Samstag, 20. März 2021

Die weiblichen Gladiatoren aus dem intellektuellen Gulag des ORF



Ich kann wirklich nicht sagen, warum ich das ORF-Informationsangebot noch konsumiere. Zu oft haben mich diese journalistischen Kompetenz-Attrapen nämlich schon enttäuscht. Eventuell ist es ja eine verborgene masochistische Ader, die mich dazu veranlasst, den unfähigen Erklärbären aus den Höhlen des Küniglbergs immer und immer wieder mein Ohr zu leihen.

Geradezu ein Paradebeispiel für die bescheidene Qualität des ORF-Programms wurde am 19. März im Nachrichten-Format "Aktuell nach eins" geliefert. "Roms Gladiatorinnen – Superstars der Arena" lautet der Titel einer vom ORF eingekauften TV-Dokumentation, die von den Sendungsverantwortlichen in einem zweieinhalbminüteigen Beitrag beworben wurde. 
Schon die Einleitung der Moderatorin Nadja Mader machte klar, wohin für den Seher die Reise geht. Nämlich ins intellektuelle Gulag zur Indoktrinierung.

Das Frauen für die selbe Leistung oft weniger Gehalt oder Anerkennung bekommen als Männer ist ja bekannt. Und dieses Missverhältnis besteht sei Epochen.

In der Blase des ORF mag das "bekannt" sein. Weniger bekannt sind dort offensichtlich jene unter der Obama-Administration in Auftrag gegebenen Studien, denen zufolge Frauen im Vergleich zu Männern finanziell deshalb in den untersuchten Branchen hinterherhinken, weil sie Fortbildungsangebote in geringerem Ausmaß nutzen, weniger geneigt sind den Wohnort wegen einer besser bezahlten Arbeitsstelle zu wechseln und ganz grundsätzlich mehr Wert auf eine sogenannte 'Work-Life-Balance' legen (was ich im Übrigen für durchaus nicht schlecht halte). 
Gleichzeitig weiß man aus der psychologischen Forschung schon lange, dass Männer zu einem extremeren Verhalten bzw. einer höheren Risikobereitschaft neigen. Nicht nur berüchtigterweise im Straßenverkehr, sondern eben auch im Job. Selbstverständlich wirken sich diese geschlechterspezifischen Neigungen und Verhaltensmuster auf die Bezahlung aus. Trotzdem undifferenziert eine Ungerechtigkeit zu unterstellen, nachdem man zuvor eine Korrelation als Kausalität ausgegeben hat, ist hochgradig unseriös. Der in ideologischen Schubladen denkende ORFler stellt hier einen Pappkameraden auf, nur um ihn selbst umhauen und den Rächer der Enterbten mimen zu können. Diese Art Spiel spielen Demagogen freilich schon eine halbe Ewigkeit lang. Oder um es mit den eigenen Worten des ORF zu sagen: "Seit Epochen."

Blicken wir ins antike Rom, denn dort gab es neben den in vielen Schriften heroisierten Gladiatoren auch Gladiatorinnen. Die waren genauso erfolgreich und mutig wie ihre männlichen Kollegen. Historisch gewürdigt wurden sie so gut wie nicht - bis jetzt. Heute Abend ist ein außergewöhnliches 'Universum History' zu sehen.

"Genauso mutig"? Gut möglich. Aber an einer historischen Würdigung dieser Frauen ist dem ORF sicher nicht gelegen, ebenso wenig an einer seriösen wissenschaftlichen Betrachtung des Themas. Vielmehr möchte man für ein in der Gegenwart beheimatetes Ideologie-Anliegen - Stichwort Third-Wave-Feminismus - Kronzeugen aus der Vergangenheit aufrufen. So wie ja beispielsweise schon Spartacus von Marx vor einen ähnlichen ideologischen Streitwagen gespannt wurde (übrigens, in die legendäre Spartacus-Verfilmung aus dem Jahr 1960 waren nicht zufällig gleich mehrere Kommunisten involviert - angefangen bei Howard Fast, auf dessen Roman der Film basierte, bis hin zum Drehbuchautor Dalton Trumbo; und das alles nur wenige Jahre nachdem Joseph McCarthy angeblich bloß lauter Hirngespinsten in Hollywood hinterhergejagt ist...). Immerhin ist der historische Spartacus tatsächlich von herausragender Bedeutung gewesen, weibliche Gladiatoren waren es hingegen sicher nicht; weder für ihre Zeitgenossen, noch für die heutige Geschichtsforschung. 
Ich möchte diesbezüglich auf mein Interview mit dem bekannten Buchautor, Militärhistoriker und Reenactor Marcus Junkelmann hinweisen. Zum Thema Gladiatorinnen sagte er, dass es sie nur vereinzelt gab und man solche  krassen Ausnahmefälle im Reenactment nicht übergewichten solle, da sich ansonsten ein ganz schiefes Bild ergibt.

