Sonntag, 28. August 2016

Campus Galli - Ein tolldreistes Medienmärchen

Kürzlich entdeckte ich im Online-Archiv der längst verblichenen AZ (Arbeiter-Zeitung) folgenden historischen Artikel aus dem Jahr 1979:
"Die Österreicher haben ein zwiespältiges Verhältnis zu den Journalisten: sie glauben in ihrer Mehrzahl, die journalistische Arbeit sei für die Demokratie wichtig, gleichzeitig schätzen sie den Journalistenberuf äußerst niedrig ein. Nur Beamte sind weniger angesehen, hinter den Schauspielern rangieren die Journalisten am vorletzten Platz der Prestigeskala..."  (Quelle)
Heute, 37 Jahre später, kann kaum noch die Rede von "zwiegespalten" sein. Begriffe wie "stinksauer" und "angewidert" dürften die Gefühle der meisten Medienkonsumenten weitaus besser beschreiben. Zu dramatisch ist in ganz Europa der journalistische Qualitätsverlust, als dass er hätte unbemerkt bleiben können.

Ohne das Framing von Nachrichtenagenturen oder Wikipedia ist der moderne Durchschnittsjournalist längst aufgeschmissen. Wie ein kleines Kind möchte er bei der 'Recherche' (= copy & paste) an die Hand genommen werden, um dann seinerseits, zusammen mit den anderen hauptberuflichen Meinungströten, die Öffentlichkeit gleichzurichten.
Zwar gibt es aufgrund staatlicher Subventionen eine gewisse Medienvielfalt, aber keine ausgeprägte Meinungsvielfalt; zumindest nicht im Bereich der immer noch (zu) mächtigen Alt-Medien - wie z.B. dem Print und dem Öffentlich-rechtlichen Rundfunk (von bösen Zungen auch als Öffentlich-lächerlicher Dummfunk bezeichnet). 

Ein anschauliches Beispiel für das armselige Niveau des heutigen Journalismus liefert die mit viel Steuergeld subventionierte, hier schon mehrfach kritisierte Mittelalter-Baustelle Campus Galli: Von wenigen Ausnahmen abgesehen, handelt es sich bei der Berichterstattung darüber um kaum mehr als redaktionelle Werbung.
Was der geneigte Medienkonsument von dieser Propaganda hält, interessiert die involvierten Herausgeber und Journalisten offenbar nur peripher. So wunderte ich mich beispielsweise lange Zeit, warum sich unter den einschlägigen Online-Artikeln der Tageszeitung Südkurier (Medienpartner des Campus Galli) keine Leserkommentare finden. Nachdem ich mir unlängst die außerordentlich umfangreichen Kommentarregeln dieser Postille etwas näher angesehen habe, kam mir freilich ein Verdacht. Dort steht nämlich u.a. geschrieben:
Ruf- und geschäftsschädigende Inhalte dürfen ebenso wenig verbreitet werden wie Beiträge mit werblichem oder kommerziellem Charakter.
Die Bewertung
(was geschäftsschädigend ist) liegt ausschließlich beim Südkurier.
Wenn man die Pobacken nur fest genug zusammenkneift und sich ganz doll anstrengt, dann könnte bereits die Aussage, der Campus Galli ist unwissenschafltich, als geschäftsschädigend interpretiert werden; schließlich gehen die selbstzertifizierten Klosterbaumeister in Meßkirch gerne mit gegenteiliger Behauptung auf Besucherfang.
Da obige Klausel den wackeren Verteidigern der freien Rede immer noch nicht zu genügen scheint, legt man in gewohnt schwammiger Weise nach:
Darüber hinaus lassen wir auch Beiträge nicht zu bzw. sperren Nutzer, die zwar nicht explizit gegen eine der Regeln verstoßen, aber nicht konstruktiv zur Diskussion beitragen, diese stören oder deren Kommentare keinen Bezug zum Inhalt des kommentierten Artikels haben. 
Der Jurist nennt so etwas einen Gummiparagraphen. Wie es jedoch scheint, hat sich der Campus Galli hier den absolut richtigen Partner ins Boot geholt. Nämlich einen, der dazu tendiert Kritik gar nicht erst zuzulassen.

