Donnerstag, 15. September 2016

Krimskrams: Living Historian -- Promovierter Schmähtandler marginalisiert Experimentalarchäologie der letzten 50 Jahre -- (Un-)Geschickt gendern

Living Historian

Auf dieses Bild bin ich in der Sommerpause beim Neuorganisieren meiner Festplatten gestoßen :)





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Promovierter Schmähtandler marginalisiert Experimentalarchäologie der letzten 50 Jahre

Schon lange wird hier eindringlich davor gewarnt, dass die in den Medien allzu präsente Mittelalterbaustelle Campus Galli die Maßstäbe für Experimentelle Archäologie in der öffentlichen Wahrnehmung Stück für Stück zum Schlechteren umdefiniert.
Ein anschauliches Beispiel dafür lieferte jüngst Hannes Napierala, promovierter Schmähtandler und Geschäftsführer des Campus Galli; am 8. September 2016 behauptete er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung folgendes: 

"Niemand hat heute Erfahrung mit mittelalterlichem Bauen."

Eine kategorische Aussage, die hier selbst den Begriff 'Schwachsinn' als viel zu euphemistische Umschreibung erscheinen lässt. Der Wahrheitsgehalt entspricht in etwa Ulbrichts "niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten".
Hannes Napierala stellt es im Gespräch mit der SZ mir nichts, dir nichts so dar, als würden er und sein Team beim Bauen mit historischen Handwerksmethoden absolutes Neuland betreten. Ihm muss dabei klar sein, dass dies zwingend mit einer Zurücksetzung der Leistungen sämtlicher Experimentalarchäologen und Betreiber von Freilichtmuseen einhergeht, die in Europa teilweise schon vor etlichen Jahrzehnten mittelalterliche/frühgeschichtliche Gebäude auf Grundlage archäologischer Erkenntnissen rekonstruierten und alte Handwerkstechniken zu neuem Leben erweckten (Beispiel).

Beim Campus Galli herrscht offensichtlich die Meinung vor, dass durch das ständige Verallgemeinern der eigenen Unwissenheit das Projekt gegen Kritik immunisiert werden kann. Wenn man etwa suggeriert, alte Handwerkstechniken und Baumethoden müssten erst mühsam rekonstruiert werden (obwohl das anderenorts längst geschehen ist), dann lässt sich dies als kommode Ausrede für das außerordentlich lahme Arbeitstempo vorschieben, welches in Bezug auf den Campus Galli als typisch bezeichnet werden muss, jedoch selbst mittelalterliche Standards deutlich unterbieten dürfte.

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(Un-)Geschickt gendern

Als totaler Ober-Macho weigere ich mich selbstverständlich, das Binnen-I und ähnlichen Mumpitz in meinen Blogbeiträgen zu verwenden. Für stromlinienförmigere Menschen gibt es jedoch eine famose Internetseite, die Hilfe beim "Gendern" anbietet - ihr bezeichnender Name: geschicktgendern.de

Wobei von "geschickt" eigentlich keine Rede sein kann, denn man muss schon ein gewaltiges Brett vorm Kopf haben, um einigen der empfohlenen Sprachverrenkungen zu folgen: Es beinhaltet beispielsweise einen nicht geringen Bedeutungsunterschied, ob ich den Dekan für inkompetent halte oder das als sprachlichen Ersatz vorgeschlagene Dekanat.

Aus ideologischen Gründen wird hier billigend in Kauf genommen, dass es schwierig bis unmöglich ist, Texte auf Anhieb sinnerfassend zu lesen. Warum aber lässt man die Vertreter einer solchen spinnerten Ideologie mittlerweile selbst an Hochschulen gewähren, anstatt sie - bildlich gesprochen - mit einem nassen Fetzen davonzujagen? Womöglich wird demnächst auch die Astrologie wieder salonfähig? ^^

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9 Kommentare

  1. Der gegenderte Neusprech wird sich bei der breiten Masse nie durchsetzen, sondern vor allem auf Universitäten und Teile der Medien beschränkt bleiben. Dann verfügen all die Oberg'scheiten und eingebildeten Eliten wieder über ein kräftiges sprachliches Distinktionsmerkmal, an dem sie ihre eigene Geistesgröße und ÜBerlegenheit festmachen können. Viel Spaß damit :-)
    LG,
    Erwin

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  2. Eine Unverschämtheit, so einen Blödsinn öffentlich zu behaupten. Und das noch dazu als ausgebildeter Wissenschaftler. Meiner Meinung nach hat der nicht mehr alle Kirschen auf der Torte.

