Mittwoch, 10. September 2014

Der Campus Galli ist kein wissenschaftliches, sondern ein touristisches Projekt!

Als Bert M. Geurten vor Jahren bei Politik und Bevölkerung um eine kräftige Anschubfinanzierung für den Campus Galli buhlte, wurde von ihm der taktisch geschickte Eindruck erweckt, sein Bauprojekt diene in besonderem Maße dem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn. Kein "Mittelalter-Disneyland" solle entstehen, betonte der sich bildungsbeflissen gebende Geurten, sondern "Experimentelle Archäologie" wolle  man betreiben.
Dank dieser Argumentation wickelte er nicht nur manch einfältigen Lokalpolitiker um den Finger; der gut vernetzte Dampfplauderer schaffte es damit sogar in die Fernsehsendung Planet Wissen, wo er freilich umgehend mit einigen höchst fragwürdigen Bemerkungen - etwa zur Ostung mittelalterlicher Kirchen - für Kopfschütteln und unfreiwillige Lacher sorgte. Dieser Auftritt mit hohem Fremdschämpotential steht bezeichnenderweise in einer langen Reihe ähnlich befremdlicher Wortspenden des Aachener "Möchtegern-Abtes".

Da sich das von Herrn Geurten gezeichnete Bild eines Bauvorhabens mit hohem wissenschaftlichen Anspruch längst nicht mehr aufrecht erhalten lässt, gleichzeitig aber die Unsummen an jährlichen Subventionen nach einer Rechtfertigung schreien, geht die Campus Galli-PR allem Anschein nach zunehmend dazu über, den touristischen Aspekt des hochdefizitären Projekts zu unterstreichen.
Auch der Staatssender SWR passt sich dieser neuen Lesart an und stellte jüngst in einem rührigen Videobeitrag klipp und klar fest, dass der Campus Galli ...
"... kein wissenschaftliches, sondern ein touristisches Projekt ..." 
... sei.

Wenn dem so ist, dann empfiehlt es sich wohl zukünftig auf die Eintrittskarten den Hinweis zu drucken: Achtung, kann Spuren von historischer Authentizität enthalten!  
Doch Spaß beiseite. Diese bemerkenswerte Aussage kann wohl dahingehend gedeutet werden, dass für ein touristisches Projekt nahezu zwingend besonders niedrige Maßstäbe anzusetzen seien und Kritiker deshalb ein, wenn nicht gar alle beide Augen zuzudrücken hätten.
Ganz wohl scheint man sich mit dieser Festlegung - die von anderen Freilichtmuseen ohnehin widerlegt wird - dann allerdings doch nicht zu fühlen, denn es tönt relativierend aus dem Off, man arbeite beim Campus Galli  ...
"... historisch so korrekt wie möglich."
Bei dieser Behauptung handelt es sich um einen ursprünglich von Bert M. Geurten in die Welt gesetzten, leicht zu wiederlegenden Unsinn. Der sendungsverantwortlichen "Qualitätsjournalistin" war jedoch primär daran gelegen, gefühlsduselige Wohlfühlstimmung in die Wohnzimmer des TV-Publikums zu transportieren. Unbequeme Fakten hätten da nur gestört. 
So erfährt der Seher beispielsweise nichts von der hochgradig ahistorischen und völlig überflüssiger Zeltbedachung etlicher Handwerkerbuden, die den unbedarften Besuchern als typisch karolingisches Mittelalter vorgesetzt werden.
Markus von Tribur.de wies in einem anschaulichen Beitrag auf weitere Negativ-Beispiele hin. Besonders abschreckend ist hierbei die an einen Märchenpark erinnernde Beschilderung der Drechslerwerkstatt (siehe obiges Foto). Hält man den Durchschnittsbesucher des "Badischen Geniewinkels" etwa für zu doof, das Offensichtliche auch ohne eine überdimensionierte Hinweistafel zu erkennen? Oder spiegelt dieses Beispiel einfach nur wieder einmal die Gedankenlosigkeit der Verantwortlichen wieder?
Seriösere Besichtigungsbetriebe bzw. Freilichtmuseen - wie etwa der Archäologische Park Carnuntum - verzichten bewusst auf das Anbringen von Schildern an rekonstruierten Gebäuden; besonders dann, wenn - wie in diesem Fall - leicht der falsche Eindruck entstehen könnte, es handle sich um einen historisch belegten Bestandteil der Rekonstruktion.
Derlei qualitätssichernde Maßnahmen scheinen den Verantwortlichen des Campus Galli jedoch fremd zu sein. Abzulesen ist dies auch an dem Umstand, dass auf der Baustelle Personen aus der Mittelaltermarkt-Szene(!) arbeiten, deren selbst mitgebrachte Kleidung und Ausrüstung gewiss nicht in karolingischer Zeit zu verorten ist (Beispiel 1Beispiel 2).

Offensichtlich agiert man aber nicht nur auf der Baustelle nach dem Motto: Was der Besucher nicht weiß, macht ihn nicht heiß. Vielmehr wurde diese geschichtsdidaktische Schludrigkeit jüngst sogar nach Aachen exportiert. Dort fand zum 600-jährigen Jubiläum der gotischen(!) Chorhalle des Doms eine Vorführung alten Bauhandwerks statt. Herrn Geurtens Beziehungen sei Dank, durfte sich daran auch eine kleine Abordnung des im Frühmittelalter(!) angesiedelten Campus Galli beteiligen. Kompetenten Augenzeugen zufolge war diese Darbietung jedoch wenig beeindruckend. So soll etwa eine anwesende Spinnerin beinahe ungeschickt mit ihrer Spindel herumhantiert haben. Pikanterweise handelt es sich ausgerechnet bei dieser Frau um eine Arbeitsanleiterin, die üblicherweise das Personal des Campus Galli "schult" und beaufsichtigt...
Auch die zur Aachener Veranstaltung mitgebrachten Handwerkserzeugnisse der Karolingischen Klosterstadt überzeugen qualitativ kaum: Z.B. wurden die Einzelteile einer Bank an mindestens einer Stelle mit einem Element verbunden, das weniger wie ein für den frühmittelalterlichen Möbelbau typischer Holznagel aussieht, sondern sehr einem Nagel aus Eisen "ähnelt"...
Und welches der von Herrn Geurten so gerne als Rechtfertigung genannten Gesetze verhindert es, dass die kostümierten Angestellten des Campus Galli bei auswärtigen PR-Terminen ein für die Karolingerzeit übliches Schuhwerk tragen? Taugliche Wendeschuhe bekommt man bereits für unter 100 Euro, so dass sich wohl niemand genötigt sehen muss, zur Tunika moderne Turnschuhe anzuziehen. Oder erlaubt es das pompöse Gehalt des Geurten an die Seite gestellten Geschäftsführers nicht, dass Budgetmittel in die Ausstattung des Fußvolks investiert werden?

