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Freitag, 23. Juli 2021

📽️ Videos: Der Totenkult der Chachapoya -- Die Wikingersiedlungen Grönlands - Wikingerschatzsuche mit Metallsonden -- Antike griechische Inschriften -- usw.



 Abenteuer Archäologie: Der Totenkult der Chachapoya | Spieldauer 26 Minuten | ARTE | Stream & Info
Hierbei handelt es sich um jenen mysteriösen Indianerstamm, der im Zentrum eines spannenden Buchs des Kulturwissenschaftlers Hans Giffhorn steht: Wurde Amerika in der Antike entdeckt? -  Karthager, Kelten und das Rätsel der Chachapoya

 Geschichte des Bergbaus im Harz ist älter als bisher bekannt | Spieldauer 3 Minuten | NDR | Stream & Info

 Als Napoleons Truppen die Oberlausitz heimsuchten  | Spieldauer 2 Minuten | MDR | Stream & Info
Manche Reenactments sehen aus wie die Ausflugsveranstaltung eines Altenheims. Vielleicht bilde ich es mir nur ein, aber die Napoleonik scheint davon besonders betroffen zu sein.
Meine Vermutung: Z.B. Mittelalter und Wikinger sind einfach spannender für junge Männer (und auch Frauen), deshalb geht die große Masse lieber in den Bereich.

 Epigrafik - Aus der Welt der antiken griechischen Inschriften | Spieldauer 13 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Die Macht am Rhein - Kaiser des Mittelalters | Spieldauer 30 Minuten | HR | Stream & Info 

 Burg Kreuzenstein: Sommertour reist ins Mittelalter | Spieldauer 4 Minuten | ORF | Stream & Info

 Neue Steinzeit-Attraktion im Archäopark gibt Rätsel auf | Spieldauer 2 Minuten | SWR | Stream & Info 

 Abenteuer Archäologie: Die Erbauer von Stonehenge | Spieldauer 26 Minuten | ARTE | Stream & Info

 Abenteuer Archäologie: Der Mythos des Labyrinths von Kreta | Spieldauer 26 Minuten | ARTE | Stream & Info 
Das gezeigte Knossos ist berüchtigt dafür wie blühende Archäologen-Fantasie eine bedeutende Ausgrabungsstätte gravierend verfälschen kann.

 Abenteuer Archäologie: Die Geburt der Metropole Teotihuacán | Spieldauer 26 Minuten | ARTE | Stream & Info

 Abenteuer Archäologie: Die Wikingersiedlungen Grönlands | Spieldauer 26 Minuten | ARTE | Stream & Info 

 Wikingerschatzsuche mit Metallsonden in Dänemark | Spieldauer 2 Minuten | ZDF | Stream & Info
Gibt es eigentlich so eine außerordentliche kommode und nützliche Archäologie-App für willige Metallsucher in Deutschland? Würde mich fast wundern ...

 Wikinger, auf Beutezug im Fränkischen Reich | Spieldauer 26 Minuten | ARTE | Stream & Info
So eine Visualisierung lasse ich mir weitestgehend einreden. Dabei sieht man wenigstens nicht so viele Fehler wie sie in anderen Geschichtsdokus von grottigen Reenactors und billigen osteuropäischen Laiendarsteller verursacht werden. Freilich, ohne Stuss ging es auch hier nicht (siehe etwa das Schwert von Karl dem Großen).


Mittwoch, 13. Mai 2020

📽️ Videos: Der Experimentalarchäologe Dominique Görlitz im Gespräch -- Antike Inschriften -- Antike Vase verloren (ein Argument fürs Entsammeln!) -- usw.






 So geht Wissenschaft! - Der Experimentalarchäologe Dominique Görlitz im Gespräch | Spieldauer 40 Minuten | Youtube | Stream & Info
Der nachweislich von einem antisemitischen Ägyptologen aus Ägypten und einer deutschen Berufskollegin frei erfundene "Cheops-Skandal" führt dazu, dass der engagierte Experimentalarchäologe und Hochsee-Segler Dominique Görlitz nicht die mediale Aufmerksamkeit erhält, die er auf Grund seiner Forschungsarbeit verdienen würde.


 Epigrafik - Aus der Welt der antiken griechischen Inschriften | Spieldauer 12 Minuten | BR/ARD | Stream & Info

 Antike Vase in Magdeburg entdeckt | Spieldauer 2 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info
Schon wieder so ein Fall, bei dem ein Museum zuerst einen wertvollen Fund 'verloren' hatte, nur um ihn lange Zeit später zufällig im vollgetopften und längst unübersichtlich gewordenen Magazin wieder zu entdecken. Was für ein geradezu unordentlicher Schweinestall. Wenn das nicht zum x-ten Mal ein Argument für das vom Archäologen Raimund Karl geforderte Entsammeln ist, was dann?

