Montag, 27. Mai 2013

Ein aktueller Pressespiegel zum Projekt Campus Galli

In chronologisch aufsteigender Reihenfolge, sollen hier aktuelle Pressemeldungen zum Projekt Campus Galli sinngemäß wiedergeben und kurz kommentiert werden. Zu beachten ist wie immer, dass beispielsweise der Südkurier offizieller Kooperationspartner von Campus Galli ist.

22.05.2013 - Südkurier
In diesem Artikel werden unter anderem Herrn Geurtens Erklärungsversuche bezüglich gewisser stählerner Wagenachsen wiedergekäut. Hätte der verantwortliche Journalist die in seiner Zeitung veröffentlichten Leserbriefe studiert, dann hätte er sich solcherlei Fleißarbeit freilich sparen können (siehe dazu das Update am Ende --> dieses Blogbeitrags).
Kein Wort findet sich beim Südkurier zu dem wiederholt geäußerten Vorwurf, dass auf der Homepage von Campus Galli auch weiterhin kategorisch formulierte, jedoch völlig tatsachenwidrige Behauptungen aufgestellt werden (z.B. Alle(!) Baumaterialien, Stein, Lehm und Holz, werden direkt auf der Baustelle gewonnen).

22.05.2013 - Schwäbische Zeitung
"Beirat trifft sich viel zu spät"
Auf Schwaebische.de, äußerte sich eine Journalistin ausnahmsweise kritisch zum gegenständlichen Streitthema. Sie gelangte zu der Erkenntnis, dass die Karolingische Klosterstadt wohl in erster Linie eine touristische Chance sei, weniger eine wissenschaftliche. Zwar werde Campus Galli wissenschaftlich begleitet, allerdings würden sich die Wissenschaftler des Beirates bisher noch nicht einmal persönlich kennen. Demnach könnte es sich bei dem ganzen Projekt durchaus um eine Mogelpackung handeln, der man lediglich einen wissenschaftlichen Anstrich verpasst habe. Herrn Geurtens Hoffnungen, Campus Galli könne eine wichtige wissenschaftliche Quelle für Bachelor- und Doktorarbeiten sein, sei im Angesicht all dessen in Frage zu stellen.
Gerne hätte ich übrigens direkt auf diesen Kommentar verlinkt, allerdings wurde er (obwohl auch in der gedruckten Ausgabe der Zeitung veröffentlicht) eiligst wieder aus dem Netz entfernt... Bekam da jemand Angst vor der eigenen Courage? Oder wurde hier gar interveniert? 

23.05.2013 - Regio-tv.de
"Mittelalterexperte kehrt Klosterstadt den Rücken zu"
Ein Video-Bericht zum Rücktritt von Andreas Sturm, für den interessante Archivaufnahmen der Klosterbaustelle aus dem Vorjahr verwendet wurden. Der Kenner kann hier gleich mehrere unnötige Anachronismen erkennen...

23. 05.2013 - Schwäbische Zeitung
Neben dem Living-History-Fachmannn Andreas Sturm, soll sich - laut Informationen der Schwäbischen Zeitung - nun auch ein namentlich bisher nicht bekanntes Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates frustriert vom Projekt Campus Galli zurückgezogen haben.
Christian Koepfer, ebenfalls Beiratsmitglied, befürchtet, dass sich die Verantwortlichen bei der Projektvorbereitung bezüglich der Wissenschaftlichkeit zu wenige Gedanken gemacht haben. (Bei Youtube findet sich übrigens ein kleines Video mit Herrn Koepfer, das ihn bei seiner Arbeit im Living-History-Bereich zeigt: Klick mich)

