Montag, 17. Juni 2019

đź“– Buch: Vespasian 5 - Das Blut des Bruders

Unterhaltsam, aber nicht frei von Ă„rgernissen

Der 5. Teil von Robert Fabbris Reihe ĂĽber den Aufstieg des späteren römischen Kaisers Vespasian beginnt dort, wo der Vorgängerroman endete: Im kriegsgeschĂĽttelten Britannien. Vespasian steht nach wie vor als Befehlshaber einer Legion vor, die Teil jenes Expeditionsheeres ist, das die Insel erobern soll. UnterstĂĽtzt wird er von seinem Bruder Titus, seinem Freund Magnus sowie dem Rom freundlich gesinnten britischen Stammeskönig Cogidubnus (der ĂĽbrigens auch schon in Lindsey Davis historischem Krimi "Eine Leiche im Badehaus" eine prominente Rolle spielte).
Die Handlung der zweiten Hälfte des Buchs ist in der Stadt Rom angesiedelt, wo sich die berĂĽchtigte Valeria Messalina - Frau des Kaisers Claudius - quer durch die Stadt vögelt und gefährliche Pläne gegen ihren Ehemann schmiedet. Desillusioniert und zunehmend skrupellos lässt sich Vespasian wieder einmal in die Intrigen der  Mächtigen hineinziehen, um fĂĽr sich und seine Familie möglichst viele Vorteile herauszuschinden. Dabei wandelt er sich vom Werkzeug anderer Leute mehr und mehr zum eigenständig handelnden Akteur.

An sich hat mir "Das Blut des Bruders" sehr gut gefallen: Das Buch hat keine Längen, die Handlung ist spannend, der historische Rahmen wurde ĂĽberwiegend korrekt recherchiert und der Schreibstil ist leicht verdaulich. Perfekte Unterhaltungsliteratur also. Doch es gibt ein ABER, das mich veranlasst hat, hier Punkte abzuziehen: Robert Fabbris Vespasian-BĂĽcher werden als historische Romane angepriesen, trotzdem konnte es sich der Autor zum wiederholten Male nicht verkneifen, Fantasy-Elemente einzuflechten. FĂĽr mich hinnehmbar wäre noch gewesen, wenn er bloĂź auf Wahrsagerei zurĂĽckgegriffen hätte, um einen Hauch "Mystery" in die Story zu bringen - das machen auch etliche andere Autoren wie etwa Bernard Cornwell in seiner Uhtred-Reihe. Null Verständnis habe ich allerdings fĂĽr durch die Luft schwebende Tote, Menschenhaut fressende Dämonen  und ähnlich starken Tobak. Dergleichen hat in einem historischen Roman nichts verloren. Ich habe die entsprechenden Stellen deshalb rasch und mit leichtem Ă„rger ĂĽberflogen. DarĂĽberhinaus blitzt auch in diesem Buch Fabbris antichristliche Haltung ĂĽberdeutlich hervor. Man verstehe mich nicht falsch, ich halte (als Agnostiker) das Kritisieren von Religionen durchaus fĂĽr legitim, nur frage ich mich aufgrund meiner langjährigen Beobachtungen der Literaten- und GroĂźhirnakrobaten-Szene schon, ob der Autor den Mut besitzt, in seinen teilfiktionalen Werken auch andere Religionen wie z.B. den Islam oder das Judentum nur mäßig kaschiert als "GeschwĂĽre" zu bezeichnen; oder ob er wie die meisten seiner Berufskollegen - einem Schulschläger nicht unähnlich - sich bei seiner harschen Religionskritik vorzugsweise auf jene beschränkt, von denen die geringste Gegenwehr zu erwarten ist...
Weil aber solche FragwĂĽrdigkeiten und Ă„rgernisse den Roman nicht dominieren, sondern lediglich Randerscheinungen sind, haben sie - wenigstens fĂĽr mich - keinen nachhaltig negativen Einfluss auf das Leseerlebnis gehabt. Ich kann das Buch - wie auch die anderen Teile der Reihe - daher durchaus empfehlen.

Hinweis: "Das Blut des Bruders" ist neben dem Taschenbuch von Rowohlt auch wieder als ungekürztes Hörbuch vom Audiobuch Verlag erhältlich.

Nachträgliche Korrektur: Das Buch erhält von mir drei, nicht vier Sterne. Ich hatte in der Eile, in der ich den Beitrag erstellt habe, die Grafik vermurkst.

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WeiterfĂĽhrende Informationen:

Kommentare:

  1. Selbst Harald Schmidt hat vor einigen Jahren erklärt, dass er über eine bestimmte Religion lieber keine Witze macht, weil ihm seine Gesundheit wichtiger ist. Tipp: Es ist nicht das Judentum und nicht das Christentum. auch nicht der Buddhismus oder der Hinduismus ;-)

    Gero

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  2. FĂĽr mich ist es eine der gelungensten Romanreihen der letzten Jahre, aber es stimmt schon, Robert Fabbri rĂĽckt die christlichen Religion manchmal in ein nicht gerechtfertigbar ungĂĽnstiges Licht.
    C3PO

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    1. Der Herr kultiviert beim Schreiben offensichtlich seine auf das Christentum bezogenen Animositäten. Man kennt so etwas aber aus Mittelalterromanen schon gut, wo die Kirche meistens extrem negativ dargestellt wird.
      Die Kirche für das "finstere Mittelalter" als Hauptverantwortliche an den Pranger zu stellen ist aber dumm und widerspricht auch dem Urteil der Geschichtswissenschaft. Autoren von Trivialliteratur und Filmemacher fühlen sich daran aber nicht gebunden und verdummen weite Teile der Bevölkerung mit ihren klischeehaften Darstellungen seit vielen Jahrzehnten. Oft genug beklatscht vom Feuilleton.

      Der Wanderschmied

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  3. Mel Gibsons Karriere hat bekanntlich einen tiefen Einbruch erlitten, nachdem er in seinem Film ĂĽber Jesus einige Vertreter des Judentums nicht gut wegkommen hat lassen, was natĂĽrlich den Vorgaben in den Evangelien geschuldet war. Aber das war seinen Kritikern damals egal.

    Ein kluger Mann hat einmal die heutige Situation, die auch in der Rezension treffen beschrieben worden ist, mit wenigen Worten auf den Punkt gebracht: Anerkennung und Respekt allen Religionen, dem Christentum aber nur Hohn und Spott.

    FLo
    (auch Agnostiker)

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