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Sonntag, 29. März 2026

📽️ Videos: Restaurierung alter Häuser -- Workshop für das Schlämmen von archäologischen Bodenproben -- Rätsel um Kaiser Ottos Grab gelöst? -- usw.


 Restaurierung alter Häuser | Spieldauer 12 Minuten | BR | Stream & Info

 Schlämmen von Bodenproben. Ein Workshop der LW-AfW & dem Labor für Archäobotanik der Uni Köln. | Spieldauer 23 Minuten | LWL-Archäologie für Westfalen | Stream & Info 
Das habe auch ich schon gemacht. Man fühlt sich dabei wie ein Kind, das mit Dreck spielen darf  😀.


 Outlaws in the woods | Spieldauer 24 Minuten | Modern History TV | Stream & Info


 Archäologische Arbeiten in Kutenholz bei Stade | Spieldauer 3 Minuten | NDR | Stream & Info 

 Berliner Archäologin mit Sensation | Spieldauer 3 Minuten | RBB | Stream & Info 

 Archäologische Staatssammlung | Spieldauer 29 Minuten | 3Sat | Stream & Info 

 Rätsel um Kaiser Ottos Grab gelöst? | Spieldauer 3 Minuten | MDR | Stream & Info 
Genau die Zeit, in der ich mit meiner Frühmittelalterausstattung unterwegs bin... Auf die angekündigte Rekonstruktion von Ottos Gesicht bin ich jedenfalls schon gespannt. Bei so einem Unterfangen ist ja per se viel Herumraterei im Spiel (educated guessing, täten die Englischsprecher das beschönigend nennen). Obwohl so eine Rekonstruktion schon auch viel Spaß bereiten kann. So erinnere ich mich noch gut daran, wie man vor etlichen Jahren das mögliche Aussehen des Jesus von Nazareth versucht hat zu visualisieren. Huiuiui, sind damals einige Christen übellaunig geworden, als ihnen plötzlich ein nahöstlicher Menschentyp entgegengeblickte. Was allerdings grundsätzlich völlig korrekt war. Unser Jesusbild ist ja vor allem von der europäischen Gotik geprägt. Mit der Realität hat das jedoch nichts zu tun. Hinzu kommt, dass wir hierzulande von optisch bis zur Unkenntlichkeit europäisierten Juden umgeben sind. Auch das trägt dazu bei, dass der Jude Jesus vor unserem geistigen Auge eher nicht historisch korrekt erscheint. Fun fact am Rande: Die sogenannten 'Palästinenser' liegen genetisch im Durchschnitt näher an den levantinischen 'Orignaljuden' des Altertums als die modernen Juden. Der geneigte Leser mag daraus die ihm passend erscheinenden Schlüsse ziehen. 

 Gräber-Suche in Wuppertal: ein Knochenjob | Spieldauer 3 Minuten | WDR | Stream & Info 


Samstag, 29. Juni 2024

🎧 Hörbares: Das Jahr 1000 -- Archäologen untersuchen die Hallstätter Dammwiese -- Otto III. -- Der Rattenfänger entführt die Kinder von Hameln -- Kaiser Vespasian -- usw.


 Das Jahr 1000 - Als die Globalisierung begann | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Der Titel ist natürlich Käse. Fernhandel hat es schon in der Antike gegeben. Dieser griff bis weit nach Ostasien aus. Hingegen die Siedlungen der Wikinger auf Grönland und in Neufundland blieben bloß Episoden ohne globale Nachwirkung. 

 Hexen - Die Geschichte von Angst, Folter und Mord | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Möglich, dass ich das in den letzten Monaten schon mal verlinkt habe (bin zu faul zum Nachprüfen). Die veröffentlichen manche Sendungen doppelt und dreifach....

 Übergabe des römisch-deutschen König Otto III. an dessen Mutter | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download 

 Am 26.6.1284: Der Rattenfänger entführt die Kinder von Hameln | Spieldauer 14 Minuten | WDR | Direkter Download 

 Aufstieg und Vermächtnis: Der römische Kaiser Vespasian | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 Der Reichsritter Götz von Berlichingen | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Direkter Download

 Der Archäonaut: Die Hallstätter Dammwiese und Siedlungsspuren aus der jüngeren Eisenzeit | Spieldauer 57 Minuten | Naturhistorisches Museum Wien | Stream & Info 


Freitag, 3. Mai 2024

📽️ Videos: Joe Rogan und Christopher Dunn über Technik im Alte Ägypten -- Dokumentation über "gelebtes Mittelalter" -- Claudio Monteverdis "Marienvesper" -- usw.


 Joe Rogan Experience #2142 - Christopher Dunn | Spieldauer 160 Minuten | PowerfulJRE | Stream & Info 
Alternativtheorien zum Alten Ägypten, die dem durchschnittlichen Ägyptologen die Haare zu Berge stehen lassen 😁. Durchaus nicht uninteressant, zumindest aber unterhaltsam; man muss ja nicht alles ernst nehmen! Besonders die anfangs besprochenen Phänomene sollte man sich aber einmal ansehen.


 Rome's newest archaeological projects in 2024 | Spieldauer 11 Minuten | Darius Arya Digs  | Stream & Info 



 Römer-Fan baut antike Technik nach | Spieldauer 3 Minuten | SWR | Stream & Info
Naja, diese Blicke sagen mir, dass bei der Mehrheit der "Schülerinnen und Schüler" die Erklärungen beim einen Ohr hinein und beim anderen Ohr sofort wieder hinausgehen (und das obwohl sie angesichts der Fernsehkamera bestimmt bemüht sind, Interesse zu heucheln). Das ist so wie wenn der Opa vom Krieg erzählt. Eher sinnlos, die dorthin zu karren, um die Besucherzahlen zu schönen. Die sollen lieber ordentlich Mathe lernen. Oder noch besser, kritisches Denken, anstatt stumpfinniger Autoritätsgläubigkeit. Schon Einstein hat das eingefordert, aber das Gegenteil ist bis heute in den Bildungseinrichtungen üblich.

