Im Sachbildband "Asiens Unterwelt" dokumentieren die Höhlenforscher Heinrich und Ingrid Kusch ihre jahrzehntelange ForschungstĂ€tigkeit auf dem asiatischen Kontinent, wo ausgedehnte Höhlen selbst heute noch groĂe religiöse und kultische Bedeutung besitzen. Da einige dieser Anlagen lĂ€ngst in Vergessenheit geraten sind oder vor Fremden geheimgehalten werden, mussten die Eheleute Kusch mitunter erst das Vertrauen von einheimischen Wissenden gewinnen, um zu den Objekten ihres Forschungsinteresses zu gelangen.
Im Buch werden unzĂ€hlige Beispiele fĂŒr die Ausgestaltung kultischer und religiöser Höhlen gezeigt. Diese reichen von einfachen, aber kurios anmutenden Malereien im seltenen "Röntgenstil" (ich will gar nicht wissen, wie Erich von DĂ€niken das interpretiert đ) bis hin zu aufwendigen Steinmetzarbeiten, die jenen der europĂ€ischen Gotik in Sachen Kunstfertigkeit und Aufwand in nichts nachstehen.
Wie Heinrich und Ingrid Kusch schreiben, sind in manch Höhle auch ungewöhnliche Spuren zu erkennen, die auf bis dato unerklĂ€rliche Bearbeitungstechniken hinweisen. Als Beispiel dafĂŒr wird eine Anlage in der chinesischen Provinz Zhejiang genannt. Die dort aus dem Felsen geschlagenen, eventeuel schon Jahrtausende alten Hallen sollen Höhen von bis zu 99 m (!) erreichen und besitzen an der Decke eine OberflĂ€che aus merkwĂŒrdig anmutenden meterlangen Rillen / Hohlkehlen - siehe die beiden nachfolgenden Bilder.
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Unterirdische Anlage in der chinesischen Provinz Zhejiang. Dass es sich dabei ursprĂŒnglich um einen Steinbruch fĂŒr oberirdische Bauwerke gehandelt hat ist wohl unwahrscheinlich, weil das hier vorkommende Gestein anfĂ€llig fĂŒr Verwitterung ist. Als Depots eigneten sich die RĂ€ume ebenfalls nicht, da sie zu feucht und auch viel zu groĂ/hoch sind. Welchen Zweck erfĂŒllten diese beeindruckenden, teilweise touristisch erschlossenen Anlagen aber dann? Aus "Asiens Unterwelt", Verlag V.F. Sammler, 2018 | (c): www.mysteries-magazin.com |
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Detailaufnahme der auf dem vorangegangenen Foto abgebildeten unterirdischen Halle. Links handelt es sich um Werkzeug-spuren an der SÀule, rechts um die besonders auffÀlligen Werkzeugspuren an der Decke, die geradezu maschinell wirken. Aus "Asiens Unterwelt", Verlag V.F. Sammler, 2018 | (c): www.mysteries-magazin.com |
Höhlenforschung kann zu seltsamen Erfahrungen fĂŒhren. So geht beispielsweise - wie wissenschaftliche Versuche ergaben - das ZeitgefĂŒhl unter Tage rasch verloren. Auf diesen Umstand sind möglicherweise jene alten Sagen zurĂŒckzufĂŒhren, in denen es heiĂt, Menschen seien beim Erkunden einer Höhle eingeschlafen und nach dem Aufwachen in eine Welt zurĂŒckgekehrt, die viele Jahre in der Zukunft lag; die Zeit wĂ€re demnach in der Höhle langsamer als in der AuĂenwelt vergangen.
Solchen ErzĂ€hlungen und Mythen, die sich um unterirdische Anlagen ranken, dĂŒrften in der NS-Zeit dafĂŒr mitverantwortlich gewesen sein, dass im Rahmen der Forschungsgemeinschaft "Deutsches Ahnenerbe" Höhlenforscher sowie ArchĂ€ologen u.a. nach Asien entsandt wurden. Die Buchautoren berichten davon, dass sie noch mit einem Grazer Höhlenkundler sprachen, der in den 1940er-Jahren von der SS regelrecht aus dem Bett geholt und nach Wien gebracht wurde, um dort persönlich mit Adolf Hitler zu konferieren.
Neben dem Sagenhaften und scheinbar Ăbersinnlichen gibt es jedoch auch richtig Handfestes, mit dem Höhlenforscher konfrontiert werden können. So berichten die Autoren davon, wie sie beim Betreten eines alten, schwer zugĂ€nglichen buddhistischen Höhlentempels plötzlich von tausenden indischen Riesenbienen attackiert wurden, welche die GröĂe europĂ€ischer Hornissen (!) erreichen. Noch nach ĂŒber einem Kilometer Entfernung wollten die erzĂŒrnten Honigsammler nicht von ihren flĂŒchtenden Opfern ablassen. Erlebnisse wie dieses könnten auch aus einem Indiana-Jones-Film stammen!
So weit, so gut. Ein wenig zu kritisieren habe ich, dass Texte und Bilder mitunter nicht ganz geschickt aufeinander abgestimmt wurden. Hier hĂ€tte sich der fĂŒrs Layout ZustĂ€ndige ein bisschen mehr anstrengen können. Auch die eine oder andere zusĂ€tzliche Quellenangabe / tiefergehende AusfĂŒhrung hĂ€tte ich mir manchmal gewĂŒnscht.
Fazit: In "Asiens Unterwelt" wird ein schöner Einblick in die Welt der unterirdischen KultstĂ€tten des asiatischen Kontinents gegeben. Die von den Autoren dokumentierte Vielfalt ist beeindruckend und hat mich ĂŒberrascht. Der Kaufpreis betrĂ€gt rund 30 Euro.
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Die BĂŒcher von Heinrich Kusch sind immer sehr interessant. Werde mir bestimmt auch das bei nĂ€chster Gelegenheit im Buchladen holen. GrĂŒĂe , Torben
AntwortenLöschenDiese chinesische Höhle sieht schon bemerkenswert aus!
AntwortenLöschenDas hÀtte auch ein moderner Architekt so entwerfen können.
Mich wĂŒrde interessieren, wie das Werkzeug und die Arbeitstechnik aussehen, die zu einer solche OberflĂ€chen fĂŒhren.
LöschenGero
Maschinell sehen die Arbeitsspuren zwar auf den ersten Blick aus, aber um wirklich von Maschinen zu stammen, mĂŒsste sie symmetrischer sein.
Löschen@ Martin W.: Den Eindruck habe ich auch.
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