 Germanen im Südwesten - Wie kämpften und wie jagten sie? | Spieldauer 15 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

 Germanen im Südwesten - Wie siedelten sie? | Spieldauer 15 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

 Germanen im Südwesten - Wie stylten sie sich? | Spieldauer 15 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

 Belts to make your scabbard wearable | Spieldauer 21 Minuten | Youtube | Stream & Info



 Off Topic: Kaputte, alte und ganz neue Bücher - Besuch bei der Buchrestauratorin | Spieldauer 5 Minuten | BR/Youtube | Stream & Info
Ich selbst repariere hauptsächlich hobbymäßig im Elektronikbereich, aber seit ein paar Jahren auch Bücher, so ähnlich wie die Frau im obigen Video. Ich mag es nämlich gar nicht, wenn Bücher weggeworfen werden. Mittlerweile bin ich auch schon relativ gut darin, sie zu reparieren.
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Samstag, 5. Oktober 2019

📽️ Videos: Windigen Schatzgräbern auf der Spur -- Denkmalpflegerische Bankrotterklärung -- Experimentalarchäologe Dominique Görlitz -- usw.



 Heute im Osten: Schatzgräbern auf der Spur | Spieldauer 15 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info 
Diesen Videobeitrag hatte ich vor ein paar Monaten schon mal verlinkt, allerdings - so glaube ich - in einer kürzeren Variante. Irgendwie beschleicht mich übrigens der Verdacht, dass es für das von der Polizei (!) im Video verwendete Microsoft-Betriebssystem schon länger keine Sicherheitsupdates mehr gibt - sieht mir nämlich stark nach Windows XP mit Classic-Theme aus 😃.

 "Geschichte muss zum Sprechen gebracht werden" - Interview mit dem Historiker Dr. Tillmann Bendikowski über das Mittelalter | Spieldauer 43 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info

 Mehr Geld zur Erforschung der alten Römer | Spieldauer 1 Minuten | xxx | Stream & Info
Schon wieder diese Salbaderei vom UNESCO Welterbe - wie mir das auf den Keks geht. Als ob ein zivilisierter westlicher Staat nicht in der Lage wäre, seinen Denkmalschutz und die touristische Denkmalvermarktung auch ohne freiwillige Besachwaltung durch eine umstrittene UN-Organisation auf die Reihe zu kriegen. In Wirklichkeit beklatschen diese Pseudoschlauberger da ihre eigene Unfähigkeit und ihre zunehmende ideologische Verblendung. Anstatt selbst die volle Verantwortung zu übernehmen, lagert man diese in ein supranationales Gebilde aus, in dem sich zuhauf Vertreter diverser hyper-korrupter Diktaturen tummeln. Das ist nichts weniger als eine denkmalpflegerische und intellektuelle Bankrotterklärung. Aber genau solchen schwindligen 'Experten' muss der indigene Zahlesel überall in Europa die Lehrstühle finanzieren.

 "Wilder Mann" in Kenzer Kirche entdeckt | Spieldauer 4 Minuten | RBB/ARD | Stream & Info

 Hansemuseum zeigt die Geschichte der Piraterie | Spieldauer 3 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Epigrafik - Aus der Welt der antiken griechischen Inschriften | Spieldauer 12 Minuten | BR/ARD | Stream & Info

 Experimentalarchäologe Dominique Görlitz: "Die Weltmeere haben verbunden" | Spieldauer 3 |  Minuten | MDR/ARD | Stream & Info
Genau das, was hier gezeigt wird (siehe auch die drei folgenden Videos), ist Experimentalarchäologie, aber nicht jener Etikettenschwindel (aka 'Museumspädagogik'), den Freilichtmuseen seit einigen Jahren so inflationär betreiben. Mit Dominique Görlitz habe ich bezüglich seiner Expedition ja schon 2017 ein Interview geführt. Wie man nun sieht, wurde die Route, die er dieses Jahr auf einem Schiff mit Schilfrunpf gesegelt ist, etwas verkürzt. Beeindruckend ist die an den Tag gelegte Leistung aber allemal.

 Abora 4 - Zurück in die Steinzeit: Interview mit Dominique Görlitz | Spieldauer 28 Minuten | eingeSCHENKt.tv/Youtube | Stream & Info



 Abora 4: Zurück in die Steinzeit - Das Experiment von Dominique Görlitz | Spieldauer 32 |  Minuten | eingeSCHENKt.tv/Youtube | Stream & Info



 Abora 4: Stapellauf - Es geht los! | Spieldauer 32 |  Minuten | eingeSCHENKt.tv/Youtube | Stream & Info


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Freitag, 8. Dezember 2017

Buch: Die Keilschrift und ihre Entzifferung



Über einen Zeitraum von mehr als drei Jahrtausenden wurde die sogenannte Keilschrift im vorderen Orient von den verschiedensten Völkern, Reichen und Dynastien verwendet. Zu nennen sind hier beispielsweise Sumerer, Akkader, Assyrer, Babylonier, Perser, Seleukiden und Parther. Von ihrer Entstehung in Uruk (Irak) um 3400 v. Chr. bis zu ihrem Verschwinden ca. im 1. Jh. n. Chr war die Keilschrift in ihrem Erscheinungsbild mehrfach einem Wandel unterworfen, was - neben anderen Faktoren - ihre Entzifferung lange erschwerte. Und obwohl hierbei im 19. und frühen 20. Jahrhundert große Fortschritte gemacht wurden, hat die Keilschrift bis heute noch nicht alle ihre Geheimnisse preisgegeben.

