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Mittwoch, 9. Oktober 2024

📖 Zeitschrift Bayerische Archäologie - Heft 3.24: Burgen-Archäologie - Hoch- und Spätmittelalter (Außerdem: Affige Namen, archäologische Trägheit, besoffene Bajuwaren usw.)

Burgenarchäologie in Bayern: Keine gmaade Wiesn!

In Bayern gibt es seit einiger Zeit nicht nur eine völlig belämmerte Denkmalschutzgesetzgebung mit einem raubritterartigen Schatzregal, sondern - quasi passend dazu - auch viele Burgen. Sehr viele Burgen sogar. Mindestens 2400 sollen es sein, inklusive den oberirdisch nicht mehr klar identifizierbaren Bauten ("Burgstall").
Im vorliegenden Heft der Reihe "Bayerische Archäologie" widmet man sich schwerpunktmäßig den hoch- und spätmittelalterlichen Objekten, die gegenüber frühmittelalterlichen Anlagen in der klaren Mehrheit sind.

Die Burgenforschung ist - wie es heißt - eine junge Forschungsdisziplin in Deutschland. Der erste spezialisierte Lehrstuhl für Mittelalterarchäologie - in der dann im Laufe der Zeit die Burgenarchäologie als Teildisziplin entstand - wurde erst 1981 gegründet. Vorher lief das Thema in der Archäologie quasi nur nebenbei mit und wurde eher stiefmütterlich behandelt. Was mich schon überrascht, wenn man bedenkt, dass doch bereits im 19. Jahrhundert im Zuge eines nach-napoleonischen Identitätsfindungsprozesses das Mittelalter für einige Zeit sehr en vogue im deutschen Sprach- und Kulturraum war. Ersichtlich etwa daran, dass der Kölner Dom - welcher Jahrhunderte lang eine Bauruine und Schandfleck gewesen ist - plötzlich mit Feuereifer fertiggestellt wurde. Überdies entstanden mit der Neogotik und der Neoromanik sogar Baustile, die sich sehr eng an der Gotik und der Romanik des Mittelalters orientierten; Beispiele dafür sind Schloss Neuschwanstein und das Rathaus von Wien. Auf eine systematische Erforschung mittelalterlicher Wehranlagen/Burgen hat man dazumal aber vergessen; die Zunft der Archäologen beschäftigt sich lange Zeit lieber mit der nobler erscheinenden Antike. Auch sollen gerade in Bayern restriktive Grabungsvorgaben bis in allerjüngste Zeit verhindert haben, dass - abseits von Ausnahmen - eine umfangreiche Dokumentation einzelner Objekte möglich war. Was, wie ich finde, zum eingangs erwähnten Zustand der Bodendenkmalpflege und Archäologie in diesem Bundesland passt. Die Hirnlosigkeit der dortigen Regierer darf als gesichert extrem eingestuft werden. Da ist es vielleicht kein Zufall, dass der Begriff "Deppokratie" von einem Bayern geprägt wurde. 

Apropos "deppert". Der Mittelalterarchäologe Joachim Zeune schreibt, dass zwischen 1978 und 1981 die Burg Oberwittelsbach ausgegraben wurde; das Projekt sei aufgrund der unzähligen Funde herausragend gewesen. Zur Zeit als die Grabung ihr Ende fand, war ich übrigens ein Baby. Warum weise ich darauf hin? Ganz einfach, weil nämlich die Gesamtergebnisse publiziert wurden, als ich bereits mehr oder weniger ein alter Sack war, nämlich 2017 😵‍💫! Diese Trägheit ist haarsträubend! Es heißt zwar, dass der hauptverantwortliche Ausgräber gesundheitliche Probleme hatte, aber das kann niemals eine Rechtfertigung für eine dermaßen absurde Zeitspanne sein. Hier hätte schlicht jemand von den Kollegen helfend einspringen müssen. Eine seriöse Wissenschaft organisiert sich entsprechend. Mir sind freilich im Laufe der Jahre etliche Fälle in der Archäologie untergekommen, bei denen die Publikationsdauer jenseits von Gut und Böse lag. Vor ca 10 Jahren wollte das hier im Kommentarbereich des Blogs noch ein Archäologe in Abrede stellen. Der meinte, das gehöre doch längst der Vergangenheit an. Von wegen!

Der oben schon genannte Archäologe Joachim Zeune beschreibt in einem weiteren Beitrag die Wiederentdeckung einer Motte (Erdhügelburg) aus dem 13. Jahrhundert. Die in Haslach gelegene, ursprünglich völlig überwucherte Anlage entpuppte sich als eines der am besten erhaltenen Beispiele dieser Art in ganz Bayern; sogar die einstige Vorburg ist noch erkennbar. In einer von verschiedensten Akteuren betriebenen Gemeinschaftsaktion wurde die Freilegung und Erschließung für die Öffentlichkeit bewerkstelligt; dabei sind vom Autor wieder kritische Untertöne zu vernehmen. ⚠

Die Motte von Haslach steht aber auch für offensiven, aktiven, vor allem aber erfolgreichen Denkmalschutz, denn der traditionelle Denkmalschutz mit seinem Dogma des "Nichtszulassens" und "Allesverhinderns" entzieht die Denkmäler dem wertvollen öffentlichen Bewusstsein und beschleunigt somit vielerorts in Wirklichkeit den Untergang der Bodendenkmäler. Ohne das konstruktive, offene Zusammenwirken von Marktgemeinde, Eigentümer, Burgenfachmann und den Denkmalschutzbehörden wäre auch dieses Bodendenkmal dem Untergang geweiht gewesen.

Auch hier spielt also die sich in der Archäologie ausbreitende Ideologie des Nichtstuns, die ich bereits in meinem Kommentar zu Göbekli Tepe kritisiert habe, eine fiese Rolle. Nur ja nichts angreifen und verändern. Alles soll bleiben wie es ist!
Es stellt sich nun die Frage, ob dieser wissenschaftsfeindliche Trend, der auch in konservatorischer Hinsicht zu absurden Auswüchsen führen kann (siehe etwa die Bepflanzung von unerforschten Bodendenkmälern mit zerstörerischen Tiefwurzlern), nicht eventuell eine Begleiterscheinung des in Hochdenker-Kreisen aktuell so dominierenden Ökologismus ist, der ja eine immense Strahlkraft in alle nur erdenklichen Bereiche entfaltet. Die Argumentationsmuster dieser auf eine primitive Komplexitätsreduktion ausgelegten Ideologie sind jedenfalls sehr ähnlich. Siehe etwa das Narrativ von anthropozentrischen Klimakatastrophismus, in dessen Rahmen die Handlungen des Menschen mehr oder weniger pauschal als großes Übel charakterisiert werden. Der Mensch, und nur dieser, habe nämlich für Mutter Erde alles schlechter gemacht; hätte er doch lieber die Hände in den Schoß gelegt und wäre auf den Bäumen geblieben. 
Aufgrund des Hangs zum inzestuösen Kooptieren Gleichgesinnter setzten sich besonders die Geisteswissenschaften, zu denen auch die Archäologie zählt, mittlerweile weitestgehend aus Personen zusammen, die eine deutliche Tendenz zu genau dieser weltanschaulichen Denke erkennen lassen (und sei es nur, dass man aus Opportunismus mit dem Strom schwimmt). Man könnte dazu zig Beispiele aufzählen. Auch weitere Indikatoren wie die verwendete Sprache ("Gendern") machen unmissverständlich deutlich, wo die Akteure der Archäologie mehrheitlich weltanschaulich zu verorten sind. Es will mir daher sehr plausibel erscheinen, dass diese ideologische Schlagseite - mitunter auf verschlungenen Pfaden - auch die Denkmalschutzpraxis sowie die Forschung beeinflusst und zu Ansichten führt, die schlussendlich kontraproduktiv bzw. irrational sind. 

