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Montag, 8. Juni 2026

🎧 Hörbares: llegale Sondengänger plündern Kulturgüter -- Langes Interview mit Gabriel Zuchtriegel -- Römermuseum Pachten -- usw.


Illegale Sondengänger plündern Kulturgüter in BW | Spieldauer 1 Minute | SWR | Stream & Info 
Surprise, surprise! Hat also das Schaffen von Schatzregalen nichts Positives bewirkt? Mehr noch, hat man mit diesem Enteignungsparagraphen womöglich für überproportional viele Menschen jeden Anreiz zerstört, Funde zu melden, anstatt sie am Schwarzmarkt zu verhökern? Polit- und "Experten"-Deppen! PS: Beim oben abgebildeten Schloss Pöls habe ich vor nicht allzu langer Zeit auch einen Sondengänger gesehen ^^

 GuMo-Mobil: Beim Römermuseum Pachten | Spieldauer 7 Minuten | SR | Stream & Info 

 Tübinger Archäologen entdecken 220.000 Jahre alten Steinbruch | Spieldauer 1 Minute | SWR | Stream & Info

 Gast im Studio: Gabriel Zuchtriegel | Spieldauer 78 Minuten | SWR | Stream & Info 
In letzter Zeit ist der Mann ein auffällig gefragter Interviewpartner in Deutschland. Habe ich da etwas verpasst?!

 26.02.364: Valentinian I. wird römischer Kaiser | Spieldauer 4 Minuten | SWR | Stream & Info 

 Erstmals für Besucher geöffnet: Mittelalterlicher "Metzgerturm" wird zum Kunstraum | Spieldauer 3 Minuten | SWR | Stream & Info 


Freitag, 12. Dezember 2025

🐔 Da lachen ja die Hühner! Wie ein Journalist die katastrophale Jahresbilanz der Mittelalterbaustelle Campus Galli schönschreibt.



Was der für den Südkurier schreibende Journalist Stusstexter Alexander Michel mit seinem jüngsten Artikel über die finanzmarode Mittelalterbaustelle Campus Galli abgeliefert hat, zeigt wieder einmal überdeutlich, wie qualitativ abgewirtschaftet der Konzern-Journalismus ist. Und dass wahrscheinlich die größten Nutznießer dieses Qualitätsmangels Parteipolitiker und ähnliche staatliche bzw. staatnahe Akteure sind.

Doch worum geht es genau? Nun, am besten wir machen uns anhand von einigen Passagen aus Herrn Michels Text ein Bild. Bereits die Überschrift lässt dabei erahnen, dass die Öffentlichkeit hier wieder einmal hinter die Fichte geführt werden soll.

Gute Laune beim Campus Galli: Mehr als 80.000 Besucher in der Saison 2025

Was für eine Chuzpe. "Gute Laune", obwohl dieser quasi-kommunale bzw. pseudo-private Laden immer noch tief in den Roten Zahlen steckt und wesentlich mehr Besucher als lediglich 80000 benötigt, um nicht mehr vom Steuerzahler durch Unsummen vor dem Finanzkollaps bewahrt zu werden; ein Faktum, das sogar die unfähigen Betreiber selbst bereits vor Jahren kommuniziert haben. Das Käseblatt Südkurier und sein Schreiberling verschweigen dem Leser diese essentielle Kontextinformation. Mehr noch, man geriert sich wie ein Marketing-Wurmfortsatz des Projekts.
Übrigens, im Islam gibt es eine eigene Bezeichnung für 'Lügen', die nicht de jure Lügen sind, aber für den Rezipienten trotzdem genau darauf hinauslaufen: Tawriya (توریة). Gemeint sind damit mehrdeutige Aussagen, bei denen man etwas Wahres sagt, aber in einer Weise und mit dem Ziel, dass der Rezipient es falsch versteht. 
Wir wissen nun nicht, ob hinter dem irreführenden Geschreibe des Herrn Michel Absicht oder journalistische Inkompetenz steckt. Eine Zumutung ist es aber in jedem Fall. Und darüber hinaus wird hier wieder einmal veranschaulicht, welche Lachnummer die sogenannte "Vierte Gewalt" in der Praxis doch ist. Sie kontrolliert nicht die Mächtigen, sondern sie legt sich quasi zu diesen ins Bett. Selbst auf lokaler Ebene. Denn über Schönschreibübungen wie jene des Herrn Michel, freuen sich Individuen wie Arne Zwick natürlich sehr; ist er doch als langjähriger Bürgermeister der Standortgemeinde ein zentraler Architekt der Misere Campus Galli. 

[...]. Dass sich vor allem in den vergangenen zwei, drei Jahren auf dem Campus viel bewegt hat und mit dem großen Nebengebäude des Abtshofs ein erstes steinernes Bauwerk entstanden ist, hat sich in der Region herumgesprochen und treibt die Besucherzahlen in die Höhe. Mehr als 80.000 waren es in der kürzlich beendeten Saison 2025, wie Hanns Napierala, Geschäftsführer des Vereins Karolingische Klosterstadt, auf Anfrage des SÜDKURIER erklärt. Damit konnte man zulegen, nachdem in der Saison 2024 nur 77.000 Besucher gekommen waren.

Man konnte also auf Anfrage eines Mediums - selbst Wochen nach dem Saisonende - noch keine exakte Zahl nennen? Das ist ja völlig lächerlich. Was für ein Chaos herrscht denn bei diesen Möchtegern-Baumeistern in Baden-Württemberg?
Außerdem wird hier ersichtlich, wie mittels Statistik manipuliert werden kann. Anstatt nämlich einen aussagekräftigen Überblick zu geben, pickt man sich Daten heraus, welche die angestrebte Deutungsweise unterstützen. Und zwar jene, wonach es mit dem Campus Galli bergauf geht. Dass dies jedoch eine Halbwahrheit und somit Blödsinn ist, zeigt die Besucherstatistik der gesamten Projektlaufzeit:

22. Juni bis 3. November 2013     12.225
2. April bis 2. November 2014         36.582
3. April bis 1. November 2015         48.058
1. April bis 1. November 2016     65.755
1. April bis 5. November 2017      79.660
24. März bis 4. November 2018 82.988
2. April bis 3. November 2019      91.661
29. Mai bis 1. November 2020     53.800
13. Mai bis 7. November 2021     66.899
1. April bis 6. November 2022         75.511
1. April bis 5. November 2023     81.881
30. März bis 3. November 2024 ca. 77.000
1. April bis 2. November 2025 ca. 80000    (AKTUELL)

Viermal konnte der Campus Galli bereits mehr oder ähnlich viele Besucher vorweisen. Und zwar in den Jahren 2017, 2018, 2019 und 2023. Im Jahr 2019 waren es sogar dramatisch mehr als dieses Jahr. Selbst 2023 kamen mehr Besucher, obwohl Museen damals noch an den Nachwehen der Corona-Hysterie laborierten, weil unverbesserliche - pardon - Hosenscheißer nach wie vor aus Angst Menschenansammlungen mieden, um nicht frühzeitig dahingerafft zu werden. 

Vor allem in der ersten Hälfte des Saison war der Gästezustrom aufs Gelände groß, weshalb Napierala von einem „hervorragenden Jahr“ spricht. Die auf dem Campus vorgenommenen Besucherbefragungen hätten ergeben, dass das Publikum von der inzwischen bestehenden Vielfalt an Gebäuden begeistert ist.

Hannes Napierala, der ewige Geschäftsführer des Projekts, ist und bleibt eine 'Luftpumpe'. Natürlich war er es, der als Stichwortgeber für den Südkurier-Journalisten Alexander Michel fungierte.

Und auch zu dieser "Besucherbefragung" noch ein paar Worte: Vor nicht allzu langer Zeit erreichte mich im Kommentarbereich meines letzten Beitrags über den Campus Galli die Wortmeldung einer goscherten Gästeführerin des Projekts, die ebenfalls meinte, das Feedback der Besucher sei total positiv. Mag sein. Trotzdem entsteht hier aufgrund des seit Jahren stagnierenden Interesses der starke Eindruck, dass viele Besucher des Campus Galli stets dieselben Fanboys und Fangirls sind. Dass diese tendenziell das Gebotene geil finden, überrascht nicht. Hingegen - siehe die obige Statistik - überzeugen Angebot und Qualität keineswegs breitere Schichten der Bevölkerung. Wäre es anders, dann würde die Klosterbaustelle in Meßkirch ähnlich erfolgreich brummen wie ihr Vorbild, die französische Burgbaustelle Guédelon.

Für 2026 ist Hannes Napierala optimistisch: „Mit dem Campus läuft es prima.“ 

Dieser betriebswirtschaftliche Totalversager, der mit seiner Truppe von Kräuterfrauen und Che-Guevara-Fans den Steuerzahler seit weit über einem Jahrzehnt aussackelt, verharrt offensichtlich im Fantasiemodus. Nur der ebenfalls fremdfinanzierte gelb-blaue Giftzwerg in Osteuropa dürfte ähnlich stark von der Realität abgekoppelt sein. Anders als dieser, wird Herr Napierala zumindest nicht in ausländische Exil davonlaufen müssen, wenn alles zusammenkracht. Vielmehr kann er sich dann wieder - seiner Ausbildung entsprechend - als Archäozoologe betätigen. 



Mittwoch, 10. September 2025

🤡 An den Kirchenaltar genagelt! - Die absolut respektlose Rezension der aktuellen Chronik des Mittelalter-Kasperltheaters Campus Galli (2025)


Nachdem ich schon im April die 2024er-Chronik der im Frühmittelalter angesiedelten Vorführbaustelle Campus Galli besprochen habe - und diese Publikation dabei versehentlich für die aktuelle Ausgabe hielt (*schäm*) - hier nun das tatsächlich ganz aktuelle Heft. Es ist im Frühjahr 2025 erschienen und behandelt die Vorjahressaison (also das Jahr 2024, während die 2024er-Chronik das Jahr 2023 behandelt hat...puhhh).
 