Bei Verwendung wird um die Nennung der Quelle gebeten: HILTIBOLD.Blogspot.com
Im Büchlein Die Keilschrift und ihre Entzifferung (Buske Verlag) wird auf rund 50 Prozent der 48 Seiten die Forschungsgeschichte behandelt. Angefangen beim italienischen Adeligen Pietro della Valle, der 1621 im Nahen Osten Keilschriftzeichen kopierte, bis hin zu Wissenschaftlern wie Jules Oppert, der für die Enträtselung der sumerischen Variante der Keilschrift verantwortlich zeichnete.
Daneben geht es aber auch um Beschreibstoffe, die Ausbildung der Schreiber und um die Besonderheiten von Keilschriftalphabeten wie jenem des bronzezeitlichen Stadtstaates Ugarit (Syrien). Auch Beispiele für Wörter und Texte in Keilschrift sind enthalten. Am Rande wird überdies auf die Entwicklung hin zum modernen (lateinischen) Alphabet eingegangen, wie die obige Grafik sehr schön zeigt (hier wird der aufmerksame Leser auch sofort erkennen, wo der tatsächliche Ursprung des Wortes "Alphabet" liegt).


Fazit: Alles in allem ist das reichhaltig illustrierte Büchlein als kleine Einführung in die Thematik nicht unbedingt schlecht, allerdings bin ich mit der Gewichtung nicht ganz glücklich. Für meinen Geschmack wurde der reinen Forschungsgeschichte und ihren Protagonisten zu viel Raum gewidmet. Der Kaufpreis beträgt 10 Euro.


Inhaltsverzeichnis:

Einleitung
Danksagung
Die Verwendung der Keilschrift
Chronologisches Gerüst
Die Wiederentdeckung des Alten Orients
Erste Versuche der Entzifferung der Keilschrift
Die Entzifferung des Altpersischen
Die Inschrift des Tiglat-Pileser I., entziffert im Jahr 1857
Jules Oppert (1825-1905)
Die drei britischen Gelehrten
Akkadisch: Die Verwendung einer syllabischen Keilschrift
Sumerisch und seine Entzifferung
Die Erfindung des Alphabets
Die Tontafeln
Die unterschiedlichen Schriftträger
Die Ausbildung der Schreiber
Die Werke der Schreiber
Autoren
Literaturhinweise

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Weiterführende Informationen:



Weitere interessante Themen:


Montag, 29. Mai 2017

Hörbares: Banausen -- Ist die Archäologie eine seriöse Wissenschaft? -- Inschriftenkunde -- Feudalismus im Mittelalter -- Römische Thermen



Banausen - die Helden der athenischen Demokratie | Spieldauer 22 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download 

Ist die Archäologie eine seriöse Wissenschaft? | Spieldauer 40 Minuten | Youtube | Stream & Info

Feudalismus im Mittelalter | Spieldauer 22 Minuten | ARD/NDR | Stream & Info | Stream & Info | Direkter Download

Römische "Thermae" – Badezimmer einer ganzen Stadt? | Spieldauer 60 Minuten | Freies Radio Freistadt | Stream & Info

Inschriftenkunde – Epigraphik (Teil 1) | Spieldauer 60 Minuten | Freies Radio Freistadt | Stream & Info

Inschriftenkunde – Epigraphik (Teil 2) | Spieldauer 60 Minuten | Freies Radio Freistadt | Stream & Info

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Montag, 17. November 2014

Die antike Grabstele einer griechischen Mutter

Vor einiger Zeit las ich in einer Zeitung, dass auf einer Grabstele - die der hier abgebildeten sehr ähnelte - eine glückliche Episode aus dem Leben der Verstorbenen dargestellt worden sei.
Das ist so allerdings nicht ganz richtig, denn dieses im klassischen Griechenland sehr häufig anzutreffende Motiv zeigt die im Kindbett dahingeraffte Mutter und ihr Neugeborenes beim Abschiednehmen.
Nicht selten wird hierbei der relativ eng in Binden oder Tücher gewickelte Säugling von einer Dienerin/Sklavin (u.a. erkennbar am Kurzhaarschnitt) der Mutter noch einmal hingehalten. Als Hausherrin - sprich als Autoritätsperson - sitzt diese meist auf einem Stuhl. 
In einigen Fällen strecken Mutter und/oder Kind auch die Hände (vergeblich) nach dem jeweils anderen aus, was in berührender Weise symbolisieren soll, dass man sich nach dem Tode nicht mehr erreichen kann - siehe etwa dieses anschauliche Beispiel

Ich bin ja eigentlich nicht der große Leserbriefschreiber, trotzdem wies ich die Zeitung darauf hin, dass ihre Interpretation der Grabstele nicht gerade das Gelbe vom Ei ist. Und ich erhielt tatsächlich eine Antwort. Die verantwortliche Journalistin erklärte mir darin, dass ihre Ausführungen auf der Presseaussendung jenes Museums beruhen, um das es im Artikel primär ging. Gerade dort sollte man es doch aber eigentlich besser wissen :(

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Weitere interessante Themen auf diesem Blog:


