Samstag, 7. Februar 2026

📖 Zeitschrift Bayerische ArchĂ€ologie - Heft 3.25: Römerzentren Bayerns (Ideologie und Tugend-Posing in archĂ€ologischen Museen)

Mit der Rezension dieser bereits im FrĂŒhherbst 2025 erschienen Ausgabe der Reihe "Bayerische ArchĂ€ologie" bin ich arg spĂ€t dran,... aber was will man machen!? Wie der Hefttitel bereits klar und deutlich verkĂŒndet, geht es thematisch um die "RÖMER ZENTREN BAYERNS". Den Bindestrich hat man sich hier geschenkt. Der Verlag Pustet muss wahrscheinlich sparen ...

Exemplarisch werde ich aus dem Heft einige BeitrĂ€ge herausgreifen, die mir entweder gut gefallen oder die bei mir schlicht Mordlust hervorrufen (es kann sich fallweise auch irgendwo dazwischen bewegen 😉). 
 

Modernes Museumsmarketing: Narzissmus und Ideologie
 
Die Entwicklung und den Aufbau der römischen Stadt Cambodunum (heute Kempten), beschreiben Maike Sieler und Salvatore Ortisi in einem lĂ€ngeren Beitrag (letzterer Herr ist quasi der italienische 'AustauscharchĂ€ologe', der als Ersatz fĂŒr den nach Italien abgewanderten Gabriel Zuchtriegel nach Deutschland geschickt wurde 😄). 
Der Text ist an sich ok, besonders gefallen haben mir die erhellenden Rekonstruktionsgrafiken wie etwa vom Forum der Stadt. Auch die Fotos von echten Rekonstruktionen römischer Bauten, die man heute im ArchĂ€ologischen Park Cambodunum bestaunen kann, sind sehr schön. 

Leider findet sich ganz am Ende des Beitrages (S. 19) ein Paradebeispiel fĂŒr wokes Museums-Marketing: Die personell auffĂ€llige Zusammensetzung bzw. demographisch atypische Gewichtung im entsprechenden Foto wurde ja mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht rein zufĂ€llig so gewĂ€hlt wie sie gewĂ€hlt wurde: Ein blondes MĂ€dchen und ein MĂ€dchen sowie ein Bub von vielleicht nordafrikanischer bzw. sehr 'sĂŒdlĂ€ndischer' Herkunft werden beim gemeinsamen Besuch des archĂ€ologischen Parks gezeigt. Auch die Geschlechterverteilung ist hier eher kein Zufall. Kaum etwas an dieser Bildkomposition dĂŒrfte spontan oder authentisch sein - das legt jedenfalls die jahrelange Beobachtung solcher Inszenierungen im weltanschaulich lĂ€ngst nicht mehr sehr diversen geschichtswissenschaftlich-archĂ€ologischen Milieu nahe. Wollte man hier also in der ĂŒblichen billig-narzisstischen Weise Tugend signalisieren, um Bonuspunkte in der eigenen sozialen Blase zu sammeln? Oder kommt in diesem Bild gar eine Art umgedrehter Rassismus zum Ausdruck, der einen totalen demographischen Wandel herbeisehnt? So oder so, diese Leute, die oft auf Steuerzahlerkosten an allen Ecken und Enden ihre Politik induzieren, sind schlicht unertrĂ€glich. 

Anmerkung: Ich verzichte auf das Posten des gegenstĂ€ndlichen Bildes, weil die darauf abgebildeten Kinder in Ruhe gelassen werden sollen. Sie können nichts dafĂŒr, dass sie von Erwachsenen quasi instrumentalisiert werden.
 
 
"Aberglaube"
 
In einem interessanten Beitrag ĂŒber die römische Stadt Sorviodurum (Straubing) wird am Rande ein (keramisches?) ZauberpĂŒppchen erwĂ€hnt bzw. gezeigt. Man hat es in der Antike - vermutlich wie eine Voodoo-Puppe - mit Nadeln durchstochen. Im Inneren befindet sich ein kleiner Hohlraum, in den einst magische Stoffe gesteckt wurden (angeblich). 
Interessanterweise wird das alles vom Autor mit dem Begriff "Aberglaube" punziert. Doch wieso eigentlich? Schließlich handelt es sich dabei um einen in unseren Breiten traditionell christlich geprĂ€gten SchmĂ€hbegriff. Hingegen fĂŒr die Menschen dazumal war beispielsweise ein solches PĂŒppchen völlig normal und Teil der alltĂ€glichen Glaubenswelt. 
Ich finde es erstaunlich, dass es immer noch Historiker und ArchĂ€ologen gibt, die das nicht berĂŒcksichtigen; so als ob die AufklĂ€rung nie stattgefunden hat und man Funde/Befunde immer noch durch die Brille des Christentums filtern muss.


