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Sonntag, 3. Mai 2026

🎧 Hörbares: Wie Papier überlebt -- Die Scheiterhaufen von Bamberg -- Aethelred "the Unready" und der Mythos eines schwachen Königs -- Homer schreibt Ilias und Odyssee -- Die Piratin Mary Read -- Die Störtebeker-Legende -- usw.


 Spuren alter Schätze: Wie Papier überlebt | Spieldauer 23 Minuten | ARD | Stream & Info 

 Hexenverfolgung - Die Angst vor bösen Mächten in Zeiten des Umbruchs | Spieldauer 23 Minuten | ARD | Stream & Info 

 Hexenverfolgung - Die Scheiterhaufen von Bamberg | Spieldauer 23 Minuten | ARD | Stream & Info

 "Gottes Freund, aller Welt Feind": Die Störtebeker-Legende | Spieldauer 14 Minuten | WDR  Direkter Download

 Martin Luther verteidigt seine Thesen: "Ich kann nicht anders" | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download
Meine Meinung von Martin Luther ist keine besonders gute. Der Mann war ein Heuchler, vor allem aber der nützlicher Idiot von Teilen des damaligen Establishments (Landesfürsten, Hochadel), das sich den immensen Landbesitz der Katholischen Kirche unter den Nagel reißen wollte (das ganze Gepränge der Renaissance-Potentaten war nicht billig). Luther lieferte für diese niederen Beweggründe die theologisch-moralische Rechtfertigung. Wenn man so will, dann war er der Prototyp des politisch instrumentalisierten "Experten", der gerade in unserer Gegenwart - schlimmer denn je - sein Unwesen treibt und für seine willfährigen Dienste entsprechenden Lohn empfängt. Denn arm ist Dr. Martin Luther wahrlich nicht gestorben, so wie auch heutige Professoren nicht am Hungertuch nagen müssen. Wenn man sich dann auch noch aktuell ansieht, was aus der von Luther quasi begründeten Evangelischen Kirche in Deutschland geworden ist - nämlich eine politische Vorfeldorganisation - dann schließt sich der Kreis.

 Aethelred "the Unready": Mythos eines schwachen Königs | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 Meilensteine der Weltliteratur: Homer schreibt Ilias und Odyssee | Spieldauer 15 Minuten | WDR |Direkter Download

 Vom Mittelalter zur Renaissance: Petrarca auf dem Mont Ventoux | Spieldauer 16 Minuten | WDR | Direkter Download 

 Die Piratin Mary Read: Seemannsgarn oder wahres Abenteuer? | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download


Mittwoch, 31. Dezember 2025

🏹 Zwei überraschende Beispiele für die Verbreitung von Kriegspropaganda in der Antike

Aphaia Tempel

Zwei frühe Beispiele für Kriegspropaganda bzw. psychologische Kriegsführung sind mir im antiken Werk "Strategika" untergekommen (hier meine Rezension), das der aus Makedonien stammende Gelehrte Polyainos in der Mitte des 2. Jahrhunderts veröffentlichte. Der Autor konnte offenbar Einsicht in alte Geschichtsbücher nehmen, die inhaltlich weit in die Vergangenheit zurückreichten. 

Der erste der von mir zitierten Texte handelt von Kleonymos. Er wird von Polyainos als König der Spartaner bezeichnet, obwohl dieser eine solch hohe Stellung nie innehatte (sie aber äußerst gerne innegehabt hätte). Sehr wohl stammte Kleonymos jedoch aus königlicher Familie und war im Laufe seines recht langen Lebens zumindest phasenweise als Söldnergeneral äußerst umtriebig. Aus dem Jahr 279 v. Chr. wird uns von ihm und seinen Aktivitäten in Griechenland Folgendes berichtet:

Als Kleonymos, König der Spartaner, Troizen belagerte, stellte er auf vielen Seiten rings um die Stadt Wurfmaschinen auf und ließ Pfeile mit der Aufschrift abschießen:" Ich komme als Befreier der Stadt." [...]
Polyainos | Strategika 2.29.1 | Übers.: Kai Brodersen | De Gruyter | 2017

Mit dieser Botschaft ließ Kleonymos die Stadtbewohner wissen, dass es nicht sein Ziel war, sie zu massakrieren oder zumindest zu versklaven. Das verringerte zweifellos den Widerstandswillen. Denn gar nicht einmal so selten war es in der Antike, dass sich Eliten und die Durchschnittsbevölkerung aufgrund unterschiedlicher Interessenlagen uneinig waren, ob Krieg geführt werden sollte oder nicht (besonders stark kommt das beispielsweise in Livius’ Beschreibung des 2. Punischen Kriegs zum Ausdruck). Und wenn man es genau nimmt, dann hat sich an dieser Zwiegespaltenheit bis heute nichts geändert.

Mich erinnerte die obige Textstelle freilich sofort an eine andere antike Überlieferung. Sie stammt aus Caesars Werk "De bello Gallico" ("Der Gallische Krieg"), in dem er seinen gleichnamigen Feldzug detailliert erörtert.
Konkret wird darin beschrieben, wie Caesar während der Kampagne gegen den Stamm der Nervier im Jahr 54 v. Chr. eine dringende Nachricht an seinen Untergebenen Quintus Tullius Cicero schickte (den Bruder des Marcus Tullius Cicero), der in seinem Winterlager von Feinden umzingelt war:

Caesar billigte den Entschluß des Labienus. Wenn er auch mit drei Legionen gerechnet hatte, beschränkte er sich nun auf zwei, da er überzeugt war, daß die einzige Hoffnung, alle Legionen zu retten, in schnellem Handeln bestand. In Eilmärschen gelangte er in das Gebiet der Nervier. Dort erfuhr er von Gefangenen, was sich bei Cicero ereignete und wie gefährlich dort die Lage war. Da gewann er einen der gallischen Reiter mit hohen Belohnungen, Cicero einen Brief zu überbringen. Er schickte ihn in griechischer Sprache, damit die Feinde nichts von unseren Plänen erführen, wenn sie den Brief abfingen. Dem Reiter trug er auf, den Brief an den Riemen seines Speeres (Anm.: "hasta") zu binden und in die römische Lagerbefestigung zu schleudern, wenn er nicht näher herankommen könne. In dem Brief teilte er mit, er sei mit den Legionen im Anmarsch und werde in Kürze eintreffen. Zugleich forderte er Cicero auf, sich weiter so tapfer zu halten wie bisher. Der Gallier, der sich vor der gefährlichen Situation fürchtete, warf befehlsgemäß seinen Speer ins Lager. Zufällig blieb dieser aber in einem Wachtturm stecken und wurde zwei Tage lang von unseren Soldaten nicht bemerkt, ehe ihn am dritten Tag ein Soldat erblickte, abnahm und zu Cicero brachte
Caesar | Der Gallische Krieg | 5.48.1-8 | Übers.: Marieluise Deissmann | Reclam | 1980/2000

Man darf stark vermuten, dass diese Methode der Nachrichtenübermittlung wohl immer wieder in der Antike praktiziert wurde. Anzumerken ist an diesem zweiten Beispiel allerdings, dass es unter den Galliern durchaus Personen gab, welche die griechische Sprache beherrschten; in Einzelfällen nicht nur in Wort, sondern auch in Schrift. Daher ist es etwas rätselhaft, warum Caesar hier allem Anschein nach etwas anderes annahm. 