All diese Beispiele an Schludrigkeit haben wohl herzlich wenig mit jener Behauptung zu tun, der zufolge die Klosterstadt kein wissenschaftliches Projekt sei. Nein, hier geht es schlicht und ergreifend um das Ignorieren der für Living History längst erarbeiteter Konventionen und Mindeststandards.
Der Steuerzahler wird sich im Angesicht der Faktenlage mit dem unschönen Gedanken anzufreunden haben, hier nicht - wie ursprünglich suggeriert wurde - in eine Art Bildungseinrichtung (zwangs-)investiert zu haben, sondern vielmehr in einen touristischen Bespaßungsbetrieb, dessen Personal in Fragen der lebendigen Geschichtsdarstellung jegliche Sensibilität abgeht.

Abschließend einige Bilder von der öffentlichen Vorführung des Campus Galli in Aachen:









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15. Jänner 2014: Bund der Steuerzahler kritisiert Campus Galli
22. April 2014: Die  Zahlenmagier vom Campus Galli
29. April 2014: Der Campus Galli - Ein pseudowissenschaftliches Laientheater
02. Juni 2014: Campus Galli: The show must go on!
04. August 2014: Hannes Napierala - Der neue Geschäftsführer des Campus Galli
10. September 2014: Der Campus Galli ist kein wissenschaftliches, sondern ein touristisches Projekt!
12. Dez. 2014: Der Campus Galli und seine Mittelalterversteher - Ein Fass ohne Boden
26. Jänner 2015: Gastbeitrag von Hannes Napierala: Zum Selbstverständnis des Projekts Campus Galli (Tipp)
30. Jänner 2015: Campus Galli: Nachbetrachtungen und neuer Unsinn von einem alten Bekannten
23. März 2015: Des Klosters neue Kleider - außen hui, innen pfui
12. Oktober 2015: Das potemkinsche Dorf Campus Galli - Ein kritischer Jahresrückblick
25. Oktober 2015: Weltsensation - Campus Galli rekonstruiert mittelalterlichen Traktor!


Externe Beiträge und Artikel:

Karfunkel: Causa Galli - Was ist los am Bodensee? - OFFLINE
Aachener Zeitung: Dunkle Wolken über der Klosterstadt - Klick mich
Bund der Steuerzahler: Kommt die Kloster-Katastrophe? - OFFLINE
Zollern-Alb-Kurier: Meßkirch muss nachschießen - OFFLINE
Tribur.de (Geschichte und so Zeugs):  Die Akte Campus Galli - Klick mich
Agis kritischer Bildbericht vom Campus Galli: Klick mich
Tribur.de (Geschichte und so Zeugs): Spiegel Geschichte und der Campus Galli - Klick mich
Mittelalter-Stadt "Campus Galli" - Weniger Besucher, mehr Kritik: Klick mich

44 Kommentare

  1. Die machen sich wirklich immer wieder aufs Neue zum Narren.
    Bert Geurten begreift aber wahrscheinlich bis heute nicht, was Experimentelle Archäologie tatsächlich ausmacht. Einfach frühmittelalterliche Holzgebäude zu errichten, von denen man schon seit den 60er Jahren weiß, wie der Bau in der Praxis funktioniert, zählt nicht dazu. Wolle spinnen, drechseln und roh zusammengezimmerte Möbel bauen, sind erst recht kein experimentelles Neuland. Besonders dann nicht, wenn man sich dabei ungeschickt anstellt und willkürlich moderne Elemente miteinfließen lässt.
    Bemerkenswert ist ja, dass man sich mit Hannes Napierala einen teuren Doktor als Geschäftsführer geholt hat, der dann aber, zumindest bis jetzt, am Nicht-Konzept Bert Geurtens festhält. Von einer besseren Schulung der Mitarbeiter ist bisher auch nichts bekannt (meine Frau hat immer wieder Kontakt zu Leuten des CG). Mittelalterdokus gucken, so wie der Schindelmacher im Video, wird das Niveau kaum heben.
    Der Korb sieht ja übrigens richtig preisverdächtig aus :-))
    QX

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    1. Ich bezweifel sehr, dass die Schulung in absehbarer Zeit verbessert wird. Vielmehr dürfte es schon als großer Erfolg gewertet werden, wenn man die nächsten 2-3 Jahre finanziell übersteht. Hilfskräfte müssen daher vor allem billig sein. Faktenwissen und Kompetenz sind keine hervorgehobenen Einstellungskriterien, wie etliche Beispiele belgen.

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    2. Bei Napierala scheint sich wieder einmal die alte Spruchweisheit zu bewahrheiten: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Oder sieht jemand eine Qualitätssteigerung? Selbst ich als Laie weiß, dass man im Mittelalter sicher nicht mit Turnschuhen rumgelaufen ist.

      Gruß,
      Mr. Frog aus Meßkirch

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  2. Der Satz von Herrn Napierala, dass man nicht profitorientiert arbeitet, da man ein touristisches Projekt ist, muss man sich schon ein paar mal anhören. Nicht profitorientiert würde auf ein geschichtsnahes Projekt (wissenschaftliches) gut passen. Bei einem touristische ist so ein Satz absurd. Das passt hinten und vorne nicht zusammen. Ich hatte ja noch gehofft, es wird mit ihm anders.

