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Sonntag, 24. Mai 2026

Zeitschrift Bayerische Archäologie - Heft 1.26: Schlachtfeldarchäologie (außerdem: steuergeldfinanziertes Archäo-Fressen in Erding, böse Metalldetektoren und mehr)


Und weiter geht es mit einer neuen Ausgabe der Zeitschrift "Bayerische Archäologie". Schwerpunkt ist diesmal das durchaus interessante Thema "Schlachtfeld-Archäologie" (und weil das Verzichten auf den Bindestrich im Heft-Titel zu einer stark veränderten Bedeutung geführt hätte, hat man diesmal nicht aus rein optischen Gründen absichtlich auf die deutsche Rechtschreibung gesch...pfiffen ^^). 

Natürlich enthält das Heft auch Beiträge zu anderen Themen. Entsprechend werde ich eine Auswahl treffen, um nicht zuletzt einen kritischen Blick auf den staatlichen bzw. staatsnahen Archäologiebetrieb und seine Akteure zu werfen. Schauen wir also, was mich diesmal - passend zum Blog-Motto - so alles aufregt 😉.



Rätselhaft wie die Sibylle von Cumae, Völlerei und eine geriatrische Ausflugsgesellschaft

Die "Gesellschaft für Archäologie in Bayern" (GfA) hat in wissenschaftlicher Hinsicht zweifellos ihre Verdienste. Ich finde diesen Verein bzw. einige seiner großkopferten Akteuer aber trotzdem in mancherlei Hinsicht skurril bis suspekt - wie ich schon mehrfach in den Rezensionen dieser Heftreihe anhand von Beispielen dargelegt habe. Etwa der wohl narzisstische Hang dieser Truppe und seines Dunstkreises, sich inflationär gegenseitig irgendwelche Ehrungen umzuhängen, ist in meinen Augen befremdlich. Nun hatte sich die GfA - unter anderem zu diesem Zweck - bei einer in Erding abgehaltene Jahrestagung versammelt, wo, wie es heißt, ein "archäologieaffiner" Ortskaiser regiert. Und weiter berichtet man:

Zuletzt lud Oberbürgermeister Gotz zum Empfang der Stadt ins Museum Erding, wo er in einer bewegenden Ansprache einerseits den Wert von Archäologie und Geschichte hervorhob und andererseits dazu aufrief, mit demokratisch gewählten Amtsträgern achtsam umzugehen, da man sonst womöglich irgendwann keine mehr finden werde.

Was redet der da? Was soll das heißen? Dass ihm der berüchtigte 188er-Paragraph nicht ausreicht und man seinesgleichen komplett in verbale Zuckerwatte einwickeln soll? Oder will dieser Herr auf etwas ganz anderes hinaus, das sich nur dem intimen Kenner der Politikszene Bayerns/Deutschlands erschließt?
Im Übrigen, nur direkte Demokratie ist echte Demokratie im Sinne einer Volksherrschaft, wie sie der Begriff 'Demokratie' bedeutet (von historischen Feinheiten abgesehen). 'Repräsentative Demokratie' ist hingegen ein astreines Oxymoron - sprachlich wie auch in der politischen Praxis. Man benötigt freilich ein Minimum an intellektueller Redlichkeit, um das zu konstatieren; was Parteipolitiker weitestgehend ausschließt. Die sägen nicht den Ast ab, auf dem sie sitzen. Der Adel hat seine Herrschaft ja auch nicht freiwillig abgegeben.

Auf die geistige Erbauung folgte umgehend die körperliche Stärkung an einem reichhaltigen und vielfältigen Büfett der Stadt.

Ah, der indigene Zahlesel darf hier demnach für die opulente Fresserei eines auswärtigen Privatvereins löhnen, dessen saturierte Funktionäre überproportional im geschützten staatlichen Bereich arbeiten oder gearbeitet haben. Wirklich sehr sympathisch, dieses ungenierte Schnorrertum auf Steuerzahlerkosten. Besonders in Zeiten des rapiden wirtschaftlichen Niedergangs und Wohlstandsverlusts breiter Teile der Bevölkerung. Es bleibt hier nur noch die Frage: Erstreckt sich die Großzügigkeit der Gemeinde Erding auf alle lokalen Vereine? Werden diesen ebenfalls fette Buffets bezahlt? Falls nicht, dann sollte man diesem Oberdemokraten von einem Bürgermeister vielleicht die Frage stellen, wie "demokratisch" es eigentlich ist, wenn das cornu copia (Füllhorn) der Gemeinde tendenziell nur über jenen Vereinen ausgeschüttet wird, deren Vereinszweck er persönlich geil findet.

Zum Schluss noch eine Beobachtung: Die GfA berichtet auch von einem mehrtägigen Ausflug, der gut 20 ihrer Mitglieder nach Baden-Württemberg führte. Unter anderem zu meiner Lieblingsmittelalterbaustelle Campus Knalli Galli. Die Reisegruppe posiert dabei vor einer der dortigen Gebäuderekonstruktionen. Als ich mir die Leute so ansah, dachte ich mir: Sind die aber alt! Da würde ja selbst ich mit meinen Mitte Vierzig jung im Vergleich dazu aussehen. 
Falls diese Reisegruppe ungefähr das Durchschnittsalter der Vereinsmitglieder repräsentiert, dann sollte man sich dringend überlegen, ob hier nicht Handlungsbedarf besteht. Denn wenn die Vereinsarbeit primär bei Personen Anklang findet, die in der Nacht vermutlich dreimal aufstehen müssen, um einmal zu pieseln, dann läuft hier grundlegend etwas falsch. 


Die befahrene Kühlgrube, in der Mäuseschädel und Holzreste eine Party feiern

Für mich eigentlich ganz interessant ist ein Text, in dem es um die Erforschung einer Grube im Keller der Burg Hiltpoltstein geht (Namensgeber war angeblich ein Hiltebold 😀). Man vermutet, dass diese nicht sehr große Grube - sie ist lediglich 2,25 Meter tief - für die Kühlung von Lebensmitteln vom Spätmittelalter bis in die späte Neuzeit verwendet wurde. Temperaturmessungen ergaben, dass es am tiefsten Punkt der Grube um fast 4 Grad kühler war als am Boden des Kellergewölbes. 
Ob es sich aber auszahlt, dafür eine Grube in den Sandstein zu schlagen? Oder haben hier die Forscher etwas übersehen? Wurde das Ding vielleicht im Winter dicht mit Eis vollgepackt, um dieses bis in den Sommer hinein verwenden zu können? Da ein doppelter Boden aus Holz vorhanden war, durch den Schmelzwasser hätte abrinnen können, würde mich das nicht wundern (mehr von mir zum Thema der historischen Lebensmittelkühlung hier).

So weit, so gut. Doch bei gewissen Formulierungen im Text habe ich mit den Augen heftig zu rollen begonnen. So konnte ich mich noch nie mit dem in der Archäologie gebräuchlichen Begriff "Vergesellschaftung" (von Funden) anfreunden. Wenn etwa in diesem Loch Mäuseschädel, Holzreste und Keramikscherben "vergesellschaftet" sind, dann hört sich das für mich an, als ob die zusammen eine Party feiern. In Gesellschaft befinden sich für mich nur Lebewesen; zuvörderst Menschen, aber auch Tiere.

Besonders ulkig wurde es aber, als es hieß, Besucher der Burg können die freigelegte Grube "befahren". Und ja, ich weiß natürlich, dass dieser Begriff in der Höhlenforschung üblich ist. Aber bei einem nur 2,25 Meter tiefen Loch hört sich das irgendwie lächerlich an. Wäre es so schlimm, wenn man einfch nur "hinuntersteigen" sagen würde? Oder hört sich das nicht schlaudeutsch genug an?


Der Herr Doktor

In Wolkertshofen ist man im Rahmen von Bauarbeiten auf das steinerne Fundament eines römerzeitlichen Grabhügels gestoßen, der in dieser Form auf dem Gebiet der einstigen Provinz Raetia  selten vorkommt - heißt es. Gewundert habe ich mich aber vielmehr über den komplizierten Namen der zuständigen Grabungsfirma: "Archäologiebüro Dr. Woidich GmbH." Wie kommt man, bitteschön, auf so etwas? Wieso hat "Archäologiebüro GmbH" nicht ausgereicht? Das ist doch eingängig und knackig? Wozu auch noch den Dr. Woidich dranhängen? Um mit dem akademischen Grad Kompetenz zu signalisieren? So wie hier 😄? Oder hat einfach das Ego dieses Herrn Woidich es nötig gehabt, dass er mit seinem Doktor im Firmennamen aufscheint? 
Mit dieser Verkomplizierung verringert man jedenfalls nur wieder einmal die Auffindbarkeit mittels Suchmaschine. Ich habe über ein anderes Beispiel ja erst in der Rezension der vorherigen Ausgabe von "Bayerische Archäologie" berichtet. Davon abgesehen, sieht die Website aus, als ob sie von einem Programmier-Laien bzw. ihm selber erstellt wurde - und zwar in grauer Vorzeit. Hoffentlich ist er wenigstens als Archäologe besser...


