Sonntag, 1. November 2015

Kauf dir ein paar Kritiker: Die fragwürdigen Jobangebote des Campus Galli

Es sei vorausgeschickt, dass ich über den wissenschaftlich nur mäßig gut beleumundeten Campus Galli dieses Jahr eigentlich nichts Ausführliches mehr schreiben wollte, um meine Zeit erbaulicheren Themen widmen zu können. Allerdings haben mir aktuelle Entwicklungen hierbei einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Doch worum geht es konkret? Nun, kürzlich wurde im Rahmen dieses Blogs zum wiederholten Male darauf hingewiesen, dass die konzeptionelle Eigendarstellung des Campus Galli grob tatsachenwidrig ist; auf der projekteigenen Homepage heißt es:
"ALLES muss von Hand gemacht werden [...] ohne Maschinen, ohne modernes Werkzeug"
Als Folge meines Blogbeitrages, der obige Aussage klar widerlegte, erhielten die Verantwortlichen nach eigenem Bekunden mehrere kritische Zuschriften. Man sah sich deshalb sogar genötigt, auf Facebook eine Stellungnahme zu publizieren. Zur Absurdität der dort feilgebotenen Argumentation habe ich mich bereits kurz im Kommentarbereich jenes Beitrages geäußert, der Auslöser des "klösterlichen" Statements war.

In den letzten Tagen entwickelte sich unter dem inkriminierten Facebook-Posting des Campus Galli eine kleine Diskussion, in deren Verlauf die Projektbetreiber auf die Kritik einer Userin - die auf dieses Blog hinwies - herablassend antworteten:
"Grundsätzlich halten wir unsere eigenen Recherchen, die Kompetenz der angestellten und befreundeten Fachleute, der Wissenschaftler und Living-History-Darsteller, die Meinung des wissenschaftlichen Beirats sowie der Leute, die tatsächlich vor Ort waren für relevanter, als die Meinung einiger weniger Kritiker, die weder Fachleute sind, noch je selbst vor Ort waren. 
Den Kritikern wird hier also insgesamt die Fähigkeit abgesprochen, sich ein qualifizierte Meinung zu bilden. Trifft dies tatsächlich zu? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir ein wenig zurückblicken:
Im Jahr 2013 verließ Andreas Sturm, einst der wichtigste Berater des Campus Galli, das Projekt aufgrund wissenschaftlicher Differenzen. Zum Ärger der Geschäftsleitung ließ er es sich jedoch nicht nehmen, manch Fehlentwicklung der sogenannten Klosterstadt auch weiterhin bei Vorträgen und in einschlägigen Foren zu thematisieren. Nachdem der Campus Galli mit Hannes Napierala einen neuen Geschäftsführer erhalten hatte, kam es zu einem E-Mail-Wechsel zwischen ihm und Sturm, dessen einstigen Abgang Napierala kurzerhand auf zwischenmenschliche Probleme mit dem mittlerweile "abgesetzten" Projektinitiator Bert M. Geurten herunterzubrechen versuchte. Zwar ist diese Interpretation völliger Unsinn, sie verfolgte aber wohl einen bestimmten Zweck: Andreas Sturm sollte ermöglicht werden, ohne Gesichtsverlust als Berater zum Campus Galli zurückzukehren. Und genau das wurde ihm nun vorgeschlagen. Den Charakter der Beratertätigkeit konnte Napierala bezeichnenderweise nicht näher definieren, aber bezüglich des Honorars würde man sich schon einigen... Postwendend wurde dieses unverschämte Angebot abgelehnt (mehr dazu hier und hier).