    Und bei einem solchen öffentlichen Auftritt in Aachen nur in Naturleinen, Beinwickel, Holzschuhen und Naalbindingmützchen ist sogar für ein touristisches Projekt blamabel. Sieht aus, als hätte da mal irgendwer irgendwann angefangen karolingische Bekleidung zu nähen und hat dann einfach bei der Unterwäsche aufgehört. Ich dachte noch bei meinem Besuch in Messkirch, das läge nur am heißen Tag.

    Und man darf mich jetzt in der Luft zerreißen, wenn ich sage, dass wir dann in Adventon besser sind. Ich kann zumindest jedem sagen was mit einem Seilzug hoch gewuchtet wurde und wo der Sambron ran musste, weil die Hände nicht da waren. Ich weiß, dass unsre Balken von einem Zimmermann vor Ort gemacht werden. Ich weiß, wie lange man braucht um einen Garten mit der Hand umzugraben. Rum laufen tun wir auch anders. Wir sind halt nur ambitionierte Hobbyisten. Und das alles ohne Steuergelder.

    Ehrlich, mich ärgert das immer noch, da ich dachte Campus Galli müsse einfach besser werden mit diesen vielen Steuergelder im Hintergrund. Das kann es doch einfach nicht gewesen sein. Und es arbeiten ja auch ein paar ambitionierte Handwerker dort. Die haben auch mal anders gestartet und auf die wissenschaftliche Beratung gehofft, damit sie wenigstens nicht so rumlaufen müssen und wissen welche Handwerkstechniken sie für das 9. Jahrhundert anwenden dürfen.


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    1. Hier die offizielle Website für die Veranstaltung in Aachen:
      http://dombauleitung.aachendom.de/aktuell.html
      Gegen die professionellen Handwerker der Dombauhütte dürften die vom CG in der Qualität ziemlich abgefallen sein.

      Was macht eigentlich die CG-Mitarbeiterin auf dem unteren Foto? Kammweben mit zusätzlichem Litzenstab? Das ist leider auch bei höherem Zoomfaktor nicht genau zu erkennen.

      - Exilwikingerin -

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    2. sieht aus wie das Kammwebset, das ich mal auf einer Handarbeitsmesse erworben habe. Verzierter Kamm (Fantasie) mit einem Webschiffchen in der linken Hand

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    3. "Und bei einem solchen öffentlichen Auftritt in Aachen nur in Naturleinen, Beinwickel, Holzschuhen und Naalbindingmützchen ist sogar für ein touristisches Projekt blamabel."

      Nur Teile der Projeltleitung scheinen über eine etwas "elaboriertere" Bekleidung zu verfügen.

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  3. So, um über Dinge zu reden, sollte man sie gesehen haben und die Kritik an dem Projekt hatte für mich gelegentlich schon den Anschein eines Kreuzzuges. Auch wir in Bärnau werden zuweilen (zu Recht und zu Unrecht) kritisiert und es trifft mich immer sehr, denn die Arbeit, die man sich macht ist immens. Also bin ich auf meinem Weg von Guedelon auf dem Campus Galli vorbeigefahren. Den Eingangsbereich und die "wallartigen" Haufen lasse ich mal -im wahrsten Sinne- aussen vor, den Eingangsbereiche sind immer schwierig und teuer und eigentlich auch später immer noch nachzulegen. Ich habe drinnen kein T-shirt unter einer Tunika gesehen. Ich habe freundliche Menschen getroffen, die zuvorkommend mit interessierten Besuchern gesprochen haben. Ich sah mächtige Balken, die von gut gelaunten Männern mit authentischen Äxten zugerichtet wurden und Mörtel, der tatsächlich in karolingischer Manier mit Ziegelmehl rosa eingefäbt war.
    Allerdings habe ich keine Klosterbaustelle gefunden. Da war auch leider kein einziges mittelalterliches Gebäude. Es gibt kein Anzeichen eine karolingische Baustellenorganisation nachzuvollziehen. Da ist keine Fokussierung auf baurelevante Gewerke, keine experimentelle Archäologie und eigentlich nicht einmal living history nach bekannter Definition.
    Gibt es denn da kein Konzept mehr, macht man einfach nur noch vor sich hin?
    Wie kann irgendjemand glauben, mit dieser Arbeitsweise in vertretbarer Zeit relevante Fortschritte zu machen?
    Ich bin einigermaßen ratlos von Laubhütte zu Laubhütte spaziert und fragte mich die ganze Zeit, wie Medienecho und Forendiskussionen mit dieser Realität zusammen passen. Vielleicht kann ja der neue Geschäftsführer das Steuer herumreissen, wer weiß. Über das was ich vorfand, muss ich auf jeden Fall nicht mehr weiter diskutieren.
    Stefan Wolters (Geschichtspark Bärnau-Tachov)

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    1. Als Kreuzzug würde ich die Kritik nicht bezeichnen (auch wenn ich mir bewusst bin, dass dieser Eindruck entstehen kann), sondern als ein beharrliches Gegensteuern. Die Gefahr, dass der Ruf von Living History, nicht zuletzt durch die immense Medienpräsenz des Campus Galli, mittel- bis langfristig in Mitleidenschaft gezogen wird, scheint nämlich recht groß zu sein. Die permanent geäußerte Behauptung des Hauptverantwortlichen, man würde historisch so korrekt wie möglich arbeiten - was nachweislich nicht stimmt - erzeugt beim nicht vorgebildeten Beobachter den Eindruck, als wäre der Campus Galli in Sachen Living History und Experimentalarchäologie das Maß aller Dinge. Das kann doch nicht im Interesse jener sein, die sich ernsthaft mit diesen Dingen beschäftigen, oder?
      Man darf auf jeden Fall gespannt sein, wie sich unter dem neuen Geschäftsführer alles weiter entwickelt. Wunder erwarte ich mir allerdings auch von ihm keines.