 Archäologen fördern ottonisch-mittelalterliche Siedlung zu Tage | Spieldauer 2 Minuten | MDR | Stream & Info 
So etwas - eine herrschaftliche Pfalz der Karolinger oder Ottonen - hätte man in Meßkirch (oder besser ganz woanders) bauen sollen, nicht ein von vielen Menschen als fade empfundenes Kloster. 

 Naachtun - Verborgene Stadt der Mayas | Spieldauer 94 Minuten | arte | Stream & Info 

 "Tassilo, Korbinian und der Bär – Bayern im frühen Mittelalter" | Spieldauer 3 Minuten | BR | Stream & Info 

 Dokumentation: Gelebtes Mittelalter | Spieldauer 43 Minuten | 3Sat | Stream & Info 
Bianca Maria Sforza sehr authentisch mit modischer Charakterbrille! Zwar ist das auch bei einem mittelaltermarktmäßigen Fest nicht sonderlich toll, aber richtig übellaunig werde ich erst, wenn Darsteller dergestalt auf angeblich qualitativ höherwertigen Museumsveranstaltungen rumrennen. Das ist eine Unverschämtheit gegenüber den oft zahlenden Gästen und seitens der Veranstalter eine nicht zu tolerierende Schlamperei. Die Darsteller brauchen sich gar nicht an ihren handgenähten und handgefärbte Klamotten aufgeilen, wenn sie dann mit modernen Accessoires wie Brillen vors Publikum treten. Falls diese Leute wirklich so dermaßen schlecht ohne Brille sehen, dann sollten sie sich für die entsprechenden Anlässe Kontaktlinsen kaufen. Die bekommt man für einen Apfel und ein Ei.

 Claudio Monteverdi: "Marienvesper" im Dom zu Worms | Spieldauer 105 Minuten | arte | Stream & Info 
Sehr schön!

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Freitag, 12. April 2024

📽️ Videos: Editha, Begräbnis einer ottonischen Königin -- The colossal statues of Imperial Rome -- Leben in der Steinzeit -- Denkmalschutz im Unterricht -- usw.


 Editha – Begräbnis einer ottonischen Königin aus England | Spieldauer 44 Minuten | Landesmuseum für Vorgeschichte Halle | Stream & Info 
Die eingangs und am Schluss gezeigte Veranstaltung kann man eigentlich nur als skurril bezeichnen. Übertroffen höchstens vom Begräbnis Richards III. vor einigen Jahren. 


 The colossal statues of Imperial Rome | Spieldauer 10 Minuten | Darius Arya Digs | Stream & Info 



 Ausgrabungen in Israel: 'Ubeidiya National Park in the Jordan Valley Opens to the Public | Spieldauer 2 Minuten | Israel Antiquities Authority Official Channel  | Stream & Info 

 Ausgrabung in Israel: A rare 6,000-year-old elephant ivory vessel was discovered | Spieldauer 1 Minuten | Israel Antiquities Authority Official Channel | Stream & Info

 Archäologen legen in Pompeji Bankettsaal mit prächtigen Fresken frei | Spieldauer 1 Minuten | ARD | Stream & Info

 Leben in der Steinzeit | Spieldauer 15 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

 Paläontologie in der Großregion: Riesenskorpione und Co. | Spieldauer 5 Minuten | SR | Stream & Info 

 Denkmalschutz im Unterricht | Spieldauer 3 Minuten | ZDF | Stream & Info 

Montag, 4. März 2024

🎧 Hörbares: Pompeji -- Kaiserin Theophanu -- Mittelalterliche Reiternomaden -- Wie war das Leben in Sparta wirklich -- usw.


 Pompeji - Konservierung, Tourismus und Raubgräber | Spieldauer 22 Minuten | RB | Stream & Info | Direkter Download

 Theophanu - Kaiserin im römisch-deutschen Reich | Spieldauer 21 Minuten | RB | Stream & Info | Direkter Download

 Auf in den Westen! Mittelalterliche Reiternomaden | Spieldauer 21 Minuten | RB | Stream & Info | Direkter Download

 Das antike Sparta - Wie war das Leben dort wirklich? | Spieldauer 22 Minuten | RB | Stream & Info | Direkter Download

 Otto Lilienthal - Die Eroberung der Luft | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Er rettet "Vom Winde verweht": Der Drehbuchautor Ben Hecht | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info 
Wenn er, wie es heißt, schon zu seinen Lebzeiten von Hollywood insgeheim nicht viel gehalten hat, dann kann er froh sein, den jetzigen Zustand, wie ihn am anschaulichsten Disney repräsentiert, nicht mehr miterleben zu müssen...

 Pionier des Nachrichtenwesens: Paul Julius Reuter | Spieldauer 14 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download
Noch einer, der froh sein kann, dass er nicht miterleben muss, was aus seinem Werk geworden ist. Heute gehört seine Agentur u.a. so großen Sympathieträgern wie Vanguard und Blackrock. Mehr muss man, glaube ich, nicht wissen, um als zumindest halbwegs belesener Mensch die Vertrauenswürdigkeit des Outputs von Reuters probat einschätzen zu können.

Sonntag, 18. Dezember 2022

📖 Buch: Kaiser Heinrich II. und Kunigunde. Das heilige Paar.