Ich werde hier anhand von einzelnen Beispielen nicht primär die Qualität der Chronik beurteilen, sondern vor allem eine Einschätzung des im baden-württembergischen Meßkirch angesiedelten Projekts und seiner nicht sehr glücklich handelnden Betreiber vornehmen. Entsteht dort wirklich mit historisch authentischen Handwerksmethoden ein karolingerzeitliches Großkloster oder wird vielmehr die Öffentlichkeit gezielt mit Marketingübertreibungen verar... ähm ... veräppelt? 
Natürlich, wir kennen die Antwort 😉. Es lohnt sich aber trotzdem, den Status des Kasperltheaters am Bodensee zu dokumentieren. Und das natürlich in gewohnt launig-respektloser Weise - mit der Erwartung, dass sich genau deswegen wieder jemand aufpudelt...


Hasenleim und ein indirektes Eingeständnis des Versagens

Der erste Beitrag stammt vom an sich nur mäßig talentierten Geschäftsführer des Campus Galli - Hannes Napierala - sowie einer Kunsthandwerkerin, deren Namen ich erst beim zweiten Anlauf entziffern konnte: Lara Reisigl-Domeneghetti. Ein Hoch auf die sprachlichen Blüten des Feminismus!

Thema des Textes ist vor allem die ornamentale/farbliche Innendekoration der winzigen Holzkirche des Klosterprojekts. Ein weitestgehend vor rund einem Jahrzehnt errichteter Bau, von dem es immer geheißen hat, er wäre nur ein Platzhalter für die geplante Großkirche (Abteikirche) aus Stein. Wenn man freilich seit Jahren beobachtet, welche Energie und Detailverliebtheit beim Campus Galli kontinuierlich in dieses Holzkirchlein gesteckt wird, dann kommt man zu der starken Vermutung, dass dieses gekommen ist, um zu bleiben. Oder anders formuliert: Die Betreiber des Campus Galli dürften selber nicht mehr so recht daran glauben, dass die fürs Marketing des Projekts durchaus bedeutende Großkirche jemals gebaut werden wird. 
 
Doch zurück zum Text von Hannes Napierala und Frau Doppelname: Die Ausführungen sind nicht uninteressant. Etwa wie man die Holzoberfläche mit authentischen Werkstoffen wie Hasenleim und Kalksteinmehl fürs Bemalen vorbereitet. Meinerseits keine Kritik daran.


Langeweile und Ausreden: Ein Text über den Gallus-Schrein in der Holzkirche

Ebenfalls ein indirekter Beleg für die angepeilte Dauerhaftigkeit der Holzkirche ist der satte 20 Seiten umfassende Beitrag von Tilmann Marstaller. Bei dem Mann handelt es sich nicht um einen Pferdeknecht - wie der Nachname vermuten lässt - sondern um einen Bauforscher. Er beschäftigt sich im Rahmen seiner Ausführungen in umfangreicher Weise mit einem gemauerten Schrein bzw. einem kleinen Heilgenmonument, dass nachträglich beim Altar der Holzkirche errichtet wurde.
Einerseits habe ich auch an diesem Text inhaltlich/fachlich nichts auszusetzen; er wirkt fundiert und enthält viele Details. Andererseits wird gerade hier deutlich, warum der Campus Galli so wenige Menschen anlockt. Frühmittelalterlicher Klosterkram ist sehr oft unendlich dröge und weit jenseits jedweder Massentauglichkeit. Selbst mir hängt das ab einem bestimmten Punkt zum Halse heraus - obwohl ich mich insgesamt für das Frühmittelalter wesentlich stärker begeistern kann, als der Bevölkerungsdurchschnitt. Man muss schon ein echter "Nerd" sein, wie z.B. Markus von Tribur.de, damit einem bei diesem Kirchenthema nicht früher oder später die Füße einschlafen. 😉
 
Ich wiederhole mich hier gerne zum x-ten Mal: Das grundlegende Problem des Campus Galli, abseits des selten dämlichen Namens und der miesen Verkehrsanbindung, ist schlicht die Idee an sich, ein Kloster zu errichten. Wohl in den Augen der meisten Leute mieft das geradezu nach Langeweile. Deshalb kommt man gar nicht erst in Versuchung, der Sache im Rahmen eines Familienausflugs eine Chance zu geben; obwohl gerade die handwerklichen Vorführungen vor Ort für Menschen, die sich noch nie mit dergleichen auseinandergesetzt haben, ein Gewinn sein können. Doch leider, das scheitert eben am abschreckenden Grundkonzept Kloster. Dabei hätte man auch einen karolingischen Königshof errichten können, auf dem dereinst ja ein ähnlich abwechslungsreiches Treiben geherrscht hat, welches heute Möglichkeiten für verschiedenste Vorführungen böte. So einen Königshof hätte man auch als Königsburg bezeichnen können. Und schon würden - mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit - wesentlich mehr Menschen neugierig werden. Bei einem Kloster hingegen denkt man vor allem an Kutten, Düsternis à la "Der Name der Rose", Singsang und Kleriker, die begrapschen, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist.
 
Interessant ist in diesem Zusammenhang - und das weiß ich aus erster Hand - dass im Vorfeld des Projektstarts durchaus von Politikern diskutiert wurde, ob ausgerechnet der Neubau eines Klosters eine gute Idee ist, denn davon würden doch ohnehin schon genügend in der Gegend herumstehen. Dieser absolut zutreffende Einwand wurde aber von grenzintelligenten Parteipolitikern mit dem Argument vom Tisch gewischt, dass dies nicht vergleichbar sei. Davon abgesehen, dass man selbstverständlich alles miteinander vergleichen kann - denn ein Vergleich ist keine Gleichsetzung - spricht nun das Ergebnis dieser Attitüde, rund 13 Jahre später, eine überdeutliche Sprache: Viel zu niedrige Besucherzahlen, daher in jeder Saison hohe Verluste und deshalb wiederum kaum nennenswerte Baufortschritte, weil eben das Geld für die benötigten Handwerker fehlt, um eine zügigere Projektentwicklung zu gewährleisten. Die Kleinstadt Meßkirch könnte im Angesicht all dessen reif für eine Umbenennung sein...
 
Etwas seltsam will mir übrigens in diesem wie auch dem vorherigen Beitrag der Hinweis erscheinen, dass man in der kleinen Holzkirche des Campus Galli keine Rekonstruktionen liturgischer Geräte und Reliquiare aus Edelmetall aufstellen kann, weil die Anlage gegen Einbruch nicht ausreichend gesichert sei. So müsse man halt auf wertlosen Stein (Schrein) und ebenso wertloses Holz (Altarkreuz) zurückgreifen.
Naja. Erstens kann es sich das quasi-bankrotte Projekt sowieso nicht leisten, beispielsweise größere Mengen echten Goldblechs zu verwenden. Zweitens war es im Mittelalter weit verbreitet, deutlich weniger wertvolles Silber oder gleich gänzlich unedle Metalle wie Kupfer oder Bronze kostengünstig zu vergolden. Stichwort: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Siehe etwa der Tassilokelch, der Kelch von Künzing sowie der Kelch von Ardagh in Irland (das sind nur ein paar Beispiele, die mir auf die Schnelle einfallen). Und drittens könnte man derlei Objekte ja durchaus tagsüber z.B. mit Ketten sichern, während man Sie in der Nacht an einem sicheren Ort verwahrt - etwa in den Büroräumlichkeiten des Projekts, die z.T. mitten in Meßkirch liegen. Gerade das Sichern mit Ketten, Schlössern oder Bolzen - z.B. am Altar - ist für das Mittelalter sogar belegt; etwa indirekt in Inventarlisten von Klöstern und anhand baulicher Spuren. Wäre das beim Campus Galli berücksichtigt worden, hätte man den Besuchern sogar ein Mehr an Authentizität bieten können, bei gleichzeitig relativ hoher Diebstahlsicherheit (wer macht sich schon tagsüber mit einem Bolzenschneider ans Werk, nur um eine mäßig wertvolle Rekonstruktion aus vergoldetem Kupfer zu stehlen?).
Ich habe freilich den Verdacht, dass die Verantwortlichen des Campus Galli vor  allem den nötigen Aufwand scheuen und sich deshalb eine Ausrede dafür ausgedacht haben, warum sie es anders machen. So etwas wäre ja auch wahrlich nicht das erste Mal...
 

Das ach so tolle "Abtshof-Nebengebäude"

Aurel vom Schroeder, der Zimmermeister des Campus Galli, berichtet vom sogenannten Abtshof-Nebengebäude, das auf dem Campus Galli seit einer gefühlten Ewigkeit am Entstehen ist.

Das Abtshof-Nebengebäude ist das erste Gebäude auf dem Campus Galli, das mit Stein gebaut wurde. Zum Teil zumindest. 

Falsch. Die Plattform des Kolzkirchleins ist schon vor gut einem Jahrzehnt ebenfalls (aus Bruchsteinen und Kalkmörtel) gemauert worden. Somit ist auch dieses Gebäude teilweise aus Stein. Obschon hier der Steinanteil geringer ist als beim Abtshof-Nebengebäude (übrigens: was für eine sperrige Bezeichnung...).

Bei der Planung haben wir uns intensiv über die Nutzung und die Materialität Gedanken gemacht, denn

"Die Materialität". Das hört sich natürlich viel intelligenter an als das verwendete Material (und es braucht hier jetzt kein Schlauberger daherkommen, um mit mir in den Bedeutungsunterschied zu diskutieren - ich bin nämlich nicht komplett auf der Nudelsuppe dahergeschwommen 😀).

