Dienstag, 3. MĂ€rz 2026

📖 Zeitschrift Bayerische ArchĂ€ologie - Heft 4.25: Horte - Schatzfunde von der Steinzeit bis zu den Kelten (außerdem: Narzissmus, archĂ€ologische Grobmotorik sowie weitere Ärgernisse)


Ja, schon wieder gibt es hier die Besprechung eines Heftes aus der Reihe "Bayerische ArchÀologie" - obwohl ja die letzte Rezension (Heft 3.25) noch nicht lange her ist. Aber ich hinke hinterher und möchte nach Möglichkeit keine Ausgabe auslassen. Denn "Bayerische ArchÀologie" ist immer wieder hervorragend geeignet, um auf UnzulÀnglichkeiten in der ArchÀologie bzw. der Geschichtswissenschaft hinzuweisen. Zu diesem Zweck habe ich mir wieder ein paar Beispiele herausgepickt.

Zuvor aber noch ein paar Worte bezĂŒglich des Themenschwerpunkts im vorliegenden Heft: Entgegen der Meinung vieler Laien, besitzen Horte bzw. SchĂ€tze einen oft nur relativ bescheidenen wissenschaftlichen Mehrwert. 'Mehr Zeug' bedeutet nĂ€mlich nicht automatisch 'mehr Erkenntnisgewinn'; zumindest nicht in nennenswertem Ausmaß (auch wenn im Heft eine Frau Carola Doppelname einen anderen Eindruck erwecken möchte). 
Allerdings lassen sich regelrechte AnhĂ€ufungen von Artefakten museal oft besser vermarkten als bloße EinzelstĂŒcke. So haut beispielsweise ein einzelnes bronzezeitliches TĂŒllenbeil den 'Otto Normalbesucher' nicht vom Hocker. Bekommt man aber gleich einen ganzen Haufen davon prĂ€sentiert, dann beeindruckt das viele Menschen gleich wesentlich mehr. 
Daher sind mMn die deutschen Denkmalbehörden auch so erpicht darauf, die Finder von Horten mittels einschlĂ€gigen Gesetzen ("Schatzregal") zu enteignen. Die hehre Wissenschaft wird hierbei wohl meist nur vorgeschobenen (man mĂŒsste den Krempel schließlich nicht dauerhaft besitzen, bloß um ihn zu erforschen und zu dokumentiere). Die BeweggrĂŒnde dĂŒrften auf staatlicher Seite also grundsĂ€tzlich von eher nieder Natur sein: Nicht zu vernachlĂ€ssigende Aspekte sind hier auch das Gieren nach medialer Aufmerksamkeit und die bei vielen ArchĂ€ologen so beliebten Museumsjobs - die viele Funde in staatlichem Besitz garantieren. Denn wirklich graben, also FeldarchĂ€ologie betreiben, wollen heutzutage die wenigsten ArchĂ€ologen auf Dauer: Zu anstrengend, zu dreckig, zu ordinĂ€r. Zum GlĂŒck hat man sich in Deutschland schon vor rund vier Jahrzehnten den archĂ€ologischen Grabungstechniker ausgedacht, der - neben den Myriaden von kostengĂŒnstigen studentischen Hiwis - nun das Gros der Knochenarbeit erledigen soll.


Zu Schlaudeutsch

Der Misserfolg der von mir großzĂŒgig kritisierten Mittelalterbaustelle "Campus Galli" hat mehrere Ursachen. Eine nicht unwichtiger dĂŒrfte aber der hochgestochene Name des Projekts sein, von dem sich wohl nur wenige Menschen emotional angesprochen fĂŒhlen. Mit diesem selbstverschuldeten Mangel stehen die Betreiber des Campus Galli allerdings nicht alleine dar. So fand ich im vorliegenden Heft einen Artikel, in dem es um den wirklich interessanten Fund einer kleinen Bronzfigur auf dem Areal des ehemaligen keltischen Oppidums Manching geht; dargestellt ist hier wohl ein keltischer Krieger aus dem 3. Jahrhundert vor Christus. 

Im selben Artikel werden die zwei beteiligten Grabungsfirmen genannt: ArchĂ€ologie GmbH und Pro Arch Prospektion. WĂ€hrend der Name der ersten Firma selbsterklĂ€rend und somit auch fĂŒr den DurchschnittsbĂŒrger verstĂ€ndlich ist, so handelt es sich beim Namen des zweiten Unternehmens um ein kryptisches Konstrukt, das meiner Erfahrung nach typisch fĂŒr Pseudoschlauberger und Poser ist (das "Pro" soll wahrscheinlich 'professionell' oder etwas in der Art heißen/signalisieren ˆˆ). Was hier als besonderer Negativpunkt hinzukommt: Klassische Suchmaschinen und selbst LLMs (KIs) priorisieren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in den meisten ZusammenhĂ€ngen den ersten Firmennamen, sobald im Internet jemand nach einem archĂ€ologischen Dienstleister sucht. So gesehen ist die wolkig klingende Bezeichnung Pro Arch Prospektion vermutlich auch noch geschĂ€ftsschĂ€digend.