Heinrich II. war der fünfte und letzte Kaiser der ottonischen Herrscherdynastie. Mit seinem Tod im Jahr 1024 lässt die moderne Geschichtswissenschaft das rund 500 Jahre umfassende Frühmittelalter im deutschen Sprachraum enden. Doch der kinderlose Heinrich markierte damit nicht nur eine Epochenwende. Vielmehr wurden er und seine Frau Kunigunde einige Zeit später sogar heilig gesprochen; eine Ehre, die keinem anderen Herrscherpaar nach ihnen je wieder zuteil geworden ist. Verdient haben sich die beiden das durch ihre unermüdliche Förderung der Kirche - ganz besonders in Bamberg, wo man, trotz Widerständen, ein neues Bistum gründete. Darüber hinaus setzten sich Heinrich und Kunigunde für eine Reform des uneinheitlichen und z.T. verlotterten Klosterwesens auf Grundlage der Regeln des Heiligen Benedikt ein. 
Heinrichs Begeisterung für die Kirche mag darauf zurückzuführen sein, dass er eventuell ursprünglich von seinen Eltern für die Kirchenlaufbahn vorgesehen und entsprechend ausgebildet worden war. Allerdings hatte er von seinem gleichnamigen Vater, der Herzog von Bayern gewesen ist und einer Nebenlinie der ottonischen Herrscherfamilie entstammte, auch den Willen zur Macht geerbt. Während jedoch Herzog Heinrich trotz zahlreicher Versuche nie die Kaiserkrone erlangte - und für seine hartnäckigen Ambitionen in der Renaissance den unguten Beinamen "der Zänker" verpasst bekam - gelang es seinem Sohn nach dem Tod von Kaiser Otto III. mittels einer Überrumpelungstaktik sich selbst an die Spitze des Reiches zu setzen. Dabei schreckte der 'heilige' Heinrich auch vor Gewaltandrohung und Gewaltanwendung nicht zurück; etwa als er sich der Reichsinsignien bemächtigte, die von Italien aus - wo der weltfremde Träumer Otto gestorben war - über die Alpen zurücktransportiert wurden. Auch ansonsten war Heinrich II. nicht immer ein vorbildlicher Christ. So verbündete er sich etwa, wenn es im politisch gerade zupass kam, schon mal mit heidnischen Völkerschaften gegen einen christlichen Fürsten. Dergleichen rief bei einigen seiner weniger pragmatisch denkenden Zeitgenossen heftige Schnappatmung hervor.

Heinrichs Ehefrau Kunigunde von Luxemburg scheint eine deutlich weniger kontroverse Persönlichkeit gewesen zu sein. Die Tochter eines Grafen hatte zahlreiche Geschwister, ihr selbst war es allerdings nicht vergönnt, auch nur ein Kind in 25 Jahren Ehe zur Welt zu bringen. Interessanterweise gab das Volk ihrem Mann die Schuld dafür, was durchaus ungewöhnlich für das Mittelalter war, denn gemeinhin machte man in so einem Fall die Ehefrau verantwortlich.
Gleich nach der Hochzeit mit Heinrich beschenkte sie dieser reichlich. Auch wurde sie später in einer eigenen Zeremonie zur Königin gekrönt und in Urkunden entsprechend als "consors regni" (Mitregentin) genannt. Kunigunde scheint als Königin recht beliebt gewesen zu sein - und das obwohl ihre Regentschaft einen unrühmlichen Auftakt genommen hatte. Im Rahmen der Krönungsfeierlichkeit in Sachsen kam es nämlich zu einem unschönen Zwischenfall, als das bayerische Gefolge des Herrscherpaares im Umland plünderte und dabei Bauern, die sich zur Wehr setzten, kurzerhand erschlug; das alles ausgerechnet während die Ehrengäste nobel tafelten. Offenbar waren die Krieger der Meinung, bei der Party zu kurz gekommen zu sein.

Die Autorin Karin Schneider-Ferber zeichnet ein interessantes und kurzweiliges Bild von Heinrich II. und seiner Frau Kunigunde. An keiner Stelle verliert sie sich in irgendwelchen weitschweifeigen Einlassungen, die den Leser langweilen könnten. Vielmehr kommt sie immer rasch zum Kern der Sache.
Zwar hätte ich mir eine strenger chronologisch geordnete Strukturierung gewünscht - statt dem thematischen Hin- und Herspringen - doch trübt dieser Umstand das Lesevergnügen nicht sehr.
Eine an sich gute Idee sind die zahlreichen eingeschobenen Exkurse, etwa über das mittelalterliche Verbot der Nah-Ehe (Ehe zwischen nahen Verwandten), die sogenannte Mainzer Krönungs-Ordo usw. Nicht ganz so gut ist, dass diese ganzseitigen Exkurse den Haupttext eines Kapitels unterbrechen, was den Leerfluss etwas beeinträchtigt.
Das ca. 160seitige Büchlein ist eindeutig textlastig (was nicht schlecht ist), enthält aber doch auch einige Abbildungen. Am Ende findet der Leser dann noch einen Stammbaum, eine Zeitleiste und ein Quellenverzeichnis. Unterm Strich wurde hier eine durchaus gelungene Doppel-Biografie vorgelegt, die sich gut in die Reihe "Kleine bayerische Biografien" des Verlags Friedrich Pustet einfügt.

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Samstag, 19. November 2022

📚 Hiltibolds aktuelle Leseliste: Römer und frühe Baiuwaren in Straubing -- Kaiser Heinrichh II. und Kunigunde -- Kynegetika -- Gesundheit aus dem Garten


 Römer und frühe Baiern in Straubing | von Günther Moosbauer und Veronika Fischer | Verlag Friedrich Pustet | 248 Seiten | Preis: 41,07€ | Infos bei Amazon
Über die traditionsreiche Geschichte der bayerischen Stadt Straubing zur Zeit der Römer und Germanen (Baiuwaren) geht es in diesem Buch. Enthalten sind viele Abbildungen von archäologischen Funden wie etwa Rossstirnen, Beinschienen und Reitermasken. Außerdem findet man interessante Rekonstruktionszeichnungen von Bauwerken wie römischen Gutshöfen und Militärlagern sowie frühmittelalterlichen Kirchen. Was ist das aber eigentlich für ein komischer Preis? Wozu die 0,7 Cent? Solche Zahlen gehören jetzt nicht umbedingt zum Einmaleins des guten Marketings. Normalerweise werden die Kunden mittels Schwellenpreisen hinter die Fichte geführt, oder? Nun ja, das ist der Preisaufschlag, den Amazon für Kunden aus Österreich anzeigt. Gehe ich nämlich über eine deutsche IP auf das entsprechende Angebot, kostet das Buch typisch schwellenpreisige € 39,95. Deshalb sind alle Preise, die ich hier bei den Büchern angegeben und von Amazon bezogen habe, die österreichischen...

