Sonntag, 29. Juli 2018

📖 Buch: Chronik des Campus Galli 2018 - Von Kindergartenwissen und erdichteten KausalitĂ€ten

Auch dieses Jahr (2018) hat die aus meiner Sicht Ă€ußerst fragwĂŒrdige Mittelalter-Baustelle Campus Galli wieder eine sogenannte "Chronik" veröffentlicht, in der man das vergangene Arbeitsjahr (2017) Revue passieren lĂ€sst. Wobei darauf hingewiesen sei, dass nur ca. die HĂ€lfte des 96 Seiten umfassenden Hefts tatsĂ€chlich relevante Informationen zum Projekt enthĂ€lt, in dessen Rahmen man ausschließlich mit mittelalterlichen Werkzeugen ein karolingisches Großkloster errichten möchte.
Doch sehen wir uns eine unterhaltsame Auswahl der von verschiedenen Autoren verfassten Texte im Einzelnen an 😊

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Ein Ex-Landrat mit GedĂ€chtnislĂŒcken

Wie es bei dieser Chronik-Reihe quasi schon zur Tradition gehört, war Dirk Gaerte - ehemaliger Landrat und Vorsitzender des Campus-Galli-Freundeskreises - auch diesmal wieder fĂŒr die einleitenden Worte zustĂ€ndig. Der pensionierte Politiker  gibt sofort richtig Gas und beklatscht das Besucheraufkommen der Vorjahressaison: Fast 80000 Menschen seien 2017 zur sogenannten 'Karolingischen Klosterstadt' gekommen; 23 Prozent mehr als 2016. Dabei handle es sich um "ĂŒberragende Zahlen"
Was der routinierte Dampfplauderer Gaerte hier geflissentlich vergisst: 'Überragend' sind auch die Förder(un)summen, die in den Campus Galli trotz steigender Besucherzahlen Jahr fĂŒr Jahr gebuttert werden mĂŒssen (weitere Infos hier). Eine solche Langzeit-Bezuschussung durch den indigenen Zahlesel war ursprĂŒnglich nicht geplant. Gaerte selbst mĂŒsste das am besten wissen, schließlich war er als Landrat mitverantwortlich fĂŒr das Abnicken des deutlich zu optimistischen Wirtschaftsplanes, der Voraussetzung fĂŒr das Zustandekommens des Projekts war. 
Doch statt wenigstens leise Selbstkritik zu ĂŒben, schwelgt der gute Mann lieber in weiteren Superlativen: Der im Umland der abgelegenen baden-wĂŒrttembergischen Kleinstadt Meßkirch angesiedelte Campus Galli hĂ€tte mittlerweile eine "Strahlkraft", die sogar "bis nach Österreich reicht".
Was fĂŒr ein 'KunststĂŒck', wenn man bedenkt, dass Vorarlberg und Tirol wesentlich nĂ€her an der prekĂ€ren Mittelalterbaustelle liegen, als z.B. NRW oder Berlin. NatĂŒrlich verirren sich daher manchmal auch ein paar arglose 'Ösis' zum Potemkinschen Mittelalterdorf. Dass es sich bei diesen Besuchern aus dem nahen Ausland aber kaum um eine bedeutende GrĂ¶ĂŸe handelt, lĂ€sst sich u.a aus einem aktuellen Artikel des SĂŒdkurier schließen. Selbst in diesem dem Campus Galli freundlich gesonnenen Lokalblatt heißt es, dass die benachbarten österreichischen und schweizerischen Anbieter fĂŒr Busreisen "noch etwas skeptisch" sind. Völlig zurecht, da die vermeintliche "Klosterstadt" - die nicht einmal die GrĂ¶ĂŸe eines kleinen Dorfes hat - aufgrund ihres relativ armseligen Angebots keine weite Anreise rechtfertigt. Doch dazu spĂ€ter mehr.


  Eine vorbildliche Ausnahme

Wie schon im Fall der Vorjahres-Chronik steuert der fĂŒr den Campus Galli als bauhistorischer  Berater tĂ€tige ArchĂ€ologe Tilmann Marstaller auch dieses Mal den mit Abstand informativsten Text bei. Auf 22 reichlich illustrierten Seiten erlĂ€utert er ausfĂŒhrlich all jene historischen Quellen, die als Grundlage fĂŒr die Chorschranke der kleinen Holzkirche des Campus Galli dienten. Dabei geht er unter anderem auf verschiedene technische bzw. architektonische Aspekte sowie auf die Motive ein, mit denen die durchaus gelungene Holzkonstruktion nach karolingerzeitlichen Vorbildern verziert wurde.