Böser Metalldetektor

In einem Beitrag, der unter anderem schlachtfeldarchäologische Untersuchungen in Oberfranken zum Thema hat, heißt es:

Eines der Beispiele ist der Reisberg bei Scheßlitz in Oberfranken, der vor allem durch zahlreiche Hinterlassenschaften aus der späten Kaiserzeit bekannt geworden ist. Bei den dortigen Fundauf- sammlungen und Prospektionen konnten aber auf den Hängen unterhalb der Wallreste auch etliche Bronzepfeilspitzen entdeckt werden. Sie lassen auf eine militärische Auseinandersetzung um die Höhensiedlung während der Urnenfelderzeit schließen. Dennoch lässt sich daraus kein vollständiges Bild gewinnen, denn die Fläche innerhalb der Umwehrung wurde bei der Prospektion mit dem Metalldetektor zum Schutz des Denkmals bewusst ausgespart.

Inwieweit schütz der Verzicht auf Metalldetektoren ein Bodendenkmal? Das ist doch erst mal eine nicht-invasive Methode, mit der man die Verteilung von Metallobjekten im Gelände dokumentieren kann; das Graben ist ja nicht die zwingende Folge daraus. Und wenn doch, dann kann das selektiv und vergleichsweise behutsam erfolgen; so kann dies etwa nur dort durchgeführt werden, wo sich eine ungewöhnlich starke Häufung von Metallfunden abzeichnet (z.B. Hortfund). Auch ist es möglich, sich unter bestimmten Umständen auf den sowieso gestörten Mutterboden zu beschränken. Der (gute) Detektor zeigt die ungefähre Tiefe an, in der ein Metallobjekt liegt.  

Grundsätzlich ist aber zu sagen, dass die Nichtverwendung von Metalldetektoren - möglicherweise aus ideologischen Gründen (und ja, das gibts in der Archäologie tatsächlich!) - ziemlich blödsinnig auf mich wirkt. Hier auf potentiell wertvolle Informationen zu verzichten, widerspricht dem ureigendsten Gedanken der Wissenschaft: WISSEN SCHAFFEN! Die Verantwortlichen sehen sich stattdessen mehr als Konservatoren. 
Eine üble Unsitte, die da in der Archäologie seit einiger Zeit zunehmend am Einreissen ist und auch bei manch Ausgräber auf wenig Begeisterung trifft; ich habe über die wahrscheinlichen Hintergründe u.a. in meinem Beitrag über die äußerst fragwürdige Erschließung der berühmten Anlage von Göbekli Tepe (Türkei) geschrieben.



Dienstag, 3. März 2026

📖 Zeitschrift Bayerische Archäologie - Heft 4.25: Horte - Schatzfunde von der Steinzeit bis zu den Kelten (außerdem: Narzissmus, archäologische Grobmotorik sowie weitere Ärgernisse)


Ja, schon wieder gibt es hier die Besprechung eines Heftes aus der Reihe "Bayerische Archäologie" - obwohl ja die letzte Rezension (Heft 3.25) noch nicht lange her ist. Aber ich hinke hinterher und möchte nach Möglichkeit keine Ausgabe auslassen. Denn "Bayerische Archäologie" ist immer wieder hervorragend geeignet, um auf Unzulänglichkeiten in der Archäologie bzw. der Geschichtswissenschaft hinzuweisen. Zu diesem Zweck habe ich mir wieder ein paar Beispiele herausgepickt.

Zuvor aber noch ein paar Worte bezüglich des Themenschwerpunkts im vorliegenden Heft: Entgegen der Meinung vieler Laien, besitzen Horte bzw. Schätze einen oft nur relativ bescheidenen wissenschaftlichen Mehrwert. 'Mehr Zeug' bedeutet nämlich nicht automatisch 'mehr Erkenntnisgewinn'; zumindest nicht in nennenswertem Ausmaß (auch wenn im Heft eine Frau Carola Doppelname einen anderen Eindruck erwecken möchte). 
Allerdings lassen sich regelrechte Anhäufungen von Artefakten museal oft besser vermarkten als bloße Einzelstücke. So haut beispielsweise ein einzelnes bronzezeitliches Tüllenbeil den 'Otto Normalbesucher' nicht vom Hocker. Bekommt man aber gleich einen ganzen Haufen davon präsentiert, dann beeindruckt das viele Menschen gleich wesentlich mehr. 
Daher sind mMn die deutschen Denkmalbehörden auch so erpicht darauf, die Finder von Horten mittels einschlägigen Gesetzen ("Schatzregal") zu enteignen. Die hehre Wissenschaft wird hierbei wohl meist nur vorgeschobenen (man müsste den Krempel schließlich nicht dauerhaft besitzen, bloß um ihn zu erforschen und zu dokumentiere). Die Beweggründe dürften auf staatlicher Seite also grundsätzlich von eher nieder Natur sein: Nicht zu vernachlässigende Aspekte sind hier auch das Gieren nach medialer Aufmerksamkeit und die bei vielen Archäologen so beliebten Museumsjobs - die viele Funde in staatlichem Besitz garantieren. Denn wirklich graben, also Feldarchäologie betreiben, wollen heutzutage die wenigsten Archäologen auf Dauer: Zu anstrengend, zu dreckig, zu ordinär. Zum Glück hat man sich in Deutschland schon vor rund vier Jahrzehnten den archäologischen Grabungstechniker ausgedacht, der - neben den Myriaden von kostengünstigen studentischen Hiwis - nun das Gros der Knochenarbeit erledigen soll.


Zu Schlaudeutsch

Der Misserfolg der von mir großzügig kritisierten Mittelalterbaustelle "Campus Galli" hat mehrere Ursachen. Eine nicht unwichtiger dürfte aber der hochgestochene Name des Projekts sein, von dem sich wohl nur wenige Menschen emotional angesprochen fühlen. Mit diesem selbstverschuldeten Mangel stehen die Betreiber des Campus Galli allerdings nicht alleine dar. So fand ich im vorliegenden Heft einen Artikel, in dem es um den wirklich interessanten Fund einer kleinen Bronzfigur auf dem Areal des ehemaligen keltischen Oppidums Manching geht; dargestellt ist hier wohl ein keltischer Krieger aus dem 3. Jahrhundert vor Christus. 

Im selben Artikel werden die zwei beteiligten Grabungsfirmen genannt: Archäologie GmbH und Pro Arch Prospektion. Während der Name der ersten Firma selbsterklärend und somit auch für den Durchschnittsbürger verständlich ist, so handelt es sich beim Namen des zweiten Unternehmens um ein kryptisches Konstrukt, das meiner Erfahrung nach typisch für Pseudoschlauberger und Poser ist (das "Pro" soll wahrscheinlich 'professionell' oder etwas in der Art heißen/signalisieren ˆˆ). Was hier als besonderer Negativpunkt hinzukommt: Klassische Suchmaschinen und selbst LLMs (KIs) priorisieren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in den meisten Zusammenhängen den ersten Firmennamen, sobald im Internet jemand nach einem archäologischen Dienstleister sucht. So gesehen ist die wolkig klingende Bezeichnung Pro Arch Prospektion vermutlich auch noch geschäftsschädigend.


Archäologische Grobmotoriker 

In Burgbernheim wurde archäologisch gegraben. In einem urnenfelderzeitlichen bzw. spätbronzezeitlichen Areal stieß man auf eine vollständig erhaltene Sichelgießform aus Amphibolit. Ebenfalls dort entdeckte man die aus Sandstein gefertigte Abdeckplatte für eine weitere Sichelgießform. Doch wurde diese leider stark beschädigt (ca. ein Drittel ist abgebrochen und fehlt). Wie es heißt, geschah dies vermutlich beim Abziehen des Oberbodens mittels Baggerschaufel. 

Aus ganz eigener Anschauung, die ich im Rahmen mehrerer archäologischer Grabungen gewonnen habe, darf ich versichern, dass solche 'Missgeschicke' ständig vorkommen. Das möge sich der Leser bitte ganz genau merken, für den Fall, wenn sich wieder einmal Archäologen öffentlich über die unsachgemäße Behandlung von Bodenfunden durch Laien beschweren, um daraus die Notwendigkeit für strenge Bodendenkmalschutzgesetze abzuleiten. 

Man verstehe mich nicht falsch: Fälle wie der obige können im Rahmen archäologischer Maßnahmen passieren, ohne dass hier den Verantwortlichen immer zwingend ein Vorwurf gemacht werden kann. Es veranschaulicht allerdings die totale Heuchelei, wenn Archäologen bzw. Bodendenkmalpfleger in der Öffentlichkeit gezielt den Eindruck erwecken, sie würden mit archäologischen Funden/Befunden immer verfahren, als ob es sich um rohe Eier handelt.


Orchideen und Narzissten

In den sogenannten "Mitteilungen" der "Gesellschaft für Archäologie in Bayern" geht es unter anderem um die Verleihung des Bayerischen Archäologiepreises an das St. Marien-Gymnasium Regensburg. So weit, so unspektakulär. 