Freilich, der ORF und die Doku-Macher entwerfen genau so ein schiefes Bild und behaupten dabei beharrlich, das böse Patriarchat hätte die Existenz von GladiatorInnen gezielt vor der Nachwelt vertuscht (wäre ich für den ORF tätig, dann würde ich den dort so beliebten Begriff "Verschwörungstheorie" zur Umschreibung dieser steilen These verwenden). Doch ist es wirklich die Schuld von garstigen Männern, dass weibliche Gladiatoren in den antiken schriftlichen Quellen so gut wie gar nicht in Erscheinung treten? Schwieg man sie bloß tot, weil sie dazumal nicht dem gängigen Rollenbild der Frauen entsprachen? Nein, die Angelegenheit ist sicher nicht so simpel wie die geschichtswissenschaftlichen Zwutschkerln des ORF dem geneigten Seher gerne weismachen wollen, denn:
1. Es existierte in der Antike der damals allgemein bekannte Amazonen-Mythos, dem man wie vielen Mythen einen gewissen Wahrheitsgehalt zubilligte. Kämpfende Frauen waren den antiken Menschen also durchaus kein völlig fremder Gedanke. Gladiatorinnen standen quasi in der Tradition von Amazonen.
2. Wie verhält es sich - um einen schönen Vergleich zu ziehen - denn heute? Interessiert sich das Publikum mehr für Männer- oder mehr für Frauenfußball? Richtig, Frauenfußball interessiert praktisch kein Aas, während männlichen Fußballern die absurdesten Millionenbeträge nachgeworfen werden. Was nicht verwundert, dürstet es doch den sportbegeisterten Zuseher - egal ob männlichen oder weiblichen(!) - nach körperlichen Topleistungen. Kurz gesagt, man will vor allem die Besten der Besten beim sportlichen Wettkampf beobachten. Diesbezüglich sind nun allerdings Männer meist klar im Vorteil. Ich darf hier exemplarisch darauf hinweisen, dass ein paar 15jährige Buben die weibliche australische Fußballnationalmannschaft mit 7:0 vom Platz geschossen haben. Der menschlichen Natur entsprechend wird es sich im antiken Rom bei den Gladiatorenspielen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ähnlich verhalten haben; will heißen, männliche Kämpfer versprachen aufgrund höherer Leistungsfähigkeit wesentlich bessere Action und waren daher auch beim Publikum deutlich beliebter. 
3. Selbst wenn römische Geschichtsschreiber tatsächlich aus sinisteren Gründen auf Gladiatorinnen 'vergessen' hätten, und das obwohl sie laut ORF doch so beliebt beim Volk gewesen sind, wieso spiegelt sich diese Beleibtheit dann nicht wenigstens in Graffiti, in Mosaiken, auf Öllampen und diversem anderem Nippes wieder - wie das nämlich bei männlichen Gladiatoren massenhaft der Fall ist (Stichwort 'materielle Kultur')? Alleine dieses unbestreitbare Faktum zertrümmert die Behauptung, wonach die weibliche Gladiatur im antiken Rom eine ähnliche Bedeutung wie die männliche besessen haben soll. Ganz im Gegenteil, so einen hanebüchenen Topfen können sich nur intellektuell vernagelte Ideologen ausdenken, die mit der empirischen Wissenschaft generell auf Kriegsfuß stehen. 

Von all dem abgesehen hat man offensichtlich gröbere Schwierigkeiten, die Quellen sinnerfassend zu lesen. Gladiatoren waren nämlich Vollprofis, die ein teures und langes Training durchliefen, bevor sie zum ersten Mal an einem echten, pingelig reglementierten Kampf teilnehmen durften. Aus den wenigen Stellen in antiken Schriften, die gerne als Belege für weibliche Gladiatoren genannt werden, geht allerdings fast nie eindeutig hervor, ob es sich tatsächlich um solche echten Gladiatoren handelte oder man den Frauen einfach nur Waffen in die Hände gedrückt und sie zur allgemeinen Belustigung aufeinander gehetzt hat. So wie ja auch Kriminelle oder gelegentlich (dem Kaiser unliebsame) männliche römische Adelige zum Kampf vor Publikum verdonnert wurden (mitunter taten Adelige es aus gegenseitigem Hass auch freiwillig, obwohl der Gladiatoren- bzw. gladiatorenartige Kampf für einen römischen Bürger als unehrenhaft galt).