Doch zurück zu Polyainos. Laut ihm wurden schriftliche Botschaften - vor allem propagandistische - auch noch auf eine ganz andere Weise verbreitet. Im Zusammenhang mit den Taten des legendären griechischen Politikers und Feldherren Themistokles heißt es:

Da Ionier in der Flotte des (Perserkönigs) Xerxes mitkämpften, befahl Themistokles den Hellenen, auf die Seitenwände der Schiffe zu schreiben: "Männer aus Ionien, ihr tut nicht recht, dass ihr gegen eure Väter in den Krieg zieht." Als dies zu lesen war, vertraute der (Perser-)König den Ioniern nicht mehr.
Polyainos | Strategika 1.30.7 | Übers.: Kai Brodersen | De Gruyter | 2017

Mit "Ionier" sind die Bewohner der griechischen Küstenkoloniestädte Kleinasiens gemeint. Sie wurden von den Persern gezwungen, sich diesen im Kampf gegen das griechische Mutterland anzuschließen (vereinfacht ausgedrückt). Dass viele dieser Griechen keine rechte Lust hatten, für die Perser gegen ihre Landsleute zu kämpfen, darf man wohl als sehr wahrscheinlich annehmen. Den Persern war dieser Umstand sicher nicht entgangen, und so bedurfte es nur der beschriebenen Kriegslist des Themistokles, um das Vertrauen endgültig zu erschüttern. Das wird in weiterer Folge wohl die Kampfkraft der persischen Streitkräfte geschwächt haben.

Es muss freilich ein beeindruckender Anblick gewesen sein, als die griechische Flotte sich der persischen näherte, die Rümpfe mit großen Parolen bemalt, die an das Zusammengehörigkeitsgefühl der 'Hellenen' appellierten. Was nicht selbstverständlich war, wenn man bedenkt, dass sich die griechischen Stadtstaaten seit langer Zeit untereinander befehdeten. Selbst Alexander dem Großen standen rund eineinhalb Jahrhunderte später noch griechische Kontingente gegenüber. Die sich allerdings oft freiwillig den Persern angeschlossen hatten; aus Hass auf den 'pseudogriechischen' Makedonen und weil der Großkönig Dareios III. gut gezahlt haben dürften...

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Aus Neugierde habe ich von der KI Grok verlangt, sie soll meine Kommentierung der Quellen prüfen.


Ich bin beruhigt. Der KI-Gott hat mir seinen Segen erteilt! 😄


Samstag, 29. November 2025

📽️ Videos: 800 Jahre alter Fassbrunnen entdeckt -- Schwule Helden der Antike -- Abtauchen in die Welt der Gladiatoren -- Die unterirdische Mauer -- usw.


 800 Jahre alter Fassbrunnen unter Neunhofer Erde | Spieldauer 2 Minuten | BR | Stream & Info

 München: Abtauchen in die Welt der Gladiatoren | Spieldauer 3 Minuten | BR | Stream & Info
Wow, wieder einmal diese gut trainierten Gladiatoren-Reenactors 😁. Obwohl ich mich an eine antike Quelle erinnere, in der es hieß, die Gladiatoren wären auch dazumal mitunter etwas zu überfüttert gewesen.

 Archäologie: Lübecker St. Marienkirche soll neue Fußbodenheizung bekommen | Spieldauer 3 Minuten | NDR | Stream & Info 

 Archäologische Sensation: Grabbeigaben einer "Bajuwarischen Prinzessin" | Spieldauer 2 Minuten | BR | Stream & Info

 Die Wintringer Kapelle - Spätgotisches Bauwerk mit romanischen Wurzeln | Spieldauer 6 Minuten | SR | Stream & Info |

 Ägypten: Das größte archäologische Museum der Welt | Spieldauer 28 Minuten | 3sat | Stream & Info 

 Die unterirdische Mauer | Spieldauer 6 Minuten | rbb | Stream & Info
Wieder einmal die sogenannte Archäologie der Moderne. Ich halte das weitestgehend für ein Verschwenden der extrem knappen Ressourcen der Bodendenkmalpflege, wie ich schon mehrfach betont habe. Die Quellen hinsichtlich der DDR sind ja unterm Strich vergleichsweise umfangreich und gut erforscht (außer bei den Stasi-Akten, da hat man offenbar alle Zeit der Welt, die wieder zusammenzustückeln - sehr kommod für jene in den Akten vorkommenden Personen, die im wiedervereinigten Deutschland Karriere im öffentlichen Dienst, der Politik und den Medien gemacht haben. Ein Schelm, wer ...)

 Liebe und Krieg: Schwule Helden der Antike | Spieldauer 86 Minuten | arte | Stream & Info 
🙄 ... dazu habe ich ja auch schon einiges geschrieben - siehe unten.

Donnerstag, 18. September 2025

🎧 Hörbares: Der doppelte Mythos "Hermannsschlacht" -- (Lächerliche) Kritik an OpenAI Challenge im Amazonas -- Overkill im Neolithikum -- Tattoo-Kunst auf Mumie -- usw.