Aber nicht nur mit kritischen Zeitungslesern scheint der Südkurier wenig Freude zu haben. Vielmehr können selbst die eigenen Journalisten ins Fadenkreuz der Zensur geraten; etwa wenn diese sich erdreisten, lokale Politgrößen mit Fragen zu behelligen, die vom Chefredakteur als wenig opportun eingestuft werden: Link 1, Link 2
Doch es kommt noch dicker: Der Südkurier entblödet sich nicht, prophylaktisch Interviews zu 'unterschlagen', um in vorauseilendem Gehorsam seiner Anzeigen-Kundschaft gefällig zu sein. Wenn es dafür schon zu spät ist, schreibt man im Nachhinein heimlich, still und leise den als problematisch eingestuften Text komplett um - beispielsweise damit der Campus Galli eine weniger lächerliche Figur abgibt; so zitierte man eine Fremdenführerin ursprünglich wie folgt:
"Da diese Brenntechnik aus der Römerzeit, dem 9. und 10. Jahrhundert, stammt, war es ein richtiges wissenschaftliches Projekt ..."
Das 9. und 10. Jahrhundert, also der Zeitraum in dem der Campus Galli ungefähr angesiedelt ist, gehört in die Römerzeit? Ah ja ^^. Nachdem ich in einem kurzen Blogbeitrag auf diese Peinlichkeit hinwies, was zweifellos beim Campus Galli registriert wurde (die lesen hier nämlich voller Begeisterung mit), ersetzte die Zeitung den betreffenden Artikel kommentarlos durch einen neuen Text. Doch auch der enthält Fehlinformationen - denn wie eine Leserin dieses Blogs sofort bemerkte, wird das Brennen von Tongefäßen in Gruben unzulässig verkürzt und somit falsch beschrieben:
Bisher brannten die Campus-Töpfer ihre Keramik mit dem sogenannten Grubenbrand, bei dem das getöpferte Gut in heiße Asche gelegt wurde, was im Ergebnis eine blau-schwarze Färbung ergab und viel Ausschuss erbrachte. (Quelle)
Nein, die getöpferten Tongefäße werden nicht einfach in heiße Asche gelegt und dadurch gebrannt. Vielmehr gestaltet sich der Vorgang weitaus komplizierter

Dieses Beispiel veranschaulicht sowohl die äußerst bescheidene Qualität der vom Campus Galli praktizierten Museumspädagogik wie auch das armselige journalistische Niveau der Tageszeitung Südkurier. Scheinbar haben sich hier zwei gefunden, die bestens zusammenpassen. 
Doch wird wohl mehr hinter dieser Partnerschaft stecken, als der beiderseitige Hang zur Schlamperei. Nicht unwahrscheinlich ist nämlich, dass der Südkurier für seine genehme Hofberichterstattung von den in das Bauprojekt tief verstrickten politischen Parteien und Funktionsträgern 'belohnt' wird. Schließlich zählen diese zu den wichtigsten Anzeigekunden - und wie sehr der Südkurier bereit ist, auf deren Befindlichkeiten prophylaktisch Rücksicht zu nehmen, zeigte ja bereits das oben verlinkte Beispiel; wobei dieses natürlich nicht das einzige seiner Art ist. Ein ehemaliger Redaktionsleiter des Südkurier berichtet nämlich folgendes:
Die Denke des Medienhauses – und das betrifft bei Gott nicht nur den Südkurier – hat bei den Regionalzeitungen zu einem Verlust des wichtigsten Kapitals geführt: der Glaubwürdigkeit, die auf dem Altar des verzweifelten Versuchs geopfert wird, angesichts sinkender Abo-Zahlen und Anzeigenumsätze die Kohle zu retten. Ich würde nie das Wort Lügenpresse unterstützen und lehne es ab. Aber die Menschen/Leser spüren einfach, dass die Darstellungen der Regionalzeitungen häufig geschönt sind, um des Umsatzes willen. Bitte nur nirgends anecken. (Quelle)
So ist es also kein Wunder, dass die Berichterstattung über den Campus Galli reichlich lobhudlerisch ausfällt.

Ebenso stark wie der Südkurier trommelt die Schwäbische Zeitung für die sogenannte Karolingische Klosterstadt. In mancherlei Hinsicht geht man dabei geschickter als die Konkurrenz vor. Auch sind Leserkommentare möglich, obwohl in diesen der Campus Galli überwiegend kritisiert oder verspottet wird.
Sogar die hauseigene Redakteurin C. Wolber erlaubte sich noch vor wenigen Jahren, das defizitäre Bauprojekt gelegentlich zu kritisieren; etwa für jenes definitiv nicht gehaltene Versprechen, demzufolge der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn im Vordergrund stünde (in Wirklichkeit ist es der Tourismus). Doch mittlerweile schreibt Frau Wolber nichts mehr über den Campus Galli, stattdessen hat diese Aufgabe vor allem ein gewisser Herr Musolf übernommen. Der beeindruckt freilich nicht mit kritischem Journalismus, sondern neigt sehr dazu, den mit vielen Problemen kämpfenden Campus Galli in ein möglichst rosiges Licht zu tauchen. So gehört es beispielsweise zu Musolfs absoluten Spezialitäten, aktuelle Besucherzahlen in ähnlich euphorischer Weise zu vermelden, wie einst die Deutsche Wochenschau versenkte Bruttoregistertonnen.
Das registriert der lokale, mit Parteienförderungen vollgesogene Polit-Filz zweifellos anerkennend, und dem zukünftigen Schalten von Anzeigen und Bekanntmachungen bei der Schwäbischen Zeitung steht nichts im Wege. Wie heißt es bei Asterix doch so schön: "Lucrifacturi te salutant!" ;)

