Mittwoch, 4. Januar 2017

Buch: Caligula

Seit einigen Jahren veröffentlicht der Reclam Verlag nach und nach die deutschen Übersetzungen der bekannten Herrscher-Viten des Gaius Suetonius Tranquillus (70–140 n. Chr.). Bisher erschienen sind jene von Caesar, Augustus, Tiberius, Caligula, Claudius, Nero sowie den drei flavischen Kaisern Vespasian, Titus und Domitian. Ausständig sind noch die Lebensbeschreibungen von Galba, Otho und Vitellius; ich vermute, sie werden wegen ihrer Kürze gemeinsam in einem einzelnen Band veröffentlicht werden.

Caligula - der offiziell eigentlich Gaius hieß - gilt bis heute als einer der verruchtesten Kaiser des Römischen Reichs. Möglicherweise war er in charakterlicher Hinsicht sogar der übelste - schlimmer noch als der infantile Nero, der eineinhalb Jahrzehnte später an die Macht kam.
Selbst wenn nur ein Bruchteil der überlieferten Untaten zutrifft, so war Caligula doch zweifellos ein boshafter Schurke, dem - geisteskrank oder nicht - sehr viele unschuldige Menschen zum Opfer fielen. 
Sueton schildert einleitend kurz Caligulas Abstammung und Kindheit, geht dann aber zügig zu dessen Herrschaft über, die von 37-41 n. Chr. dauerte und gewaltsam endete. Die Schilderung dieses vergleichsweise kurzen Zeitraums ist angefüllt mit den unterschiedlichsten Schurkenstücken, Skurrilitäten und Skandalen. Daneben lässt sich aus dem Text aber auch manch spannende Information über das römische Alltagsleben entnehmen - was für mich sogar ein wenig interessanter ist, als die großen historischen Ereignisse. So begaben sich beispielsweise laut Sueton viele Menschen bereits in der Nacht zur Pferderennbahn, um frühzeitig die besten der kostenlos angebotenen Plätze zu besetzen (ähnlich machen es auch heute noch die Besucher von Rockkonzerten). Interessant ist auch der Hinweis, dass Augustus Bilder seiner Enkel im Schlafzimmer stehen hatte - Tafelbilder dürften demnach bereits im Antiken Rom nichts Ungewöhnliches gewesen sein, obwohl wir heute darüber nur sehr wenig wissen, da nahezu ausschließlich Wandgemälde die Jahrtausende überdauerten (eine Ausnahme bilden die berühmten Mumienporträts).

Fazit: An Ursula Blank-Sangmeisters deutscher Übersetzung gibt es aus meiner Sicht nichts zu meckern. Sie ist zeitgemäß und liest sich sehr angenehm. Das Buch enthält außerdem ein Verzeichnis der enthaltenen Eigennamen, viele erklärende Endnoten, Literaturhinweise, eine Stammtafel, ein Nachwort und eine sehr gute Übersicht zum Inhalt und Aufbau der Vita Caligulas (über ein Drittel der 172 Seiten werden von all diesen Zusatzinformationen mit Beschlag belegt). Der Kaufpreis beträgt knapp 7 Euro.

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