Montag, 18. Februar 2013

Die mutige Ärztin Agnodike und ihre Koleginnen


Im 3. Jahrhundert v. Chr. lebte in Griechenland eine junge Frau namens Agnodike, die, so heißt es, als Mann verkleidet nach Alexandria ging um Medizin zu studierte. Nach dem Studium kehrte sie in ihre Heimatstadt Athen zurück und praktizierte dort sehr erfolgreich als "Arzt"; aufgrund der diskriminierenden Gesetzeslage ebenfalls in Männerkleidung.
Neider unterstellten ihr eines schönen Tages, sie würde Patientinnen verführen und zerrten sie vor Gericht. Dort offenbarte sie notgedrungen der Öffentlichkeit, dass sie kein Mann, sondern eine Frau sei. Damit brach zwar die ursprüngliche Anklage in sich zusammen, allerdings warf man ihr nun vor, dass sie als Frau verbotenerweise Patienten behandelte. Da sich jedoch zahlreiche, teils hochgestellte Damen für die junge Ärztin einsetzten und ihren Ehemännern drohten sie zu verlassen, sollte es zu einer Verurteilung kommen, entging Agnodike der Todesstrafe. Nach dem Freispruch soll sie ihr Kleid hochgehoben haben, um vor allen Anwesenden stolz "ihre Weiblichkeit zu dokumentieren", wie es so schön heißt. (Heute würde man sie für so eine Aktion freilich gleich wieder vor ein Gericht stellen ;))
Der Prozess führte dazu, dass man in Athen die Gesetze änderte, so dass fortan auch frei geborene Frauen Medizin studieren und als Ärztinnen praktizieren durften. Allerdings erlaubte man ihnen nur das Untersuchen und Behandeln von weiblichen Patienten.

Neben richtigen Ärztinnen wie Agnodike, gab es in der hellenistischen Welt freilich noch den Beruf der Hebamme, der wohl auch ein gewisses, medizinisches Grundlagenwissen erforderte.
In Rom konnten sich Hebammen in späterer Zeit von Ärzten auch zu "Gynäkologinnen" (obstetrices) ausbilden lassen. Der Arzt Theodorus Priscianus erwähnt eine solche Frau als "liebste Gehilfin seiner Kunst". Plinius der Ältere wiederum zitiert in seiner Naturalis historia mehrfach aus einem Buch über Frauenkrankheiten, das eine "Gynäkologin" namens Olympias verfasst haben soll.
Viele Römerinnen wollten sich aus Scham nicht vor einem Arzt ihrer Kleidung entledigen und gingen deshalb lieber zu solchen Medizinerinnen. Einige von ihnen besaßen zweifellos ein Fachwissen, das dem ihrer männlichen Kollegen entsprach; sie wurden als iatromaia ("Arzthebamme") bezeichnet. Plutarch nennt eine dieser Ärztinnen auch medica a mammis, was so viel bedeutet wie "(Fach-)Ärztin für weibliche Brüste". Und da selbst der große Galen Salben und Wachspflaster einer gewissen Antiochis empfahl, dürften weibliche Ärzte in Fachkreisen mitunter ein beträchtliches Ansehen genossen haben.

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Quellen / weiterführende Literatur:

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