Damit kein Sand in das gut geschmierte geölte Getriebe der politisch-medialen Kungelei rieselt, bohren Herr Musolf und die Schwäbische Zeitung selbst dann nicht konsequent tiefer, wenn sich die Indizien bereits bis zur Decke stapeln. Etwa im Falle des von mehreren Bürgern erhobenen Vorwurfs, wonach Mitarbeiter der Stadt Meßkirch immer wieder zeitaufwendige Tätigkeiten für den Campus Galli erledigen würden (z.B. beim städtischen Bauhof oder der Tourist-Information), ohne diese ordnungsgemäß in Rechnung stellen zu dürfen (dazu hier ein anderes Mal mehr Details!). Ist diese in den Raum gestellte versteckte Zusatzfinanzierung des privaten Vereins Campus Galli (Karolingische Klosterstadt e.V.) denn keine weitere Recherche wert?
Auch findet ausgerechnet Herr Musolf, der laut seiner Vita irgendwann einmal Geschichte studiert hat, nichts dabei, wenn der Campus Galli die Öffentlichkeit nach Strich und Faden vergackeiert, indem immer wieder schnöde Museumspädagogik in den Rang eines wissenschaftlichen Experiments erhoben wird: Siehe z.B. den Bau eines kleinen Töpferofens, den man in mehreren Gefälligkeitsartikeln frenetisch bejubelte, obwohl dieser Lehmhaufen aus wissenschaftlicher Sicht völlig bedeutungslos ist; schließlich wurde anderenorts derlei schon zigfach erprobt und dokumentiert!

Da die missbräuchliche Verwendung des Begriffs "Experimentalarchäologie" vor allem einschlägig Vorgebildeten sofort ins Auge springt, setzte es auch auf der Facebook-Präsenz des Campus Galli entsprechende Kritik von einer archäologischen Zeichnerin. Die Verantwortlichen reagierten mit betretenem Schweigen und überließen es stattdessen Dritten, die Kastanien aus dem Feuer zu holen - was allerdings reichlich misslang.