Pech für Hannes Napierala. Doch der gelernte Archäozoologe gab so schnell nicht auf. Wenn es ihm schon nicht gelang, den einstigen Projektberater als wirkmächtiges Feigenblatt vor den Karren des Campus Galli zu spannen, dann musste eben ein anderer Weg gefunden werden, um die seit Jahren heranbrandende Kritik im Netz einzudämmen, welche sogar mehrfach Resonanz im Print fand.
Also verfiel der gute Mann auf die Idee, sich im vergangenen Juli an mich zu wenden - den bloggenden Wadlbeisser. Nun sehe ich mich freilich nicht als einen "Living-History-Experten", wie es Andreas Sturm unzweifelhaft ist; mein Interessenschwerpunkt liegt schlicht und ergreifend woanders. Jenen für den Campus Galli verantwortlichen Ignoranten - die trotz ihres kräuterfrauhaften Unwissens beharrlich mit pseudo-pragmatischem Habitus wissenschaftliches Theater spielen - dürfte ich jedoch durchaus das Wasser reichen können. Auch Hannes Napierala vertrat scheinbar diese Auffassung, denn im Zuge seines Annäherungsversuches erklärte er mir schmeichlerisch, mein "Fachwissen ist unbestritten". Ich könnte als externer Berater gegen Bezahlung diverse Machbarkeitsstudien erstellen und mir nebenbei ein Renommee als Gutachter aufbauen... usw. usf.
Durch die Blume ließ ich Herrn Napierala daraufhin wissen, dass er sich sein (beleidigendes) Danaergeschenk doch bitte ans nadelgebundene Häubchen stecken möge, da es meiner Glaubwürdigkeit als Blogger überaus abträglich wäre, wenn ich plötzlich die Seiten wechseln würde. 

Halten wir also fest: Den beiden Hauptkritikern, Andreas Sturm und mir, wurde vom Campus Galli jeweils ein Beraterposten in Aussicht gestellt. Nachdem wir diesen ablehnten, richteten uns wenige Monate später dieselben Leute via Facebook aus, wir seien unqualifiziert. Ein interessanter Sinneswandel.
Sollten  Herr Sturm und ich tatsächlich den Eindruck von Inkompetenz erweckt haben, dann grenzt das Jobangebot zweifellos an versuchte "Bestechung", da man in diesem Fall wider besseren Wissens und mit niederen Motiven an uns herantrat. War man hingegen der Meinung, wir könnten für den Campus Galli tatsächlich einen Gewinn darstellen, dann sind die jüngsten Ergüsse auf Facebook der offensichtlich hilflose Versuch, gut begründete Kritik mit dem überaus schwachen Autoritätsargument niederzubügeln.

Egal wie man es dreht und wendet, der verantwortliche Geschäftsführer Hannes Napierala macht hier eine außergewöhnlich schlechte Figur und rückt seinem unglücklich agierenden Vorgänger auf der nach oben offenen Münchhausen-Skala immer näher ;)


Zum Campus-Galli-Forum dieses Blogs

Verwandte Blog-Beiträge:
18. November 2013: Geurtens Mund, tut Nonsens kund
15. Jänner 2014: Bund der Steuerzahler kritisiert Campus Galli
22. April 2014: Die  Zahlenmagier vom Campus Galli
29. April 2014: Der Campus Galli - Ein pseudowissenschaftliches Laientheater
02. Juni 2014: Campus Galli: The show must go on!
04. August 2014: Hannes Napierala - Der neue Geschäftsführer des Campus Galli
10. September 2014: Der Campus Galli ist kein wissenschaftliches, sondern ein touristisches Projekt!
12. Dezember 2014: Der Campus Galli und seine Mittelalterversteher - Ein Fass ohne Boden
26. Jänner 2015: Gastbeitrag von Hannes Napierala: Zum Selbstverständnis des Projekts Campus Galli (TIPP)
30. Jänner 2015: Campus Galli: Nachbetrachtungen und neuer Unsinn von einem alten Bekannten
23. März 2015: Des Klosters neue Kleider - außen hui, innen pfui
12. Oktober 2015: Das potemkinsche Dorf Campus Galli - Ein kritischer Jahresrückblick
25. Oktober 2015: Weltsensation - Campus Galli rekonstruiert mittelalterlichen Traktor!
01. November 2015: Kauf dir ein paar Kritiker: Die fragwürdigen Jobangebote des Campus Galli
10. April 2016: Campus Galli: Offener Brief an den Geschäftsführer Hannes Napierala
28. August 2016: Der Campus Galli - Ein tolldreistes Medienmärchen
20. November 2016: Finanzmarode Mittelalter-Baustelle Campus Galli wird Prognosen wieder nicht erreichen!
19. Mai 2017: Chronik des Campus Galli 2017 - Von "Mohamedanern" und lässig verteiltem Steuergeld