Dass die Abordnung - mit einer Ausnahme - nur aus weiblichen Schülern besteht, entspricht freilich so ganz und gar nicht den Diversitäts- und Geschlechtergerechtigkeitspredigten, die auch in Schulen auf der Tagesordnung stehen. Aber überraschen tut mich das bei einem Orchideenfach wie der Archäologie nicht besonders. Es überwiegt dort ja auch im Studium mittlerweile das weibliche Geschlecht (obschon viele ihre akademische Ausbildung gar nicht beenden oder nach dem Abschluss in irgendwelchen völlig fachfremden Bereichen landen; der das sauteure Studium finanzierende Steuerzahler ist hier - wie so oft - der Depp).

Ein Paradebeispiel für den Narzissmus des übersaturierten "Bildungsbürgertums" liefert dann die verantwortliche Pädagogin (Direktorin?) der Schule. Die Frau ist nicht nur die Autorin des Textes, sondern sie erwähnt sich auch selbst darin in der dritten Person - und zwar folgendermaßen: 

"StDin i. K. Dr. Katrin Kunert".

Als jemand, der mit dem deutschen Schulsystem nicht sehr vertraut ist, habe ich keinen Schimmer, was dieses Abkürzungskauderwelsch bedeutet (und mir fehlt auch auch die Lust, diesen Schmarrn nachzurecherchieren). Bemerkenswert ist eine dergestalt antiquierte Selbstdarstellung aber schon, gibt man sich doch gerade im weltanschaulich eher wenig heterogenen Schulbetrieb so gerne progressiv/modern (Frau Doktor gendert dementsprechend artig) und predigt den Egalitarismus in allen möglichen Facetten. Die Behauptung "alle Menschen sind gleich", würde daher wohl auch die gute Frau Kunert mit Begeisterung nachplappern. Dass sie sich selbst jedoch mittels absurd langem Titel-Epos eindeutig als gleicher inszeniert, dürfte ihr völlig entgangen sein; oder es ist ihr in ihrer Eitelkeit komplett wurscht. 


Abschließend

Auf die einzelnen Hortfunde, die im Heft betrachtet werden, bin ich hier nicht eingegangen. Aber die Texte dazu sind unterm Strich durchaus lesenswert.


Samstag, 7. Februar 2026

📖 Zeitschrift Bayerische Archäologie - Heft 3.25: Römerzentren Bayerns (Ideologie und Tugend-Posing in archäologischen Museen)

Mit der Rezension von diesem bereits im Frühherbst 2025 erschienen Heft aus der Reihe "Bayerische Archäologie" bin ich arg spät dran,... aber was will man machen!? Wie der Titel bereits klar und deutlich verkündet, geht es thematisch um die "RÖMER ZENTREN BAYERNS". Den Bindestrich hat man sich hier geschenkt. Der Verlag Pustet muss wahrscheinlich sparen ...

Exemplarisch werde ich aus der vorliegenden Zeitschrift einige Beiträge herausgreifen, die mir entweder gut gefallen oder die bei mir schlicht Mordlust hervorrufen (es kann sich fallweise auch irgendwo dazwischen bewegen 😉). 
 

Modernes Museumsmarketing: Narzissmus und Ideologie
 
Die Entwicklung und den Aufbau der römischen Stadt Cambodunum (heute Kempten), beschreiben Maike Sieler und Salvatore Ortisi in einem längeren Beitrag (letzterer Herr ist quasi der italienische 'Austauscharchäologe', der als Ersatz für den nach Italien abgewanderten Gabriel Zuchtriegel nach Deutschland geschickt wurde 😄). 
Der Text ist an sich ok, besonders gefallen haben mir die erhellenden Rekonstruktionsgrafiken wie etwa vom Forum der Stadt. Auch die Fotos von echten Rekonstruktionen römischer Bauten, die man heute im Archäologischen Park Cambodunum bestaunen kann, sind sehr schön. 

Leider findet sich ganz am Ende des Beitrages (S. 19) ein Paradebeispiel für wokes Museums-Marketing: Die personell auffällige Zusammensetzung bzw. demographisch atypische Gewichtung im entsprechenden Foto wurde ja mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht rein zufällig so gewählt wie sie gewählt wurde: Ein blondes Mädchen und ein Mädchen sowie ein Bub von vielleicht nordafrikanischer bzw. sehr 'südländischer' Herkunft werden beim gemeinsamen Besuch des archäologischen Parks gezeigt. Auch die Geschlechterverteilung ist hier eher kein Zufall. Kaum etwas an dieser Bildkomposition dürfte spontan oder authentisch sein - das legt jedenfalls die jahrelange Beobachtung solcher Inszenierungen im weltanschaulich längst nicht mehr sehr diversen geschichtswissenschaftlich-archäologischen Milieu nahe. Wollte man hier also in der üblichen billig-narzisstischen Weise Tugend signalisieren, um Bonuspunkte in der eigenen sozialen Blase zu sammeln? Oder kommt in diesem Bild gar eine Art umgedrehter Rassismus zum Ausdruck, der einen totalen demographischen Wandel herbeisehnt? So oder so, diese Leute, die oft auf Steuerzahlerkosten an allen Ecken und Enden ihre Politik induzieren, sind schlicht unerträglich. 

Anmerkung: Ich verzichte auf das Posten des gegenständlichen Bildes, weil die darauf abgebildeten Kinder in Ruhe gelassen werden sollen. Sie können nichts dafür, dass sie von Erwachsenen quasi instrumentalisiert werden.
 
 
"Aberglaube"
 
In einem interessanten Beitrag über die römische Stadt Sorviodurum (Straubing) wird am Rande ein (keramisches?) Zauberpüppchen erwähnt bzw. gezeigt. Man hat es in der Antike - vermutlich wie eine Voodoo-Puppe - mit Nadeln durchstochen. Im Inneren befindet sich ein kleiner Hohlraum, in den einst magische Stoffe gesteckt wurden (angeblich). 
Interessanterweise wird das alles vom Autor mit dem Begriff "Aberglaube" punziert. Doch wieso eigentlich? Schließlich handelt es sich dabei um einen in unseren Breiten traditionell christlich geprägten Schmähbegriff. Hingegen für die Menschen dazumal war beispielsweise ein solches Püppchen völlig normal und Teil der alltäglichen Glaubenswelt. 
Ich finde es erstaunlich, dass es immer noch Historiker und Archäologen gibt, die das nicht berücksichtigen; so als ob die Aufklärung nie stattgefunden hat und man Funde/Befunde immer noch durch die Brille des Christentums filtern muss.


Lametta und Hut

In der Heftmitte verschwendet man wieder einmal Platz für die "Mitteilungen" der Gesellschaft für Archäologie in Bayern. Lauter Blabla. Darunter befindet sich ein kurzer Bericht über die Verleihung der sogenannten "Christlein-Medaille" (immerhin fehlt der Bindestrich hier nicht 😆). Ich werde nie vollständig begreifen, warum sich Leute darüber freuen, wenn man sie - einem Weihnachtsbaum nicht unähnlich - mit Lametta behängt. Im gegenständlichen Fall handelt es sich beim Preisträger aber zumindest nicht um einen typischen Establishment-Hansel, der für Wohlverhalten belohnt wird, sondern um einen fleißigen Ehrenamtlichen.
Grinsen musste ich freilich, als ich auf einem Foto - das sich neben dem Text über die Preisverleihung befand - ein weiteres Beispiel aus der Kategorie "lustiger Archäologenhut" entdeckte. 😁


Thomas Fischer

Gute gefallen hat mir das abgedruckte Interview mit dem Archäologen und Römer-Forscher Thomas Fischer, den sicher einige Blogleser kennen werden. Von ihm habe ich bereits mehrere Bücher im Rahmen des Blogs besprochen, z.B. "Die Armee der Caesaren". Mittlerweile gibt es eine weitere dicke Publikation von ihm: "Bayern zur Römerzeit." Vielleicht werde ich auch hier wieder zugreifen. 
Fischer, der mittlerweile im Ruhestand ist, hat außerdem einen Science Fiction-Roman geschrieben und ist Donald-Duck-Fan. Ein Mann mit sehr unterschiedlichen Interessen! 


Da sehe ich schwarz ... (schon wieder!)

Wie im Fall des eingangs erwähnten Archäologischen Parks Cambodunum, so ist man wohl auch im kleinen Römermuseum Bedaium (Seebruck) der Meinung gewesen, die Normalisierung der ethnischen Nicht-Norm sei geboten. Denn anders kann die sehr dunkelhäutige Schaufensterpuppe schwerlich erklärt werden, die Teil eines Dioramas ist, welches im Rahmen einer Sonderausstellung über römische Landwirtschaft präsentiert wird. Wer fühlt sich hier nicht an jene berüchtigte BBC-Cartoon-Dokumentation über das römische Britannien erinnert, die vor nicht allzu langer Zeit für Kopfschütteln sorgte?