 
 Friedrich Pohlmann: Der doppelte Mythos "Hermannsschlacht" | Spieldauer 55 Minuten | Kontrafunk | Stream & Info | Direkter Download
 
 Michael Esfeld: Selbstbestimmung, die Grundlage unserer Zivilisation  | Spieldauer 56 Minuten | Kontrafunk | Stream & Info | Direkter Download

Das Alte Rom - Caesar! | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Hobbyarchäologie – Kritik an OpenAI Challenge im Amazonas Regenwald | Spieldauer 7 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download
Was für ein Gesabbel, was für ein Stuss. Anstatt sich über diese Unterstützung im Rahmen eines Citizen-Science-Projektes zu freuen, ergeht sich ein brasilianischer Archäologenverband in Futterneid, Borniertheit und Wissenschaftsfeindlichkeit. Freilich, an dieser Sorte charakterlicher und intellektueller Bankrotteure gibt es auch unter der hiesigen Archäologenschaft keinen Mangel (besonders unter den staatlichen/staatsnahen). Dabei geht es hier doch vor allem um nichtinvasive (zerstörungsfreie) Forschung, die schlussendlich in einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit ausgebildeten Archäologen vor Ort münden soll! Man ist sich aber seitens der Kritiker nicht zu blöd dafür, selbst irgendwelche "indigenen Völker" als zusätzlichen Verhinderungsgrund vorzuschieben. Das erinnert mich frappant an das verlogene Sabotieren von Großbauprojekten, indem man auf dem vorgesehenen Baugrund irgend ein unter Artenschutz stehendes Tier hervorzaubert. Und dann auch noch als Draufgabe wurde in dieser Sendung eine absolut nervtötende männliche Stimme fürs Zitieren verwendet. Der Sprecher legt die Tonalität zusätzlich noch zum Nachteil der Betreiber des KI-Projekts an. *würgh*
 
 Jungsteinzeit: Landwirtschaft nicht per se Treiber sozialer Ungleichheit | Spieldauer 6 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download
Na gibt es ja nicht! Ist also der pauschalisierende Unsinn, den vor allem die marxistische Geschichtsforschung in die Welt gesetzt hat, doch nicht der Weisheit letzter Schluss? Wer hätte das gedacht? (jeder, der logisch denken kann; jeder, der keine selektive Quellenauswahl vornimmt; jeder, der ethnologische Vergleiche objektiv einordnen kann; und jeder, der Korrelationen nicht mit Kausalitäten verwechselt)
 
 Tattoo-Kunst auf 2.000 Jahre alter Mumie in Sibirien entdeck | Spieldauer 8 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Overkill im Neolithikum: Archäologen rekonstruieren Folter und Gewalt im Elsass | Spieldauer 4 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Frühmenschen auf Sulawesi: Steinwerkzeuge belegen Besiedelung vor 1 Mio Jahren | Spieldauer 4 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Archäologische Entdeckungen und das Metrofahren in Thessaloniki | Spieldauer 12 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Queerer Opernstar, gefürchtete Fechtkämpferin: Julie D'Aubigny | Spieldauer 15 Minuten | WDR |Direkter Download
🙄

Mittwoch, 3. September 2025

🎧 Hörbares: Unterwegs sein im Mittelalter -- Mittelalter-Hochstapler Tile Kolup -- Frankreichs vergessener König -- Die Schlacht bei Cannae -- Die ersten Spiele von Olympia im Jahr 776 v. Chr. -- usw.


 Wie Menschen früher reisten - Unterwegs sein im Mittelalter  | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

1060: Frankreichs vergessener König - Wer war Philipp der Erste? | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 Roms blutige Niederlage gegen Hannibal: Die Schlacht bei Cannae | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download
 
 Zwei Jahre als Kaiser: Mittelalter-Hochstapler Tile Kolup | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 Das Alte Rom - Agrippina - Mutter, Monster, Mörderin?  | Spieldauer 24 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
 
 Das Alte Rom - Die Geschichte eines imperialen Traums | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 776 v. Chr.: Alles geben für einen Olivenzweig: Die ersten Spiele von Olympia | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 1110: Mathilde von England wird mit acht Jahren römisch-deutsche Königin | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 Rumration gestrichen: Das Ende des "Daily Tot" in der Royal Navy | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download
Die tägliche Rumration - allgegenwärtig in den Seekriegsromanen von Alexander Kent, Cecil Scott Forester, Patrick O'Brian und vielen anderen britischen Autoren! Neben den Pressgangs eine dieser über Bord geworfenen Traditionen, um die es nicht schade ist 🧉. Wobei zumindest die Pressgangs ja in einem osteuropäischen Land seit einiger Zeit wieder in Mode sind...

 Geheime Waffe im US-Bürgerkrieg: Das Rätsel um das U-Boot "Hunley" | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 Die Freimaurer: eine Loge im Fadenkreuz der NS-Propaganda | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download
 "Die Freimaurer stehen für eine Welt mit Toleranz, Freiheit und Humanität. Am 17.8.1935 werden sie von den Nationalsozialisten als "verschwörerischer Geheimbund" verboten." Diesen wolkig klingenden Schmarrn habe ich auch lange Zeit geglaubt - einfach weil ich mich mit der Thematik aus mangelndem Interesse nicht näher auseinandergesetzt hatte und der simplen, aber dämlichen Logik folgte: Wenn die Nationalsozialisten dagegen gewesen sind, dann war die Freimaurerei doch sicherlich irgendwie gut... Allerdings wird man älter und irgendwann sorgt die Lebenserfahrung dafür, dass man dergleichen zu hinterfragen beginnt. 
Was sind die Freimaurer - in vielen Fällen - wirklich? Ein geheimer oder halbgeheimer Bund, in dem nachweislich heftigst 'gepackelt' wird, also Jobs und Aufträge einander zugeschanzt werden. Und viel Unschönes mehr. Wie eben immer, wenn Großkopferte sich unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit treffen, um zu "netzwerken". Die Freimaurerei ist damit tendenziell ein zutiefst antidemokratisches, die Vetternwirtschaft und Korruption förderndes Projekt, auch wenn man nicht alle Logen über einen Kamm scheren sollte. Und nur weil noch größere Antidemokraten einst dagegen waren, setzt das diesem Treiben nicht automatisch einen Heiligenschein auf. 

 2015: Wie der IS-Terror das Weltkulturerbe Palmyra (Syrien) verwüstet | Spieldauer 15 Minuten | WDR |Direkter Download
Was für eine Ironie, wenn man bedenkt, dass nun genau so ein Religiot Präsident in Syrien ist. Mit heftiger Unterstützung westlicher Polit-Cretins und unter dem Beifall ihrer medialen Wasserträger.

