fund in der "Höhle des Grauens" -- Seltsame Unterwelten -- usw.



➽ Römisches Grab in Niederösterreich auf Acker entdeckt | Spieldauer 3 Minuten | ORF | Stream & Info

➽ Israel: Spektakulärer archäologischer Fund in der "Höhle des Grauens" | Spieldauer 2 Minuten | Youtube/OE24 | Stream & Info
Ich schäme mich ein bisschen dafür, dass ich mir immer wieder einmal auf dem Nachrichtensender OE24 diverse proletoide Politstreitereien mit dem rundlich-jovialen Ungustl (aka "Schneebrunzer") anschaue 😄. Andererseits stoße ich beim Durchstöbern des Youtubekanals von OE24 mitunter auf tatsächlich Sehenswertes, so wie in diesem Fall.
 


➽ Gänge, Tunnel, Städte? Seltsame Unterwelten | Spieldauer 71 Minuten | Youtube/Stoner frank&frei | Stream & Info 
Ein studierter Archäologe mit Hang zum 'Unorthodoxen' spricht hier über Erdställe und Co. Aus dem Infotext zum Video: Der Boden vieler Städte ist durchlöchert, wie ein Schweizer Käse. Ein Netz von Gängen, Tunneln und Schächten durchdringt wie ein Mycel die Erde. Meist werden dafür einfache Erklärungen gegeben, es handele sich um Lagerräume oder historische Fluchtorte. Doch lässt schon das schiere Ausmaß der Anlagen an diesen Thesen zweifeln. 
Wer hat wann und warum diese aufwändigen Arbeiten durchgeführt? Was hat es mit den Tunneln auf sich, die in dünn besiedelten Gebieten entdeckt wurden? Tatsächlich handelt es sich wohl um ein weltweites Phänomen. Dazu gibt es zahlreiche Mythen, Sagen und Legenden, von Zwergenwelten bis zu unterirdischen Städten und Reichen wie Shambala oder Agarthi. 
Ein Thema zwischen Mythos und Wirklichkeit, welches mehr Fragen aufwirft, als Antworten bietet.


➽ Das größte Katapult Deutschlands in Wunsiedel in Oberfranken | Spieldauer 7 Minuten | Youtube/BR | Stream & Info



Sonntag, 3. November 2019

📽️ Videos: 7000 Jahre alter Massenmord -- Antike Zauberpuppen und Flüche -- Spektakuläre Erdstall-Entdeckung -- Abora IV -- usw.



➽ Zähne klären 7000 Jahre alten Massenmord auf | Spieldauer 6 Minuten | ARD | Stream & Info

➽ WDR-Doku: Die Römer vom Rhein - Leben in Köln | Spieldauer 44 Minuten | WDR | Stream & Info
Informativer als die üblichen, oft auf Reenactment-Krawall gebürsteten Dokus mit Spielszenen. Wer aufpasst, findet freilich trotzdem Fehler, etwa bei der Kleidung oder hinsichtlich des pauschalisierenden Unsinns von der "Glaubensfreiheit im Römischen Reich". Ist Rom doch in Wirklichkeit etlichen Glaubensrichtungen und ihren Vertretern - die im Widerspruch zur staatlichen Ordnung bzw. den 'guten Sitten' standen - mit oft brachialen Methoden auf den Pelz gerückt. Z.B. den Christen, dem Bacchanalien-Kult, den keltischen Druiden in Gallien und Britannien, bestimmten philosophischen Schulen, den theokratischen Strukturen in Dakien - wo man sämtliche Heiligtümer bis auf die Grundmauern schliff; usw.
Auch der 'spannende' Aspekt, dass sich die Angehörigen unterschiedlicher Religionen und Kulturen besonders in städtischen "melting pots" immer wieder bis aufs Blut bekämpft haben, wäre in diesem Zusammenhang eine Erwähnung wert gewesen. Zu nennen sind hier beispielsweise die Unruhen in der Stadt Rom zwischen Juden und Judenchristen während der Regierungszeit von Kaiser Claudius sowie der große Judenaufstand unter Trajan, als sich in Endzeitstimmung geratenen Juden und Andersgläubige vor allem in den Provinzen Ägypten, Zypern und Cyrenaica zu Hunderttausenden gegenseitig bestialisch massakrierten (die entsprechenden Überlieferungen von Cassius Dio und Co. sind nichts für Leute mit schwachem Magen).
Dass der zu Ausgewogenheit und seriöser Recherche angehaltene öffentlich-rechtliche Rundfunk solche bedeutenden Sachverhalte gänzlich verschweigt, und stattdessen wieder einmal den undifferenzierten Mythos vom römischen Toleranz-Disney-Land perpetuiert, wird hoffentlich nicht daran liegen, dass man für gegenwärtige gesellschaftspolitische Anliegen Argumente in der Vergangenheit sucht? Man befürchtet doch wohl nicht etwa, dass der historische Rückgriff als erzieherischer Griff ins Klo endet, wenn dem Rezipienten ein vollständiges Bild präsentiert wird und ihn dieses in die Lage versetzt, tatsächliche Parallelen zwischen (unerfreulichen) Entwicklungen in unserer Gegenwart und ihren Entsprechungen in der Vergangenheit zu entdecken? 😉