 Kaiser Heinrich II. und Kunigunde | von Karin Schneider-Ferber | Verlag Friedrich Pustet | 160 Seiten | Preis: € 15,37 | Infos bei Amazon
Heinrich II. war nicht nur der Sohn eines gleichnamigen bayerischen Herzogs, der den lustigen Beinamen "der Zänker" 😄 verpasst bekommen hat, sondern er war auch der letzte Ottone auf dem Kaiserthron. Damit ist er für mich natürlich von Interesse, bewege ich mich doch mit meiner Living-History-Ausstattung in der ottonischen Periode. Seine Herrschaft im frühen 11. Jahrhundert wird gerne als die letzte Phase des deutschen Frühmittelalters betrachtet. Über Heinrichs Ehefrau Kunigunde weiß ich allerdings so gut wie nichts, deshalb bin ich schon gespannt, was in dieser kompakten Doppelbiographie über sie zu lesen steht. 

 Kynegetika | von Ps.-Oppian | Verlag De Gruyter | 218 Seiten | Preis: € 41,07  | Infos bei Amazon
"Kynegetika" ist ein antikes Werk über die Jagd, das in Form eines Lehrgedichts verfasst wurde; einerseits vergleichbar mit Vergils "Georgica", andererseits aber nach meinem Empfinden nicht so schwülstig formuliert und deshalb recht gut leserlich - wobei so etwas natürlich auch immer stark mit der jeweiligen Übersetzung zu tun hat. Auf jeden Fall erfährt man hier als Leser viele interessante Dinge über einen sicher bedeutenden Aspekt des antiken Alltagslebens, wobei manche Infos schon extrem skurril anmuten, etwa hinsichtlich der Hauer von Wildschweinebern; mehr dazu in meiner Rezension. 

 Gesundheit aus dem Garten | von Gargilius | Verlag Reclam | 220 Seiten | Preis: € 8,23  | Infos bei Amazon
Ein interessantes, im 3. Jahrhundert von einem römischen Autor verfasstes Buch, das vor allem Texte zur Anwendung von typischen Gartenpflanzen im Rahmen von Naturheilkunde und Hausmedizin beinhaltet. Vieles davon hält auch dem kritischen Blick moderner Ernährungsexperten und Mediziner stand. 

Detaillierte Besprechungen der einzelnen Bücher werden hier noch in den kommenden Wochen folgen.

Eine Bemerkung am Rande: Originell war das Füllmaterial, mit dem man beim Verlag Friedrich Pustet die Schachtel für die beiden oben links abgebildeten Bücher ausgepolstert hat. Es handelt sich dabei nämlich um große zusammengeknüllte Bögen von noch nicht zugeschnittenen Buchseiten. Goethe kommt im Text sehr oft vor ...


Donnerstag, 20. Oktober 2022

📽️ Videos: Die experimentelle Herstellung einer Flügellanze -- Frühbronzezeitliche Keramik -- Archäologische Lehrfilme zur Funddokumentation -- usw.


 Thomas Andrew Spaeth: Die Herstellung einer Flügellanze. Ein archäologisches Experiment | Spieldauer 36 Minuten | Youtube | Stream & Info
Ein guter Vortrag. Die Flügellanze gab es ja übrigens schon bei den Merowingern und Karolingern, aber besonders in der ottonischen Zeit - also dort wo ich mit meinem Equipment unterwegs bin - wurde das Ding ein richtiges Statussymbol, das oft aus kostspieligem Schweißverbundstahl hergestellt war. Ich habe mir selber mal eine Anfertigen lassen, wollte die auch im Blog herzeigen und besprechen, habs dann aber wieder vergessen. Vielleicht hole ich das noch nach.



 Frühbronzezeitliche Keramik: Crafter – Europas Handwerk in der Bronzezeit und heute | Spieldauer 7  Minuten | Youtube | Stream & Info 



 Anthropologie, Isotopie und DNA | Spieldauer 15 Minuten | Youtube | Stream & Info 



 Memogramm und Kalender - Die Himmelsscheibe von Nebra | Spieldauer 14 Minuten | Youtube | Stream & Info 



 Neue Forschungen zur Schamanin von Bad Dürrenberg | Spieldauer 1 Minuten | Youtube | Stream & Info 



 Lehrfilm zur Funddokumentation - Fotografieren von Keramik | Spieldauer 20 Minuten | DAI | Stream & Info
Zwei gelungene Videos des DAI - wesentlich besser als diese absurde Feminismusnummer in englischer Sprache.


 Lehrfilm zur Funddokumentation - Zeichnen von Keramik | Spieldauer 42 Minuten | DAI | Stream & Info 
Die Zeichnerei hat natürlich ihren Zweck, nämlich um die Hauptmerkmale eines Objekts herauszuarbeiten. Aber vieles davon könnte man längst durch 3D-Bildgebungsverfahren in Kombination mit klassischer Bildbearbeitung ersetzen. Brauchbare Scanner sind günstig genug zu haben. Damit kann dann viel Arbeitszeit und somit auch Geld gespart werden, bei größerer Präzision des Endergebnisses. Freilich, man muss diese Methoden auch anständig beherrschen.



Dienstag, 2. November 2021

🎧 Hörbares: Homer, der erste Dichter des Abendlandes -- Die Schatzjäger des Kaisers -- Antike Erotik -- Otto II. heiratet Prinzessin Theophanu -- usw.