Montag, 8. September 2014

Die blumigen Verwünschungen antiker Grabschänder


Da die Gräber der alten Römer häufig an den Hauptausfallstraßen ihrer Siedlungen bzw. Städte lagen, bestand immer die Gefahr, dass vorbeikommende Reisende die oft monumentalen Grabbauten (z.B. die Igler Säule oder das Grabmal des Poblicius) nicht einfach nur mit bewundernden Blicken bedachten, sondern sich auch im Schutz der aufragenden Steinungetüme "erleichterten". Das Beschmieren mit Werbung scheint ebenfalls immer wieder vorgekommen zu sein.
Den Auftraggebern der Gräber bzw. den Angehörigen der Verstorbenen waren diese Unsitten natürlich ein Dorn im Auge. Nach den damaligen Vorstellungen konnte es nämlich passieren, dass sich die guten Totengeister - die sogenannten dii manes - ins Gegenteil verkehrten und als lemures oder larvae nicht nur den (atheistischen oder leichtsinnigen?) Grabschänder, sondern auch die für das Grab verantwortlichen Nachkommen heimsuchten. In diesem Fall war ein Sühneopfer (piaculum) notwendig, das die Totengeister wieder in die Unterwelt verbannte.
Um all dem vorzubeugen, versuchte man potentielle Frevler - dazu gehörten freilich auch Grabräuber - mithilfe in Stein gemeißelter Botschaften zu vertreiben. Manche verlegten sich hierbei eher aufs Bitten, andere wiederum, die weniger Vertrauen in die Rechtschaffenheit ihrer Mitmenschen hatten, drohten unverblümt und mitunter recht derbe.


Qui hic mixerit aut cacarit, habeat deos superos et inferos iratos  
(CIL IV 13740)
Wer hier pinkelt oder kackt, über den komme der Zorn der Götter!


Ita valeas scriptor hoc monimentum praeteri
(CIL V 1490)
Es ergehe dir wohl, "Schmierfink", wenn du an diesem Grab vorübergehst!


In Anlehnung an solche Drohungen und Verwünschungen schrieb ein Witzbold in Pompeji direkt neben dem Eingang eines Hauses folgende Worte an die Wand:

Hospes adhuc tumuli ni meias ossa precantur
nam si vis vic gratior esse caca
Urticae monumenta vides discede cacator
non est hic tutum culu aperire tibi
(CIL IV 8899)
Gast, die Gräber bitten dich, die Gebeine nicht zu bepinkeln.
Denn willst du dem hier einen Gefallen tun, dann kack!
Das Grab der Brennnessel siehst du hier. Kacker, hau ab,  
es ist nicht gefahrlos für dich, hier deinen Arsch zu öffnen!

Anmerkung.: Urtica ist sowohl die lateinische Bezeichnung für Brennnessel, wie auch ein Eigenname - in diesem Fall vermutlich jener der Hausbesitzerin. Die Warnung, dass der Ar... sich vor der Brennnessel in Acht nehmen soll, dürfte demnach doppeldeutig zu verstehen sein.

Eine etwas andere Übersetzung dieser Inschrift lautet:

Fremder, die Gebeine bitten dich, nicht an diesen Grabhügel zu pinkeln,
und wenn du dieser hier noch gefälliger sein willst, kack nicht!
Du siehst das Grabmal der Urtica. Verschwinde, Kacker, 
hier ist es für dich nicht sicher, deinen Arsch zu öffnen!

Die erste Variante lässt auf einen Fremden Kritzler schließen, die zweite wiederum könnte auch auf eine Warnung hindeuten, die die Hausbesitzerin selbst anbrachte.

Dass die Alltagssprache im antiken Rom ziemlich "direkt" war, zeigen obige Beispiele recht anschaulich. Für viele Menschen ist es heute freilich etwas verwunderlich, dass man sich selbst im Bereich des Totenkultes kein Blatt vor den Mund nahm. Der Begriff "Pietät" war in der Antike offensichtlich etwas dehnbarer als heute.

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Weiterführende Literatur: 