➽ Geplantes Landesmuseum in der Kritik | Spieldauer 2 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info

➽ Schwanke beim Deutschen Archäologischen Institut | Spieldauer 45 Minuten | BR | Stream & Info

➽ Muss das Burgmuseum in Ranis schließen? | Spieldauer 2 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info

➽ Abora IV: Muss die Geschichte neu geschrieben werden? | Spieldauer 36 Minuten | Youtube | Stream & Info
Ein interessanter Bericht über die lange Seereise, die der Experimentalarchäologe Dominique Görlitz diesen Sommer auf dem Nachbau eines vorgeschichtlichen Schiffs vom Schwarzen Meer ins Mittelmeer unternahm.


➽ Vergessene Erdställe: Ein spektakulärer Fund bei Grafenau | Spieldauer 9 Minuten | BR/Youtube | Stream & Info
Wie hier durch bloße Inaugenscheinnahme eine Absolutdatierung des Erdstalls auf angeblich rund 1000 Jahre vorgenommen werden konnte, wird dem Seher interessanterweise vorenthalten. Sieht mir sehr nach 'Daumen mal Pi' aus. Aber über Heinrich Kusch und die KF-Uni Graz, die - wenn möglich - mit TCN naturwissenschaftlich datieren, wird gleichzeitig von einigen 'Experten' gemeckert ...


➽ Antike Zauberpuppen und Flüche: Ist Voodoo in Niederbayern erfunden worden? | Spieldauer 5 Minuten | BR/Youtube | Stream & Info


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Dienstag, 13. November 2018

📖 Buch: Asiens Unterwelt - Das Jahrtausende alte Erbe unterirdischer Kultstätten

Im Sachbildband "Asiens Unterwelt" dokumentieren die Höhlenforscher Heinrich und Ingrid Kusch ihre jahrzehntelange Forschungstätigkeit auf dem asiatischen Kontinent, wo ausgedehnte Höhlen selbst heute noch große religiöse und kultische Bedeutung besitzen. Da einige dieser Anlagen längst in Vergessenheit geraten sind oder vor Fremden geheimgehalten werden, mussten die Eheleute Kusch mitunter erst das Vertrauen von einheimischen Wissenden gewinnen, um zu den Objekten ihres Forschungsinteresses zu gelangen.

Im Buch werden unzählige Beispiele für die Ausgestaltung kultischer und religiöser Höhlen gezeigt. Diese reichen von einfachen, aber kurios anmutenden Malereien im seltenen "Röntgenstil" (ich will gar nicht wissen, wie Erich von Däniken das interpretiert 😉) bis hin zu aufwendigen Steinmetzarbeiten, die jenen der europäischen Gotik in Sachen Kunstfertigkeit und Aufwand in nichts nachstehen.

Wie Heinrich und Ingrid Kusch schreiben, sind in manch Höhle auch ungewöhnliche Spuren zu erkennen, die auf bis dato unerklärliche Bearbeitungstechniken hinweisen. Als Beispiel dafür wird eine Anlage in der chinesischen Provinz Zhejiang genannt. Die dort aus dem Felsen geschlagenen, eventeuel schon Jahrtausende alten Hallen sollen Höhen von bis zu 99 m (!) erreichen und besitzen an der Decke eine Oberfläche aus merkwürdig anmutenden meterlangen Rillen / Hohlkehlen - siehe die beiden nachfolgenden Bilder.

Unterirdische Anlage in der chinesischen Provinz Zhejiang. Dass es sich dabei ursprünglich um einen Steinbruch für oberirdische Bauwerke gehandelt hat ist wohl unwahrscheinlich, weil das hier vorkommende Gestein anfällig für Verwitterung ist. Als Depots eigneten sich die Räume ebenfalls nicht, da sie zu feucht und auch viel zu groß/hoch sind. Welchen Zweck erfüllten diese beeindruckenden, teilweise touristisch erschlossenen Anlagen aber dann?
Aus "Asiens Unterwelt", Verlag V.F. Sammler, 2018 |  (c): www.mysteries-magazin.com
Detailaufnahme der auf dem vorangegangenen Foto abgebildeten unterirdischen Halle. Links handelt es sich um Werkzeug-spuren an der Säule, rechts um die besonders auffälligen Werkzeugspuren an der Decke, die geradezu maschinell wirken.
Aus "Asiens Unterwelt", Verlag V.F. Sammler, 2018 |  (c): www.mysteries-magazin.com