Quelle des Zitats

Ein wichtiger Unterschied zwischen seriöser Experimentalarchäologie und dem Campus Galli ist eben, dass bei ersterer das empirische Erkenntnisinteresse im Vordergrund steht, während es bei letzterem vor allem um die mediale Inszenierung, die Steigerung des Besucherinteresses sowie die damit verbundenen Mehreinnahmen geht.
Doch anstatt den vom Campus Galli verbreiteten Megastuss mit einer journalistischen Kopfnuss zu quittieren, verlegen sich die beiden lokalen Käseblätter Südkurier und Schwäbische Zeitung aus fragwürdigen Gründen lieber darauf, die salbungsvollen Sprachblasen von Hannes Napierala, seines Zeichens Geschäftsführer der prekären Mittelalterbaustelle, unkritisch nachzuplappern. Wir schaffen das, suggeriert dieser promovierte Mundwerksbursche, seit er 2014 dem mittlerweile ausgeschiedenen Projektinitiator vor die Nase gesetzt wurde. Wenn man schon nicht, wie angekündigt, 2018 aus den roten Zahlen herauskommt, weil eventuell die prognostizierten Pro-Kopf-Einnahmen Quark sind, dann eben irgendwann ...
Mich erinnert diese Mischung aus Zweckoptimismus und autoaktivem Realitätsverlust an den Ausspruch eines bekannten deutschen Publizisten mit jüdischen Wurzeln:
"Das kommt einem so vor wie das Warten der Juden auf den Messias: Man muss sich so benehmen als käme er morgen, man weiß aber genau, es wird nicht passieren."
Der Campus Galli ist vor allem ein medial inszenierter Hype, der sich aus phantastischen Ankündigungen und Versprechungen speist, die in der Regel nicht gehalten werden. So geht man mit der Behauptung auf Besucherfang, rund 50 Gebäude, die auf dem frühmittelalterlichen Klosterplan von St. Gallen eingezeichnet sind, würden in einem Zeitraum von 40 Jahren gebaut werden.
Nun befindet man sich aber bereits in der vierten Saison - will heißen, ein Zehntel der Zeit ist bald um - und noch kein einziges dieser Gebäude steht (das kleine Holzkirchlein, an dem man träge herumwerkelt, ist übrigens kein Bestandteil des St. Galler Klosterplans). Und selbst das wenige bisher Errichtete, wie etwa eine winzige Schmiede (in der Form ebenfalls nicht Teil des Klosterplans), war bereits nach drei Jahren ein Fall für die Abrissbirne und musste aufwendig repariert werden. Das kostet Zeit und Geld - beides fehlt infolge an anderer Stelle: Beispielsweise musste der Bau einer Scheune schon dreimal (!) auf das jeweils nächste Jahr verschoben werden.
Auch konnte der Campus Galli bisher nicht zweifelsfrei belegen, dass die befristete Beschäftigung mehrere Langzeitarbeitsloser (1-Euro-Jobber) zu deren anschließender Vermittlung am Arbeitsmarkt geführt hätte. Das Fehlen eines entsprechenden Kausalitätsnachweises ist überaus problematisch, schließlich geriert man sich in der Öffentlichkeit als guter Samariter, woraus sich nicht nur die eigene berufliche Existenzberechtigung, sondern auch der steuerbegünstigende Status eines gemeinnützigen Vereins ableitet.
Diskussionswürdig ist im Zusammenhang mit der angeblichen Gemeinnützigkeit auch, dass der Geschäftsführer Hannes Napierala unbestätigten Informationen zufolge pro Monat ein Gehalt von rund 4000 Euro beziehen soll - womit er einer der größten Kostenfaktoren des hochdefizitären Projekts wäre, das ohne jährliche Betriebskostenzuschüsse der Öffentlichen Hand nicht überlebensfähig ist. Alleine in der Saison 2016 fließen laut Medienberichten 265000 Euro - mögliche versteckte Zuschüsse durch ausgelagerte Tätigkeiten, s.o., nicht mitgerechnet.
Hier stellt sich natürlich die Frage: Ist der Geschäftsführer wenigstens sein Gehalt wert, über das er sich bezeichnenderweise ausschweigt? Gewiss verfügt der gute Mann über einige Qualitäten (er versteht sich beispielsweise darauf, recht geschickt mit Worten zu hantieren), doch ist es ein Zeichen für Kompetenz und Eignung, dass man ihm unmittelbar nach seiner Einstellung für geraume Zeit einen "Berater" namens Thomas Schlude an die Seite stellen musste?
„Er hatte neben seinem Hauptberuf als selbständiger Finanzberater während der letzten Monate dem neuen Geschäftsführer hauptsächlich in kaufmännischer Hinsicht Hilfestellung und Einweisung gegeben. (Quelle)
Ein teurer Geschäftsführer, der monatelange betriebswirtschaftliche "Hilfestellung" benötigt? Ob es sich demzufolge bei Hannes Napierala wirklich um eine optimale Peraonalentscheidung handelt? Oder haben sich die politischen Geldgeber vielmehr von der Promotionsurkunde des Archäozoologen (sic!) beeindrucken lassen, wie das bei eher schlicht formatierten Gemütern häufig vorkommt?
Übrigens, Napieralas Nachhilfelehrer Schlude, der interessanterweise gleichzeitig Stadtrat von Meßkirch (dem Standort des Campus Galli) ist, soll seine Tätigkeit ebenfalls nicht für einen Apfel und ein Ei erledigt haben, sondern erhielt dem Vernehmen nach ein hübsches, von seinen Freunden im Stadtrat abgenicktes Sümmchen aus dem Topf des Steuerzahlers.

Beim Campus Galli genießt das kluge Haushalten mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen keine übermäßige Priorität. Allzu genau weiß man nämlich, dass es sich die Politik aus Gründen des Machterhalts nicht leisten kann, dem Projekt den Geldhahn zuzudrehen: Ein in Konkurs gehender Campus Galli, in den Millionen an Förderungen gepumpt wurden, würde das lokale Machtgefüge empfindlich verändern. Es handelt sich hierbei also um eine Art Berliner Hauptstadtflughafen in klein. 