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  3. Im Umgang mit gendersensiblen Kreisen bin ich inzwischen zur folgenden Sprachregel gekommen:
    Bei der Bezeichnung für gemischtgeschlechtliche Gruppen und dergleichen orientiere ich mich am Deutschen Meteorologischen Institut zu Berlin. Dieses ist ja, wie man weiß, verantwortlich für die Benamung von Hoch- und Tiefdruckgebieten. In geraden Jahren tragen die Hochs männliche, in ungeraden Jahren weibliche Namen. Also verwende ich entsprechend männliche oder weibliche Formen. Da darf sich mal jede/r/X mit gemeint fühlen. Queer/Transgender & Co wird dann gesondert an Sylvester gewürdigt (Prost Neujahr!).

    Diese Verfahrensweise stieß bisher entweder auf Belustigung (womit ihr Zweck erfüllt war), oder geharnischte Kritik, dass das ja wohl komplett lächerlich sei. Der Hinweis, dass mein Verfahren
    a) gendersensibel sei,
    b) den Sprachfluss nicht behindere, sowie:
    c) ökonomisch und ökologisch sinnvoll sei, weil es Druckerschwärze sparen helfe und überhaupt:
    d) längst nicht so lächerlich sei, wie manch andere Regel,

    wurde leider selten gewürdigt.

    Humorlose Gesellen!

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  4. Du schreibst, dass der Gebrauch von gendergerechter Sprache aus "ideologischen Gründen" passiert. Was ist für dich daran die "Ideologie" und welche überhaupt? Das verstehe ich nicht.
    Viele Grüße G.W.B.

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    1. Gender Mainstreaming ist eine Ideologie mit vielen Aspekten. Bei einem davon, der sogenannten "geschlechtergerechten Sprache", geht es, entgegen dem suggerierten Wortsinn, weniger um Gerechtigkeit, sondern um weitestgehend eingebildete, aufgebauschte Ungerechtigkeit, deren Beseitigung in der Realität für Frauen nichts zum greifbar positiven verändert. Vielmehr hat eine winzige Minderheit von Neofeministinnen die gendergerechte Sprache als Instrument für das Kultivieren einer schon beinahe pathologischen Opferattitüde entdeckt, nachdem hierzulande die rechtliche Gleichstellung der Frau schon seit zig Jahren als abgeschlossen betrachtet werden kann und sich dieses Gebiet daher nicht mehr zum Beackern anbietet. Ohne die Rückendeckung etlicher Medien, wäre der Sprach-Unsinn längst wieder in der Versenkung verschwunden. Und besagte Rückendeckung gibt es aus diesem Grund. Womit sich der politisch-ideologische Kreis schließt.
      Im Übrigen teile ich die Meinung von Richard Dawkins, dass sich die Pseudowissenschaft Gender Mainstreaming ohnehin von selbst erledigen wird.

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    2. Nicht nur Atheisten wie Dawkins sehen das so. Aus der heiligen Schrift geht hervor, dass die "biedere" Zweigeschlechtlichkeit und die Ehe bis zum Ende der Welt fortbestehen wird. Der göttliche Heiland sagt, dass es am Ende der Welt wie in den Tagen Noes sein wird: Die Menschen aßen, tranken und heirateten, bis die Flut hereinbrach. So wie das lebensnotwendige Essen und Trinken wird auch das Heiraten nicht aufhören, selbst wenn viele Kinder in Unzucht gezeugt werden. Ein allgemeiner Aberglaube an 60 oder noch mehr "Geschlechter" gehört nicht zu den Kennzeichen der apokalyptischen Zeit.
      Dies ist indes kein Grund zur Beruhigung, denn abgesehen von einzelnen verblendeten Protagonisten wird mit der Durchsetzung des Genderismus auf politischer Ebene bewusst ein verbrecherisches Programm ins Werk gesetzt, die pseudowissenschaftliche Sprache nur zur Blendung der Ungebildeten gebraucht. Z.B. Gabriele Kuby und Inge Thürkauf haben über die abscheulichen Machenschaften unter dem Deckmantel des "Gender Mainstreaming" aufgeklärt. Bis zu seiner Erledigung wird also der Genderismus noch immenses Leid verursachen.
      Leser

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  5. --- verschoben ---

    Denen scheint wirklich der Realitätssinn abhanden gekommen zu sein, denn das Rad müsste man beim Campus Galli wirklich nicht neu erfinden.

    Karl0

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  6. Im Vereinigten Königreich haben Archäologen schon in den 1970er-Jahren vollständige Gebäude der Vor- und Frühgeschichte in Handarbeit rekonstruiert. Z.B. auf der Butser Ancient Farm.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Butser_Ancient_Farm

    Der Projektleitung des Campus Galli möchte ich den freundlichen Rat geben, sich die einschlägige Literatur zu besorgen.

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  7. Immerhin, die Homepage des Campus Galli wurde nicht gegendert. Ein Pluspunkt ;-)

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