      (Dein Beitrag wurde wohl versehentlich doppelt gepostet)

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    2. genau darum geht es. man darf leuten wie diesem unseriösen geurten in fragen der "lebendigen geschichte" keinesfalls die öffentliche "deutungshoheit" überlassen.da muss man hatnäckig dagegen halten und einen langen atem haben. es kann ja nicht sein, dass da einer, nur weil er von ein paar medien hofiert wird, maßstäbe aufstellen und festlegen darf, was an hineingesteckter arbeit bei so einem projekt noch "normal" ist und was bereits an fanatismus gernzt. das ist doch dreist, was der sich ständig erlaubt. und wer hat denn etwas davon, wenn man nur einmal etwas über den campus galli berichtet, dann aber wegschaut? doch nur dieser ungustl mit dem flotten mundwerk. liebe grüße aus graz nach graz,maximilian

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    3. Lieber Stefan,
      so ein bißchen stimme ich Dir zu mit dem Kreuzzug und leider muß ich auch Richard zustimmen: Wenn mir meine Archäo-Stammtisch-Mitorganisatorin und Archäologin sagt, die Klosterbaustelle wäre ein seriöses Projekt, obwohl wir ganz andere Eindrücke haben, u.a. auch von Dir, macht mich das betroffen. Ist es ein seriöes Projekt oder ein touristisches. Bärnau kenne ich gut. Das ist ein seriöses Projekt. Muss ich selbst an den Bodensee fahren, um ein abschließendes Urteil zu erlangen? Im Prinzip vertraue ich Markus und Richard, aber ihr Elan überfordert mich schon etwas.

      Torsten von der Ottenenzeit

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  4. Bei der Betrachtung der Bilder aus Aachen stellt sich mir eine grundsätzliche Frage: wieso zeigt man Kammweben, Spinnen, Korbflechten und Seilerei? Wo sind die Zimmerleute, Steinmetze und Schmiede - quasi die Kernkompetenzen einer jeden mittelalterlichen Bauhütte, und darum ging es ja bei dieser Veranstaltung.

    Die Antwort steckt vermutlich (neben der leichten Transportierbarkeit der gezeigten Gewerke) in den Beobachtungen von Stefan Wolters verborgen...

    Im übrigen stimme ich Hiltibold zu, wenn er schreibt, dass die starke Medienpräsenz des Campus Galli, in Verbindung mit der unkritischen Berichterstattung, eine deutliche Gefahr in sich birgt, das Bild der Geschichtsdarstellung in Deutschland negativ zu beeinflussen.

    Eine kritische Auseinandersetzung scheint mir deshalb weiterhin geboten. Auch wenn's wehtut.

    Grüezi, Rudi

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    1. Rudi, die von dir genannten Handwerker waren vor Ort – moderne Fachbetriebe, die ihr echtes, ehrliches Handwerk vorführten, ohne pseudomittelalterlichen Anstrich (was auch nicht nötig ist, da die grundlegenden Techniken sich nicht geändert haben).
      Die Chorhalle feiert übrigens 600 Jahre Fertigstellung, wogegen die Klosterbaustelle vor 1200 Jahren spielen soll – was den Auftritt dort umso lächerlicher macht.
      - Fränkin -

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  5. Wozu einen vergleichsweise hochbezahlten (und fachfremden!!!) Wissenschaftler als Geschäftsführer, wenn die Damen und Herren der Klosterstadt doch eh nur ein Tourismusprojekt betreiben wollen? Warum dann bitteschön keinen erfahrenen Touristiker, der schon einige Jahre Berufserfahrung in dem Bereich vorweisen kann?
    Die Argumentation für die Personalie Napierala ist nicht gerade stringent.

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  6. Herr Geurten hat sich nie dafür interessiert, wie Living History oder Experimentelle Archäologie funktioniert. Das hat er ja auch mit seinen abfälligen Bemerkungen über "Freaks" und "Fanatiker" gezeigt - andere würden diese Personen als "Profis" oder "erfahrene, engagierte Menschen" bezeichnen. Da er wenig von dem Thema weiß, weiß er auch nicht, wie wenig er weiß (Dunning-Kruger-Effekt). Ahnungslosigkeit bei gleichzeitiger Arroganz.
    Fachleute könnten das schmeichelnde Selbstbild zerplatzen lassen wie eine Seifenblase. Ein ausgebildeter Tourismusexperte (Fremdenverkehrskaufmann oder Fremdenverkehrsgeograph) würde genauso stören wie ein Experimentalarchäologe oder ein Handwerksmeister.

    - Exilwikingerin -

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    1. Exilwikingerin,

      dem Herrn G. wurde jahrelang erklärt, was gute Living History ausmacht, man hat ihn mit Quellenbefunden zugeschmissen, ihm alles über die Qualifizierung der Mitarbeiter erzählt – und er hat es in seiner unendlichen Weisheit ignoriert.

      Es mag tatsächlich so sein, daß die Quelle der ordentlichen Bekleidung mittendrin versiegte – um nicht zu sagen sich zurückzog…

      - Fränkin -

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  7. Fränkin diese Ausrede sollte nicht gelten. Das erste Jahrbuch mit dem Titel "Chronik Karolingische Klosterstadt: Dokumentation einer Zeitreise auf dem Campus Galli" hat einen guten Aufsatz plus Quellenangaben für eine gute Bekleidung drinnen. Da kann sogar ich was damit anfangen, obwohl es nicht meine Zeit ist.

    Man könnte, wenn man wollte. Auch wenn sich jemand aus gutem Grund zurückzog.

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    1. Da stimme ich dir voll zu! Man will halt nicht :-(
      - Fränkin -

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  8. Mir macht es Sorgen, daß jetzt viele Leute Living History / Reenactment / Experimentelle Archäologie mit einer Frau im Hemd und mit Turnschuhen, dafür aber ohne Oberkleid, Gürtel und Kopftuch, in Verbindung bringen, die nicht besonders geschickt mit einer Spindel hantiert. Der Besucher weiß dann nicht mehr wertzuschätzen, wenn ein Darsteller seine Gewandung sorgfältig recherchiert hat und sein Demo-Handwerk jahrelang gelernt und geübt hat oder wenn ein Experimentalarchäologe etwas sorgfältig unter kontrollierten Bedingungen getestet und dokumentiert hat. Er meint dann, daß das doch jeder kann. So wird die Leistung derjenigen entwertet, die ernsthaft arbeiten.