Aurel (ohne Mark) begründet, warum der Bau nicht komplett aus Stein errichtet wird:

Ein Steinbau war schon im Mittelalter aufwendiger und damit teurer als ein Holzbau. Eine Mischbauweise, bei der die Maurerarbeiten auf das Wesentliche reduziert sind, kam uns entgegen, da wir bis dahin nur wenig Erfahrung mit Massivbau hatten - und zudem ist es eine authentische Variante. Beim Holzbau verfügen wir über deutlich mehr Erfahrung.

Das ist insofern interessant, weil nämlich in der Vergangenheit mehrfach von den Betreibern des Campus Galli gesagt wurde, am (wahrlich nicht sehr großen) Abtshof-Nebengebäude wolle man das Bauen mit Stein so richtig lernen, um dann deutlich größere Gebäude wie die Abteikirche angehen zu können (wobei man das auch schon davor von der Obstgarten-Ummauerung behauptet hat...). Doch anstatt sich richtig reinzuhängen, ging man schaumgebremst ans Werk. Was ein weiterer Hinweis darauf ist, dass beim Campus Galli mit ziemlicher Sicherheit niemand mehr ernsthaft überzeugt ist, die rund 50 (!!!) Gebäude des St. Galler Klosterplans - der dem Projekt als historische Vorlage dient - würden jemals errichtet werden. Der Zeithorizont läge beim vorhandenen Bautempo so absurd weit in der Zukunft (80 Jahre, 100 Jahre oder noch mehr), dass viel von der errichteten Bausubstanz aus Holz schon wieder verrottet wäre, bevor überhaupt das letzte Gebäude steht.

Ebenso die behördlichen Gänge wie z.B. die Zulassung des Mörtels stellen uns vor spannende Herausforderungen.

Dieser Aspekt ist keine "spannende Herausforderung", sondern Ergebnis einer geradezu grotesken Korinthenkackerei des deutschen Gängelungsstaates. Ich habe das bereits in meiner Rezension der 2024er-Chronik genau erläutert.
Freilich, der Campus Galli muss bei seinen öffentlichen Äußerungen wohl bis zu einem gewissen Grad auf der berühmten 'Schleimspur' kriechen, um nicht eventuell von den zuständigen Behördenvertretern aus Gehässigkeit ständig Knüppel zwischen die Füße geschmissen zu bekommen (siehe etwa anhand des berüchtigten Falls "Nordwolle", wie dergleichen ablaufen kann). Hinter den Kulissen dürfte man das Amt freilich schon das eine oder andere Mal zum Teufel gewünscht haben.


Das Holzkirchlein (schon wieder)

Wohl Hannes Napierala schrieb die einleitenden Worte zu einem Bildbeitrag des Campus-Galli-Steinmetzes Jens Lautenschlager (die haben dort alle so tolle Namen 😁). Es geht dabei um die Entstehungsgeschichte des Holzkirchleins. 
Schon wieder dieses Bau, könnte man kritisch anmerken. Aber was sollen diese armseligen Baumeister denn machen? Sie haben - selbst nach rund 13 Jahren - eben kaum etwas anderes vorzuweisen...
 
Die Holzkirche war das erste große Gebäude auf dem Campus Galli und damit die erste große Herausforderung für alle Beteiligten: Wie heben wir Fundamentgräben aus? [...]
Fragen über Fragen Und vor allem: wie sah eine Holzkirche im 9. Jahrhundert überhaupt aus? Vieles wussten wir nicht, als wir 2014 mit der Holzkirche begannen. 
[...]
Vieles würden wir heute anders machen, und in vielen Dingen entspricht das Äußere der Holzkirche nicht dem, was wir heute über Kirchen des 9. Jahrhunderts wissen.

Das ist offensichtlich. So ist etwa das Dach zu steil (vielleicht weil man sich am gotischen (!) Dach der berühmten karolingerzeitlichen Torhalle des Klosters Lorsch orientiert hat und darüber hinaus auch keinen rechten Plan hatte, wie baulich mit möglichen Schneelasten umzugehen ist). Außerdem ist die massive Steinplattform - die an die Krepis eines antiken griechischen Tempels erinnert - auch alles andere als historisch koscher.
Freilich, auf diesen Unsinn - und auf viel mehr - wurden diesen 'Genies' bereits vor dem Baubeginn von Fachleuten hingewiesen. Auch in diesem Blog äußerten sich Personen mit Sachverstand. Doch man hat es ignoriert. Die begangenen Fehler sind also oft selbstverschuldet - aufgrund von Schuldrigkeit und Arroganz.

Trotz allen "Fehlern" die bei der Planung der Kirche gemacht wurden, war sie ein Meilenstein für uns. Erstmals konnten wir beweisen, dass wir in der Lage sind, ganze Gebäude von Grund auf zu errichten und die benötigten Materialien und Werkzeuge herzustellen. Erst dadurch gelang es uns, Experten zu gewinnen, die uns seitdem begleiten:

Das muss man sich einmal vorstellen: Die Betreiber dieses Mittelalter-Kasperltheaters sind quasi im Blindflug gestartet und erst nach Jahren haben sich dann ausreichend brauchbare Wissenschaftler gefunden, die sie mit ihrer Expertise unterstützen! Da fragt man sich: Wie war es im Angesicht dessen ursprünglich überhaupt möglich, dass der Campus Galli als förderungswürdig eingestuft wurde? Die Schludrigkeit und das wahrscheinlich auch bewusste Wegschauen vieler politischer Entscheider muss geradezu atemberaubend gewesen sein! Das erklärt übrigens, warum auch die betriebswirtschaftlichen Prognosen so ein absolut realitätsferner Hirnmüll gewesen sind. Auch hier wurde von Politignoranten, die das Verantwortungsgefühl und den Weitblick eines Kleinkindes besitzen, anscheinend vieles einfach durchgewunken.
Wie hat es ein erboster Leser und Campus-Galli-Kritiker schon vor Jahren mit Blick auf einen ganz speziellen Politiker aus der Region formuliert: "Ich verspüre mittlerweile fast schon den Drang, diesem Seckel links und rechts eine Backpfeife für den Millionenschaden zu verpassen, den er uns eingebrockt hat." 
Aus juristischen Gründen kann ich selbstverständlich nicht sagen, wer damit gemeint war. Allerdings sei der Hinweis gestattet, dass wir hier in Österreich einen passenden Begriff für eine solche Person haben: "Watschngsicht" 😉.


Uiuiui - ein Interview mit der Vorsitzenden des Trägervereins!

Der Campus Galli verfügt über eine Vielzahl an Häuptlingen. So gibt es einen Bauleiter, einen Geschäftsführer, einen Vorsitzenden des Freundeskreises und schlussendlich noch jemanden, der dem Trägerverein vorsitzt - Uta Mahler-Kraus, eine pensionierte Lehrerin, und nicht zu verwechseln mit Uther, dem Vater von König Artus. Frau Boomer-Doppelname wird in der vorliegenden Chronik interviewt. Interessanterweise ist die Interviewerin eine gewisse Isabell Michelberger - die nicht nur für den Gmeiner Verlag arbeitet, in dem die Chronik Jahr für Jahr erscheint, sondern die auch als freie Journalistin für die Lokalzeitung "Südkurier" tätig ist. In dieser Funktion hat sie bereits mehrfach überaus wohlmeinende Berichte über den Campus Galli verfasst. Bemerkenswert, dass dieses Käseblatt darin offenbar keinen Interessenkonflikt sieht... Doch schauen wir uns auszugsweise das Interview an. In der Einleitung heißt es:

Der Trägerverein Karolingische Klosterstadt e.V. ist sozusagen das Headquarter des Projekts Campus Galli, das aus zehn Personen besteht, davon fünf, die vom Gemeinderat der Stadt Meßkirch bestimmt werden

Von der etwas verunglückten Formulierung abgesehen - bei der man nämlich auch annehmen könnte, das ganze Projekt verfüge nur über zehn Personen - sticht hier vor allem ein Punkt ins Auge: Der Trägerverein setzt sich zur Hälfte aus Parteipolitikern oder irgendwie parteinahen/parteiabhängigen Personen zusammen (um die zehn Namen wird weitestgehend ein Geheimnis gemacht). Hier nun von einem privaten Verein zu sprechen, wäre völlig absurd. Vielmehr handelt es sich um ein verkappt kommunales/staatliches Projekt - ist doch die Stadt Meßkirch auch die zentrale Geldgeberin. Die lokalen Medien scheint diese 'Mogelpackung' freilich nicht zu interessieren. Anderenfalls würde man das gewählte Konstrukt hinterfragen.

Der Verein stellt den Geschäftsführer ein sowie das gesamte Personal und trifft zusammen mit dem Geschäftsführer die wichtigen Entscheidungen, vor allem die finanziellen.

Zur Erinnerung: Die schreiben seit rund 13 Jahren ausschließlich Verluste. Kein Ende in Sicht. Was sagt uns das über die Qualifikation dieser Personen? 

Seit März 2024 ist Uta Mahler-Kraus Vorsitzende des Vereins. Sie löste Anton Oschwald ab, der von 2016 bis 2024 dem Verein vorstand. Damit hat er Campus Galli in den Jahren des zunehmenden Erfolgs begleitet [..]

Was für eine Chuzpe, hier mit haarsträubenden Halbwahrheiten wie "zunehmendem Erfolg" zu hantieren (eine typische Journalistin eben). Verluste sind und bleiben Verluste. Der sogenannte Erfolg hat sich beständig in der roten Zone abgespielt. Das ist so wie wenn eine Fußballmannschaft darüber frohlockt, dass sie ihre Spiele nicht mehr im Schnitt mit Zehn zu Null verliert, sondern die Niederlagen sich üblicherweise bei "nur" noch Acht zu Null eingependelt haben. Und zwar ohne eine Perspektive, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas zum Besseren ändert.