Wie konnte es so weit kommen? Nun, der Projekt-Initiator, ein eloquenter Journalist, hielt es offenbar für wichtiger, sich eng mit Politikern und Medienmachern zu verzahnen, anstatt ein tragfähiges Konzept zu entwickeln. Zwei Überlegungen dürften dabei eine Rolle gespielt haben:
1. Die mit dem Campus Galli verbandelten Lokalmedien fungieren als Multiplikatoren - und wie ja bereits eingangs erwähnt wurde, ist der moderne Journalist längst zum Kopisten degeneriert, der nur allzu gerne das abschreibt, was ihm seinesgleichen vorsetzt. Sogar ein Filmemacher wurde geschickt vor den Karren des Projekts gespannt. Nachdem jüngst sein im SWR ausgestrahlter pseudo-dokumentarischer PR-Film über den Campus Galli auf große Zustimmung der politischen Geldgeber des Bauprojekts stieß, darf er sich laut einer Zeitungsmeldung für einen geplanten zweiten Teil auf öffentliche Fördergelder freuen (wes Brot ich ess, des Lied ich sing). 
2. Mit einer wohlgesonnenen Presse im Rücken fällt es dem Campus Galli leichter, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Evident wurde dies zum ersten Mal, als die Besucherzahlen und Einnahmen weit hinter jenen Prognosen zurücklagen, die als Basis für die von der Politik bewilligte Anschubfinanzierung dienten. Südkurier und Schwäbische Zeitung verhielten sich in dieser Situation auffällig handzahm, lediglich vom Bund der Steuerzahler war deutlich formulierte Kritik zu vernehmen, nachdem er sich bei Hiltibold mit Informationen versorgt hatte ;)
Doch die in das Projekt eingebetteten Lokalmedien manipulieren ihre Leser zugunsten des Campus Galli längst nicht nur durch das Verschweigen unbequemer Fakten, sondern behumpsen auch im herkömmlichen Sinn. So hieß es etwa unlängst über die kleine Holzkirche der Möchtegern-Klosterstadt:
"Die ausschließlich mit im neunten Jahrhundert bekannten Methoden erbaute Kirche fasziniert durch die Art ihrer Entstehung [...]." (Quelle)
Diese Behauptung ist schon starker Rauschtrank, denn in den Gebäudefundament stecken Stahlarmierungen, die zweifellos nicht mit den Baumethoden des 9. Jahrhunderts konform gehen (es ist hierbei übrigens nicht von Belang, wenn diese Hinzufügungen vom Campus Galli - wenig glaubwürdig - mit Sicherheitsbedenken begründet werden). Auch wurden zwei Klosterteiche auf dem Gelände - ganz unmittelalterlich - mittels Schaufelbagger ausgehoben. Usw. usf.
Warum deckt die Presse diese Dinge? Nun, für den Campus Galli ist das Herausstreichen möglichst großer Authentizität ein äußerst wichtiger Marketing-Aspekt. Die Haus- und Hof-Schreiber sind sich dessen bewusst und sekundieren daher artig. So ist dann der Hauptkritikpunkt auch nicht unbedingt die mangelnde Authentizität des Projekts, sondern vielmehr seine öffentliche Darstellung, die ganz auf Verschleierung und Beschönigung abzielt. Dinge wie den Einsatz von Baggern und Traktoren gestand man in der Vergangenheit immer erst dann ein, nachdem sie in diesem Blog enthüllt wurden. Daher möchte ich mich auch besonders bei all jenen bedanken, die mir immer wieder die entsprechenden Informationen zukommen lassen. Ohne diese Hilfe wäre meine nun schon drei Jahre andauernde kritische Begleitung des Campus Galli nur sehr eingeschränkt möglich.

Fazit: Es bleibt zu hoffen, dass sich die Öffentlichkeit vom hier geschilderten Filz aus Politik und journalistischem Anzeigen-Prekariat, der sich wie eine Tarnvorrichtung um den Campus Galli gelegt hat, nicht dauerhaft für dumm verkaufen lässt.
Ähnliche, von Medien aus wirtschaftlichem Eigennutz verschwiegene Unwissenschaftlichkeit und Misswirtschaft findet sich freilich bei vielen mit Steuergeld subventionierten Museen und fragwürdigen Vereinen. All das dort versickernde Geld fehlt anderenorts - wie beispielsweise im Bereich der archäologischen Forschung und dem Denkmalschutz. 