23.05.2013 - Schwäbische Zeitung
Bert M. Geurten, Princeps des Klosterstadt-Vereins, wehrt sich gegen den Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit zum wiederholten Mal mit dem Argument wirtschaftlicher Zwänge. In diesem Zusammenhang stellt er die Behauptung auf, dass das (längst überfällige!) Treffen des Wissenschaftlichen Beirats bisher deshalb nicht möglich gewesen sei, weil es am dafür benötigten Geld gemangelt habe.
Und das obwohl dem Projekt von EU, Land und Kommune, in Summe eine Million(!) Euro Anschubfinanzierung gewährt wurde, wie man verblüfft anmerken darf!
Hier stellt sich dann auch die Frage, wieso man sich bisher nicht zeitgemäßer Kommunikationsmittel bedient hat? Was hinderte die Verantwortlichen daran, für den Beirat ein Internet-Forum einzurichten, in dem ein bequemes Austauschen und Kennenlenen möglich gewesen wäre? Technisch ausgereifte Forensoftware wird schließlich gratis im Netz angeboten.
Dass der Wissenschaftliche Beirat Entscheidungsbefugnisse besitzen soll, solange nicht ...
... "Sicherheit, Gesundheit oder Wirtschaftlichkeit berührt werden" ...
... ist eine entlarvende Aussage. Denn vor allem mit dem gummiartigen Argument der "Wirtschaftlichkeit", kann der Vereinsvorstand beinahe jeden Vorschlag des Beirates mit Leichtigkeit übergehen. Dieses wissenschaftliche Gremium ist somit per se ein Papiertieger.
Zuspruch erhält Geurten - bei seiner in wissenschaftlichen Belangen überaus kompromissbereiten Vorgehensweise - ausgerechnet vom St. Galler Stiftsbibliothekar Ernst Tremp, der als reiner "Buch-Historiker" bisher noch nicht mit Publikationen zu Living History oder der Experimentellen Archäologie in Erscheinung getreten ist ...
Möglicherweise fällt die Unterstützung durch Bibliothekar Tremp aber auch gar nicht so umfassend aus, wie man es bei Schwäbische.de hineinzuinterpretieren versucht. Denn der gute Mann wird an einer Stelle mit den Worten zitiert, dass es auf der Baustelle darum gehe ...
... "Schritt für Schritt vorzugehen und Punkt für Punkt zu beachten"
Genau das tut man jedoch bei Campus Galli bekanntlich nicht, wie beispielsweise die maschinelle Erschließung des Klosterbauplatzes  aufs trefflichste beweist. Etwas, wofür Herr Geurten selbstverständlich auch eine probate Erklärung aus dem Hut zaubert: Angeblich wäre der Einsatz von Baggern und Straßenwalzen deshalb nötig gewesen, weil die letzten Baugenehmigungen erst sehr spät erteilt worden seien - eröffnet wird ja bereits im Juni (siehe auch den zuoberst verlinkten Artikel des Südkuriers).

Abschließend darf ich noch einmal den St. Galler Stiftsbibliothekar Ernst Tremp zitieren, der meint:
"Puristen  hätten so ein Projekt wahrscheinlich nie auf die Beine stellen können".
Da hat er völlig recht, der Herr Professor. SO EIN PROJEKT, ganz bestimmt nicht!
Dazu war wohl nur ein von jeglichem Vorwissen unbelasteter Mann fähig, dem man als Kind die Spielzeugeisenbahn vorenthalten hat ;)
Im Übrigen, die Beizeichnung "Purist" ist eine rhetorische Hyperbel bzw. Übertreibung.
Dass man sich an gewisse Spielregeln der Gegenwart halten muss, vor allem wenn es den Arbeitsschutz betrifft, wird niemand aus dem Living-History-Bereich ernsthaft bestreiten. Zu kritisieren ist allerdings, wenn genau dieser Arbeitsschutz als Alibi und Totschlagargument zweckentfremdet wird, um eine wissenschaftlich unzulängliche Arbeitsweise zu rechtfertigen.


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10. April 2016: Campus Galli: Offener Brief an den Geschäftsführer Hannes Napierala
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20. November 2016: Finanzmarode Mittelalter-Baustelle Campus Galli wird Prognosen wieder nicht erreichen!