Die neue Vorsitzende will weiterhin das große Potenzial von Campus Galli betonen und an die Öffentlichkeit tragen.

Den Euphemismus "großes Potential" hat auch meine Mutter (leicht genervt) immer wieder zu hören bekommen, wenn Sie beim Elternsprechtag einem meiner Lehrer gegenübergesessen ist und sich wunderte, dass ich in bestimmten Fächern hinsichtlich der Noten nicht übers Mittelmaß hinaus kam. Der Grund dahinter war bei mir schlicht Faulheit. Erst ein paar Jahre später hat mich der schulische Ehrgeiz zu packen begonnen. Beim Campus Galli freilich ist es nicht bloß Faulheit, die den Erfolg verhindert, sonder eher ist die Situation mit einem geistig behinderten Kind vergleichbar, das aufgrund unveränderbarer Gegebenheiten (siehe weiter oben) schlicht kein nennenswertes Steigerungspotential besitzt (Beschwerden über den Vergleich bitte nicht an mich, sondern ans Salzamt schicken).

Sie haben damit eine große Verantwortung übernommen.

Ja, dessen war ich mir von Anfang an sehr bewusst. Nachdem ich von verschiedenen Seiten gefragt wurde, ob ich den Vorsitz des Trägervereins übernehmen würde, habe ich mir das gut überlegt und mich auch beraten lassen. Denn ich übernahm die Verantwortung für 45 Mitarbeitende, die mir sehr am Herzen liegen, und für die Gelder, die wir einnehmen und ausgeben

Unsinn. Ohne das Risiko, für jede einzelne Fehlentscheidung persönliche Konsequenzen tragen zu müssen, ist der Begriff "Verantwortung" eine leere Floskel (das sollten übrigens auch Parteipolitiker endlich einmal behirnen) . 

Die finanzielle Situation ist allerdings noch immer eine Gratwanderung. Wir brauchen jeden Euro, um das Projekt weiter zu entwickeln. Die Eintrittsgelder sind extrem wichtig, aber auch die Mitgliedsbeiträge des Freundeskreises sowie jede Spende, egal in welcher Höhe.

Kein Kommentar nötig. Das spricht aus sich heraus Bände. 

Wie wird sich Campus Galli nun weiterentwickeln?

Wir wollen immer mehr Teile des Klosterplans realisieren. Hierfür ist es schön, dass die Anzahl der Ehrenamtlichen stetig zugenommen und sich die Verbindung zu Institutionen wie Berufsschulen verfestigt hat. Ebenso wollen wir den sozialen Aspekt des Projekts weiter ausbauen. Es gibt vermehrt Schulprojekte, wodurch den Schülerinnen und Schülern zusätzliche soziale Kompetenzen vermittelt werden können. Wir arbeiten auch eng mit den Jugendherbergen der Region zusammen. Ebenso ist es wichtig, das Projekt überall zu vernetzen, um die Besucherzahl zu steigern. Immerhin werden wir in den entsprechenden Reiseführern meist auf zwei Seiten vorgestellt. Dann wollen wir Programme entwickeln, welche bestimmte Institutionen gezielt mit Spenden für Projekte fördern können.

Ist das nicht herrlich? Die machen sich aus finanziellem Interesse an quasi jede staatliche oder staatsnahe Institution ran, die nicht bei drei auf den Bäumen ist. Es werden aufgrund des selbstverschuldeten wirtschaftlichen Misserfolgs auch weiterhin Geld und geldwerte Leistungen abgegriffen bis der Arzt kommt. Das ist oft schlecht für den deutschen Steuerzahler, aber gut für mich, da mir der Stoff für viele weitere Blogbeiträge über den Campus Knalli bestimmt nicht ausgehen wird. 😄



Mittwoch, 30. Oktober 2024

📽️ Videos: Gletscherarchäologie -- Ritterspiele an der Burg Belmonte -- Hanseschätze unter einem Dach -- Campus-Galli-Spiel -- Kaiser-Alltag vor 1.000 Jahren -- usw.


 Gletscherarchäologie - Spurensuche in eisigen Höhen | Spieldauer 29 Minuten | BR | Stream & Info 

 Norwegen: Was die Gletscherschmelze freilegt | Spieldauer 5 Minuten | DW | Stream & Info

 Kastiliens Kämpfer - Ritterspiele an der Burg Belmonte | Spieldauer 32 Minuten | arte | Stream & Info 

 Bequeme Betten, bunte Kleider: Kaiser-Alltag vor 1.000 Jahren | Spieldauer 2 Minuten | BR | Stream & Info 

 Historisches Gasthaus lässt Geschichte lebendig werden | Spieldauer 5 Minuten | SWR | Stream & Info

 Vollständig erhaltene keltische Grabkammer bei Riedlingen vorgestellt | Spieldauer 1 Minute | SWR | Stream & Info 

 Von wegen verstaubt - Hanseschätze unter einem Dach | Spieldauer 44 Minuten | ARD | Stream & Info 

 „Hello Nature“: Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum | Spieldauer 2 Minuten | 2 | Stream & Info

 Campus Galli (Huch!) Abläufe inkl. Eindrücke vor Ort in Messkirch | Spieldauer 29 Minuten | SpieleBlog | Stream & Info 
Für die Hardcore-Fans der Mittelalterbaustelle Campus Knalli gibt es nun auch ein Brettspiel. Ich hätte freilich das Spiel völlig anders gestaltet. Statt das Bauen in den Mittelpunkt zu stellen, wäre derjenige Sieger, der dem Steuerzahler am meisten Geld aus dem Kreuz leiern konnte. 😁


Montag, 7. Oktober 2024

📽️ Videos: Aufbau einer Gladiatorenausstellung -- Zeitreise ins Steinzeit-Camp -- Rungholt -- Der Experimental-Archäologe Werner Pfeifer – Vom Erz zum Messer -- usw.


 Aufbau einer Gladiatorenausstellung | Spieldauer 5 Minuten | SR | Stream & Info

 Zeitreise ins Steinzeit-Camp | Spieldauer 30 Minuten | arte | Stream & Info

 Rungholt - Jäger der verlorenen Kirche - Auf Spurensuche im Watt | Spieldauer 28 Minuten | NDR | Stream & Info

 Spektakuläre Funde aus Römerzeit in Mainz präsentiert | Spieldauer 2 Minuten | SWR | Stream & Info 

 Werner Pfeifer – Experimental-Archäologe | Spieldauer 17 Minuten | RB | Stream & Info
Laberrunde. Zum Glück halten die anderen Gäste die meiste Zeit den Schnabel und lassen Werner Pfeifer reden. Der kommt übrigens auch in der oben verlinkten Doku von Arte vor.

 Wie vor 2500 Jahren (mehr oder weniger): Wie man vom Eisenerz zum Messer kommt | Spieldauer 30 Minuten | SWR | Stream & Info


Dienstag, 21. Mai 2024

⚒️ Eine pensionierte Lehrerin soll die finanziell angeschlagene Mittelalterbaustelle "Campus Galli" retten ...

Kürzlich habe ich eine ausführliche Kritik über die im baden-württembergischen Meßkirch beheimatete Mittelalterbaustelle Campus Galli geschrieben und wollte das Thema bis zum Jahresende eigentlich nicht mehr aufgreifen. Doch wie sich nun herausgestellt hat, wurde zwischenzeitlich eine neue Vorsitzende des Trägervereins gewählt bzw. installiert. Die pensionierte Lehrerin Uta Mahler-Kraus ersetzt den Ex-Metallbauunternehmer Anton Oschwald. Das Lokalblatt "Südkurier" hat aus diesem Anlass einen längeren Artikel veröffentlicht.
Wenn man nach der Dame googelt, dann wird rasch ersichtlich, dass sie einige Erfahrung aus anderen Vereinen mitbringt, in denen sie ehrenamtlich tätig war. Das ist erst mal positiv. Jedoch ...

Zur Vorsitzenden sei sie wohl auch gewählt worden, weil sie Projekte erfolgreich umsetzen könne, sagte Uta Mahler-Kraus im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

Was mit "erfolgreich umsetzen" konkret gemeint ist, wird nicht erklärt. Wie sehen die Pläne der neuen Vorsitzenden aus? Darf man vermuten, dass es vor allem darauf hinausläuft, auch weiterhin möglichst viel Steuergeld abzugreifen, damit dieser dysfunktionale (Saft-)Laden nicht pleite geht?
Im Vorjahr wurde von der lokalen Politik (wieder einmal) ein Hilfspaket für den Campus Galli auf Schienen gebracht. Ob seitens der politischen 'Suggar-Daddies' eine der Bedingungen dafür war, dass der erfolglose Vereinsvorsitzende Oschwald nach rund einem Jahrzehnt endlich seinen Hut nehmen muss? Der Südkurier verliert über die Gründe seines Abgangs jedenfalls kein einziges Wort. Was schon merkwürdig ist, hat man dem Herrn in der Vergangenheit doch ganze Reportagen gewidmet. Und jetzt heuchelt man nicht einmal mehr Dankbarkeit...

Die neue Vorsitzende des Trägervereins führt im Schnitt drei- bis viermal pro Woche Gruppen über die Mittelalterbaustelle. 

Dann weiß sie ja sogar aus ganz persönlicher Erfahrung, dass viel zu wenige Besucher kommen, um das Projekt kostendeckend betreiben zu können.

Auch Uta Mahler-Kraus gestaltet ihre Führungen so, dass jeder die Inhalte sofort verstehen kann. Und auch das Thema Nachhaltigkeit schneidet sie dabei an – denn im Mittelalter wurde kaum etwas weggeworfen. 