Jeder ernstzunehmende Archäologe/Historiker weiß ganz genau: Gebiete, die in Subsahara-Afrika bzw. Schwarzafrika liegen, waren nie Teil des Römischen Reichs. Auch hatte Rom nur marginale Berührungspunkte mit dieser Weltgegend. Der Handel war sehr überschaubar (dann vor allem mit Äthiopiern, Nubiern) und große Kriege, die schwarzafrikanische Gefangene in nennenswertem Ausmaß ins Reich transferiert hätten, gab es praktisch nicht. Dementsprechend findet man in alten römischen Bildquellen Schwarzafrikaner (mitunter pauschal als Aethiopes bezeichnet) nur ganz selten. Sie waren, das bezeugt auch die Archäologie, nie ein alltäglicher Anblick. Ganz besonders nicht in einer nördlich gelegenen Provinz, die sich auf dem Gebiet des heutigen Bayern befand! 

Den handelnden Personen im Römermuseum Bedaium ist dergleichen offenbar wurscht. Dementsprechend kommt hier der dringende Verdacht auf, dass sie keine stringent ernstzunehmende Wissensvermittlung betreiben wollen, sondern den Versuch unternehmen, Museumsbesucher mittels einer bewussten ethnisch-historischen Fehlgewichtung zu indoktrinieren. Oder anders formuliert: Man suggeriert, eine absolute Ausnahme sei dazumal die Regel gewesen. Und das ist gegebenenfalls noch viel schlimmer als das ganz oben beschriebene Werbesujet des Archäologischen Parks Cambodunum. Denn darin lässt man die ideologietriefenden Finger zumindest von den historischen Fakten.

Im Übrigen: Solche Dioramen sehen weniger billig und gruselig aus, wenn man die Köpfe und Hände entweder komplett weglässt oder die 'nackten' Körperteile verdeckt (dann auch gerne durchgehend mit dunklem Stoff, da hier niemand mit Verstand annehmen wird, es handle sich um eine ethnische Darstellung). Das erleichtert es den Betrachtern, sich auf das Wesentliche (die Kleidung und Ausrüstung) zu konzentrieren, anstatt sich von den toten Augen der Schaufensterpuppe ablenken zu lassen (was ansonsten fast zwangsläufig der Fall ist). Wie das kostengünstig mit ein paar Damenstrumpfhosen bewerkstelligt werden kann, habe ich bereits in einem Blogbeitrag gezeigt


Fazit

Ein interessantes Heft, das u.a. offenbart, mit welchen intellektuellen und charakterlichen Unzulänglichkeiten man heutzutage im geschichtswissenschaftlichen Betrieb konfrontiert wird. 

Samstag, 12. Juli 2025

📖 Zeitschrift "Bayerische Archäologie" - Heft 2.25: Stadtgründungen im Mittelalter - Die Wittelsbacherstädte (Achtung, Hiltibold ist wieder respektlos 😉)


In der Heftreihe "Bayerische Archäologie" liegt diesmal der Schwerpunkt im Bereich hochmittelalterlicher Stadtgründungen in Bayern. Äußerst spannend sind für mich in diesem Zusammenhang die im späten 16. Jahrhundert entstandenen Modelle bayerischer Städte, von denen einige in der vorliegenden Ausgabe abgebildet sind. Neben dem Heftschwerpunkt sind aber wie üblich natürlich auch weitere Beiträge zu anderen Themen enthalten.
Außerdem haben mich mehrere Inhalte dazu veranlasst, wieder einmal "respektlos" zu werden (um einen erbosten Blogleser zu zitieren). Vielleicht regt sich ja auch diesmal wieder jemand darüber auf? 😁


Campus Galli: Gleich und Gleich gesellt sich gerne!

Die "Gesellschaft für Archäologie in Bayern" (das sind jene bornierten Herren- und Damenschaften, die keine wissenschaftlich interessierten Metallsondengeher bei Lehrgrabungen dabeihaben wollen) kündigt in ihren sogenannten "Mitteilungen" in der Heftmitte eine viertägige Exkursion nach Oberschwaben an. Unter anderem besucht man die Bachritterburg in Kanzach und - jetzt kommts - den Campus Galli in Meßkirch, "wo seit 2012 die eindrucksvolle Nachbildung eines frühmittelalterlichen Klosters auf der Grundlage des St. Galler Klosterplans entsteht"
Da lachen ja die Hühner! Denn "eindrucksvoll" sind in der Realität ausschließlich die Unsummen an Steuergeld, die dieses unsägliche Versagerprojekt verschlingt. Freilich, die "Gesellschaft für Archäologie in Bayern" steht auch hinter der vorliegenden Zeitschrift "Bayrische Archäologie", mit der sich der Verein - neben Spenden und Mitgliedsbeiträgen - finanziert. Nun ist es in diesem Zusammenhang interessant zu wissen, dass laut verschiedener Online-Quellen wiederum genau diese Zeitschrift vom Land Bayern kräftig bezuschusst wird. Will heißen, es findet demnach eine indirekte Finanzierung des als "gemeinnützig" eingetragenen Vereins "Gesellschaft für Archäologie in Bayern" mit Staatsknete statt. So gesehen ist es wohl kein Wunder, dass man das ebenfalls steuergeldfinanzierte Treiben in Meßkirch durch die rosarote Brille betrachtet. Gleich und gleich gesellt sich bekanntlich gerne (dem Verlag Friedrich Pustet, bei dem die Zeitschrift erscheint, mache ich hier keinen Vorwurf).

Notiz am Rande: Dass man in der Zeitschriftenreihe die äußerst löbliche und wichtige Rubrik mit den oft staatlich zu verantwortenden Denkmalschutz-Schweinereien nach nur wenigen Jahren wieder gestrichen hat, könnte übrigens auch mit der besagten Finanzierungsstruktur zu tun haben. Die KI GROK kommt hier auf den gleichen Gedanken wie ich:

"Eine mögliche Erklärung für das Streichen der Rubrik könnte sein, dass die Redaktion oder die Gesellschaft für Archäologie in Bayern den Fokus der Zeitschrift stärker auf wissenschaftliche Inhalte und positive Vermittlung von Archäologie und Denkmalpflege legen wollte, anstatt auf kritische oder kontroverse Themen wie Denkmalschutzsünden. Solche Rubriken könnten potenziell Konflikte mit Behörden, Eigentümern oder anderen Interessengruppen hervorrufen, insbesondere da die Zeitschrift teilweise durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert wird. Dieses Ministerium ist eng mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege verzahnt, das für Denkmalschutz zuständig ist, was eine kritische Berichterstattung über Versäumnisse im Denkmalschutz möglicherweise erschwert."

Zusammengefasst: Man beißt nicht die Hand, die einen füttert. Oder: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Ich sollte "Bayerische Archäologie" daher zukünftig wohl als verkappt staatliche oder staatsnahe Archäologiezeitschrift bezeichnen. 


Wie ein vergammelter keltischer Umgangstempel die Mittelalterbaustelle Campus Galli als Schildbürger-Projekt entlarvt

In den Jahren 2007 bis 2009 wurde im archäologischen Erlebnispark Gabreta ein gallo-römischer Umgangstempel errichtet. Baumaterial: Holz. Das Ding war nach relativ kurzer Zeit dermaßen baufällig, dass laut einem Heftbeitrag mittlerweile aus statischen Gründen nicht nur 20 Holzsäulen ausgetauscht werden mussten, sondern man dabei auch gleich das Holzschindel-Dach neu gedeckt und Wandelemente repariert hatte.
So ist das eben, wenn man historisch halbwegs authentisch baut. Aber was sagt uns das in Bezug auf die von mir nicht sehr geschätzte Mittelalterbaustelle Campus Galli, wo man über einen Zeitraum von vielen Jahrzehnten mit relativ wenigen Arbeitskräften nicht bloß ein einzelnes kleines Gebäude, sondern gleich eine frühmittelalterliche Großklosteranlage - ebenfalls zu erheblichen Teilen aus Holz bestehend - errichten möchte? Nun, wer hier mitdenkt, wird unweigerlich zu dem Schluss kommen, dass den Betreibern das bereits Errichtete lange vor der Fertigstellung des großen Rests wieder vergammelt sein wird. Und in der Tat sind die Herrschaften bereits jetzt - nach erst 13 Jahren - ständig mit Reparaturarbeiten beschäftigt, was Zeit, Geld und sonstige Ressourcen frisst, die dann bei der Weiterentwicklung der Anlage fehlen. Schilda lässt grüßen. Allerdings wird man eine ehrliche und kritische Analyse wie diese wohl nie in den Massenmedien finden. Die halten der Schnorrertruppe in Meßkirch vielmehr seit über einem Jahrzehnt die Stange. 


Von Stroh und nützlichen Idioten

Im umfangreichen Heftbeitrag "Archäologie mittelalterlicher Stadtgründungen in Bayern" schreibt gleich zu Beginn ein Herr Haberstroh - seines Zeichens Hauptkonservator und stellvertretender Abteilungsleiter der Bodendenkmalpflege am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege - die folgenden wunderlichen Sätze:

"Der Münchner Stadtkataster stellt allein den Erhalt der Denkmalschutzsubstanz in den Mittelpunkt, ohne Ansätze unterschiedlicher Bewertung anzubieten. Vor missbräuchlicher Deutung schützt ihn vielleicht auch seine eingeschränkte Öffentlichkeit, gerade im Vergleich mit anderen Konzepten im Zeitalter von open source und open data. Aufgaben der Veröffentlichung und Vermittlung archäologischer Grabungsergebnisse erfüllt der Münchner Stadtkataster ausdrücklich nicht."