Alle meine Beiträge über den Campus Galli - inkl. der hier nicht gelisteten Kurzmeldungen

Externe Beiträge und Artikel:

Karfunkel: Causa Galli - Was ist los am Bodensee? - OFFLINE
Aachener Zeitung: Dunkle Wolken über der Klosterstadt - Klick mich
Bund der Steuerzahler: Kommt die Kloster-Katastrophe? - OFFLINE
Zollern-Alb-Kurier: Meßkirch muss nachschießen - OFFLINE
Tribur.de (Geschichte und so Zeugs):  Die Akte Campus Galli - Klick mich
Agis kritischer Bildbericht vom Campus Galli: Klick mich
Tribur.de (Geschichte und so Zeugs): Spiegel Geschichte und der Campus Galli - Klick mich
Mittelalter-Stadt "Campus Galli" - Weniger Besucher, mehr Kritik: Klick mich

18 Kommentare

  1. Das ist ein wirklich ein plumper Versuch, sich eine bessere Berichterstattung im Netz zu verschaffen. Diesen Leuten muss die Kritik ziemlich unangenehm sein, wenn sie zu solchen Methoden greifen. Aber Frechheit siegt zum Glück nicht immer.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das Einbinden besonders "lästiger" Projektkritiker über den Umweg von Beraterverträgen ist vor allem bei umstrittenen Bauprojekten ein schon beinahe übliches, aber zumeist sehr fragwürdiges Vorgehen.
      Die Erklärungen des Betriebsleiters überzeugen mich als Pädagogin und Geschichtsdidaktikerin nicht. Ich habe den Eindruck, dass hier an einem Konzept festgehalten wird, das die geweckten Erwartungen nie wird erfüllen können.

      Löschen
  2. "Wenn du sie nicht besiegen kannst, kaufe sie."
    Ich würde mich geschmeichelt fühlen. Mit dem Zug hat CG formell seine Niederlage eingestanden.

    Benny der Krämer

    AntwortenLöschen
  3. Ich sehe die Idee hinter dem Campus Galli an sich nicht negativ, aber die Besuchertäuschung ist definitiv übel . sie schreiben in ihrer Rechtfertigung, alles wird da angeblich per Hand gemacht, fahren aber mit einem Traktor durch die Gegend, sogar um die Ochsen zu tränken . Ja können die Tiere nicht einmal selbst zum Wasserhahn am zentralen Platz laufen ? Sind die schon dermaßen altersschwach? Oder ist ihr menschliches Aufsichtspersonal einfach zu bequem dafür? Wie hat man es denn im Frühmittelalter gemacht, wenn man zu faul war? Hat man um ein Wunder gebetet?
    Und dann rechtfertigen sie sich auf Facebook auch noch ernsthaft damit, dass der Traktor ja auf einer Wiese gefahren ist, die nicht zum eigentlichen Bauplatz gehört, sondern zum landwirtschaftlich genutzten Teil der Anlage.
    Mich erinnert das an Bill Clintons Aussage "I did not have sexual relations with that woman ". Oralverkehr war ja seiner Meinung nach kein Sex . So ist anscheinend alles subjektive Definitionssache, auch beim Einsatz von Maschinen des Campus Galli . So einfach kann man es sich machen. Seriös ist so eine Argumentation aber bestimmt nicht.