Wie bereits erwähnt, bewegen sich die Heft-Autoren in Sachen Burgen im Hoch- und Spätmittelalter, allerdings macht man immer wieder auch Schlenker in die angrenzenden Epochen. Außerordentlich interessant fand ich dabei das Modell der Stadt Burghausen. Es ist nicht nur sehr detailreich, sondern stammt aus den 1570er Jahren und stellt somit ein wohl sehr authentisches und einzigartiges Zeitzeugnis dar --> Bild


Affige Namen

In einem Artikel über längst ausgestorbene Menschenaffenarten heißt es eingangs: 

Ein internationales Forschungsteam hat in der Tongrube Hammerschmiede bei Pforzen im Ostallgäu eine weitere bisher unbekannte Menschenaffenart entdeckt. Buronius manfredschmidi wurde in unmittelbarer Nähe zu dem Menschenaffen Danuvius guggenmosi, genannt "Udo", geborgen.

Naja, die sind (wie etwa auch die Botaniker) mit ihrer Systematik der Namensgebungen offensichtlich im 19. Jahrhundert stecken geblieben. Das ist ja absurd. Und dabei habe ich erst kürzlich zu einem Kollegen gesagt, dass der Name des höchst seltsamen Meteoriten (?) "Oumuamua" ein kaum merkbarer Zungenbrecher ist, den wir dem politisch korrekten Trend verdanken, wissenschaftliche Entdeckungen neuerdings in irgendwelchen exotischen indigenen Sprachen zu benennen. Wenn ich mir freilich den obigen Unfug anschaue, dann komme ich zu dem Schluss, dass ja auch die bisherigen Gepflogenheiten schon viel Raum für Unsinn gelassen haben. Ich meine, auf die Idee muss man erst einmal kommen, einen deutschen Vor- und Nachnamen in einer Wurst zu schreiben und dann mit einem lateinischen Suffix zu versehen. Kaum ein Mensch, der nicht deutscher Muttersprache ist und ein gewisses Grundlagenwissen mitbringt, kann aus so einem Kauderwelsch etwas Sinnvolles herauslesen.
Was mich auch allgemein immer wieder wundert ist die Geilheit vieler Leute, ihren eigenen Namen oder den irgendeines Großkopferten auf diese Weise zu verewigen. Das führt dann zu solchen Kuriositäten wie dem Hitler-Käfer und dem Mussolini-Falter.

Derweil sind ein paar Schlauberger mit der Bezeichnung "Ötzi" unzufrieden... (da angeblich zu verniedlichend 🙄) 


Ballermann-Zustände im Frühmittelalter? Der saufende bajuwarische Reiterfürst von Bayerbach.

In der Rubrik "Archäologie in den Bezirken wird von der archäologischen Erforschung eines großen frühmittelalterlichen Gräberfeldes berichtet. Besonders sticht dabei das Grab eines reichen "Fürsten" aus dem späten 7. Jahrhundert heraus, das mit verschiedenen Beigaben ausgestattet war - darunter ein mit zwei Bronzeblechen beschlagener Trinkbecher aus Holz. Und weiter heißt es.

"Ein derartiger Holzbecher ist im mitteleuropäischen Raum bisher ohne Vergleich", erklärt der Kreisarchäologe Dr. Thomas Richter. Wie und wofür der Becher genutzt worden sein dürfte, darauf geben ähnliche Gefäße aus Glas Antwort, die im Merowingerreich weit verbreitet waren: Bei dem Bayerbacher Becher handelt es sich um einen Sturzbecher, einen sogenannten Tummler. Aufgrund seines runden Bodens konnte er nicht mit Inhalt auf einen Tisch gestellt werden. War er gefüllt, musste der Bayerbacher Reiter den vermutlich alkoholischen Inhalt in einem Zug trinken. Tummler werden gemeinhin als Hinweis auf männerbündische Rituale interpretiert. Als deren Teilnehmer gibt sich der Fürst durch seinen Becher zu erkennen.

Was man nicht erklären kann, sieht man gern als kultisch an. Dieser selbstironische Archäologenspruch trifft hier wieder einmal den Nagel auf den Kopf. Davon abgesehen ist es natürlich Unsinn, wenn von diesem Ausgräber behauptet wird, dass der Becher, weil man ihn nicht hatte abstellen können, in nur einem Zug hätte ausgesoffen werden müssen. So als ob der Zecher ihn nicht auch eine Weile in der Hand hätte halten können, bis ihm das zu blöd wurde! Auch in diesem Szenario wird der Alkoholkonsum beschleunigt, ohne dass aber schon nach kürzester Zeit die ganze lustige Runde im Koma unter dem Tisch liegt.
Bemerkenswert, was für ein spekulativer Schmarrn in der Archäologie immer wieder als Tatsache verkauft wird. Leider habe ich gerade diese spezielle Interpretation im Laufe der Jahre schon mehrfach gelesen. Ich frage mich, was die wackelige Basis dafür ist. Ethnologische Vergleiche? Eine Textstelle in der Edda, bei Gregor von Tours oder etwas in der Art? Nie wird die Quelle dafür genannt! Haben wir es demnach wieder einmal ausschließlich mit einer allzu ausgeprägten Archäologenfantasie zu tun? Auf jeden Fall handelt es sich um eine unbewiesene Verallgemeinerung, der man semantisch den Charakter einer harten Tatsache verleiht. Nix gut.


Samstag, 18. April 2020

📽️ Videos: Sueben und Alamannen -- Schatzsuche in Hessen -- Ageing Weapons -- Troja -- Der Bayrische Rundfunk zensiert seine Gebührenzahler -- usw.



➽ Sueben und Alamannen - Woher kamen Sie | Spieldauer 15 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

➽ Sueben und Alamannen - Wie kämpften und wie jagten sie? | Spieldauer 15 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

➽ Techniques of a professional prop maker - Ageing Weapons | Spieldauer 35 Minuten | Youtube | Stream & Info
Leder, Stahl und Holz ein bisschen altern lassen, damit es beim Reenactment bzw. bei Living-History-Veranstaltungen nicht zu neu wirkt - schön und gut. Aber wenn ich mir ansehe, was hier mit all den schönen Replikaten z.T. gemacht wird, dann kommen mir fast die Tränen ...
Übrigens, zum künstlichen Altern von Leder habe ich selbst schon einmal vor ewigen Zeiten etwas geschrieben. Und hinsichtlich Messerklingen: Paprikapulver und hochkonzentriertes Salzwasser über eine Woche hinweg einmal täglich auftragen und am nächsten Tag mit Essig grünlich abspülen sowie mit Spühlschwamm den Rost abrubbeln. Damit bekommt man eine dunkle, alt aussehende Klinge zustande (zumindest bei nicht hochlegiertem Stahl wie etwa C60). Oder als Alternative: Das Messer einfach zwei, drei Monate lang für die täglichen Mahlzeiten verwenden.


➽ Messer mit Stil: Der Handwerks-Designer Michael von Stosch | Spieldauer 7 Minuten | BR/Youtube | Stream & Info

➽ Burgen zwischen Winterschlaf und Frühlingserwachen | Spieldauer 45 Minuten | SWR//ARD | Stream & Info

➽ Lübecks Backsteingotik | Spieldauer 3 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info

➽ Schatzsuche in Hessen | Spieldauer 7 Minuten | HR/ARD | Stream & Info

➽ Troja: Vor 150 Jahren haben Ausgrabungen begonnen | Spieldauer 2 Minuten | BR/ARD | Stream & Info

➽ Das Mittelalter-Experiment - Wovon lebten die Bauern? | Spieldauer 14 Minuten | SWR/WDR/ARD  | Stream & Info

➽ Ein Jahr nach dem Brand: Wiederaufbau von Notre-Dame | Spieldauer 6 Minuten | BR/Youtube | Stream & Info
Hier noch mal etwas zur angedachten Verhunzung der von Feuer stark beschädigten Kirche Notre-Dame de Paris. Siehe dazu auch diesen kritischen Artikel.
Übrigens: Auf dem Youtube-Kanal des Bayerischen Rundfunks wird bei einigen Videos die Kommentarfunktion deaktiviert - also quasi mit dem Mähdrescher pauschal zensiert. Dieselben Videos erhalten in der Regel eine überwiegend negative Seher-Bewertung. Ich habe nun sozusagen ein Spiel daraus gemacht, vorab zu raten, welche Videos davon betroffen sind. Und was soll ich sagen, meine Trefferquote liegt bei ca 95 Prozent. Entweder verfüge ich über hellseherische Fähigkeiten oder ich kenne meine öffentlich-rechtlichen Pappenheimer und deren ganz spezielles Verhältnis zur Meinungsfreiheit nach all den Jahren einfach schon zu gut ...
Auch ansonsten zensiert bzw. unterdrückt der BR offenbar kräftig ihm nicht genehme Meinungen. Beschweren sich Youtube-Nutzer darüber, dass selbst konstruktive, höflich formulierte Kritik entfernt wird, dann rechtfertigt man das folgendermaßen (Ich konnte es nicht lassen, darunter meinen Senf dazuzugeben; man darf freilich gespannt sein, ob sie auch das löschen werden. UPDATE: Mein Kommentar wurde vom BR "verborgen". Will heißen, ich sehe ihn zwar, sonst aber niemand. Mehr noch, ich wurde allem Anschein nach komplette mittels "Shadowban" belegt - also kein einziger Kommentar von mir ist mehr für andere Nutzer auf dem Youtubekanal des BR sichtbar. Jeder kann aus diesem doch ziemlich hinterhältigen Vorgehen selbst seine Schlüsse ziehen).