 1734: Der Untergang der HMS Wager: Schiffbruch am Ende der Welt | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download



Montag, 1. September 2025

🌿 Bevor es den Joint gab: Herodot berichtet über Drogenkonsum in der Antike 🔥

 
Drogen bzw. Substanzen, die einen Rauschzustand herbeiführen, kann man bekanntlich auf verschiedene Weisen konsumieren. Eine besonders beliebte ist in unserer modernen Zeit der sogenannte Joint bzw. das Rauchen von Cannabis/Hanf. Wie eine rustikale Vorstufe davon, mutet jener Brauch an, den uns der im 5. Jahrhundert v. Chr. lebende Geschichtsschreiber Herodot von Halikarnassos überliefert hat. Im 4. Buch seines berühmten Geschichtswerks "Historien" heißt es über das am Schwarzen und Kaspischen Meer lebende Reitervolk der Skythen:

Es wächst für sie in dem Gebiet auch Hanf, der bis auf die Dicke und Größe sehr mit Flachs zu vergleichen ist; darin übertrifft der Hanf jenen bei weitem. [...]
Wenn von diesem Hanf die Skythen den Samen genommen haben, schlüpfen sie unter die Filzdecken und werfen dann den Samen auf die im Feuer glühend gemachten Steine. Der darauf geworfene Samen verraucht und macht einen Dampf von so großer Menge, dass kein griechisches Schwitzbad dagegen ankommt. Die Skythen fühlen sich in dem Dampf wohl und sie jauchzen. [...]
Herodot | Historien, 4. Buch, 74-75 | Übers.: C. Ley-Hutton | Hrsg.: K. Brodersen | Verlag Reclam, 2002/2007

Sollte man wirklich nur die Samen verbrannt haben, dann dürfte hier freilich keine berauschende Wirkung entstanden sein, da diese kaum den berühmt-berüchtigten Wirkstoff THC enthalten, sondern nur jede Menge Rauch erzeugen. Das erwähnte "Jauchzen" der Skythen müsste demnach andere Gründe haben. Oder aber, es wurden auch die THC-haltigen Blätter und Blüten des Hanf verbrannt, wovon uns Herodot - eventuell aus Unkenntnis - einfach nichts berichtet. Im Übrigen wurden von Archäologen in skytischen Gräbern Räuchergefäße entdeckt, die Hanfsamen enthielten. Da Samen jedoch beständiger sein können als Blätter und vor allem Blüten, ist das Fehlen der letzteren beiden Pflanzenbestandzteile hier kein Beleg dafür, dass sie nicht auch im rituellen oder oder einem sonstigen Kontext mitverbrannt wurden.

Ohne den geringsten Zweifel geht es jedoch im 1. Buch von Herodots Historien um Drogenkonsum. Dort heißt es über das mit den Skythen sprachlich und kulturell verwandte Nachbarvolk der Massageten:
 
Vom Araxes (der Fluss Aras) heißt es einmal, er sei größer, einmal, er sei kleiner als der Istros (Ister, der Unterlauf der Donau). Man sagt, es gäbe auf ihm zahlreiche Inseln, an Größe Lesbos vergleichbar, auf ihnen lebten Menschen, die sich dadurch ernährten, dass sie im Sommer mancherlei Wurzeln ausgraben, die von Bäumen geernteten Früchte aber, wenn sie reif sind, als Nahrung aufbewahren und diese im Winter essen. Es seien bei ihnen aber auch noch andere Bäume entdeckt worden, die Früchte von solcher Art tragen: Wenn die Massageten sich in Scharen an einem Ort versammelt und ein Feuer angezündet haben, werfen sie, im Kreise herum sitzend, diese Früchte ins Feuer; wenn sie dann den Duft der hingeworfenen verbrennenden Frucht einatmen, werden sie vom Duft berauscht wie die Griechen vom Wein; wenn mehr Früchte hineingeworfen werden, dann werden sie noch betrunkener, bis sie sich zum Tanz erheben und zu singen anfangen. Dies soll ihre Lebensweise sein. 
Herodot | Historien, 1. Buch, 202,1-2 | Übers.: C. Ley-Hutton | Hrsg.: K. Brodersen | Verlag Reclam, 2002/2007

Das hört sich doch nach einer sehr unterhaltsamen Party an, oder? 😃 Und wenn man nun weiß, dass die Massageten sich am Rauch verbrannter Pflanzen berauschten, dann macht es dieser Umstand wahrscheinlicher, dass auch ihre Verwandten, die oben genannten Skythen, ähnlich verfuhren.


Dienstag, 24. Juni 2025

📽️ Videos: Professionell ausgeführte Raubgrabungen -- Die Flotte der Römer -- Schüler helfen bei archäologischen Ausgrabungen -- Der Fall Tutanchamun -- usw.

 Professionell ausgeführte Raubgrabungen am Metilstein | Spieldauer 3 Minuten | MDR | Stream & Info 
Hehe, wieder einmal ein Beispiel aus der niemals enden wollenden Reihe der ausgefallenen Archäologenhüte. Hält sich der Herr womöglich für Teddy Roosevelt? Im Übrigen, wenn der gute Mann beklagt, dass hier Keramik- und Metallfunde fehlen würden, dann ist das insofern Unsinn, da er ja nicht wissen kann, worauf die sogenannten "Raubgräber" gestoßen sind. Davon abgesehen zählen die von ihm erwähnten und offensichtlich nach wie vor vorhandenen Dachziegeln ebenfalls zur Materialgattung Keramik (ganz genau gesagt zur Unterkategorie der Baukeramik). Was hat der während seines Archäologiestudiums wohl gemacht? Partys gefeiert und bei Grabungen den am Grubenboden herumkriechenden Kolleginnen in den Ausschnitt geschaut? 😉
 
Das Rätsel der kanarischen Pyramiden bald gelöst?  | Spieldauer 66 Minuten | Abora.TV | Stream & Info
 
 


 Archäologie studieren - Eintauchen in die Antike | Spieldauer 13 Minuten | ARD | Stream & Info 
WTF?! 

 Stammt die Demokratie aus Griechenland? | Spieldauer 23 Minuten | arte | Stream & Info
"Demokratie" - im Sinne von "Volksherrschaft" - ist nach meinem Dafürhalten ein politisch schwer missbrauchter und hochgradig verlogener Schwafelbegriff. Das war schon immer so und trifft heute mehr denn je zu. Man herrscht nämlich als Volk nicht, wenn man sich lediglich alle paar Jahre seinen Vormund aussuchen darf. So wie man ja auch kein Küchenchef ist, bloß weil man sich im Restaurant ein Menü bestellt ^^
 
 Die Flotte der Römer | Spieldauer 53 Minuten | arte | Stream & Info

 Archäologie: Schüler helfen bei Ausgrabungen | Spieldauer 2 Minuten | BR | Stream & Info |
 
 Auf den Spuren der Ur-Berliner  | Spieldauer 7 Minuten | rbb | Stream & Info 

 Der Fall Tutanchamun - Die Grabkammer (3/3) | Spieldauer 44 Minuten | Phoenix | Stream & Info 



Mittwoch, 11. Juni 2025

🎧 Hörbares: Kindheit im Mittelalter -- Olympia des Mittelalters -- Die Vandalen in Rom -- Heraklion, die Suche nach Ägyptens Atlantis -- Die Banausen in Athen -- usw.