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18. November 2013: Geurtens Mund, tut Nonsens kund
15. Jänner 2014: Bund der Steuerzahler kritisiert Campus Galli
22. April 2014: Die  Zahlenmagier vom Campus Galli
29. April 2014: Der Campus Galli - Ein pseudowissenschaftliches Laientheater
02. Juni 2014: Campus Galli: The show must go on!
04. August 2014: Hannes Napierala - Der neue Geschäftsführer des Campus Galli
10. September 2014: Der Campus Galli ist kein wissenschaftliches, sondern ein touristisches Projekt!
12. Dezember 2014: Der Campus Galli und seine Mittelalterversteher - Ein Fass ohne Boden
26. Jänner 2015: Gastbeitrag von Hannes Napierala: Zum Selbstverständnis des Projekts Campus Galli 
30. Jänner 2015: Campus Galli: Nachbetrachtungen und neuer Unsinn von einem alten Bekannten
23. März 2015: Des Klosters neue Kleider - außen hui, innen pfui
12. Oktober 2015: Das potemkinsche Dorf Campus Galli - Ein kritischer Jahresrückblick
25. Oktober 2015: Weltsensation - Campus Galli rekonstruiert mittelalterlichen Traktor!
01. November 2015: Kauf dir ein paar Kritiker: Die fragwürdigen Jobangebote des Campus Galli
10. April 2016: Campus Galli: Offener Brief an den Geschäftsführer Hannes Napierala
28. August 2016: Der Campus Galli - Ein tolldreistes Medienmärchen
20. November 2016: Finanzmarode Mittelalter-Baustelle Campus Galli wird Prognosen wieder nicht erreichen!
19. Mai 2017: Chronik des Campus Galli 2017 - Von "Mohamedanern" und lässig verteiltem Steuergeld

Alle meine Beiträge über den Campus Galli - inkl. der hier nicht gelisteten Kurzmeldungen


Ausgewählte externe Beiträge und Artikel:

Karfunkel: Causa Galli - Was ist los am Bodensee? - OFFLINE
Aachener Zeitung: Dunkle Wolken über der Klosterstadt - Klick mich
Bund der Steuerzahler: Kommt die Kloster-Katastrophe? - OFFLINE
Zollern-Alb-Kurier: Meßkirch muss nachschießen - OFFLINE
Tribur.de (Geschichte und so Zeugs):  Die Akte Campus Galli - Klick mich
Agis kritischer Bildbericht vom Campus Galli: Klick mich
Tribur.de (Geschichte und so Zeugs): Spiegel Geschichte und der Campus Galli - Klick mich
Badische Zeitung: Mittelalter-Stadt "Campus Galli" - Weniger Besucher, mehr Kritik - Klick mich (TIPP)

23 Kommentare

  1. Der Missbrauch des Begriffs "Experimentalarchäologie" kommt leider bei immer mehr Freilichtmuseen vor. Frei erfundenes Marketinggeschwafel wohinn das Auge auch blickt, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu erschummeln. Die Museen sollten sich deshalb gegenseitig mehr auf die Finger schauen. Und wozu gibt es eigentlich die EXARC, wenn selbst die diesem Treiben widerspruchslos zusieht?

    Karl0

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    1. Der Campus Galli ist nicht Mitglied bei der EXARC, trotz entsprechender Willensbekundungen seitens des Geschäftsführers Napierala.
      Punkto Qualitätskontrolle darf man sich von der EXARC ohnehin nicht viel erwarten. Die kochen dort ihr eigenes Süppchen.

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  2. Zu der suggerierten Weitervermittlung von Langzeitarbeitslosen sei festgehalten: Beim Campus Galli ist man offensichtlich nicht in der Lage zwischen Korrelation und Kausalität zu unterscheiden. Galenos M.D.

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  3. Die 1 Euro-Jobs dienen ja eigentlich dazu, Langzeitarbeitslose an den sogenannten ersten Arbeitsmarkt heranzuführen. Hier darf man auch mal fragen, ob dies auf einer Baustelle, die mit seit Jahrhunderten veralteten Methoden arbeitet, überhaupt möglich ist. Klar, die 1 Euro-Jobs dienen nicht nur der rein beruflichen Qualifikation, sondern auch etwa der "Vermittlung eines regulären Arbeitstages", aber trotzdem sollte man gerade bei so einem Projekt durchaus evaluieren, ob die Jobs ihren eigentlichen Zweck erfüllen und ob die dort Tätigen im Anschluss in reguläre Jobs gelangen konnten.

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    1. Bei einer Bewertung sollte nicht die wichtige Frage außer Acht gelassen werden, ob die Angestellten mit 1-Euro-Jobs wirklich aufgrund ihrer Beschäftigung beim Campus Galli im Anschluss einen Arbeitsplatz ergatterten oder ob andere Gründe ausschlaggebend waren. Wie Hiltibold zutreffend geschrieben hat, müsste hier schon ein Zusammenhang belegt werden.