Ich bezog mich übrigens auf diesen Entscheid (Kommentare mit externen Links landen bei Youtube oft im Spam-Ordner).

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Samstag, 28. September 2019

🎧 Hörbares: Goldschatz von Trier -- Im Bann der Gotik -- Himmellsscheibe -- Die tote Sprache Latein -- usw.



➽ Freiburger Münster: Im Bann der Gotik | Spieldauer 20 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

➽ 9.9.1993: In Trier wird ein Goldschatz gefunden | Spieldauer 4 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Was hier (absichtlich?) unerwähnt bleibt: Die Finder sind aufgrund der Gesetzeslage so gut wie leer ausgegangen. Und weil sich solche Fälle natürlich herumsprechen, kann getrost davon ausgegangen werden, dass viele Schatzfunde verständlicherweise erst gar nicht gemeldet werden. Es handelt sich hierbei also um einen vom deutschen Denkmalschutz ersonnenen Trick 17 mit Selbstüberlistung.

➽ Archäologie-Projekt in der Türkei: Dächer bauen in Bergama | Spieldauer 7 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

➽ Archäologen in Bulgarien: Ausgrabung mit den Baggern im Nacken | Spieldauer 6 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

➽ Diskussion mit Harald Meller: Die Himmelsscheibe von Nebra | Spieldauer 50 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download
Wie schon jemand an anderer Stelle angemerkt hat, werden in diesem Gespräch - mit freundlicher Unterstützung des Interviewers - aus einem bunten Strauß ziemlich spekulativer Thesen schwups wissenschaftliche Fakten gemacht. Nix gut.

➽ Lateinkenntnisse: Die tote Sprache und ihre lebendige Wirkung | Spieldauer 10 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

➽ Magellan: Gier, Ruhm und der Wettlauf der Nationen | Spieldauer 10 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

➽ Sport und Judentum - Kräftige Menschen für Zion | Spieldauer 9 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

➽ Vor 40.000 Jahren: Steinzeit-Jäger siedelten in Äthiopiens Hochgebirge und ernährten sich von Riesenmaulwurfsratten | Spieldauer 5 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

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Sonntag, 19. Mai 2019

🎧 Hörbares: Der Dommeister von Regensburg



➽ Hermann Theodor Schmid: Der Dommeister von Regensburg (1) | Spieldauer 31 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

➽ Hermann Theodor Schmid: Der Dommeister von Regensburg (2) | Spieldauer 30 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

➽ Hermann Theodor Schmid: Der Dommeister von Regensburg (3) | Spieldauer 30 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

➽ Hermann Theodor Schmid: Der Dommeister von Regensburg (4) | Spieldauer 28 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

➽ Hermann Theodor Schmid: Der Dommeister von Regensburg (5) | Spieldauer 31 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

➽ Hermann Theodor Schmid: Der Dommeister von Regensburg (6) | Spieldauer 31 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

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Sonntag, 24. Februar 2019

📖 Buch: Zehn Bücher über Architektur

Vitruvs Werk "Zehn Bücher über Architektur" ("De architectura libri decem") entstand im 1. Jh. v. Chr. und beinhaltet eine umfangreiche Darstellung des antiken Ingenieurwesens sowie der damaligen Baukunst. Der Autor hatte in den Bürgerkriegen unter Caesar als Heeresingenieur Kriegsmaschinen konstruiert und sammelte später u.a. als Verantwortlicher für die Errichtung einer Basilika (= prunkvolle Mehrzweckhalle) wertvolle praktische Erfahrungen.

Vitruv beginnt seine Ausführungen mit der Architekten-Ausbildung und erläutert die Grundlagen der Architektur und Baukunst; dazu zählt etwa die Auswahl des richtigen Bauplatzes. Ein weiteres Kapitel widmet sich ausschließlich den Ziegeln, ein anders dem Bauholz usw. Es folgen Erörterungen zu Sakralbauten; dabei werden beispielsweise die Tempelgattungen, die Säulenordnungen und sogar die Tempeltüren behandelt. Weitere Themen sind das Aufspüren von Wasserquellen, der Bau von Maschinen  (wie z.B. einen Kran), das Verputzen von Wänden, das Anlegen von Häfen, der Bau von Wasserleitungen, die Herstellung von Farben und der Bau von Schöpfrädern, Katapulten, einer Wasserorgel und mehr.

"Zehn Bücher über Architektur" erfreute sich in der Antike einiger Beliebtheit und wurde entsprechend häufig zitiert. Darüber hinaus war das Werk noch in mittelalterlichen Klöstern als Leitfaden für Baumaßnahmen in Gebrauch. Zur Zeit der Renaissance gewannen dann speziell Vitruvs Lehren von den richtigen Proportionen große Bedeutung für die damalige Architektur und Kunst. Heute ist sein Werk vor allem eine interessante historische Quelle, die einen aspektreichen Einblick in die Lebenswelt der Antike gewährt und sich dabei sehr gut mit archäologischen Befunden aus jener Zeit ergänzt.

Die vorliegende Ausgabe ist zweisprachig (lateinisch-deutsch) und stammt von Franz Reber, einem deutschen Kunsthistoriker, der vor genau 100 Jahren verstarb. Entsprechend in die Jahre gekommen ist die Übersetzung - und man merkt es ihr auch an, da sie für meinen Geschmack zu viele verschachtelte Endlossätze enthält, wie man sie in neueren Übersetzungen nur mehr selten findet. Allerdings wurde der Text vom Verlag nicht einfach 1:1 übernommen bzw. eingescannt, sondern zumindest hinsichtlich der Rechtschreibung aktualisiert. Außerdem vermute ich, dass dabei auch kleinere Modernisierungen an einzelnen Formulierungen/Wörtern vorgenommen wurden. Verlage bezeichnen dieses Vorgehen gerne als "behutsame" Überarbeitung. "Sparsam" wäre freilich zutreffender, denn eine tiefgreifende Komplettüberarbeitung - inklusive des Entschärfens unzeitgemäßer Wortkaskaden - bereitet wesentlich mehr Arbeit und Kosten. Andererseits könnte man so ein umfangreiches Werk mit robustem Hardcover dann aber auch schwerlich für günstige 25 Euro anbieten, wie der Vergleich mit anderen Ausgaben zeigt.
Das Buch enthält zwar kein Stichwortverzeichnis, aber eine sehr gute Inhaltsangabe, einige nützliche Zeichnungen des Übersetzers und etliche Anmerkungen in Form von zum Teil recht ausführlichen Fußnoten (die immer praktischer sind als Endnoten, da man nicht ständig umblättern muss).


Fazit: "Zehn Bücher über Architektur" zählt zu den bedeutendsten Schriftquellen, die uns aus der römischen Antike überliefert wurden. Aufgrund der zum Teil etwas anstrengenden Endlossätze dieser Ausgabe möchte ich nicht mehr als drei Sterne vergeben. Allerdings sei darauf hingewiesen, dass der Text keinesfalls unleserlich ist. Gerade wenn es darum geht, spezielle Themen nachzuschlagen, kann er als absolut brauchbar bezeichnet werden. Lediglich das komplette Durchlesen des Buchs von vorne bis hinten gestaltete sich für mich phasenweise etwas mühsam.