Mittwoch, 4. Dezember 2013

Ein römischer Grabstein aus Bonn

Römische Grabsteine auf wenige Jahre genau zu datieren, ist meist nicht möglich. Vielmehr muss man schon froh darüber sein, wenn die zeitliche Unschärfe nur ein paar Jahrzehnte beträgt. Doch es gibt Ausnahmen, wie etwa das nachfolgende Beispiel (CIL XIII 8071).
(Fettdruck = Originaltext; Standarddruck = Auflösungen von Abkürzungen; Satzzeichen u. Zeilenumbrüche wurden zwecks besserer Leserlichkeit eingefügt):
1. LUCIUS MAGIUS LUCI FILIUS OUFENTINA TRIBU DUBIUS MEDIOLANI;
2. MILES LEGIONIS I FLAVIA MINERVIAE PIAE FIDELIS DOMITIANAE;
3. ARMORUM CUSTOS CENTURIA AUFIDI MARTIALIS;
4. ANNORUM XXXI, STIPENDIORUM XIII;
5. HERES FACIENDUM CURAVIT. 
Die sinngemäße Übersetzung der Inschrift lautet:
1. Lucius Magius Dubius, Sohn des Lucius, von der Tribus Oufentina, aus Mailand;
2. Soldat der 1. Legion Flavia Minerva, die den Ehrennamen "treue und zuverlässige Domitiana" trägt;
3. Waffenwart in der Zenturie des Aufidius Martialis;
4. 31 Jahre alt, im 13. Dienstjahr (verstorben);
5. sein Erbe hat für die Bestattung/das Grabmal Sorge getragen.
Zur Datierung: 
Schlüsselelement ist hierbei die Bezeichnung der Legion, in der Lucius Magius Dubius diente. Die in Bonn stationierte Legio I Flavia Minervia (Flavia = "Familienname" des Kaisers, Minerva = die von ihm bevorzugte Göttin) wurde 82 n. Chr. aufgestellt und erhielt um 89. n. Chr. für ihre Leistungen gegen den aufständischen Provinzstatthalter Saturninus von Kaiser Domitian den Bei- bzw. Ehrennamen Pia Fidelis Domitiana (=die dem Domitian treu und ergebene). 
Nachdem Domitian im Jahr 96 n. Chr beseitigt worden war, verhängte der Senat über den verhassten Tyrannen die damnaitio memoriae; seine Bildnisse wurden zerstört, sein Name aus Inschriften herausgemeißelt. So verlor auch die Legio I einen Teil ihres Ehrennamens und gleichzeitig auch die Bezeichnung Flavia; sie hieß fortan nur noch Legio I Minervia Pia Fidelis.
Mit diesem Wissen fällt es leicht, den Grabstein zu datieren bzw. das ungefähre Todesdatum festzustellen. Beides muss in jene siebenjährige Periode gefallen sein, in der die Legio I Minervia ihren vollständigen Ehrennamen trug; also irgendwann zwischen 89 und 96 n. Chr.

Aber wie eingangs erwähnt, so vergleichsweise einfach machen es einem römische Grabsteine eher selten.

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Quelle bzw. weiterführende Literatur:
  • Leonhard Schumacher | Römische Inschriften: Lat. /Dt | Reclam | Infos bei Amazon

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Donnerstag, 6. Juni 2013

Heilige Straßenkreuzungen - ein Ärgernis für die Kirche


Ein Beispiel für die Zähigkeit heidnischen Brauchtums, liefert uns ein Beispiel aus dem frühen 11. Jahrhundert: Bischof Burchard von Worms drohte mit schweren Kirchenbußen, sollten an Wegkreuzungen - zwecks Verehrung des Ortes - Fackeln entzündet, oder Opfergaben dargebracht werden. 

Doch um welch seltsam anmutenden Brauch handelte es sich bei dieser Verehrung von Wegkreuzungen? Um einen römischen, der aufgrund seines hauptsächlichen Verbreitungsgebietes höchstwahrscheinlich stark germanisch-keltisch beeinflusst war. An Straßeneinmündungen, Weggabelungen und Kreuzungen wurden Göttinnen verehrt, die den Schutz der Reisenden gewährleisten sollten. Und Schutz bedurften man in der Antike unbedingt, wie etliche Grabsteine belegen, deren Inschriften von der Ermordung Reisender durch Räuber berichten.
Die um Beistand angeflehten Weggöttinnen nannte man passenderweise: quadruviae (für Straßenkreuzungen), triviae (für Straßengabelungen) und biviae (für Straßeneinmündungen). Punkto Aussehen unterschieden sie sich kaum von den in den nördlichen Provinzen so beliebten Muttergottheiten (Matronen). Vor allem die quadruviae werden häufig auf einschlägigen Weihesteinen genannt. Auf einem bei Bad Cannstatt gefundenen Exemplar, wurden die vier Göttinnen (quattuor heißt bekanntlich vier) sogar bildlich dargestellt (Foto).

Im Zuge der Christianisierung sanken diese Schutzgöttinnen in den Augen der Kirche zu Dämonen herab -  auch wenn das Volk dies offenbar vielerorts anders sah und an der Verehrung lange Zeit festhielt - siehe etwa das eingangs erwähnte Beispiel aus Worms.
Da die kirchliche Obrigkeit der Sache offensichtlich nur schwer Herr wurde, bediente man sich einer bewährten Methode; man widmete die vom Volk verehrten Plätze einfach in christlichem Sinne um und errichtete Kreuze, Heiligenstatuen und Kapellen. Ein Brauch, der sich in gewisser Weise bis heute erhalten hat, wie jeder der auf dem Land wohnt weiß.
Interessant ist, dass Papst Urban II im Jahr 1095 in Clermont festlegte, dass das Kirchenasyl nicht mehr nur für Kirchen und ihre Vorplätze zu gelten habe, sondern auch für an Wegen aufgestellte Kreuze. Inwieweit es dem Schutzsuchenden in der Praxis etwas half, wenn er sich an so ein Kreuz klammerte, ist natürlich eine ganz andere Frage...