HĂ€tten alle BeitrĂ€ge einen Ă€hnlichen auf das Projekt bezogenen Informationswert wie dieser, dann mĂŒsste man das Heft wohl mit fĂŒnf Sternen bewerten. Doch leider handelt es sich hier um eine Ausnahme.
Anhand dieses Beispiels lĂ€sst sich freilich erahnen, was der Campus Galli sein könnte, wenn das Projekt in wissenschaftlicher Hinsicht durchgehend von tatsĂ€chlich kompetenten Experten getragen werden wĂŒrde. Stattdessen setzte man gerade zu Beginn stark auf Leute von der akademischen Abraumhalde - wie etwa einen unerfahrenen Historiker, der in seinem erlernten Beruf lange Zeit nicht am Arbeitsmarkt vermittelbar war. Dieser Umstand hat das Projekt nachhaltig geprĂ€gt.


 MĂ€rchenstunde mit dem Ortskaiser

Unter der Überschrift "Am Puls der Forschung" steht ein Beitrag, fĂŒr den die freie (SĂŒdkurier-)Journalistin Isabell Michelberger ein ausfĂŒhrliches GefĂ€lligkeitsinterview mit dem Meßkircher BĂŒrgermeister Arne Zwick fĂŒhrte. Dabei wandelte die Interviewerin freilich nicht gerade auf den Spuren von Bob Woodward und Carl Bernstein.

Da BĂŒrgermeister Zwick die politische Hauptverantwortung fĂŒr den seit rund sechs Jahren defizitĂ€r wirtschaftenden Campus Galli trĂ€gt, ist ihm - so wie schon seinem mitverstrickten Parteikollegen Dirk Gaerte - an einer Beschönigung der ZustĂ€nde gelegen. In völliger Umkehr der Fakten behauptet er deshalb, das Projekt sei "solide vorbereitet" gewesen.
Konterkariert wird das Wortgeknatter dieses notorischen Polit-SchmĂ€htandlers beispielsweise durch weit verfehlte Besucherprognosen, immer wieder verlĂ€ngerte bzw. aufgestockte Finanzförderungen, Verzögerungen bei Baugenehmigungen, einen eingestĂŒrzten Schwarzbau und das Schassen des ehemaligen Projektleiters bereits nach der ersten Saison.

Doch der Gipfel des Wahnsinns ist in diesem Interview noch lange nicht erklommen! Da Ortskaiser Zwick gerade so richtig in Fahrt war, schwurbelte er ungehemmt weiter: Er habe "noch niemanden erlebt, der auf dem Campus Galli war und dem es nicht gefallen hat." 
Entweder handelt es sich bei dieser kategorischen Behauptung um eine gezielt platzierte Unwahrheit oder dieser schwindlige Mundwerksbursche hat z.B. noch nie einen nĂ€heren Blick auf die Facebook-Seite des Campus Galli geworfen. Dort finden sich nĂ€mlich an prominenter Stelle durchaus auch negative Rezensionen von Besuchern. Hier ein paar AuszĂŒge:

  • "Ich war im ersten Jahr dort und dieses Jahr wieder. Es passiert zu wenig und was passiert ist nicht authentisch. Das Projekt wird keine 40 Jahre alt. BemĂŒht, aber nicht gekonnt."
  • "Kindergartenwissen zu solch einem Eintrittspreis zu vermarkten grenzt schon an BauernfĂ€ngerei. "
  • "Ich fand es enttĂ€uscht ein paar HĂŒtten auf einem Waldrundweg zu besuchen, was das mit einer Klosteranlage zu tun haben soll hat sich mir nicht erschlossen. Vielleicht in 25 Jahren wieder"
  • "Was mir persönlich etwas gefehlt hat, war das man an einigen Stationen gar nicht richtig informiert wurde. Erst nach nachfragen und dann auch sehr zögerlich."