Was textet der 'Großkopferte' vom Amt da, dachte ich mir. Eine "missbräuchliche Deutung"? Von archäologischen Befunden? Ja was zum Geier soll denn das im konkreten Kontext der mittelalterlichen Stadtgeschichte Münchens überhaupt bedeuten? Wozu hat dieser Mensch ein Hochschulstudium absolviert, wenn er dann nicht einmal in der Lage ist, sich allgemein verständlich auszudrücken, sondern stattdessen kryptisch orakelt wie die Sibylle von Cumae?!
Also habe ich den Artikel abfotografiert und einem guten Bekannten geschickt, der rund 30 Jahre lang als Archäologe in Bayern und in anderen Ecken Deutschlands tätig gewesen ist. In seiner Antwort meinte er, dass er die inkriminierte Textstelle als Kritk an Forschern versteht, die nicht jenen archäologischen Ansichten anhängen, welche Haberstroh vertritt. Der Herr sei wohl weinerlich, weil er und seine Buddys durch open access und andere Faktoren die eigene Deutungshoheit und wissenschaftliche Wichtigkeit schwinden sehen. Bürgerforschung bzw. citizen science sei diesen Leuten ein Graus, wenn sie nicht am staatlichen Gängelband stattfindet. 
Mir will scheinen, dass diese Einschätzung recht nahe an der Realität liegen dürfte. Die "Gesellschaft für Archäologie in Bayern" befindet sich diesbezüglich übrigens auf demselben falschen Dampfer. Eigeninitiative schätzt man dort gar nicht. Und damit schließt sich der Kreis, denn wir sind nun wieder beim bereits weiter oben erwähnten Umstand angelangt, dass dieser Verein bei Lehrgrabungen keine wissenschaftlich interessierten Metallsondengänger dabeihaben möchte, die sich einer engen staatlichen Kontrolle entziehen. Vielmehr wird der Sondengänger als Hiwi betrachtet, welcher bestenfalls Handlangertätigkeiten im Auftrag der staatlichen Archäologie verrichten soll. Der Begriff vom "nützlichen Idioten" kommt mir dabei in den Sinn. Getrost darf man in diesem Zusammenhang auch davon ausgehen, dass die "Gesellschaft für Archäologie in Bayern" an der außerordentlich dummen und verachtenswerten Neuausrichtung des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes mitgewirkt hat. 


Die "Frankfurter Silberinschrift"

Interessant ist ein archäologischer Fund, der in Frankfurt gemacht wurde: Eingerollt in einem Silberamulett, haben Experten (nicht "Expertinnen und Experten", wie im Heftbeitrag umständlich gestusstextet wird) eine dünne Silberfolie mit einer Inschrift entdeckt. Die aufwendige Entzifferung ergab, dass es sich um einen christlichen Text handelt. Datiert wird das Ganze in die Mitte des 3. Jahrhunderts nach Christus. Es handelt sich dabei, wie es heißt, um das älteste vollständig christlich zu wertende Zeugnis nördlich der Alpen. Die zuvor ältesten rein christlichen Funde waren rund 50 Jahre älter.
Wieso man das Ding so komplett fade und geistlos als "Frankfurter Silberinschrift" bezeichnet hat, wird dem Leser nicht erläutert. Mich wundert diese geistige Trägheit freilich, denn gerade Archäologen verfügen doch ansonsten auch über eine ausgeprägte Imaginationsgabe - wie sie ständig anhand skurriler Storys, die irgendwelchen Funden anhängt werden, unter Beweis stellen. Ich muss heute noch lachen, wenn ich beispielsweise an das Fragment eines Kettenpanzers denke, das man auf dem Harzhorn-Kampfplatz ausgegraben hat. Allein dafür haben die Verantwortlichen bei einer Pressekonferenz schon fast einen historischen Roman präsentiert … 
 
 
FAZIT
 
Insgesamt ein durchaus interessantes Heft, in dem anhand vieler Einzelbeispiele bayerischer Städte ein guter Eindruck hinsichtlich der Umstände mittelalterlicher Stadtgründungen vermittelt wird. Wobei meine relativ umfangreiche Kritik in dieser Rezension nicht repräsentativ für den gesamten  Heftinhalt ist. Vielmehr habe ich mir die aus meiner Sicht besonders kontroversen Teile herausgepickt. Also sozusagen das, was mir so richtig auf den Wecker ging 😁.
 
 

Sonntag, 27. April 2025

💸 Wollt ihr das totale Mittelalter?! - Hiltibold rezensiert die Chronik des Campus Galli (2024) in seiner unnachahmlich charmanten und sachlichen Weise 😁


Kürzlich habe ich die die 2024er-Chronik der angeblich superauthentischen Mittelalterbaustelle Campus Galli gelesen, in der die Betreiber einen Blick auf die Vorjahressaison (2023) werfen. Da ich mir bisher fast alle diese Chroniken - plus zwei verschiedene Ausgaben des sogenannten "Baustellen-Führers" - fürs Rezensieren im Blog gekauft habe, darf ich mit Fug und Recht feststellen, dass meine Wenigkeit nicht ganz unerheblich zur Finanzierung dieses ständig vom Pleitegeier umkreisten Vorhabens beigetragen hat. Eigentlich verdiene ich dafür ein Dankeschön 😄

Werfen wir nun einen manchmal überspitzten und launigen, aber trotzdem an den Fakten orientierten Blick in das Büchlein, um herauszufinden, was da in der baden-württembergischen Gemeinde Meßkirch auf Steuerzahlerkosten getrieben wird. Ist es Wissenschaft? Tourismus? Oder bloß eine ABM-Maßnahme für am Arbeitsmarkt schwer vermittelbare 'Spinner', die der Allgemeinheit schamlos auf der Tasche liegen? 
 

Ein Zahlenaklrobat und fragwürdiger Doppelfunktionär

Das fängt ja gut an! Gleich zu Beginn der Chronik wird meiner Ansicht nach gelogen, dass sich die Balken biegen; weil es aber vielleicht nicht de jure eine Lüge ist, sondern als (unqualifizierte) Meinung durchgehen könnte, nennen wir es eine "Unwahrheit" 😉. Der Vorsitzende des Campus-Galli-Freundeskreises - ein CDU-Berufspolitiker mit dem Namen Burger (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Dickmacher aus den USA) - behauptet im Vorwort: 
 
Auch auf dem Campus Galli gibt es Erfreuliches zu berichten. Mit 83000 Besuchern sind die Zahlen wieder auf Vor-Corona-Niveau angestiegen.

Nun ist Wikipedia zwar als seriöse Quelle insgesamt zum Krenreiben, aber beim Campus-Galli-Text scheint sich trotzdem jemand richtig Mühe zu geben (ausgenommen natürlich bei der Rubrik "Kritik" ^^). Sehr übersichtlich sind dort u.a. die Besucherzahlen aufgelistet.

22. Juni bis 03. November 2013              12.225
02. April bis 02. November 2014             36.582
03. April bis 01. November 2015             48.058
01. April bis 01. November 2016             65.755
01. April bis 05. November 2017             79.660
24. März bis 04. November 2018            82.988
02. April bis 03. November 2019             91.661 (direkt vor Corona)
29. Mai bis 01. November 2020              53.800
13. Mai bis 07. November 2021              66.899
01. April bis 06. November 2022             75.511
01. April bis 05. November 2023             81.881

 
81881 Besucher waren es demnach 2023, nicht 83000, wie der Politheini in der Chronik quasi behauptet. Wie kommt dieser Mensch also auf rund 1100 Besucher mehr? Doch selbst wenn 81881 stimmen würde, so besteht der Bullshit auch darin, dass im Jahr 2019 - also unmittelbar bevor es mit der Corona-Panik losging - 91661 Besucher zu verzeichnen gewesen sind. Selbst die von Burger behaupteten 83000 Besucher liegen weit unter diesem für seine Argumentation ausschlaggebenden Wert.
Man hat 2023 deshalb niemals die Vor-Corona-Zahlen erreicht! Stattdessen ist man davon so weit entfernt wie dieser Burger von einer Mensa-Mitgliedschaft (btw, ich lebe in Österreich, deshalb kann er sich seinen 188er bestenfalls an den Hut stecken, falls er einen hat). Ganz davon abgesehen, dass es Burgers eigene intellektuell total verwahrloste Partei war, die maßgeblich für die extrem überschießenden Corona-Maßnahmen verantwortlich gewesen ist. Genau diese Maßnahmen waren es aber, welche den ohnehin finanziell maroden Campus Galli noch weiter in Schieflage brachten. Die Betreiber sahen sich im Angesicht des politisch aufs Auge gedrückten Maßnahmen-Schwachsinns sogar genötigt, vor Gericht zu ziehen - mit Erfolg (kaum zu glauben, so dermaßen durchgeknallt ist es, aber selbst diesem sehr weitläufigen, mitten im Wald gelegenen Freilichtmuseum war ursprünglich wegen angeblicher Ansteckungsgefahr die Tätigkeit untersagt worden). 