Höhlenforschung kann zu seltsamen Erfahrungen führen. So geht beispielsweise - wie wissenschaftliche Versuche ergaben - das Zeitgefühl unter Tage rasch verloren. Auf diesen Umstand sind möglicherweise jene alten Sagen zurückzuführen, in denen es heißt, Menschen seien beim Erkunden einer Höhle eingeschlafen und nach dem Aufwachen in eine Welt zurückgekehrt, die viele Jahre in der Zukunft lag; die Zeit wäre demnach in der Höhle langsamer als in der Außenwelt vergangen.
Solchen Erzählungen und Mythen, die sich um unterirdische Anlagen ranken, dürften in der NS-Zeit dafür mitverantwortlich gewesen sein, dass im Rahmen der Forschungsgemeinschaft "Deutsches Ahnenerbe" Höhlenforscher sowie Archäologen u.a. nach Asien entsandt wurden. Die Buchautoren berichten davon, dass sie noch mit einem Grazer Höhlenkundler sprachen, der in den 1940er-Jahren von der SS regelrecht aus dem Bett geholt und nach Wien gebracht wurde, um dort persönlich mit Adolf Hitler zu konferieren. 

Neben dem Sagenhaften und scheinbar Übersinnlichen gibt es jedoch auch richtig Handfestes, mit dem Höhlenforscher konfrontiert werden können. So berichten die Autoren davon, wie sie beim Betreten eines alten, schwer zugänglichen buddhistischen Höhlentempels plötzlich von tausenden indischen Riesenbienen attackiert wurden, welche die Größe europäischer Hornissen (!) erreichen. Noch nach über einem Kilometer Entfernung wollten die erzürnten Honigsammler nicht von ihren flüchtenden Opfern ablassen. Erlebnisse wie dieses könnten auch aus einem Indiana-Jones-Film stammen!

So weit, so gut. Ein wenig zu kritisieren habe ich, dass Texte und Bilder mitunter nicht ganz geschickt aufeinander abgestimmt wurden. Hier hätte sich der fürs Layout Zuständige ein bisschen mehr anstrengen können. Auch die eine oder andere zusätzliche Quellenangabe / tiefergehende Ausführung hätte ich mir manchmal gewünscht. 

Fazit: In "Asiens Unterwelt" wird ein schöner Einblick in die Welt der unterirdischen Kultstätten des asiatischen Kontinents gegeben. Die von den Autoren dokumentierte Vielfalt ist beeindruckend und hat mich überrascht. Der Kaufpreis beträgt rund 30 Euro.

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Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen:


Donnerstag, 18. Oktober 2018

📖 Hiltibolds aktuelle Leseliste: Tutanchamun -- Asiens Unterwelt -- Regensburg zur Römerzeit -- Die Himmelsscheibe von Nebra




➽ Tutanchamun - Die Reise in die Unterwelt | von Sandro Vannini (Fotograf) | Taschen Verlag | 2018 | 448 Seiten | Preis: 50 Euro | Infos bei Amazon
Ein bildgewaltiger Brummer über den ägyptischen Totenkult zur Zeit von Pharao Tutanchamun bzw. des 'Neuen Reichs'. Für die im Buch enthaltenen, wirklich wunderschönen Fotos (siehe hier), hat der verantwortliche Fotograf einen immensen, schon fast absurden Aufwand betrieben (anders als ich beim obigen Foto, das dementsprechend aussieht). Leider passt das Buch mit seiner Höhe von 35 cm nicht mehr in mein Bücherregal. Naja, jetzt liegt es eben oben drauf 😊

➽ Asiens Unterwelt: Das Jahrtausende alte Erbe unterirdischer Kultstätten - Vom vorderen Orient bis Ostasien | von Heinrich und Ingrid Kusch | Verlag F. Sammler | 2018 | 240 Seiten | Preis: 30 Euro | Infos bei Amazon
Die steirischen Speläologen Heinrich und Ingrid Kusch haben in einem Zeitraum von mehreren Jahrzehnten viele Hundert Höhlen - natürliche und künstliche - auf der ganzen Welt erforscht (siehe dazu auch mein Interview mit Heinrich Kusch). In diesem aktuellen Sachbildband geht es um die interessante Forschungstätigkeit des Ehepaares auf dem asiatischen Kontinent.

➽ Regensburg zur Römerzeit: Von Roms nördlichster Garnison an der Donau zur ersten bairischen Hauptstadt | von Karlheinz Dietz, Thomas Fischer | Verlag Friedrich Pustet | 2018 | 288 Seiten | Preis: 40| Infos bei Amazon
In diesem Buch geht es um das bayrische Regensburg während der Antike und der Spätantike. Da Regensburg geraume Zeit Standort einer römischen Legion war - und zwar der Legio III Italica - liegt ein Schwerpunkt des Buchs beim römischen Militär, auf das man sehr detailliert eingeht.