    - Exilwikingerin -

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    1. < sarcasm > Wenn Mann/Frau den Gürtel weg lässt und auf einen Nachthemd-Look setzt, dann hat das vielleicht tiefere Gründe? Zb.B um überflüssige Pfunde zu kaschieren.
      Zumindest kommt bei dem Bild mit der Spinnerin dieser Verdacht auf. < /sarcasm >
      QX

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  9. Den Ehrgeiz echte Wissenschaft zu betreiben, wird man denen ohnehin schon lange nicht mehr unterstellen können. Der entsprechende Disclaimer vom Campus Galli wirkt deshalb wie ein schlechtes Ablenkungsmanöver.
    Auch ein Lehrer betreibt keine Wissenschaft, muss sich aber an wissenschaftliche Erkenntnisse und didaktische Spielregeln halten. Die Angestellten des Campus Galli finden sich in einer ähnlich verantwortungsvollen Position wieder und sind es den Besuchern schuldig, Living-History-Standards zu beachten. Umso mehr, da dieses Projekt von der öffentlichen Hand finanziert wurde und wird.

    Ich bin außerdem erstaunt, dass man mit dieser durch und durch tristen Kleidung bei einem öffentlichen Termin erscheint. Das widerspricht nicht nur der Quellenlage von einem bunten Mittelalter, sondern man "teasert" das Publikum mit so einem Auftritt auch bestimmt nicht an, damit es persönlich nach Meßkirch fährt um sich die Baustelle anzusehen.
    Der Seildreher trägt auf dem Foto außerdem völlig zerrissene Socken. Das macht auch nicht gerade einen guten Eindruck, ist aber ein weiteres Beispiel für die Unordentlichkeit, mit der da leider gearbeitet wird *kopfschüttel*

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  10. Hallo,
    um Ausreden ist man jedenfalls nicht verlegen, wie man an den Kommentaren auf der FB-Seite des Campus Galli sieht: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.723271677719731.1073741838.151785991534972&type=1
    Dass die steinernen Fundamente der Holzkirch nicht nur viel zu mächtig , sondern für eine Übergangskirche auch gar nicht belegt sind, gesteht man sogar ein. Doch es muss angeblich wegen den Bauvorschriften so sein. Da sag ich nur, das nehme ich denen sicher nicht ab, weil z.b. beim nahe gelegenen Pfahlbaumuseum von Unteruhldingen hat man sogar direkt in den weichen Seegrund gebaut, ohne, dass die Bauaufsicht Amok gelaufen wäre. Bei Youtube gibt es sogar irgendwo ein Video, das den Bau so eines Hauses zeigt. Ganz ohne Mörtel.
    mfG
    Der Agilulf

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    1. Das besagte Filmchen vom Pfahlbaumuseum Unteruhldingen (ich glaube aus der Reihe "Lach- und Sachgeschichten") hatte ich hier sogar schon einmal verlinkt ;)

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    2. also ich habe ja den Bauantrag für die Holzkirche nicht gesehen, kann aber schon die offizielle Begründung nachvollziehen. Es kommt darauf an, für was du einen Bauantrag stellst. Sobald es ein Gebäude ist in der viele Leute gleichzeitig mal rein sollen (Vorträge, Lesungen, Andachten) , hat man andere Bauvorschriften, wie in einem sog. Wohngebäude in einem Museum, in dem man nur einzeln mal rein guckt.

      Für näheres vielleicht auch mal einen Verantwortlichen eines anderen ähnlichen Projektes fragen, wobei man sein Kniffe ja nicht offen legen muss

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    3. Nachtrag: So gehts zum Hausbauvideo (ganz unten)
      http://hiltibold.blogspot.com/2013/11/videos-ironclad-kritik-teil-4-und-5.html
      Ich nehme an, dass du das gemeint hast.

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    4. Hi Doro, es ist immer auch vom Geschick des Architekten abhängig, ob ein eingereichter Plan bewilligt wird. Die Architektin des Campus Galli hat jedoch keine Erfahrung mit der Rekonstruktion frühmittelalterlicher Gebäude. Ja, man weiß als Außenstehender nicht einmal, wie die Pläne und Anträge ausgesehen haben bzw. formuliert wurden, da keine entsprechende Dokumentation veröffentlicht wird. Das ist unseriös. Auf irgendwelche Aussagen bei Facebook ist kein Verlass. Was soll an dieser Vorgehensweise experimentelle Archäologie sein, wie immer behauptet wird? Die bauen eine Kulisse, mehr nicht. Gut möglich, dass man sogar in vorauseilendem Gehorsam auf das Einreichen einer Planungsvariante ohne Steinfundamente verzichtet hat. Im Übrigen hätten diese Fragen lange vor Baubeginn abgeklärt werden müssen, ganz ohne Zeitdruck, so dass auch Einsprüche zu keinen unzumutbaren Bauverzögerungen geführt hätten. Aber diese Chaoten warten ja immer bis auf den letzten Drücker. Wie schon Stefan Wolters oben geschrieben hat, es gibt kein echtes Konzept, sondern man werkelt einfach so vor sich hin und stolpert von einem Vorhaben ins nächste.
      QX

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    5. Es ist eine Ausrede. Beispielsweise wurde beim frühmittelalterlichen Bajuwarenhof Kirchheim die Pfostenbauweise verwendet, also ganz ohne Mörtelfundamente wie beim Campus Galli. Die Gebäude können trotzdem von Besuchern begangen werden. Die üblichen Restrisiken deckt die Haftpflichtversicherung, wie man mir auf eine Anfrage mitteilte.
      Das mächtige Steinfundament der hölzernen Übergangskirche des Campus Galli bleibt daher ziemlich sinnlos.
      mfG
      Der Agilulf

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    6. Im Museumsdorf Düppel (Berlin) stehen auch Pfostenbauten, wenn ich mich recht erinnere.
      Hier wäre im CG Transparenz notwendig, also eine Veröffentlichung der Pläne mitsamt Quellenverweisen ("ich hab mir das mal so ausgedacht" ist keine Quelle), so daß der zugrundeliegende Entscheidungsprozeß nachvollzogen werden kann.