Externe Beiträge und Artikel:

Karfunkel: Causa Galli - Was ist los am Bodensee? - OFFLINE
Aachener Zeitung: Dunkle Wolken über der Klosterstadt - Klick mich
Bund der Steuerzahler: Kommt die Kloster-Katastrophe? - OFFLINE
Zollern-Alb-Kurier: Meßkirch muss nachschießen - OFFLINE
Tribur.de (Geschichte und so Zeugs):  Die Akte Campus Galli - Klick mich
Agis kritischer Bildbericht vom Campus Galli: Klick mich
Tribur.de (Geschichte und so Zeugs): Spiegel Geschichte und der Campus Galli - Klick mich
Mittelalter-Stadt "Campus Galli" - Weniger Besucher, mehr KritikKlick mich

25 Kommentare

  1. Hi!
    Wir hatten vor ein paar Tagen in der Uni eine kleine Podiumsdiskussion, in der es darum ging, was Living History der Forschung tatsächlich bringt - Abseits vom Spaß also, den die Akteure und das Publikum haben.
    Unter anderem wurde als Positivbeipiel die Karolingische Klosterstadt in Meßkirch genannt.
    Ich habe dann auf die aktuellen Berichte verwiesen und auch aus den Beiträgen dieses Blogs zitiert - mit dem Ergebnis, dass sich lange Gesichter breitmachten.
    Die meisten der Kollegen kannten nur den schon etwas älteren Artikel im Spiegel, in dem ja alles noch sehr rosig dargestellt und vor allem der Aspekt der Wissenschaftlichkeit betont wird. Dass die Dinge mittlerweile ganz anders liegen, war kaum jemandem bewusst.
    Danke jedenfalls dafür, dass du an der Sache drangeblieben bist, vielleicht kommen die Leute der Klosterstadt ja noch zur Vernunft.

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    1. vielleicht kommen die Leute der Klosterstadt ja noch zur Vernunft.

      Mann soll bekanntlich niemals nie sagen.
      Oder um das alte Spitzohr Mr. Spock zu zitieren: Ich denke an die Chance einer Möglichkeit ;)

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    2. Also ich bin gespannt wie sich das Projekt Campus Galli entwickelt.

      Unter dem Link: http://mitglieder.mittelalter.com/living-history
      kann eine Liste interessanter Living-History in Europa und den USA eingesehen werden, die stetig erweitert wird, für alle die es interessiert, insbesondere Dich Bernd-r

      LG Jan-Oliver / Soziales Netzwerk der Europäischen Geschichte

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    3. Nachdem ich mir jetzt die Beiträge zum Campus Galli durchgelesen habe, darf ich sagen, dass ich es als seriöser Living History Darstellerin, absolut nicht gut finde, wenn da jemand daherkommt und behauptet, er mache auch das was auch ich mache, in Wirklichkeit aber mit einer deutlich geringeren Ernsthaftigkeit an die Sache herangeht.
      Es hat mich Jahre gekostet, bis meine darstellerische Qualität das heutige Niveau erreicht hat. Ich hätte am Anfang meines steinigen Weges dorthin aber nie behauptet, wissenschaftlichen Ansprüchn zu genügen.
      Genau den Eindruck vermittelt man aber leider beim Campus Galli. Ständig liest man von wissenschftlichen Beiräten, Professoren etc., die einen hohen Grad an Authentizität gewährleisten sollen. Und dann betrachte ich die neuesten Bilder von der Baustelle und stelle fest, dass hier vieles mit Hilfe von Planierraupen und Motorsägen geschaffen wurde.

      http://www.bildungswerk-messkirch.de/images/stories/albums/Klosterstadt14052013/DSC00565.JPG
      http://www.bildungswerk-messkirch.de/images/stories/albums/Klosterstadt14052013/DSC00585.JPG

      Das ist so, als wenn ich mir meine Gewandung mit der Maschine genäht hätte, weil es ohnehin niemand bemerkt und mich billiger kommt.
      Aber so geht das nun mal nicht.
      Man muss sich deshalb ganz entschieden dagegen wehren, dass hier Living History als Ganzes von einem Großprojekt in Verruf gebracht wird.

      Liebe Grüße,
      Anna
      PS: Interessanter Blog!

