Sonntag, 10. Januar 2016

Zeitschrift: GEO Epoche Kollektion - Das Mittelalter. Der Alltag in einer bewegten Zeit.

Die Zeitschrift GEO Epoche dürfte vielen geschichtsinteressierten Lesern ein Begriff sein. Neu ist nun die daraus entstandene Reihe GEO Epoche Kollektion, welche vierteljährlich erscheinen soll und die aus Sicht des Verlages besten bisher publizierten GEO-Artikel zu bestimmten historischen Themen-Schwerpunkten bündelt.
Ob das gelingt, habe ich mir anhand des 217 Seiten starken Heftes Das Mittelalter - Der Alltag in einer bewegten Zeit angesehen.

Wie  bereits der Titel nahelegt, möchte man (erfreulicherweise) weniger die damalige Politik und Herrschergeschichte in den Mittelpunkt der Betrachtungen rücken, sondern den Lebensalltag. So wird beispielsweise das bäuerliche Dasein im Rahmen eines umfangreichen Artikels über den englischen Bauernaufstand von 1381 geschildert (die sogenannte "Peasants’ Revolt"). Wie Nonnen/Mönche den Tag zubrachten, erfährt der Leser wiederum anhand eines Textes über Hildegard von Bingen; jene von ihr ersonnenen bzw. überlieferten Heilmethoden kommen weniger zur Sprache. Die Gewichtung des Inhalts entspricht somit nicht zwangsläufig den eigenen subjektiven Erwartungen. Ein Umstand, der freilich nicht per se schlecht sein muss, da sich so hinter einem vermeintlich weniger interessanten Thema manch überraschender Erkenntnisgewinn verbergen kann.

Eine besondere Stärke dieser Publikation ist sicher die Vielzahl an schönen Abbildungen großformatiger Gemälde hoch und- spätmittelalterlicher Künstler; darunter eine der ersten detailgetreuen bzw. wirklichkeitsnahen Darstellungen einer mittelalterlichen Stadt und ihrer Bewohner. Interessant ist diese großzügige Bebilderung nicht zuletzt für angehende Living-History-Darsteller, da sie hier bezüglich der Rekonstruktion mittelalterlicher Kleidung einige wichtige zeitgenössische Bildquellen für sich entdecken können.

Weniger gefallen hat mir der Umstand, dass der längste Abschnitt des Mittelalters - nämlich das 500 Jahre andauernde Frühmittelalter - ausgespart wurde, man aber stattdessen das 16. Jh. bzw. die beginnende Neuzeit ein wenig miteinbezog. Aus dem Titel des Heftes geht dies nicht hervor.

Fazit: GEO Epoche Kollektion - Das Mittelalter ist, mit kleineren Abstrichen, inhaltlich und optisch eine durchaus gelungene Zusammenstellung von interessanten Artikeln zum Thema Hoch- und Spätmittelalter.
In Deutschland kostet das Heft € 12,50, in Österreich € 14,50. Worauf hierzulande der deutliche Aufpreis im Detail zurückzuführen ist, entzieht sich meiner Kenntnis.


Inhaltsverzeichnis (gekürzt)

- Burgenland
- Florenz
- Hermann von Reichenau
- Hoffest in Mainz
- Ketzerverfolgung
- Fehde
- Walther von der Vogelweide
- Kathedrale von Reims
- Pest
- Albertus Magnus
- Die Ordnung der Gesellschaft
- Hildegard von Bingen
- Nikolaus von Kues
- Bauernaufstand
- Eike von Repgow
- Siena
- Ruprecht I.
- Landkarten
- Jan van Eyck
- Hanse
- Urbino / Federico da Montefeltro
- Johannes Gutenberg

6 Kommentare

  1. Wie der Aufpreis bei Printerzeugnissen zustande kommt, kann ich dir leider nicht beantworten, aber er ist eigentlich schon seit jeher vorhanden.