 
Kindheit im Mittelalter: Gefahr, Gewalt und Geborgenheit | Spieldauer 15 Minuten | WDR |Direkter Download

 "Olympia des Mittelalters": Das große Königstreffen von 1520 | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download
Wieder mal der ausgedehnte Mittelalter-Begriff des öffentlich-schlechtlichen Rundfunks....

 Gesittet plündern: Die Vandalen in Rom | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 Die Suche nach Ägyptens Atlantis: F. Goddio entdeckt Heraklion | Spieldauer 15 Minuten | WDR |Direkter Download

 Als der Rote Baron den Boden unter den Füßen verlor | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 Wiener Kongress: Als Europas Landkarte neu gezeichnet wurde | Spieldauer 15 Minuten | WDR |Direkter Download

 Maria Theresia, die erstaunliche | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Die Banausen in Athen  | Spieldauer 24 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Wie Pflasterer die Straßen brachten  | Spieldauer 26 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

                                                            

Sonntag, 6. April 2025

📽️ Videos: Experimentelle Archäologie und frühbronzezeitliches Schmiedehandwerk -- Aus der Welt der antiken griechischen Inschriften -- Die Wiederentdeckung eines Klosters -- Alexandria


Experimentelle Archäologie: Erkenntnisse zum frühbronzezeitlichen Schmiedehandwerk (Himmelsscheibe von Nebra) | Spieldauer 20 Minuten | Landesmuseum für Vorgeschichte Halle | Stream & Info 



 Das Kloster im Wald. Die Wiederentdeckung der "Himmelpforte" bei Wernigerode | Spieldauer 15 Minuten | Landesmuseum für Vorgeschichte Halle | Stream & Info



 Campus Talks: Epigrafik - Aus der Welt der antiken griechischen Inschriften | Spieldauer xx Minuten | alpha | Stream & Info 

 Metropolen der Antike: Alexandria | Spieldauer xx Minuten | ZDF | Stream & Info 
Die sogenannte europäische Integration, samt dem Verzicht auf Grenzkontrollen, ist ja so fortschrittlich und geil - laut öffentlich-schlechtlichem Unfunk. Aber wenn es um die eigenen Schäfchen geht, die es gilt ins Trockene zu bringen, dann zieht man sofort eine Mauer hoch und versieht Videos wie dieses mit eine Ländersperre. Oh was für saturierte Heuchler! Der Blitz soll sie...

Mittwoch, 25. Dezember 2024

🐴 Der Stute auf die Mumu gegriffen: Wie Dareios (angeblich) König der Perser wurde

Wahrscheinlich eine Darstellung des persischen Großkönigs Dareios (Darius) I. | Quelle: Wikimedia.org | Bearbeitung: Hiltibold

Passend zur Weihnachtszeit (frohe Weihnachten, übrigens!), hier wieder einmal ein besonders geschmackvolles Fundstück aus meinem Fundus antiker Texte.

Nachdem - laut griechischem Geschichtsschreiber Herodot - im Jahr 522 v. Chr. ein Betrüger und Usurpator von sieben mächtigen persischen Adeligen mit scharfen Dolchen vom Königsthron entfernt wurde, berieten die Attentäter über die zukünftige Herrschaftsform des persischen Vielvölkerreichs. Sollte es weiterhin eine Monarchie bleiben - damit hatte man in jüngster Vergangenheit unter dem König Kambyses z.T. schlechte Erfahrungen gemacht - oder wäre eine Demokratie, zumindest aber eine Oligarchie, geeigneter?
Man entschied nach einigen Diskussionen schlussendlich, dass auch weiterhin einen König an der Staatsspitze stehen soll. Wobei moderne Historiker anmerken würden, dass diese Diskussion vielleicht gar nie so stattgefunden hat und hier der Grieche Herodot bloß in seiner Erzählung eine Chance sah, die unterschiedlichen Herrschaftsformen bzw. ihre Vorzüge und Nachteile einander gegenüberzustellen. Herodot selbst macht freilich die Bemerkung, dass sogar seine griechischen Zeitgenossen nicht so recht an die berichtete Begebenheit glauben wollten; man traute den 'barbarischen' Persern, mit ihrer (wie man meinte) typisch orientalischen Obrigkeitsgläubigkeit, wohl nicht zu, auch nur einen Gedanken an Demokratie zu entwickeln (interessanterweise funktioniert im Orient bis heute nahezu nirgendwo das Konzept der Volksherrschaft - nicht einmal die im nachantiken Westen ersonnene Schmalspurvariante davon). 
Doch so richtig schräg wird es, als es in der Überlieferung darum geht wie der zukünftige König angeblich aus der Gruppe der persischen Adeligen ermittelt wurde.

Die übrigen der Sieben berieten nun, wie sie auf die gerechteste Weise einen König einsetzen könnten [...]  Was die Königsherrschaft betraf, beschlossen sie Folgendes: Wessen Pferd bei Sonnenaufgang als Erstes wiehere, nachdem sie vor der Stadt aufgesessen seien, der solle die Königsherrschaft haben. Nun hatte Dareios einen klugen Stallmeister; sein Name war Oibares. Zu diesem Mann sagte, als die Versammelten sich getrennt hatten, Dareios Folgendes:
"Oibares, wir haben hinsichtlich der Königsherrschaft beschlossen, folgendermaßen vorzugehen: Wessen Pferd als Erstes bei Sonnenaufgang wiehert, nachdem wir aufgesessen sind, der soll die Königsherrschaft haben. Wenn du jetzt also über einen klugen Rat verfügst, dann leite in die Wege, dass ich dieses schöne Amt erhalte und nicht ein anderer!"
Oibares antwortete mit folgenden Worten: "Herr, wenn es nur davon abhängt, ob du König wirst oder nicht, dann sei deswegen unbesorgt und guten Mutes; denn kein anderer wird an deiner Stelle König sein. Ich habe entsprechende Mittel."
Darauf Dareios: "Wenn du nun so einen Kniff hast, dann ist es an der Zeit, ihn auszuführen und nicht aufzuschieben; denn am kommenden Tag fällt für uns die Entscheidung."
Als Oibares das hörte, tat er Folgendes: Als die Nacht anbrach, führte er von den Stuten eine, die der Hengst des Dareios am meisten liebte, vor die Stadt, band sie dort an und führte dann den Hengst zu ihr, und viele Male führte er ihn nahe um die Stute herum und ließ ihn sie fast berühren; schließlich ließ er ihn die Stute besteigen.
Gleich beim ersten Licht des Tages waren die Sechs, wie sie es vereinbart hatten, auf ihren Pferden zur Stelle. Als sie nun vor die Stadt ritten und an die Stelle kamen, wo in der vergangenen Nacht die Stute angebunden gewesen war, da lief der Hengst des Dareios dorthin und wieherte; zur gleichen Zeit aber, als der Hengst dies tat, gab es einen Blitz aus heiterem Himmel und einen Donnerschlag. Da diese Zeichen für Dareios noch hinzukamen, bestätigten sie seine Wahl, als wären sie auf eine Art Verabredung hin geschehen; und sie sprangen von ihren Pferden und huldigten Dareios.
Die einen nun sagen, dass Oibares diese List angewandt habe, die anderen dagegen, eine folgender Art - denn beide Versionen werden von den Persern erzählt: Er habe die Geschlechtsteile dieser Stute mit seiner Hand berührt und die Hand dann in seinen Hosen verborgen gehalten. Als sie dann bei Sonnenaufgang die Pferde hätten loslaufen lassen wollen, habe unser Oibares seine Hand hervorgezogen und dem Hengst des Dareios an die Nüstern geführt, der aber habe den Geruch wahrgenommen und daraufhin geschnaubt und gewiehert.
Herodot | Historien, Buch 3 84,1-87 | übersetzt von Heinz-Günther Nesselrath | Verlag Alfred Kröner, 2017