Spitze. Gleich mal ein Buzzword aus dem Repertoire des Ökologismus rausgepfeffert, ohne sich groß um die historische Realität zu kümmern. In Wirklichkeit war es natürlich so, dass man auch im Mittelalter in vielen Bereichen nicht sehr "nachhaltig" gewirtschaftet hat. Oder warum wohl sind gerade in dieser Zeit etliche Tierarten völlig oder nahezu ausgerottet worden? Es hat beispielsweise seine Gründe, dass schon seit vielen Jahrhunderten keine Auerochsen mehr durch die Pampa traben. Und der landwirtschaftliche Flächenverbrauch war aufgrund vergleichsweise ineffektiver Bewirtschaftungsformen dermaßen groß, dass weit ausgedehnte Urwälder gerodet werden mussten. Das Mittelalter war eben kein "nachhaltiges" Öko-Paradies, nur weil man damals noch keinen bösen Verbrennungsmotor und industrielle Fertigungsstraßen kannte.

Uta Mahler-Kraus ist fest davon überzeugt, dass das Konzept des Campus Galli weiter aufgehen wird. 

Muahahaha, "WEITER AUFGEHEN"!? Ja wo ist es denn bisher aufgegangen? Dieses Projekt verschluckt Steuergeld aggressiver als es ein Schwarzes Loch imstande wäre! Frau Mahler-Kraus hat wirklich Humor! Oder besser gesagt: Der Dame ist es anscheinend ziemlich wurscht, dass der Steuerzahler seit über einem Jahrzehnt wegen ihrem Hobby brennen muss wie ein Luster. Eine ziemlich egoistische Grundhaltung, die sie freilich mit den restlichen Mittelalter-Dilettanten des Campus Galli teilt.
Ich habe mich erst vor wenigen Monaten mit einer Heimatforscherin und Archäologin aus der Region unterhalten. Sie hat sich bitterlich beklagt, dass die sorgfältige wissenschaftliche Erkundung einer bedeutenden bronzezeitlichen Stätte, die historisch bahnbrechende Entdeckungen beinhalten dürfte, seit vielen Jahren nicht möglich ist, weil das Bundesland Baden-Württemberg dafür kein Geld übrig hat. Ein Blick auf den Campus Galli zeigt nun, wo die vorhandenen Finanzmittel stattdessen versickern. 

Nach wie vor locke diese touristische Attraktion Menschen in die Region. Der Campus habe auch positive Auswirkungen auf die regionalen gastronomischen Betriebe wie auch auf Beherbergungsunternehmen. Eltern von jungen Leuten, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) auf dem Campus absolvierten, würden beispielsweise oftmals in der Gegend übernachten. 

Alles nur heiße Luft. Sicher, es gibt immer vereinzelt Hanseln, die von so etwas finanziell profitieren. Die reingebutterten Steuergeld-Millionen löst sich ja nicht in Luft auf. Aber ob dadurch ein breiter und langfristiger gesamtgesellschaftlicher Nutzen entsteht, statt bloß einigen wenigen Profiteuren die Taschen voll zu machen, steht auf einem völlig anderen Blatt. 
Bereits in der eingangs verlinkten Kritik habe ich darauf hingewiesen, dass es noch keine einzige seriöse bzw. umfangreiche Kosten-Nutzen-Evaluierung gegeben hat, sich aber - und das ist sehr beredt - Nachbargemeinden von Meßkirch weigern, auch nur einen Cent in das Projekt und seine dazugehörende Infrastruktur zu investieren; trotz einschlägiger Begehren seitens der Standortgemeinde Meßkirch. Was wirklich nicht dafür spricht, dass die Ortspolitiker der Umgebung im Campus Galli eine nennenswerte touristische Triebfeder für die Region sehen. 

Sehr gefreut hat sich die neue Vorsitzende des Trägervereins, dass bereits am Ostersonntag, dem zweiten Öffnungstag in dieser Saison, mehr als 1000 Besucherinnen und Besucher auf den Campus kamen. 

Die Freude sei ihr gegönnt. Aber kann das Projekt am Saisonende deshalb aus der Verlustzone kommen? Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht. Stattdessen wird man, wie jedes Jahr, mit den üblichen Ausreden in den Medien hausieren gehen. Entweder war es zu heiß und zu trocken oder zu kalt und zu regnerisch. Es ist immer die gleiche Leier. Passenderweise heißt es am Ende des Artikels:

Finanziert wird die Baustelle über Einnahmen aus Eintritten, Spenden, Fördergelder sowie zu einem noch großen Teil über die Stadt Meßkirch. Im Jahr 2023 lag deren Anteil bei rund 300.000 Euro. Ziel ist es, dass sich der Campus einmal selber trägt.

Dieses sogenannte "Ziel" verfolgt man angeblich seit 2013. Und es wurde jedes Jahr verfehlt. 2024 wird es wohl nicht anders sein. Daran kann auch die pensionierte Lehrerin Uta Mahler-Kraus kaum etwas ändern. Sofern sie das überhaupt ernsthaft möchte. Denn wie die elfjährige Erfahrung den Campus-Galli-Betreibern gezeigt hat, kann man sich auch auf Kosten des Steuerzahlers recht kommod durchwursteln. 

Und zum Schluss noch eine Anmerkung. Der Campus Galli hat, wie ich festgestellt habe, zwar schon seit mindestens rund zwei Monaten mit Uta Mahler-Kraus eine neue Vorsitzende, aber bisher hat sich niemand bemüßigt gefühlt, das Impressum der Website entsprechend zu ändern. Genau aus diesem Grund bin ich übrigens in meiner am 24. April veröffentlichten Kritik fälschlich davon ausgegangen, Anton Oschwald wäre noch der Boss. Auch mit dem im Impressum angegebenen Namen des Trägerverins - "Karolingische Klosterstadt e. V." scheint etwas nicht zu stimmen. Denn Hannes Napierala, der Geschäftsführer des Campus Galli, hat ganz aktuell in dem von ihm verfassten Begleitheft zum Projekt die Bezeichnung "Karolingische Klosterstadt Meßkirch e. V." verwendet. Was stimmt denn nun?

Zitierte Quelle: https://www.campus-galli.de/impressum

An Beispielen wie diesen erkennt man die an allen Ecken und Enden anzutreffende Schludrigkeit der Projektbetreiber. Der Laden wird nicht wie ein professionelles mittelständisches Unternehmen geführt, sondern wie ein Hobby. Die können froh sein, dass sie deshalb noch keiner dieser einschlägigen Winkeladvokaten angerempelt hat, die im Internet ihr Unwesen treiben.
NACHTRAG: Jetzt, noch ein paar Wochen später, hat man den Eintrag über den Vorstandsvorsitzenden endlich aktualisiert...

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Sonntag, 19. Mai 2024

🎧 Hörbares: Hitler-Käfer und Mussolini-Falter -- Elephantine, 4000 Jahre Kulturgeschichte im Nil -- Historischer Rückblick auf den Feminismus birgt Überraschungen -- Das Museum als Ort der Macht -- usw.


 Warum der Hitler-Käfer seinen Namen behalten darf... | Spieldauer 2 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download
Hitler-Käfer und Mussolini-Falter 😂. 

 Stadtleben früher - Nürnberg im Mittelalter | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Elephantine – 4000 Jahre Kulturgeschichte im Nil | Spieldauer 7 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Das Museum - Ein Ort der Macht | Spieldauer 24 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Peter J. Brenner: Immanuel Kant – Die Herrschaft der Vernunft | Spieldauer 54 Minuten | Kontrafunk | Stream & Info | Direkter Download

 Ikone der Evolution: Das Primatenfossil "Ida" | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 Sie beeindruckte Mozart: Die blinde Pianistin Maria Theresia Paradis | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 Bernhard Lassahn: Rückblick auf den Feminismus | Spieldauer 56 Minuten | Kontrafunk | Stream & Info | Direkter Download
Hier überrascht doch einiges. Etwa was die wahren Beweggründe und Ziele der Vorkämpfer des Frauenwahlrechts waren....

 Die Pest in Oberammergau - Von der Seuche zum Passionsspiel | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download


Freitag, 26. April 2024

📽️ Videos: Science Talk über Experimentelle Archäologie -- Großer Fund eines Hobbyarchäologen -- Ausgrabung mit Nervenkitzel -- usw.


 Science Talk: Experimentelle Archäologie | Spieldauer 30 Minuten | SWR | Stream & Info

 Archäologen finden erstaunliche Überreste von Schildkröten | Spieldauer 1 Minute | MDR | Stream & Info 

 Sondiergrabungen in Mitholz zeigen: Munition ist in gutem Zustand | Spieldauer 5 Minuten | SRF | Stream & Info
Das ist mal eine Grabung mit echtem Nervenkitzel!

 Bad Windsheim: Neues Strohdach im Freilandmuseum | Spieldauer 5 Minuten | BR | Stream & Info
Vielleicht können die Kollegen in Meßkirch da noch etwas lernen 😃


 Umbau im Museum Ulm als baugeschichtliches Überraschungsei | Spieldauer 2 Minuten | SWR | Stream & Info

 Großer Fund eines Hobbyarchäologen in der Ausstellung | Spieldauer 3 Minuten | BR | Stream & Info
"Hobbyarchäologe" - höhö, bei der Bezeichnung geraten einige Archäologen sicher gleich in Schnappatmung.

 What did Republican Rome look like? | Spieldauer 10 Minuten | Ancient Rome Live | Stream & Info 




Mittwoch, 24. April 2024

📖 Buchrezension und launige Generalabrechnung: "Der offizielle Baustellenführer" des Campus Galli (2024) 😆

Campus Galli 2024

Was ich von der in Meßkirch angesiedelten Kloster- bzw. Mittelalterbaustelle Campus Galli halte, dürfte hinlänglich bekannt sein. Nun ist kürzlich eine aktualisierte Ausgabe des Begleithefts zu dieser tragikomischen Dauerverhohnepiepelung des Steuerzahlers erschienen. "Der offizielle Baustellenführer" soll einen Eindruck vom aktuellen Stand der Dinge vermitteln. Nehmen wir den Autor sowie Campus-Galli-Geschäftsführer Hannes Napierala beim Wort und unterziehen wir einige seiner Aussagen exemplarisch einer Realitätsüberprüfung. 

