Dienstag, 27. Februar 2018

Eine UFO-Sichtung im Mittelalter und die 'extraterrestrischen' Prodigien des Livius



Vorweg: Die Abkürzung 'UFO' bedeutet unidentifiziertes bzw. unbekanntes Flugobjekt - keinesfalls kann hier aber per se von Außerirdischen in fliegenden Untertassen ausgegangen werden. Im Gegenteil, ich persönlich würde nicht einmal drauf wetten wollen, dass außerhalb der Erde Leben existiert. Und doch gibt es Himmelsphänomene, die sich (zurzeit) nicht auf rationale Weise erklären lassen. Mehrere Staaten betreiben deshalb hochoffiziell Forschung zu diesem Thema. Allen voran Frankreich, wo die dem Nationalen Zentrum für Raumfahrtstudien zugeordnete GEIPAN UFO-Meldungen bündelt und wissenschaftlich auswertet. 

Um UFO-Sichtungen in der jüngeren Vergangenheit soll es hier aber nicht gehen; vielmehr möchte ich das Augenmerk der Leser auf einen Vorfall lenken, der sich im Mittelalter zugetragen haben soll. In einem aktuellen Youtube-Video (danke für den Hinweis) sowie in diesem Artikel werden die damaligen Ereignisse anhand des mittelalterlichen Originaltextes beschrieben. Es geht dabei um ein feuriges Objekt, das im 14. Jahrhundert zuerst wie ein Meteorit in der österreichischen Stadt Feldkirch einschlug, dann aber nach einiger Zeit völlig 'unmeteoritenhaft' vor den zusammengelaufenen Schaulustigen wieder in die Luft aufstieg und zwischen den Wolken verschwand.

Selbstverständlich ist der bloße Eintrag in einer Chronik kein Beleg dafür, dass sich derartiges tatsächlich so zugetragen hat. Papier ist bekanntlich geduldig. Solche Überlieferungen deshalb aber einfach beiseite zu wischen, entspräche auch nicht gerade dem Geiste der Wissenschaft. Skepsis ist wichtig, sollte aber nicht zu selbstauferlegten Denkschranken führen. Notorische Verneiner haben in der Forschung nichts verloren.

Beschreibungen von Merkwürdigkeiten am Himmel finden sich schon in antiken Quellen. Besonders der römische Geschichtsschreiber Titus Livius schwelgt in seinem Werk Ab urbe condita in sogenannten Prodigien - dabei handelt es sich um Naturphänomenen, die das Volk auf göttliches Wirken zurückführte. Wobei die entsprechenden Beschreibungen nicht zwangsläufig wortwörtlich genommen werden sollten, sondern mitunter auch im übertragenen Sinn zu verstehen sind. Hier ein paar interessante Beispiele, die man als UFO-Sichtungen oder mögliche Begegnungen der dritten Art interpretieren könnte - wenn man das möchte 😉


Ab urbe condita | 21. Buch, 62, 1-6
➤ Im Gebiet von Amiternum zeigten sich in der Ferne weiß gekleidete, menschenähnliche Gestalten, die aber mit niemandem Kontakt aufnahmen.
➤ Erscheinungen von Schiffen strahlten vom Himmel.

Ab urbe condita | 22. Buch, 1, 8-12
➤ In Arpi sah man am Himmel Rundschilde und einen Kampf zwischen Sonne und Mond.
➤ In Capena gingen am helllichten Tag zwei Monde auf.
➤ In Falerii sah der Himmel aus, als ob er einen Riss hätte, und helles Licht leuchtet daraus hervor.

Ab urbe condita | 24. Buch, 10, 6-12
➤ In Hadria zeigte sich am Himmel ein weißer Altar, und um ihn Menschen in weißen Gewändern.

Ab urbe condita | 25. Buch, 7, 8
➤ In Reate sah man riesige Felsen durch die Luft fliegen.

Ab urbe condita | 28. Buch, 11, 2-4
➤ In Alba waren zwei Sonnen zu sehen.
➤ In Fregellae wurde es mitten in der Nacht taghell (dieses Prodigium findet sich in einem anderen Zusammenhang auch im 29. Buch, 14, 3).


Abschließend noch ein Hinweis zum Titelbild dieses Beitrages. Es handelt sich dabei um eine Darstellung auf dem sogenannten "Basler Flugblatt". Darauf zu sehen sind heute nur schwer erklärbare Himmelserscheinungen, die im Juli und August des Jahres 1566 über der Stadt Basel vor unzähligen Augenzeugen an drei verschiedenen Tagen zu sehen gewesen sein sollen. Rote und schwarze Kugeln hätten damals am Himmel einen Kampf ausgetragen, heißt es.
Freilich, auch hier gilt wieder: Papier ist geduldig, und nichts Genaues weiß man nicht. Aber hochinteressant ist der beschriebene Fall allemal - außer natürlich, man betrachtet ihn aus dem Blickwinkel eines notorischen Verneiners, der auf Grundlage von Vermutungen schon im Vorhinein genau weiß, dass es sich hierbei nur um eine religiöse oder sonstige Hirnspinnerei handeln kann.

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Kommentare:

  1. Das Basler Flugblatt wurde ja sehr zeitnah nach den darin beschriebenen Himmelserscheinungen herausgegeben. D.h., die damaligen Leser hätten sofort erkannt, ob die Beschreibungen erfunden waren oder nicht. Anders hätte es sich verhalten, wenn der Text erst zu einem Zeitpunkt entstanden wäre, an dem mögliche Augenzeugen alle längst tot waren. Deshalb hat das Flugblatt für mich schon eine gewisse Glaubwürdigkeit, auch wenn es schwierig ist zu sagen, was die Ursachen für die Himmelserscheinungen waren.

    Der Wanderschmied

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  2. Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie unnatürlich natürlich vorkommende Himmelsphänomene aussehen. Mittlerweile ist uns die Entstehung von Nordlichtern bekannt, sie wirken aber trotzdem übernatürlich. Das gleiche gilt auch für Lichtsäulen wie diese hier:

    https://news.nationalgeographic.com/news/2009/02/photogalleries/light-pillars/

    Ich wüsste nicht, wie die Menschen damals entsprechende Phänomene anders hätten interpretieren sollen als als göttliches Zeichen.

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    1. Das ist schon richtig, aber ob ob z.B. diese Lichtsäulen auch beim schwachen Licht einer Fackel, eines Kienspans oder einer Öllampe entstehen würden? Ist das nicht eher ein modernes Phänomen?

      Livius selbst war übrigens skeptisch, dass die beschriebenen Erscheinungen allesamt göttliche Zeichen waren. Er meint mindestens einmal sinngemäß, dass hier die Bevölkerung in ihrem Aberglauben zuviel hineininterpretiert.

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    2. Man wird bezüglich des Glaubens an gottgesandte Zeichen von gewissen Auffassungsunterschieden zwischen der gebildeten Schicht und der breiten Masse des Volks ausgehen dürfen. Antike Schriftsteller äußern sich nämlich relativ häufig skeptisch, wenn es um Religion geht. Dazu gibt es mittlerweile einige interessante Arbeiten.

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