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    4. Ging mir genauso. Maschinengenähtes wurde deshalb wieder aufgetrennt und händisch genäht ;)

      Danke übrigens für die verlinkten Bilder. Wusste gar nicht, dass es schon wieder neues Material gibt. Beim Bildungswerk Meßkirch ist man diesbezüglich offensichtlich sehr fleißig :)

      Man stellt sich natürlich die Frage, wieso nicht Campus Galli selbst die Öffentlichkeit mit ausreichendem Material auf dem Laufenden hält. Die schönen Bagger und die per Motorsäge gefällten Bäume, würden doch sicher perfekt zum öffentlich transportierten Image des Projekts passen ;)

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    5. Guten Abend Hiltibold ,
      ich muss dich nochmals loben für deinen Blog. Find ich Klasse wie ihr hier die Tatsachen über die Klosterstadt aufdeckt.... weiter so. Ich war von Anfang an dagegen, schon im aller ersten Bericht im Südkurrier hat man gelesen das es nur um Provit geht und um Messkirch dass die Innenstadt belebt wird....Gewänder und die eigen gemachten Werkzeuge hat man nur auf Fotos an, wenn die Presse kommt. Sonst sieht man die Leute in Jeans, T- Shirts und Blaumänner. Man sieht niemanden von Hand schwitzend arbeiten. Man hat sogar im Südkurrier nach einem Sponsor für den Bagger gesucht für den großen Graben. Ich könnte mich in deinem Blog tot lesen :-) endlich mal Gleichgesinnte hier :-)Die wo was taugen würden, wo handwerklich sehr begabt sind, bekommen keine Chance und werden des Projektes wieder verwiesen. Für Vorschläge und die dadurch Genehmigungen etc. muss Wochen darauf gewartet werden. Wen ich jedoch sehr positiv am ganzen Projekt finde ist der alte Herr wo den Ochsen Karren gemacht hat. Nur Schade das er es halt doch nicht genehmigt wurde mit der Achse wegen der Sicherheit. Wobei ich meine der alte Herr wollte es gleich von Anfang an richtig machen .....dies wurde unter den Rentnern geredet. Für was brauch ich Ochsen und Paten die die Tiere durchfüttern und einen Platz bieten wenn sie nicht mal wissen wie mit Ochsen allgemein Tieren umgegangen wird bzw. sie ausgebildet werden. Die jetzigen Ochsen kommen mit Sicherheit in die Wurst und neue her, da es mit ausbilden anzufangen meiner Sicht her zu spät ist. Es heißt nicht umsonst Kraft wie ein Ochse. Ich persönlich möchte mich nicht anlegen wollen mit ihnen :-) Und unter Facebook, Karolingische Klosterstadt kann man immer wieder Beiträge von Messkirchen lesen, wie man die Stadt doch Interessant machen kann in Verbindung mit der Klosterstadt. ... Traurig aber wahr. Hätte man das Geld lieber anderweitig investiert. Mit Sicherheit erhöht sich jetzt wieder Wasser, Hundesteuer etc. um alles finanzieren zu können. Ganz am Anfang dachte ich wow, mega Projekt da ich total aufs Mittelalter abfahre aber die ersten 4 Berichte reichten mir um dagegen zu stimmen. Ich persönlich finde man hätte sollen Mittelalter Freaks miteinbeziehen und nicht Leute suchen etc. um ein gutes Werk zu vollbringen und wieder positiv da stehen zu müssen in der Öffentlichkeit. Leute wo es Spaß macht und wo mit Herz, Seele und Verstand dabei sind. Jetzt haben sie grad das Gegenteil erreicht. Aber paar Besucher werden kommen und sei es mit einer Kaffeefahrt :-) Aber ich bzw. viele andere Wissen wer der nächste Bürgermeister der Stadt wird.......

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  2. Was soll eigentlich das Gerede über zu hohe Kosten für ein Treffen dieses Beirates? Bekommen die Gelehrten dermaßen saftige Aufwandsentschädigungen?

    Absolute Transparenz ist hier geboten, da die Schose bisher zu 100 Prozent aus den Töpfen der Stuerzahler finanziert wird! Der Herr mit dem Schnauzer steht schließlich nicht einer geheimen Freimaurerloge vor!

