Dienstag, 23. Oktober 2018

­čôľ Buch: Vespasian - Das Schwert des Tribuns

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Vom Landei zum Kaiser

Titus Flavius Vespasianus, ein adeliges Landei mit ausgepr├Ągter Vorliebe f├╝rs b├Ąuerliche Leben, verl├Ąsst auf Wunsch seines Vaters als 16j├Ąhriger das Elternhaus, um im Dienste des R├Âmischen Imperiums Karriere zu machen. Sein Weg f├╝hrt ihn dabei zuerst in die Hauptstadt Rom, wo er einflussreiche F├Ârderer findet, die ihm einen Posten als Offizier in den Legionen des Kaisers Tiberius beschaffen. Doch die daf├╝r verlangte Gegenleistung ist hoch: Vespasian soll im fernen r├Âmischen Klientelk├Ânigreich Thrakien, wo gerade ein Aufstand tobt, Beweise f├╝r eine innerr├Âmische Verschw├Ârung sammeln.

Der in geschichtlichen Dingen wenigstens halbwegs bewanderte Leser wei├č nat├╝rlich, dass Vespasian (im Jahr 69) r├Âmischer Kaiser wurde. Aus seinen sp├Ąten Jahren ist einiges ├╝berliefert worden. So nahm er unter Claudius am Britannienfeldzug teil und befehligte zu Zeiten Neros die r├Âmischen Truppen im J├╝dischen Krieg. Doch ├╝ber seine Jugend ist so gut wie nichts bekannt. Der Buchautor Robert Fabbri macht aus der Not eine Tugend und f├╝llt diese L├╝cken mit einer fiktiven, aber plausiblen Geschichte. Dabei ist er offensichtlich bem├╝ht, die Vergangenheit m├Âglichst lebendig vor dem geistigen Auge des Lesers wiederauferstehen zu lassen und gleichzeitig geschichtliches Hintergrundwissen ├╝ber das Alte Rom zu vermitteln. Genau so sollte ein wirklich guter historischer Roman sein. 

Sesterz des Vespasian, 2-Euro-M├╝nze, As des Tiberius f├╝r
Augustus (bei den r├Âmischen M├╝nzen handelt es sich um
originalgetreue Replikate, also keine Originale)
Freilich, trotz zweifellos eingehender Recherche findet sich auch historisch Fragw├╝rdiges in dem Buch. Dass beispielsweise Vespasians ├Ąlterer Bruder bereits eine Rohrpfeife raucht, ist aufgrund der diesbez├╝glich extrem d├╝rren arch├Ąologischen Faktenlage bestenfalls als super-spekulativ zu bezeichnen. Nicht sehr realit├Ątsnah ist auch die Schilderung, wonach bei einem Wagenrennen im Circus Maximus ausgerechnet (rund 27 Gramm schwere!) Sesterzen k├╝belweise und blindlings ins Publikum geworfen wurden. Das h├Ątte zweifellos zu blauen Flecken und Platzwunden gef├╝hrt. Robert Fabbri war hier offenbar nicht klar, wie gro├č und schwer diese dicke Messingm├╝nze ist. Wenn, dann k├Ąmen f├╝r die beschriebene Aktion allerh├Âchstens Asse (und vielleicht silberne Denare) in Frage - siehe Bild. Doch nun genug Korinthen bzw. Sesterzen gekackt ­čśë

Die erz├Ąhlte Geschichte hat kaum L├Ąngen, sondern wartet mit einem H├Âhepunkt nach dem anderen auf. Die Sprache der handelnden Personen ist - wohl um die 'Authentizit├Ąt' zu steigern - oft reichlich derb: 

"Das ist kein Schlachtruf", br├╝llte Faustus. "Das klang f├╝r mich wie das Kreischen von ein paar mesopotamischen Lustknaben, denen man es zum ersten Mal in den Arsch besorgt."

­čśä
Freilich, mit dem subtilen Humor und der feinen Ironie, die man in John Maddox-Roberts SPQR-Romanen - und hier vor allem in den genialen H├Ârb├╝chern - findet, hat das wenig gemein. Unterhaltsam ist es meiner Meinung nach trotzdem. Wer sich hier an Bernard Cornwells Uhtred-Reihe erinnert f├╝hlt, d├╝rfte nicht falsch liegen. Auch die blutigen Schilderungen von Schlachten lassen mich vermuten, dass Cornwell das Vorbild war. Teilweise hatte ich den Eindruck, Fabbri wollte - fast im Stil eines Splatter-Films - sogar noch eins draufsetzen. Mir war das zum Teil allerdings schon zu viel des Blutigen.
Ebenfalls wie bei Cornwell wurde hier das obligatorische Liebesgezwitscher auf ein Minimum beschr├Ąnkt. Die fast ausschlie├člich m├Ąnnlichen Leser solcher B├╝cher bedanken sich daf├╝r recht herzlich.

Fazit: Der Verlag stellt Fabbris Vespasian mit Cornwells Uhtred auf eine Stufe. Ist das gerechtfertigt? Nicht ganz. Fabbris Protagonist ist mir n├Ąmlich bisher noch zu flach - zumindest wenn man ihn mit Uhtred in seinen Glanzzeiten vergleicht. Trotzdem hat mir das Buch einige vergn├╝gliche Stunden beschert. Dementsprechend sehe ich der baldigen Ver├Âffentlichung der Fortsetzung mit Interesse entgegen und hoffe, dass sich der Autor noch steigern wird.

Hinweis: Die Romane erscheinen auch als ungek├╝rzte H├Ârb├╝cher im Verlag Audiobuch. Der Sprecher ist durchaus ok, allerdings hat der Verlag noch bessere im Programm: Z.B. Gerd Andresen, der die oben schon erw├Ąhnten Uhtred-Romane Cornwells vertont.
Die einzelnen Files der MP3-CD lassen sich leicht auf die Festplatte kopieren und dann von dort weiter aufs Telefon - oder was auch immer man f├╝r ein Ger├Ąt zum Anh├Âren verwendet.


3 Kommentare:

  1. Sch├Âne Rezensione!
    Was meinst du, hat es das ├╝berhaupt gegeben, dass man M├╝nzen ins Publikum geworfen hat?
    °Hikko°

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    1. Danke f├╝rs Lob!
      Ja, von solchen Geschenken f├╝rs Volk ist in den antiken Quellen die Rede. Nicht nur Geld, sondern auch kleine Schmuckst├╝cke gab es z.B. anl├Ąsslich von Triumphz├╝gen.
      Am wahrscheinlichsten d├╝rfte meiner Ansicht nach sein, dass man den Leuten die M├╝nzen vor die F├╝├če geworfen hat, und nicht unter sie. Im ersteren Fall h├Ątten allerdings die ganz hinten Stehenden zumeist durch die Finger geschaut.

      L├Âschen
  2. H├Ârt sich nach Lesespa├č f├╝r einen sch├Ânen Herbstabend an.

    Die Korinthenkacker ist schon richtig. Ambitionierte Autoren von hist. Romanen nehmen sich das zu Herzen und werden dadurch besser.

    Der Wanderschmied

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