➽ Die Himmelsscheibe von Nebra: Der Schlüssel zu einer untergegangenen Kultur im Herzen Europas | von Harald Meller, Kai Michel | Propyläen Verlag | 2018 | 384  Seiten | Preis: 25 Euro | Infos bei Amazon  
Als ich vor etlichen Jahren das erste mal die Bezeichnung "Himmelscheibe von Nebra" gehört habe, dachte ich unmittelbar, das Ding hätte man irgendwo in Afrika ausgegraben. Wie ich damals darauf gekommen bin, weiß ich auch nicht. Aber vermutlich, weil "Nebra" sehr nahe am Wort "Zebra" liegt 😁
Das Buch ist von Harald Meller, einem Kenner der Himmelsscheibe, in die schon ungemein viel hineininterpretiert wurde. Vielleicht trägt er ja zu einer Bereinigung des Thesen-Sammelsuriums bei. Oder er erweitert es sogar? Ich bin gespannt.


Ausführlichere Rezensionen zu den obigen Büchern folgen hier in den kommenden Wochen.

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Samstag, 13. Mai 2017

Mysteriöse Erdställe als Klangräume und Orte der Heilung? - Ein Interview mit der Forscherin Birgit Symader



Erdställe sind ein archäologisches Phänomen, das erst seit wenigen Jahren in den Fokus einer etwas breiteren Öffentlichkeit geraten ist - obschon die Forschungsgeschichte bis mindestens in das 19. Jahrhundert zurückreicht. 
Der von der modernen Wissenschaft verwendete Begriff "Erdstall" führt freilich ein wenig in die Irre, denn hier ist keineswegs von einem unterirdischen (Tier-)Stall die Rede. Nein, vielmehr ist damit eine Stelle unter der Erde gemeint; genauer gesagt eine Ansammlung von miteinander verbundenen Hohlräumen, deren tatsächlicher Sinn und Zweck bis dato Rätsel aufgibt.
Auch bei der Datierung dieser Anlagen herrscht unter den Erdstallforschern keine Einstimmigkeit. Einige sprechen von einer möglichen Errichtung im Mittelalter, andere wiederum verorten zumindest einzelne Bauten im Magdalénien (ausgehende Altsteinzeit). Möglicherweise ist beides richtig, denn mit der Bezeichnung "Erdstall" könnte die Forschung unwissentlich zeitlich weit auseinanderliegende Anlagen unter einem Oberbegriff zusammengefasst haben.
Über die Erdstallforschung in der Steiermark wurde hier bereits mehrmals berichtet (Links dazu finden sich am Ende des Beitrages). Doch auch in Bayern gibt es engagierte Forscher, die sich dieses spannenden Themas annehmen. Eine von ihnen ist Birgit Symader, die den Arbeitskreis für Erdstallforschung e.V. leitet. In folgendem Gespräch wird sie Einblick in ihre wissenschaftliche Tätigkeit geben.



Liebe Frau Symader, wie sind Sie dazu gekommen, sich intensiv mit Erdställen zu beschäftigen?
Mein Hobby ist seit etwa 25 Jahren die Höhlenforschung und Archäologie. Gerade bei der Höhlenforschung stolpert man immer über andere unterirdische Anlagen, wie Bergbau, Wassergänge oder eben auch Erdställe. Durch eine örtliche Veränderung in die Oberpfalz wurde das Thema, aufgrund der räumlichen Nähe zu den Erdställen, ein größeres Anliegen für mich - bzw. fast schon mein zweiter Job.   

Wie viele Erdställe konnten bisher in Bayern dokumentiert werden? 
Die Mitglieder in unserem Verein haben bisher gut 50 Anlagen dokumentiert und weiteren 580 Anlagen Aufgrund von Hinweisen oder Überlieferungen in eine Datenbank aufgenommen. Die Dokumentationen enthalten meistens eine detaillierte Gangbeschreibung, Pläne und Bilder. 

Wie hoch ist ungefähr der Anteil jener bayerischen Erdstall-Anlagen, die archäologisch sorgfältig erforscht werden konnten? Ich könnte mir nämlich vorstellen, dass bei der überwiegenden Anzahl aus Kostengründen nur ein eine rudimentäre Dokumentation stattfindet, oder?
Archäologisch wurden bisher nur wenige Anlagen untersucht. Und zwar die Anlage in 🔼Mitterschneidhart (Lkr. Kelheim), Prof. Rind / Kaulich; 🔼Höcherlmühle (Lkr. Schwandorf), Schaller; 🔼Grasfilzing (Lkr. Cham), Symader; 🔼Aumbach (Lkr. Cham), Symader; 🔼Sierning (Oberösterreich) Traxler (Landesmuseum) in Zusammenarbeit mit AK-Erdstallforschung. 
Die archäologische Dokumentation ist für Laien eine Herausforderung. Die Vorgaben für die ehrenamtlichen Helfer sind exakt die gleichen wie für Grabungsfirmen. Viele Ehrenamtler schrecken vor dieser ungemein wichtigen Arbeit zurück. Nicht die Kosten, sondern das Know-How und die Zeit sind das Problem. Nur wenige Mitwirkende in unserem Arbeitskreis nehmen dies auf sich.