Donnerstag, 14. März 2013

Ligaturen in römischen Inschriften und Graffiti

In offiziellen Inschriften des antiken Roms, aber auch in dilettantischen Graffiti, finden sich immer wieder sogenannte Ligaturen; also Abkürzungen bzw. Buchstabenkombinationen mit gemeinsamen Elementen.
Die seit dem 2. Jh. v. Christus gebräuchlichsten, sieht man im Bild rechts. Das Wichtigste dazu, möchte ich hier nun in aller Kürze zusammenfassen:

Das erste Zeichen bedeutet, wohl wenig überraschend, AV; das zweite TE und das dritte PF.
Bei der vierten Ligatur ist nicht unbedingt auf den ersten Blick ersichtlich, was sie darstellt. Man könnte eventuell meinen, das N wäre einfach schlampig ausgeführt worden. Doch die verlängerte, senkrechte Linie (Haste) stellt ein I dar - somit bedeutet die Ligatur NI.
Ähnliches gilt für das nachfolgende "Kreuz". Dabei handelt es sich um eine Ligatur von T und I. Dieses TI und wurde beispielsweise für die Abkürzung des Vornamens Tiberius verwendet. Man sollte sich demnach davor hüten, aus einer Inschrift vorschnell einen christlichen Kontext herauszulesen!
Das sechste Zeichen stellt keine römische Zwei dar, sondern es ist - wenn auch kaum zu glauben - ein E. Es wird, weil man es wohl besonders häufig in Gallien findet, auch als Gallisches E bezeichnet. 
Im kürzlich hier vorgestellten Buch über pompejanischen Graffiti ist dieses Zeichen übrigens sogar zweimal in jenem Schriftzug enthalten, der das Titelblatt ziert (Klick mich).
Das auf den Kopf gestellte und gespiegelte F, bei dem ich ehrlich gesagt nicht sicher bin, ob man es überhaupt als Ligatur bezeichnen kann, nennt man Diagamma. Es wurde wie ein v oder w ausgesprochen.


Weiterführende Literatur:
Leonhard Schumacher | Römische Inschriften: Lat. /Dt | Reclam | Infos bei Amazon

Mittwoch, 27. Februar 2013

Glücklich ist dieser Ort! - 1000 Graffiti aus Pompeji

(C) Reclam Verlag
Das bei Reclam erschienen, rund 370 Seiten starke Buch Glücklich ist dieser Ort! - 1000 Graffiti aus Pompeji beinhaltet, wie der Titel bereits nahe legt, eine umfangreiche Sammlung an Graffiti-Texten, die in der berühmten Stadt am Vesuv im Zuge archäologischer Ausgrabungen entdeckt wurden.
"Eintausend" hört sich nach viel an, und das ist es eigentlich auch. Trotzdem handelt es sich hierbei "nur" um ca. 10 Prozent der bisher in Pompeji freigelegten und wissenschaftlich erfassten Graffiti. 
Ein wenig schade ist, dass Vincent Hunink, der verantwortliche Übersetzer und Herausgeber, bei der Auswahl sein Hauptaugenmerk auf Privat-Graffiti gerichtet hat. Mich hätten nämlich auch geschäftliche Wandkritzeleien - wie  z.B. Werbung, die Programme von Gladiatorenspielen oder Wahlslogans - sehr interessiert. Fairerweise muss jedoch gesagt werden, dass sich trotz allem immer noch genügend faszinierendes Material in diesem Buch findet. Vor allem unflätige Beleidigungen haben es dem Herausgeber nach eigenem Bekunden angetan. Dementsprechend erfährt man hier recht detailreich, wie sich die alten Römer gegenseitig beschimpften. Wer die TV-Serie Spartacus: Blood and Sand kennt, der dürfte erahnen, in welche Richtung das geht... Und weil ich gerade bei dem Thema bin; das Graffito auf dem Bild unten, stellt kein "prä-astronautisches" Flugobjekt dar, wie Erich von Däniken wahrscheinlich mutmaßen würde ;)

(C) Reclam Verlag 

Jeder einzelne Graffito-Text wird im lateinischen Original und in der deutschen Übersetzung wiedergegeben (einige auch als Zeichnung). Mittels eines Codes werden außerdem Angaben zum Fundort innerhalb Pompejis gemacht - zu diesem Zweck enthält das Buch auch einen Plan der Stadt. Für Touristen, die sich vor Ort auf die Suche nach den Graffiti begeben wollen, ist das zweifellos eine praktische Sache. Wobei jedoch erwähnt werden sollte, dass etliche der antiken Wandzeichnungen nicht mehr leserlich sind. Andere wiederum befinden sich in mittlerweile abgesperrten Bereichen oder wurden entfernt und in Museen gebracht.

