Vielleicht erinnern sich einige Leser noch an den Versuch seitens neofeministisch angehauchter Archäologen und Innen, einige germanische/bajuwarische Bestattungen in Richtung eines weiblichen Kriegertums im merowingerzeitlichen Mittelalter zu interpretieren. Eine der Vertreterinnen dieser These hat mittlerweile
eingeräumt, dass dem doch nicht so ist (ich habe darauf bereits in meinem Beitrag
Feministische Archäologie: In Östrogen gegossenes Wunschdenken hingewiesen).
Nun hat mich ein Leser freundlicherweise auf eine aktuelle Arbeit aufmerksam gemacht, in der das Thema von den angeblichen germanischen Kriegerinnen ebenfalls behandelt wird; auch hier bestätigt sich, dass ein regelrechtes weibliches Kriegertum im Frühmittelalter nicht belegt werden kann:
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Zitat:
Normalerweise wurden Individuen im frühen Mittelalter mit geschlechtsspezifischen Beigaben
bestattet, so werden Männer und Jungen häufig mit Waffenbeigaben, Frauen und Mädchen meist
mit Schmuckbeigaben bestattet (BRATHER, 2008, GÄRTNER, 2013). In der Regel können die
Bestatteten dabei auch über ihre Beigaben relativ sicher geschlechtsbestimmt werden (Anm.: Eine Tatsache, mit der manch Neofeministin absolut keine Freude hat - siehe mein Beitrag zur feministischen Archäologie). In dieser
Beigabensitte ist wohl auch die klassische Rollenverteilung der beiden Geschlechter im
Frühmittelalter widergespiegelt. Während Männer physisch anstrengende Arbeiten
verrichteten, Handel trieben, Krieg führten und politische sowie Rechtsgeschäfte tätigten, war es
Frauen vorbehalten, zu heiraten, Kinder zu bekommen und sich um Haus, Hof und die Familie zu
kümmern (BITEL, 2002).
Dennoch gibt es immer wieder Fälle, in denen sich die archäologische und die anthropologische
Geschlechtsbestimmung widersprechen (GÄRTNER, 2013, GÄRTNER ET AL., 2014, HAAS-GEBHARD,
2013). In vielen Fällen handelt es sich dabei um Frauen, die mit Waffenausrüstung bestattet
wurden und damit Anlass zur Postulierung frühmittelalterlicher „Amazonen“ gegeben haben (z.
B. GÄRTNER, 2012, SCHNEIDER, 2008). Ein Absatz der Lex Baiuvariorum, der das Strafmaß für den
Angriff auf eine Frau verringert, wenn diese selbst zur Waffe greift, wird häufig auch
dahingehend gewertet, dass (bajuwarische) Frauen durchaus als „Kriegerinnen“ fungiert haben
könnten, wenngleich vermutlich nur in Familienfehden und nicht in kriegerischen
Auseinandersetzungen mit anderen Stämmen (HAAS-GEBHARD, 2013). Befeuert wurde diese
Diskussion zusätzlich durch eine mittlerweile widerlegte molekulare Geschlechtsbestimmung einer vermeintlichen Frau, die in Niederstotzingen zusammen mit 2 Männern in Rüstung
begraben wurde (WAHL ET AL., 2014, ZELLER, 2000).
[...] In der vorliegenden Arbeit wurden Bestattungsphänomene, die regelmäßig auf
frühmittelalterlichen Reihengräberfeldern angetroffen werden können, aus einer
molekularbiologischen Sicht untersucht und beurteilt. Zu diesen Phänomenen zählen neben den
sogenannten „Amazonen“, also Frauen, die in Waffenausrüstung bestattet wurden, auch
Mehrfachbestattungen in allen denkbaren Variationen. [...]. Durch die erneute Untersuchung von Frauen in Waffen konnte gezeigt werden, dass es diese Art
der Bestattung nicht gab, wie auch die übrigen Bestattungen, deren Geschlechtszuweisung von
anthropologischer und archäologischer Seite widersprüchlich war (IMMLER, 2013, GÄRTNER ET AL.,
2014). [...]. Vor allem vermeintlich spektakuläre Ergebnisse bedürfen hier immer einer
unabhängigen Reproduktion, Anwendung verschiedener Verfahren und kritischen Betrachtung,
wie der ursprüngliche Fall einer vermeintlichen Amazone aus Niederstotzingen (WAHL ET AL.,
2014, ZELLER, 2000) zeigt.
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