Jetzt könnte man vorschnell meinen, dass es sich hier bloß um eine nette Geschichte handelt, die mehr Sage als Realität ist. Allerdings verweist Herodot auf ein Relief, das vermutlich zu seiner Zeit noch jeder in Augenschein nehmen bzw. überprüfen konnte. 

[...] Als Erstes nun ließ er (Dareios) ein steinernes Relief anfertigen und aufstellen; als Figur war darauf ein Reiter dargestellt, und er ließ eine Inschrift anbringen, die Folgendes besagte:
"Dareios, der Sohn des Hystaspes, hat durch die Vorzüglichkeit seines Pferdes - hier nannte er den Namen - und seines Stallmeisters Oibares die Königsherrschaft über die Perser erlangt."
Herodot | Historien, Buch 3 88,3 | übersetzt von Heinz-Günther Nesselrath | Verlag Alfred Kröner, 2017

Es ist demnach gut denkbar, dass eine der beiden Versionen von der Geschichte mit der Stute und dem geilen Hengst wirklich mehr oder weniger den Tatsachen entsprach; ich persönlich halte übrigens die unkompliziertere zweite Erzählung für wahrscheinlicher - aber natürlich ist auch das nur eine Vermutung (echte Pferdekenner könnten hier sicher eine qualifiziertere Einschätzung vornehmen). 
Grundsätzlich ist es aber meiner Meinung nach ein großer Fehler, solche Erzählungen immer gleich leichtfertig als komplette Märchen abzutun. In ihrem Bestreben, die notorisch unpräzise Geschichtsforschung seriöser in der Öffentlichkeit darzustellen, neigen viele moderne Historiker zum Überkompensieren bzw. Überrationalisieren. Das ist schlussendlich für das Fach genauso kontraproduktiv wie blinde Naivität.
Dareios I. jedenfalls entwickelte sich zum vielleicht berühmtesten der persischen Großkönige. Man kennt ihn auch heute noch, nicht zuletzt wegen den Alten Griechen, die in wilden Kämpfen mit seinem Eroberungsdrang konfrontiert wurden und uns davon manch lebhaften Bericht hinterlassen haben. Herodot aus Halikarnassos ist der bedeutendste unter diesen Berichterstattern.

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Sonntag, 22. Dezember 2024

📽️ Videos: Was Griechen und Römer uns nicht wissen ließen -- Spektakuläre Funde bei Ausgrabungen -- Der Esel in der antiken Welt -- usw.


  Campus Talks: Wie Papyri zeigen können, was Griechen und Römer uns nicht wissen ließen | Spieldauer 12 Minuten | Alpha | Stream & Info

 Archäologen entdecken frühmittelalterliche Skelette in Bamberg | Spieldauer 2 Minuten | BR | Stream & Info 

 Spektakuläre Funde bei Ausgrabungen in Alzey | Spieldauer 4 Minuten | SWR |  Direkter Download

 Mammutprojekt in Mainz: Was römische Steine über die antike Stadt verraten | Spieldauer 2 Minuten | SWR| Stream & Info 

 Sonderausstellung: Der Esel in der antiken Welt | Spieldauer 3 Minuten | ARD | Stream & Info
Der Esel als Sexobjekt in der Antike, weil er gelegentlich mit einem großen Lümmel dargestellt wurde.... Ob hier bei einer der weiblichen Ausstellungsverantwortlichen der Wunsch der Vater des Gedankens war? Denn wenn man ein wenig in Arbeiten aus der Sexualpsychologie stöbert, dann wird man feststellen, dass gar nicht so wenige Frauen Sexfantasien haben, die unter Beteiligung von Tieren stattfinden. Neben dem Hund ist hier das Pferd ganz vorne mit dabei. Und der Esel ist ja davon nicht weit entfernt. Ich könnte mir nun gut vorstellen, dass dergleichen bei der Deutung antiker Quellen durch weibliche Wissenschaftler eine gewisse Wirkung entfaltet. Wobei man über solche Hintergründe in der breiten Öffentlichkeit freilich wenig hören wird, passt es doch nicht so recht zum feministischen Narrativ von der Frau als dem edleren Menschen. Übrigens, weil in dem Video auch auf einen antiken Text hingewiesen wird, in dem man in böser Absicht einer Frau die Vergewaltigung durch einen Eselshengst androht: Das könnte/soll auch zum Programm öffentlicher Bestrafungen im Alten Rom gehört haben. Ich erinnere mich, dass Marcus Junkelmann davon in seinem sehr guten Buch "Hollywoods Traum von Rom"  geschrieben hat. In einem frühen Sandalenfilm soll dergleichen sogar noch mehr oder weniger dargestellt worden sein. Später ging das aber aus Prüderiegründen nicht mehr.

 "Fritz Koenig und die Antike" in der Glyptothek München | Spieldauer 2 Minuten | BR | Stream & Info
Was für ein infantiler Metallschrott. Und weil die Nationalsozialisten gegen so etwas waren - Stichwort "entartete Kunst" - fühlt man sich heutzutage bemüßigt, diesem Müll und seinen Erschaffern den Glorienschein aufzusetzen. Ja, wirklich, so simpel ticken viele der Akteure in den Museen. Freilich, wenn man dieses Graffel - so wie in dieser Ausstellung beabsichtigt - tatsächlich den antiken Statuen (bzw. deren Replikate) gegenüberstellt, dann werden die meisten Besucher kein Problem haben, zu erkennen, wo ein Künstler am Werk war und wo ein untalentierter Liebling des Kunstestablishments - das erfahrungsgemäß weltanschaulich in etwa so divers ist wie die Volontäre des öffentlich-lächerlichen Schundfunks.


