Dienstag, 29. September 2015

Die Schätze im Münzkabinett Schloss Eggenberg

Vor eineinhalb Wochen führte mich mein Weg ins Grazer Münzkabinett Schloss Eggenberg. Dabei handelt es sich um die zweitgrößte numismatische Sammlung Österreichs, die 70 000 Einzelstücke beherbergt - rund 3000 davon werden zurzeit ausgestellt. Unter den Exponaten befinden sich Prunkstücke der Prägestätte Graz, komplette Schatzfunde aus der Steiermark sowie viele weitere Münzen der Griechen, Kelten, Römer, Byzantiner, usw.
Von Zeit zu Zeit veranstaltet das zum Universalmuseum Joanneum gehörende Münzkabinett sogenannte "Themenführungen"; die von mir besuchte trug den Titel: Back to the roots. Das Münzwesen nach den Römern. Treffpunkt für Interessierte war der Museumsshop. Handelte es sich hierbei um einen bloßen Zufall, oder wollte man die Besucher auch gleich zum Einkaufen verleiten? ;) 
Finanziell dürfte sich die Führung für das Museum nicht gelohnt haben, da außer mir nur zwei Damen teilnahmen. Vielleicht war das traumhafte Sonntagswetter am bescheidenen Interesse schuld, doch was des einen Leid, ist des anderen Freud. Obwohl es mir meine Körperhöhe erlaubt, über die Köpfe der meisten Menschen hinwegzulinsen, ist es doch allemal vorteilhafter, wenn erst gar kein Gedränge herrscht.
Nach Abschluss des informativen Rundgang stand uns die freundliche Führerin noch geraume Zeit für weitere Fragen zur Verfügung, was nicht selbstverständlich ist, wie ich anderenorts schon feststellen musste. Besonders begrüßenswert ist außerdem, dass Fotos gemacht werden dürfen. Alles in allem hat sich der Museumsbesuch für mich also auf jeden Fall gelohnt.

Nachfolgende und weitere Bilder von meinem Besuch im Münzkabinett Schloss Eggenberg finden sich in deutlich detaillierter Auflösung auf meiner Flickr-Seite: Klick mich
Dort wie hier gilt: Keine Rechte vorbehalten - ausgenommen die Nennung der Quelle (Hiltibold.Blogspot.com)

Durch einen schönen Park gelangt der Besucher zum am Stadtrand von Graz gelegenen Schloss Eggenberg. 
Auch auf die Gefahr hin, dass mich Kunsthistoriker auslachen, aber besonders die Vorderseite erinnert mich ein wenig an eine verkleinerte Ausgabe des spanischen Escorial. Da die aus einfachen Verhältnissen emporgestiegenen Eggenberger im Heiligen Römischen Reich geraume Zeit eine bedeutende Stellung einnahmen, verwundert dieser Prunk wenig. 
Das Schloss besitzt drei Innenhöfe; auf diesem Foto ist der größte davon zu sehen.
Im Erdgeschoss befindet sich das optisch ansprechend gestaltete Münzkabinett (hier der Hauptraum). Trotz Videoüberwachung beobachtet ein eigens abgestellter Aufpasser die Besucher mit Argusaugen. Eventuell käme dickeres Panzerglas langfristig billiger und wäre weniger "aufdringlich"? Das ständige Gefühl, von einer Person im Raum mit Blicken verfolgt zu werden, finde ich persönlich nur mäßig angenehm. Oder bin ich da überempfindlich?
Viele der Münzen können mithilfe von Vergrößerungsgläsern im Detail studiert werden. Sofern ein grüner Punkt neben dem Exponat vorhanden ist, werden auf einem Bildschirm interessante Zusatzinformationen angezeigt (siehe nächstes Bild). Wie das alles im Detail funktioniert, ist mir nicht bekannt; möglicherweise befindet sich in den Punkten Schwingkreise, ähnlich jenen in Warensicherungsetiketten. Doch was auch immer dahintersteckt, die ca. aus dem Jahr 2007 stammende Technik hinter dem Konzept hat ihre Grenzen, sodass nicht jede einzeln ausgestellte Münze in das System eingebunden werden kann. Dieser Tage würde man vermutlich eine leistungsstarke Bilderkennungssoftware verwenden, die flexibler einsetzbar bzw. in der Praxis leichter skalierbar ist.
Mittels der oben beschriebenen Lupe abgerufene Informationen zu einer Münze.
15. Jahrhunder: 240 Wiener Pfennige aus Silber (links) entsprachen vom ihrem Wert her einem ungarischen Goldgulden (rechts). Im Jahr 1456 kam es dann zu einem starken Verfall des Pfennig-Kurses gegenüber dem des Goldguldens. Dadurch stiegen auch die Lebenserhaltungskosten der Bevölkerung rapide.
16: Jahrhundert: Der Münzschatz von Scheifling besitzt einen besonders hohen Wert. Die Goldmünzen wurden in den verschiedensten Ländern Europas geprägt und legen daher nahe, dass der Besitzer ein weit gereister Mann(?) war oder zumindest großräumige Geschäftsbeziehungen unterhielt.
Aus der gleichen Gegend, in der bereits der berühmte eisenzeitliche Kultwagen von Strettweg entdeckt wurde, stammt dieser römische Schatz. Man geht davon aus, dass er zu Beginn der Regierungszeit des Kaisers Aurelian (270-275 n. Chr.) vergraben wurde. Möglicherweise handelt es sich dabei um die Soldkasse einer römischen Einheit, deren Kampfeinsatz kurz bevorstand. Es könnte freilich auch ganz anders gewesen sein, aber mit irgendeiner spannend klingenden Geschichte muss man den Besuchern schließlich aufwarten ;)
Der Schatz von Strettweg besteht (zur Gänze?) aus 2912 Exemplaren des sogenannten Doppeldenars - auch Antoninian oder Bicharactus genannt. Der Silbergehalt dieser Münze nahm nach der Einführung unter Kaiser Caracalla (†217) immer mehr ab. So verwundert es nicht, dass sich bei etlichen der hier gezeigten Stücke aufgrund des reichlich beigemengten Kupfers eine dicke Schicht Grünspan an der Oberfläche bildete. Die für Silbergeld typische Färbung weisen nur noch vergleichsweise wenige Münzen auf.
Zwei weitere, in der Steiermark entdeckte Münzschätze.
Zwei von mehreren keltische Münzen, die im Münzkabinett ausgestellt sind.
Ein griechischer Stater aus Aegina in Griechenland, um 600 v. Chr geprägt.
Ich hoffe, die nachfolgende Reihung stimmt, da die Beschriftung im Museum für mich etwas verwirrend war. Orientiert habe ich mich an der Münze aus Athen, da hier die abgebildete Eule (plus der Name der Stadt!) eindeutig zuordenbar ist. 
1. Spalte: Tetradrachme aus Agrigent (5. Jh. v. Chr.), 
Tetradrachme aus Leontinoi (455 - 422 v. Chr.), 
Stater aus Kroton (420 - 390 v. Chr.), 
2. Spalte: Stater aus Thasos (550 - 463 v. Chr.), 
Tetradrachme aus Athen (479 - 393 v. Chr.), 
Tetradrachme aus Chios (431 - 412 v. Chr.)


Der abgebildete römische As besteht aus Bronze und wurde zwischen 222 und 225 v. Chr. geprägt - also kurz vor dem Krieg gegen Hannibal. Bei diesem Stück handelt es sich um ein wahres Ungetüm, das kaum in eine moderne Geldbörse passen würde (verglichen mit den oben abgebildeten griechischen Silbermünzen, wäre er um ein Vielfaches größer - bei den Bildern stimmt jedoch der Maßstab nicht überein)Auf der Vorderseite befindet sich der nach links und rechts blickende doppelköpfige Gott Janus (nach dem übrigens unser Monat Januar benannt ist). Die nicht sichtbare Rückseite zeigt ein Schiff.

Frühmittelalterliche Fundmünzen in der Steiermark

Für mich besonders interessant sind natürlich Münzen des frühen Mittelalters. Der Museumsleiter war so freundlich, mir detaillierte Fotos von zwei in der Steiermark entdeckten Exemplaren zukommen zu lassen, die Teil der Eggenberger Münzsammlung sind. Dabei handelt es sich um byzantinische Prägungen, die vor vielen Jahrhunderten irgendwie ihren Weg über die Alpen gefunden haben (Achtung, über die Bildrechte verfügt in diesem Fall das Münzkabinett Schloss Eggenberg bzw. das Universalmuseum Joanneum):

Obere Münze: Ein Follis aus Konstantinopel (610–641 n. Chr.)
Vorderseite: Kaiser Heraclius und Heraclius Konstantin rechts frontal stehend; Heraclius mit Kreuzkrone, Panzer und kurzem Rock hält Kreuzstab in der Rechten; Heraclius Konstantin mit Kreuzkrone und Chlamys hält Kreuzglobus in der Rechten; zwischen den Köpfen im Feld ein Kreuz Rückseite: Großes M, darunter Δ, darüber Kreuz, links im Feld A/N/N/O, rechts X/X
Untere Münze: Ein Follis aus Konstantinopel (886–912 n. Chr.)
Rückseite: +LЄOn/Єh ΘЄO bA/SILЄVS R'/OMЄOn
Vorderseite: +LЄOn bAS – ILЄVS ROM'. Frontale Büste des Kaisers mit kurzem Bart, Kreuzkrone und Chlamys; er hält Akakia in der Linken.


Münzen des frühen Mittelalters - besonders aus karolingischer Zeit - die in Westeuropa selbst geprägt wurden, gibt es kaum. Diesen Umstand interpretiert der schillernde Chronologiekritiker Heribert Illig bekanntlich als Hinweis auf eine angeblich nicht existente 300-jährige Zeitspanne, die von Otto III. und Papst Silvester II. konstruiert worden sein soll. Das kann man glauben oder nicht (ich bin da sehr skeptisch); auffällig ist die Münzarmut im archäologischen Fundmaterial aber allemal, da in den germanisch-frühmittelalterlichen Leges bzw. Volksrechten detaillierte Bußgeldkataloge enthalten sind; manch Forscher stellt zurecht die Frage, welchen Sinn diese ellenlangen Auflistungen hatten, wenn Münzgeld doch extrem rar war und daher im Alltag des Durchschnittsbürgers kaum Verwendung finden konnte? Handelte es sich eventuell um eine weitestgehend virtuelle "Währung", während die tatsächlichen Strafen in Naturalien entrichtet wurden? In einem vergangene Blogbeitrag, habe ich das Thema ein wenig beleuchtet: Klick mich

Gold und Silbermünzen dürften einst recht lange Umlaufzeiten gehabt haben. So fand man im Grab des fränkischen Königs Childerrich I. eine Münze ("Charonspfennig"?) die noch in der römischen Republik geprägt wurde; bei ihrer Vergrabung war sie bereits 500 (!) Jahre alt. Möglicherweise genossen diese alten Münzen in der Spätantike und selbst noch im Frühmittelalter einen besonders guten Ruf, da ihr Edelmetallgehalt höher bzw. verlässlicher war, als bei dem Geld der späteren Kaiserzeit (siehe beispielsweise den oben dargestellten Römerschatz von Strettweg). Tacitus schreibt ja bereits um 100 n. Chr., dass die Germanen wählerisch sind und die alten Münzen (der Republik) bevorzugen. Genannt werden die silbernen Serraten (serratus = gezackt bzw. gezackter Rand) bzw. Bigaten (Biga = Zweispänner, der auf diesen Münzen abgebildet war).

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3 Kommentare

  1. Och, gäbe es in meiner näheren Umgebung doch nur auch so interessante und schöne Museen.....
    Danke für den detaillierten Bericht von deinem Besuch!

    (°-°) Gwenevere (^-^)

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    1. Besonders viele Museen, die mich persönlich interessieren, gibt es hier leider auch nicht. Eggenberg ist da eine Ausnahme.

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  2. Ein schönes Museum. Vielleicht werde ich bei meinem nächsten Aufenthalt in Graz dorthin einen Abstecher machen.

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