      - Exilwikingerin -

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  11. Interessant wie sich da teilweise unter der Gürtellinie über ein Projekt ausgelassen wird, das ja alle so furchtbar finden, aber dennoch anscheinend unglaublich viel Gesprächsstoff bietet. Die ach so besserwisserischen Besucher dieser Seite scheinen sich ja alle schön einig zu sein.
    Besonderns Hiltibold heizt mit seinem zynischen Unterton die Stimmung richtig an, was nur auf eine grosses Mass an Neid oder eine tiefe Kränkung schliessen lässt. Finde ich äusserst armselig, sich auf ein solches Niveau herunterzulassen und Menschen persönlich zu beleidigen!
    Kritik sei ja erlaubt, aber bitte sachlich, dann ist es auch glaubwürdiger.

    von eine Besucherin mit humanen Ansichten und gesundem Menschenverstand, der die Würde des Menschen noch etwas wert ist

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    1. Deine Kritik an meinem Schreibstil und den Leserkommentaren nehme ich zur Kenntnis.
      Solltest du darüber hinaus an einer ernsthaften Diskussion Interesse haben, so darfst du gerne versuchen, die hier konkret geäußerten Kritikpunkte anhand von Fakten zu widerlegen.

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  12. Hallo zusammen!
    Die Idee ist wirklich gut, das muss man dem Erfinder schon lassen. Die Verwirklichung ist natürlich ein wenig ungeschickt. Es wirkt alles auch im zweiten Jahr noch immer irgendwie improvisiert, unausgegoren und nicht sehr aufregend.
    Wir waren selbst bei dieser Vorführung in Aachen , haben uns aber nicht lange dort aufgehalten, weil sozusagen gleich um die Ecke Professionelleres gezeigt wurde. Beim Campus Galli arbeiten ja glaube ich hauptsächlich angelernte Hilfskräfte. Ich denke, die, die da in Aachen mit waren, gehören zu dieser großen Gruppe. Einen echten Handwerker, zb einen Schmied oder so, habe ich jedenfalls nicht gesehen.
    Brettchenweben und Wolle spinnne ist ja ganz nett, aber weil man das sieht soll man begeistert nach Südbaden fahren? Das mag ja für die Menschen aus der direkten Umgebung noch angehen, aber ich würde deshalb ehrlich gesagt nicht Hunderte Kilometer reisen.
    In einem Fernsehbericht über den Campus Galli hat man vor allem viel Wald gesehen, dazwischen ein paar Unterstände, eine Art Freiluft-Pub und das war es. Die Internetseite des Projekts ist auch nicht sehr hilfreich, wenn man sich über den Baufortschritt oder die geplanten Gebäude erkundigen möchte. Bei Guedelon sieht man wenigstens grob, was man bei einem Besuch dann im Detail bestaunen kann.
    Vielleicht kann man sich beim Capmus Galli ja keine färbige Wollkleidung für alle Arbeiter und Handwerkerinnen leisten und muss sich deshalb so mausgrau kleiden? Ok, aber das auch noch mit moderner Kleidung mischen ist sicher keine brauchbare Option. Da wäre es besser, in Straßenkleidung oder im Blaumann vor das Publikum zu treten. Bei anderen Handwerksvorführungen beim Aachener Dom wurde das so gemacht.
    Aber vielleicht wird das ja irgendwann auch in Südbaden noch etwas. Ich hoffe es zumindest.
    Mirko

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    1. Du hast völlig recht: Besser ein Blaumann oder Straßenkleidung, als eine Mischmasch aus historischen Rekonstruktionen und modernen Kleidungsstücken.

      Ich könnte mir vorstellen, dass der neue Geschäftsführer zu einer konkreten Verbesserung der Situation beiträgt. In einem Jahr wissen wir mehr.

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  13. Ratefuchs "Smudo" hat in der SWR Sendung "Sag die Wahrheit" !, Bert M. Geurten ?
    als (Zitat; "Scherzkeks aus dem Weinkeller" bezeichnet. In einer Glosse der Schwäbischen Zeitung meinte der Verfasser, (Zitat ; Geurten würde einen hervorragenden Bruder Tuck (aus Robin Hood) abgeben der seine Männer mit reichlich Alkohol versorgt und stets einen guten Spruch parat hat.
    Treffender als diese zwei Aussagen kann man das ganze Pseudotheater wohl nicht beschreiben.
    Wie sonst lässt sich erklären wie dieser Herr mit seiner Vernebelungstaktik die Lokalpolitik bei Stange hält und weiterhin hunderttausende Euronen an Zuschüssen und Steuergeldern erhält.
    Zwischenzeitlich werden von Ihm sogar, stetig nach unten revidierte Besucherzahlen von derzeit ca. 25.000 (ehemals über 120.000) im Jahr als voller Erfolg propagandiert und gefeiert.
    Was anfänglich angepriesen und versprochen wurde, wie z. B " historische Bauweise, Living Historie usw. mutiert nun zu einem neuzeitlichen Märchenpark. Jeder der auch einen kleinen Schimmer von Betriebswirtschaft besitzt, kann sich ausrechnen das diese Besucherzahlen auch nicht einmal ansatzweise ausreichen, um Löhne und sonstige Betriebskosten zu bezahlen.
    Welche finanziellen Mittel (und das werden sehr wahrscheinlich Millionen sein ) stehen hier eigentlich
    dann für den Bau der Klosterstadt zur Verfügung ?
    Transparenz währe hinsichtlich der vielen Zuschüsse und vor allem unser aller Steuergeld angebracht. Die Realität sieht hier aber ganz anders aus, Verschleierung und Politik hinter verschlossenen Türen ist an der Tagesordnung. Das Stinkt zum Himmel und die Bürger können nur hoffen das die neu gewählte Landrätin ein sehr kritisches Auge auf diese Sache hat.
    der letzte Krieger