Vor inzwischen mehr als 10 Jahren begann das ehrgeizige Projekt, den St. Galler Klosterplan als echte Mittelalterbaustelle zum Leben zu erwecken - zunächst mit nur einigen wenigen Handwerkern, auf einem noch dicht bewaldeten Gelände. Von den großen, mittelalterlichen Gebäuden, die einmal kommen sollten, war damals noch wenig zu erahnen.

Davon ist auch heute noch nichts zu erahnen, handelt es sich bei dieser sogenannten "Klosterstadt" doch um eine armselige Schmalspurvariante von dem, was im frühmittelalterlichen Klosterplan von St. Gallen enthalten ist. Wirklich große Bauten gibt es auf dem Gelände des Campus Galli bisher nicht (bestenfalls als "mittelgroß" anzusprechende). Vieles wird stattdessen eine oder mehrere Nummern kleiner gebaut. 
Im Klosterplan von St. Gallen, der kein wirklicher Bauplan, sondern eher eine schematische Darstellung ist, sind keine verlässlichen Maße zu finden. Außerdem fehlt die dritte Dimension - es ist also nicht klar ersichtlich, ob die rund 50 eingezeichneten Bauten mitunter über Stockwerke verfügen sollen. Nur in wenigen Ausnahmen wird dies erkennbar, etwa wenn, wie im Fall der Basilika, Wendeltreppen eingezeichnet sind oder in einer der spärlichen Beischriften ein einschlägiger Hinweis auftaucht. Da nun das Projekt Campus Galli über unzureichende Mittel verfügt, neigt man dort meiner Beobachtung nach dazu, derlei Interpretationsspielräume dahingehend auszunutzen, tendenziell bescheidenere Varianten der im St. Galler Klosterplan eingezeichneten Bauten zu errichten. Oder sie gleich ganz wegzulassen.

Doch über die Jahre ging es Schritt für Schritt voran. Wir konnten uns an neue Herausforderungen wagen, weitere Handwerker einstellen und den St. Galler Klosterplan immer mehr zum Leben erwecken.

Der ist ja lustig. Hat es doch erst im Vorjahr in den Medien geheißen, dass man aufgrund der desolaten Finanzlage des Projekts den Personalstand VERRINGERN musste. Die Schwäbische Zeitung schrieb im Juli: "Am höchsten seien die Personalkosten, so Finanzdezernent Peter Hotz. Durch Stellenabbau und Stundenreduzierung ohne Lohnausgleich wurden bereits fast fünf Vollzeitstellen eingespart, die wieder hochgefahren werden sollen, sobald die Besucherzahlen steigen und damit auch die Einnahmen." 
Das muss auch heute noch weitestgehend der Stand der Dinge sein, da jetzt am Saisonanfang noch gar nicht ersichtlich sein kann, wie sich die Besucherzahlen entwickeln werden.  

Getragen wird das Projekt vom gemeinnützigen Verein  "Karolingische Klosterstadt Meßkirch e. V.", der zugleich Arbeitgeber und Aufsichtsgremium ist. Daneben gibt es einen Förderverein, den "Freundeskreis Campus Galli e. V.". Jeder ist herzlich willkommen und eingeladen, diesem beizutreten, um das Projekt zu unterstützen.

Das gewählte Konstrukt wurde schon in der Frühphase des Projekts von Beobachtern als "merkwürdig", "obskur" und "windig" bezeichnet. Der als "gemeinnützig" deklarierte Trägerverein nimmt nicht nur keine neuen Mitglieder auf, sondern selbst die aktuellen Vorstandsmitglieder werden auf der Homepage des Projekts verschwiegen (möglicherweise ist es diesen Verantwortungsvermeidern nicht recht, allzu sehr mit einem Versagerprojekt assoziiert zu werden). Präsentiert wird der Öffentlichkeit lediglich der Vorsitzende Anton Oschwald (Nachträgliche Anmerkung: Der Ex-Metallbauunternehmer wurde zwischenzeitlich durch eine pensionierte Lehrerin ersetzt). Die Gemeinde soll als Hauptsponsorin des Campus Galli außerdem einige parteinahe 'Sockenpuppen' in den Trägerverein gesetzt haben. Daneben gibt es noch den erwähnten "Freundeskreis", der eine Art Parallelverein darstellt und sich quasi als das Gesicht des Campus Galli präsentiert, aber keine nennenswerten Entscheidungsbefugnisse hat. Dieser "Freundeskreis wird traditionell von einem Parteipolitiker geleitet. Das Projekt ist aufgrund der vielfältigen Politiknähe daher mMn nicht als privat einzustufen, sondern als ein klar staatlich kontrolliertes. Es ist deshalb kaum überraschend, dass der Campus Galli einerseits zwar finanziell aus dem letzten Loch pfeift, andererseits aber immer und immer wieder mit absurden Mengen an Steuergeld am Leben erhalten wird. Ein tatsächlich privater Verein würde nach über 11 Jahren des betriebswirtschaftlichen Dauerversagens wohl kaum weiterhin mit Staatsknete alimentiert werden. 

Zur Anwendung kommen auf Campus Galli die handwerklichen Methoden und die Materialien, die auch im 9. Jahrhundert in dieser Gegend zur Verfügung standen. Kompromisse werden nur gemacht, wenn sie unbedingt notwendig sind, d.h. wenn die Sicherheit unserer Mitarbeiter gefährdet wäre, wenn es nicht finanzierbar ist oder wenn es nicht mit heutigem Recht oder aktuellen Vorschriften vereinbar ist.

Man beachte besonders den Passus mit der Nichtfinanzierbarkeit. Das ist ein sich selbst ausgestellter und weidlich ausgenützter Freibrief, damit dieses Mittelalter-Kombinat abseits der Öffentlichkeit schweres Gerät einsetzen kann. So wurde z.B. ein Teich mittels Bagger ausgehoben, Bäume mit Motorsägen gefällt, massenhaft Steinmaterial mit Maschienen bearbeitet und in der zum Projekt gehörenden Landwirtschaft ein Traktor eingesetzt. Damit löst sich das Marketing-Alleinstellungsmerkmal, nämlich die behauptete authentisch-mittelalterliche Arbeitsweise, in Luft auf. Man könnte auch sagen: Die inkonsequent agierenden Projektbetreiber halten die Öffentlichkeit mit ihren vollmundigen Versprechen seit mehr als einem Jahrzehnt zum Narren. 

Neben dem Betrieb von "Campus Galli" als lebendiges Museum erhofft sich die archäologische Forschung Erkenntnisse aus der praktischen Anwendung und Umsetzung all dessen, was ansonsten nur in der Theorie erarbeitet werden kann. Diese Methode wird auch als Experimentelle Archäologie bezeichnet und stellt ebenfalls einen wichtigen Teil des Projekts dar.

Soso, ein wichtiger Teil des Projekts soll die Experimentelle Archäologie also sein. Ja und wo bleiben dann all die 'Papers' nach über 11 Jahren Laufzeit? Wo sind die zu erwartenden Berge an wissenschaftlichen Publikationen, mit denen man vielleicht jene Steuergeld-Millionen halbwegs rechtfertigen könnte, die bisher in den Campus Knalli geflossen sind? Antwort: Es gibt so gut wie nichts! Selbst unter Einsatz eines Rasterelektronenmikroskops wird man bestenfalls kleinste Spuren von echter Wissenschaft entdecken können. Die Betreiber tingeln stattdessen besonders gerne bei anderen Freilichtmuseen herum und schauen sich diverse Techniken dort ab. So etwa beim Burgbauprojekt Guédelon (Frankreich). Dergleichen ist natürlich keine ernsthafte Forschung, sondern vielmehr Recherche für die Museumspädagogik zuhause. Erforscht wird beim Campus Galli demnach primär die eigene Unwissenheit, die man dann zum allgemeinen Stand der Wissenschaft erklärt. Man könnte geradezu von einem Strohmannargument sprechen. Sie stellen selber einen Pappkameraden auf, nur um diesen umhauen zu können.
Auch die Partnerschaft mit der Uni Tübingen hat keinen nennenswerten Mehrwert für die Forschung. Eher geht es dabei um 'Studentenbespaßung'. Aber der Campus Galli kann sich hier öffentlichkeitswirksam das Mäntelchen der Wissenschaftlichkeit umhängen. Der durchschnittliche Journalist, der dann darüber berichtet, ist nicht in der Lage, den ganzen Krempel qualitativ einschätzen. 

Die anfängliche Infrastruktur (Wege, Parkplatz) wurde von der Stadt Meßkirch übernommen, aus dem LEADER-Programm der EU gab es Zuschüsse. Aktuell wird von der Stadt Meßkirch noch ein Betriebskostenzuschuss beigesteuert. Auch der Landkreis Sigmaringen schießt im Bedarfsfall noch etwas zu. Die Höhe der benötigten Zuschüsse richtet sich nach dem jeweiligen Saisonergebnis. Mittelfristig soll das Projekt auf eigenen Beinen stehen und sich vorwiegend aus den Eintrittsgeldern finanzieren, damit die Abhängigkeit von öffentlichen Zuschüssen sinkt.

Nach immerhin schon 11 Jahren Dauerbezuschussung der drolligen Klosterbaustelle schwadroniert dieser Mensch davon, "mittelfristig" aus der Verlustzone kommen zu wollen. Dazu muss man wissen, dass seitens des Campus Galli Bauzeiten von 80, 100 und noch mehr Jahren genannt wurden. Do the math! 

