Mittwoch, 31. Oktober 2012

Bärtig oder glattrasiert? Über die Gesichtsbehaarung der Römer.

Nero mit Bart (Foto: Cjh1452000 / Wikimedia.org)
Bärte und langes Haar waren, laut dem Historiker Varro, im frühen Rom als Zeichen von Weisheit und Reife nicht unüblich (De rustica 2,9-10). Weiters berichtet er, dass die ersten professionellen Barbiere um 300 v. Chr., von Sizilien kommend, in Rom ihre Geschäfte eröffneten.
Interessanterweise stimmt dies zeitlich mit jener Entwicklung überein, bei der die Nachfolger Alexanders des Großen begannen, sich selbst (aber auch Götter wie Herkules) auf Porträts glattrasiert darzustellen; wohl um auf diesem Weg eine optische Kontinuität zu ihrem großen Vorgänger zu vermitteln. Die Mode des völlig glattrasierten Gesichts, breitete sich rasch in der griechischen Welt aus - so auch in den Kolonien Süditaliens, mit denen das damals noch recht kleine Rom natürlich Handelsbeziehungen pflegte. Auf diesem Weg könnte sich die "Vollrasur" in Rom als ästhetischer Standard etabliert haben, der dann auch sehr lange vorherrschend blieb.
Man liest nun aber immer wieder, die römischen Kaiser wären bis Trajan († 117) allesamt glattrasiert gewesen, und erst ab Hadrian (†138) trugen sie dann für fast 200 Jahre lang (beinahe ausnahmslos) Bärte.
Dies ist allerdings nicht ganz richtig, denn bereits Augustus wird auf  einigen Münzen, wohl um seine (angebliche) Trauer über den Tod Caesars zu verdeutlichen, mit Vollbart dargestellt. Nun gut, damals nannte er sich noch Octavian, aber so pingelig wollen wir schließlich nicht sein ;)
Von Nero, einem großen Freund des klassischen Griechentums, gibt es ebenfalls Darstellungen die ihn, vielleicht um einen auf griechische Denker zu machen, mit einem (eher seltsamen) Bart zeigen (siehe Bild); ähnliches gilt für Domitian.
Auf diese beiden, doch eher überdrehten Kaiser, trifft allerdings auch folgendes Zitat von Lukian sehr gut zu:    "Wenn sich einen Bart wachsen zu lassen, Weisheit zu erwerben bedeutet, dann kann jeder alte Ziegenbock Philosoph sein."  :)

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Quelle / Literatur-Tipp:

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5 Kommentare

  1. Allerdings muss man bei all diesen späteren Bartträgern beachten, dass sie den Bart ja als Zeichen der Vernachlässigung des weltlichen Äußeren trugen (einerseits während der Trauerphase, was ja sehr üblich war, andererseits, um dem Geist nachzugehen). Es ist also ein bewusstes Statement gegen die Mode, um zu zeigen: Mir sind andere Dinge wichtig.

    Sehr interessanter Artikel.

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  2. Das stimmt vor allem im Fall von Trauernden natürlich.
    Wobei die Darstellung des bärtigen Augustus/Octavian, auf Münzen bis in die frühen 30er Jahre des ersten vorchristlichen Jahrhunderts hineinreicht (38 v. Chr). Also in eine Zeit, in der Caesar schon lange nicht mehr lebte. Es stellt sich demnach die Frage, wie lange er diesen Bart tatsächlich trug. Für gewöhnlich dauerte die Trauerzeit nicht etliche Jahre lang.
    Da der Bart allerdings nicht nur ein Zeichen der Trauer, sondern auch eines der Rache sein konnte, wäre es möglich, dass Octavian hier als Rächer dargestellt wird, der noch immer damit beschäftigt ist, mit den einstigen Feinden Caesars aufzuräumen (zu denen er ja auch Markus Antonius usw zählte).

    Bereits zur Zeit Domitians, kommen übrigens auch bei Bürger-Porträts schon vermehrt Bärte auf; die nicht unbedingt Zeichen von Trauer bzw. bewusster Vernachlässigung waren. Von den Porträts hadrianischer Zeit kann man sie vor allem dadurch unterscheiden, dass die Augäpfel noch nicht ausgebohrt waren.

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  3. Unglaubich interessant immer wieder, dass Mode nicht nur einfach Mode war, wie man sie heute versteht, sondern dass jede Falte, jede Borte, jede Strähne eine ganz präzise Aussage über den Träger macht, die ihn gesellschaftlich einordnet, markiert und teils sogar aktiv zu Vorteilen oder Benachteiligungen führen kann. Kennst du in dem Zusammenhang Jan Keupp's "Die Wahl des Gewandes"?

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  4. Bis gerade eben, kannte ich das Buch noch nicht ;)
    Die Beschreibung die ich mir dazu durchgelesen habe, hört sich allerdings interessant an. Und da ich mir dieses Jahr zu Weihnachten ohnehin in erster Linie viele Bücher kaufen möchte...

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  5. Er geht in diesem Buch eben auf genau diese Aspekte ein. Wie wählt der historische Mensch seine Kleidung aus, wie wirkt sie im Mittelalter auf andere, was sagt sie über den Träger aus. Und vor allem zeigt es, wie unglaublich ernst man diese Kriterien nimmt, ganz anders eben als heute, wo jeder seine Individualität leben kann, wie er mag.

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