 Homer - Der erste Dichter des Abendlandes | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Daphnis und Chloe - Antike Erotik | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Andreas Gryphius - Dichter der menschlichen Vergänglichkeit | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Rubens‘ Meisterwerk der Barockmalerei - Das Große Jüngste Gericht | Spieldauer 24 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Alte Musik: Vokalensemble "amarcord" | Spieldauer 110 Minuten | DF | Stream & Info

 14.04.972 - Otto II. heiratet Prinzessin Theophanu | Spieldauer 15 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 Von Frauenhand - mitteralterliche Handschriften im Museum Schnütgen | Spieldauer 6 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 Jürgen Gottschlich über sein Buch "Die Schatzjäger des Kaisers" | Spieldauer 10 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download
Diese Flagellanten-Journalistin bringt gleich zu Beginn das Beispiel des Pergamonaltars und meint dann, dass es wichtig sei, einen kritischen Blick auf die eigene Kolonialzeit zu werfen, als Kunstschätze nach Europa gebracht wurden. Als ob die Türkei, Herkunftsland des Altars, jemals die Kolonie eines europäischen Staates war. Was für ein argumentativer Unfug. Davon abgesehen, dass gerade Deutschland in seiner vergleichsweise kurzen Zeit als Kolonialmacht in keiner Weltgegend etwas zu sagen hatte, wo es in den Augen der Zeitgenossen besonders wertvolle Kulturgüter zum Abstauben gegeben hätte. Und nur zur Erinnerung: Die antiken Kulturgüter des relevanten östlichen Mittelmeerraums wurden von den Einheimischen dazumal sukzessive vernichtet. Beispielsweise hat man in der Türkei, Griechenland und Ägypten antike Marmorstatuen und Friese bis ins 20. Jahrhundert hinein verbrannt, um Kalk für den Hausbau und die Landwirtschaft zu gewinnen. Massenhaft! Man kann daher nur froh sein, dass damals westliche Sammler und Museen die antiken Kunstwerke außer Landes gebracht haben. Anstatt sich also an diesen Akteuren abzureagieren, sollte man lieber die Ignoranz der einheimischen Bevölkerungen und ihrer politischen Führer geißeln. 

 Das Neanderthal-Museum in Mettmann | Spieldauer 4 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

 Vor 235 Jahren Ankunft in Rom: Goethes Sehnsucht nach Italien | Spieldauer 5 Minuten | DF | Stream & Info

 Lübecker "Tortenmumie" beschäftigt Archäologen | Spieldauer 2 Minuten | BR | Stream & Info

 Vorurteil über eine angeblich düstere Epoche: Keine flache Erde im Mittelalter | Spieldauer 2 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download
Neu ist diese Erkenntnis eigentlich nicht. Es gab dazu gerade in den letzten Jahren mehrere interessante Publikationen. Aber etwa zum Universalgenie Universaldilettanten Harald Lesch scheint sich das allem Anschein nach noch nicht durchgesprochen zu haben, da er nämlich den Unsinn von der scheibenförmigen Erde, die angeblich mittelalterliches Denken dominierte, schon mehrfach im Rahmen seiner Predigten vor Groupies abschätzig erwähnt hat. Andererseits sind bei Lesch sowieso Hopfen und Malz verloren. Ego und Selbstüberschätzung ersetzen bei dem Recherche und wissenschaftliche Redlichkeit. Alleine bei seiner unqualifizierten Analyse des berühmten Tic-Tac-UFO-Videos hat es mir die Schuhe ausgezogen. Redet er dabei doch irgendwas von einer Parallaxe, die vielleicht den Betrachter täuschen könnte, während gleichzeitig bei Joe Rogan, Lex Friedman, "60 Minutes" usw. erfahrene Kampfpiloten haarklein anhand beispielsweise der im Video eingeblendeten Instrumenten- bzw. Sensorendaten erläutern, warum das Gezeigte keine Sinnestäuschung sein kann (siehe etwa hier). Der sich an seinem pathologischen Skeptizismus berauschende Lesch hat von all dem natürlich keine Ahnung. Vielmehr ist er ein perpetuiertes, mit Gebührenknete vollgesogenes TV-Ärgernis. Wann wird diesem Fuzzi endlich der Stecker gezogen? 
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Sonntag, 31. Oktober 2021

📽️ Videos: Altenglische Musik aus dem Frühmittelalter -- Sammlerin aus Frankreich gibt Maya-Raubkunst zurück -- Vergessene Festung entdeckt -- usw.



 Caedmons Hymn on the Anglo-Saxon Lyre | Spieldauer 4 Minuten | Youtube | Stream & Info
Altenglischer bzw. angelsächsischer Gesang zur Musik einer nach archäologischen Funden rekonstruierten Leier aus dem Frühmittelalter - was will man mehr?! Der Musiker in dem Video, der so heißt wie meine Lieblingskartoffelchips, ist Experte für historische Saiteninstrumente. Auf seinem Youtubekanal finden sich weitere schöne Beispiele. Eines davon - nämlich jenes zur antiken griechischen Kithara - habe ich im Vorjahr bereits verlinkt. Übrigens: Wer mehr auf Mittelenglisch abfährt, für den ist vielleicht "Alysoun" aus der Zeit um 1300 etwas, das von John Fleagle wunderbar interpretiert wurde. Eines meiner absoluten Lieblingslieder aus dem Bereich der Mittelaltermusik!


 Auf Gräbersuche im Ries | Spieldauer 4 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Wertvolle Funde im Ries | Spieldauer 5 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
"Kamm eines Ritters". Ein Ritter im 6. Jahrhundert? Das ist ja mal ganz etwas Neues 🙄

 Antike Gegenstände von unschätzbarem Wert vor Peloponnes entdeckt | Spieldauer 4 Minuten | Berner Zeitung | Stream & Info
Zitat: "Beim Bau einer Stromleitung zwischen Kreta und dem griechischen Festland sind Archäologen auf einen hölzernen Frachter gestossen, der vor mehr als zwei tausend Jahren sank."

