Donnerstag, 7. Mai 2015

Krimskrams: Sharpe-Hörbücher -- Merkwürdige Pyramiden-Numerologie

Sharpe-Hörbücher

Da ich punkto Unterhaltungsliteratur im Hörbuchformat recht wählerisch bin, finde ich in diesem Bereich so gut wie nichts, das mir wirklich gefällt. Selbst wenn die Handlung ausnahmsweise einmal packend ist, so wird sie doch meist von einem mittelmäßigen oder gar schlechten Sprecher verhunzt. Deshalb erscheint es mir beinahe, als ob Weihnachten und Ostern auf den selben Tag fallen, wenn der Kübler Hörbuchverlag wieder einen weiteren Teil von Bernard Cornwells Sharpe-Reihe veröffentlicht: Klick mich

Hier stimmt einfach alles: Eine spannende historische Rahmenhandlung (die Napoleonischen Kriege), ein eher untypischer Held (brutal, rachsüchtig, unfair) und ein großartiger Sprecher: Klick mich
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Pyramiden-Numerologe mit Wissenslücken

Ob jemand wirklich und wahrhaftig weiß, worüber er im Brustton der Überzeugung doziert, lässt sich als Nichtfachmann nur schwer feststellen. Es ist ja beispielsweise kein Zufall, dass der sogenannten Initiator des Campus Sowieso bei Journalisten ein dermaßen leichtes Spiel hat.
Nun stieß ich kürzlich bei Youtube auf ein Video, in dem ein Bauingenieur und Hobbyägyptologe über ein angeblich verborgenes Zahlenrätsel berichtet, das in den Pyramiden von Gizeh stecken soll. Auch einige andere ägyptische Denkmäler seien nicht ganz koscher: Klick mich

Da mich das Alte Ägypten der Pharaonen bisher nur mäßig interessiert hat, ist es mir nicht möglich, die Zahlenakrobatik und angeblichen Enthüllungen des Vortragenden vernünftig zu bewerten. Aufgrund einiger gravierender Detailfehler sind allerdings gewisse Zweifel an den Kenntnissen und Schlussfolgerungen dieses Herren angebracht. So behauptet er etwa, ein Ptolemäer-König Ägyptens, der laut offizieller Lehrmeinung den Tempel von Dendera im 1. Jh. v. Chr. erneuert haben soll, hätte als eine Art Statthalter fungiert, dessen Aufgabe es war, Tribute einzuziehen und diese an die Kolonialmacht Griechenland (?!) zu überweisen...  Hierbei handelt es sich um eine Zusammenballung gleich mehrerer offensichtlicher Unsinnigkeiten, auf die einzugehen ich mir jedoch erspare.
Weiters wird behauptet, die Ägypter wären - anders als es ihre Steindenkmäler zeigen - nicht in der Lage gewesen, gefältelte Kleidung herzustellen. Das Warum wird nicht erörtert. Es stellt sich allerdings die Frage, wieso dieser gewiss belesene Autodidakt nicht einmal die bedeutenderen archäologischen Textilfunde der Pharaonenzeit kennt? Hat er beispielsweise noch nichts von folgender Tunika gehört, die in die Zeit um 2000 v. Chr. (!) datiert wird und heute im Louvre zu sehen ist? Klick mich

Nichts gegen neue Thesen, die von der etablierten Lehrmeinung abweichen, aber wer in diesen Gewässern auf Große Fahrt geht, sollte sich entsprechend vorbereiten. Das Alte Ägypten besteht eben nicht nur aus Zahlen, Geometrie und Religion. Wer bei seinen Studien die Alltagskultur vernachlässigt, wird sich wohl nicht selten über diverse Aspekte wundern, die an sich relativ leicht erklärbar wären.
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Das Angeber-Latein der Woche

Geminat peccatum, quem delicti non pudet
Die Schuld verdoppelt, wer sich seines Vergehens nicht schämt.
Publius Syrus, Sententia G 11

4 Kommentare

  1. ach du meine güte, axel klitzke ! der treibt sich auf youtube schon seit ein paar jahren herum. dabei vermischt er leider durchaus interessante überlegungen mit irgendwelchen wild konstruierten zusammenhängen, die außer ihm niemand erkennen kann. ich sehe mir das gelegentlich an, da lustig :-) chris

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    1. Stimmt, von dem Herrn scheint es tatsächlich noch mehr Videos zu geben. Dieses eine hat mir persönlich allerdings gereicht ;)

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  2. Im Petrie-Museum in London sind noch zwei Tuniken aus der 5. Dynastie, eine davon hat plissierte Ärmel:
    http://petriecat.museums.ucl.ac.uk/dispatcher.aspx?action=search&database=ChoiceUCLPC&search=accession_number=%20%27UC31183%27&limit=10&SRT0=&TYP0=&SEQ0=&position=1
    Das Petrie-Museum (http://www.ucl.ac.uk/museums/petrie/) ist ein kleines, sehr vollgestopftes und absolut empfehlenswertes Museum in London. Es ist in der Universität und nicht weit vom British Museum.

    - Exilwikingerin -

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    1. Vom Petrie Museum habe ich schon einmal gehört, allerdings wusste ich nicht, dass man dermaßen alte Kleidungsstücke besitzt. Sieht jedenfalls sehr interessant aus.

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