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    1. Bei Smudos Bemerkung konnte ich mir ein Lächeln nicht verkneifen, wobei mir zwar der Kommentar aus der Schwäbischen Zeitung nicht bekannt war, aber eine ähnlich lautende Bemerkung aus dem Meßkircher Narrenblatt :)

      Die für das vierte (mittlerweile wohl erst das fünfte) Jahr prognostizierten schwarzen Zahlen wird man aus heutiger Sicht mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erreichen können. Selbst wenn das Projekt inhaltlich bzw. wisssenschaftlich wie eine Eins dastehen würde. Dazu liegt die Anlage einfach viel zu weit abseits größerer Ballungszentren. Aber der "Initiator" musste ja einst froh sein, dass er überhaupt einen Platz findet, wo man ihm seinen Traum bezahlt.

      Der neue Geschäftsführer scheint wirklich bemüht zu sein, eine inhaltliche Verbesserung herbeizuführen. Mit dem Aachener im Hintergrund bzw. medialen Vordergrund, dürfte das allerdings eine echte Herausforderung werden...

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  14. Weil ich im Urlaub in der Gegend war und zugegeben sehr sehr neugierig darauf, wie das Projekt sich machen würde, war ich gestern auch einmal vor Ort.

    Vorneweg: Geschichtswissenschaftlich gesehen habe ich mir nichts erwartet und ich wurde hierbei leider auch nicht positiv überrascht, aber ich sehe ein, dass ich hier vielleicht auch Spezialinteressen habe, die meine Einschätzung der Leistung beeinträchtigen. Zudem ist das Thema denke ich mittlerweile mehr als ausreichend besprochen. Kleidung, Werkzeug, Bauweise der Handwerksstationen, zahlreiche Anachronismen etc, das alles passt nicht und hat im Sinne der Forschaung auch keinen Nutzen, das ist aber auch bekannt.

    Ich würde als Touristikerin gerne heute etwas mehr über den hier schon angesprochenen touristischen Wert des Ganzen sprechen.

    1. Nutzen für die Gemeinde: Aufgrund der weit außerhalb liegenden Baufläche leider vermutlich so gut wie null, das Projekt kann in einer Tagesfahrt von der touristisch interessanteren Gegenden am Bodensee erreicht werden und zumindest wir hatten hier kein Bedürfnis, die Gegebenheiten der Stadt davor oder danach zu nutzen und haben die Stadt nur kurz mit dem Auto am Rand durchquert.
    Nett finde ich da das Gutscheinheft für diverse Betriebe der Gegend, gerade für Bustouristen aber eher uninteressant.

    2.) Besucher: schienen ausreichend da zu sein. Wir kamen gegen Mittag an und trafen 2 Busse so wie gute 2 Dutzend Autos an, nicht zu wenig für einen Wochenendtag im Herbst.

    3.) Der Rundweg: Fand ich ok und nicht zu lang, eigentlich ganz netter Spaziergang, bei dem man die frische Luft genießen kann und die Natur ind er Umgebung erfahren, gut, dass es historisch Blödsinn ist, ist bekannt, aber museumspädagogisch gesehen nicht die schlechteste Idee.

    4). Die Stationen: In 2 Stunden unserer Anwesenheit haben wir leider nur 4 besetzte Stationen/Schauplätze/Themenstandpunkten (von 14 von mir gezählten) vorgefunden, davon war eine die Kirchen-Baustelle am Marktplatz. Scheinbar war grad Mittagszeit (wobei ich 2 Stunden, die wir da waren und niemand antrafen schon echt viel finde für eine Mittagspause). Meine Anregung hier wäre, dass sich die Mitarbeiter aufteilen zum Mittagessen, das geht in jedem anderen Betrieb auch so und es kann echt nicht sein, dass Besucher in einer touristischen Attraktion kaum einen Mitarbeiter antreffen. Das ist eine Frage, die das Management beaufsichtigen muss, das geht einfach so nicht.
    Die Mitarbeiter, die wir antrafen waren leider sehr einsilbig, obwohl andere Besucher neben uns durchaus das Gespräch suchten und fragten. Hier fehlt mir eindeutig der Servicegedanke bei den Mitarbeitern. Und ja, dazu kann man Mitarbeiter erziehen.
    Was ich verstehen kann ist, dass eventuell nach 30 000 Besuchern auch mal die Lust am Erklären weg ist (obwohl ich das aus meinem Metier nicht kenne, Freundlichkeit und ein Lächeln ist eine Grundvorraussetzung für meine Tätigkeit im Tourismus) und dass man sich auch auf das Weitergehen der Arbeit konzentrieren muss. Dann wäre aber hier auch ein anderes Konzept gefragt, wie zB erklärende Tafeln, ein Audioguide oder eine verpflichtende Führung, wie man sie zB in Friesach anbietet. Immerhin soll das Konzept der Baustelle sein, dass Leute wiederkommen. Ich würde hier nicht wiederkommen, wenn einfach nix los ist. Auf sich alleine gestellt kann der Besucher nämlich nicht viel mitbekommen, eine rumliegende Spindel oder ein leerer Schmelztiegel sagt dem unerfahrenen Laien gar nichts.

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  15. Und ich akzeptiere hier nicht den an anderer Stelle schon angebrachten "hilfreichen" Hinweis, man solle doch eine Führung dazu buchen. Ich zahle bereits Eintritt in die Baustelle und erwarte hier als Besucher, wenn der Unternehmer den Allein-Besuch anbietet, auch etwas geboten zu bekommen für dieses Geld und da ist durchgehen und Werkzeug anschauen meines Erachtens nach nicht genug. Wenn man für die 9 EUR noch nichts bieten kann, was den Besucher interessiert oder begeistert, sollte man den alleinigen Eintritt nicht anbieten. Zudem kann das der Besucher ja auch erst wissen, dass er eine Führung möchte, wenn er schon drin und durch das Angebot durch ist.