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Weitere interessante Themen:


Mittwoch, 8. November 2017

Buch: Columna Traiani / Trajanssäule (Tyche Sonderband 9)

"Eigenlob stinkt", sagt man. Freilich, dabei handelt es sich um eine eher moderne Sichtweise. In der Antike hingegen gehörte es durchaus zum guten Ton, die eigenen Leistungen unablässig hinauszuposaunen - zumindest wenn man dem Establishment angehörte oder gar als Monarch an der Spitze des Staates stand. Ein beredtes Zeugnis davon liefert die Trajanssäule in Rom. Sie wurde im Jahr 113 n. Chr. eingeweiht und verherrlicht auf einem spiralförmigen, sich um den Säulenschaft windenden Relief den erfolgreichen zweiten Dakien-Feldzug des römischen Kaisers Marcus Ulpius Traianus.

Als sich 2013 die Einweihung des Monuments zum 1900 mal jährte, kam in Wien eine Gruppe von Fachleuten zusammen, deren Tagungsbeiträge nun im Sonderband 9 der Fachzeitschrift Tyche (Verlag Holzhausen) unter dem Titel Columna Traiani veröffentlicht wurden.
Auf über 400 Seiten widmen sich die Autoren unterschiedlichen Aspekten der Trajanssäule. Beispielsweise beschreibt und analysiert Karl Strobl Szene für Szene des Reliefs; vom Aufbruch des Kaisers in Italien, über die Schanzarbeiten während des Feldzuges bis hin zum Tod des feindlichen dakischen Herrschers Decebalus. Dabei wird auch auf die Bedeutung oft übersehener Details eingegangen: Was verrät uns beispielsweise die Marschrichtung der dargestellten Soldaten? Und warum fehlen bestimmte Episoden des Feldzuges?
Unterm Strich handelt es sich hier um einen sehr interessanter Beitrag. Bedauerlicherweise wurde aber darauf verzichtet, den einzelnen Schilderungen die entsprechenden Reliefszenen der Trajanssäule beizufügen. Zwar ist dies für das Verständnis der Ausführungen nicht zwingend erforderlich, doch hätte es deren Informationswert deutlich gesteigert. 

Ioan Piso geht in seinem Text der Frage nach, ob die Eroberung Dakiens überhaupt erforderlich war. Seine Antwort lautet: Ja. Allerdings spielte bloße Geldgier dabei keine übergeordnete Rolle, wie die marxistisch geprägte Geschichtsschreibung behauptet, sondern vielmehr standen militärstrategische Erwägungen im Vordergrund: Dakien war nämlich für Rom ein unzuverlässiger, theokratisch-fundamentalistisch geprägter Nachbar. Es dürfte, wie Ioan Piso erklärt, kein Zufall gewesen sein, dass nach dem Sieg Roms sämtliche Heiligtümer des Landes bis auf die Grundmauern geschliffen wurden; ein für Rom keineswegs typisches Vorgehen in eroberten Gebieten!

In einigen Beiträgen entfernen sich die Autoren mitunter relativ weit vom eigentlichen Thema. Etwa wenn hinsichtlich der Rezeptionsgeschichte darum geht, welchen künstlerischen Einfluss die Trajanssäule auf die ottonische Bernwardssäule in Hildesheim hatte. Mehr 'on-topic' und für mich ungleich interessanter war da schon der Text von Werner Eck, in dem dieser schildert, wie der ursprünglich nicht übermäßig herausragende Politiker Marcus Ulpius Traianus durch eine Art stillen Staatsstreich als Kaiser installiert wurde. Nach dem absehbaren Tod des 'guten' Übergangskaisers Nerva sollte nämlich nicht wieder jemand vom Schlage eines Domitian oder Nero auf dem Kaiserthron Platz nehmen. Und so nahm hier unverhofft das von der Geschichtsforschung sehr positiv bewertete Zeitalter der Adoptivkaiser seinen Ausgang.

13 der insgesamt 30 Beiträge sind fremdsprachig - und zwar überwiegend Englisch. Für eine hauptsächlich von deutschsprachigen Lesern bezogene Zeitschrift erscheint mir das eher suboptimal. Andererseits werden die meisten Interessierten zumindest der englischen Sprache ausreichend mächtig sein, um mit diesem Umstand keine gröberen Probleme zu haben.

Der relativ umfangreiche Bildteil am Ende des Buchs enthält viel Interessantes, wie z.B. die 3D-Rekonstruktion eines auf der Trajanssäule abgebildeten hölzernen Amphitheaters sowie eine ausgezeichnete grafische Übersicht, in der die einzelnen, auf der Säule abgebildeten Szenen-Felder kurz beschrieben werden. Eine volle fotografische Wiedergabe der Reliefs enthält das Buch allerdings nicht. Das ist, wie schon weiter oben geschrieben, zwar nicht tragisch, nichtsdestotrotz wäre es dem Thema angemessen gewesen, wenn man die entsprechenden Bilder lückenlos beigefügt hätte. So musste ich mir eben mit meinem Tablett-PC und den Abbildungen auf trajans-column.org behelfen ...


Fazit: Perfekt will mir die Umsetzung zwar nicht erscheinen, aber das Buch gibt bezüglich der Trajanssäule trotzdem einen aspektreichen Einblick in den aktuellen Forschungsstand. Der Kaufpreis beträgt eher happige 75 Euro...

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Weitere interessante Themen:


Montag, 6. November 2017

Buch: Vor-Romanik in Südtirol

Im Bildband Vor-Romanik in Südtirol (Athesia Verlag) präsentiert der Archäologe und Bauforscher Hans Nothdurfter (😁) auf 248 Seiten unzählige großformatige Fotos, Grundrisse und Texte zu rund 90, größtenteils kirchlichen Gebäuden in Südtirol, die gänzlich oder zumindest teilweise der Vor-Romanik zugeordnet werden; darunter beispielsweise die Kirche St. Benedikt in Mals, die für ihre karolingerzeitlichen Fresken berühmt ist.
Freilich, der gewählte Zeitrahmen wurde vom Autor relativ großzügig interpretiert, denn gemeinhin lässt die Forschung die Vor-Romanik spätestens im 11. Jahrhundert enden, während in diesem Buch auch Bauten besprochen werden, die noch im 12. Jahrhundert entstanden. Der Titel scheint mir daher ein klein wenig irreführend zu sein ...

Die Erläuterungen zu den einzelnen Gebäuden umfassen in der Regel eine Beschreibung der Lage, einen Überblick zu Baugeschichte sowie Konstruktionsdetails und mitunter auch nähere Informationen zur Forschungsgeschichte. Generell wurden die einzelnen Texte vom Autor relativ kurz und bündig gehalten. Auch Quellen zu weiterführender Literatur werden angegeben.

Der Kunstgeschichtler und Denkmalschützer Karl Gruber steuerte viele der großformatigen Fotos bei. Darunter befinden sich auch etliche Luftaufnahmen, die er in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder bei Hubschrauberflügen mit den Carabinieri machen konnte (heute hat man es natürlich wesentlich einfacher, da es Quadrokopter und ähnliche Fluggeräte für vergleichsweise wenig Geld zu kaufen gibt).

Fazit: Vor-Romanik in Südtirol ist ein schönes Buch zum Schmökern. Der Kaufpreis beträgt 35 Euro.