Man beachte die letzte Kritik. Diese ist von besonderer Bedeutung, da Herr Zwick im von Frau Michelberger gefĂŒhrten Interview betont, er sei mit der Arbeit der Campus-Galli-Angestellten zufrieden. Das gibt beredt ĂŒber den bescheidenen QualitĂ€tsanspruch dieses Herrn Auskunft, wie ich finde.
In der RealitĂ€t haben nĂ€mlich gerade die Mitarbeiter des Projekts aufgrund erheblicher Inkompetenz schon mehrfach unfreiwillig fĂŒr Lacher gesorgt. Beispielsweise als Besuchern erzĂ€hlt wurde, man habe im Mittelalter aus sogenannten Brechbohnen Eisen gewonnen - eine peinliche Verwechslung mit dem im lokalen Boden vorkommenden Bohnerz 😂. Ein anderes Mal wurde Kindern erklĂ€rt, der (eigentlich frĂŒhmittelalterliche) Campus Galli sei in der Römerzeit/Antike angesiedelt ...
Verantwortlich fĂŒr das Unwissen der Angestellten ist der von BĂŒrgermeister Zwick bzw. seinem Gemeinderat nachtrĂ€glich installierte GeschĂ€ftsfĂŒhrer Hannes Napierala; ein ArchĂ€ozoologe, der offensichtlich damit ĂŒberfordert ist, fĂŒr eine adĂ€quate Schulung seiner GĂ€stefĂŒhrer zu sorgen.

Die Frage, ob die Meßkircher-Innenstadt vom (immerhin rund sechs Kilometer entfernten) Campus Galli wirtschaftlich profitiert, bejaht Zwick wenig ĂŒberraschend. Denn schließlich wĂŒrden ihm das Gastronomen und EinzelhĂ€ndler bestĂ€tigen.
Hierbei handelt es sich freilich nur um leeres Gerede, weil diese Luftpumpe keine qualitative Untersuchung vorlegt und stattdessen einfach eine mögliche Korrelationen als KausalitĂ€ten ausgibt. Bezeichnenderweise wurden bisher noch nie die aus verschiedenen Steuergeldquellen abgezapften Millionenförderungen fĂŒr den Campus Galli mit etwaigen Steuermehreinnahmen seriös gegengerechnet. Frei nach dem Motto: 'Was der WĂ€hler nicht weiß, macht ihn nicht heiß'.

Schließlich kommt Arne Zwick kurz auf jenen Punkt zu sprechen, der als Überschrift fĂŒr das Interview herhalten musste - nĂ€mlich die auf dem Campus Galli angeblich betriebene Forschung: "Durch die Zusammenarbeit mit der UniversitĂ€t TĂŒbingen und mit der Aufnahme des Campus Galli in EXARC, der internationalen Vereinigung experimentalarchĂ€ologischer Institutionen, sind wir am Puls der Forschung."
Wissenschaftliche Forschung bedeutet vor allem, dass etwas nachvollziehbar bzw. ĂŒberprĂŒfbar sein muss ('Publish or perish!'). Das allerdings ist beim Campus Galli aufgrund mangelhafter Dokumentationen und fehlender Veröffentlichungen nicht der Fall. Daran Ă€ndern auch die Mitgliedschaft bei der EXARC und eine Partnerschaft mit der Uni-TĂŒbingen nicht per se etwas. Letzteres hat wohl ohnehin nur wenig mit einem tiefergehenden Erkenntnisinteresse zu tun, sondern dĂŒrfte vor allem ein Sammelsurium von Lehrveranstaltungen mit Erlebnis-Charakter sein. Aus PR-GrĂŒnden wird dergleichen mit Hilfe befreundeter Lokalmedien zu vermeintlicher 'Wissenschaft' hochgejubelt.