    Eine Beschilderung fände ich zudem praktisch für Stationen, die aus arbeitsorganisatorischen Gründen zeitweise nicht besetzt sind und wo wir zB nicht wussten, was hier genau gemacht wird und wofür.

    5.) Die Felder: großartig fände ich auch hier eine Beschilderung, einiges konnte ich identifizieren, aber ich denke, das kann auch den Durchschnittsbesucher interessieren, was hier angebaut wird, da gerade die mittelalterliche Essenskultur nach meiner Erfahrung als Reenactor bei Besuchern viel Interesse hervorruft, weil sie hier viele Parallelen ins eigene Alltagsleben finden können.

    6.) Kleine Anregung eventuell: Meiner Meinung nach würde dem touristischen wie auch museumspädagogischen Nutzen kein Abbruch getan, wenn die Stationen mit mordernen Einrichtungen gesichert würden, die langsam vergammelnden weißen Planen, Holzbalken- und Erdgedeckte Dächer oder irgendwelche anderen Provisorien sind weder Fisch noch Fleisch, sie leisten zum Eindruck des historischen Geschehens gar nichts und sehen einfach nur schlampig, unprofessionell und unliebevoll aus. Wenn also nicht angedacht ist, in näherer Zukunft historisch passende Behausungen bzw Arbeitsplätze für die Mitarbeiter und ihre Handwerke zu errichten, könnte man sich überlegen, ordentlich gebaute moderne Stationen einzurichten mit entsprechenden Metalldächern und stabilen Wänden sowie Präsentationsflächen, in denen die Mitarbeiter gut arbeiten können und den Elementen nicht so ausgesetzt sind.

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  16. Agi - Dein Bericht und Deine Fotos machen mich traurig, weil alles doch arg lieblos aussieht.
    Ich denke, die Hütten sollen Mittelalter-Flair verbreiten, auch wenn wahrscheinlich kein Besucher wirklich versteht, warum ein Handwerker einsam unter einer Zeltplane im Wald sitzt.
    Was mich beim Lesen der Besuchsberichte verwirrt: Es scheinen einige Besucher freundliche Handwerker angetroffen zu haben, die gerne Auskunft gaben. Andere Besucher trafen keine Handwerker oder solche, die nur unwillig mit den Besuchern redeten. Liegt das an der Tagesform oder sind einige Mitarbeiter einfach nicht entsprechend geschult worden?

    - Exilwikingerin -

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    1. In der Tat hatte ich im Vorhinein bereits gehört, dass es mit der Kommunikation zwischen den Mitarbeitern und den Gästen nicht so klappt.
      Nun ist Serviceorientierung und Kommunikation keine Gottesgabe und kann trainiert werden, allerdings stellt sich doch auch zur Verteidigung der Angestellten die Frage, ob sie es sich zeitlich leisten können auf alle Besucher so einzugehen, wie man es zB bei einmaligen Veranstaltungen mit Displaycharakter kann.
      Immerhin können sie nicht den ganzen Tag plaudern sondern sollen in 30 Jahren eine kleine Stadt fertig gebaut haben.
      Darum ja mein Vorschlag, das Reden anderen zu überlassen. Ich war bereits auf der Burgbaustelle Friesach, wo uns ein Student der in Kooperation mit der Baustelle stehenden Universität Klagenfurt herumführte und alles erklärte, sowohl zu Techniken als auch Hintergründen. Und das hat super geklappt. Er konnte sogar auf fachspezifische Fragen von uns eingehen, die ein Laie sicher nie gestellt hätte :-)
      Dort hat man 4 mal täglich eine Führung eingebaut, die der Besucher verpflichtend nehmen muss (alle 2 Stunden).

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  17. Also ich denke dass die die sich hier auslassenden Personen einfach freiwillig dort ihrem Hobby nachgehen könnten. Evtl auch Spenden sammeln , sich mit dem wissenschaftliche Rat de CG zusammensetzen und mit ihren in den Jahren und Jahrzenten erworbenen Fähigkeiten dem CG helfen könnten. Da ja 30 Gesellen a) problemlos zu haben sind und b) für das Geld dort arbeiten würden , wie auch etliche Baumeister und Mönche und 15 Stunden arbeitende Kinder und Helfer an 6 Wochentagen ohne Besucher , aber dafür Schlägen und in einer Aus....... denkt euch den Rest LG Nörgler

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    1. Ratschläge muss man auch annehmen. Geurten lehnt hingegen die Zusammenarbeit mit erfahrenen Leuten aus der Living History Szene ab. Für den sind wir realitätsferne "Mittelalterfreaks", wie er bei mehreren Gelegenheiten klargestellt hat.
      Im Übrigen möchte ich persönlich mit diesem Mann keinen Umgang pflegen. Die eine Begegnung vor ein paar Jahren reicht mir für das ganze Leben.

      Grüßle,
      Maria

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    2. An Maria: Was ist denn da passiert vor ein paar Jahren?
      LG
      Waltraud

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  18. Also nachdem die Medien nur Positives über CG berichten, scheinen die Kritiker verstummt zu sein...
    Waltraud

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    1. In der Tat "scheint" das nur so, denn es wird auch an weniger prominenter Stelle diskutiert:

      http://hiltibold.blogspot.com/2014/09/krimskrams-am-freitag-ein-bildbericht.html
      http://hiltibold.blogspot.com/2014/10/krimskrams-am-freitag-teures-eibenholz.html

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    2. "Also nachdem die Medien nur Positives über CG berichten, scheinen die Kritiker verstummt zu sein..."

      Die Medien dürfen doch gar nichts negatives über den CG berichten! Ich frage mich beispielsweise, wie es sein konnte, dass aus 2500 Besuchern am Sommerfest ziemlich genau 1000 (!) weniger am Herbsfest geworden sind. ( Quelle Bericht Südkurier). Da war die Mund-zu Mund Propaganda wohl nicht so erfolgreich...

      LG Cassandra

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