Es gibt verschiedene Arten von Erdställen: Gemauerte (Trockenmauer-Bauweise) und in den Fels oder in loses Gestein/Erdreich gegrabene. Dominiert eine bestimmte Bauform in Bayern? Und ist es überhaupt wahrscheinlich, dass beide Bauformen zur selben Zeit 'en vogue' waren? Können nicht relativ lange Zeiträume zwischen dem Entstehen von gemauerten und gegrabenen Erdställen liegen? Werden hier mitunter gar Dinge in einen Topf geworfen, die keinen besonders engen Bezug zueinander haben, außer dass es sich um unterirdische Gänge handelt?
In Bayern sind die Anlagen aus dem anstehenden Fels geschlagen. Trockenmauern sind ganz selten. Die Datierung der Arbeitspuren ist nach jetzigem Stand nicht möglich, es ist lediglich anhand der Bearbeitungsspuren das Arbeitsgerät zu eruieren und dies ist zeitlich einzuordnen.
Ich persönlich würde unterschiedliche Zeitstellungen auf keinen Fall ausschließen. Wir konnten wenige Spuren von unterschiedlichen Bauphase belegen, aber warum sollten die Anlagen nicht auch in unterschiedlichen Epochen genutzt worden sein ...

Sind die Erdställe Ihrer Meinung nach für einen längeren Aufenthalt geeignet? Bei künstlichen Höhlen ist ja speziell die Belüftung häufig ein Problem. Und gibt es bezüglich des Raumklimas bei den verschiedenen Erdstall-Bauformen spürbare Unterschiede? 
Ich denke nicht, dass die Erdställe für einen längeren Aufenthalt gebaut wurden. Der Mensch ist bequem und hätte es sich sicher für längere Zeit auch gemütlich gemacht. Es gibt aber keine Befunde, die auf einen längeren Aufenthalt des Menschen oder anderer Lebewesen hindeuten.
Für kürzere Aufenthalte, als Versteck, sicher eine gutes Plätzchen. Ich habe bei meinen vielen längeren Aufenthalten in Erdställen, aufgrund von Grabungen und Dokumentationen, den Ort immer als angenehm empfunden. Die Belüftung war nur bei stark gestörten Anlagen, durch äußerliche Eingriffe,  ein Problem. 


Sie vertreten die Meinung, dass sich Erdställe - entgegen einer immer wieder geäußerten These - nicht gut als Verstecke vor Räubern oder ähnlich bösen Gesellen geeignet haben. Als Grund führen Sie unter anderem an, dass die in Erdställen oft vorhandenen Schlupfe (siehe obiges Bild) zu eng für dicke Menschen oder Schwangere sind; und das obwohl Frauen in den vergangenen Jahrhunderten - verglichen mit heute - relativ häufig schwanger waren. 
Auch gibt es bisher keine eindeutigen Belege, die eine religiöse Verwendung der unterirdischen Gangsysteme beweist. Als Vorratsräume seien sie ebenfalls nur sehr bedingt geeignet, heißt es.
Stattdessen könnte Ihrer Meinung nach manch Erdstall eventuell zum Kurieren von Krankheiten verwendet worden sein, was sehr spannend klingt. Hat diese Überlegung etwas mit Ihren Versuchen zu tun, das Verhalten von Schwingungen/Resonanzen in Erdställen zu beobachten? Vielleicht können Sie davon Einzelheiten berichten?
Ja, es würde wenig Sinn machen ein Versteck für eine bestimme Zielgruppe zu bauen. Auch als Lager ist es für unser heutiges Verständnis gar nicht gut geeignet, würde man meinen. Leider hat sich bisher niemand wissenschaftlich mit der Theorie Lagerhaltung/Verstecke auseinandergesetzt. Sei es um diese zu belegen oder auszuschließen. Das wäre die normale Vorgehensweise.
Es gibt aktuell eine Wissenschaftlerin, die sich speziell mit dem Thema Lagerhaltung bzw. welches Lagergut zu dem Erdstall passen würde, auseinandersetzt. Wir können jetzt schon auf die Publikation gespannt sein. Allerdings wird dabei immer davon ausgegangen dass wir uns im Mittelalter befinden.  Lebensmittel des Mittelalters, Lebensumstände etc.
Es gibt zwar einige Befunde für das Mittelalter, diese weisen aber auf eine Zeit hin in der die Erdställe nicht mehr für den ursprünglichen Zweck genutzt worden sind. Stattdessen hat man sie als Abfallgruben zweckentfremdet. Meiner Meinung nach sollte man den zeitlichen Rahmen nicht einengen, sondern fragen „wie war es vor 1000 n. Chr.“.
Aber für was ist der Raum Erdstall noch geeignet? Man kennt z.B. aus Ägypten Klangräume. Eine Frage die ich gerne klären möchte: Welche Frequenzen werden im Erdstall aufgebaut, wenn dort z.B. ein Ton eines Instruments abgesetzt wird? Und wie reagiert der menschliche Organismus darauf? In der Elektrotherapie wird mit verschiedenen Frequenzen geheilt, selbst das Schnurren einer Katze hat heilende Wirkung. Diese Tests lassen sich sehr einfach durchführen, sofern man das Equipment und Know-How hat.
Weitere medizinische Aspekte: Der Raum Erstall weist ähnliche Merkmale wie eine Naturhöhle auf, z.B. bei der Luftfeuchtigkeit. Also ein idealer Platz für einen Asthmatiker. Und wie verhalten sich Vierenstämme unter diesen Bedingungen? Welche Krankheiten lassen sich hier besonders gut ausheilen? Alles Fragen mit denen sich bisher noch niemand beschäftigt hat. Es liegt noch viel Forschungsarbeit vor uns. 