Übrigens, der CDU-Burger ist nicht nur Boss des u.a. fürs Geldeinsammeln zuständigen Freundeskreises des Campus Galli, sondern er sitzt auch als Mitglied in der sogenannten LEADER-Aktionsgruppe Oberschwaben. Dabei handelt es sich um ein "Förderprogramm der Europäischen Union und des Landes Baden-Württemberg für den Ländlichen Raum". Auch der Campus Galli wird aus dem entsprechenden Topf finanziell kräftig alimentiert. 
Ja ist das nicht kommod?! Der Herr Burger ist quasi Steuergeldverteiler und Steuergeldempfänger in Personalunion. Böse Zungen könnten hier freilich auf die Idee kommen, dass diese Konstellation ein ziemliches Gschmäckle hat und die beiden Funktionen eigentlich unvereinbar sind, sofern man nicht in einer Bananenrepublik lebt.
  
Doch nehmen wir nun den Burger wieder vom Grill und halten stattdessen in der Chronik nach weiteren Leckerbissen Ausschau.


Irre! - Experimentalarchäologie im real existierenden Vorschriften- und Deppenstaat

Hannes Napierala ist als Geschäftsführer des Campus Galli quasi der Hauptverantwortliche für die finanzielle Dauermisere des Projekts. Seit 11 Jahren steht er dem betriebswirtschaftlichen Saftladen vor, und zwar ohne, dass sich in diesem langen Zeitraum substanziell etwas verbessert hätte. Zur Höchstform läuft dieser Herr anscheinend nur dann auf, wenn er Landes- und Kommunal-Politikern um den Bart geht, damit diese noch mehr Steuergeld in das Projekt pumpen. Dass Napierala selber Grünpolitiker ist, wird dabei in einem grünregierten Bundesland wie Baden-Württemberg sicher kein Nachteil sein. Nennen wir diesen Herrn deshalb von nun an passenderweise Hannes Vampirala, den grünblütigen Geldsauger 😉. Schlimmer als er treibt es wohl niemand (naja, vielleicht von einer Ausnahme abgesehen).

Dass in einem Control-Freak-Staat wie Deutschland, dessen Bevölkerung unter einem Wust an Vorschriften und Gesetzen stöhnt, auch Experimentalarchäologie keinen leichten Stand hat, verwundert nicht. So kommt es beispielsweise beim Campus Galli zur folgenden haarsträubenden Situationen, wie sie Herr Vampirala in einem Text über den von seinen Mitarbeitern verbauten Mittelalter-Mörtel schildert. 

Moderne Bauvorschriften teilen Mörtel in verschiedene Festigkeitsklassen ein, die einer Mindest-Druckfestigkeit entsprechen, die im Labor unter genormten Bedingungen nachgewiesen werden muss. Alle im Handel erhältlichen Mörtel sind entsprechend geprüft und zertifiziert, aber ein für das Frühmittelalter authentischer Kalkmörtel, den wir bei uns auf der Baustelle anmischen, hat keine solche Zertifizierung.
Bei der Planung des Abtshof-Nebengebäudes errechneten die Statiker, dass mit Mörtelklasse 1, d.h. einer Druckfestigkeit von einem Newton pro Quadratmillimeter, eine ausreichende Standsicherheit gegeben sein würde. Das Regierungspräsidium erteilte eine Zulassung unseres Mörtels mit der Auflage, jede Charge des Mörtels auf Druckfestigkeit prüfen zu lassen, d.h. genormte Prüfkörper herzustellen und in der Prüfstelle untersuchen zu lassen. 

Das muss man sich einmal vor Augen führen: Quasi jeden Tag werden die Handwerker beim Campus Galli dazu genötigt, vom frisch gemischten Mörtel Proben zu nehmen und diese dann, wenn sie ausgehärtet sind, einzuschicken oder bei der betreffenden Behörde persönlich abzuliefern. Eine völlig irre Korinthenkackerei! So als ob nicht gelegentliche Stichproben und eine schriftlich abgegebene Garantie - immer das selbe Mischverhältnis bei den einzelnen Mörtel-Bestandteilen zu verwenden - ausreichen würden, um eine halbwegs gleichbleibende Qualität und ausreichend Sicherheit zu garantieren. Zementhersteller müssen ja auch nicht Proben jeder einzelne Charge ans Amt schicken (ich habe nachgefragt)! 

Aber es kommt noch viel besser, der Gipfel des Wahnsinns ist nämlich noch lange nicht erklommen! 

Die Druckfestigkeit muss entsprechend der gesetzlichen Norm nach 28 Tagen getestet werden. Tatsächlich erreichen unsere Proben die erforderlichen Werte momentan aber noch nicht. Dennoch ist die Standsicherheit nicht gefährdet, weil einerseits eine Sicherheitstoleranz eingerechnet ist und andererseits die Mauer erst bei voller Höhe (über ihr Eigengewicht) den vollen Druck auf den Mörtel am Mauerfuß ausübt. Tatsächlich könnte es aber sein, dass Teile der Wände zurückgebaut werden müssen, wenn der Mörtel dauerhaft die Anforderungen nicht erfüllt

Das von Vampirala verwendete Wort "zurückgebaut" ist ein typisch amtsdeutscher Euphemismus für abreißen. Das bedeutet, der Campus Galli müsste ein mühevoll und langwierig errichtetes Gebäude, das sehr viel Steuergeld verschlungen hat, in sicher nicht unerheblichem Umfang wieder zerstören. Nicht zuletzt deshalb, weil der staatliche Politapparat zu borniert ist, um hier Ausnahmeregelungen zu finden. Aus demselben Grund ist Deutschlands so wichtige Autoindustrie beim Thema autonomes (Auto-)Fahren massiv ins Hintertreffen geraten. Mit Tesla oder chinesischen Produzenten können BMW, VW und Mercedes deshalb längst nicht mehr mithalten. Doch ich schweife ab. 

Aus den Beobachtungen ergeben sich weitere Fragen, die wir klären wollen und müssen, wenn es mit dem Bau des Klosters auch langfristig weitergehen soll:
Zunächst geht es darum, wie sich die Festigkeit des Mörtels über die Zeit entwickelt? Erste Messungen zeigen, dass die Festigkeit langsam zunimmt [...].

Für diese Erkenntnis braucht es nicht den Campus Galli, das weiß man in der Bauforschung schon seit Jahrzehnten! Ich habe Bücher aus den 1970ern gelesen, in denen das Thema bereits ausführlich anhand von Material-Analysen und praktischen Versuchen beschrieben wird.

Tatsächlich wurde auch im Mittelalter nicht durchgehend gemauert. Man gab dem Mörtel Zeit zum Abbinden. Wenn man nicht abwartete und zu schnell in die Höhe ging, konnte es passieren, dass sich die Mauer unter ihrem Eigengewicht verformte, wie z.B. beim Ulmer Münster.

Aus diesem Grund hat man etwa bei Kuppelbauten und sonstigen Gewölben Holz- und Eisenanker eingebaut, etwa bei der imposanten karolingischen Pfalzkapelle in Aachen (nun Teil des Aachener Doms). 
Auch im Rahmen des Projekts Campus Galli möchte man eines Tages eine große Kirche bauen (ich sage allerdings voraus, dass es nie so weit kommen wird).  

Bei diesen Gebäuden sind die Mauern mächtiger und höher, sodass deren Eigengewicht mit entsprechend höherem Druck auf den Mörtel einwirkt. Auch ohne dass hierzu bislang Berechnungen vorliegen, ist es wahrscheinlich, dass der Mörtel, mit dem wir aktuell arbeiten, diesen Anforderungen nicht gerecht wird. Da man auch im Frühmittelalter nicht an den Gesetzmäßigkeiten der Physik vorbeikam, müssen die damaligen Handwerker irgendetwas anders gemacht haben und wir müssen entweder noch etwas am Verfahren der Mörtelherstellung oder -verarbeitung verändern oder andere Wege jenseits des Mörtels finden, um die Standsicherheit der Mauer zu gewährleisten, wie z. B. durch hölzerne Hilfskonstruktionen.
Da der Mörtel im Lauf der Jahre immer mehr an Festigkeit gewinnt, werden irgendwann durchaus Werte von 3 oder 4 Newton pro Quadratmillimeter erreicht, wie Mörtelproben von der nahe gelegenen Burgruine Benzenberg (12./13. Jahrhundert) zeigen. 

Wie bereits oben von mir erwähnt: Das funktioniert laut Bauhistorikern auch mit Eisen/Stahl, in Kombination mit Holz. Die außen liegende, sehr massive Holzkonstruktion konnte einfach nach einer ersten Phase bzw. nach dem ausreichenden Abbinden des Mörtels weggesägt werden (man findet entsprechende Spuren an mittelalterlichen Kirchenbauten), während dann die im Mauerwerk verborgenen Eisenanker von geringerem Querschnitt die Last aufnahmen, bis der Mörtel nach etlichen Jahren seine Endfestigkeit erreicht hat. Diese Eisenanker wurden schon in einigen Fällen mit Metallsonden in Mauerwerken detektiert. Man sieht, der Campus Galli muss das Rad nicht neu erfinden. Vampirala und Ko. tun allerdings gerne so, als würden sie vor lauter großen Rätseln stehen. Das ist leider sehr oft reine Wichtigtuerei, um der Öffentlichkeit vorzugaukeln, das Projekt besäße einen bedeutenden wissenschaftlichen Wert.  