    Lg

    Phyllis

    AntwortenLöschen
  4. Wenn man bedenkt, dass man beim CG jeglicher Kritik erhaben ist und man keine Fehler macht, im Gegenteil eher bemüht ist, die Fehler anderer Projekte zu vermeiden und es besser zu machen, ist dieses Gebaren schon sehr seltsam.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mohyra, das ist mehr als nur seltsam, das hat bereits ein Gschmäckle, wie man bei uns sagt.
      QX

      Löschen
  5. Mit Steuergeldern scheint man beim Campus Galli sehr großzügig zu verfahren. Da gibt es einen eigenen PR Chef, bis vor Kurzem ein Wirtschaftsberater und jetzt wird auch noch der Versuch gestartet weitere Beraterverträge zu verteilen, um sich dadurch eine genehme Berichterstattung zu sichern. Die lokale Zeitung Südkurier hat man ja schon zum Medienpartner gemacht, der brav die schöngefärbten Infobissen apportiert, die ihm zugeworfen werden. Ich glaube es wird Zeit, dass der Bund der Steuerzahler dem Campus Galli wieder einmal einen Besuch abstattet.
    QX

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mit unserem Steuergeld sollten also auch Gehälter an externe Berater gezahlt werden die man sich aber nur deshalb leistet, damit diese endlich aufhören, gerechtfertigte Kritik am Campus Galli zu üben.


      Unglaublich, deine neuesten Enthüllungen Hilitbold.

      Mit dem Facebook-Post , indem dir die fachliche Kompetenz über CG zu urteilen abgesprochen wurde, hat sich der Verein wohl mächtig ins eigene Fleisch geschnitten. Wusste da wieder die eine Hand nicht was die andere macht in diesem doch ach so eingeschworenem Team? Denn für Napierala dürfte es hochnotpeinlich sein, dass du durch diesen Kommentar die Annäherungsversuche der Klosterstadt, dich als Berater einzustellen, in deinem Blog publik gemacht hast....

      Traurig, auf diese Weise Kritikern den Mund stopfen zu wollen, anstatt sich mal an die Nase zu fassen und die Kritik einfach ernst zu nehmen und an den Fehlern zu arbeiten !

      Anstatt einfach auf der Homepage zu vermerken; wir stecken noch in den Kinderschuhen, bitte seht uns einen jährlich zweimaligen Einsatz eines Traktors nach ... NEIN, man vertuscht und verheimlicht dem mündigen und zahlenden Besucher dieses. Und da gäbe es noch zig andere Beispiele...

      Dieser Kommentar bei Facebook hat mein Misstrauen gegen Campus Galli um ein vielfaches erhöht. Zum Beispiel der Verweis auf das Lob der Wissenschaft, dass sie angeblich erhalten : Wo bitte ist denn die Quelle die das belegt? Wer bitte ist der Wissenschaftliche Beirat? Wo sind die Namen, wer sind die Leute ?

      Und der Zuwachs von rund 30 % an Besuchern, die dem Erfolg des CG rechtgäben:
      Wie viel davon sind Schulklassen und Kindergarten-Gruppen, die einfach nicht gefragt werden wohin sie ihren Jahresausflug machen? Es ist von der Stadt ja gewollt dass alle auf den Campus stürmen. Viele Eltern finden das auch ziemlich daneben, wie ich erst kürzlich in einem Gespräch am Rande einer Sportveranstaltung mitbekommen habe.

      Das stinkt alles gewaltig zum Himmel.

      LG
      Cassandra

      Löschen
    2. Hannes Napierala hätte sich diese Peinlichkeit ersparen können, wenn er nicht neuerdings die armselige Strategie verfolgen würde, mit dem Autoritätsargument hausieren zu gehen - auch abseits von Facebook, wie ich von einem Journalisten weiß.
      Mit dem Hinweis auf den Wissenschaftsbeirat, der sich lediglich einmal pro Jahr (meist unvollständig) in Meßkirch für ein Plauderstündchen trifft, mag Herr Napierala schlicht formatierte Gemüter beeindrucken, kritische Beobachter der Misere jedoch nicht. Die erkennen nämlich jene große Lücke, die zwischen Außendarstellung und Realität klafft.
      Wie mir übrigens heute eine Leserin mitteilte, arbeitet man beim Campus Galli hektisch daran, eine Liste des Beirates online zu stellen, nachdem hier auf deren Fehlen hingewiesen wurde. Kritik wird also insgeheim ernster genommen als man öffentlich zugeben möchte :)