Für die Stadt und das Umland trägt Campus Galli zur touristischen Regionalentwicklung bei. Seit der Eröffnung 2013 ist in den angrenzenden Gemeinden ein deutlicher Anstig an Übernachtungen zu verzeichnen.

Er hält diese Behauptung offensichtlich für so evident, dass er sie mit keinen harten Fakten belegt. Dazu wäre er freilich auch gar nicht in der Lage, weil die angeblich positiven Auswirkungen auf den Tourismus nie umfangreich und seriös evaluiert wurden. Vielmehr handelt es sich dabei u.a. um anekdotenhaftes Geplapper von Parteipolitikern und politiknahen Heinis, die z.T. selber in das Förderdickicht des Campus Galli verstrickt sind. Davon abgesehen ist die Aussage "ein deutlicher Anstieg" hochgradig schwammig. Das kann fast alles bedeuten, je nachdem wie man das Wort "deutlich" interpretiert. Und eine Korrelation/Scheinkorrelation ist ohnehin nicht mit einer Kausalität gleichzusetzen. Als ausgebildeter Wissenschaftler sollte Hannes Napierala das eigentlich wissen. 
Interessant ist aber in diesem Zusammenhang, dass sich Nachbargemeinden von Meßkirch trotz einschlägiger Begehren ausdrücklich weigern, den Campus Galli mitzufinanzieren. Offensichtlich sieht man keinen Nutzen darin. Will heißen, man ist zur Einschätzung gelangt, dass das Projekt eben keine signifikanten touristischen Auswirkungen in der Region entfaltet und Investitionen aus der eigenen Tasche daher nicht rechtfertigbar sind. 

Jahrelang begleitete auch der Verein Werkstättle e. V. die Arbeiten auf dem Gelände und bot eine Arbeitsgelegenheit für bis zu zwölf Langzeitarbeitslose. Diese Maßnahme musste Ende 2022 leider eingestellt werden.

Natürlich bedauert der Herr Geschäftsführer das, denn diese Arbeitskräfte sind ebenfalls mit Geld der autochthonen Zahlesel finanziert worden. Noch günstiger geht es für ihn und seinen eingetragenen Schnorrerverein nicht.

Ein reales Bauprojekt benötigt aber genau jene definitiven Entscheidungen, die im Spannungsfeld zwischen den technischen Möglichkeiten und der geistigen Welt des 9. Jahrhunderts einerseits, so- wie der Umsetzbarkeit und den Vorschriften des 21. Jahrhunderts andererseits zu suchen sind.

Genau darin liegt bei solchen Projekten der größte Hund begraben. Der überbürokratisierte Korinthenkacker-Staat macht es mit seinen unflexiblen Vorschriften unmöglich, zu einer halbwegs lückenlosen empirischen Erkenntniskette zu gelangen. Wenn man etwa moderne statische Sicherheitserwägungen bei einem Bau berücksichtigen muss, obwohl man von Originalbauwerken aus dem Mittelalter genau weiß, dass es auch anders geht (die stehen schließlich seit vielen Jahrhunderten!), dann kann am Ende fast immer nur schnöde Museumspädagogik herauskommen, aber keine konsequent durchgezogene Experimentalarchäologie, die wirklich umfangreiche Daten liefert. Bei Großprojekten wie dem Campus Galli bleibt daher viel wissenschaftliches Potential ungenützt liegen. Der Wert für die Forschung kann letztendlich nur marginal sein. So erschöpft sich dieser beim Campus Galli vor allem in Kleinkram wie dem Guss einer Glocke, irgendwelchen halbgaren Versuchen mit Töpfereiprodukten und dem Austesten verschiedener Mörtelmischungen. Zu letzterem 'Experiment' hat mir der ehemalige Leiter einer Dombauhütte freilich schmunzelnd erklärt, dass nichts, was er darüber von Campus-Galli-Mitarbeitern vor Ort gehört hat, für ihn neu war.  

Vom Konzept eines Rundwegs haben wir uns im Jahr 2019 verabschiedet. Die Besucher sind eingeladen, das Gelände selbst zu erkunden.

Schon beim Projektstart 2013 habe ich gesagt, dass der Rundweg eine Schnapsidee ist, u.a. weil dieser die Besucher zwingt, durch unbespieltes/langweiliges Gelände zu latschen. Es hat nur sechs Jahre gedauert, bis die Projektbetreiber ebenfalls zu dieser Erkenntnis gelangt sind ^^. Für eine dergestalt lange Leitung dürfte die berühmte "Entschleunigung" verantwortlich sein, auf die man beim Campus Galli immer so betont stolz ist. 

Die Mitarbeiter hatten sich schon früh für den Bau der Klosterplan-Scheune ausgesprochen, was sich gut mit den Erkenntnissen der Bauforschung deckt: Interessanterweise entstehen die Scheunen tatsächlich sehr häufig in einer frühen Bauphase - sie gehörten z. B. auch nach dem Dreißigjährigen Krieg vielerorts zu den ersten Gebäuden, die wieder aufgebaut wurden. Dies zeigt, wie wichtig zu allen Zeiten ein Lagerplatz für die Ernte war

Formell ist das richtig, aber im Kontext der Realität auf dem Campus Galli handelt es sich um irreführenden Blödsinn hoch drei. Denn natürlich hätten die Mönche als erstes feste Wohngebäude errichtet, um sich im Winter nicht den Allerwertesten in Zelten oder zugigen Unterständen aus Reisig abfrieren zu müssen. Beim Campus Galli wurde hingegen nicht so vorgegangen, sondern man hat stattdessen Handwerkerbuden, eine Holzkirche und die besagte Scheune gebaut. Das kann man aus projektspezifischen Gründen so machen, aber dann sollte man nicht insinuieren, die Reihenfolge der errichteten Gebäude würde historischen Vorlagen entsprechen! 

Der Bau der Scheune wurde im Rahmen eines ELR-Projekts gefördert (Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum). Dazu wurden von der LEADER-Aktionsgruppe Oberschwaben circa 300.000 Euro bereitgestellt.

Geradezu ein Schnäppchen für den Steuerzahler! Und es wird nicht das letzte sein, so viel kann man angesichts der beständig Roten Zahlen getrost prognostizieren.

Das verwendete Eisen ist zu großen Teilen Werkzeugstahl, der zwar modern (industriell) hergestellt ist, jedoch so ausgewählt wurde, dass er den Eigenschaften des unlegierten, mittelalterlichen Stahls möglichst nahekommt. Gleiches gilt für die Holzkohle, die ebenfalls zugekauft wird.

So werden halt an allen Ecken und Enden 'Kompromisse' eingegangen. Beim erwähnten Stahl ist es beispielsweise so, dass selbst relativ billige moderne Sorten jenen des Mittelalters haushoch überlegen sind. Man muss sich dazu nur diverse Untersuchungen an archäologischen Funden aus mittelalterlichem Stahl anschauen; selbst vermeintlich hochwertige Schwerter fallen immer wieder mit Einschlüssen (Schlacke) negativ auf, die bei größerer Belastung wie Sollbruchstellen wirken. Getrost kann man deshalb davon ausgehen, dass auch Werkzeug aus modernem, also homogener aufgebautem Stahl, langlebiger und robuster ist. 

Für die erste Phase unserer Bautätigkeit haben wir uns entschieden, die Beete des Kräutergartens mit Lesesteinen zu umranden, später werden diese evtl. durch Bohlen ersetzt, wie bereits im Zusammenhang mit dem Gemüsegarten beschrieben

Die bauen seit über 11 Jahren, aber immer noch will man sich in der ersten Phase des Projekts befinden! Dass die Beete des Kräutergartens laut mittelalterlichen Quellen (Walafried Strabo) mit dicken Brettern eingerahmt gehören, habe ich schon vor 9 (!) Jahren bemängelt. Aber diese trägen Kostgänger des Steuerzahlers haben bis jetzt nichts daran geändert, obwohl sie, wie das Zitat oben belegt, ganz genau wissen wie es richtig gemacht gehört. An diesem Beispiel sieht man freilich sehr gut, mit welcher wissenschaftlichen 'Sorgfalt' beim Campus Galli gearbeitet wird. Hauptverantwortlicher für diese Laissez-faire-Herangehensweise ist der überforderte Geschäftsführer Napierala. Ihm ist einfach zu viel wurscht.

Über die Holzkirche des Campus Galli behauptet er.

gebaut 2014-2017

Im Rahmen meiner Rezension der Chronik des Campus Galli machte ich im Jahr 2018 bereits auf folgenden Umstand aufmerksam:

Herr Heim schreibt dazu u.a., das Holzkirchlein des Campus Galli habe 2017 "gewissermaßen den letzten Schliff" erhalten.
Interessanterweise hieß es bereits in der Chronik des Vorjahres, dass die Kirche fertig sei (Zitat: "2016 konnte mit der Holzkirche das erste Bauwerk der karolingischen Klosterstadt fertiggestellt werden"). Außerdem wird auch jetzt noch, im Jahr 2018, laut Medienberichten an dem Bau herumgewerkelt. Im Angesicht dessen fühlt man sich hier an den Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" erinnert.

Was ich mit diesem kleinen Beispiel verdeutlichen möchte: Man kann diesen Leute nichts glauben. Mal heißt es so, dann wieder so. Sie biegen sich die Dinge einfach nach Bedarfslage zurecht. Möchte man etwa wieder einmal Fördergelder abräumen oder sich in den Medien wichtig machen, um mehr Besucher anzulocken, dann verweist man großspurig auf vermeintliche Leistungen. So wurde deshalb ein Bau wie das kleine Holzkirchlein mehrfach als "fertig" deklariert, obwohl bei ehrlicher Betrachtung noch einige Arbeiten daran zu erledigen waren. Oder würde man etwa heute ein Wohnhaus als "fertig" bezeichnen, wenn z.B. noch der Fußboden fehlt?
Übrigens, was Herr Napierala im Abschnitt über die Holzkirche geflissentlich verschweigt: Das Dach ist viel zu steil und damit ahistorischer Unsinn. Ich habe das schon kritisiert, als die ersten Pläne veröffentlicht wurden. Es entsteht hier der starke Verdacht, dass man sich das gotische Dach der karolingischen Torhalle vom Kloster Lorsch zum Vorbild genommen hat. Auf Facebook wurde seitens des Campus Galli vor ein paar Jahren dann gegenüber einem anderen Kritiker die falsche Dachneigung tatsächlich eingeräumt. Sie würde auf mangelhafter Recherche beruhen. Warum aber verschweigt man den nicht gerade kleinen Fehler ausgerechnet im aktualisierten "Baustellenführer"? 

