Montag, 7. Juli 2014

Videos: Stonehenge vs Pyramiden und ein Living-History-Vortrag

Ein zum Teil unfreiwillig komische Doku aus dem Jahr 1939 findet sich bei Youtube. Der Titel lautet: Pyramiden und Stonehenge: Ansichten und Theorien um uralte Baudenkmäler der Menschheit - Teil 1Teil 2
Unter anderem wird im 2. Teil geschickt der Eindruck erweckt, dass Stonehenge von Germanen erbaut wurde :)

Die bemalten Sperrholz-Bühnenbilder der Pyramiden überzeugen übrigens trotzdem mehr als manch moderne CGI-Doku von Guido Knopp und Konsorten. Überhaupt scheint mir - abgesehen von einigen tendenziösen Aussagen - das Sendungskonzept nicht schlecht zu sein (das darf ich sagen, da ich auch Autobahnen gut finde und demnach nichts mehr zu verlieren habe ^^): Ein spontanes Streitgespräch zwischen Gelehrten in exotischer Atmosphäre, durch das unterschiedliche Lehrmeinungen und Thesen herausgearbeitet werden. Zwischendurch blendet man informative (in dem Fall leider auch "desinformative") Filmsequenzen ein.
Das alles ist um ein Vielfaches intelligenter als jener absurde Reenactment-Krawall, der bei modernen Geschichtsdokumentationen mittlerweile leider zum Standardrepertoire der "Filmschaffenden" gehört. Ein paar historisch meist leidlich akkurat gekleidete Gestalten werden dabei so oft mit dem Computer vervielfacht, bis scheinbar eine "Armee" entsteht, die dann auf einen ähnlich erschaffenen Gegner einprügelt. Auch wenn das Endergebnis so gut wie immer besch...eiden aussieht, hält man unverdrossen an diesem Unsinn fest und nennt das "zeitgemäß"...
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Andreas Sturms hier schon einmal erwähnten Living-History-Vortrag gibt es nicht nur als PDF, sondern auch als Videomitschnitt. Am Ende von Teil 1 und zu Beginn von Teil 2 geht es um den unsäglichen Campus Galli, der hier als Fallbeispiel dient: Klick mich

5 Kommentare

  1. Ich glaube man kann grundsätzlich feststellen, dass moderne TV-Dokumentationen doch sehr hektisch daherkommen, mit ihren schnellen Schnitten und lauter Hintergrundmusik. Schlechte Effekte und Darsteller sind dann genau die Dreingabe, bei der man dann endgültig den Fernseher ausschaltet.
    Grüßle,
    Maria

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    1. Ich stimme dem zu, möchte aber einschränken, dass etwa die musikalische Untermalung auch bei älteren Sendungen sehr nervtötend sein konnte. So ist mir eine (bei Youtube abrufbare) Germanen-Doku aus den 80ern oder frühen 90ern im Gedächtnis, bei der im Hintergrund ständig Wagner gespielt wurde. Irgendwann wäre ich am liebsten schreiend aus dem Raum gelaufen.

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  2. Ich oute mich hiermit als Doku-Junkie. Ja, es gibt schlechte und doch, es gibt gute. Grade die auf arte und PHOENIX sind imho richtig gut gemacht - nicht allzu viel Krawall (der ist auch bei gewissen Themen gar nicht nötig) und mit ordentlich Wissenschaftlern dabei, die zu Worte kommen. Ansonsten schließe ich mich gerne jenem amerikanischen (Medien?)Wissenschaftler an, der vor Jahrzehnten schon so treffend bemerkte: "Es ist nicht schlimm, dass das Fernsehen zeigt, was die Leute sehen wollen. Schlimm ist, dass es GENAU DAS ist, was die Leute sehen wollen!"

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    1. Auch Helmut Thoma, ehemaliger RTL-Chef, antwortete auf die Frage, warum das Programm von RTL so ist wie es ist: Die Leute wollen das sehen.
      Aber ist das wirklich so? Ist "den Leuten" etwas abgegangen, als sie noch nicht mit dermaßen viel Oberflächlichem zugeschüttet wurden? Ich denke die Medienbranche macht es sich da zu einfach.

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    2. Beides. Als ich Kind war, gab's drei Programme plus (für uns als West-Berliner) noch die beiden DDR-Kanäle. Trotzdem bot man da auch nicht nur kulturell und / oder künstlerisch Wertvolles - ich denke nur an den zappelnden Ilja Richter mit seinen platten Gags, völlig an der Lebenswirklichkeit vorbeigehende Heimatschnulzen und Fernsehserien wie "Seargent Berry" oder Blödsinn wie "Flipper" oder "Skippy, das Buschkänguruh". Auch damals gab es schon Intelligentes wie "Das Blaue Palais" - zu Zeiten ausgestrahlt, wo die Mehrheit der Bevölkerung schon im Tiefschlaf lag. Heute ist das Programm vollgestopft mit Sendungen über Leute, die zu blöd sind zum Wohnen, Kochen, Gärtnern, Kinder erziehen oder Aufräumen, dass es einen graust. Wenn das wirklich "die da draußen" sind... Aber man findet immer noch seine "Perlen" - notfalls auf Konserve. Und die, die sich die Oberflächlichkeit freiwillig antun, die bekäme man auch dann nicht dazu, was Wertvolles zu gucken, wenn's nur noch Wertvolles zu gucken gäbe, glaub mir's.

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