Dienstag, 3. Dezember 2024

🎧 Hörbares: Neues von der Himmelsscheibe -- Hildegard von Bingen -- Eine Geschichte des Römischen Reiches in 21 Frauen -- Hesiods Weltentstehung -- usw.


 Himmelsscheibe von Nebra: Jetzt ist bewiesen wie sie hergestellt wurde | Spieldauer 7 Minuten | DF | Stream & Info 

 Hildegard von Bingen - Kämpferin, Komponistin, Universalgelehrte | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Ein Mangel an Hildegard-Sendungen und -Artikeln herrscht eher nicht. Die vielseitige Äbtissin wird immer und immer wieder medial beackert. Alleine vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk mehrfach pro Jahr. Nur wieso sind die Sendungsmacher bzw. Autoren praktisch immer nur Frauen? 

 Knochenfunde: Das unsichtbare Erbe des Ex-Kaiser-Wilhelm-Instituts | Spieldauer 50 Minuten | DF | Stream & Info 

 Hesiods Weltentstehung - Der Urknall der Antike | Spieldauer 2 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download
Hesiods "Theogonie" habe ich bereits rezensiert.

 „Eine Geschichte des Römischen Reiches in 21 Frauen“ v. Emma Southon | Spieldauer 6 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download
"klaubt halt aus allem erdenklichen Quellen irgendwas zusammen" ... puuuhh ^^

 Armenien: Jerewans Jahrtausende alte Geschichte liegt unter dem Pflaster | Spieldauer 14 Minuten | DF | Stream & Info Direkter Download

 Keine erfundenen Inseln mehr - Kartographie neu gedacht | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Commedia dell'Arte - Vom Spiel mit den Masken | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download


Donnerstag, 17. Oktober 2024

📖 Buch-Rezension: Von harter Arbeit und faire Löhnen - Texte aus der Antike

Was ist Arbeit? Für die meisten Menschen ist sie ein notwendiges Übel. Einige aber empfinden sie als Vergnügen oder sehen in ihr zumindest etwas, das dem eigenen Leben Sinn verleiht. Wobei die unterschiedliche Bewertung naturgemäß stark vom Charakter der jeweiligen Arbeit abhängt. Wer etwa auf einer Baustelle bei Wind und Wetter körperlich schuften muss, wird vergleichsweise selten sein Los preisen; anders der leitende Angestellte im Home Office, dessen größte Herausforderung es darstellt, die Zeit bis zum nächsten Zoom-Meeting irgendwie totzuschlagen.

In der antiken Welt war es nicht wesentlich anders. Zwar unterschieden sich die beruflichen Tätigkeiten von den heutigen teilweise drastisch, aber das soziale Gefälle drückte sich schon damals gerade in der Arbeit und ihre Sicht darauf aus. Holger Sonnabend wirft in seinem Büchlein "Von harter Arbeit und fairen Löhnen" einen Blick auf die damaligen Verhältnisse. Und zwar anhand kommentierter Stellen aus antiken Texten. Als Quellen dienen ihm dabei so berühmte Zeitzeugen wie Cicero, Plinius, Plutarch, Herodot usw. 
Es wird manch Leser überraschen, wie ausgerechnet in einer vorindustriellen Gesellschaft die "Eliten" über manuell arbeitende Menschen hergezogen sind. Zumindest legen die überlieferten literarischen Texte, die naturgemäß von gebildeten Mitgliedern der griechischen und römischen Oberschicht verfasst wurden, eine weit verbreitete, extrem snobistische Betrachtungsweise nahe. Beispielsweise meint Xenophon in seinem Werk "Oikonomikos" folgendes über körperliche ("banausische") Arbeit.

Die banausischen Arbeiten sind berüchtigt. In den Städten werden sie zu Recht geringgeschätzt. Sie schwächen die Körper der Arbeiter und die der Aufseher. Denn sie sind gezwungen, im Dunkeln (einer Werkstatt) zu sitzen, manche sogar dazu, den ganzen Tag am Feuer zu verbringen. Dadurch aber wird der Körper in Mitleidenschaft gezogen, und es lassen auch die Kräfte des Geistes nach. Doch vor allem rauben die banausischen Tätigkeiten die Muße, sich den Freunden und der Politik zu widmen. Aus diesem Grund sind diese Menschen nicht geeignet, Freundschaften zu pflegen oder ihre Heimat zu verteidigen.

Was für ein Unsinn, was für eine Gemeinheit! Da wünscht man sich fast, Xenophon wäre bei seinem legendären "Zug der 10000" ("Anabasis") von einem Perserschwert der Scheitel neu gezogen worden. ^^

Die Zusammenstellung der Texte finde ich recht gelungen, auch wenn das eine oder andere Beispiel vom eigentlichen Thema abschweift. Mir persönlich waren darüber hinaus bereits einige Zitate bekannt; z.B. Senecas legendärer Besuch im öffentlichen Bad, wo u.a. ein Haarausrupfer mit seiner schmerzhaften Tätigkeit für eine gehörige Geräuschkulisse sorgte.
Es werden in den Textstellen verschiedenste Aspekte des Themas 'Arbeit' behandelt und mal mehr, mal weniger vom Autor in erklärender Weise kommentiert. Vom gesellschaftlichen Ansehen bestimmter Berufe abgesehen geht es beispielsweise auch um Fragen wie den Verdienst, was Armut bedeutete, in welchen beruflichen Feldern Frauen tätig waren, was es für Karrierenetzwerke gab oder wie Vitamin B funktionierte (bzw. nicht funktionierte, siehe den berüchtigten militärischen Versager Publius Quinctilius Varus, der seinen Job als Statthalter Germaniens wohl nicht zuletzt seiner Verwandtschaft mit Augustus verdankte).
Man muss klar sagen: Außerordentlich tief wird bei all dem nicht in die Materie vorgedrungen. Doch gerade dieser Umstand macht das Buch kurzweilig; besonders in Kombination mit den z.T. amüsanten und kuriosen Inhalten der antiken Überlieferungen. Sozusagen im Vorbeigehen streift man dabei auch manch andere Besonderheit des damaligen Lebens, was einen zusätzlichen Gewinn für den Leser darstellt. Dementsprechend ist "Von harter Arbeit und fairen Löhnen" wohl besonders jenen zu empfehlen, die sich zwar kein Expertenwissen aneignen wollen, aber trotzdem an einer anschaulichen und authentischen Schilderung der antiken Verhältnisse interessiert sind. 