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Inhalt:

Vorwort - ein Streifzug

Einleitung

Aldein, Pfarrkirche St. Helena 
Bozen, Dom Mariä Himmelfahrt
Bozen, Maria in der Au
Bozen, St. Quirinus in Gries
Bozen, St. Virgil am Virgl
Brixen, Dom Mariä Himmelfahrt
Brixen, St. Andrä
Brixen, St. Cyrill in Tils
Brixen, St. Johann in Karnol
Brixen, Elvas - St. Peter und Paul
Bruneck, St. Georgen
Bruneck, Pfarrkirche St. Peter und Paul in Reischach
Deutschnofen, St. Agatha und St. Benedikt
Eppan, Kirchenruine St. Vigilius in Perdonig
Eppan, Schloss Hocheppan
Eppan, Schloss Sigmundskron
Feldthurns, St. Andreas in Garn
Gais, Kehlburg und Schlössl Uttenheim
Glurns, St. Jakob in Söles
Glurns, St. Laurentius
lnnichen, Stiftskirche zu den hll. Candidus und Korbinian
Kaltern, St. Leonhard in Unterplanitzing
Kaltern, St. Peter in Altenburg
Kastelruth, Katzenlocher Bühel
Klausen, Säben
Klausen, St. Sebastian
Kuens, Pfarrkirche St. Korbinian und Mauritius
Laas, Pfarrkirche St. Johann, St. Sisinius und St. Marx
Laas, St. Ottilia in Tschengls
Lajen, St. Bartholomäus in Tanirz
Lana, St. Georg in Völlan
Lana, St. Margareth
Latsch, St. Medardus in Tarsch
Latsch, St. Nikolaus
Latsch, St. Vigilius und Blasius in Morter
Mals, Kloster Marienberg in Burgeis
Mals, St. Benedikt
Mals, St. Johann
Mals, St. Martin
Mals, St. Nikolaus in Burgeis
Mals, St. Stephan in Burgeis
Mals, St. Veit in Tartsch
Meran, Zenoburg
Mölten,St.Georgin Versein
Mölten, St. Valentin in Schlaneid
Montan, Castelfelder
Mühlbach, Pfarrkirche Meransen
Nals, St. Apollonia in Sirmian
Naturns, Pfarrkirche St. Zeno
Naturns, St. Laurentius in Staben
Naturns, St. Prokulus
Neumarkt, St. Florian in Laag
Pfalzen, Pfarrkirche St. Cyriak
Prad, St. Johann
Rasen, Ruine Altrasen
Ritten, St. Lucia in Unterinn
Ritten, St. Ottilia in Lengstein
Rodeneck, Burg Rodenegg
Sand in Taufers, Burg Taufers
Sand in Taufers, Kapelle der Burg Tobl in Ahornach
St. Lorenzen, Kloster Sonnenburg
St. Lorenzen, Pfarrkirche St. Laurentius
Schenna, Alte Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt und St. Martin am Friedhof
Schlanders, Pfarrkirche St. Johann, St. Georg und St. Laurentius in Kortsch
Sterzing und Trens
Taufers, Hospiz St. Johann
Terenten, St. Zeno in Pein
Terlan, St.Kosmas und Damian in Siebeneich
Tirol, Schloss Tirol
Tirol, St. Peter in Gratsch
Tisens, St. Hippolyt
Tisens, St. Jakob in Grissian
Toblach, Aufkirchen St. Peter am Kofel
Tramin, St.Jakob in Kastellaz
Vahrn, Neustift, Michaelskapelle "Engelsburg"
Villanders, Pfarrkirche St. Stephan
Vintl, Alte Pfarrkirche St. Urban
Völs, Pfarrkirche und St. Peter am Bühel
Welsberg, St. Georg in Taisten
Wengen-La Val, Alte Pfarrkirche St. Genesius
Winnebach, St. Silvester auf der Alpe


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Weiterführende Informationen:



Mittwoch, 4. Oktober 2017

Videos: Goldschatz-Fund -- Antike Siedlungen von Staudamm bedroht -- Das römische Aquädukt Pont du Gard -- usw.

Goldschatz-Fund beim Pipeline-Bau | Spieldauer 4 Minuten | DW | Stream  & Info

Wie Geld gewinnt und Bagger Geschichte zertrümmern | Spieldauer 5 Minuten | BR | Stream  & Info

Archäologen entdecken 5500 Jahre alten Schädel in der Blätterhöhle | Spieldauer 3 Minuten | WDR | Stream  & Info

Das römische Aquädukt Pont du Gard | Spieldauer 14 Minuten | WDR | Stream  & Info

Antike Siedlungen von Staudamm bedroht | Spieldauer 5 Minuten | DW | Stream  & Info

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➽ Mehr Videos


Montag, 3. Juli 2017

Hörbares: Museum für Stauferkaiser Friedrich II -- Über das Abschreiben als Grundlage unserer Kultur -- usw.

Museum für Stauferkaiser Friedrich II. - Im Dauer-Clinch mit der Kirche | Spieldauer 7 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Georg Friedrich Händel - Gute Geschäfte und ein "Halleluja" | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Georg Philippp Telemann - Der Vielschreiber | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Tafelmusik | Spieldauer 4 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Ich bin ein Kopist - Über das Abschreiben als Grundlage unserer Kultur | Spieldauer 54 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Zitat aus der Sendung: "Was wir heute noch von Antiken Autoren kennen, ist dem Abschreiben (in Klöstern) zu verdanken. Wobei nicht alles gleichermaßen beachtet wurde. Ingenieurstechnik interessierte die Mönche offenbar nur wenig. Wie sonst konnte das römische Verfahren zur Betonherstellung einfach in Vergessenheit geraten."

Nein, mit Verlaub, so unglaublich dämlich können die Sendungsmacher doch nicht sein. Oder glauben sie diesen pauschalisierenden Blödsinn, den sie da verzapfen, tatsächlich? Was ist denn z.B. mit den Werken von Vitruv (De architectura libri decem) und Faventinus (Artis architectonicae privatis usibus adbreviatus liber)? Dort wird die Herstellung des römischen 'Betons' nämlich erläutert. 
Aus Sicht der kopierenden Mönche handelte es sich dabei auch keinesfalls um überflüssiges Wissen; das belegt der Umstand, dass mehrere Abschriften der obigen Bücher überliefert wurden. Außerdem war antikes Ingenieurswissen auch im Mittelalter für den Bau von großen Kirchen und Klöstern unerlässlich. 

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Sonntag, 18. Juni 2017

Pfusch am Bau in der Antike: Der römische Ingenieur Nonius Datus und ein (fast) misslungener Aquädukt-Tunnel

An der Küste Algeriens lag in römischer Zeit die Stadt Saldae. Dort war im 2. Jh. n. Chr. von den lokalen Autoritäten der Bau einer Fernwasserleitung beschlossen worden. Aus einem 17 Kilometer (Luftlinie) entfernten Quellgebiet sollte Trinkwasser herangeführt werden. Für die Bewältigung dieser Aufgabe wurde beim Militär um die Entsendung eines geeigneten Bauingenieurs angesucht (was darauf hindeutet, dass derlei Profis vor allem dort, und nicht im zivilen Umfeld zu finden waren). Der Bitte wurde entsprochen und man schickte einen Ingenieur namens Nonius Datus. Dieser begann die Arbeiten zwar, zog sich aber zu einem unbestimmten Zeitpunkt wieder zurück. Wer ihm nachfolgte ist nicht bekannt, doch traten nach einiger Zeit beim Bau eines Tunnels gröbere Probleme auf. Selbst ein Abbruch sämtlicher Bauarbeiten wurde deshalb schon in Betracht gezogen. Und obwohl seit dem Beginn des Aquäduktbaus ca. 15 - 20 Jahre vergangen waren, erinnerte man sich noch an jenen Mann, der ursprünglich Planung und Arbeiten geleitet hatte: Nonius Datus. Der mittlerweile in den Ruhestand getretene Veteran sollte den Karren noch einmal aus dem Dreck ziehen. Darüber berichtet er auf seinem Grabmonument in einer ausführlichen Inschrift, die unter anderem auch den Brief eines römischen Statthalters beinhaltet, wie aus nachfolgender Übersetzung hervorgeht.