Zumindest am Ende des Interviews ist Meßkirchs oberster Polit-Spruchbeutel ehrlich. Und zwar wenn er auf die Frage, was ihm am Campus Galli besonders gut gefĂ€llt, bezeichnenderweise an erster Stelle anfĂŒhrt, man könne dort so schön im Wald spazieren gehen. đŸ˜ƒ


 Löffel statt BĂŒcher: Primitive MuseumspĂ€dagogik auf Mittelaltermarkt-Niveau

Armin Heim, Stadtarchivar von Meßkirch, zeichnet fĂŒr den einleitenden Text zu einer mehrseitige Fotocollage verantwortlich, in der verschiedene Ereignisse der vergangenen Saison dokumentiert wurden. Herr Heim schreibt dazu u.a., das Holzkirchlein des Campus Galli habe 2017 "gewissermaßen den letzten Schliff" erhalten.
Interessanterweise hieß es bereits in der Chronik des Vorjahres, dass die Kirche fertig sei (Zitat: "2016 konnte mit der Holzkirche das erste Bauwerk der karolingischen Klosterstadt fertiggestellt werden"). Außerdem wird auch jetzt noch, im Jahr 2018, laut Medienberichten an dem Bau herumgewerkelt. Im Angesicht dessen fĂŒhlt man sich hier an den Film "Und tĂ€glich grĂŒĂŸt das Murmeltier" erinnert.

Immerhin, der Autor verwendet im weiteren Verlauf seines Beitrages den Begriff "MuseumspÀdagogik" im richtigen Kontext. Das ist keine SelbstverstÀndlichkeit, da traurigerweise viele Freilichtmuseen - darunter auch der Campus Galli - MuseumspÀdagogik nicht so recht von Experimenteller ArchÀologie unterscheiden können. Deshalb sprechen sie gerne von letzterem, obwohl sie ersteres meinen.
WÀhrend aber MuseumspÀdagogik ein mittlerweile schon fast banales Werkzeug zur Wissensvermittlung darstellt, ist Experimentelle ArchÀologie eine tendenziell anspruchsvolle wissenschaftliche Methode, mit der auf empirischem Weg wichtige neue Erkenntnisse gewonnen werden können.

Aber aus was setzt sich die MuseumspĂ€dagogik des Campus Galli ĂŒberhaupt zusammen? Nun, Herr Heim nennt hinsichtlich der auf der Baustelle vermittelten historischen Handwerkstechniken Löffelschnitzen und Strohflechten. Dazu kommen noch Besenbinden, Schindelnspalten, Korbflechten, Töpfern, WollefĂ€rben, Weben, Seildrehen, Schmieden, Drechseln sowie Steinmetz- und Zimmermannsarbeiten.
Fast alle dieser AktivitĂ€ten kann man auch auf unzĂ€hligen MittelaltermĂ€rkten beobachten. Dergleichen ist heutzutage einfach nichts Besonderes mehr. DarĂŒberhinaus berichteten einige Besucher, dass beim Campus Galli HandwerksplĂ€tze immer wieder unbesetzt sind. Will heißen, wer zur falschen Zeit vor Ort ist, schaut zumindest teilweise durch die Finger - trotz vollem Eintrittspreis.

Angeblich beabsichtigt man beim Campus Galli, den Besuchern mittelalterliches Klosterleben authentisch nĂ€herzubringen. Ein durchaus löbliches Ziel, doch ausgerechnet jene TĂ€tigkeit, fĂŒr die karolingerzeitliche Klöster bis heute besonders berĂŒhmt sind, kommt in der MuseumspĂ€dagogik des nun schon seit sechs Jahren laufenden Projekts nicht vor: Die Herstellung von illuminierten Handschriften.
Wie untypisch das Fehlen einer eigenen Handschriftenproduktion fĂŒr ein mittelalterliches Kloster ist, lĂ€sst sich z.B. aus den Worten des Kanonikus Gottfried von Sainte-Berbeen-Auge schließen; um das Jahr 1170 schrieb er: "Ein Kloster ohne Bibliothek ist gleichsam wie eine Burg ohne Waffenkammer."
Im FrĂŒhmittelalter wurden BĂŒcher nicht selten in einem Schrank gelagert, der in der Klosterkirche (oder Sakristei) stand. Diese Möglichkeit stĂŒnde auch den Betreibern des Campus Galli offen. Die Schreibarbeiten, das Herstellen des Pergaments etc. könnten wiederum - gut sichtbar fĂŒr Besucher - bei schönem Wetter unter einem einfachen Unterstand auf dem Vorplatz der Kirche  stattfinden.
Doch nichts dergleichen geschieht. Warum? Ganz einfach: Das Herstellen einer mittelalterlichen Handschrift erfordert einiges an FĂ€higkeiten. Damit ist man aber beim Campus Galli nicht gerade im Übermaß gesegnet. Deshalb beschrĂ€nken sich die Möchtegern-Mönche auf das FĂ€rben von Wolle und Ă€hnlichen einfallslosen Kleinkram aus der museumspĂ€dagogischen Grabbelkiste.