Aristoteles für Arme

Auf immerhin sechs Seiten verbreiten sich Hannes Napierala Vampirala und der Campus-Galli Töpfer Martin Rogier über frühmittelalterliches Kirchenzubehör, mit dem Fokus auf einen gedrechselten Hostienbehälter aus Buchsbaumholz. Ja, kann man machen. Ist inhaltlich auch nicht völlig uninteressant. Aber was schreiben diese beiden Herren da in der Einleitung ihres Textes?!

Die Frage, wann unser Kloster fertig ist, hören wir oft mehrfach am Tag. Dabei drängt sich meist die Gegenfrage auf, wann etwas als "fertig" gelten kann. Das betrifft nicht nur das Kloster als Ganzes, bei dem neben dem Neubau ständig repariert und ausgebaut wird, sondern auch einzelne Gebäude:
Die Holzkirche, die als erstes großes Gebäude auf dem Campus Galli ab 2014 entstand, ist ein gutes Beispiel dafür: Das Dach wurde 2016 geschlossen, es folgten im Jahr 2017 die Chorschranken im Innen- raum sowie die Fenster. War die Kirche nun fertig? 2018 folgte der Anbau des Kreuzgangs, 2019 der Glockenturm und 2021 das Eingangsportal. Bis heute gehen die Arbeiten an der Holzkirche weiter! 2023 entstand der Gallus-Schrein. 

Das ist für mich als langjähriger Beobachter des Campus Calli einfach nur noch zum Lachen. Denn die besagte (Mini-)Holzkirche, an der diese Schmalspur-Baumeister nun schon seit geschlagenen 11 Jahren (!) herumfuhrwerken, ist immer als reiner Übergangsbau bzw. als eine Zwischenlösung präsentiert worden. Quasi als relativ kurzfristiger Platzhalter für eine gewaltige Steinkirche, mit deren Plänen und Modellen man schon in der Öffentlichkeit hausieren ging, bevor überhaupt ein ausreichend grenzintelligenter Politschwafler gefunden wurde, der das Wolkenkuckucksheim-Projekt mit massig Steuergeld ermöglicht (übrigens, auch der Arne kann sich - wie schon oben der Parteikollege Burger - den 188er an den Hut, ans Revers oder auch ganz woanders hin...tun). Wie absurd ist es doch, dass man alleine für ein angebliches Provisorium dermaßen lange benötigt! Diese Herrschaften behaupten ja, sie wollen ein karolingisches Großkloster mit rund 50 Gebäuden errichten! Wann soll die Anlage bei diesem Tempo denn fertig sein? In 100 Jahren? Hier wird die Öffentlichkeit aus Marketinggründen mit unrealistischen Superlativen für dumm verkauft!
Noch absurder wirkt das oben zitierte Gesabbel von Vampirala und Rogier, wenn man bedenkt, dass seitens des Campus Galli alle paar Jahre über die Medien und sogar in vergangenen Chronik-Beiträgen immer wieder stolz verkündet wurde, nun sei die Holzkirche aber wirklich fertiggestellt. Ja von wegen, wie diese Herrschaften hier selber einräumen und dabei ungeschickt irgendwo zwischen dem Griechen Aristoteles und dem Meßkircher Martin Heidegger oszillieren, wenn sie ihre eigene Trägheit zu einer tiefgründigen philosophischen Frage über die Natur der Dinge uminterpretieren und schönreden wollen. Was für ein Schmarrn. Get the f*ck outta here!


Und sonst?
 
Die Chronik enthält durchaus auch Beiträge, die nicht unfreiwillig komisch sind. So etwa ein interessanter Text über Kloster-Novizen im Frühmittelalter. Außerdem wurden viele formatfüllende Fotos in das ohnehin nur 96 Seiten dünne Büchlein gepackt. So als ob man zu faul war, mehr Konkretes über das Projekt zu schreiben. Dabei wäre gerade das dringend nötig, denn das Publikationsgebaren des angeblich wissenschaftlich so wichtigen Campus Galli ist unter aller Kajüte. Da kommt - gemessen an der Größe und den investierten Summen - fast überhaupt kein ernstzunehmender Output, sondern vor allem auf Touristen fokussiertes Wohlfühl-Tri-tra-tralala, das man in irgendwelchen banalen Social-Media-Beiträgen rauströtet.
 

Fazit
 
Die 2024er-Chronik des Campus Galli enthält viele hübsche Bilder, einige interessante Beiträge und das übliche Sammelsurium aus Halbwahrheiten, Unwahrheiten und faulen Ausreden. Die Welt ändert sich, aber beim Campus Galli bleibt alles so wie es immer war. Verantwortungsvolle Politiker hätten schon vor Jahren den Stecker ziehen müssen. Stattdessen hat man sich in eine typischen "sunk cost fallacy"-Spirale begeben, aus der auszubrechen man sich nicht traut. 

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Nachträglicher Hinweis: Mir ist hier ein Missgeschick unterlaufen. Ich habe versehentlich die 2024er-Chronik des Campus Galli besprochen, anstatt die aktuelle 2025er. An der inhaltlichen Kritik ändert sich dadurch nichts, ich musste aber einige Neuformulierungen im ersten Drittel des Textes vornehmen, damit wieder alles stimmig ist.

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Weitere interessante Beiträge:
 

Dienstag, 1. April 2025

📖 Zeitschrift Bayerische Archäologie - Heft 1.25: Naturkatastrophen. Hochwasser, Erdbeben, Vulkane (und Meteoriten!)

Beim Hefttitel "Naturkatastrophen" dachte ich mir, dass man hier bestimmt wieder einmal das ätzende Klimawandel-Angstnarrativ bis zum Abwinken um die Ohren gehauen bekommt. Aber so ist es dann doch nicht gekommen. Beispielsweise weist der Herausgeber schon im Vorwort darauf hin, dass in Regensburg vergangene Hochwässer - etwa im Mittelalter - höher als heutige gewesen sind. Solche Fakten auszusprechen gilt mittlerweile in einigen Kreisen schon als garstige Relativierung und Häresie! 
Für mich besonders interessant waren aber die ebenfalls in verschiedenen Beiträgen behandelten Erdbeben und Vulkanausbrüche. Beides bringt man ja heute kaum mit Bayern in Verbindung. Das gilt ganz besonders für letztere Form der Naturkatastrophe - und doch gab es sie noch bis vor Kurzem (kurz im erdgeschichtlichen Sinn 😉). Wer hat außerdem gewusst, dass Schloss Neuschwanstein 2002 um ein Haar von einem Meteoriten getroffen wurde?!


Fakt oder Fake? Erdbeben in Bayern.

Im ausführlichen Heftbeitrag des Geophysikers Erwin Geiss erfährt man viel Interessantes über historische, mitunter sehr weit zurückliegende Erbeben in Bayern. Der Autor erläutert aber auch allgemein interessante Fakten zum Thema Erbeben, etwa den Unterschied zwischen Magnitude und Intensität. Ich hatte beispielsweise keine Ahnung, dass die üblichen Magnitudenskalen logarithmisch sind und sich die Stärke von Stufe zu Stufe um den Faktor 10 (!) erhöht.
Und wenn wir schon bei Fehlannahmen sind. Erwin Geiss zeigt anhand mehrerer Beispiele wie in mittelalterlichen Überlieferungen aufgrund von Lese- sowie Schreibfehlern Erdbeben mehr oder weniger erfunden wurden. Besonders originell fand ich, dass in der Chronik des steirischen Stifts Admont ein im Juni 1170 stattgefundenes Erbeben in Syrien ("Sirjia") versehentlich in die Steiermark ("Stiria") verlegt wurde... Man kann sich  nun  leicht ausmalen wie verlässlich Klosterchroniken auch in anderen Bereichen - also abseits von Naturkatastrophen - sind. Am Rande sei hier darauf hingewiesen, dass der berühmt-berüchtigte bayerische Chronologiekritiker Heribert Illig diesen Umstand als ein Argument in seiner Theorie von einem erfundenen dreihundertjährigen Zeitraum im Frühmittelalter verwendet (sog. "Phantomzeit-Theorie").
Allerdings ist es auch so, dass Erdbebenereignisse, die man bisher für "Fakes" gehalten hat, plötzlich an Glaubwürdigkeit gewinnen können. Es kommen nämlich im Rahmen von Restaurierungen an Burgen und Kirchen Bauschäden zum Vorschein, die bei näherer Betrachtung auf Erschütterungen hindeuten. Interessant ist, dass die Katastrophe nicht einmal in der Nähe stattgefunden haben müssen. Denn wie es heißt, können statisch grundsätzlich eher labile Bauten wie hochaufragende Kirchen und Burgen selbst dann noch beschädigt werden, wenn das Epizentrum hunderte Kilometern entfernt ist! Ein starkes Beben in Italien konnte daher noch in Bayern solche Bauten ramponieren. Leider dürfte man im Rahmen der archäologischen Forschung und der Denkmalpflege solche Indizien bisher kaum in adäquater bzw. umfänglicher Weise gewürdigt haben. Ist es doch einfacher, Risse im Mauerwerk als bloßen Baupfusch zu erklären (z.B. in Form von zu wenig tiefen Fundamenten und einer deshalb ungleich verteilten "Setzung").