Brief des Procurators (Statthalters) Varius Clemens an den Legionslegaten Valerius Etruscus: Sowohl die herrlichste Stadt Saldae als auch ich mit den Salditanern bitten Dich, Herr, dass Du Nonius Datus, Feldmesser und Veteran der Legio III Augusta, aufforderst, nach Saldae zu kommen, um von seinem Werk fertig zu stellen, was noch aussteht.
Nonius Datus: Ich habe mich aufgemacht und bin auf dem Wege unter Räuber geraten; ausgeraubt und verwundet bin ich mit den meinen entronnen; ich bin nach Saldae gekommen und habe den Procurator Clemens aufgesucht. Er hat mich zu dem Berg geführt, wo man über den misslungenen Tunnelbau klagte; man glaubte, ihn aufgeben zu müssen, weil der Vortrieb der beiden Stollen bereits länger ausgeführt war, als der Berg breit war. Es war offensichtlich, dass man mit den Vortrieben von der Trasse abgekommen war; so wie der obere Teil des Tunnels nach rechts, also nach Süden abwich, so ist in ähnlicher Weise der untere Teil ebenfalls nach rechts, also nach Norden abgewichen; beide Baulose haben also die Richtung verfehlt, weil man der Trasse nicht gefolgt war. Die exakte Trassenlinie war aber mit Pfählen von Ost nach West über den Berg abgesteckt worden. Damit aber beim Leser kein Missverständnis bezüglich der Stollen entsteht, wenn es hier 'oberer' und 'unterer' heißt, so ist das so zu verstehen: Mit 'oberer' ist der Teil gemeint, in dem der Tunnel das Wasser aufnimmt, mit 'unterer' der Teil, wo das Wasser wieder herauskommt. Als ich die Arbeiten zuteilte, damit sich jeder darüber im Klaren war, welche Strecken des Vertriebs er aufzufahren hatte, habe ich die Flottensoldaten und die Soldaten aus gallischen Hilfstruppen um die Wette arbeiten lassen (von beiden Seiten her), und so haben sie sich beim Durchstich des Berges getroffen. Ich also war es, der zuerst das Nivellement gemacht und den Bau der Wasserleitung organisiert und in die Wege geleitet hatte nach den Plänen, die ich dem Procurator Petronius Celer gegeben hatte. Das vollendete Bauwerk hat der Procurator Varius Clemens durch die Einleitung des Wassers seiner Bestimmung übergeben. [Die Transportleistung des Aquäduktes beträgt ?] Fünf Scheffel. Damit mein Bemühen um diesen Aquädukt von Saldae deutlicher erscheint, habe ich einige Briefe angefügt [...]. 
(CIL 8,1 2728 | Übers.: Klaus Grewe)

Die für die heutige Forschung hochinteressante Grabinschrift deutet darauf hin, dass Nonius Datus sehr daran gelegen war, der Nachwelt nicht als Verantwortlicher für die Schwierigkeiten beim Tunnelbau des Aquädukts von Saldae in Erinnerung zu bleiben. Vielmehr präsentiert er sich - wohl zurecht - als Problemlöser. Da die beiden Bautrupps des im Gegenort-Verfahren geplanten Tunnels aneinander vorbeigegraben hatten (siehe Grafik), ließ Nonius Datus neue Vermessungen vornehmen und eine Querverbindung zwischen den beiden Teilstücken herstellen.
Nach ihrer Fertigstellung war die Fernwasserleitung 21 km lang und transportierte pro Tag ca. 10000 Kubikmeter Wasser. Jener Tunnel, der so ungemein viele Schwierigkeiten bereitet hatte, war 428 Meter lang und lag bis zu 86 Meter unter der Erde.
Misslungener Tunnelbau im Gegenort-Verfahren. Beide Bautrupps wichen unbeabsichtigt vom geplanten Trassenverlauf des unterirdischen Aquädukts von Saldae ab und verfehlten sich.
Keine Rechte vorbehalten, aber um die Nennung der Quelle wird gebeten: HILTIBOLD.Blogspot.com

Dieses Beispiel zeigt, dass selbst die für ihre Bauten auch heute noch berühmten Römer keinesfalls Wunderwuzzis waren, denen keine gröberen Fehler unterliefen. Im Gegenteil, die Bauforschung kennt längst etliche ähnlich gravierende Missgeschicke.

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Weiterführende Literatur:

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Sonntag, 12. März 2017

Konstruktionsmethoden und Funktionsweise römischer Aquädukte

Überblick zu den Kontruktionsmethoden eines römischen Quädukts
 Die Grafik findet sich in hoher Auflösung - inkl. detaillierter Beschriftung - bei Flickr zur freien Verwendung

Beim Bau einer römischen Fernwasserleitung (Aquädukt) musste nicht selten eine Vielzahl an verschiedensten Hindernisse überwunden werden, die sich aus den Besonderheiten des jeweiligen Geländes ergaben. Welche technischen Lösungen die antiken Baumeister dafür entwickelten, veranschaulicht die obige Grafik. Das Trassengefälle wurde hierbei zwecks leichterer Erkennbarkeit von mir bewusst übertrieben dargestellt. In der Realität betrug es hingegen mitunter gerade einmal 0,14 Promille (z.B. Pont du Gard/Nîmes) - das entspricht einem Höhenunterschied von lediglich 14 cm auf einem Kilometer Länge! 


(1) Quellfassung, Sickergalerie, Flussableitung oder Talsperre: Bei der Wahl ihres Wassers waren die Römer äußerst wählerisch. Dementsprechend bevorzugte man hochwertiges Quellwasser, das mittels einer regulären Einfassung oder einer Sickergalerie aus lose aufeinandergesetzten Steinen angezapft wurde - so z.B. im Fall der Eifelwasserleitung nach Köln.
In Ausnahmefällen griff man auch auf Flusswasser zurück; vorzugsweise auf solches aus den noch vergleichsweise sauberen Oberläufen. In trockenen Gegenden - wie etwa Spanien - wurden zusätzlich Talsperren errichtet, um auch im Sommer genügend Wasser vorrätig zu haben.
Kalkhaltiges - und somit geschmacklich besseres Wasser - erfreute sich größerer Beliebtheit als kalkarmes. Es konnte daher vorkommen, dass eine ferne kalkhaltige Quelle mit vergleichsweise großem Aufwand erschlossen wurde, anstatt auf eine nahe, zwar saubere, aber eben kalkarme Quelle zuzugreifen. Dem Problem, dass sich der im Wasser gelöste Kalk an der Innenseite der Leitungen ablagerte, begegnete man häufig bereits in der Planungsphase mit einem stark überdimensionierten Leitungsquerschnitt, sodass die sich bildenden Sinterschichten, die beispielsweise beim Pont du Gard bis zu 50 cm (!) betragen, erst nach Jahrzehnten oder Jahrhunderten entfernt werden mussten.
Während unterirdische Überlandleitungen häufig begehbar und gemauert waren, wurden in innerstädtischen Verteilernetzen kleinere Rohre verwendet, die mitunter aus gesundheitsschädlichen Blei bestanden. Interessanterweise waren es aber ausgerechnet die oben beschriebenen Kalkablagerungen, die hier eine Vergiftung des Trinkwassers weitestgehend verhinderten. Trotzdem wies der antike Baumeister Vitruv darauf hin, dass Wasser aus Tonröhren gesünder ist. (Vitruv, De Architectura VIII, 6, 10-11). Und in der Tat war ja zumindest bei neu verlegten Rohren aus Blei noch keine schützende Kalkschicht an der Innenseite vorhanden.


(2) Unterirdischer Kanal: Beim Begriff Aquädukt denken viele zu allererst an Brückenbauten für den Wassertransport. Doch eigentlich sind damit sämtliche Bauformen römischer Fernwasserleitungen gemeint. Unter anderem zählen dazu unterirdische Kanäle. Diese waren, wie der größte Teil des Fernwasserleitungssystems, als Freispiegelleitungen ausgeleg (Ausnahme, siehe Punkt 7). Das Wasser floss darin einzig und alleine aufgrund eines stätigen Gefälles von A nach B. Man spricht hier passenderweise auch von Gefälle- oder Gravitationsleitung
Diese unterirdischen geführten Kanäle bestanden - wenn sie z.B. nicht durch Felsen getrieben worden waren - zumeist aus gemauerten Ziegelsteinen bzw. aus in Holzverschalungen gegossenen opus caementitium (Gussbeton). Letzerer ist bezüglich Druckfestigkeit selbst mit heutigen Methoden kaum zu übertreffen.
Zwar war die Innenseite der Kanäle mit opus signinum (ein wasserdichter Mörtel) verputzt, doch schüttete man bei der ersten Inbetriebnahme zur Vorsicht Asche in das Wasser, die undichte Stellen abdichten sollte (Vitruv, De Architectura VIII, 6, 9). In einigen Fällen wurde sogar zusätzlich die Außenseite versiegelt, um das Eindringen von Fremdwasser zu verhindern. Daran ist ersichtlich, welch außerordentlich großer Wert im antiken Rom auf die Trinkwasserqualität gelegt wurde.