 Geschlechtergerecht, aber falsch

Andrea Braun-Henle - Lehrerin und Vorstandsmitglied im Förderverein des Campus Galli - zeichnet fĂŒr einen Beitrag ĂŒber Irmengard verantwortlich, die im Benediktinerinnen-Kloster Frauenchiemsee ihr Spuren hinterließ und bis heute lokale Verehrung erfĂ€hrt.

Mit dem Campus Galli hat der Beitrag herzlich wenig zu tun, daher möchte ich auch nicht im Detail darauf eingehen. Nur soviel dazu: Die Autorin war zwar bemĂŒht, eine vermeintlich 'geschlechtergerechte' Sprache zu verwenden, daher schrieb sie umstĂ€ndlich von "Besucherinnen und Besuchern". Doch hinsichtlich der Beachtung historischer Fakten legte sie einen deutlich geringeren Eifer an den Tag. Sie 'beförderte' nĂ€mlich in ihrem Beitrag Irmengards Vater - Ludwig den Deutschen - fĂ€lschlicherweise mehrfach vom König zum Kaiser. Gerade so, als ob diese beiden Begriffe gleichbedeutend und deshalb austauschbar wĂ€ren. Was freilich Unsinn ist, denn es wĂŒrde ja auch niemand auf die Idee kommen, einen Bundeskanzler als EU-PrĂ€sidenten zu bezeichnen.

Kompetenz und Sorgfalt sehen anders aus - und zwar sowohl die Autorin wie auch das Lektorat des Verlags betreffend. Freilich, zum wissenschaftlich recht bescheidenen Niveau des Campus Galli passt diese Schludrigkeit vorzĂŒglich.


 Frau Punzel, Frau Punzel - lass die Pflugscharen herunter!

Ein Traktor pflĂŒgt die Felder des Campus Galli
Sigrid Weißhaupt, die Direktorin der in Meßkirch beheimateten Goldösch-(Förder-)Schule, berichtet in ihrem Beitrag ĂŒber eine durchaus interessante Kooperation mit dem Campus Galli:
"Jeden Mittwochvormittag verbringen die Sechst- und SiebtklĂ€ssler ihr Praktikum auf der Klosterbaustelle. Am Mitarbeitereingang begrĂŒĂŸt uns Agrarbiologin Mareike Punzel, die fĂŒr GĂ€rten und Felder zustĂ€ndig ist. Nach einer kurzen Besprechung, in der geklĂ€rt wird, was an diesem Vormittag ansteht, machen sich alle gemeinsam auf den Weg zu den Feldern. Dort lernt die SchĂŒlergruppe die verschiedensten Arbeitsprozesse im Bereich der mittelalterlichen Landwirtschaft kennen. So bereiten sie beispielsweise den Ackerboden fĂŒr die nĂ€chste Saat vor [...]. 

Ganz im Sinne der ĂŒblichen Eigendarstellung des Campus Galli zielt dieser Text darauf ab, dem Leser zu vermitteln, auf der Kloster-Baustelle ginge es in historischer Hinsicht besonders authentisch zu. So wĂŒrden etwa von der Agrarbiologin Punzel die Arbeitsprozesse mittelalterlicher Landwirtschaft vermittelt.
Ob zu diesem pĂ€dagogisch wertvollen Freiluft-Unterricht auch gehört, mit dem echt mittelalterlichen Traktor des Campus Galli - der normalerweise verschĂ€mt vor den Besuchern versteckt wird - ĂŒber die Felder zu cruisen? 😁

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FAZIT

Vor allem aufgrund der unzÀhligen Halbwahrheiten, Beschönigungen und Flunkereien ist es nicht möglich, hier mehr als zwei Sterne zu vergeben. Hinzu kommt, dass die HÀlfte des Heft-Inhalts keinen relevanten Bezug zum Klosterbauprojekt hat. Der Kaufpreis betrÀgt 10 Euro.