 Vergessene Festung in Kufstein entdeckt | Spieldauer 8 Minuten | BR | Stream & Info
"Hots ja getun"? Das ist ja mal ein toller Dialekt, den der Grabungsleiter spricht! 😁

 Wissenschaft als Beruf: Prof. Dr. Stefan Schmidt (Archäologie) | Spieldauer 2 Minuten | BADW | Stream & Info

 Sammlerin aus Frankreich gibt Maya-Raubkunst zurück | Spieldauer 1 Minute | Euronews | Stream & Info
Meiner Ansicht nach ist es absurd, so einen Zirkus wegen diesem Steinfragment zu veranstalten - inklusive Botschafter und Presseaufgebot! Besonders weil im Entwicklungsland Guatemala der Denkmalschutz naturgemäß vielerorts nur auf dem Papier besteht. Die können nicht einmal annähernd ihren bisherigen Bestand an archäologischen Objekten sachgemäß konservieren. Das bringt ja nicht einmal das wesentlich wohlhabendere Frankreich zusammen. Mir scheint es deshalb, hier wollte sich bloß jemand wichtigtuerisch als guter Mensch in Szene setzen.
 
 Rettungsgrabung bei Neuhaus am Rennweg | Spieldauer 2 Minuten | MDR/Facebook | Stream & Info

 Frühmittelalterliches Kindergrab entdeckt | Spieldauer 1 Minute | BR | Stream & Info
Na hoffentlich hat das Kind, wie in anderen Fällen, keine Waffe als Beigabe, weil dann wäre das - der 'Logik' einiger Archäoideologen konsequent folgend - der Beleg dafür, dass es schon im Frühmittelalter Kindersoldaten gab (Anm.: Stichwort "Wikingerkriegerin").

 Das eiserne Schwert vom Lechfeld | Spieldauer 2 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Toller Fund! Ein sehr ähnliches Schwert besitze übrigens auch ich, nur mit Paranuss- statt mit Pilzknauf. Außerdem ist es 5 Jahre alt, nicht rund 1000 😉

 Schmidt Max auf den Spuren der Römer | Spieldauer 26 Minuten | BR | Stream & Info


Sonntag, 11. Juli 2021

📽️ Videos: Kai Helge Wirth über die Ursprünge der Sternbilder -- Ottonische Kirche ausgegraben -- Freie Liebe in der Steinzeit? -- usw.



 Kai Helge Wirth: Die Ursprünge der Sternbilder | Spieldauer 56 Minuten | Youtube | Stream & Info 
Eine interessante Diskussionsrunde auf dem neuen Youtube-Kanal des Experimentalarchäologen Dominique Görlitz. Ob an der These was dran ist? Schon möglich, sollte man sich auf jeden Fall mal ansehen. Zwei Fortsetzungen sollen laut Machern noch folgen.


 Natural Sciences in Archaeology | Spieldauer 3 Minuten | Youtube | Stream & Info 
Eigentlich handelt es sich hier um ein nett gemachtes Erklärvideo. Dass aber ausgerechnet das DEUTSCHE Archäologische Institut dieses nur in englischer Sprache produziert hat ist ganz schön schwach. 


 A tale of two swords. | Spieldauer 16 Minuten | Youtube | Stream & Info 



 Ottonisch-mittelalterliche Kirche von Archäologen ausgegraben | Spieldauer 5 Minuten | Youtube | Stream & Info 
Wenn die Archäologen vor Ort ihre eigene Videodokumentation drehen würden - und sei es nur mit der Kamera eines Telefons - dann wäre der Mehrwert für die interessierte Öffentlichkeit sicher größer als bei dieser oberflächlichen Durchhetzerei der ARD. Bezeichnend ist wie man etwa am Schluss den Archäologen genau an der Stelle abwürgt, an der es interessant wird.

 Viele römerzeitliche Funde in Wels ausgegraben | Spieldauer 4 Minuten | ORF | Stream & Info 

 Freie Liebe in der Steinzeit? | Spieldauer 7 Minuten | SWR | Stream & Info 


Sonntag, 6. Dezember 2020

✂️ Living History: Die Mittelalter-Kleidung aus der Versenkung holen und ansprechend präsentieren

"Denn die einen sind im Dunkeln und die anderen sind im Licht. Und man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.“ (aus "Die Dreigroschenoper", von Bertold Brecht)

Wer kennt es nicht: Da hat man sich um einiges Geld und mit viel Liebe zum Detail eine Ausstattung aus historischen Kleidungsreplikaten fürs Living-History-Hobby zusammengestellt, doch Gelegenheiten zum Tragen des adretten Fummels sind rar gesät. Stattdessen bleibt er die meiste Zeit im Dunkel des Kleiderschranks und setzt Staub an.
Weil das schade ist, habe ich mich dazu entschlossen, eine Schaufensterpuppe anzuschaffen, um wenigstens einen Teil meiner ottonischen (wikingerzeitlichen) Ausstattung damit permanent in meinem Arbeitszimmer sichtbar zu machen. So können sich die Augen jeden Tag aufs Neue daran erfreuen!


Kosten und Funktionen

Da ich mitunter ein Knauserer bin, habe ich nicht zu einem der teuren Modelle gegriffen, sondern wählte bei Amazon eines für relativ günstige 80 Euro aus (Versand inklusive).
Laut Verkäufer ist es möglich, diese Schaufensterpuppe problemlos mit 10 kg zu belasten. Für meine Zwecke ist das ausreichend, da ich der Puppe keine schweren Rüstungsteile und Waffen anziehe (die hängen alle an der Wand oder stehen im Regal); insgesamt wiegt meine unten abgebildete Ausstaffierung rund 6 kg (Schuhe, Ober- und Untertunika, Wollhose, leinerne 'Unterhose' Wadenwickel, Mütze, Halstuch, gefütterter Wollmantel, Gürtel, Lederbeutel, Messer mit Scheide, Fibeln).
Die Puppe kann Schuhe (keine hohen Stiefel) und lange Hosen tragen, da sie mittels Wadendorn (statt unpraktischem Fußdorn) an der mitgelieferten Bodenplatte aus Glas befestigt wurde. Kopf, Arme und Torso sind drehbar.




