Donnerstag, 24. Oktober 2019

Krimskrams: "Eine große und denkwürdige Tat" -- Gelungene Einführung ins Antike Rom

"Eine große und denkwürdige Tat": Spannender Romanstoff aus der Antike!

Spartacus, Cäsar, Kleopatra, Nero usw. werden in Romanen, Filmen und TV-Serien quasi dauerverwurstet. Diese Einfallslosigkeit sorgt nicht nur zunehmend für Langeweile, sondern ist auch gänzlich unverständlich, denn die Antike gibt wesentlich mehr spannende Themen her als z.B. die Biographien berühmter Persönlichkeiten!
So stoße ich in alten Quellen sowie neuerer Literatur immer wieder auf Überlieferungen, die sich geradezu perfekt als spannende Alternativen eigenen würden. Z.B. erwähnt Karl Strobel in seiner umfangreichen Traian-Biographie eine abenteuerliche Episode, die sich im Jahr 82 nach Christus zugetragen haben soll. Als Quelle dafür nennt er Tacitus' "Agricola". Darin wiederum steht folgendes geschrieben:

Im gleichen Sommer wagte eine Kohorte Usipeter, in Germanien ausgehoben und nach Britannien verlegt, eine große und denkwürdige Tat: Sie hieben einen Centurio und die Legionssoldaten nieder, die zur Unterweisung im Dienst in den Manipeln verteilt waren und als Beispiel und Vorgesetzte dienten. Dann bestiegen sie drei Liburnen, nachdem sie mit Gewalt Steuerleute beigebracht hatten; einer von ihnen führte das Ruder - zwei machten sich aber verdächtig und wurden getötet; dann fuhren sie, noch ehe sich das Gerücht verbreitet hatte, wie eine wunderbare Erscheinung längs der Küste hin.
Später gingen sie an Land, um sich Wasser und anderes Nötige zu holen, stießen mit sehr vielen Britanniern, die ihr Eigentum verteidigten, zusammen und kamen endlich - oft siegreich, oft geschlagen - in solche Not, dass sie die Schwächsten der Ihren, später die durchs Los Bestimmten aufzehrten. 
So umsegelten sie Britannien, verloren durch ihre Unkenntnis der Steuerkunst die Schiffe und wurden, da man sie für Seeräuber hielt, zuerst von den Sueben, dann von den Friesen abgefangen. Und es gab welche, die - auf dem Handelsweg verkauft und durch Weitertausch der Käufer auch bis zu unserem Rheinufer gebracht - die Erzählung eines solchen Schicksals mit Glanz umgab. (Tacitus, Agricola 28)

Wenn heute nahezu unbekannte Begebenheiten wie diese kein wunderbarer Stoff für Historische Romane sind, was dann? Also, liebe Autoren: Ad fontes!

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Gelungene Einführung ins Antike Rom

In einem dieser öffentlich aufgestellten Bücherregale in Graz hat jemand für mich das neben abgebildete Buch "Römische Kulturkunde" entdeckt.

Es handelt sich um die dritte Auflage aus dem Jahr 1974 und ist eigentlich als Zusatzmaterial für den Lateinunterricht im Gymnasium gedacht. Beim durchblättern habe ich allerdings festgestellt, dass es die mit Abstand beste Einführung in das Themengebiet des Antiken Roms ist, die mir bisher je unterkam.
Hier wurden nicht bloß geschichtliche Daten und Namen von historischen Persönlichkeiten aneinander gereiht, sondern vielmehr hat der Autor einen umfassenden, übersichtlichen und nie weitschweifigen Einblick gegeben: Der Leser erfährt z.B. etwas über die römischen Wertbegriffe (dignitas, gravitas, clementia, usw.), die römische Familie, Geburt, Verlobung, Bestattung, Gerichtsprozesse, die wichtigsten Ämter im Staat, die Entwicklung der lateinischen Sprache, das Verhältnis von Latein zu Italienisch, das Vererben von Vermögen, die Verwaltung der Provinzen usw.

Nicht immer entspricht alles der aktuellen Forschungsmeinung - kein Wunder, bei dem Alter des Buchs. Aber insgesamt fällt das nicht ins Gewicht. "Römische Kulturkunde" gibt es gebraucht z.B. bei ZVAB und neuwertig (?) bei Amazon.

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