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Kommentare:

  1. Mehr Ehrlichkeit seitens der Betreiber wÀre sicher von Vorteil ...

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    1. In der Hinsicht wĂŒrde ich mir keine großen Hoffnungen machen. Auf entsprechende Anfragen reagiert man beim Campus Galli meiner Erfahrung nach gar nicht oder höchst ungehalten.

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    2. Der Meßkircher Gemeinderat hat mit Herrn Dr. Hannes Napierala einen braven BefehlsempfĂ€nger eingestellt, der aus persönlicher Existenzangst besonders eifrig an der öffentlichen Beschönigung der gar nicht schönen Sachlage mitwirken wird. Als Absolvent eines Exoten-Fachs bekĂ€me er so schnell keine Anstellung, die der beim Campus Galli gleichkommt.
      Kritik am Campus Galli wird von ihm und dem Gemeinderat gerne mit dem Neid-Argument weggebĂŒrstet oder, wie schon geschrieben worden ist, man stellt sich taub.

      Mr. Frog

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  2. "Frau Punzel, Frau Punzel - lass die Pflugscharen herunter!"

    lol

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    1. Es ist glaube ich auch wirklich das Beste, sich ĂŒber das Thema Campus Knalli einfach zu amĂŒsieren, anstatt sich darĂŒber zu Ă€rgern ��

      Guinevere

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    2. "Campus Knalli", das ist gut! :-))

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  3. Hat sich der Landesrechnungshof eigentlich schonmal mit den öffentlichen Zahlungen an dieses Millionengrab befasst?

    Den Vergleich mit Bundeskanzler und EU-PrĂ€sident (gibt es solch ein Amt ĂŒberhaupt) finde ich etwas unfair, da ja beim deutschen bzw. ostfrĂ€nkischen König und dem Kaiser des heiligen römischen Reiches oft Personalunion bestand (bei Ludwig dem Deutschen aber nunmal nicht, das stimmt)

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    1. Hat sich der Landesrechnungshof eigentlich schonmal mit den öffentlichen Zahlungen an dieses Millionengrab befasst?

      Nicht dass ich wĂŒsste. Der Bund der Steuerzahler war aber mal dran und hat auch einen recht scharfen Bericht verfasst, verfiel dann aber plötzlich in Schweigen und reagiert laut Blog-Lesern auch nicht auf Anfragen zum Thema. Manche meinen, da wĂ€ren politische Seilschaften im Spiel gewesen.

      Und nein, EU-PrĂ€sidenten im Sinne eines StaatsprĂ€sidenten gibts natĂŒrlich (noch) nicht. So ein theoretisches Amt bietet sich aber (meiner Meinung nach) als lockerer Vergleich zum Kaiser an, da auch der ĂŒber viele mehr oder weniger souverĂ€ne FĂŒrsten gebot.

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    2. Nicht nur der Bund der Steuerzahler, sonder auch so ein Rechnungshof ist manchmal leider nicht frei von politischer Einflussnahme.

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  4. Eine interessante Zusammenfassung des derzeitigen Zustands des Projekts. Von der Grundhaltung her scheint sich dort nichts geÀndert zu haben. Weder bei der Vereinsleitung noch bei den Politikern. Man blamiert sich stattdessen wo und wann immer man kann.
    Karl0

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  5. Ich gebe dir absolut recht, dass das museumspĂ€dagogische Gesamtkonzept, vorsichtig formuliert, nicht sehr ehrgeizig ist. Etwas, das aus dem ĂŒblichen Einerlei wie Wollverarbeitung heraussticht, wird nur bei den viel zu seltenen Sonderveranstaltungen geboten. Deshalb ĂŒberlege ich mir auch sehr genau, ob es sich lohnt, mich fĂŒr 7 Stunden in meinen kleinen Peugeot 108 zu setzen, um von Hamburg nach Messkirch zu fahren (und dann nochmal 7 Stunden, fĂŒr die RĂŒckfahrt!). Etwas anderes ist es, wenn man sich zufĂ€llig in der NĂ€he aufhĂ€lt oder in der Umgebung wohnt. Dann mag sich ein Abstecher lohnen. Aber wahrscheinlich auch nur fĂŒr Menschen, die das Bisschen, was der Campus Galli vorzuzeigen hat, ĂŒberhaupt noch nicht kennen.