Blackfacing und andere Optimierungen

Verbesserungswürdig war an der Schaufensterpuppe die Haut, besonders aber das Gesicht. Ich stehe nicht so auf bunt, sondern bevorzuge eine neutrale 'Farbe' wie Schwarz oder Weiß. Zuerst wollte ich deshalb die Hände und den Kopf mit matt-schwarzem Acryllack besprühen. Doch halt, dachte ich mir (nachdem ich den Lack bereits bestellt hatte), schau dir vorher an, wie das Museen handhaben. Und siehe da, ich stieß auf Bilder einer Kleiderausstellung, bei der man über den Kopf und die Hände der Puppen so etwas ähnliches wie schwarze Damenstrumpfhosen gezogen hat. Genau das habe auch ich gemacht (ich verrate nicht, woher ich die Strumpfhosen habe!), denn der Vorteil ist hier neben der immensen Arbeitsersparnis gegenüber dem Lackieren vor allem, dass die Gesichtszüge weitestgehend verschwinden. Will heißen, der Kopf wirkt noch wesentlich abstrakter und der Betrachter konzentriert sich voll auf die Kleidung, anstatt sich von den Gesichtszügen ablenken zu lassen. Man könnte den Kopf natürlich auch ganz weglassen, aber dann ist es erstens nicht möglich, die Kopfbedeckung zu präsentieren und zweitens hätte ich den Hals absägen müssen, weil der hier ohne Kopf viel zu lange ist und das einfach nicht besonders gut aussieht.
Mit 1,85m ist die Schaufensterpuppe ungefähr groß wie ich, sodass ihre meine Kleidung gut passt. Einige Körperpartien habe ich allerdings mit Papier und Plastik ausgepolstert (nachdem ich die Fotos angefertigt habe); beispielsweise waren Arme und Schultern zu schmal bzw. zu dünn im Vergleich mit meinem adonisartigen Körper. Im Nachhinein muss ich allerdings sagen, dass ich mir das hätte schenken können, da der Mantel ohnehin fast alles verbirgt.



Star Trek Uniform
Ja, und wenn einem das präsentierte Kleidungsenseble irgendwann zu langweilig wird, dann wechselt man es einfach aus. Z.B. werde ich der Puppe im Sommer passenderweise die warme wollene Überbekleidung ausziehen, denn sie trägt ja darunter auch noch Hose und Tunika aus Leinen. Davon abgesehen, kann man freilich auch einen noch viel radikaleren Kleidungswechsel vollziehen 😉

Witzig ist übrigens, dass sich mehrere Leute beim Betreten des Raums vor der Puppe erschrocken haben. Es kommt aber noch besser, denn sogar mir selbst ist es zweimal so ergangen, obwohl ich doch wusste, dass da eigentlich kein echter Mensch in der Ecke steht. 😄 
Mittlerweile habe ich mich freilich an den Anblick gewöhnt und ich überlege mir sogar, weitere Schaufensterpuppen zu kaufen, um darauf z.B. mein Römer-Zeug auszustellen; außerdem eine Schneiderpuppe nur fürs Kettenhemd, das derzeit noch an einer Wand hängt. Ich müsste für all das nur etwas Platz schaffen. Jedoch könnte das darauf hinauslaufen, dass es hier irgendwann aussehen wird wie im chinesischen Kaiser-Mausoleum mit seiner Terrakotta-Armee...

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Weiterführende Informationen: 

Weitere interessante Themen:


Montag, 9. November 2020

📖 Zeitschrift Bayerische Archäologie: Die Pest

Bayerische Archäologie - Die Pest

Die Pest gibt es schon viel länger als gedacht

Die Redaktion der Zeitschrift "Bayerische Archäologie" hat die aktuelle Pandemie zum Anlass genommen, sich im Heft 3/2020 schwerpunktmäßig mit der Pest zu befassen. Freilich, ob das ausgerechnet zum jetzigen Zeitpunkt der Weisheit letzter Schluss ist, sei dahingestellt; denn viele Menschen können aufgrund der schrillen Dauerberichterstattung über 'Corona' das Wort 'Pandemie' schon längst nicht mehr hören. Nichtsdestotrotz ist das Thema grundsätzlich interessant - vor allem weil man sich hier nicht, wie sonst üblich, ausschließlich mit den Pestausbrüchen im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit befasst, sondern auch mit jenen in der Spätantike und dem Frühmittelalter. Längere Zeit galt es in der Forschung ja als fraglich, ob es sich schon damals um die echte Pest gehandelt hat oder um andere tödliche Seuchen, die bloß unter dem Begriff 'Pest' subsumiert wurden. Doch nicht zuletzt bajuwarische Bestattungen haben in den vergangenen Jahren den eindeutigen Beleg erbracht, dass tatsächlich auch für die sogenannte Justinianische Pest bereits das Bakterium Yersinia pestis verantwortlich war. Mehr noch, selbst im Knochenmaterial von Menschen aus der späten Stein- und Bronzezeit wurde es mittlerweile nachgewiesen. Die Pest ist somit alles andere als ein Phänomen, das Europa erst im 14. Jahrhundert erreicht hat. Allerdings sind aus dieser Zeit die mit Abstand meisten Schriftzeugnisse dazu überliefert. Entsprechend dominant sind diese speziellen Ereignisse heute im kollektiven Gedächtnis der Menschen verankert.