(3) Oberirdisch auf einer Mauer geführter Kanal: Kleine Einschnitte im Gelände wurden mithilfe einfacher, schmuckloser Mauern überbrückt. In steinarmen Gegenden waren auch Erddämme ein Option.
Überdies deckte man oberirdisch geführte Trinkwasserkanäle wie diesen oft mit Platten ab. Dadurch wurde nicht nur die Verschmutzung des Wassers minimiert, sondern auch sein Verdunsten. Besonders in eher heißen Gebieten war dies von Bedeutung. 


(4) Tunnel in Qanat-Bauweise (Lichtloch-Verfahren): Im äußerst trockenen Nahen Osten stellte das Qanat schon früh eine Möglichkeit dar, tief im Boden liegende Grundwasservorkommen zu erschließen. Dabei wurde ein langer, wasserführender Tunnel mit vielen von oben kommenden Verbindungsschächten angeschnitten, über die Wasser entnommen werden konnte. Im Laufe der Zeit gelangte dieses Verfahren zu den Etruskern, von denen es sich wiederum die Römer abschauten. Letztere entwickelten das Qanat weiter und führten es im allgemeinen Tunnelbau ein: Dabei teilte man zuerst den geplanten Tunnel in unterschiedliche Baulose ein. Jeder dieser Abschnitte wurde dann mittels eines senkrechten Schachts von zuvor exakt berechneter Tiefe erschlossen. Die vom Grund der Schächte aus gegrabenen, (mehr oder weniger) waagrecht verlaufenden Tunnel-Teilstücke verbanden sich nach und nach zu einem vollständigen Ganzen.
Neben dieser Möglichkeit Tunnelbauten zu realisieren nutzten die Römern auch noch das sogenannte Gegenort-Verfahren - siehe Punk 6.


(5) Aquäduktbrücke: Wie schon unter Punkt 2 erläutert, wird der Begriff Aquädukt häufig ausschließlich mit römischen Brückenbauten für den Wassertransport gleichgesetzt - was freilich ein Irrtum ist.
Aquäduktbrücken bestanden in der Regel aus gebrannten Ziegeln und/oder Naturstein (plus opus caementitium). Sie erreichten Höhen von bis zu 50 Meter und unterteilten sich häufig in mehrere Halbkreis-Bögen. Die Spannweite eines einzigen Bogens konnte dabei bis zu 25 Metern betragen. Auf der Krone dieser Bauten befand sich eine steinernen Rinne, in der das Wasser transportiert wurde.
Solche Brücken überspannten nicht nur Trocken- sondern auch Flusstäler. Für die antiken Ingenieure bedeutete letzeres eine zusätzliche technische Herausforderung, da Pfeilergründungen im Wasser bzw. im feuchten Untergrund nicht unproblematisch waren.
Da mit dem Bau vieler Aquäduktbrücken allem Anschein nach bereits begonnen wurde, wenn die Wasserleitung noch gar nicht bis zum betreffenden Tal vorgetrieben worden war, konnte es vorkommen, dass im Falle einer nachträglichen Änderung des Trassenverlaufs die Brücke plötzlich obsolet wurde. Sie stand dann halb oder gar schon ganz fertig sinnlos in der Gegend herum. Man nennt so eine Brücke umgangssprachlich Soda-Brücke, weil sie einfach "so dasteht".
In steinarmen Gegenden wurden mitunter gewaltige Brücken bzw. Dämme aus Erde aufgeschüttet, um Talsenken zu durchqueren. Beispiele hierzu liefern die römischen Siedlungsplätze von Tongeren und Nimwegen.
Auf der obigen Grafik nicht gesondert eingezeichnet, aber durchaus von einiger Bedeutung waren Umlenkbecken, die sich häufig unmittelbar vor großen Brückenbauten archäologisch nachweisen lassen. Sie dienten dem Zweck, Brücken für Reparaturarbeiten trocken zu legen.


(6) Tunnel im Gegenort-Verfahren: Hierbei wurde der Tunnel von zwei Seiten in Angriff genommen. Man traf sich ungefähr in der Mitte des Berges.
Die frühesten Beispiele für dieses Verfahren stammen nicht von den Römern, sondern aus dem Nahen Osten. Beispielsweise stellte Hiskia, der von 725-697 über das Königreich Juda regierte, mit einem 533 Meter langen Großtunnel die Wasserversorgung Jerusalems in Kriegszeiten sicher.
Auch der schon von Herodot bewunderte, 1036 Meter lange  Eupalinos-Tunnel, der in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts auf der Insel Samos entstand und nach dem dafür verantwortlichen Baumeister benannt wurde, fußt auf dem Gegenort-Verfahren.
Der bekannteste Gegenort Tunnel der Römer ist gleichzeitig auch der längste bekannte Tunnel, der in der Antike errichtet wurde. Dabei handelt es sich um den sogenannten Claudius-Tunnel. Er ist bemerkenswerte 5595 Meter lang und wurde in 11 Jahren von angeblich 30 000 Arbeitern aus dem Felsen gegraben. Zweck dieses Bauwerks war es, den Wasserspiegel des Fuciner Sees abzusenken. Dies gelang allerdings nur eingeschränkt.
Beim Graben von Tunneln im Gegenort-Verfahren bestand die Gefahr, dass sich die beiden Bautrupps verfehlten, sofern bei den Vermessungen und Berechnungen Fehler unterliefen - oder schlicht und ergreifend ungenau gearbeitet wurde. Ein Beispiel dafür ist eine in Saldae (Nordafrika) angelegte Wasserleitung. Beinahe wäre das gesamte Bauprojekt aufgegeben worden, weil es Probleme mit dem Tunnelvortrieb gab. Erst der vom Militär herbeigerufene Ingenieur Nonius Datus war in der Lage die Arbeiten erfolgreich fortzuführen, wie er noch auf seinem Grabstein (!) stolz verkündete. Dieser Text gibt einen ausgezeichneten Einblick in den antiken Tunnelbau. Außerdem lässt seine Veröffentlichung darauf schließen, dass die auftretenden Probleme beim Bau dieses Aquädukts einst hohe Wellen schlugen. Doch mehr dazu demnächst in einem gesonderten Blogbeitrag.


(7) Siphonstrecke / Druckrohrleitung: Vor allem bei Tälern, die tiefer als 50 Meter waren - wo also der Bau von entsprechend hohen Aquäduktbrücken bezüglich Statik und Aufwand problematisch wurde - griffen die römischen Ingenieure auf Druckrohrleitungen zurück. Dabei machten sie sich das Prinzip der kommunizierenden Röhren zunutze: In miteinander verbundenen Röhren behält nämlich das Wasser an jeder Stelle denselben Pegel. Allerdings ist zu beachten, dass aufgrund eines gewissen Druckverlusts das Wasser am Ausgang der Leitung des Aquädukts nicht die gleiche Höhe wie am Eingang erreichen kann. Dementsprechend tiefer musste der Ausgang geplant und gebaut werden.
Auch im innerstädtischen Bereich war es oft sinnvoll, das Verteilernetz nicht nur in Form von Freispiegelleitungen, sondern auch mit Druckrohrleitungen zu betreiben. So konnten - etwa im hügeligen Rom - selbst höher gelegene Gebiete größtenteils mit Trinkwasser versorgt werden. Allerdings war der Wasserdruck zumeist nicht stark genug, um auch die obersten Stockwerke der Häuser mit fließendem Wasser zu versorgen. Der Gang zu einem der unzähligen öffentlichen Straßenbrunnen zählte daher für die große Mehrheit der Bevölkerung zum Alltag. Übrigens, das überschüssige, permanent aus den Brunnen ausströmende Wasser wurde abgeleitet und zum durchspülen der Gossen und der Abwasserkanäle benutzt (heute erzählt man hingegen selbst den Menschen im wasserreichen Mitteleuropa, sie mögen doch Wasser sparen, was jedoch zu enormen Folgekosten führt, da die Abwasserleitungen nicht mehr ausreichend von Wasser durchströmt werden und verkrusten bzw. häufiger verstopfen).
Als Material wurden für römische Druckrohrleitungen Röhren aus Stein, Blei oder Ton verwendet - wobei regionale Unterschiede zu beobachten sind. Auf dem Gebiet des heutigen Frankreich dominierten beispielsweise Röhren aus Blei, während man in der Türkei eher auf Stein setzte.