Die Glocke wurde im April 2018 endlich erfolgreich vor Ort gegossen, nachdem zwei Versuche in den Jahren 2015 und 2016 misslangen. Der Glockenguss fand in Kooperation mit dem erfahrenen Kunstgießer und Archäologen Dr. Bastian Asmus statt.

Wenn dieser Mann so erfahren und toll ist, wieso hat der die Glocke dann gleich zweimal versemmelt?
Und von wegen "endlich erfolgreich". Der Gießer selbst schreibt nämlich in einem Aufsatz über den Guss folgendes: 

Der Versuch zum Formen der Glocke hat sehr gut funktioniert, auch wenn während der Rekonstruktion ein Fehler passiert ist, der verhinderte, dass die Glocke eine Krone erhielt. Dieser Fehler war jedoch keiner der Rekonstruktion, sondern auf Unachtsamkeit zurückzuführen

Natürlich verschweigt Hannes Napierala seinen Lesern auch dieses Faktum. Zu peinlich wäre es, klar einzugestehen, dass auch der dritte Guss zumindest ein Teilmisserfolg war und eigentlich hätte wiederholt werden müssen. Stattdessen heißt es:

[...] Aufgrund ihrer Form wird dieser Glockentyp als "Bienenkorbglocke" bezeichnet. Derartige Glocken klingen noch nicht so voll und sauber wie die heute gebräuchlichen Glocken, deren Form sich seit dem 13. Jahrhundert kaum verändert hat.

Die Glocke des Campus Galli klingt wie ein verbeulter Blecheimer. Ob das wirklich zu 100 Prozent an der historisch vorgegebenen Form liegt? Oder nicht auch daran, dass das Ding vielleicht insgesamt schlecht gemacht wurde und deshalb kleine Risse oder von außen nicht sichtbare Einschlüsse aufweist?
Übrigens, meiner Erinnerug nach wurde die herstellungsspezifisch mit Graten überzogene Glocke - typisch mittelalterlich - mittels Winkelschleifer in ihre endgültige Form gebracht.

Nahe der Steinmetzkreuzung, dort, wo das Gelände nach drei Seiten hin langsam abfällt, wird in vielen Jahren die große Abteikirche des Klosterplans gebaut werden.

Man beachte: "In vielen Jahren" wollen sie überhaupt erst mit dem Bauen beginnen! Dass es sich bei dieser wolkigen Ankündigung um eine reine Luftnummer handelt, weiß dieser Prahlhans von einem Autor ganz genau. Er behauptet es trotzdem, wohl des Marketings wegen. Schließlich fußt das ganze Projekt Campus Galli in der öffentlichen Wahrnehmung auf der Idee, man würde ein richtig imposantes Großkloster errichtet, mit einer gewaltigen Kirche als Mittelpunkt. Dem potentiellen Besucher gibt man so das Gefühl, Zeuge von etwas ganz Großem zu sein. Das jedoch ist, wie die Realität nahelegt, völliger Bullshit. Die Anlage wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit selbst bei einer dauerhaften staatlichen Bezuschussung nie über die Ausmaße eines kleinen klösterlichen Filialbetriebs hinauskommen. Für mehr fehlt einfach das Geld. Grund: Das Besucherinteresse ist zu gering und wird auch zu gering bleiben. Weil: Kloster = langweilig und "Campus" hört sich nach ödem Bildungsgedöns an. Eine Burg hätte man stattdessen errichten sollen. Oder eine karolingische Königspfalz. Und einen anderen Standort hätte man finden müssen, anstatt ins baden-württembergische Meßkirch zu gehen, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Aber für all das ist es jetzt zu spät. Man hat es quasi von Anfang an vergeigt. Trotzdem verharrt die Politik bei ihrer dem Prinzip Hoffnung folgenden Strategie der Bezuschussung: Stichwort "sunk cost fallacy". 

Hier entsteht seit Herbst 2021 das erste Steingebäude auf dem Campus Galli. Im St. Galler Klosterplan ist es das Nebengebäude des Abtshofs, der "von Zäunen rings umgeben" [...] ist. Der Abtshof besteht aus zwei Gebäuden, die mit einem gemeinsamen Innenhof einen abgeschlossenen Gebäudekomplex bilden. Das gröBere der beiden Gebäude wird erst später gebaut werden.

Als in den Medien immer und immer wieder davon die Rede war, es würde nun der Abtshof des Klosters errichtet, war das demnach schlicht gelogen. Vielmehr wird nur ein Nebengebäude davon realisiert (auch eine halbe Wahrheit kann bereits eine ganze Lüge sein). Wann und ob der Hauptbau errichtet wird, steht anscheinend völlig in den Sternen. Die Projektbetreiber wissen es wohl selber nicht so recht. Oder sie wissen es, trauen sich aber nicht Tacheles zu reden, weil eine lange Wartezeit ihr Versagen noch offenkundiger machen und das Besucherinteresse kaum fördern würde. Denn wie schon oben gesagt, die Illusion, es würde wirklich ein Großkloster errichtet, muss aus marketingstrategischen Gründen unbedingt aufrecht erhalten werden. Letztendlich ist der Campus Galli ein Würstchen, das sich als dicke Salami inszeniert.

Leinenstoff nimmt Farbe deutlich schlechter an als Wolle. Dies ist auch ein Grund, warum unsere normale Arbeitskleidung überwiegend ungefärbt bleibt.
Der um das Jahr 830 n. Chr. entstandene Stuttgarter Psalter zeigt die Menschen in sehr farbenprächtiger Kleidung. Ob Textilien im Frühmit- telalter tatsächlich entsprechend gefärbt waren oder ob die bunten Darstellungen stark übertrieben sind um das Buch attraktiver zu gestalten, ist nicht gesichert. Textilarchäologen gehen heute davon aus, dass das Färben von Kleidung für viele Menschen im Frühmittelalter keine große Rolle gespielt hat.

Was für ein Sammelsurium aus Halbwahrheiten, das dieser Kurzstreckendenker da unter Berufung auf irgendwelche namentlich nicht genannten "Textilarchäologen" zum Besten gibt! Ja, Leinenfasern nehmen Farbstoffe tendenziell weniger gut an und verlieren sie auch schneller wieder. Das hat die Bevölkerung im Frühmittelalter aber offenkundig nicht davon abgehalten, trotzdem einen Teil ihrer Leinenklamotten zu färben. Ich habe im Blogbeitrag zu meiner (ungefärbten) Thorsberghose einige Beispiele dafür genannt (wer will, findet noch jede Menge weitere!).  

  • Notker von St. Gallen (9./10. Jh.) erwähnt rote Leinenhosen, über die man im Bereich der Waden ebenfalls rot gefärbte Binden schlang (Mönch von St. Gallen: De Gestis Caroli Magni, I, 34)
  • Der Verstorbene im sogenannten Sänger- bzw. Leiergrab von Trossingen  (6. Jh.) trug eine hellgelb gefärbte Hose aus Leinen.

Es gibt demnach wesentlich bessere Quellen als die Buchmalereien im Stuttgarter Psalter. Ohnehin ist völlig klar, dass dieses Werk grundsätzlich keine perfekte Vorlage für gefärbte Textilien sein kann. Sind doch die oftmals besonders 'knalligen' Pigmente, die in der Buchmalerei verwendet wurden, mineralischer Natur und für Kleidung ungeeignet. Egal ob man Leinen oder Wolle färben möchte. 
Von all dem abgesehen kann ich aus eigener Erfahrung berichten, dass beispielsweise mit Walnussschalen gefärbtes Leinen die hellbraune Färbung seit vielen Jahren sehr gut behält. Außerdem habe ich festgestellt, dass sich schon etwas länger getragenes und dadurch weicher gewordenes Leinen besser färben lässt. Es wäre nun die Aufgabe des Campus Galli, genau so etwas experimentell zu erkunden. Aber stattdessen flüchtet man sich in pauschalisierende Ausreden.  


Fazit: Das vorliegende Büchlein ist voller Blabla, das einer kritischen Betrachtung nicht standhält. Die Bebilderung wiederum ist durchwachsen; teilweise findet man auf der Homepage des Projekts bessere/aussagekräftigere Motive (was alles aber kaum dem durchwegs seriösen Verlag Gmeiner vorzuwerfen ist, der beim Produzieren des Buchs für den Campus Galli seine eigenen Aufgaben tadellos erfüllt hat).
Sicher, dem Interessierten wird hier - im Gegensatz zur haarsträubenden ersten Ausgabe des Baustellenführers - ein leicht verständlicher Überblick hinsichtlich des Projekts Campus Galli geboten. Aber die ungeschminkte Wahrheit wird ihm vom Autor und Geschäftsführer Hannes Napierala (wenig überraschend) vorenthalten. Wer jedoch genau daran interessiert ist, der muss bei mir reinschauen 🙃.

Abschließender Hinweis: Weil ich hier vor allem das Projekt besprochen habe, aber weniger das Buch, verzichte ich diesmal auf die Bewertung mit Sternen. Ich werde vielleicht noch bei Amazon eine angepasste Rezension hochladen.

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