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    1. In Anlehnung an einen bekannten Filmtitel kann man nur noch sagen: Immer Ärger mit Berti ;-)
      Grüßle,
      Thomas

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    2. @ Thomas:
      Bitte etwas mehr Respekt, der Mann will seinen Stammbaum schließlich bis zu Karl den Großen zurückverfolgen können :-D
      QX

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    3. der Mann will seinen Stammbaum schließlich bis zu Karl den Großen zurückverfolgen können
      Da kann man nur hoffen, das Heribert Illig nicht doch recht hat ;)

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  3. Positiv ist trotz allem, daß Langzeitarbeitslose eine Chance bekommen und daß man bei manch einem Besucher Interesse für die Geschichte wecken wird können.
    Ich weiß, das ist höchstens die Hälfte vom Versprochenen, aber bei mir ist das Glas eben halb voll, und nicht halb leer ;-)
    Fabia

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    1. Ich habe absolut kein Problem mit dieser Sichtweise.
      Allerdings sollten die Macher des Projekts trotzdem halbwegs ehrlich bleiben - siehe die überzogenen Versprechungen die auf campus-galli.de gemacht werden.
      Wenn man sich wenigstens dazu bequemen würde, das endlich zu korrigieren...

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  4. http://www.destinet.de/staedte/1322-experimentelle-archaeologie-baubeginn-an-der-karolingischen-klosterstadt
    Auf destinet.de findet man diesen PR-Artikel, der zeigt, dass die öffentliche Kritik nicht ohne Auswirkungen bleibt. Man beachte den Konjunktiv, den man gezielt dort verwendet hat, wo auch die Kritik besonders heftig ausgefallen ist. Wie es aussieht glaubt man nicht einmal auf diesem Tourismus-Portal mehr so richtig an die offizielle Darstellung.

    "Alle Baumaterialien (Stein, Lehm und Holz) würden direkt auf der Baustelle gewonnen"
    "Die Klosteranlage werde wie es früher üblich war, aus dem Wald heraus entstehen, man werde also auf einer Grundfläche von 8 Hektar langsam die Stadt aus dem Wald „herausschlagen".
    "Der Baugrund sei extrem lehmig und kalksteinhaltig, dies seien ideale Voraussetzungen für den Bau der Klosterstadt, denn die wichtigsten Baustoffe kämen auf dem Baugrundstück selber vor und könnten so vor Ort ohne lange Transportwege gewonnen werden."
    "Des Weiteren wurde ein wissenschaftlicher Beirat ins Leben gerufen, bei dem schon über 15 renommierte Wissenschaftler, aus allen notwendigen Fachrichtungen ihre Mitarbeit zugesagt hätten. Dies seien unter anderem die Fachrichtungen Architektur, Archäologie und Historie. Dieser Beirat soll mindestens einmal im Jahr tagen, um den Baufortgang zu prüfen und die nächsten Bauabschnitte zu planen."
    "Wichtig sei, dass die Baustelle den strengen Anforderungen der Wissenschaft standhalte, denn die Originaltreue sei ein elementarer Baustein der Anlage. "

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    1. Vor allem folgende im Artikel getroffene Aussage, die wohl von Landesminister Bonde stammt, muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:

      „Die Klosterbaustelle will ein lebendiges MUSEUM zum Anfassen und Mitmachen sein. "

      Die Komik liegt nämlich darin, dass Bert M. Geurten höchstselbst kürzlich folgendes schrieb:

      "Ab Mitte des Jahres ist der Verein "karolingische klosterstadt e.V." ein mittelständisches Unternehmen. WIR SIND KEIN FORSCHUNGSINSTITUT ODER FREILICHTMUSEUM."(!)

      :)


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    2. Hallo Hiltipold aus Graz!

      Wann und wo hat der Geurten gesagt "Ab Mitte des Jahres ist der Verein karolingische ... ein mittelständisches Unternehmen ..."