Google it!

Von Johann Rohrmüller und Fabian Kemner stammt ein Beitrag über die nicht immer offensichtlichen Spuren von Vulkanismus in der Oberpfalz. So berichten sie beispielsweise über ein gewaltiges Loch, das eine Vulkanexplosion vor 300000 Jahren aufgerissen hat, als aufsteigendes Magma auf größere Grundwasservorkommen traf. Ursprünglich hatte es 300 Meter Durchmesser und war 100 Meter tief! Zuerst bildete sich ein See darin, der aber im Laufe der Zeit durch Sedimente verlandete und schließlich zum Moor wurde. Dieses wiederum wurde vom Menschen trockengelegt und zum Torfabbau verwendet.
Alles recht interessant. Leider gehen die Autoren davon aus, dass der typische Leser einer Archäologiezeitschrift mit geowissenschaftlichem Fachvokabular etwas anfangen kann. Oder es war den beiden Herren schlicht wurscht, frei nach dem Motto: Google it!
Solche Aussetzer gibt es in Beiträgen der Zeitschrift "Bayerische Archäologie" immer wieder einmal. Letztverantwortlich ist dafür natürlich der Herausgeber. Seine Aufgabe wäre es, hier korrigierend einzugreifen, indem er z.B. in Absprache mit den Autoren erklärende Ergänzungen (z.B. mittels Klammersetzungen) vornimmt. Schlau wäre es natürlich, die Spielregeln gleich vorab so festzulegen und zu kommunizieren, dass es gar nicht erst zu Fachchinesisch-Völlereien kommt.


Ja ist schon wieder Weihnachten?!?

Die sogenannte "Gesellschaft für Archäologie in Bayern" (das sind jene Hanseln, die - vermutlich aus Futterneid - keine wissenschaftlich interessierten Metallsucher bei Lehrgrabungen dabeihaben wollen) berichtet im vorliegenden Heft von der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an eine Funktionärin des Vereins. 
Es gibt nach meinem Dafürhalten im Rahmen unserer operettenhaften Demokratien kaum etwas Lächerlicheres als dieses Behängen mit glitzerndem Lametta. Besonders weil es überwiegend staatliche sowie staatsnahe Akteure sind, die man dergestalt für ihr Wohlverhalten bzw. ihre jahrelange Stromlinienförmigkeit gesellschaftlich aufwertet. Das Establishment bauchpinselt sich hier sozusagen gegenseitig. Hingegen bekommt niemand einen Orden verliehen, der ein echter Stachel im Allerwertesten des Parteienstaates und seiner Institutionen ist - siehe beispielhaft die zu guten Teilen von Inkompetenzlern geleitete Denkmalpflege. Noch jeder Archäologe aus Bayern, mit dem ich über die dortige Denkmalpflege gesprochen habe, hat seinen Ärger über die Borniertheit des Gesetzgebers und der ausführenden Behörden zum Ausdruck gebracht; zum Teil unter Zuhilfenahme von eindeutigen Kraftausdrücken (z.B.: "Das neue Schatzregal trägt die klare Handschrift der SPD, die in Bayern von allen Parteien die idiotischste ist. Was bei der intellektuellen Verfasstheit der CSU etwas heißen will!")


Kommentarlos gestrichen

Apropos Denkmalpflege: Allem Anschein nach hat man jene erst vor wenigen Jahren eingeführte Heftrubrik, in der aktuelle Denkmalschutzsünden anschaulich angeprangert wurden, schon wieder eingestampft. Das ist nicht nur bedauerlich, sondern es handelt sich um eine astreine Negativleistung seitens der Heft-Verantwortlichen. 
Es bleibt die Frage nach dem "Warum". Ein Mangel an einschlägigen Beispielen wird es wohl kaum gewesen sein. Haben aber vielleicht Politiker/Behördenvertreter Ärger gemacht, weil sie in den Artikeln nur selten gut weggekommen sind? Legte man zu viel Wert auf ein gutes Auskommen mit diesen üblicherweise charakterlich zweit und drittklassigen Individuen? Wie auch immer, die Streichung der Rubrik hinterlässt einen äußerst schalen Beigeschmack.


Fazit: Das Heft hätte aufgrund der guten Beiträge diesmal eigentlich fünf Sterne verdient, aber weil man die Denkmalschutz-Rubrik still und leise verräumt hat, sind es dann doch nur vier geworden.


Montag, 16. Dezember 2024

📖 Zeitschrift Bayerische Archäologie - Heft 4.24: Vom Neandertaler zum Homo sapiens („Neandertaler:innen“ und der andere Sprachschrott einer abgehobenen Uni-Clique)


Thematisch geht es in der vorliegenden Ausgabe primär um die beiden Menschenarten Homo sapiens und Homo neanderthalensis, die auch auf bayerischem Gebiet vor zehntausenden Jahren aufeinandertrafen und sich aufgrund ausreichender genetischer Kompatibilität sogar gemeinsam fortpflanzen konnten. Wie es heißt, tragen deshalb die Menschen in Europa heute noch bis zu 3 Prozent Neandertaler-Gene in sich. Leider war es mir nicht möglich, dieses interessante Thema in den einzelnen Artikeln erschöpfend zu erkunden. Die Gründe dafür werde ich unten erläutern.


Jäger:innen und Sammler:innen

Es ist ärgerlich, dass die Verantwortlichen der Heftreihe es offensichtlich akzeptieren, wenn Autoren wie Prof. Thorsten Uthmeier mit voller Absicht auf die deutsche Rechtschreibung pfeifen. Ich habe Uthmeiers an sich vielversprechenden Beitrag über den Homo sapiens jedenfalls nicht weitergelesen, nachdem er mir bereits auf der zweiten Seite mit ätzendem Sprachmüll à la Jäger:innen und Sammler:innen auf den Wecker gegangen ist. Von mir aus darf der Herr Professor seine Geringschätzung für die deutsche Sprache nehmen und sie sich wie einen Gamsbart an den Hut stecken!


Neandertaler:innen

Thorsten Uthmeier war auch Mitautor eines Beitrages über eine bedeutende Steinzeitfundstelle in Herrensaal bei Kehlheim. Und auch hier habe ich vorzeitig abgebrochen, nachdem mir nämlich der selten dämliche Begriff Neandertaler:innen untergekommen ist. Ich kann gar nicht sagen wie sehr ich dieses konformistische Uni-Personal verachte. Wäre ich noch Christ und würde ich dementsprechend an die Existenz des Teufels glauben, würde ich diese Gestalten bzw. ihre unsägliche Gesinnung zu eben diesem wünschen. 


Ausgräber:innen

Es hört nicht auf und hört nicht auf! Sogar in einem dritten Beitrag treibt dieser Uthmeier sein Unwesen! Entsprechend ist dort u.a. von Ausgräber:innen die Rede. Hier habe ich endgültig mit dem Lesen aufgehört und das Heft angewidert in eine Ecke geworfen. Für die penetranten Versuche solcher Sprachpanscher, ihre vermeintliche Tugend zu signalisieren und erwachsene Menschen mit zeitgeistigem Ideologiemüll zu pädagogisieren, habe ich kein Verständnis bzw. keine Zeit. 
Es ist hinlänglich bekannt, dass die Genderei von einer großen Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt wird, aber die Uthmeiers dieser Welt können es nicht lassen, sich mit ihrem elitären Sprachgehabe aufzuplustern und den Menschen damit quasi ins Gesicht zu spucken. Damit ähneln diese universitären Kostgänger des Steuerzahlers übrigens ihren Gesinnungsgenossen im zwangsfinanzierten öffentlich-schlechtlichen Dummfunk. Auch dort wird ja in maximal nervigster Weise die deutsche Sprache genotzüchtigt. 


Eine Notiz am Rande

Die Rubrik mit den Denkmalschutzschweinereien fehlt in diesem Heft. Seltsam. Ich hoffe, dass es sich dabei um einen einmaligen Aussetzer handelt, denn auf die einschlägigen Idiotien der Politiker, Behörden und Ämter aufmerksam zu machen ist von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die Denkmalpflege. Diese Dinge gehören ans Licht bzw. vor eine breite Öffentlichkeit gezerrt. Es wäre sehr schade, wenn das in der Heftreihe „Bayerische Archäologie“ zukünftig nicht mehr stattfinden würde, hat man doch bisher sehr gute Arbeit in dieser Hinsicht geleistet.


Fazit

Zum Themenschwerpunkt konnte ich in dieser Rezension leider kaum etwas schreiben, da mir das Lesen der Texte von einem Tugendposer mit Missionierungsdrang verleidet wurde. Wenn das zukünftig noch öfter in dieser geballten Häufigkeit vorkommt, werde ich die (ansonsten ja nicht schlechten) Hefte gar nicht mehr lesen/besprechen. Denn in der Hinsicht halte ich es heutzutage konsequent mit einem bekannten deutschen Satiriker, Moderator und Schauspieler: