Montag, 23. Februar 2015

Buch: Karfunkelstein und Seide - Neue Schätze aus Bayerns Frühzeit

Hauptthema des Buchs Karfunkelstein und Seide  - Neue Schätze aus Bayerns Frühzeit sind jene zehn Gräber, die man 2004 im bayerischen Unterhaching bei Bauarbeiten entdeckte.
Sie werden in die Zeit um 500 n. Chr. datiert und sind aufgrund der zum Teil außergewöhnlichen Beigaben - wie beispielsweise einer wunderschönen Granat-Scheibenfibel (Bild) - für die Forschung von besonderem Interesse. Unter anderem werfen die geborgenen Funde folgende Fragen auf: Kamen die Verstorbenen möglicherweise aus Italien? Waren ihre Anführer Amts- bzw. Funktionsträger der dort residierenden Germanenkönige Odoaker oder Theoderich, deren Einflussbereich in vor-bajuwarischer Zeit auch die Gegend Unterhachings (röm. Provinz Raetia) umfasst haben dürfte? Wieso hatte ein angeblich männliches Skelett Frauenschmuck als Grabbeigabe? Und woher stammte der im 6. Jh. so gerne für Schmuck verwendete Granat bzw. Karfunkelstein? In mehreren Aufsätzen versucht man Antworten auf diese Rätsel zu finden - siehe Inhaltsverzeichnis.
Auch der Katalogteil enthält viele wissenswerte Hintergrundinformationen; nicht nur zu den Funden von Unterhaching, sondern auch zu vergleichbaren Objekten, die anderenorts ausgegraben wurden. Die dazugehörige Bebilderung ist reichhaltig, oft großformatig und hochwertig. Auch das Layout ist sehr gefällig.

Neben einer Vielzahl hochinteressanter Details beinhaltet das Buch auch unfreiwillig Komisches. So wird gleich eingangs appelliert, die bayerischen Bauern mögen doch zum Schutze der im Boden verborgenen Hinterlassenschaften das tief greifende Pflügen bleiben lassen und auf Grünlandnutzung umstellen.
Mit Verlaub, Bauern sind auch nur gewinnorientierte Unternehmer. Wenn durch die hier angedachte Umstellung finanzielle Einbußen zu erwarten sind, dann werden nicht wenige von ihnen den Archäologen und Denkmalpflegern etwas husten. Es müssten schon entsprechende Entschädigungen fließen - die aber bitteschön wer bezahlen soll? Eben.
Auch eher schräg empfand ich die kryptische Forderung, die Eigentumsverhältnisse von Funden "müssten im Sinne des öffentlichen Interesses gelöst werden". Das soll vermutlich heißen, Bayern braucht ein scharfes Schatzregal, um komfortabel enteignen zu können. Als ob die Magazine der Museen nicht ohnehin schon aus allen Nähten platzen würden...
Genug genörgelt. Es soll hier nicht durch eine unausgewogene Gewichtung der Eindruck entstehen, das Buch hätte gröbere Mängel. Ganz im Gegenteil. 

Fazit: Karfunkelstein und Seide ist ein gelungenes Buch, in dem anhand von Funden und Befunden ein interessanter Einblick in die Verhältnissen der Zeit um 500 n. Chr. geboten wird. Für rund 25 Euro ist es im Handel erhältlich

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Inhaltsverzeichnis:

- Vorwort
- Ziele und Arbeitsweise der Bodendenkmalpflege am Beispiel Unterhaching
- Modelfall Unterhaching
- Anthropologische Untersuchung der Skelettfunde von Unterhaching
- Die Textilien aus den Gräbern von Unterhaching
- Unsichere Zeiten - Bayern um 500
- Italien um 500
- Der Weg der Seide. Der Ost-West-Seidenhandel vom 1. bis zum 6. Jahrhundert
- Vom Karfunkelstein
- Der Unterhaching-Code
- Das Geheimnis der Sachen und Bilder
- Katalog Nr. 1-63
- Anhang
- Literaturverzeichnis
- Abbildungsnachweis

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