      Danke!
      Ottavan

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    3. Hallo auch,
      das ist z.B hier nachzulesen:

      http://www.archaeoforum.de/viewtopic.php?p=51660&sid=45b724131d6e4d414ae399f20836ebdb

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  5. Hallo Hiltibold,

    ich denke eines der Grundübel war, dass man, um an die dringend benötigten Förderungen zu gelangen, jedem das erzählt hat, was er hören wollte. Ich lebe in Meßkirch und weiß deshalb ganz genau, wovon ich spreche. Herr Geurten, den ich als angenehmen Menschen in Erinnerung habe, hat denen, die meinten die Klosterstadt wäre eine reine Geldvernichtungmaschinerien, erklärt, was für ein immenses Potential das Projekt habe. Touristenmassen und viele Arbeitsplätze wurden prophezeit. Mit der Argumentation konnten er und Bürgermeister Zwick viele Menschen umstimmen und überzeugen.

    Auf der anderen Seite betonte man allem Anschein nach in Gesprächen mit den wissenschftlich Interessierten, was für ein großartiges Potential die Karolingische Klosterstadt für die Forschung birgt. Dass die, die in erster Linie an der geschichtlichen Grundlagenforschung interessiert waren, jetzt enttäuscht sind, kann ich gut verstehen.

    Hier im Ort ist die Stimmungslage trotzdem noch immer überwiegend pro Klosterstadt, denke ich.
    Wenn aber der Erfolg augenscheinlich ausbleiben sollte, dann ist hier der Teufel los. Mir haben schon Klosterstadt-Skeptiker ezählt, dass sie die Autos auf den Besucherparkplätzen regelmäßig zählen wollen.
    Damit möchte ich sagen, dass die Menschen hier vielmehr der wirtschaftliche Erfolg/Misserfolg bewegt und kaum der mögliche wissenschaftliche Gewinn, den man aus dem Projekt ziehen könnte. Leider.

    LG

    Martina

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    1. Hallo,
      dass der Mehrheit der Menschen die Forschung nicht interessiert, ist denke ich keine große Überraschung.
      Punkto Besucherzahlen wird man sehen. Mir erscheinen die geforderte Mindestanzahl von 150 000 pro Jahr, allerdings etwas utopisch.

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    2. Hej Hiltibold,

      Ganz in der Nähe von Meßkirch befindet sich das Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck - ein recht großes und bekanntes "Bauernmuseum " das nun schon seinen 25. Geburtstag feiert . Noch nicht einmal dort kommt man an diese Besucherzahlen heran.
      ( Ich arbeite dort schon seit 1996 als Honorarkraft in der Dunke - Weberkeller )
      Die Heuneburg , ebenfalls in Landkreis Sigmaringen, verzeichnet ungefähr 30 000 Besucher jährlich .Wo Herr Geurten bzw die Gemeinde 150 000 Besucher herholen wollen , ist mir schleierhaft .

      Abgesehen davon ,ist der Eintrittspreis auch ganz schön happig. ES will auch nicht jeder - zb Gehbehinderte oder ältere Menschen - 3 Stunden über den Rundwanderweg latschen .


      Als Darstellerin aus der Region bin ich anfangs zwischen Skepsis und Begeisterung geschwankt . Inzwischen kann ich dem Projekt nicht mehr viel abgewinnen . Von all den hochfliegenden Ambitionen , ist nicht viel mehr gebleiben , als eine mittelalterähnliche Bespaßung .
      Wir waren als Gruppe bei der Auftaktveranstaltung Ende März 2012 dabei , und da hörte sich alles ganz , ganz anders an.

      Mit dem Bagger für die Infrastruktur oder dem Ausschank nach den Vorgaben des WKD kann ich leben - aber dass man um des Geldes willen mal kurz sämtliche wissenschaftliche Vorgaben entsorgt , finde ich voll daneben .Herr Geurten segelt unter falscher Flagge .
      Es ist halt immer bedenklich , wenn man sich seinen Bubentraum ( Herr Geurtens eigene Worte ) von der öffentlichen Hand finanzieren lässt . Wenn es schiefgeht , dürfen vermutlich der Bürgermeister und die Gemeinde den Kopf hinhalten .

      Inzwischen bin ich der Meinung : die Fördergelder wären auf der Heuneburg besser angelegt .

      Nichtsdestotrotz werde ich meine Famile dorthin schleppen , um mir ein Bild von allem zu machen .

      liebe Grüße
      Alb-Keltin Alb-Alamannin

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    3. Hallo,

      du schreibst:
      aber dass man um des Geldes willen mal kurz sämtliche wissenschaftliche Vorgaben entsorgt , finde ich voll daneben .Herr Geurten segelt unter falscher Flagge .

