Samstag, 24. Januar 2026

🎧 Hörbares: Dominique Görlitz kritisiert Heinrich Kusch und den Besitzer der 12-Apostel-Zeche -- Älteste bekannte Höhlenmalerei entdeckt -- Die Geschichte des Artnappings -- Der schlechte Ruf der Vandalen -- usw.


 Dominique Görlitz: Das Eisen der Pharaonen und der Vorwurf methodischer Mängel sowie Geheimniskrämerei | Spieldauer 192 Minuten | CROPfm | Stream & Info | Direkter Download
Eigentlich sollte es um die umstrittene Verwendung von Eisenwerkzeugen im frühen Ägypten gehen. Allerdings entwickelte sich die Sendung dann immer mehr in eine andere Richtung und der Expermientalarchäologe Dominique Görlitz ließ dabei die eine oder andere Kritik-Bombe platzen; besonders hinsichtlich der archäologischen Untersuchungen in der 12-Apostel-Zeche, an der auch der Grazer Höhlenforscher und Urgeschichtler Heinrich Kusch beteiligt ist (siehe mein Text dazu). So heißt es etwa, dass man sich weigern würde, einige der Funde von den weltbesten Experten mit maximaler Präzision datieren zu lassen, obwohl Dominique Görlitz für die Kosten aufkommen würde. Und dass außerdem in Osteuropa Betriebe existieren, die Reproduktionen keramischer Objekte der Vinča-Kultur - wie sie in der 12-Apostel-Zeche archäologisch entdeckt wurden - auf Bestellung produzieren können. Görlitz betont, dass er nichts Konkretes wie gezieltes Fälschen unterstellt, aber ihm die Gemengelage seltsam vorkommt; im besten Fall würde der Besitzer der 12-Apostel-Zeche durch seine Weigerung der Weltöffentlichkeit eine Sensation vorenthalten.  Auch Tarek, der Interviewer des Gesprächs, merkte an, dass er bei seinem Besuch in der 12-Apostel-Zeche auf Ungereimtheiten stieß.
Schließlich zweifelt Dominique Görlitz auch die von Heinrich Kusch verwendete TCN-Methode an, die dieser genutzt hat, um in verschiedenen Zusammenhängen Steinoberflächen zu datieren; da würde es bessere Möglichkeiten geben, sagt Görlitz. Kusch hat andererseits gemeinsam mit einem Fachmann bereits im Jahr 2023 eine Arbeit veröffentlicht, in der die TCN-Methode und ihre Anwendung sehr konkret erläutert wird; ich habe darüber berichtet). 
Kurz gesagt, diese interessante Sendung sollte man sich unbedingt anhören. Die Kritik findet man vor allem in der zweiten Hälfte.

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6 Kommentare:

  1. Könnte theoretisch nicht der Kusch getäuscht worden sein? Der Eigentümer der Zeche hätte ja einiges selber vergraben können, bevor Kusch und sein archäologisches Team angerückt sind, oder?
    Tom

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    1. Die Frage hat mir schon einmal jemand gestellt. Und ja, es ist prinzipiell denkbar, dass hier Objekte zwecks Täuschung rezent vergraben wurden, ohne dass man das später als Archäologe in der vorhandenen Stratigraphie feststellen kann. Aber wir wissen im konkreten Fall zu wenig, um eine gute Einschätzung vornehmen zu können.

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  2. Habs mir angehört, war eine spannende Sendung.
    Die Sache mit der Zwolf Apostelzeche..... schon eigenartig. Das ist ein Thema, bei dem man unbedingt nachbohren müsste.

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    1. Ja, vielleicht kommt Herr Kusch wieder einmal zu CROPfm in die Sendung. Dann könnte man ihn gezielt danach fragen. Der Besitzer der 12-Apostel-Zeche dürfte allerdings weniger gesprächig sein, anderenfalls hätte er sich Dominique Görlitz gegenüber nicht taub gestellt. Was im Übrigen nicht nur ein Indiz sein kann, dass hier möglicherweise etwas mit den Funden nicht stimmt, sondern vor allem auch auf schlechte Manieren hindeutet, denn ein freundliches "nein, danke" wäre bei einem so großzügigen Angebot das Mindeste gewesen.

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  3. Die Historikerin scheint mir noch sehr wohlwollend zu sein, wenn sie die von Kusch präsentierten Texte als "Abschriften des 18. und 19. Jahrhunderts" bezeichnet. Das tut ja auch Kusch selbst in seinem Vortrag vor Kurzem (https://hiltibold.blogspot.com/2026/01/videos-ein-museum-ohne-seinen.html). Tatsächlich werden die von Kusch (wie immer ohne Quellenangaben) als Texte aus dem 16. Jahrhundert angeführten Auszüge schwerlich vor dem 20. Jahrhundert entstanden sein. "Abschriften" müssten bis auf Varianten der Schreibweise den usprünglichen Wortlaut annähernd wiedergeben. Auch kann man diese Fiktionen schlecht als Fälschungen bezeichnen, da sie so gut wie gar nicht realistischen Texten jener Zeit nachempfunden sind.

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    1. Nicht alle Dokumente, die Heinrich Kusch in seinen drei Büchern über Erdställe und 12-Apostel-Zeche verwendet, sind Abschriften. Außerdem kann auch eine Abschrift bereits Jahrhunderte auf dem Buckel haben. Der Umstand, dass es sich um eine Abschrift/Kopie handelt, macht den Inhalt ja nicht per se unglaubwürdig. Wie authentisch Kuschs Textquellen sind, wird man aber von Einzelfall zu Einzelfall gesondert und durchaus kritisch beurteilen müssen.

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