    Dass man beim Campus Galli mit dem erwirtschafteten Geld selbst nach sechs Jahren noch immer nicht auskommt, lĂ€sst mich vermuten, dass man wahrscheinlich nie schwarze Zahlen schreiben wird. Und wenn ich dann lese, dass man fĂŒr eine Scheune, das zweite Bauwerk neben der Kirche, mindestens drei Jahre veranschlagt, dann frage ich mich ernsthaft, wie diese Leute guten Gewissens behaupten können, sie wĂŒrden da eine Klosterstadt bauen. Es muss ihnen doch lĂ€ngst klar sein, dass sie nie fertig werden. Die verkaufen die Öffentlichkeit mMn fĂŒr dumm.

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  6. Sehr gute Kritik, weil im einzelnen makellos begrĂŒndet.Liebe GrĂŒĂŸe,Robert

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  7. "Klerikerin" Irmengard - stammt dieser Unsinn von Braun-Henle oder Hiltibold?
    Leser

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    1. Asche auf mein Haupt, stammt von mir. Habe es ausgebessert.

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  8. Brechbohnen sind aber auch wirklich schwer von Bohnerz zu unterscheiden ;-)

    Was mich allerdings brennend interessieren wĂŒrde: Wer hat den Wirtschaftsplan ausgearbeitet? War das der Verein, die Gemeinde, das Land oder jemand anders?

    NĂ€chster Punkt: Auf der Internetseite des Projekts steht, dass man einen L-förmigen Kreuzgang an die Holzkirche anbaut, der ins Nirgendwo fĂŒhrt.
    WĂ€re es im Hinblick auf Logik und Historie nicht sinnvoller, man wĂŒrde zuvor ein Refektorium und ein Dormitorium bauen?

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    1. An der Erstellung des abstrusen Wirtschaftsplans war wohl eine Fachhochschule oder Hochschule beteiligt - soweit ich mich richtig erinnere. Welche genau das war, mĂŒsste ich allerdings nachschauen.

      Klar, der Kreuzgang ist zu diesem Zeitpunkt Unsinn. Dergleichen interessiert die Macher aber nicht. Man baut wild durcheinander, wider jede Logik.

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  9. Die EXARC ist aus wissenschaftlicher Sicht in Teilen ein Saftladen, der immer wieder solchen unseriösen Freilichtmuseen und LH-Gruppen eine unkritische BĂŒhne bietet. Ich war frĂŒher oft auf deren Veranstaltungen, erspare mir das aber wegen der unterirdischen wissenschaftlichen QualitĂ€t lĂ€ngst. Bei einem meiner letzten Besuche hat eine Vortragende das Backen von kupfersteinzeitlichen Brotfladen mit Kindern als wichtigen Forschungsbeitrag verkaufen wollen. Dabei war das Rezept dafĂŒr rein spekulativ und die ErlĂ€uterungen bestanden aus einem dĂŒrren A4-Blatt.

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  10. Im Zwick-Interview heißt es auch, dass sich die Kritiker der Klosterstadt immer nur auf die negativen Aspekte konzentrieren.
    Das sagt ausgerechnet jemand, der sich selbst nur die Rosinen rauspickt.

    GrĂŒĂŸle,
    Maria

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  11. Die fĂŒr den SĂŒdkurier schreibende Isabell Michelberger ist ein gutes Beispiel fĂŒr die Verflechtungen zwischen der mit Steuergeld finanzierten Klosterstadt und den Medien im Landkreis, die schĂŒtzend ihre Hand ĂŒber das Projekt halten, indem sie der Bevölkerung wichtige ZusammenhĂ€nge vorenthalten.
    QX

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  12. Dass sich nicht viel tut bei diesem Projekt, kann man gut an den Titelbildern der Chroniken erkennen. Seit 2015 wird jedes Jahr immer nur die hölzerne Behelfskirche darauf gezeigt. Offensichtlich gibt es dort sonst kein besseres Motiv.

    https://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&url=search-alias%3Daps&field-keywords=campus+galli

    Hagen

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  13. Den Medien fehlt offensichtlich der Mut, einzugestehen, dass der Kaiser, in Form des Campus Galli, ja gar nichts an hat.

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