Donnerstag, 6. März 2014

Die komplizierte Darstellung der Dreifaltigkeit


Böse Zungen behaupten ja, das Christentum sei aufgrund des Prinzips der Dreifaltigkeit (Trinität) gar keine monotheistische Religion. Inwieweit dies tatsächlich zutrifft, kann und möchte ich nicht beurteilen. Deutlich interessanter finde ich ohnehin, welche Probleme die Kunst einst mit diesem dreiteiligen Gottes-Konzept hatte.
Zwar durfte man im Christentum - anders als im Islam und im Judentum - Gott in menschlicher Gestalt darstellen, doch die Urkirche beschränkte sich hierbei auf Jesus/Christus, da nur er menschliche Gestalt angenommen hatte. Gott Vater wird hingegen in den Schriften als eine aus dem Himmel ertönende Stimme beschrieben; dementsprechend wurde er auch gerne in Form einer aus den Wolken ragenden Hand versinnbildlicht. Das Wirken Gottes auf Erden stellte man in ähnlicher Art und Weise dar. Ältestes Zeugnis dafür ist eine Relief Konstantins des Großen, über dessen Haupt die Hand Gottes einen Siegeskranz hält. In frühmittelalterlichen Darstellungen ist Gottes Hand auch über dem ans Kreuz geschlagenen Jesus zu sehen.
Neben dem menschlichen Christus und der Hand seines Vaters wurde der Heilige Geist - also der dritte Teilaspekt der Dreifaltigkeit - als weiße Taube dargestellt, da er laut Matthäus-Evangelium bei der Taufe Christi in dieser Gestalt erschienen sein soll.
Später bildet man Gott Vater auch als thronender Herrscher ab, dessen Antlitz allerdings noch nicht dem eines älteren Mannes glich, sondern vielmehr an Christus erinnert. Grund hierfür war wohl die Vorstellung, dass Gott bisher ja nur in der Gestalt seines Sohnes für die Menschen sichtbar geworden ist. Christus selbst wird nun auf Darstellungen, die ihn zusammen mit seinem Vater zeigen, häufig als Lamm (Gottes) versinnbildlicht, während die Taube weiterhin dem Heiligen Geist entspricht.
Ca. ab dem 12. Jh. werden Gott Vater und Gott Sohn gleichermaßen als Menschen in Szene gesetzt. Jesus sitzt nun beispielsweise in Form eines Kleinkindes auf dem Schoß seines Vaters, gerne wird er jedoch auch in gekreuzigter Form dargestellt - siehe das obige Bild.
Man könnte sagen, die christliche Ikonographie wurde nun für den Durchschnittsgläubigen ein Stückchen verständlicher.

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