      Ein mit öffentlichen Geldern unterstütztes Projekt, von dem die Betreiber sagen, es würde der Forschung dienen, sollte auch wissenschaftlich in regelmäßigen Abständen einer qualifizierten Bewertung unterzogen werden. Was ich bisher vom Campus Galli gesehen und gelesen habe, sowohl auf deren eigener Website wie auch in anderen Quellen, rechtfertigt nämlich die Bezeichnung Wissenschaft nicht. Von kleinen Teilaspekten abgesehen, handelt es sich meiner Einschätzung nach vor allem um eine unglückliche Mischung aus musealer Pädagogik und Living History.

      Liebe Grüße,
      Britta

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    2. Der Campus Galli hat in den Medien bilslang ja nur von EINEM EINZIGEN "Ein-Euro-Jobber" berichtet, der direkt im Anschluss eine Arbeit gefunden hat. Man konnte aber nicht sagen, ob das neue Beschäftigungsverhältnis überhaupt aus seiner vorherigen Anstellung beim Campus Galli resultierte. Auch sonst hört man zu diesem Thema verdächtig wenig. Man drückt sich richtiggehend davor, Details zu nennen.
      Meiner Ansicht nutzt der Campus Galli die Masse der Langzeitarbeitslosen aus, schiebt sie dann an die Arbeitsagentur zurück und nimmt von dort eine neue Fuhre Hiwis entgegen. Dass es sich anders verhält, hat man bisher noch nicht einmal versucht zu belegen.
      Wären die Projektbetreiber seriös, dann würden sie zu den Zuschüssen der öffentlichen Hand auch die Lohnkosten für die Ein-Euro-Jobs zählen. Das tut man aber nicht, so wie schon die Arbeit in der Tourist-Information nicht verrechnet wird.
      Campus Gall ist ein betriebswirtschaftlicher Albtraum, in den Millionen geknallt werden, ohne dass je eine ordentliche Evaluierung durchgeführt wird. Die Medien halten aber die Klappe, aus den Gründen, die in diesem Blogpost perfekt dargelegt wurden.

      Mr. Frog aus Meßkirch

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  4. Ohne Unterstützung des politisch-medialen Komplexes wäre Kaiserin Merkel zweifellos auch schon längst von der politischen Bildfläche verschwunden. Zu diesem Meinungskartell dazurechnen darf man auch große Teile des Wissenschaftsbetriebes, der sich aufgrund mangelnder Posten häufig in einem Abhängigkeitsverhältnis zur Politik befindet.
    Nehmen wir nur diesen Hannes Napierala, der aus wissenschaftlicher Sicht unethisch handelt, wenn er wider besseren Wissens Musumspädagogik als Experimentalarchäologie anpreist.
    Einzig zu seinen Gunsten könnte man vorbringen, dass viele Menschen sich ähnlich verhalten würden, ginge es um ihren beruflichen und finanziellen Vorteil.

    MfG,
    David Storck

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  5. Hat Campus Galli eigentlich schon irgend ein sinnvolles Experiment mit echtem wissenschaftlichem Wert durchgeführt?

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    1. Ja, einen Glockenguss im Vorjahr. Allerdings ist der missglückt. Die Gussform ist ausgelaufen, weil ein Loch nicht richtig verschlossen war. Das hat der Gießer höchstselbst in einem TV-Interview erklärt.

      Der Geschäftsführer stellt den Vorgang trotzdem als gelungenes Experiment dar; einfach weil ihm aufgrund der beständigen Kritik am Campus Galli gar keine andere Wahl bleibt als sich in Beschönigungen zu ergehen. In Wirklichkeit weiß er natürlich ganz genau, dass die Wiederholung des Gusses in diesem Jahr Ressourcen bindet, die an anderer Stelle fehlen. Es ist eben nicht nur der Mangel an professionellen Arbeitskräften, der den Baufortschritt (auch zu Napieralas eigenem Unmut) bremst, sondern auch deren Unfähigkeit.
      Ein Handwerksmeister, der den Campus Galli besucht hatte, war regelrecht entsetzt darüber, wie dort gearbeitet wird.

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    2. Beim Drechsler konnte ich vergangene Woche sehen, dass einige Werkstücke gerissen waren, da frisch geschlagenes Holz verarbeitet wurde. Auf meine Frage, warum man kein trockenes Holz verwenden würde, hieß es: "Im Mittelalter wurde das Holz auch nicht getrocknet".Schade um die Arbeitszeit - doch die spielt auf dem Campus Galli offensichtlich keine Rolle.
      Insider

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    3. Fachwerk wird mit frischem Holz gemacht, so daß sich das Gebäude beim Trocknen zusammenzieht. Die Risse sind kein Problem. Beim rekonstruierten Globe Theatre in London wurde das auch so gemacht (Information aus einem Vortrag von Peter McCurdy). Soweit ich weiß, wurden auch die einzelnen Teile der Geländer im Globe aus frischem Holz gedrechselt. Man kann also durchaus mit frischem Holz arbeiten, wenn bestimmte Verhaltensweisen gewünscht werden. Man KANN, man MUSS aber nicht.