      Nachtrag: Bezüglich der Schulklassen fällt mir gerade noch das ärgerliche Statement eines Lehrers ein, der schon vor einiger Zeit hier kritisiert hat, dass Kinder in größerer Anzahl zum pädagogisch fragwürdigen Campus Galli bugsiert werden.

      Löschen
  6. Eine Realsatire, nicht mehr und nicht weniger.
    Grisu

    AntwortenLöschen
  7. Niemand kann die noch ernst nehmen. Verweisen fahrig auf einen obskuren Wissenschaftsbeirat und nennen die Kritik unqualifiziert, obwohl sie von Hiltibold haarklein durch Primärquällen, wie z B die Schrift von Walahfried Strabo, belegt wurde. Schön langsam ist es nicht mehr lustig, was die treiben. Mich ärgert besonders, dass ich die Klosterstadt lange Zeit verteidigt habe. Aber egal, mögen die Zeit und deren mangelnde Fähigkeit zu Reflektieren dem Trauerspiel ein Ende setzen.
    Euer Timo

    AntwortenLöschen
  8. Da fällt einem echt nichts mehr ein. Anstelle sich die Kritik zu Herzen zu nehmen und ein bißchen Einsicht zu zeigen, wird zuerst versucht, die bekanntesten Kritiker durch Beraterverträge mundtot zu machen. Wie man beim CG auf Berater hört, hat man ja im Fall von Andreas Sturm gesehen. Nachdem die Kritiker auf diesem faulen Deal nicht eingehen, werden sie als unqualifiziert diskriminiert. Das ist wirklich schäbig.

    - Exilwikingerin -

    AntwortenLöschen
  9. Auffallend finde ich auch, daß man sich inzwischen offenbar ja wieder bemüht dem CG ein wissenschaftliches Mäntelchen umzuhängen. Grade mal ein Jahr ist es her, daß man betonte, daß es sich beim CG ja um ein "touristisches Projekt" handle (http://hiltibold.blogspot.de/2014/09/der-cg-ist-kein.html). Dieser Zickzackkurs ist irgendwie ermüdend, da er scheinbar nach Lust und Laune geändert wird.

    Spannend in dem Zusammenhang ist auch die Begründung für das weitgehende Fehlen gefärbter Bekleidung bei den Mitarbeitern. Da wird lapidar auf den Goldenen Psalter von St. Gallen (http://www.e-codices.unifr.ch/de/list/one/csg/0022) verwiesen. Womit sich gleich die Frage stellt, ob das tatsächlich die einzige Quelle darstellt, derer man sich bedient hat. Hat man Werken wie dem Stuttgarter Psalter auch eines Blickes gewürdigt? Oder hatte der einfach den falschen Namen?

    Unabhängig davon wäre auch zu diskutieren, ob der St. Gallener Psalter überhaupt eine geeignete Quelle darstellt. Immerhin weiß man, daß ehier westfränkische Buchmaler und Schreiber mitgewirkt haben. Gab es da möglicherweise gravierende Unterschiede in der Kleidung bzw. Darstellung? Und falls man diesen Punkt vernachlässigen kann, worauf stützt sich denn nun die Begründung der weißen, bzw. naturfarbenen Kleidung der Mitarbeiter? Im Psalter sind Farben zwar sparsam eingesetzt (was ja ein beliebtes Stilmittel in der Buchmalerei war), aber bei genauer Betrachtung kann man durchaus die Andeutung der Farben in den Schattierungen erkennen.