Gladiatorenkämpfe, Großevents im antiken Rom. Die blutigen Spektakel unterhalten die dekadente römische Gesellschaft.

Uijegerl, bis zum ORF hat es sich offensichtlich noch nicht durchgesprochen, dass der an die antiken Römer gerichtete Vorwurf der Dekadenz in der Forschung schon lange als überwundenes Klischee gilt. Diese Behauptung bewegt sich auf demselben unwissenschaftlichen Niveau wie jene Unterstellung, der zufolge die Menschen sich im Mittelalter nicht gewaschen hätten (und deshalb auch in etlichen ORF-Dokus gerne mit verdreckten Gesichtern dargestellt werden).

Als ob der ORF seine Seher mit der oben dokumentierten Kaskade aus Nonsens nicht schon genug gepeinigt hat, holt er im Anschluss auch noch Rosa Diketmüller vor die Kamera, ihres Zeichens Gleichbehandlungsbeauftragte des Instituts für Sportwissenschaften in Wien und Expertin für Sexismus im Sport - also eine Ideologin vom Scheitel bis zur Sohle, die auf einem typischen akademischen Versorgungsposten für Feministinnen sitzt (und damit echten Wissenschaftlern die knappen Ressourcen 'stiehlt'). Schaut man sich ihre Vita an, dann stellt sich auch sogleich die Frage, inwiefern sie dazu qualifiziert ist über die Gladiatur zu dozieren. Bezeichnenderweise muss diese Frau während des 'Interviews' mehrmals einen Spickzettel um Rat fragen. Was allerdings nicht verhindern kann, dass sie stalinorgelhaft eine unbelegte Behauptung nach der anderen abfeuert. So hätten Gladiatorinnen im Vergleich zu Gladiatoren zwar auch "toll" gekämpft, bei ihnen wäre aber auch noch eine erotisierende Komponente im Spiel gewesen. 
Woher will sie denn wissen, dass Gladiatorinnen so "toll" wie die Männer kämpften (wir erinnern uns an das Beispiel mit den weiblichen australischen Fußballern)? Aus welchen zeitgenössischen Quellen leitet sie das ab? Und überhaupt, was soll denn "toll" bitteschön für eine objektive, wissenschaftlich überprüfbare Kategorie sein?
Davon abgesehen waren gerade auch männliche Gladiatoren Sexsymbole, an denen sich Römerinnen (und sicher auch einige männliche Römer) gehörig aufgeilten. Das ist aufgrund der reichhaltigen Quellenlage hinlänglich bekannt. In einer pompejanischen Gladiatorenunterkunft fand man sogar die Überreste einer vermutlich bessergestellten Dame. Was die dort wohl 'getrieben' hat? 
Es ist also ein kapitaler Unsinn, hier einen Gegensatz zwischen männlichen und weiblichen Gladiatoren konstruieren zu wollen. Unterstrichen wird dadurch aber das Unwissen dieser vom ORF eingeladenen Auskunftsperson. Ihr inkompetentes, unwissenschaftliches und ideologieschwangeres Gequatsche passt freilich in qualitativer Hinsicht hervorragend zur Sendung insgesamt. 


Eines noch: Wenn man schon Kämpfe mit weiblichen Gladiatoren im Rahmen einer TV-Dokumentation nachstellt, dann bitte wenigstens mit passenderen Darstellerinnen. Statt diesen nudelarmigen Mädels hätte man lieber ein paar Crossfit-Athletinnen in in die entsprechenden Kleider-Rekonstruktionen stecken sollen. Die würden einen weitaus glaubwürdigeren Eindruck hinterlassen (solange man nicht ausgerechnet solche nimmt, die unübersehbar 'stoffen').

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Kommentare:

  1. Servus Hilti!

    Diesen eigenartigen Beitrag habe ich gestern auch gesehen und dachte dabei sofort an dich. :-)
    Wollte dir den Link dazu noch schicken, aber jetzt bist du mir zuvor gekommen.

    Qualitativ besser ist dieser Videobeitrag, ebenfalls von gestern:
    https://tvthek.orf.at/profile/Niederoesterreich-heute/70017/Niederoesterreich-heute/14085865/Roemisches-Grab-auf-Acker-entdeckt/14884373

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    1. Vielen lieben Dank, darauf werde ich in den wöchentlichen Videolinks hinweisen!

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  2. Demnächst klärt uns der ORF vielleicht über die gewaltige Bedeutung von Transgender- bzw. Hermaphrodit-Gladiatoren im alten Rom auf.