Dienstag, 24. September 2024

📖 Buch-Rezension: Latein und Griechisch für jeden Tag

Griechisch und Latein haben einen großen Einfluss auf das Vokabular der deutschen Sprache ausgeübt. Teilweise direkt, teilweise indirekt über den Umweg von beispielsweise Englisch und Französisch.
Karl Wilhelm Weeber, ein Althistoriker, Philologe und Autor vieler Publikationen über das Leben in der Antike, zeigt nun im vorliegenden Buch anhand unzähliger Beispiele wie umfangreich die Sprachen der Alten Griechen und der Alten Römer tatsächlich bis in unsere Gegenwart nachwirken. 

Bei der Auswahl hat sich der Autor  einerseits an aktuellen Diskussionen und Erscheinungen orientiert; dazu zählen dann etwa der selten blöde Begriff "people of color", das ideologieverseuchte Bullshit-Fach "Postcolonial Studies", die "Globuli" aus der umstrittenen Homöopathie, die von Politschwätzern und den noch ahnungsloseren Journalisten so gerne im Mund geführte "Digitalisierung", der "Megahype", der "CEO" sowie "Fridays For Future" (deren Vertreter man mit einem ebenfalls nicht-autochthonen Begriff charakterisieren könnte, welcher sich passend zu ihrer Weltanschauung an einem mutmaßlichen Lenin-Zitat orientiert: youthful idiots).

Andererseits nimmt Karl-Wilhelm Weeber auch viele Wörter unter die Lupe, die schon lange in der deutschen Sprache angekommen sind; darunter befinden sich solche, denen man ihre ferne Herkunft relativ leicht ansieht - wie beispielsweise "Nostalgie", "Konsens", "Labor", "Diabetes" oder "Idiot". Darüber hinaus gibt es aber auch echte Überraschungen wie z.B. die "Zwiebel", den "Spickzettel", den "Kater", die "Brezel" und nicht zuletzt die "Tischplatte", welche etymologisch auf die beiden griechischen Worte diskos (Scheibe) und platỳs (flach) zurückgeht. Und wär hätte gedacht, dass der "Bursche" und die "Börse" den selben Ursprung haben? Nämlich das alte griechische Wort býrsa, mit dem einst eine abgezogene Tierhaut gemeint war. Sehr kurios, aber dem Leser werden sowohl hier wie auch bei den anderen Beispielen immer die entsprechenden Hintergründe erläutert. Neben gewissen sprachwissenschaftlichen Aspekten beinhaltet Weebers Einlassungen meist auch historische oder sonstige Kontextinformationen und mitunter auch die eine oder andere amüsante Anekdote oder Anmerkung. Beispielsweise schreibt er zum Begriff "Neutralität" eingangs folgendes:

In ihrem Bundesverfassungsgesetz vom 26. Oktober 1955 hat sich die Republik Österreich zu immerwährender Neutralität verpflichtet. Mittlerweile bestehen zwar Zweifel, ob das de facto - von der Tatsache her - noch zutrifft, aber de lege - vom Gesetz her - wird sich wohl so schnell nichts ändern. [...]

Als Österreicher, der die diesbezügliche innenpolitische Diskussion nur zu gut kennt, musste ich hier fast lachen. Der Autor trifft nämlich den Nagel ziemlich auf den Kopf! Die Neutralität ist ja nahezu komplett zerbröselt, nachdem man meine Eltern- und Großelterngeneration vor drei Jahrzehnten mit falschen Versprechungen eiskalt in die EU hineingelogen hat ('der Schilling wird bleiben' usw.). Daher finanziert nun das 'neutrale' Österreich über den Umweg der EU unzählige Waffensysteme für einen kriegführenden Staat in Osteuropa und beteiligt sich an einem (selbstschädigenden) Wirtschaftskrieg gegen einen anderen. Für die erstere Maßnahme - und dieses Beispiel hätte wirklich sehr gut ins vorliegende Buch gepasst - hat man sich dann auch noch ein möglichst unverständliches und unsagbar verlogenes Vokabel ausgedacht: "Friedensfazilität." Schade, dass man dieses orwellsche Sprachmonster - das auf der Münchhausen-Skala ganz weit oben, direkt neben dem "antifaschistischen Schutzwall"  angesiedelt ist - nicht physisch greifen kann. Denn dann würde ich es seinem Erfinder nur zu gerne ins Hinterteil rammen ...
Es ist also eine politische Farce, wenn immer noch all die Falotten und intellektuellen Negeranten im österreichischen Parlament treuherzig der Neutralität funktionierende Vitalfunktionen attestieren (das waren jetzt gleich zehn zugereiste Begriffe in einem Satz!).

Man kann natürlich die Begriffserläuterungen im Buch - je nach Laune und Interesse -  kreuz und quer lesen oder aber auch der Reihe nach. Denn die Strukturierung des Inhalts ist gestaltet wie ein Kalender. Das heißt, man findet Tagesangaben vor, vom 1. Januar bis zum 31. Dezember, denen wiederum je ein Begriff zugeordnet ist. Auf dem Buchcover ist dementsprechend von 365 Begriffen (Aha-Erlebnissen) die Rede, was aber nicht ganz stimmt. Denn erstens wurde der 29. Februar mit einbezogen und zweitens geht der Autor in seinen Erläuterungen auch immer wieder auf weitere Fremdwörter ein - siehe etwa das oben zitierte Beispiel mit den darin enthaltenen Formulierungen "de facto" und "de lege". Der Leser bekommt demnach sogar mehr Leistung geboten, als angepriesen wird. So etwas ist selten!

Fazit: "Latein und Griechisch für jeden Tag" ist ein kurzweiliges Büchlein, das die Allgemeinbildung fördert. Ich bilde mir ein, über einen eher überdurchschnittlichen Wortschatz zu verfügen, aber auch ich konnte hier noch sehr viele neue Informationen sammeln. 
Man kann dem Autor auch nicht unterstellen, dass er in seinen kurzen Einlassungen einseitig, also im Stil eines Propagandisten, Stellung bezieht. So lässt er etwa im Fall des politischen Modebegriffs "Regelbasierte Ordnung" die Kritik daran nicht unter den Tisch fallen. Und auch wenn seine eigene Meinung manchmal durchblitzt oder er einer Fehlinformation aufsitzt, wie in seiner Einleitung zum Wort "postfaktisch", so hält sich das insgesamt sehr in Grenzen und es hat mein Lesevergnügen unterm Strich nicht nachhaltig negativ beeinflusst.