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    1. Hier blecht man grundsätzlich für viele Produkte mehr. Als Begründung wird (neben der unterschiedlichen Mehrwertsteuer) besonders vom Lebensmittelhandel gerne angeführt, dass aufgrund der eher gebirgigen Topographie die Lieferwege länger sind, was allerdings von nicht wenigen Fachleuten stark angezweifelt wird. So kostet nämlich manch importiertes Produkt aus Bayern im benachbarten Salzburg mehr, als im weit entfernten Hamburg. Neulich hat mir ein Freund davon berichtet, dass sogar ein in Österreich hergestellter Wasserfilter in Deutschland weitaus günstiger erhältlich ist als hierzulande.

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  2. Die normalen Geo-Hefte sind mir in Summe zum Abonnieren zu teuer. Aber so eine Zusammenfassung mit Themenschwerpunkt ist schon interessant.

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  3. Alles ist teuerer in .AT warum nicht die Zeitschrifften?

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  4. Ich habe zwar diese spezifische Ausgabe noch nicht gelesen, aber grundsätzlich stört mich bei GEO der Hang zum melodramatischen.
    Bei Artikeln über das Mittelalter zeigt sich dieser leider in form von endlos breitgetretenen Klischees über das"finstere Mittelalter".
    Vom Ritter, der sich in seiner schweren Rüstung nicht bewegen kann liest man da und von den Bauern, die nie genug zu essen haben und mit ende 30 völlig gebrochen sind von der unvorstellbar harten Arbeit.
    Von der Katholischen Kirche, die jede form von Wissen unterdrückt und dich auf den Scheiterhaufen packt, wenn du nur in der falschen Tonart niest.
    Von Städten, die in dreck und Gestank ersaufen, weil Müll und Fäkalien ja grundsätzlich auf die Straße entsorgt werden.
    Armut, Unrecht, Dummheit und Brutalität werden nicht als ertwas behandelt, was in allen Zeiten und bei allen Völkern gleichermaßen zu finden ist, sondern als DAS Erkennungsmerkmal des Mittelalters überhaupt.

    Es gibt auch GEO Artikel, die einen objektiveren, komplexeren Blick auf die Epoche werfen, aber ich habe bislang nur wenige Ausgaben in der Hand gehabt, in denen nicht wenigstens die Hälfte der oben angeführten Mythen wieder aufgewärmt wird.

    Das zusammen mit dem eines Guido Knopp würdigen pathetischen schreibstil bei dem komplexe Sachverhalte auf einfache Emotionen heruntergebrochen werden, hat dazu geführt, dass ich mich von GEO Epoche mittlerweile fern halte.

    Wobei ich nicht bestreiten will, dass es hin und wieder Lichtblicke gibt: Die Ausgabe über die Kreuzzüge vor einigen Jahren hat mich positiv überrascht.
    Der bis heute mit vielen Emotionen aufgeladene Konflikt wurde nicht als Schwarz gegen Weiß sondern als Grau gegen Grau dargestellt und die vielfältigen Motivationen der Kreuzfahrer nicht auf "Hass, Gier und generelle Boshaftigkeit" heruntergebrochen.

    Ich möchte daher nur dringend raten, sich die Aktuelle Artikelsammlung mit gebührendem Misstrauen zu Gemüte zu führen und sich klar zu machen, dass Geschichte immer komplex ist, nicht aus Schwarz und Weiß sondern aus einem Gewirr von Grautönen besteht und daher drastisch verzerrt wird, wenn man sie als bloße Fabel zur vermittlung einer bestimmten (modernen) Moral verwenden will, wie es die GEO leider zu oft tut.

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    1. Natürlich gewichten die einzelnen Autoren bestimmte Aspekte des Mittelalters unterschiedlich (z.B. die vergleichsweise bescheidenen hygienischen Zustände) aber ich hatte nicht den Eindruck, dass in diesem Heft durch die Bank übertrieben wird.
      Und wenn der eine Autor die Kirche als Bildungsbremse hinstellt, so wird beim nächsten die große Leistung der Klöster als Retter antiken Wissens unterstrichen. Daher gleichen sich hier meiner Ansicht nach die unterschiedlichen Blickwinkel letztendlich aus - sofern man mehrere Artikel liest.

      Fachpublikation ist GEO freilich keine, sondern leichte Lektüre für die Couch oder die Terrasse.

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