(8) Hochleitung: Sie dienten u.a. dazu, den durch einen vorhandenen Höhenunterschied aufgebauten Wasserdruck bis zu einem bestimmten Punkt des Leitungssystems zu halten.
Überreste solcher Hochleitungen finden sich etwa vor und in der Stadt Rom. Ein besonders bekanntes Beispiel ist ist die von Caligula begonnene und von Claudius fertiggestellte Aqua Claudia. Auch die beeindruckende Hochleitung des Aquädukts von Miturno (Miturnae) ist bis heute zum Teil in einem äußerst guten Erhaltungszustand und kann von Interessierten Touristen besichtigt werden.


(9) Verteilerbecken (castellum divisorium): Im "castellum" endete die Fernwasserleitung. Das transportierte Wasser wurde hier verteilt und in das innerstädtische Druckleitungssystem eingespeist. In diesem gab es weitere Verteiler - beispielsweise in Form von schlanken, mit Steigleitung versehenen Türmchen, wie sie z.B. an vielen Straßenkreuzungen in Pompeji standen bzw. auch heute noch stehen.
Vitruv gab den Ratschlag, die im castellum vorgenommene Verteilung des Wassers nach Art der Abnehmer zu trennen. Und zwar dergestalt, dass bei eintretender Wasserknappheit die öffentlichen Anlagen automatisch gegenüber privaten Abnehmern bevorzugt wurden. Eine praktische Umsetzung dieses Ratschlags ließ sich bisher allerdings nicht nachweisen; weder im hervorragend konservierten Pompeji noch in anderen Städten wie Nîmes, wo die Verteileranlage ebenfalls erstaunlich gut erhalten blieb. Vitruv könnte demnach nur den Idealzustand der Wasserversorgung einer Stadt beschrieben haben, aber nicht den tatsächlichen.
Übrigens, hier nicht extra eingezeichnet ist das vergleichsweise klein dimensionierte Absetzbecken, das sich noch unmittelbar vor dem Verteilerbecken befand. Es diente zum Klären bzw. Reinigen des Wassers von Schwebstoffen.

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Weiterführende Literatur:

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Sonntag, 8. Januar 2017

Buch: Aquädukte - Wasser für Roms Städte

Wenn man die Frage stellt, was für das Alte Rom besonders charakteristisch ist, dann lautet fast immer eine der Antworten: Aquädukte.
Überraschend ist das nicht, denn die römischen Bauwerke zum Transport von Wasser zählen nicht nur zu den technischen Meisterleistungen der Antike, sondern haben auch vielerorts die Jahrtausende überdauert und werden teilweise sogar heute noch genutzt.

Im Buch Aquädukte - Wasser für Roms Städte (Regionalia Verlag) erläutert der Archäologe Klaus Grewe sehr detailliert sämtliche Aspekte der römischen Wasserversorgung bzw. des Wasserleitungsbaus. So war man beispielsweise bereits bei der Wahl des anzuzapfenden Wasservokommens überaus pingelig und zog dementsprechend Quellwasser dem Wasser aus Flüssen vor. Ja man ging sogar soweit, gemauerte Wasserleitungen an der Außenseite zu verputzen, um das Eindringen von Fremdwasser zu verhindern. Gleichzeitig wurden aber auch ausgeklügelte "Sickergalerien" betrieben, in denen man das Einsickern von Grundwasser gezielt zur Wassergewinnung nutzte.
Weiters erläutert Klaus Grewe, wie die Leitungstrassen geplant wurden und mit welchen Hilfsmitteln man die Vermessung vornahm; erstaunlicherweise schaften es nämlich die antiken Baumeister Leitungen mit einem Gefälle von 0,14 Promille zu realisieren - das sind 14 cm Höhenunterschied auf einer Länge von einem Kilometer! Selbst mit den heutigen technischen Mitteln ist das Erreichen einer solchen Genauigkeit kein leichtes Unterfangen. Ähnliches gilt für den von den Römern in Holzverschalungen gegossenen/gestampften Beton (opus caementitium); dieser lässt sich bezüglich seiner Druckfestigkeit sogar mit den Methoden und Materialien des 21. Jahrhunderts kaum übertreffen.
Auch auf die Baustellenorganisation wird ein genauer Blick geworfen. Dabei zeigt der Autor auf, dass römische Wasserleitungen häufig in mehrere Baulose aufgeteilt waren. Das bedeutet, verschiedene Bautrupps begann an unterschiedlichen Stellen gleichzeitig mit der Arbeit, was zwar einerseits den für die Errichtung nötigen Zeitraum drastisch verkürzte, andererseits aber auch eine äußerst präzises Arbeiten voraussetzte, damit die einzelnen Teilabschnitte z.B. bezüglich des Gefälles perfekt aufeinander abgestimmt waren (was oft, aber nicht immer gelang).

Man könnte die Liste der im Buch behandelten Aspekte des römischen Aquäduktbaus noch lange fortführen, denn der auf dieses Thema seit vielen Jahren spezialisierte Autor Klaus Grewe hat hier außerordentlich viele Informationen zusammengetragen. Mitunter überforderte/ermüdete mich dieser Detailreichtum aber offen gestanden. Außerdem wäre es sinnvoll gewesen, Fachbegriffe nicht nur sporadisch, sondern immer zu erläutern. Da diese Publikation sicher eine relativ breite Leserschaft ansprechen soll, sind derlei Auslassungen nicht ganz nachvollziehbar. Die Bebilderung mit Grafiken und Fotos wiederum ist außerordentlich reichhaltig und erleichtert das Verständnis der Texte doch sehr. Einziger kleiner Kritikpunkt hierbei: Vereinzelt sind die Fotos etwas grobkörnig oder unscharf, was speziell bei den großen ausklappbaren Panoramaaufnahmen auffällt.

Fazit:  Aquädukte - Wasser für Roms Städte ist eine im Großen und Ganzen durchaus gelungene Monographie. Für knapp 30 Euro erhält der Leser rund 400 dicht mit Informationen vollgepackte Seiten.

PS: Auf das Buch stieß ich durch einen interessanten Zufall; der Autor Klaus Grewe sitzt nämlich im Wissenschaftsbeirat des von mir so innig geliebten Campus Galli :)


Inhaltsverzeichnis (gekürzt):

Glossar
Vowort

Teil A: Aquäduktbau als Zeugnis großartiger römischer Ingenieurkunst
  1. Über Baumeister und Bauherren und den Schutz der Aquädukte
  2. Die Planungsprinzipien der römischen Ingenieure
  3. Die Vermessungsgeräte der römischen Ingenieure
  4. Die Einteilung der Baulose und die Gefälleabsteckung
  5. Die Wassergewinnung
  6. Gefälleleitungen - Rinnen und Rohre
  7. Aquäduktbrücken
  8. Tunnelbautenb
  9. Druckleitungsstrecken
10. Kleinbauwerke
11. Die Wassernutzung und Abwasser
12. Wasserkraftnutzung
13. Beispiele römischer Wasserleitungen
14. Die Nutzung römischer Wasserleitungen in nachrömischer Zeit

Teil B: Die Eifelwasserleitung - Aquädukt für das römische Köln und Steinbruch für die romanischen Bauten
  1. Der Römerkanal - Aquädukt für das römische Köln
  2. Der Römerkanal - Steinbruch des Mittelalters
  3. Die Translozierung des Römerknals in unserer Zeit

Literaturverzeichnis
Aquäduktmarmorkatalog (Fundorte in alphabetischer Reihenfolge)

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Weiterführende Informationen:

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