In alten österreichischen Kirchendokumenten tauchen Hinweise auf Erdställe ("Schratteln") auf. Wie sieht es bezüglich schriftlichen Überlieferungen in Bayern aus? 
Schlecht. Ein Schriftstück aus dem Bistum Passau soll vorhanden sein, erst letztes Jahr wurde um Einsicht gebeten. 

Lokale Sagen handeln oft von Wesen (z.B. Zwergen), die in Höhlen unter der Erde hausen, woraus bis zu einem gewissen Grad auch ein Zusammenhang mit tatsächlich vorhandenen Erdställen abgeleitet werden kann. Wie stark beziehen Sie solche Informationen bei Ihrer Forschung mit ein? 
Sehr. Wenn es eine Geschichte gibt, ist auch irgendetwas Unterirdisches zu finden - allerdings nicht immer ein Erdstall. Die Geschichte der Schrazeln, Zwerge, Erdweibl, Erdmannli gibt es überall wo es unterirdische Anlagen gibt. Es war für die Menschen ja auch eine gute Erklärung, denn wer sonst soll dort gelebt haben? In Arnschwang in der Oberpfalz gab es im letzten Jahrhundert jemanden, der den "Schrazn" noch etwas zum Essen und sogar Kleidung hingelegt hat.
Fakt ist, die kleinen Wesen sind in den Erzählungen allesamt nett zum Menschen. Dann macht der Mensch einen Fehler und sie verschwinden. 

Ein kritischer Punkt ist die Datierung. Manch Forscher meint, die Erdställe stammen allesamt aus dem Mittelalter. Als 'Beweis' führt man einige wenige Holzkohlereste aus Erdställen an, die mittels C14-Methode untersucht bzw. datiert wurden. Äußerst Problematisch hierbei ist freilich, dass diese Holzkohlestückchen genauso gut im Zuge einer Sekundärnutzung der Anlagen eingebracht worden sein könnten, die ja bei nicht wenigen Erdställen tatsächlich dokumentiert ist. Die verlässliche Absolut-Datierung eines Erdstalls ist mir dieser Methode daher nicht möglich, oder?
Nein, das denke ich nicht. Wir können davon ausgehen dass die Erdställe etwa ab dem 12. - 13. Jhd. nicht mehr zu dem ursprünglichen Zweck genutzt wurden. Eingebrachte Funde belegen dies, und diese sind in der Regel aus dem 11-14 Jahrhundert. Die letzte Datierung aus dem Erdstall Grasfilzing belegte sehr gut eine mögliche Nutzung bis in das 13. Jhd. Eine eingebrachte Pflanzenschicht die direkt auf dem Boden auflag ist mir der Nutzungszeit in Verbindung zu bringen.
Eine Datierung zur Entstehung gibt es im Ansatz nur bei dem Erdstall Höcherlmühle bzw. einem dort befindlichen Bauschacht (um 1000 n. Chr.) - sofern man davon ausgeht, das letzerer direkt im Anschluss an seine Fertigstellung verschlossen wurde. Aber bei lediglich einem gegrabenen Bauschacht ist es nicht sinnvoll, die Befunde auf alle Erdställe umzulegen. Wenn wir 20 archäologisch untersuchte Bauschächte haben, könnte man sicher eine Aussage treffen, doch jetzt ist so etwas eigentlich noch nicht möglich. 

Im Falle einer intensiven Sekundärnutzung der Erdställe kann von der Möglichkeit ausgegangen werden, dass älteres Material im Zuge von Reinigungsarbeiten entfernt wurde. Selbiges könnte bei späteren Erweiterungen der Anlagen - die in einigen Fällen nachweisbar sind - geschehen sein. Erschweren diese Unwägbarkeiten verlässliche Aussagen zum Alter einzelner oder gar aller Erdställe nicht ungemein?
Ja natürlich. Bei den meisten bestehenden Anlagen ist es schwierig noch Befunde zu rekonstruieren Es wurde auch meistens bei den ersten Begehungen davon ausgegangen dass die Funde nicht zur Nutzzeit gehören und somit nicht wichtig sind. Das ist schade, denn auch diese Funde wären wichtig gewesen. Daher kommt übrigens auch die allgemeine Aussage „Erdställe sind fundleer“. Sie sind definitiv nicht fundleer, 