    Vielleicht muss man aber sogar froh sein, daß man sich nicht am Utrechter Psalter orientiert hat. Sonst wäre vielleicht noch jemand auf die Idee gekommen die Gebäude, den Wald, die Wiesen und die Mitarbeiter zu kalken...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Bezüglich dieses Facebook-Postings (Goldener Psalter) habe ich erst kürzlich jemanden auf fast exakt dieselben Punkte aufmerksam gemacht wie du sie hier anführst :)

      Die Verantwortlichen des Campus Galli biegen sich die Quellen gerne so zurecht, wie es ihnen zupass kommt. Man denke etwa an die Steinfundamente der Holz-Kirche, die angeblich archäologisch belegt sind. Sieht man in den originalen Grabungsberichten nach, dann stellt sich plötzlich heraus, dass die Ausgräber keinesfalls mit Bestimmtheit sagen konnten, ob es sich tatsächlich um steinerne Fundamente einer Holzkirche handelte oder um die Reste eines hoch aufgehende Mauerwerks.

      Anderes Beispiel: Jemand läuft beim Campus Galli mit Merowinger-Carbatinae herum und man rechtfertigt das ernsthaft mit der nebulösen Erklärung, in der Bodenseeregion hätten sich ältere alamannische Traditionen länger gehalten, sodass man ja nicht ausschließen könne, dass dieses spezielle Schuhmodell (im 9. Jh) noch in Gebrauch war.
      Das ist die Argumentation eines Mittelaltermarkt-Besuchers,

      Wie auch immer, nicht nur der Campus Galli geht in die Winterpause, sondern auch meine Einlassungen zu diesem Thema ;)

      Löschen
  10. Passt dazu:
    https://www.youtube.com/watch?v=CwE4mk2fbow
    ;-)
    LG,
    Erwin

    AntwortenLöschen
  11. Dieses Verhalten ist wirklich nicht ok. Zuerst dem Kritiker "off camera" Honig um den Bart schmieren und ihm kurz darauf öffentlich ausrichten, dass seine Meinung nichts wert ist. Ich finde, so jemand disqualifiziert sich als ernstzunehmender Gesprächspartner.

    AntwortenLöschen
  12. Die Idee des Campus Galli ist schön, aber nicht zu Ende gedacht und ganz schlecht umgesetzt. Wie so oft, wenn Politiker bei so etwas ein allzu gewichtiges Wörtchen mitzureden haben. Da gibt es zuhauf Beispiele. Wissenschaftliche Erkenntnisse und Bildung kann sich doch niemand ernsthaft in nennenswertem Ausmaß davon erwarten. Es wird zwar als Bildungseinrichtung verkauft, aber Bespaßung, Konsum und Umsatz, darum geht es der Politik, wenn sie unser Geld in so einen Kokolores steckt.

    Der Campus Galli bekommt wegen einer guten Vermarktungsstrategie viel öffentliche Aufmerksamkeit, an der man als Wissenschaftler teilhaben und davon profitieren kann. So etwas zahlt sich schon aus, auch in klingender Münze. Wenn man seine Publikation z.B. bei einer Veranstaltung des Campus Galli anpreisen darf, fördert das den Absatz. Und das für die winzige Gegenleistung, seinen Namen auf die Liste eines Beirates setzen zu lassen.
    Es wird immer unethisch handelnde Wissenschaftler geben, die sich für so etwas hergeben.

    Dominique M.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es ist nicht die Schuld der Politiker, daß im C.G. nicht ordentlich gearbeitet wird. Das ist von Hr. Geurten so gewollt. Infos hat er genug, wie ordentliche Living History geht!
      - Fränkin -

      Löschen

A C H T U N G ! 1. Bitte anonyme Kommentare mit einem (originellen) Pseudonym unterzeichnen - falls keine sonstige Authentifizierung, z.B. mittels Google-Konto oder OpenID, erfolgt! Mehr als ein nicht unterzeichneter Beitrag pro Thread wird aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht freigeschalten! 2. Wir duzen uns hier.