Die Lechfeldschlacht und Archäologen-Fundamentalismus

Am meisten hat mich als Ottonen-Darsteller im vorliegenden Heft ein Artikel interessiert, auf den mich vorab mehrere Blog-Leser aufmerksam gemacht haben. Und zwar jener über Jens Essigs Entdeckung eines ottonenzeitlich-ungarischen Schlachtfelds, das der geschichtsintererssierte Metallsucher schon seit einiger Zeit als den wahren Ort der berühmten Lechfeldschlacht des Jahres 955 interpretiert. Anders als die arrivierte Geschichtsforschung verortet er die Schlacht nicht nach Augsburg, vielmehr soll sie am südlichen Rand des Nördlinger-Rieses ausgefochten worden sein, wo Essig im Laufe der Jahre nicht nur eine Vielzahl einschlägiger Metallfunde machen konnte, sonder wo sich auch der auffällige Flurname "Lachfeld" befindet. 
Essigs These wird immer wieder von den Medien aufgegriffen, was manch Historiker/Archäologen weniger gefällt, ist man auf den Privatforscher und Metallsucher ohnehin eher schlecht zu sprechen, da er mit seiner Sonde nicht nur dort unterwegs war, wo es erlaubt ist...  Dass Jens Essig seine Funde - wie das auch in der regulären Schlachtfeldarchäologie üblich ist - mittels GPS einmisst und sie an die Forschung kostenlos abgibt, scheint nicht jeden zu besänftigen. Das lässt sich etwa aus folgender Frage entnehmen, die Roland Gschlößl in einem Interview dem Archäologen Bernd Päffgen stellte:

"Manche Archäologen und Denkmalpfleger meinen, illegale Sondenfunde sollte man wissenschaftlich überhaupt nicht bearbeiten. Kann man solche Funde (Anm.: jene von Jens Essig), die doch eine gewisse Bedeutung haben, einfach nicht beachten?"  

Dass sich der westliche Wissenschaftsbetrieb vor allem in den letzten 20 Jahren politisch in gewisser Weise radikalisiert und einseitig positioniert hat (etwa hinsichtlich der Meinungsfreiheit), dürfte für den aufmerksamen Beobachter offensichtlich sein. Doch etwa in der Archäologie haben viele Forscher mittlerweile auch abseits typisch politischer Fragen fundamentalistische Positionen eingenommen. Es hat schon seine Gründe, dass die obige Thematik ebenfalls in "Die Armee der Caesaren - Archäologie und Geschichte" kritisch aufgegriffen wird. In der Einführung des Buchs heißt es hinsichtlich der ablehnenden Haltung gegenüber dem Erwerben von archäologischen Objekten aus einer vor der Auflösung stehenden privaten deutschen Sammlung:

"Ob hier die zuständigen staatlichen Institutionen, geleitet durch einen ziemlich kurzsichtigen von Fundamentalismus und political correctness geprägten Zeitgeist, der Forschung wirklich einen Gefallen getan haben, indem sie die Chance zur Überführung dieser so wichtigen Kollektion in öffentlichen Besitz ungenützt ließen, möchte ich stark bezweifeln."


Ebenfalls eine 'Pest':  Das Belohnen von Konformität

Apropos "Zeitgeist" und "political correctness": Die Heftreihe "Bayerische Archäologie" enthält auch die auf vier Seiten abgedruckten Mitteilungen der "Gesellschaft für Archäologie in Bayern e.V." Darin geht es unter anderem um die Verleihung eines Archäologiepreises für eine Schülerin.

"[...]. In Ihre Seminararbeit beschäftigte sich die Preisträgerin mit dem keltischen Oppidum Manching, wobei vor allem der Niedergang aufgrund der immer problematischer werdenden Versorgung des Oppidums innerhalb der naturräumlichen Gegebenheiten im Fokus der Seminararbeit stand. Rohstoffmangel an Beispielen des immensen Holzverbrauchs, die Beeinträchtigung der Versorgung durch eintretende Hochwässer und die Verknappung des Rohstoffes Eisenerz waren für die Autorin mit ausschlaggebend für das Ende des Manchinger Oppidums. Beeinflusst offensichtlich von der aktuellen zum Thema Umwelt und Nachhaltigkeit schließt die Arbeit mit dem Hinweis, dass ein massiver Eingriff des Menschen in die Natur nicht nur für das keltische Oppidum problematisch war, sondern es auch für unsere Gegenwart ist."  

Es ist wohl das Hauptübel der bereits oben angesprochenen Politisierung des Wissenschaftsbetriebs bzw. der Geschichtsforschung: Immer öfter und ungenierter wird dort für gegenwärtige gesellschaftspolitische Anliegen - die in den meinungsbestimmenden Kreisen gerade en vogue sind - krampfhaft nach Argumenten in der Vergangenheit gesucht (ein Vorgehen, das an den Germanenfetischismus des 19. und frühen 20. Jahrhunderts erinnert). Bereits der potentielle Nachwuchs spielt offensichtlich gekonnt auf dieser Klaviatur eines verkappten Aktivismus. Wird er dafür auch noch von erwachsenen Autoritäten belohnt, signalisiert man ihm frühzeitig: Konformität zahlt sich aus, wenn ihr einmal Karriere machen wollt. 
Das Konformitätsexperiment nach Asch ist ja im Übrigen nicht zufällig so ausgegangen, wie es ausgegangen ist ...


Weitere Themen im vorliegenden Heft
  • Der Sichelglanz des Erntemessers (Anm.: ich habe es geschafft, in dem Artikel fast jedes mal 'Entermesser' zu lesen, wohl weil ich seit ein paar Wochen auch diese Romanreihe von Dudley Pope lese 😀.) 
  • Das Feuersteinbergwerk
  • Nachruf auf Hermann Dannheimer: Museumsleiter und Frühmittelalterforscher
  • Medaille für Karl Schmotz
  • Mysteriöser Schädel im Bodensee
  • Nachruf auf Paul Freund: Der Scherben-Paul und seine Vision vom Keltendorf
  • Neue Bücher
  • Ausstellungen
  • Veranstaltungen/Abos
  • Veranstaltungen/Vorschau

Fazit

Die Zeitschrift "Bayerische Archäologie" ist aufgrund der interessant geschriebenen Artikel immer gut zu lesen. Das vorliegende Heft ist hier keine Ausnahme. Hätte mein Buch-Budget dieses Jahr nicht schon sein Limit erreicht, dann würde ich ein Abo abschließen und die Hefte hier regelmäßig besprechen.