ArchĂ€ologische Grobmotoriker 

In Burgbernheim wurde archĂ€ologisch gegraben. In einem urnenfelderzeitlichen bzw. spĂ€tbronzezeitlichen Areal stieß man auf eine vollstĂ€ndig erhaltene Sichelgießform aus Amphibolit. Ebenfalls dort entdeckte man die aus Sandstein gefertigte Abdeckplatte fĂŒr eine weitere Sichelgießform. Doch wurde diese leider stark beschĂ€digt (ca. ein Drittel ist abgebrochen und fehlt). Wie es heißt, geschah dies vermutlich beim Abziehen des Oberbodens mittels Baggerschaufel. 

Aus ganz eigener Anschauung, die ich im Rahmen mehrerer archĂ€ologischer Grabungen gewonnen habe, darf ich versichern, dass solche 'Missgeschicke' stĂ€ndig vorkommen. Das möge sich der Leser bitte ganz genau merken, fĂŒr den Fall, wenn sich wieder einmal ArchĂ€ologen öffentlich ĂŒber die unsachgemĂ€ĂŸe Behandlung von Bodenfunden durch Laien beschweren, um daraus die Notwendigkeit fĂŒr strenge Bodendenkmalschutzgesetze abzuleiten. 

Man verstehe mich nicht falsch: FĂ€lle wie der obige können im Rahmen archĂ€ologischer Maßnahmen passieren, ohne dass hier den Verantwortlichen immer zwingend ein Vorwurf gemacht werden kann. Es veranschaulicht allerdings die totale Heuchelei, wenn ArchĂ€ologen bzw. Bodendenkmalpfleger in der Öffentlichkeit gezielt den Eindruck erwecken, sie wĂŒrden mit archĂ€ologischen Funden/Befunden immer verfahren, als ob es sich um rohe Eier handelt.


Orchideen und Narzissten

In den sogenannten "Mitteilungen" der "Gesellschaft fĂŒr ArchĂ€ologie in Bayern" geht es unter anderem um die Verleihung des Bayerischen ArchĂ€ologiepreises an das St. Marien-Gymnasium Regensburg. So weit, so unspektakulĂ€r. 

Dass die Abordnung - mit einer Ausnahme - nur aus weiblichen SchĂŒlern besteht, entspricht freilich so ganz und gar nicht den DiversitĂ€ts- und Geschlechtergerechtigkeitspredigten, die auch in Schulen auf der Tagesordnung stehen. Aber ĂŒberraschen tut mich das bei einem Orchideenfach wie der ArchĂ€ologie nicht besonders. Es ĂŒberwiegt dort ja auch im Studium mittlerweile das weibliche Geschlecht (obschon viele ihre akademische Ausbildung gar nicht beenden oder nach dem Abschluss in irgendwelchen völlig fachfremden Bereichen landen; der das sauteure Studium finanzierende Steuerzahler ist hier - wie so oft - der Depp).

Ein Paradebeispiel fĂŒr den Narzissmus des ĂŒbersaturierten "BildungsbĂŒrgertums" liefert dann die verantwortliche PĂ€dagogin (Direktorin?) der Schule. Die Frau ist nicht nur die Autorin des Textes, sondern sie erwĂ€hnt sich auch selbst darin in der dritten Person - und zwar folgendermaßen: 

"StDin i. K. Dr. Katrin Kunert".

Als jemand, der mit dem deutschen Schulsystem nicht sehr vertraut ist, habe ich keinen Schimmer, was dieses AbkĂŒrzungskauderwelsch bedeutet (und mir fehlt auch auch die Lust, diesen Schmarrn nachzurecherchieren). Bemerkenswert ist eine dergestalt antiquierte Selbstdarstellung aber schon, gibt man sich doch gerade im weltanschaulich eher wenig heterogenen Schulbetrieb so gerne progressiv/modern (Frau Doktor gendert dementsprechend artig) und predigt den Egalitarismus in allen möglichen Facetten. Die Behauptung "alle Menschen sind gleich", wĂŒrde daher wohl auch die gute Frau Kunert mit Begeisterung nachplappern. Dass sie sich selbst jedoch mittels absurd langem Titel-Epos eindeutig als gleicher inszeniert, dĂŒrfte ihr völlig entgangen sein; oder es ist ihr in ihrer Eitelkeit komplett wurscht. 


Abschließend

Auf die einzelnen Hortfunde, die im Heft betrachtet werden, bin ich hier nicht eingegangen. Aber die Texte dazu sind unterm Strich durchaus lesenswert.


2 Kommentare:

  1. Je gröser die Titelansammlung, umso grĂ¶ĂŸer das Ego. Aber nicht zwangslĂ€ufig bedeutet das auch grĂ¶ĂŸer Kompetenz.
    Sagt mir zumindest meine 30-jÀhrige Berufserfahrung.
    W.T.C.

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    1. Diese Erfahrung habe ich im Laufe der Zeit auch gemacht.

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