      In einer kürzlich publik gewordenen E-Mail, tätigt ein Vertreter der Stadt Meßkirch folgende Aussage:
      Aber bei allem wissenschaftlichen Anspruch, es ging bei diesem Projekt nie darum, ein reines Museum zu errichten, das in letzter Konsequenz mangels langfristiger Wirtschaftlichkeit nur mit öffentlichen Geldern überlebensfähig wäre (siehe Heuneburg!)

      Wie man sieht, war das Projekt von Anfang an in erster Linie dazu gedacht, Geld in die Region zu spülen. Man verstand sich allerdings darauf, in der Öffentlichkeit alles mit einem vermeintlich wissenschaftlichen Anspruch zu verbrämen - so etwas kommt immer gut an.
      Aber du hast sicher recht, wenn du schreibst, dass du dir die Sache trotzdem selbst ansehen möchtest. Ich würde mich übrigens sehr darüber freuen, wenn du hier vielleicht kurz davon berichten würdest, wie es dir gefallen hat.
      (das gilt natürlich auch für alle anderen Leser des Blogs, die sich die Klosterbaustelle ansehen)

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    4. Hallo und Guten Morgen ,

      es ist ja per se nicht verwerflich , dass das CG oder sonst ein Museum Geld abwirft und zumindest einen Teil der Betriebskosten erwirtschaftet.
      Tatsache ist aber ,dass es in Baden Württemberg nur ganz wenige Museen schaffen sich selber zu tragen .
      Auch das besagte Freilichtmuseum Neuhausen ist ein Zuschussbetrieb, hat aber eine hohe Akzeptanz in der Region.

      Abgesehen davon haben Museen einen Bildungsauftrag ( meine Meinung ! ) und sollten auch von der Gesellschaft mitgetragen werden . Schule ist ja auch für alle da und wird über Steuern finanziert - zumindest meistens .....


      Die Heuneburg ist meiner Meinung nach mit dem Campus Galli nicht wirklich vergleichbar . Sie ist auf dem ursprünglichen Platz errichtet , 3 Häuser sind rekonstruiert , sowie die absolut außergewöhnliche Lehmziegelmauer. Die Heuneburg und die Siedlungen gehören zu den absoluten Top -Plätzen der Hallstattzeit .
      Das ist kein Projekt , das irgendwo auf der grünen Wiese aus dem Boden gestampft wurde .
      Und der Ort selber vermittelt eine Ahnung davon ,wie mächtig die Herren der Heuneburg einmal waren . Von dem Mauerring kann man weite Teile des Oberlandes überblicken und hat eine unglaubliche Aussicht auf den Bussen .
      ( Gut , ich bin da vorbelastet - als Darstellerin ,die schon einige Jahre dort ist ;-))

      Die Heuneburg krankt an verschiedenen Dingen , angefangen von den Nutzungsvorgaben des Landesamtes für Denkmalpflege , überzogenen Erwartungen seitens der Gemeinde , die archäologische Leiterin wurde entlassen und durch eine Tourismusfachkraft ersetzt, die Veranstaltungen wurden zunehmend dilettantisch umgesetzt ( Trachtler beim Keltenfest ), ......
      Aber es gibt dort auch tolle Angebote für Schulklassen , gutes Kinderprogramm bei Festen , einen netten Kassen -Kiosk mit gutem Angbebot und Büchern zum Schmökern und Kaufen - und das NICHT mitten im Gelände , sondern ganz klar getrennt von den archäologischen Rekonstruktionen !

      du schreibst :
      "Man verstand sich allerdings darauf, in der Öffentlichkeit alles mit einem vermeintlich wissenschaftlichen Anspruch zu verbrämen - so etwas kommt immer gut an."

      Der Aussage kann ich nur zustimmen . Ich habe mir die alten Beiträge aus dem Schweizer Fernsehen und auch Zeitungsausschnitte nochmal angesehen : von dem Anspruch , wenn er je da war , ist absolut nichts geblieben . Ist das nun arglistige Täuschung ?