Es folgen vier Text-Beispiele aus dem Buch:

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Nr. 620
ARPHOCRAS HIC CVM DRAVCA
BENE FVTVIT DENARIO
Arphocras hat hier mit Drauca / gut gefi... für einen Denar.
VII, 12, 18-20 \ CIL IV 2193

Nr. 775
ALBANVS CINAEDVS EST
Albanus ist eine Tunte.
VII, 2, 36-37 (Haus des Lucius Caecilius Phoebus; in einem Flur) |
CIL IV 4917

Nr. 792
MIXIMVS IN LECTO FATEOR PECCAVIMVS
HOSPES SI DICES QVARE NVLLA MATELLA FVIT
Wir haben ins Bett gepinkelt. Ich geb's zu: unser Fehler, Gastgeber! Fragst du jetzt "Warum"?
Es gab gar keinen Nachttopf!
VIII, 6, 6 (an der Fassade, nahe einem Gasthaus) | CIL IV 4957

Nr. 587
CARMINIBVS 
CIRCE SOCIOS 
MVTAVIT
Mit Zaubersprüchen / hat Kirke die Männer / des Odysseus verwandelt.
VII, 9, 1(Gebäude der Eumachia; an der Außenseite) | CIL IV 1982 | metrisch (Distichon); Dichterzitat (Vergil, Bucolica 8,70 | Teile des Zitats auch an drei anderen Orten in Pompeji
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Um  wissenschaftliches Arbeiten mit den Texten zu ermöglichen, wird, wie man sieht, auch immer die CIL-Nummer angegeben.

FAZIT: Für wenig Geld gewährt diese Auswahl pompejanischer Graffiti einen schönen und auch außergewöhnlichen Einblick in den Alltag der römischen Antike. Wer über ausreichende Kenntnisse in der lateinischen Sprache verfügt, der darf sich hier auch des Öfteren über die Rechtschreibkünste der alten Römer wundern ;)
(So wie die Leser dieses Blogs sich ja auch gelegentlich über meine mitunter recht kreative Interpunktion wundern dürften 😊)

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Weiterführende Informationen:

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Donnerstag, 24. Januar 2013

Linktipp: Ubi-Erat-Lupa.org

Wer sich für antike Bildsteine und Epigraphik interessiert, dem sei die Internetseite ubi-erat-lupa.org empfohlen.
Man gibt dort beispielsweise den Namen eines Ortes in die Suchmaske ein, und bekommt dann sofort jene  in der Datenbank verzeichneten Funde aufgelistet, die aus der betreffenden Gegend stammen; inklusive Bilder, Datierung und einer Beschreibung dessen, was auf dem Stein dargestellt ist. Ich finde das überaus praktisch.
Den vorangegangenen Artikel zum römischen Relief in der Außenmauer der Pfarrkirche Dobl, habe ich übrigens auch unter anderem mithilfe dieses Portals aktualisiert.

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Linktipp: Ein römisches Kindergrab und mehr...

In Augsburg hat man einen in das 3. Jahrhundert datierten Grabstein entdeckt, den ein Vater für seine beiden Kinder aufstellen ließ. Die Inschrift darauf rührt die Archäologen vor Ort:  "Für die Buritta, die allerliebste Tochter, die acht Jahre, vier Monate und 28 Tage lebte“.
Darunter wurde später noch der Name und die Lebensspanne seines Sohnes Barinianus eingemeißelt; er wurde nur ein Jahr, sechs Monate und 21 Tage alt...    Klick mich

Diese kleinen Details römischer Grabstein-Inschriften sind es, die uns die einfachen Menschen jener Tage sehr nahe bringen können. Zwei weitere Beispiele dafür, möchte ich deshalb hier noch zitieren:

1.)
Hospes, resiste et hoc ad grumum ad laevam aspice, 
ubei continentur ossa hominis boni, misericordis, amatis pauperis.
Rogo te, viator monumento huic nil male feceris. 
Caius Ateilius Serrani libertus Euhodus, margaritarius de sacra  
Via, in hoc monumento conditus est. Viator, vale. 
Ex testamento in hoc monumento neminem inferri neque condi licet, 
nisei eos libertos quibus hoc testamento dedi tribuique.

Fremdling, verweile und blicke auf diesen Erdhügel zur Linken, wo die Gebeine eines guten, barmherzigen, liebevollen und armen Mannes beigesetzt sind. 
Ich bitte dich, Wanderer, diesem Grabmal keinen Schaden zuzufügen.
Caius Atilius Euhodus, Freigelassener des Serranus, Perlenhändler von der "Heiligen Straße", ist in diesem Grabmal bestattet. Wanderer, lebe wohl! 
Aufgrund meines Testaments darf in diesem Grabmal niemand beigesetzt oder bestattet werden außer den Freigelassenen, denen ich dies in meinem Testament gestattet und zuerkannt habe.

2.)
Dis Manibus et quieti aeternae Iuliae Maianae feminae sanctissima, 
manu mariti crudelissimi interfectae, quae ante obiit quam fatum dedit. 
Cum quo vixit annos XXVIII, ex quo liberos procreavit duos: 
puerum annorum XVIIII, puellam annorum XVIII. O fides, o pietas! 
Iulius Maior frater sorori dulcissimae et Ingenuinius Ianuarius filius 
eius faciendum curaverunt et sub ascia dedicaverunt.

Den Totengöttern und der ewigen  Ruhe der Julia Maiana, einer äußerst tugendhaften Frau, 
erschlagen von der Hand des grausamsten Ehemannes; sie starb, bevor es ihr Schicksal (so) bestimmt hat. Mit ihm (dem Gemahl) lebte sie 28 Jahre und brachte ihm zwei Kinder zur Welt: einen Sohn, 19 Jahre alt, und eine Tochter, 18 Jahre alt. O Treue, o Liebe! Iulius Maior, ihr Bruder seiner süßen Schwester, und Ingenuinius Ianuarius, ihr (?) Sohn, haben (den Grabstein) setzen lassen und unter der Ascia geweiht.