Lametta und Hut

In der Heftmitte verschwendet man wieder einmal Platz fĂŒr die "Mitteilungen" der Gesellschaft fĂŒr ArchĂ€ologie in Bayern. Lauter Blabla. Darunter ein kurzer Bericht ĂŒber die Verleihung der sogenannten "Christlein-Medaille" (immerhin fehlt der Bindestrich hier nicht 😆). Ich werde nie vollstĂ€ndig begreifen, warum sich Leute darĂŒber freuen, wenn man sie - einem Weihnachtsbaum nicht unĂ€hnlich - mit Lametta behĂ€ngt. Im gegenstĂ€ndlichen Fall handelt es sich beim PreistrĂ€ger aber zumindest nicht um einen typischen Establishment-Hansel, der fĂŒr Wohlverhalten belohnt wird, sondern um einen fleißigen Ehrenamtlichen.
Grinsen musste ich freilich, als ich auf einem Foto - das sich neben dem Text ĂŒber die Preisverleihung befand - ein weiteres Beispiel aus der Kategorie "lustiger ArchĂ€ologenhut" entdeckte. 😁


Thomas Fischer

Gute gefallen hat mir das abgedruckte Interview mit dem ArchĂ€ologen und Römer-Forscher Thomas Fischer, den sicher einige Blogleser kennen werden. Von ihm habe ich bereits mehrere BĂŒcher im Rahmen des Blogs besprochen, z.B. "Die Armee der Caesaren". Mittlerweile gibt es eine weitere dicke Publikation von ihm: "Bayern zur Römerzeit." Vielleicht werde ich auch hier wieder zugreifen. 
Fischer, der mittlerweile im Ruhestand ist, hat außerdem einen Science Fiction-Roman geschrieben und ist Donald-Duck-Fan. Ein Mann mit sehr unterschiedlichen Interessen! 


Da sehe ich schwarz ... (schon wieder!)

Wie im Fall des eingangs erwĂ€hnten ArchĂ€ologischen Parks Cambodunum, so ist man wohl auch im kleinen Römermuseum Bedaium (Seebruck) der Meinung gewesen, die Normalisierung der ethnischen Nicht-Norm sei geboten. Denn anders kann die sehr dunkelhĂ€utige Schaufensterpuppe schwerlich erklĂ€rt werden, die Teil eines Dioramas ist, welches im Rahmen einer Sonderausstellung ĂŒber römische Landwirtschaft prĂ€sentiert wird. Wer fĂŒhlt sich hier nicht an jene berĂŒchtigte BBC-Cartoon-Dokumentation ĂŒber das römische Britannien erinnert, die vor nicht allzu langer Zeit fĂŒr KopfschĂŒtteln sorgte?

Jeder ernstzunehmende ArchĂ€ologe/Historiker weiß ganz genau: Gebiete, die in Subsahara-Afrika bzw. Schwarzafrika liegen, waren nie Teil des Römischen Reichs. Auch hatte Rom nur marginale BerĂŒhrungspunkte mit dieser Weltgegend. Der Handel war sehr ĂŒberschaubar (dann vor allem mit Äthiopiern, Nubiern) und große Kriege, die schwarzafrikanische Gefangene in nennenswertem Ausmaß ins Reich transferiert hĂ€tten, gab es praktisch nicht. Dementsprechend findet man in alten römischen Bildquellen Schwarzafrikaner (mitunter pauschal als Aethiopes bezeichnet) nur ganz selten. Sie waren, das bezeugt auch die ArchĂ€ologie, nie ein alltĂ€glicher Anblick. Ganz besonders nicht in einer nördlich gelegenen Provinz, die sich auf dem Gebiet des heutigen Bayern befand! 

Den handelnden Personen im Römermuseum Bedaium ist dergleichen offenbar wurscht. Dementsprechend kommt hier der dringende Verdacht auf, dass sie keine stringent ernstzunehmende Wissensvermittlung betreiben wollen, sondern den Versuch unternehmen, Museumsbesucher mittels einer bewussten ethnisch-historischen Fehlgewichtung zu indoktrinieren. Oder anders formuliert: Man suggeriert, eine absolute Ausnahme sei dazumal die Regel gewesen. Und das ist gegebenenfalls noch viel schlimmer als das ganz oben beschriebene Werbesujet des ArchÀologischen Parks Cambodunum. Denn darin lÀsst man die ideologietriefenden Finger zumindest von den historischen Fakten.

Im Übrigen: Solche Dioramen sehen weniger billig und gruselig aus, wenn man die Köpfe und HĂ€nde entweder komplett weglĂ€sst oder die 'nackten' Körperteile verdeckt (dann auch gerne durchgehend mit dunklem Stoff, da hier niemand mit Verstand annehmen wird, es handle sich um eine ethnische Darstellung). Das erleichtert es den Betrachtern, sich auf das Wesentliche (die Kleidung und AusrĂŒstung) zu konzentrieren, anstatt sich von den toten Augen der Schaufensterpuppe ablenken zu lassen (was ansonsten fast zwangslĂ€ufig der Fall ist). Wie das kostengĂŒnstig mit ein paar Damenstrumpfhosen geht, habe ich bereits in einem Blogbeitrag gezeigt


Fazit

Ein interessantes Heft, das u.a. offenbart, mit welchen intellektuellen und charakterlichen UnzulĂ€nglichkeiten man heutzutage im geschichtswissenschaftlichen Betrieb konfrontiert wird. 

1 Kommentar:

  1. Danke dir, lieber Hilti, fĂŒr diesen ausgezeichneten Beitrag! Du hast das Problem mit der Politisierung archĂ€ologischer Museen sehr gut anhand dieser Beispiele aufgedröselt. Als FMA-Darstellerin (seit 1999 dabei) kenne ich viele Museumsmitarbeiter in BaWĂŒ , Bayern und der Schweiz, die sehen das oft genauso wie du. Aber die trauen sich nicht mehr, das zu kritisieren. Da wirst du sofort intern niedergemacht. Eine ganz traurige Entwicklung, wenn man die PrioritĂ€ten so total falsch setzt.

    GrĂŒĂŸle,
    Maria

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