      Was ich halt auch befürchte : dass die begeisterten Handwerker , die das Projekt sicher zum großen Teil mittragen , ausgenützt werden .

      Ich werde auf jeden Fall hier noch schreiben , wie das denn auf dem CG aussieht.

      Grüßle
      Alb-Keltin Alb-Alamannin





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    5. Hallo,
      ich arbeite schon längere Zeit in einem Freilichtmuseum in einem anderen Bundesland und kann folgende Aussagen machen:

      In ganz Deutschland wird es wohl nur zwei oder drei "Museen" geben, die sich selber finanzieren können. Dazu sind aber dann so Ausstellungen wie "Körperwelten" (man kann hier auch den Abklatsch der chines. Tonarmee o.ä. einsetzen) nötig, die meiner Meinung nach in einem "Museum" nichts verloren haben. Üblicherweise liegen die Zuschüsse mir bekannter Museen im Bereich von zweistelligen Prozentbereichen, bei uns schwanken sie je Jahr zwischen 50 - 60 %. Es gab einmal eine Untersuchung über die Wirtschaftlichkeit von ca. 10 Frankfurter Museen anhand der Kosten für das Kassenpersonal im Vergleich zu den im Bemessungszeitraum gewonnenen Einnahmen. Als Empfehlung kam heraus, das Kassenpersonal zu entlassen und eine Spendenbüchse aufzustellen... Spaß bei Seite. Ich möchte meinen Kommentar als Museumsmitarbeiter mit folgender Aussage beenden:

      ein echtes Museum kostet und nur ein echtes Museum liefert Wissenschaftliches

      Grüsse

      Kleiner

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    6. ein echtes Museum kostet und nur ein echtes Museum liefert Wissenschaftliches

      Ganz meine Meinung.

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  6. Hallo,
    schon gemerkt ?
    seit der Eröffnung der Klosterstadt ist in der Regionalpresse nichts mehr darüber zu lesen, vorher verging kein Tag ohne einen Bericht.
    Darf man den Einheimischen glauben schenken gibt es da kaum Besucher, an manchen Tagen stehen 2 bis 3 PKW auf dem Parkplatz.
    Spätestens als die Bagger und LKW anrollten um die Baustelle zu gestalten
    (Propagandaberichten zu folge wollte man doch alles mit Muskelkraft stemmen)hat jeder mitbekommen das da was nicht stimmt.
    Ein Schildbürgerstreich ? na wenn das mal gutgeht!

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  7. "Das Geld der Bürger" scheint mir kein Motiv zu sein, das die Bürger von Meßkirch sonderlich umtreibt. Während die üblichen Stakeholder in der Presse das hohe Lied der positiven touristischen Effekte für die wirtschaftlich abgehängte Region intonieren, hört man von "den Bürgern" erstaunlich wenig in den Medien und sozialen Netzwerken. Von Bürgerinitiativen, Volksbegehren und Wutbürgern, für die Baden-Württemberg die letzten Jahre so berühmt geworden ist, ganz zu schweigen.

    In einem Radiofeature des Deutschlandradios zur Eröffnung sagte der "Ochsenflüsterer" Eberhard Hauff sinngemäß in etwa "... ja [ich bin?] auch skeptisch, muss ich ehrlich sagen. Die Stadträte haben die Fahrt nach Guédelon gemacht … und ich bin der Meinung, wenn die sich entschieden haben für das Projekt, dann können wir als Bürger nur noch sagen: ja jetzt ist das so und da ziehen wir jetzt mit. Die Stadträte sind ja von uns gewählt. ... Jetzt müssen wir einfach mal am Ball bleiben und die unterstützen."

    Wenn man sich mit Leuten aus der Gegend unterhält, bekommt man bald den Eindruck, dass dieses freundlich ausgedrückt proto-demokratische Verständnis der politischen Entscheidungsfindung dort sehr weit verbreitet ist. Es wird sogar kolportiert, dass die Volkseele weniger den Verlust von Steuergeldern fürchten würde, als vielmehr die bundesweite Blamage im Falle eines Scheiterns...

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