      - Exilwikingerin -

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  6. Guedelon wurde und wird nicht einmal annähernd so stark von den Medien beworben wie Campus Galli, trotzdem ist es finanziell viel erfolgreicher. Warum?

    Immer wieder hochinteressant ist auch die Beobachtung, wie von solchen insgeheim verstaatlichten Privatvereinene (im Vorstand des Campus Galli sitzen ja, glaube ich, mehrere Politiker) oder den beteiligten Kommunen Gelder an die eigene Klientel verteilt werden. Alles im legalen Rahmen, versteht sich ;-)

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    1. Weil eine steinerne Ritterburg im französischen Burgund spannender ist, als ein paar klösterliche Holzverschläge in der verkehrstechnisch schlecht angebundenen baden-württembergischen Pampa.
      Das versteht nach kurzem Nachdenken jeder, nur nicht die Politeunuchen, die dem Campus Galli das Geld hinterherwerfen.

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  7. Kleiner Hinweis zum Weinen:
    http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/mittelalter-kloster-in-messkirch-14394842.html

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    1. Dieser Artikel stammt von genau der Sorte Lohnschreiber, auf die im Artikel Bezug genommen wurde. Der preist noch das eigene Brett vorm Kopf als Panoramablick.

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    2. Hannes Napierala nörgelt auf der Facebook-Seite von CG ein wenig am FAZ-Artikel herum. Anscheinend hat man ihn wieder einmal nicht ganz richtig verstanden. Der Arme!
      Dabei werden Interviews üblicherweise zur Autorisierung vorgelegt. Zumindest wenn kein enormer Zeitdruck besteht.

      Grüßle,
      Maria

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    3. Der Campus Galli ist bekanntlich eine Geschichte voller Missverständnisse :)

      PS: Einmal posten reicht, dein Beitrag war noch in der Warteschlange ;)

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    4. Würde mich nicht überraschen, wenn der Herr von der FAZ wirklich zu blöd war, sich die vom CG gegebenen Antworten zu merken. Sowas habe ich selber schon bei Reenactment- und Museumsveranstaltungen erlebt. Deshalb rede ich nicht mehr mit Reportern. Jens

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  8. Der Initiator Geurten hat die "Klosterstadt" ursprünglich als "mittelständisches Unternehmen" bezeichnet. Seit wann handelt es sich um einen gemeinnützigen Verein?
    Leser

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    1. Nicht nur Herr Geurten hat von einem Mittelständischen Unternehmen gesprochen, sondern längst auch andere Leute aus dem Umfeld des Campus Galli, wie in der Presse nachzulesen ist.
      Dass hier ein halbkommunaler Tourismusbetrieb durch das Siegel der Gemeinnützigkeit wohl vor allem Steuern sparen möchte, ist kaum von der Hand zu weisen. Diese Masche ist mittlerweile nämlich relativ weit verbreitet.

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  9. 265.000 Euro in nur einem Jahr für den Mittelalterzirkus Campus Galli, da wird einem ja regelrecht schwindlig. Gleichzeitig wandeln in BaWü viele kleine Heimatmuseen, wie das Alamannenmuseum Ellwangen, ständig am Rande des finanziellen Untergangs, weil sie kaum Unterstützung bei der Politik finden.

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  10. Die Schwäbische Zeitung ist keine seriöse Tageszeitung, sondern ein Anzeigenblatt, das der CDU nahe steht. Und wer regiert in Meßkirch und im Landkreis Sigmaringen, wo der Campus Galli zuhause ist? Genau, die CDU.
    Welcher kleine Lokalredakteur, selbst wenn er den Sachverstand besitzen sollte, den Campus Galli kompetent zu beurteilen, traut sich bei dieser Gemengelage schon den Mund aufzumachen?

    Mr. Frog aus Meßkirch

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  11. Was mit kritischen Journalisten die den Mund aufmachen passiert, beim Südkurier, zeigt dieser Fall:

    http://hpd.de/artikel/kritischer-redakteur-beim-suedkurier-kaltgestellt-
    13225

    Wen wundert es da noch, dass über den Campus Galli nur positiv berichtet wird ?

    LG
    Cassandra

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