    ;o)

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  3. Bezeichnend ist es schon, wenn man für dieses Thema keinen darauf spezialisierten Historiker (gerne auch eine HistorikerIN) befragt, sondern lieber eine Genderbeauftragte ins Studio holt.

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  4. Naja, wenn man sich zu dem Mantra versteigt, dass die Frauen den Männern üblicherweise in allem ebenbürtig sind - also auch körperlich - dann muss klarerweise so eine quarkige These dabei rauskommen, obwohl die archäologische Forschung sie von vornherein ganz widerlegt.
    Feministinnen haben Minderwertigkeitskomplexe, weil sie genau wissen, dass sie als Frauen eben nicht in allen Bereichen mit dem Mann mithalten können. Das überkompensieren sie und treibt sie dazu, blödsinnige Theorien und Wissenschaftslügen in die Welt zu setzen.
    Jeder Vorgebildete, der nicht mit Blindheit geschlagen ist kann so etwas wie das Märchen von der großen Popularität der Frauengladiatur sofort durchschauen. Aber wie beim Kaiser und seinen neuen Kleidern traut sich erst einmal niemand darauf hinzuweisen. Bis auf einen. ;-)

    Gero

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  5. Da muss ich widersprechen, ich mag Frauenfußball, weil dabei auf dem Spielfeld so viele Bälle hüpfen.

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    1. Frauen sehen sich Sportveranstaltungen mit Männern auch nicht nur aus bloßem Sportinteresse an. Da spreche ich durchaus aus persönlicher Erfahrung ;-)

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    2. Den Verdacht habe ich schon immer gehabt :D

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  6. Der radikale Third Wave Feminism ist eine Pervertierung der Frauenrechtsbewegung, er hat sie regelrecht gekapert. Das sieht man nicht nur an solchen noch vergleichsweise harmlosen Versuchen der Geschichtsklitterung, sondern auch zum Bsp. an der menschenverachtenden Forderung nach einem bedingungslosen Abreibungsrecht bis unmittelbar vor der Geburt. Meine Mutter ist als junge Frau in den 1960er und 1970er Jahren für so etwas sicher nicht auf die Straße demonstrieren gegangen. Derya

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  7. Aus statistisch nicht signifikanten Befunden eine Regelhaftigkeit abzuleiten ist extrem unseriös. Ein wissenschaftliches Paper, in dem so gearbeitet wird, würde zerpflückt werden. Aber im Fernsehen kann man es natürlich bringen, werden sich die Verantwortlichen gedacht haben....
    RR

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  8. Dazu passend auch: https://de.wikipedia.org/wiki/The_Battle_of_the_Sexes -- wenn Frauen tatsächlich auch nur annähernd die gleiche Leistung bringen könnten, müsste man nicht eigene Frauenbewerbe veranstalten. Selbst wo es nicht rein um Kraft geht wie in der Formel 1 schaffen sie es nicht. Aber es kann nicht sein, was nicht sein darf

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  9. Mich nerven diese feministischen Gleichmachereien gehörig. Frauen und Männer haben einfach verschiedene Stärken und Schwächen! Beispielsweise sind Frauen im Schnitt(!) empathischer und deshalb in sozialen Berufen stark präsent. Außerdem haben sie mehr Geduld und eine bessere Feinmotorik, weshalb sie z.B. in der Qualitätsprüfung bevorzugt eingesetzt werden. Wenn man sich schon aufregt, dann darüber, dass in solchen Branchen nicht allgemein ein höheres Grundgehalt bezahlt wird, egal ob Männern oder Frauen. Gerade im Sozialbereich wäre das überfällig.


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  10. Wir auch! Wo doch schon die Frau von Aragorn so eine Nintschadingsbumssuperweib war, im Buch allerdings nur in Bruchtal gesessen ist und seine Fahne bestickt hat, hähä... Ich schau mir solche Filme, Serien, aber auch Bücher nicht mehr an, das ist schlicht und ergreifend eine Umdrehung der Realität. Na sicher werden auch die Gladiatorenschulen nach Sex-Sells gearbeitet haben, warum auch nicht? Leute, nackerte Amazonen, hey super! ORF und Konsorten, das sind doch nur politische Meinungsverdreher, das muß man sich nicht antun. Ich habe nur mehr, weil für den Notfall, ein GIS-Radiogenehmigsungdings, das Fernsehen können die sich in die Haare schmieren, wenn ich nur an die seligen Zeiten einer ZIB2 und an Sprecher wie Walter Richrad Langer denke wird mir schlecht. Zuviel Propaganda.

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