Erdstallforscher in der Steiermark erklären, dass sie mittels der sogenannten TCN-Methode (Terrestrial Cosmogenic Nuklides), die seit einigen Jahren in der Archäologie angewendet wird, in der Lage sind, unter bestimmten Umständen das bearbeitete Gestein von Erdställen direkt zu datieren. Und zwar dann, wenn diese in Trockenmauer-Bauweise errichtet wurden. Sie kommen hierbei auf ein Alter, das einen Entstehungszeitpunkt nahelegt, der etliche Jahrtausende vor der Zeitendwende angesiedelt ist. Wie sehen Sie die Sache? Wäre TCN eine (zugegebenermaßen nicht gerade billige) Untersuchungsmethode, die zukünftig auch für Ihre Forschung in Bayern eine Option darstellen könnte?
Für die Datierung mit der TCN-Methode sind unserer Erdställe nicht gut geeignet. Es bedarf eingebauter Steine/Platten, die an der Oberfläche gebrochen wurden. Wir haben z.B. lediglich eingebrachte Mühlsteine, die sicherlich an der Oberfläche gefertigt wurden. Es fehlen aber die Referenz-Steinbrüche dazu.
Außerdem muss ich gestehen, fehlt es uns am Know-How, die Proben zu entnehmen und für mich wäre eine Interpretation das noch größere Problem. Meiner Meinung nach kann ich nicht davon ausgehen - nehmen wir das Beispiel mit dem Mühlstein - dass dieser mit der Bauzeit unmittelbar in Verbindung steht. Er kann ja auch schon Jahrhunderte lang anderweitig benutzt worden sein.

In der Steiermark (Raum Vorau) wurden von Heinrich Kusch sogenannte Lochsteine in Zusammenhang mit Erdställen gebracht. Hat man in Bayern ähnliches beobachtet oder sind Lochsteine bei Ihnen nicht weit genug verbreitet, um solche Schlüsse zu ziehen?
Lochstein-Reihen, wie sie das Vorauer Gebiet durchziehen, haben wir in Bayern nicht. Erst kürzlich bin ich aber über einen „gestolpert“. Und zwar im Gebiet Untergriesbach bei Passau. Dort wurde ich für eine Expertise zu einem unterirdischen Gang gerufen. Vorab waren einige interessante Indizien bekannt:
🔼 Unmittelbar nördlich ein ehemaliger Burgstall aus dem Hochmittelalter.
🔼 800 Meter südwestlich ein ehemaliger Herrensitz.
🔼 Ein unterirdischer Gang soll lt. Überlieferung die beiden Anwesen verbinden.
Die Fakten waren:
🔼 Ein Gang existierte etwas südlich des Burgstalls.
🔼 Es handelte sich um einen Bergbaustollen aus dem Mittelalter und der Verlauf ging in Richtung des Herrensitzes, war aber nach 70m verschüttet.
🔼Im Ort stand ein Lochstein. Dieser Lochstein stand ursprünglich am ehemaligen Herrensitz mit noch zwei weiteren.
Jetzt könnte man natürlich spekulieren. Ich bin jedenfalls sehr froh, durch Dr. Kusch auf Lochsteine sensibel zur reagieren. Sie werden auch immer eingemessen und in den Berichten mit beschrieben. Wer weiß, wann diese Information von Nutzen sein wird.

Immer wieder stößt man bei Bauarbeiten auf Erdställe; oder Bauern brechen mit ihren Traktoren in diese Hohlräume ein. Manch Entdecker wird sie einfach verfüllen, ohne den Denkmalschutz zu informieren. Und das wohl nicht nur aus Unwissenheit, denn dem Grundstückseigentümer drohen in Bayern bei einer Meldung erhebliche Kosten, die ihm für die fachgerechte Dokumentation eines solchen Bodendenkmals aufgebrummt werden können. Doch hier springen nun Sie und Ihr gemeinnütziger Verein helfend ein und erledigen die anfallende archäologische Arbeit quasi kostenlos. Sind Ihnen deshalb die kommerziellen Grabungsfirmen, die so um Aufträge umfallen, ein bisschen böse? Oder besteht hier keine direkte Konkurrenz?
Dies kann ich jetzt nicht so einfach beantworten. Üblicherweise wird bei einem Bodendenkmal, das z.B. bei Erschließung eines Baugebiets gefunden wird, eine Grabung durchgeführt. Das Bodendenkmal wird dabei zerstört, somit muss es entsprechenden den Vorgaben dokumentiert werden. Die Kosten übernimmt in diesem Fall der Eigentümer. Dies kann bei einer Grabung schon in die Tausende gehen. Die Entscheidung was gegraben wird und was nicht, trifft das Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) oder die Kreisarchäologie. Die Erdställe, die bisher einer Baustelle gewichen sind, wurden leider nicht gemeldet, sie waren dann halt einfach mal weg. Es wurden keine archäologischen Dokumentationen durchgeführt.
Sehr schade, denn wir als Verein würden so etwas für den Eigentümer übernehmen. Die Zerstörung eines Erdstalles ist leider per Gesetz nur eine Ordnungswidrigkeit und kostet nicht besonders viel Strafe.
Es ist traurig wie viele Erdställe die letzten 30 Jahre schon weichen mussten und nicht mehr dokumentiert werden konnten. Dies ist eine große Aufgabe, die der Arbeitskreis zusammen mit dem BLfD stemmen möchte. Es gab schon Gespräch mit den Zuständigen der Bodendenkmalpflege und ein Konzept für die Erdställe wird die nächsten Jahre umgesetzt werden. Das beinhaltet unter anderem die Erdställe in die „Vorgaben zur Dokumentation“ speziell mit einzubinden, damit sichergestellt ist, Erdställe vor Raubgräbereien zu bewahren. Diese Dokumentationen könnten dann natürlich auch Grabungsfirmen durchführen.
Bisher, bei all meinen Erdstall Sicherungen und archäologischen Dokumentationen, wurde der Eigentümer nicht belastet (Im Detail nachzulesen in unseren Jahresschriften 41 und 42). Die Gelder wurden von uns vom Bezirk, Gemeinde oder vom BLfD beantragt. Die Arbeiten wurden vom AK geleistet. Ich hoffe sehr, dass es uns so gelingt weitere Zerstörungen der Erdställe zu verhindern.
Tja, und ob uns die Grabungsfirmen böse sind, weiß ich nicht. Ich arbeite ja selbst in einer und ich kann nur sagen, viele meiner Kollegen haben mit dem Thema Erdstall noch „Berührungsprobleme“. Trotz meiner Aufklärungsarbeit ist eben ein neolithisches Gräberfeld interessanter 😊