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Ein passender Blog-Artikel zu diesem Thema:
http://hiltibold.blogspot.com/2012/07/ein-kurzer-einblick-in-die-epigraphik.html

Dienstag, 24. Juli 2012

Ein kurzer Einblick in die Epigraphik

Bekanntlich haben uns die Römer sehr viele Steine hinterlassen. Etliche davon wurden einst mit Inschriften versehen. Verhältnismäßig selten schrieb man dabei jedoch die Worte vollständig aus. Stattdessen wurden sie gerne in abgekürzter Form eingemeißelt (= weniger Arbeit für den Steinmetz und demnach auch billiger für den Auftraggeber). Oft erschließt sich die Bedeutung dieser Abkürzungen erst im Zusammenhang mit dem restlichen Text, oder dem vermuteten Zweck der Inschrift (Ehreninschrift, Weihestein, Grabstein…). Das macht eine Entzifferung allerdings nicht unbedingt leichter. Häufig weisen die Inschriften auch mehr oder weniger starke Beschädigungen auf, so dass man letztendlich nur mit einer gehörigen Portion Erfahrung auf einen Grünen Zweig kommt. Das hier ausgewählte Beispiel, gehört hingegen zu den eher leichteren Übungen und eignet sich gut für einen kurzen Einblick in die Materie, der vielleicht auch Lust auf mehr macht...

THEANDER ARISTOME
NI F CRETENSIS MIL
COH I NORICOR OPTIO
AN XLV STIP XXVI  HSE  HFC

Um Nachfolgendes restlos zu verstehen, eine kurze Erklärung der in diesem Beispiel verwendeten Sonderzeichen aus dem Leidener Klammersystem:
| = Neuer Zeilenanfang
() = der umklammerte Teil des Wortes ist im Original weggelassen worden (Abkürzung)

Die aufgelöste Inschrift lautet:
Theander Aristome|ni f(ilius) Cretensis mil(es) | coh(ortis) I Noricor(um), optio, | an(norum)XLV, stip(endiorum) XXVI, h(ic) s(itus) e(st); h(eres) f(aciendum) c(uravit)

Die vollständige Übersetzung ins Deutsche lautet:
Theander, Sohn des Aristomenos, von Kreta, Soldat der 1. Noriker-Kohorte, Optio, 45 Jahre alt, mit 26 Dienstjahren, liegt hier; sein Erbe hat für die Errichtung (des Grabmals) Sorge getragen.

Die Bedeutung der einzelnen Bestandteile der Inschrift:
Theander = Vorname des Toten
Aristomeni filius = sogenannte Filiation (bedeutet so viel wie "Sohn des...")
Cretensis = Herkunft
Miles Cohortis I Noricorum = Tätigkeit bzw. Beruf, inklusive der Einheit
Optio = Dienstrang (der ungefähr dem eines heutigen Feldwebels entspricht)
Annorum XLV = Lebensalter
Stipendiorum XXVI = Dienstjahre
Hic situs est = Hier liegt bzw. liegt hier (HSE ist eine häufig verwendete Abkürzung bzw. Formel auf röm. Grabsteinen)
Heres faciendum curavit = Der Erbe hat für die Errichtung (gemeint ist natürlich das Grabmal) Sorge getragen (HFC ist ebenfalls eine oftmals verwendete Abkürzung)


Freitag, 20. Juli 2012

Die Bibel ist kein Geschichtsbuch, ABER...

Ossusar bzw. Knochenkästchen  (Foto: Wikimedia.org)
Unlängst las ich in der Zeitung den Kommentar eines Historikers; der meinte, man solle die Bibel nicht als Geschichtsbuch missverstehen.  In der Tat, das sollte man wohl nicht. 
Genauso wenig darf man aber den Wahrheitsgehalt der Bibel in erster Linie anhand der eingestreuten "Wunder" messen.
Letztendlich enthält das sogenannte "Buch der Bücher" wohl mehr Tatsachen als man meint. Ich möchte das an folgendem, wenig bekannten Beispiel festmachen: 
Im Markusevangelium (Mk 15,20) ist von einem Simon von Kyrene, Vater des Alexander die Rede, der gezwungen worden sein soll, Jesus dabei zu helfen das Kreuz zu tragen. 1941 fand man in Silwan bei Jerusalem ein Knochenkästchen aus der Zeit des Jesus, mit einer in griechischer und aramäischer Sprache verfassten Inschrift, die den Toten als "Alexander, Sohn des Simon von Kyrene" identifiziert. 
Man muss ganz klar sagen, dass Namenskombinationen wie diese, noch dazu in Verbindung mit einem konkreten Herkunftsort (Kyrene), alles andere als häufig vorkommen und die Wahrscheinlichkeit einer bloßen Namensgleichheit, ausgerechnet für den Zeitraum in dem Jesus lebte, hier doch recht gering ist.