Das Thema Erdstall dem Ottonormalbürger zu vermitteln, ist eine Aufgabe, die Ihr Verein ebenfalls in Angriff genommen hat. Neben einigen für die Öffentlichkeit begehbaren Anlagen ist mittlerweile sogar ein europäisches Erdstall-Forschungszentrum in Planung. Was hat es damit auf sich?
Ja, es wird ein Europäisches Erdstallforschungszentrum mit archäologischer Dokumentation - wie der offizielle Titel lautet - geben.
Mitten in der Oberpfalz - in Neukirchen-Balbini - hat die Gemeinde ein denkmalgeschütztes Haus, mit einem Erdstall im Keller, erworben, das ab 2019 als Museum vorgesehen ist. Die Forschungsergebnisse unseres deutsch–österreichischen Vereins und der europäischen Schwestergesellschaften werden zusammengeführt und bilden somit die Grundlage für die weiterführende Erdstallforschung in Europa. Das Museum dient damit als Basis-Station für die Mitglieder des Arbeitskreises e.V. und als Informationsquelle für die zuständigen Ämter, für Universitäten, Schulen und heimatgeschichtlich interessierte Privatpersonen. Es werden archäologische Funde ausgestellt und ein Periskop gibt einen Blick in die Endkammer des Erdstalls. Die Themen werden von den Sagenwelten bis zu der Erbauung eines Erdstalles das Komplette Spektrum abdecken. Im Haus sind auch unser Archiv und eine Bibliothek untergebracht, die wir dem Fachpublikum zur Verfügung stellen.
Derzeit beschäftigen wir uns noch mit dem Konzept, das wir zusammen mit der Firma archaeotext ausarbeiten. Bis zur Museumseröffnung 2019 werden steht uns noch viel Arbeit bevor.

Was sind, neben dem Erdstall-Forschungszentrum Ihre Pläne für die Zukunft? Gibt es etwas, das Sie besonders gerne näher erforschen würden?
Derzeit arbeite ich meine letzte Erdstall-Grabung auf. Dabei werde ich versuchen, einen Abdruck der Bearbeitungsspuren zu machen. Es geht mir darum, eine größere Fläche des Felsens mit einer Abformmasse abzubilden. Dieses könnte z.B. in Gips gegossen ein prima Ausstellungsstück für unser Museum abgeben. In der Anlage sind auch schöne Kienspanlöcher, die abzuformen mir hoffentlich ebenfalls gelingt.
Außerdem möchte ich gerne weitere Resonanz-Tests durchführen. Leider ist mein bisheriger Partner für dieses Experiment plötzlich verstorben, somit musste ich es erst mal auf Eis legen. Es wird sich hoffentlich noch jemand finden.
Mir ist sehr daran gelegen, die Erdställe in den nächsten Jahren als ernstzunehmendes Forschungsobjekt zu etablieren. Es gibt noch viel zu erforschen.
Dann werde ich weiter daran arbeiten, dass die Erdstallbesitzer mit uns und den BLfD kooperieren, um weiter Zerstörungen der Erdställe zu verhindern. Es wäre schön, wenn sich mehr Menschen für das Thema begeistern könnten und uns im Arbeitskreis unterstützen. 

Diesem Wunsch schließe ich mich an. Und vielen lieben Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, das interessante Thema Erdstall hier näher zu erörtern. 



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